Rätselhaftes: Such das “Glück im Unglück“

Auffallend häufig werden Berichte über Unglücksfälle jeglicher Art mit der Flach­sinnsfloskel “Glück im Un­glück“ eingeleitet, ohne dass sich irgendein Grund dafür erkennen ließe. Eben­so unerklärlich erscheint wiederum umgekehrt, warum ein Bericht über keinen Unglücksfall mit ebendieser Floskel im Schlusssatz beendet wird:

Wer in dem Bericht entdecken will, wo denn da irgendwas mit einem “Glück im Unglück“ zu tun haben soll, muss wohl nach dem Sinn im Unsinn suchen.

28. November

Heute vor 79 Jahren wurde Randy Newman geboren, und dass er zu einem der er­folg­reich­­­­sten und meistprämierten (u. a. mit zwei Oscars, neunzehn (!) Oscar­no­mi­nie­run­gen, sechs Grammys, acht Golden Globe-Nominierungen, drei Emmys sowie einem Stern auf dem Hol­­lywood Walk of Fame) Songschreiber & Filmkomponisten werden sollte, ließ sich am Anfang seiner Kar­ri­e­re noch nicht vermuten:
Seine ersten Platten waren fulminante Flops und verkauften sich so schlecht, dass sie von der Plattenfirma schließlich verschenkt wurden. Grund für den anfänglichen Misserfolg wa­ren wohl Newmans näselnde Singstimme und befremdlicher Süd­staatler-Akzent. So wur­den auch zahlreiche seiner Songs erst als Coverversionen durch stimmgewaltigere In­­ter­­pre­­ten zu Welthits, z. B.:
   .. u. v. a.
Dass Herrn Newmans Qualitäten als Komponist & Arrangeur seine ge­sang­li­chen bei weitem über­treffen, darf wohl unwidersprochen bleiben:

Obligates: Pour le Mérite

Der deutsche Bundespräsident fordert, dass mehr Frauen das Bundesverdienst­kreuz ver­lie­hen bekommen.
Haben Sie gewusst: In Österreich kriegen übrigens ausnahmslos alle, Mann oder Frau, obli­gat das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik nachgeschmissen, so­bald die als Nationalratsabge­ordnete im Österr. Parlament zehn Jahre auf ihren Hintern ab­­ge­­ses­sen haben – ungeachtet jeglicher darüber hinausgehender Leistungen: egal ob die dort bloß ge­pennt oder Dickpics gewhatsappt oder in der Parla­ments­kantine ge­bürschtelt haben. Das hat zur Folge, dass selbst Figuren wie ein Bumsti Strache, ein Herbert Haupt, oder Typen wie ein Hubsi Gorbach sowie zahllose weitere poli­tische Blindgänger mit einem goldenen Or­den für ihre “Ver­dienste“ zum Wohle Österreichs herum­hampeln dürfen.

Laut einer aktuellen Studie

»Eine Studie aus dem Jahr 2014 konnte anhand von drei Weltmeisterschaften zeigen, dass Meldungen zu Gewalt gegen Frauen während und nach Fußballspielen anstiegen. So stiegen etwa [..] die Meldungen zu häuslicher Gewalt um 26 Prozent, wenn es ein Un­entschieden gab oder die Nationalmannschaft gewann. Verlor sie, stiegen die Meldun­gen sogar um 38 Prozent an.«

Wen die SPÖ da vor Gewaltanstieg während und nach Fußballspielen einer Natio­nal­mann­schaft warnt, geht aus dem “Standard“-Artikel nicht hervor. Die öster­reichische Nationalmannschaft spielt bei der WM nämlich gar nicht mit – vielleicht könnte das ja wer der SPÖ verraten: dass die sich deswegen also keine Sorgen zu machen braucht. Die hat bekanntlich eh genug andere Sorgen.

Kolumnistisches: Einleitendes

»Ein Vorspann oder Teaser (engl.: to tease = necken / reizen) soll in Texte einleiten bzw. zum Weiterlesen motivieren, indem er das konkrete Thema auf kurzem Raum umreißt. Selbst wenn er den Vorspann nur überfliegt, soll der Leser möglichst schnell erfassen wo­r­um es in dem Beitrag geht.«  (“Handbuch des Journalismus“)

Vorspann “SPIEGEL“-Kolumne:

Ja, was wohl? Was die Kolumnistin mit diesem Zinnober im Vorspann meint, lässt sich für den Leser nur kos­ten­pflichtig erfassen, da der Beitrag hinter einer Bezahlschranke steht.

19. November: Supplementäres

Heute ist übrigens der bundesweite Tag der Suppe in Deutschland, so stehts im Kalender.
Anlassdichter Kollege Krassnick reimt, zum Thema Suppe:

Dass eine Rose besser riecht
als Kohl, bedeutet deshalb nicht,
dass aus der Rose folglich man
die bess’re Suppe kochen kann.

