Idiomatisches

»Ein Bayer wird nie die für ihn völlig abstrakte Bezeichnung “Gott“ gebrauchen,
er sagt stets “Herrgott“.«  (Oskar Maria Graf)

Da produziert der ORF eine Reihe über diverse Schlösser und deren adelige Herrschaften in Österreich unter dem Titel “Herrschaftszeiten“, welcher gar nicht mal unoriginell wäre – wenn er nicht unsinnig wäre: weil der bairische Ausdruck nämlich gar nicht so heißt (und auch mit “Zeiten“ gar nix zu tun hat), sondern “Herrschaftseiten“ oder “Herrschaftzeiten“.

Die etymologische Herleitung der Interjektion “Herrschaftseiten“ (o. “Herrschaftzeiten“) als ausdrückliche Un­muts­be­kundung ist ungewiss, möglicherweise aus einer Verglimpfung des gleich­falls gebräuchlichen mundartli­chen Fluchs “Herr­gottzefix“. Nicht unplausibel scheint auch eine phonetische Ver­schleifung (Enklise) der Redensart “Herr, schau auf d’ Seit’n!“, in der Be­deu­tung “Herr[gott], blicke [gnädig] hin­weg [über dieses Unge­mach]!“.

Anempfohlenes: Befremdliches

Nachdem der “Focus“ bereits nutzreiche Notfalltipps bei einem Tornado in Sicht zu emp­feh­len wusste, sowie drauf­hin die “Bunte“ ebensolche bei einer Nuklear-Explosion, ist nunmehr wiederum der “Focus“ an der Reihe:

Obgleich »ein totaler Blackout in Deutschland auch inmitten der Energiekrise sehr unwahr­scheinlich ist«, anempfiehlt (sic) das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophen­hilfe (BBK) »eine eigene Packliste für den Notfall, die auf den Fall der Fälle vorbereitet«, wie der “Focus“ aktuell zur Kenntnis bringt.
In dieser vom BBK anempfohlenen Liste mit »Essen und Trinken, das für eine Notfall­ver­sor­gung für 10 Tage als Vor­rat Zuhause zu haben« empfohlen wird, fallen insonders die glei­cher­maßen detaillierten wie befremdlichen Mengenangaben auf – z.B.:
  • Kirschen im Glas: 500 g
  • Birnen in Dosen: 179 g
  • Aprikosen in Dosen: 179 g
  • Mandarinen in Dosen: 250 g
  • Ananas in Dosen: 250 g
  • Rosinen: 143 g
  • Haselnusskerne: 143 g
  • Trockenpflaumen: 179 g
  • Frischobst (Apfel, Birne, Banane, Orange): 714 g
  • Zitronensaft: 0,14 l
  • .. u.a.m.
Das reicht locker für 10 Tage lang täglich Obstsalat – mit so einer Einkaufsliste loszuziehen um die emp­foh­lenen Notfallvorräte jeweils den präzisen Mengenvorgaben entsprechend be­­schaf­fen zu wollen, dürfte sich freilich als eher unlockere Unternehmung erweisen.

Ebenfalls als Ausstattung für 10-tägige Notfallversorgung wird empfohlen:
  • Kartoffeln, roh, geschält: 714 g
Wie mit den bevorrateten 714 g rohen, geschälten Kartoffeln anschließend zu ver­fahren sei, falls innerhalb der folgenden 10 Tage kein Notfall eingetreten ist, wird dort nicht erläutert.
  • Eier: 8 Stück / ca. 379 g
Man beachte die Gewichtsangabe. (Damit mans nicht mit Wachteleiern verwechselt.)

Nicht in Gramm angegeben werden die empfohlenen Vorratsmengen hingegen bei:
  • Toilettenpapier (Rollen)
  • Zahnbürste, Zahnpasta (Stück)
  • Haushaltshandschuhe (Paar)
    (merke: Paar, nicht Stück)
Keine konkrete Mengenempfehlung zur Notfallausstattung gibts dafür zuletzt bei:
  • Alkohol: nach Belieben
Im Notfall auch für den Obstsalat geeignet, um Bowle daraus herzustellen.

