26. Mai – Christi Himmelfahrt

Anlassdichter Kollege KrassNick hat hierzu wiederum ein erbauliches Kalendersprüchlein gereimt, zum Ausschneiden und Sammeln:

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      Es wunderten sich die Apostel: »Ja, leck!
      Grad war er no da, jetzt isser fei weg!«
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    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

24. Mai: Tag der Parke

Heute ist der Europäische Tag der Parke, und was daran originell sein soll, den nicht Tag der Parks zu nennen sondern Tag der »Parke«, lässt sich nicht erkennen.

Der Elferschmäh mit den »meisten« Nationalparks: Wenn einer zwei Zehner im Börsel hat, und alle anderen einen Fünfziger – hat der eine dann »das meiste Geld«? Jedenfalls nach Nieder­österreichischer Mathematik:

Wussten Sie dass…
… ganz Österreich insgesamt sechs Nationalparks hat, von denen zwei in Niederöster­reich liegen? Das sind wahrhaftig »die meisten«. Wer’s glaubt.

Nämlich die beiden im Verhältnis zur Landesfläche mit Abstand winzigsten National­parks. Tat­sächlich hat das flächenmäßig größte von neun Bundesländern einen Anteil von lediglich 3½ Prozent, das ist ein Achtundzwanzigstel, an der Nationalparkfläche in ganz Österreich:

Fazit: Wussten Sie dass…
… Niederösterreich tatsächlich am wenigsten Nationalparkanteil in ganz Österreich hat. Im Gegensatz zu der Information  tolldreisten Elferschmäh-Luftnummer über »die meisten Na­ti­o­nal­parke« in der mit Steuerzahlergeld finanzierten Anzeigenkampagne.

Kolumnistisches: Wie man eine Pointe versemmelt

Vor Jahren war ich mal Gagschreiber für eine ATV-Comedyshow, was mitunter frustrierend war, weil es dem Show-Moderator stets gelang, die gescripteten Pointen zuverläs­­sig zu ver­semmeln. Aus Alfred Polgars Bonmot »Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.« machte der etwa: »Die Lage ist nicht ernst, sondern hoffnungslos.«, oder aus »Die Faust aufs Aug sagt mehr als tausend Worte« etwa: »Die Faust aufs Aug ist der langen Rede kurzer Sinn« – womit die Pointe nimmer witzig oder nimmer verständlich war.
(Was aber eh keine Rolle spielte, weil das Studiopublikum dennoch artig über seine Re­den lachte, obwohl es nix davon verstand: das wurde nämlich über eine Agentur in der be­nach­bar­ten Slo­wakei für ein Ta­schengeld als Schwenkfutter rekrutiert und per Shuttle-Bus an­ge­karrt, wäh­rend der Sendung an den jeweils passenden Stellen vom Aufnahme-Assi mit­tels Hin­weis­ta­feln zu »SMIECH!« [Lachen], »POTLESK!« [Applaus] usw. angehalten, anschlie­ßend in der Kan­tine ab­gefüttert und wieder zurück nach Bratislava expediert.)
Warum mir das einfällt: weil da nämlich auch grad einer eine Pointe garstig versemmelt, so­dass es beim Lesen glatt wehtut, in einer Kolumne über sexuelle Umtriebig­keit diver­ser CSU-Politiker als Exponenten einer »Partei der Schnacksler«:

»Die Schwarzen schnackseln halt gern.« sagte die zitierte Fürstin freilich im Wortlaut – und zwar ohne mit den »Schwarzen« die CSU zu meinen: und wäre die aber in ebendem Wort­­laut auch so zitiert worden, dann wäre die Pointe nicht versemmelt worden.

