20. Jänner – Wissenserweiterndes über Pinguine

Heute ist übrigens der Ehrentag der Pinguine, falls man dem Kalender glauben will – nicht zu verwechseln mit dem Welt-Pinguin-Tag: »Es handelt sich dabei um einen Tag, an dem das Wissen über Pinguine erweitert werden soll.«

Was Sie über Pinguine vielleicht noch nicht gewusst haben:
Der Name Pinguin leitet sich von dem walisischen Ausdruck pen gwyn ab, und das be­deu­tet: »weißer Kopf«. Bemerkenswert daran ist, dass Pinguine niemals weiße Köpfe haben.


Man muss nicht alles glauben, was uns die Pinguin-Experten von Österreichs auf­la­gen­zweit­stärk­ster Verschenk-Volksinformationspostille weismachen wollen:

(Heute)


Abb. rechts (klick für Detail):

Zum Thema natürlich nicht fehlen darf wie immer das
obligate Symbolbild: »Dieb, als Pinguin verkleidet«
sowie die unvermeidliche Illustration aus der beliebten
Reihe
: »Leute, die auf Stellen zeigen«

18. Jänner: Welttag des Schneemanns

Als Datum für den Welttag des Schneemanns wurde der 18. Jänner gewählt, wobei die 8 sym­bolisch für die Figur des Schneemanns und die 1 für seinen Stock oder Besen steht.
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In 30 Tagen um die Welt, 58. Tag

.. Cortonwood/Yorkshire: Der Schneemann und der Polizeichef

Am 6. März 1984 begann in Cortonwood in Yorkshire der einjährige bri­tische Berg­ar­bei­ter­streik, der Miners’ oder Coal Strike von 1984-1985, in dessen Verlauf es wie­der­holt zu heftigen Aus­ein­an­der­setz­un­gen mit der Polizei kam.

Bruce Wilson, einer der strei­ken­den Berg­männer, notierte in seinen 2004 veröffentlichten Tage­buch­auf­zeich­nun­gen eine Episode aus dem bit­ter­kalten Februar 1985:
Nachts hatte es geschneit und einige hatten, um sich sich auf­zuwärmen, einen großen Schnee­mann gebaut und diesem einen erbeuteten Polizeihelm auf den Kopf gesetzt. Der Polizeichef, Chief Superintendent John Nesbit, wollte derlei despektierliche Obrig­keits­ver­spot­tung nicht dulden, startete höchstpersönlich einen Streifenwagen Marke Range Rover und fuhr mit Voll­gas auf den Schneemann zu, um ihn zu zerstören. Das Ergebnis war ein gehöriger Crash samt veri­tab­lem Totalschaden – nämlich am Strei­fen­wa­gen: die Bergleute hatten den Schneemann rund um einen massiven Betonpoller errichtet.
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(Die Episode findet auch Erwähnung in: B. Eckstein, “The History of the Snowman“/2007; so­wie in dem Song: K. Tomlinson, “The Super and the Snowman“. Überdies scheint sie auch in Form einer Wandersage unterwegs zu sein: hier eine Variante mit Kindern statt Berg­leu­ten.)

13. Jänner – Folkloristisches: Sankt-Knuts-Tag

In Schweden, Norwegen und Finnland dauert die Weihnachtszeit zwanzig Tage und endet erst am 13. Jänner, dem Sankt-Knuts-Tag. An diesem Tag werden traditionell die Weihnachtsbäume entsorgt, indem sie kur­zer­hand aus dem Fenster hinausgeworfen werden.

Zum Opfer dieser Tradition wurde einst der große französische Denker René Descartes:

Die Weihnachtsferien zum Jahreswechsel 1649/50 verbrachte Monsieur Descartes auf Ein­la­dung Königin Christines von Schweden, seiner langjährigen Brieffreundin, in Stockholm, wo­selbst er jeden Morgen um Schlag sechs Uhr früh am königlichen Früh­stückstisch anzutreten hatte. Welch barbarische Sitte, zu nachtschlafener Zeit zu frühstücken, parbleu!, befand Des­car­tes, diese Schweden müssen wohl einen an der Waffel haben. Nun weiß man aber, dass in Schweden noch andere extra­va­gante Brauchtümer grassieren, etwa morgens zu Sankt Knut die ab­ge­fei­er­ten Weih­nachts­bäume directement aus dem Fenster zu expedieren, all­fäl­li­gen Pas­san­ten auf die Köpfe. Und akkurat ein sol­cher landete unglücklicherweise auf Mon­sieurs Den­ker­haupt, als er am Sankt-Knuts-Tag 1650 früh­mor­gens grimmigen Ge­mü­tes durch den skandinavischen Winter stiefelte, zum Pflicht­déjeuner mit Ihro bettflüchtiger Majestät. Von den Folgen erholte er sich nimmer, knapp einen Monat später verstarb Des­car­tes in Stock­holm an den Aus­wir­kun­gen skan­di­na­vi­scher Weih­nachts­folklore.