Rundfunk(un)gebührliches

Die aktuelle Affäre um den ungebührlich nonchalanten Umgang einer RBB-Intendantin mit Firmengeldern führte auch zur Debatte über die geradezu obszön opulenten Gehälter öffent­lich-rechtlicher Rundfunk-Intendanten in Deutschland – bei gleichzeitig drastischen Einspa­rungen beim TV-Programm:

Den österreichischen Rundfunkgebührenzahler vermögen derlei astronomische Summen in­des­sen kaum zu be­ein­drucken, denn:
  • 420.000 Euro beträgt das Jahresgehalt eines ORF-Generaldirektors (=Intendant).
  • 248.000 Euro beträgt das jährliche Durchschnittsgehalt aller 14 (in Worten: vierzehn) ORF-Direktorinnen und -Direktoren.*
Somit gebührt also einem ÖRR-Senderchef in Österreich ein noch opulenteres Salär als sämt­lichen seiner deut­schen Kollegen. Klarer Fall von Sender-Pay-Gap.

Anbetrachts der chronisch drohenden Pleite des österreichischen Staatsrundfunks kündigte der vormalige ORF-Generaldirektor Wrabetz seinerzeit rigide Sparmaßnahmen an, indem er gleichzeitig eine Gebührenerhöhung sowie obendrein zusätzliche 57 Millionen Euro staat­­­li­­cher Zu­­schüsse ein­forderte:
    »Beim Programm soll allerdings nichts eingespart werden, denn beim Programm
    geht’s nicht mehr.« *)
*) (Sagte der übrigens, nachdem er im Jahr davor »die größte Programmreform in der Ge­­schichte des ORF« angekündigt hatte.)

Das mit dem Sparprogramm las sich dann laut Budgetplan allerdings bissel anders, ge­plant waren danach:
  • Einsparungen beim ORF-Gesamtaufwand: 85 Millionen Euro
  • davon Einsparungen beim TV-Programm: 70 Millionen Euro
Von eventuell geplanten Einsparungen bei den exorbitanten Gagen der ORF-Chefetage stand darin freilich nix zu lesen.

Papa locuta, oder: »HIER rechnet einer ab«

BILD macht auf mit »Deutschlands oberstem Sprachlehrer Wolf Schneider«:

»Wolf Schneider (97) hält den Gendersprech für Unsinn. HIER rechnet Schneider in BILD ab mit der „Genderei“: «

Unbestritten gilt der Sprachkritiker und Sprachstillehrer (»Sprachpapst«) Wolf Schneider als maßgebliche Instanz für attraktives, solides, eingängiges Deutsch: seine Stan­dard­werke zur Stillehre gelten Generationen professionell Schreibender als ver­bind­li­cher Ko­dex. Obgleich seine Urteile über zeitgemäße sprachliche Entwicklungen zunehmend durch Engstirnigkeit und Al­ters­borniertheit geprägt sind, wär’s freilich interessant zu lesen, wie der große alte Mann der Sprachkritik die grassierende Gender-Debatte beurteilt:

»Die ganze Gender-Debatte ist eine Wichtigtuerei von Leuten, die von Sprache keine Ah­nung haben.«

Die ganze Debatte. Alles Leute, die keine Ahnung haben – reiflich undifferenziertes Urteil. Gemeint sind wohl: alle außer ihm selber.

»Zwischen dem natürlichen und dem grammatischen Geschlecht besteht nicht der ge­ringste Zusammenhang. Wie könnte es sonst das Weib heißen? Der Löwe, die Schlange, das Pferd. Obwohl sie alle dieselben zwei Geschlechter haben.«

Tusch! Wolf Schneider analysiert exklusiv in BILD: den Unterschied zwischen natürlichem und grammatischem Geschlecht! Für alle, die bisher davon keine Ahnung hatten.