Blasensoziolektisches: »Die Welt in unserem Kopf«

Auf der WECF-Webseite werden in einem Artikel unter dem Titel »Sprache verstehen« aller­­lei spezielle Fach­ter­mi­ni-Konstrukte zur Entwicklung einer »gendergerechten Sprache« auf­­gelistet, deren konkreter Nutzen für die Entwicklung einer gen­dergerechten Sprache sich in­dessen nicht ohneweiters erken­nen lässt:

» Frau* steht für alle Menschen, die sich als Frau bezeichnen [..]. Das Pendant dazu ist Mann*.«

Na gut, das kann man sich merken, das geht leicht. – Aber da wird’s mit der sprachlichen Gen­dergerechtigkeit schon schwieriger:

»Wenn wir also nicht anfangen von Frauen* zu sprechen, wird die Welt in unserem Kopf überwiegend aus Männern bestehen.«

Wie soll man denn von Frauen* sprechen, bitteschön? Von »Frauen mit Sternchen«? (»Grüß Gott, Frau mit Sternchen Nachbarin. Meine Frau mit Sternchen lässt Sie grüßen.«)
Und gilt denn umgekehrt auch, vive versa: Wenn wir nicht anfangen von Männern* zu spre­chen, wird die Welt in unserem Kopf (»in unserem«? In wessen Kopf ei­gent­lich? Haben wir nur einen gemeinsam?) über­wiegend aus Frauen bestehen?

»Was grammatikalisch korrekt ist, ist nicht ausschließlich Folge natürlicher Sprachent­wicklung.«

(»All Gender are Beautiful« steht übrigens als Parole auf der »Sprache verstehen«-Seite, aber soweit ich die Sprache verstehe ist das grammatikalisch nicht korrekt, weil es wohl entwe­der »All Genders are« oder »All Gender is« heißen sollte?)

»Tatsächlich ist uns als Sprecher*innen der deutschen Sprache oft nicht bewusst, wie diskriminierend und sexistisch diese ist.«

Was die WECF-Sprecher*innen nun zur natürlichen Sprachentwicklung beizu­tragen wissen, um die deutsche Sprache weniger diskriminierend und sexistisch, dafür gen­der­ge­­rechter zu entwickeln:

» FLINTA* steht für Frauen, Lesben, Inter, Non-Binary, Trans und agender* und ist der Versuch einen Ausdruck für eine Personengruppe zu finden, die nicht cis männlich ist. Neben FLINTA* sind auch die Begriffe FLTI* (Frauen, Lesben, Trans, Inter*) oder FLINT* gebräuchlich. Um Menschen mit zu berücksichtigen, die sich außerhalb einer Hetero-Normativität bewegen, gibt es außerdem den Begriff LGBTQI* (Lesben, Gay, Bisexuell, Trans, Qeer, Inter, *), der auch nicht heterosexuelle cis Männer mit einschließt. – TINA* steht für Trans, Inter, Non-Binary und agender* und ist somit als Bezeichnung für Men­­schen zu verstehen, die nicht cis geschlechtlich sind, bzw. in kein binäres Geschlechter­­system passen.«

Sämtliche aufgelisteten “gebräuchlichen“ Begriffe (definieren Sie den Begriff “gebräuchlich“) lassen sich somit unter dem Oberbegriff AANHM* (steht für: Alle, außer nicht homosexuelle Männer) zusammenfassen. Inwieweit dieser Zinnober mit all den blasensoziolektischen Ma­ju­s­kel-Be­­grif­­fskonstrukten zu einer gendergerechteren Welt in unserem Kopf führen soll, er­schließt sich frei­lich für Außenstehende nicht unbedingt.

Zwischentitel: Im Gewurbel des Geschwurbel

»Worte, Worte, nichts als Worte.«  (W. Shakespeare)

Zwischen schwangeren und gebärenden Menschen und den anderen könne man unterschei­den, so ist das also. Das ist z. B. bei einer Geburt im Kreißsaal gewiss hilfreich, wenn alle OP-Masken auf­haben: damit man zwischen der werdenden Mutter und den Schwestern und Ärzten unterscheiden kann und es zu keiner Verwechslung kommt.

Kategorisches: Über moralische Normen

»Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber moralisch kenn ich mich aus.«
(n. Otto Grünmandl*)

– dozieren Alice Schwarzer und weitere 27 Exeget*innen normativer moralischer Verbind­lichkeit in einem “Offenen Brief“ an Kanzler Scholz, in welchem sie ihn »davor warnen«, durch Waffenlieferungen an die Ukraine »Grenzlinien in den Geboten der politischen Ethik zu übertreten«.
»Moralisch verbindliche Normen sind universaler Natur.« – Was für unsinnige kategorische Behauptung. Welche moralischen Normen gel­ten denn univer­sell, und wer definiert denn überhaupt, welche Normen das wären und wel­che nicht: Frau Schwarzer & ihre 27 Gleichge­sinnten etwa? Oder wer?
In unterschiedlichen Weltgegenden, Kulturen, Gesellschaftsordnungen gelten bekanntlich oft unterschiedli­che moralisch verbindliche Normen: mitunter auch solche, die weder einer Frau Schwarzer noch der Mehrheit in unserem Kulturkreis gefallen mögen – und grad des­wegen eben NICHT uni­ver­saler Natur sind.