12. Jänner

Heute vor 141 Jahren wurde Ray Harroun geboren, der Erfinder des Rückspiegels am Auto­mo­bil. Seine revolutionäre Erfindung ersetzte den zuvor notwendigerweise mitge­führten Bei­fahrer (= Schmiermaxe), welchem unterwegs die Aufgabe oblag, den Automobilisten über das Verkehrsgeschehen hinter ihnen mündlich in Kenntnis zu setzen.


»Ein Auto ohne Autofahrer ist immer noch ein Auto,
 aber ein Autofahrer ohne Auto ist nur ein Mensch.«
(nach Stanisław Jerzy Lec)

Sonderbericht: Metamorphotisches


Erfahren Sie in div. “Gesundheitsportal“-Sonderberichten »nur bewährte!« und »nur bestätigte!« Informationen über die »bahnbrechenden Behandlungen« eines österreichischen Professors Erik Wagner, eines deutschen Professors Bruno Hauer (alias Professor Maciejczyk), eines Schweizer Professors Bruno Hauer, und div. weiterer Professoren aus div. weiteren Ländern [*] [*] [*] [*] (alle Experten für Molekularbiologie):


Ihre »Pionierleistungen in der Diätetik« führten zur Metamorphose einer Frau Miriam Sander aus Graz, welche zu Frau Miriam Sander aus Hamburg metamorphosierte sowie zu Frau Emma Gerber aus Lausanne (alle 37 Jahre), welche alle drei nach einem Facelifting und einer Zahnkorrektur eine Karriere als Stockphoto-Model einschlugen.

(Nur konsequent, dass auch die Leserkommentare zu den verschiedenen Artikeln einer Me­ta­mor­phose unterliegen ; )
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(zum Thema “Sonderbericht“ siehe auch: »Der Schmu des Manitu«)

2. Jänner

Heute vor 75 Jahren wurde Peter Patzak geboren – Maler, Autor, Schauspieler und vielfach preis­gekrönter Filmregisseur, nebenbei einer der nobelsten, großherzigsten & liebens­wer­tes­ten Menschen die ich kenne.

Mit der teils satirischen, teils grotesken Serie »Kottan ermittelt« schrieb er 1976-1983 (ge­mein­sam mit seinem kongenialen Partner und Freund, dem leider früh verstor­benen Autor Hel­mut Zenker) ein Stück österreichischer Fernsehgeschichte.
Ungeachtet des fulminanten Publikums- und Medieninteresses stießen Patzak und Zenker bei den Programmverantwortlichen des Österreichischen Staatsfunks auf anhaltenden Wider­stand, die Produktion der Kultserie fortzusetzen, und sahen sich laufend gezwungen, zu den Künigl­berg-Granden zu pilgern und um gnädige Weiter­führung ihres erfolgreichen Projektes zu sempern (wie der Wiener sagt). Weil der ORF-Generalintendant damals Gerd Bacher hieß, seufzte Peter Patzak einmal:

    »Lieber als zum Bacher sempern
     gingert ich ins Sacher pempern.«

(“sempern“ ist im Wienerischen übrigens gleichbedeutend mit “sudern“ : )

Silvester auf der Insel

Kollege Trithemius berichtet hier, wie er vor Jahren gemeinsam mit einer Gefährtin den Jahreswechsel im eiskalten Freien auf der Insel Helgoland erlebte, das rief meine Erinnerung hervor:
Vor etlichen Jahrzehnten schipperte ich mit meinem Mädchen auf dem letzten Vaporetto des Jahres nach Torcello, einer Insel in der Lagune von Venedig, wo wir die Silvesternacht unter freiem Himmel zubrachten indem wir selbstgebackene Cannabiskekse futterten, Spumante pichelten und uns anschließend zusammen in einen Daunenschlafsack zwängten, aneinandergeschmiegt wie Dosensardinen und warm wie Toastbrot. Am Neujahrsmorgen erwachten wir starr & nahezu bewegungsunfähig – aber nicht vor Kälte, sondern weil unser Schlafsack außen von einer soliden Eisschicht ummantelt am Boden festgefroren war, steif wie ein Brettersarg. Der Neujahrstag war klar und sonnig, aber klirrend frostig. Später erfuhren wir, dass dazumals in jener Nacht, zum Jahreswechsel 1978/1979, die kälteste Win­ter­tem­pe­ratur seit 50 Jahren, nämlich seit 1929, in Venedig geherrscht hatte.
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Guten Rutsch! allen Kolleginnen & Kollegen.