»Die Führungskraft ist heute überwiegend ein Mann – und keiner hat sich je beschwert.«

Keiner. Wer hat dann eigentlich mit dieser Gender-Debatte überhaupt angefangen?

»Die Liebe ist weiblich, dabei soll es bleiben.«

Ende BILD-Artikel. – Wie bitte, das war alles? Das war die ganze »Abrechnung von Deutsch­lands ober­stem Sprachlehrer mit der „Genderei“«?
Was für ein läppischer Schmarrn.

Drecksjournaillistisches

Mitunter fragt man sich, ob sie dieser Verschenkblatt-Journaille die Gehirne nun voll­ends zu­ge­schissen haben: da trägt eine Frau, so wie Millionen andere, bei dreißig Grad im Schatten ein T-Shirt ohne BH darunter – und welcher Aufmacher fällt dieser Drecks­blattjournaille da­zu ein?

  (Heute)

»Nippelgate«. – Diese verkommene, degenerierte Drecksjournaille. Man möchte glatt kot­zen, wenn man solchen Dreck liest.

(Dass der männliche Kollege jener Frau zeitgleich den Bojazzer gibt, indem er in kurzen Ho­sen zu lang­ärmeliger Wollweste und Sakko auftritt, findet in dem Drecksblattartikel indes­sen keine Er­wähnung.)

Euphemistisches, ..

.. oder: Definieren Sie den Begriff »Fehler«

Hätten Sie gewusst, was ein »Glimpfwort« ist? Bedeutet: Euphemismus, d. i. ein Ausdruck zur Verglimpfung eines unglimpflichen Sachverhalts. Zum Beispiel, was im herkömmlichen Me­di­en­sozio­lekt sonst unvermeidlich unter dem Terminus »Horror-Crash« kolportiert würde, –

– als »Fehler beim Ausparken« zu verglimpfen. Hört sich gleich viel glimpflicher an.

Kolumnistisches: Unverständliches

*

So stehts über einer Kolumne auf “dieStandard“, in der es dann aber nicht um den Begriff “Gender“ geht, sondern um Diskurse über Trans-Frauen:

»Wo sind etwa die Stimmen von jenen Trans-Frauen, für die feministische Räume nur für Cis-Frauen kein Problem sind– und die nur wissen wollen, woran sie sind?«
“Feministische Räume nur für Cis-Frauen“: vormals genannt Damenklo, Damenumkleide.

»Die gibt es ebenso wie Trans-Frauen, die sich in der Umkleidekabine für Frauen nicht wohlfühlen, weil Umkleidekabinen oder Toiletten in der aktuellen Debatte quasi zu dem Tatort schlecht­hin für sexualisierte Übergriffe durch Trans-Frauen gemacht werden.«
Bahnhof. Wenn schon der zweite Absatz einer Kolum­ne so unverständlich daherkommt, da verdrießt einen das Weiterlesen eigentlich eh schon – aber man bemüht sich halt:

»Es sind zweifelsohne große Fragen, die aufkommen, wenn wir Geschlecht anders als bisher denken sollten – wovon wir im Übrigen noch weit entfernt sind.«
Und welche großen Fragen wären das denn konkret, wenn man fragen darf? Es wäre zwei­fels­oh­ne dem Verständnis zuträglich, we­nigs­tens ein Beispiel für wenigstens eine der großen Fra­gen zu erfahren, deren Auf­kom­men hier postuliert wird. Weswegen sollten wir das Ge­schlecht von Trans-Frauen an­­ders denken als wir es bisher gedacht haben, nämlich als Ge­schlecht von Trans-Frauen? Wird et­was anderes da­r­aus, wenn wir es “anders denken“? Und wofür soll überhaupt diese neuer­dings grassierende Ma­rot­te gut sein, “denken“ zu einem tran­siti­ven Verb mit Akkusa­tiv­ob­jekt zu ver­ballhor­nen – was soll der Humbug?