29. April – Rapidité, rapidité!

Heute vor 123 Jahren, am 29. April 1899, gelang es dem belgischen Automobilkonstrukteur und Rennfahrer Camille Jenatzy (1868-1913), der aufgrund seines roten Bartes und sei­nes verwegenen Fahrstils “Le Diable rouge“ (= der “Rote Teufel“) genannt wurde *), erstmals mit ei­nem Landfahrzeug den Geschwindigkeitsweltrekord von mehr als 100 km/h zu erreichen. Hätten Sie gedacht, dass das seinerzeit schnellste Automobil der Welt einen Elektroantrieb hatte:


Camille Jenatzy im Rekordelektromobil La Jamais Contente, 1899

Jenatzys Eigenkonstruktion namens “La Jamais Contente“ (= “Die nie Zufriedene“) wog, obwohl aus einer Leichtmetalllegierung aus Aluminium, Magnesium und Wolfram angefertigt, beinahe eineinhalb Tonnen. Erkenntnisse über aerodynamisch günstigere Stromlinienformen wurden erst in den folgenden Jahrzehnten gewonnen, daher wurde die Karosserie vorne torpedoförmig spitz zulaufend anstatt tropfenförmig konstruiert. Das freiliegende Fahrwerk und inbesondere die herausragende Sitzposition des Fahrers bewirkten massiven Luftwiderstand, sonst wäre gewiss ein noch höheres Tempo möglich gewesen.
Drei Jahre später wurde der Geschwindigkeitsrekord für Landfahrzeuge von Léon Serpollet (dem übrigens wegen zu schnellen Fahrens seine Fahrerlaubnis entzogen worden war) mit mehr als 120 km/h übertroffen, mit seinem dampfbetriebenen (!) Automobil namens “Œuf de Pâques“ (= “Osterei“) – welches allerdings mit einem Ei wenig Ähnlichkeit aufwies:


Léon Serpollet im Rekorddampfmobil Œuf de Pâques, 1902

*) Beim einem Automobilrennen am 17. Juni 1904 in Homburg/Deutschland belegte Camille Jenatzy den zweiten Platz, wobei er allerdings großes Glück hatte, als ihn bei der Fahrt über einen Bahnübergang ein Zug nur um Zentimeter verfehlte. Am 8. Dezember 1913 aber kam Jenatzy als Spaziergänger bei einem Waldausflug ums Leben, als ihm sein Talent, Tiergeräu­sche nachzuahmen, zum Verhängnis wurde: ein Jäger (Alfred Madoux, Direktor des Journals “L’Etoile Belge“) verwechselte ihn darob mit einem Rehbock und erschoss ihn irrtümlich.  ▶️

Fantastilliardisches: Copy, & passt.

»Menschen werden Journalist*innen, weil sie gerne Geschichten erzählen
– und Mathe hassen.«  (Scott Maier)

2 Billiarden = 2.000 Billionen = 2 Millionen Milliarden Dollar. Wer’s glaubt.
(Meinten Sie: “Fantastilliarden“?)
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C. censeo: Man muss nicht alles glauben, was in der Zeitung steht.

Tatortfotografisches

Eine Meldung ohne Pics ist nix, wie jede*r weiß, und weil sich womöglich nicht jede*r unter einer Messerattacke was konkretes vorzustellen vermag, bedarf daher die Berichterstattung über solcherlei Tat notwendigerweise einer Illustration zur Veranschauli­chung derselben. Freilich steht nicht bei jeder Messerattacke ein Fotograf daneben um das Tatge­­­schehen in fla­granti zu fo­tografieren, infolge muss sich ein Tatortfoto-Beauftragter anschließend an den Ort der Tat verfü­­gen, um an selbigem ein anschauliches Foto anzufertigen:

Wieviel Informationsgewinn sich aus solchen Tatortfotos schöpfen lässt, kann jede*r selber herausfinden, wer will. Kann, muss aber nicht.