25. Dezember

Heute vor 377 Jahren, am 25. Dezember 1642, kam Sir Isaac Newton zur Welt – nach dem seinerzeit in England geltenden Julianischen Kalender. Nach Gregorianischem Kalender entspricht das dem 4. Jänner 1643, wäre der damals schon gültig gewesen, hätte es Herrn Newtons Geburtstag also gar nicht gegeben. Muss man sich mal vorstellen: wäre Herr Newton nicht geboren worden, dann hätte womöglich nie einer die Schwerkraft erfunden  entdeckt.
Die würde uns bestimmt fehlen.

13. Dezember – Das Paulus-Projekt

Heute vor 82 Jahren wurde der große Lyriker, Schriftsteller, Zeichner und Humorist Robert Gernhardt (1937-2006) geboren.

Über eine seiner populärsten Versdichtungen, die vielfach kolportierten “Paulus-Briefe“, sagte er in einem SPIEGEL-Interview 1994:

»In meiner Jugend hörte ich Zweizeiler wie “Paulus schrieb an die Korinther: Was nicht davor ist, ist dahinter.“ 30 Jahre später dichtete ich “Paulus schrieb an die Apatschen: Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen“ oder “Paulus schrieb den Irokesen: Euch schreib ich nichts, lernt erst mal lesen“ [oder “Paulus schrieb an die Komantschen: Erst kommt die Taufe, dann das Plantschen“]. Weitere 15 Jahre später ließ ein deutscher Studienrat seine Klasse in diesem Sinne weiterdichten, wobei die ebenso schönen wie zeitgemäßen Zeilen entstanden: “Paulus schrieb an die Navajo: Man ißt Oblate nicht mit Majo.“« (*)


Mittlerweile folgten auf Gernhardts Paulus-Verse zahllose Weiterdichtungen [vgl. dazu Klapp­horn­vers, oder Pseudo-Kempneriana], unter dem Pseudonym “Winfried Kraft“ etwa reimte ver­mut­lich Robert Gernhardt selbst:

    Paulus schrieb an die Apostel:
    “Ich taufe alle Frauen Chrostel!“
    Doch Petrus schrieb in der Epistel:
    “Das heißt nicht Chrostel, sondern Christel.
    Und wenn ich gegen eins was habe,
    Sind’s Fehler, nur dem Reim zulabe!“

2006 rief die Redaktion von “EXOT. Zeitschrift für komische Literatur“ ihre Leserschaft zu einem »Paulus-Projekt zum höheren Ruhme des Robert Gernhardt« auf und versammelte auf diese Weise rund 2000 neue Paulusbriefe welche auf der Webseite veröffentlicht wurden, mit der Einstellung der Zeitschrift im Dezember 2015 aber leider verloren gingen und nur mehr ver­einzelt wiederzufinden sind (etwa hier, oder hier).

Weitere Paulusbriefe reimten überdies KollegInnen krassNICK et al., siehe Kommentare:

12. Dezember

Heute vor 100 Jahren wurde der populäre Wiener Volksschauspieler Fritz Muliar (1919-2009) geboren. Legendär ist seine erbitterte Fehde mit dem seinerzeitigen Burgtheaterdirektor Claus Peymann: um eine »Schangse« hatte der nämlich gefleht, der Piefke, »geben Sie mir eine Schangse!« – und wenn in Wien einer »Schangse« sagt, hat er schon ausgeschissen, eh klar. Herr Muliar kannte daher kein Er­bar­men, er beschied ihm:

    »Herr Peymann, schaun S’:
    mir sag’n net Schangse, sondern Schaus.
    Drum ham S’ bei uns ka Tschans net, also:
    schleich’n S’ Ihna z’haus!« *)

Keine Chance für Piefke Peymann. Wenn einer schon »Claus« mit »C« heißt statt Klaus, wie sichs in Wien gehört ..
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*) »schleichen«, österr.: siehe*

10. Dezember – Wissenswertes von A bis Z: Platypisches

Heute vor 268 Jahren wurde der englische Naturforscher George Shaw (1751-1813) geboren, er führte die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen an Axolotl sowie Schnabeltier durch.

Als Shaw erstmals ein Exemplar eines Schnabeltiers in Form eines getrockneten Balgs zur Un­tersuchung und Erstbeschreibung vorgelegt bekam, hielt er diesen für die kuriose Fäl­schung eines Scherzbolds, welcher ihn aus verschiedenen Teilen eines Bibers und einer Ente zusammengenäht hatte – zu einer Art antipodischem Raurackl, sozusagen.