»Auf Twitter läuft es allerdings gern so, dass massig seltsame Accounts koordiniert und hasserfüllt loslegen. Das sind nichts anderes als Trolle, und von ihnen gibt es bei Gen­der­debatten viele.«
Echt jetzt: auf Twitter gibts Trolle? Wie hat die Kolumnistin das bloß herausgefunden. Aber wel­che Re­levanz sollten Genderdebatten auf Twitter denn überhaupt für irgendwen haben, bitte?

»Demokratiepolitisch sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass eine Mehrheit
nicht über eine diskriminierte Minderheit bestimmen sollte.«
Versteh ich nicht. Ist denn nicht eigentlich grad das die Quintessenz der Demokratiepolitik, dass eben die Mehrheit bestimmt und nicht umgekehrt eine Minderheit über eine Mehrheit?

(Die Kolumne geht noch ellenlang weiter, aber da steig ich aus. Zu müh­sam.)

Familiäres: Eine “Drillingsgeburt“

Mein jüngster Bruder, eine Cousine und ein Cousin werden in der Familie die “Drillinge“ ge­­nannt, das kam so:
Unsere Mutter und unsere Tante Eva waren weiland beide gleichzeitig hochschwanger, und weil der Onkel beruflich unterwegs war befand sich die Tante in Obhut unserer Oma am Kohlreith­berg im Wienerwald, als die We­hen einsetzten. Also marschierte die Oma hinüber zum Kohl­reithwirtshaus, wo es ein Telefon gab, und rief unseren Vater an: er möge mit dem Auto kommen, um sie zur Geburt zu fahren. Halb im Scherz fragte der unsere Mutter, ob sie etwa auch gleich mitfah­ren wolle, damit es in einem Auf­wasch ginge, doch die winkte ab: so weit wär’s bei ihr noch nicht. So startete der Vater sei­nen VW-Käfer und fuhr los, um die Tante vom Kohlreith dro­ben ab­zu­holen und zur Frauen­klinik nach Wien einzu­liefern. Als er aus Wien zu­rück­kehrte, war bei un­se­rer Mutter die Fruchtblase ge­platzt und er muss­te sie daraufhin nun eben­falls zur Klinik expedieren.
So kam es dahin, dass beide nebeneinander im Kreißsaal lagen und sich, nur durch einen Zwischenvorhang getrennt, miteinander unterhalten konnten. Unsere Mutter aber brachte meinen Bruder zuerst zur Welt, und keine halbe Stunde darauf die Tan­te dane­ben seine Cou­sine. Wenig später ließ sich nebenan hinter dem Vorhang Aufregung vernehmen: Hoppla, da kommt ja nochwas hinterdrein – das ist gar nicht die Nach­geburt! Tatsäch­lich stellte sich heraus dass die Tante mit Zwillingen schwanger ge­wesen war, was niemand geahnt hatte, und so kam zuletzt auch noch unser Cousin zur Welt. Des­wegen sind die drei sozusagen “Drillin­ge“, die zugleich auf die Welt kamen.
Unser Vater erzählte, dass ihn der Portier beim Verlassen der Klinik, nachdem er an einem Tag bereits zweimal eine werdende Mutter herbeigeschafft hatte, fragte ob er wohl heute nochmal mit einer daherkommen wolle?


(Oma & Opa, eine Cousine & div. Cousins)

7. Juli

Heute vor 75 Jahren wurde Fredl Fesl geboren, der “bayerische Melankomiker“.

Seine Karriere begann damit, dass er in den Münchner Kleinkunstbühnen durch das Mit­­brin­gen seiner Gitarre keinen Eintritt bezahlen musste, indem er sich als auf­tretender Mu­si­ker ausgab. Als der eigentliche Künstler eines Abends fehlte, wurde Fesl vom Publikum auf die Bühne genötigt und musste wirklich selber auftreten.