Alternativperspektivisches, ..

.. oder: “Konfliktmanagement & Deeskalationsberatung mit Frau Mag. Duzdar“

Muna Duzdar, ehemalige SPÖ-Staatssekretärin, erklärt im Puls24-Talk wie sich die Ukraine im Krieg gegen Russland unterstützen ließe – und zwar müsse man:

» [..] versuchen, jenseits einer Militärlogik auch andere Perspektiven zu entwickeln und Gesprächskanäle offen zu halten.«

Andere Perspektiven entwickeln. – Zur Unterstützung der Ukraine brauche es nämlich, wie Frau Duzdar erklärt:

»Moralische Unterstützung [..], aber keine militärische Unterstützung weil der militäri­sche Konflikt damit eskalieren würde.«

Konfliktunterstützung, moralische. Damit der “Konflikt“ in der Ukraine nicht “eskaliert“, der militärische.

(Manchmal möchte man vor dem Fernseher am liebsten laut schreien, wenn man solche Re­­dens­ar­ten zu hören kriegt.)

Heute vor 24 Jahren:

Aus welchen Gründen die FPÖ damals einen raschen Beitritt für so dringlich hielt, lässt sich heute nimmer herausfinden. Unterdessen ist das Thema wiederum aktuell:

Im Falle eines NATO-Beitritts Österreichs wäre freilich die Schweiz sodann von der NATO vollständig umzingelt. Man weiß aber auch welche Folgen es nach sich ziehen kann, wenn sich eine Nation bedroht wähnt, von der NATO umzingelt zu werden. Dass von einer dringli­chen FPÖ-Forderung nach einem NATO-Beitritt Österreichs mitt­lerweile nix mehr zu hö­ren ist, muss jedoch nicht unbedingt damit zusammenhängen:

Derweil sich in Österreich vor einer “Sonderoperation zur Entnazifizierung“ vonseiten ei­nes Nachbarstaates eh niemand erstlich zu fürchten braucht. Nicht einmal die FPÖ. (Ach­tung, Sar­­kas­mus.)

Unerfindliches: Blasensoziolektisches

–  bringt die “taz“-Autorin (welche unerfindlicherweise alldort nicht als Autorin, sondern als “Autor*in“ firmiert) in ihrer Kolumne zur Kenntnis.
Für gewöhnlich hört man indessen nie von Cis-Männern, aber mittels googeln lässt sich her­ausfinden worum es sich dabei handelt: bei dem Vokabelkonstrukt “Cis-Männer“ handelt es sich offenkundig um den bla­sensoziolektischen Fachter­minus für gewöhnliche Männer.
Zwecks welchem unerfindlichen Behufe es im “taz“-Blasensoziolekt eines spezifischen Fach­begriffes für “gewöhnliche Männer“ bedarf, dessen Bedeutung sich für Außenstehende erst durch googeln erschließt, entzieht sich freilich dem landläufigen Allgemeinverständnis.

Kurioses

Schon kurios: da lässt sich einer selber immer wieder ohne tödliche Nebenwirkungen ko­sten­los impfen, um die Impfzertifikate für bares Geld an Leute zu verkau­fen, die sich wegen der töd­lichen Ne­ben­wir­kun­gen selber nicht impfen lassen.
(Wenn sie dem mit jeder Impfung heimlich einen Mikrochip implantiert haben, läuft der auf Google-Tracking jetzt permanent als Massenauflauf herum.)

31. März

Heute vor 150 Jahren kam die russische Schriftstellerin Alexandra M. Kollontai (1872-1952) zur Welt.
Während eines literarischen Abends langweilte ein aufstrebender junger Dichter die Gesellschaft mit seinen hochtrabenden Ambitionen: »Mit meinem Schaffen,« so tat er dramatisch kund, »möchte ich etwas Großes, Reines vollbringen!« – Alexandra Kollontai riet ihm da­rauf­hin: »Waschen Sie einen Elefanten.«