Kollege KrassNick beschreibt das Schnabeltier recht anschaulich in einem Vierzeiler:

    Das Schnabeltier, das wissen wir,
    hat insgesamt der Flossen vier,
    davon auf jeder Seite zwie:
    dies dient, man ahnt’s, der Symmetrie.


Im Einleitungstext zu seinem Film “Dogma“ bezeichnet Autor und Regisseur Kevin Smith das Schnabeltier als »lebenden Beweis dafür, dass Gott Humor haben muss«.
Auch diesen Sachverhalt hat Kollege KrassNick wiederum in erbauliche Reimverse gefasst:

    Als Gott das Schnabeltier erschuf,
    da war er grad recht lustig druff
    und fragt’ es: Ente oder Biber –
    na, wie hätten wir’s denn lieber?
    Das Schnabeltier, darob verwirrt,
    wusst’ Antwort nicht sogleich zu geben,
    so ward’s vom lust’gen Gott kreiert
    als Mischkulanz – so ist das Leben.


© mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

9. Dezember

Heute vor 118 Jahren kam Ödön von Horváth (1901-1938) zur Welt, seinen “Geschichten aus dem Wiener Wald“ stellte er als Motto den erhabenen Satz voran:

    »Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit.«

24. November – Ein aviatischer Vélocipèdeur

Heute vor 107 Jahren, am 24. November 1912, fand in Paris unter dem Titel “Concours de l’Aviette“ ein von der Firma Peugeot Frères veranstalteter Wettbewerb für fliegende Fahr­­rä­der statt, welche ausschließlich durch menschliche Muskelkraft angetrieben sein sollten. Es gab keinen Gewinner.

Die Aviette von Raymond.
Links: Das fliegende Fahrrad, danebenstehend der Erfinder Henry Raymond. –
Rechts: Die Raymond≈Aviette auf der Fahrt, aber noch nicht im Fluge.
(Allgemeine Automobil≈Zeitung &
Allgemeine Flugmaschinen≈Zeitung, 1912)

(S.g. Leser,
leider endet unsere Bildstrecke über das fliegende Fahrrad nach dem zweiten Bilde, weil dem Photo­graphen der Film ausgegangen ist.
Die Redaction
)

19. November: “Die Welt feiert“


Heute ist übrigens schon wieder Welttoilettentag.
(Nicht zu verwechseln mit dem Tag des Toilettenpapiers, oder dem Tag des deutschen Tankstellenklos.)
Welchen Nutzen soll der eigentlich haben? Schau mer mal:

» Der Welttoilettentag soll die Verantwortlichen in Politik
und Wirtschaft wachrütteln.«

Wachrütteln. Die Verantwortlichen. Ah, so ist das.

(Haben Sie schon gewusst, dass Papst Julius I. als Schutzpatron der Lat­ri­nen­reiniger gilt, oder was eine Geräuschprinzessin ist? Man lernt nie aus.)
(Wie eine »Russische Toilette« ausschaut, erfahren wir bei Kollege Herold.) Bloggen bildet.

18. November – Kategorisches

Heute vor 113 Jahren wurde der Wiener Theater- und Fernsehschauspieler Guido Wieland (1906-1993) geboren.

Meine Oma selig weigerte sich zeitlebens, solch neumodernes Zeugs wie einen Fernseher beim Namen zu nennen. Radio hören hieß für sie “Radio hören“, und fernsehen hieß “Radio schauen“.

Kollege Trithemius berichtet hier über seine Frau Großmutter und deren Radio, und dass die Menschen im Werbefernsehen stets attraktiver erscheinen als in der Wirklichkeit.

Meiner Oma aber bereitete das Fernsehen eine überaus enttäuschende Erfahrung. Sie war eine glühende Verehrerin von Guido Wieland gewesen, dessen schöne klangvolle Stimme sie lediglich aus ihrem Radio kannte und die ihr so gut gefiel, dass sie sich den dazugehörigen Sprecher als den denkbar attraktivsten Mann vorstellte: wer so wunderschön sprach, der musste in ihrer Vorstellung auch ein wunderschöner Mann sein.
Als sie ihn aber dann zum erstenmal im Fernsehen sah (in einer Werbesendung für Tief­kühl­spi­nat, noch dazu), da war Guido Wieland ein relativ kleiner älterer Herr mit Brille und wenig Haaren, und meine Oma von seinem Aussehen maßlos enttäuscht – und somit das Idealbild, welches sie sich in ihrer Phantasie bis dahin von ihm ausgemalt hatte, ein für allemal ruiniert. Die Schuld für ihre bittere Enttäuschung schrieb sie dem Fernsehen zu, und fällte ihr kate­go­risches Urteil:

    »Es Radioschaun hod ka Guat’s ned.«
    (»Das Fernsehen hat nichts Gutes.«)