Fredl Fesls Wortzerklaubereien kommen in schönster valentinesker Tradition daher:
    »As Pferdl hoaßt Pferdl, wei’s auf da Erd’ steht.
    Wei tats in da Luft fliagn, hoaßats fei Pfluftl

Zensiertes, oder: Die Große Färöer-Verpixelungs-Luftnummer

Vor Jahren fanden die Färöer-Inseln schon mal Erwähnung in einer “Computer Bild“-Strecke über “zensierte Bilder“ auf Google, obwohl die schon damals gar nichts da­mit zu tun hatten:

»Färöer-Inseln (Dänemark): Google bietet seinen Nutzern große Teile der Färöer-Inseln nur in sehr geringer Auflösung an. Ob das am Einspruch der 50.000 dort lebenden Fä­ringer liegt, ist nicht bekannt.«

Etliche Jahre danach geistert die Nonsens-Nummer mit den angeblich zensierten/verpixel­ten Färöer-Inseln durchs Netz:


»Die halbe Faröer-Insel
[..] So ist etwa die halbe Faröer-Insel kaum zu erkennen bzw. große Gebiete sehr stark verpixelt. Das soll wohl daran liegen, dass auf der strategisch wichtigen Insel sehr viele Soldaten leben.«
Im Jahr darauf verrät “Techbook“:


»7. Färöer Inseln
[..] Hier leben viele Soldaten und deshalb sind große Teile der Insel nur aus weiter Ent­fernung und grob zu erkennen.«
Tatsächlich leben auf den Färöer-Inseln insgesamt 4 (in Worten: vier) Militärangehörige, die an einem mysteriösen Ort  Verbindungsbüro der dänischen Streitkräfte neben der Po­li­zei­sta­­­tion in Tórs­havn stationiert sind. (Adresse und Telefonnummer stehen übrigens auf deren öffentli­cher Webseite, falls wer dort anrufen oder auf einen Kaffee vorbeikom­men möchte.)
Ein halbes Jahr später ist auf “Travelbook“ von den vielen Soldaten keine Rede mehr:

»Färöer Inseln, Dänemark
Ein großer Teil der Färöer Inseln ist bei Google Maps gepixelt. [..] Wieso so viel von der restlichen Insel unkenntlich gemacht wurde, bleibt Googles Geheimnis.«
Im Juni entdeckte eine Videoredakteurin von Gruner + Jahr die Nummer auf der Travelbook-Seite und bastelte ein animiertes Stockfotostrecken-Video daraus:

»2. Färöer Inseln, Dänemark
Nicht nur die beheimatete Militärbasis wurde bei Maps unkenntlich gemacht, sondern direkt die halbe Inselgruppe.«
Die beheimatete Militärbasis. Wir erinnern uns an die vier Bürohanseln in der dänischen Außendienststelle, die auch auf Google Street View zu sehen ist: wo sie grad mit einem Tarn­anstrich un­kennt­lich gemacht wird.
Dann landete die Färöer-Verpixelungsnummer auf der Fremdcontent-Schleuder “buzzfeed“:

»1. Färoer Inseln in Dänemark
Die Färöer Inseln in Dänemark sind als Ausflugsziel bekannt. Auf Google Maps ist aber nicht einmal die Hälfte der Insel zu sehen, der Rest ist stark verpixelt. [..] Unter den Pi­xeln befindet sich laut dem Spiegel eine Militärbasis.«
Verwechslung von buzzfeed, gemeint ist: laut dem stern. Dort tischen sie das nämliche Video aus der “Brigitte“ auf:

“Focus“ sowie “ProSieben“ präsentieren wiederum ein älteres mittels Bastelpro­gramm her­gestelltes Stockfoto-Video plus Erzählstimmen-Generator, und der darf extemporieren:

»4 Färöer Inseln
Die Färöer Inseln gelten eigentlich als beschaulich, doch das lässt sich leider nicht bei Google Maps erleben. Denn auf den Inseln leben viele Soldaten und deshalb lässt sich nicht wirklich etwas erkennen. «

Viele Soldaten, kennen wir schon. (Aber: Man muss nicht alles glauben, was im Focus steht.)

Was steckt denn aber nun tatsächlich hinter dieser mysteriösen Färöer-Zensurverpixelung? Die schlichte Antwort lautet: Nichts.
Tatsächlich ist auf Google Maps nämlich weder ein Teil noch überhaupt irgendwas auf den Färöer-Inseln verpixelt/zensiert/unkenntlich gemacht oder sonstwas: nichts derglei­chen. Das könnte frei­lich jeder selber herausfinden, wer dort “Färöer“ ein­gibt und die Karte halt ein­fach größer zoomt: so stellt sich die kolportierte vermeintliche Verpixe­lung ver­schiedener Zo­nen bloß als simpler grafischer Darstellungsfehler in bestimm­ten Zoom­­stu­fen her­aus. Als schiere Luft­nummer, mit nichts dahinter.

Exxpressionistisches: Milchmädchenmathematisches

»Menschen werden Journalist*innen, weil sie gerne Geschichten erzählen
– und Mathe hassen.«  (Scott Maier)*

Da hat der Tweet-Abschreibebeauftragte vom “eXXpress für Selberdenker“ wieder mal einen Tweet entdeckt und artig abgeschrieben:

Der ORF-Journalist Hannes Auer rechnet auf  Twitter vor:

»Österreichische Vollmilch kostet in Italien nur 0,89 Euro, in Österreich kostet die glei­che Milch 1,29 Euro. Das sind rund 45 Prozent mehr.«

Daraufhin extemporiert der “eXXpress“-Milchmädchenmathematiker:

Geht’s noch? Wenn die Milch in Österreich um 45 Prozent mehr kostet als in Italien, dann ist sie deswegen in Italien nicht um 45 Prozent billiger als in Österreich, stupido! Würde etwa die Milch in Österreich doppelt soviel kosten wie in Italien, das sind 100 Prozent mehr – so wäre die nach eXXpress-Mathematik in Italien also um 100 % billiger und kostet dort gar nix.
────────────────────────────
(Rechnung für Selberrechner: Wenn die Milch in Italien mit 0,89 Euro um 40 Cent weniger kos­tet als in Österreich mit 1,29 Euro, dann ist sie dort um rund 31 % billiger.)

22. Juni

Heute ist übrigens der Welttag des VW-Käfers.
Früher erkannte man die lässigsten Typen immer daran, dass sie die längsten Autoradio-An­tennen hatten:


(v. l. n. r.: VW-Käfer, Papa und Tante Marianne, 1959)

Heutzutags nur mehr schwer vorstellbar, wie wir seinerzeit vor einem halben Jahr­hundert die ganze Familie, Eltern plus 4 (vier!) Schratzen plus Gepäck, Koffer, Luftma­tra­t­zen, Liege­­­stühle u.v.m. in einem VW-Käfer an die Adria in Urlaub fuhren: durch­wegs über Bundesstra­­ßen, Südautobahn gabs dazumals noch keine. Mit luftgekühlten 34 (vier­unddrei­­ßig!) PS und Vollgas im zweiten Gang über den Südalpen-Hauptkamm: das wa­ren aben­­teuerliche Reisen.

Neues vom Bildbetextungsbeauftragten: Bundeskanzler Scholzli

Wieso heißt der deutsche Bundeskanzler in Bildbetextungen eigentlich immer Olaf Scholzli? (Weil der so klein ist?) (Oder damit sich der Sprachverarbeitungs-Spezi von der taz mit sei­­ner Einnormung leichter tut?) – Ah nein, heißt gar nicht Scholzli, heißt ja Scholz (li.):


(von links nach rechts, klick für Detail:)
  • Olaf Scholz (li.): damit man den nicht mit dem Anderen im Bild verwechselt.
  • Olaf Scholz (li.): damit man den nicht mit dem Anderen im Bild verwechselt.
  • Olaf Scholz (li.): damit man die Beiden im Bild nicht verwechselt, die man sonst nur an ihren Krawatten unterscheiden könnte.
  • Olaf Scholz (li.): damit man die Beiden im Bild nicht verwechselt, die man sonst nur an ihren Krawatten unterscheiden könnte.
  • Olaf Scholz (li.): Das Olaf-Scholz-Suchbildrätsel: Auf einer Seite des Bildes ist ein Olaf Scholz abgebildet, finde heraus auf welcher.
  • Olaf Scholz (li.): wegen der Masken täte man sonst nicht erkennen, wer von den Beiden Olaf Scholz ist.
  • Olaf Scholz (li.): wegen der Masken täte man sonst nicht erkennen, wer von den Beiden Olaf Scholz ist.
  • Olaf Scholz (li.): der mit dem Helm?
  • Olaf Scholz (li.): der mit der Maske, damit man den nicht mit dem Anderen ohne Maske verwechselt.
  • Olaf Scholz (li.)  (ganz li.): sonst täte man nicht erkennen, welcher von den Beiden links im Bild Olaf Scholz ist.

Unerklärliches: Ein neues Phänomen

Welcher vernünftige Sinn dahinterstecken sollte, einen altbekannten Begriff wie “Frauen­mord“, welcher allgemein geläufig und verständlich ist, neu­erdings durch ein neumodi­sches Fremdwort wie “Femizid“ zu ersetzen, ist uner­klärlich.

Femizid ist die vorsätzliche Tötung einer Frau durch einen Mann aufgrund ihres Ge­schlechts bzw. aufgrund von “Verstößen“ gegen die traditionellen sozialen und patriar­chalen Rollenvorstellungen, die Frauen zugeschrieben werden. Femizide sind per defini­­tio­nem “von Männern verübte misogyne [frauenfeindliche] Hasstötungen von Frau­en“. Die Definition geht auf die südafrikanische Soziologin und Autorin Diana Russell zu­rück, die den Begriff in die­ser Bedeutung erstmals öffentlich verwendete.

Heißt also: Jeder Femizid ist ein Frauenmord, aber nicht jeder Mord an einer Frau ist ein Fe­mizid. Umso unerklärlicher, weswegen dieser Fachbegriff nun allenthalben unreflektiert in­fla­tionäre Verwendung findet – ungeachtet seiner eigentlichen Be­deutung, aber weil der halt aktu­ell grad so toll in Mode ist. Zum Beispiel in Medienberichten wie diesen:

Ein neues Phänomen, das trifft wohl zu – nämlich auf die Berichterstattung darüber. Weil es sich bei dem kon­kreten Fall mitnichten um einen Femizid sondern of­fenkundig um was ganz anderes, einen sog. “erweiterten Suizid“ handelt: um einen 80-jährigen Mann, welcher seine 83-jährige pflegebedürftige Ehefrau jahrzehntelang betreute, nunmehr aber selber schwer erkrankte und aus Sorge, sie zukünftig nimmer pflegen zu können, ihrem und sei­nem Leben ein gemeinsames Ende setzte. Nichts könnte hier somit von einem “Femizid“, d. h. von ei­ner frau­en­feindlichen “Hasstötung“ weiter entfernt sein.
Tötungsfälle wie dieser sind kein neues Phänomen, solche gab es auch früher schon. Ein neues Phä­nomen ist hingegen, solche Fälle in der Medienberichterstattung unerklärlicher­­weise mit einem neuartigen Hashtag-Modewort zu etikettieren, obwohl das über­haupt nix damit zu tun ha­t.