Volksweisheit zum Tagesthema:

»Niemand muss selber der Koch sein, um beurteilen zu können ob die Suppe schmeckt oder nicht.«

Redensartiges:
Wenn jemand sagt, er wäre ja nicht »auf der Nudelsuppe (Var.: auf der Brennsuppe) daher­ge­schwom­men«, so bedeutet dies: er ließe sich nicht für dumm verkaufen.

Serviervorschlag des Tages:

(Haben Sie gewusst: Franz von Suppè war mit Gottfried von Bouillon weder verwandt noch verschwä­gert.)

18. November

Heute vor 111 Jahren, am 18. November 1911, erblickte der Grubenhund das Licht der Öf­­fentlichkeit. Damals veröffentlichte die “Neue Freie Presse“, das führende Nachrichtenblatt der Habsburgermonarchie, eine Leserzuschrift des Wiener Ingenieurs Arthur W. Schütz, wo­­rin sich dieser unter dem Pseudonym “Dr. Ing. Erich Ritter v. Winkler, Assistent der Zentral­­versuchsanstalt der Ostrau-Karwiner Kohlenbergwerke“ in gleichermaßen hochtrabendem wie haarsträubendem pseudowissenschaftlichen Nonsens über ein unbedeutendes lokales Erd­beben in Mährisch-Ostrau ausließ, welches zuvor in der Berichterstattung übertrie­ben auf­gebauscht worden war:

      »Ich saß allein im Kompressorenraum, als – es war genau 10 Uhr 27 Minuten – der große 400pferdekräftige Kompressor, der den Elektromotor für die Dampfüberhitzer speist, eine auffällige Varietät der Spannung aufzuweisen begann. Da diese Erscheinung oft mit seismischen Störungen zusammenhängt, so kuppelte ich sofort den Zentrifugal­­regulator aus und konnte neben zwei deutlich wahrnehmbaren Longitudinalstößen ei­nen heftigen Ausschlag (0∙4 Prozent) an der rechten Keilnut konstatieren. [..]
      Völlig unerklärlich ist jedoch die Erscheinung, daß mein im Laboratorium schlafen­­der  G r u b e n h u n d  schon eine halbe Stunde vor Beginn des Bebens auffallende Zei­­chen größter Unruhe gab.«

Als Urheber dieses Stückes wurde fälschlicherweise Karl Kraus verdächtigt, weil der bereits drei Jahre zuvor die “Neue Freie Presse“ ebenfalls mit einem Leserbrief zu einem Be­richt über ein Erdbeben vorgeführt hatte, indem er unter dem Pseudonym “Zivilingenieur J. Ber­dach aus der Glockengasse“ (seiner Privatadresse) ebensolchen offensichtlichen plumpen Nonsens wie »Varia­­bilität der Eindrucksdichtigkeit« oder »tellurische Erdbeben, die im Ne­benzimmer nicht bemerkt werden« u. ä. einher­fa­bulierte, welcher nichtsdes­totrotz prompt ver­­öffentlicht wurde. Kraus war es indessen, der dem Grubenhund des Ing. Schütz in ei­nem sati­­rischen Artikel in seiner Zeitschrift “Die Fackel“ als Gattungsbezeichnung für solcherlei Zei­­tungs­en­ten zur Popularität verhalf.
──────────────────
Kollege Trithemius bringt in seinem Teestübchen eine launige Bildergeschichte über einen “Grubenhund“ zur Darbietung.

Kolumnistisches: Genderstereotypisches

(Aus der Reihe: “taz“-Kolumnen-Bashing der Woche)

Da wird in der “taz“ wieder mal eifrig drauflos kolumnisiert, über Themen welche die Welt bewegen:

»Als Japanerin in Deutschland ist es fast unmöglich, an einem Klischee vorbei zu leben, ohne darauf angesprochen zu werden: Manga und Anime.«

An einem Klischee vorbei zu leben – oder: an einem Klischee oder zwei zu kleben? Was im­mer das bedeuten soll. Manga sind Comics, Anime sind Trickfilme und stehen aber nur im ers­ten Satz der Ko­lum­ne da wie be­stellt und nicht abgeholt, ohne im weiteren Kontext je­­mals wie­der Erwähnung zu finden. Kann man streichen.

»Nicht selten lernte ich Menschen kennen, die für Japan schwärmen, weil sie diese Co­mics so sehr liebten.«

Nicht selten? (Ersetze Comics durch »Sushi«, und der Satz hört sich auch nicht wesentlich über­zeugender an.)

»Oder mich aufgrund meiner Herkunft damit in Verbindung brachten.«

Nicht eindeutig zu verstehen: Die Menschen schwärmen für Japan, weil sie die Kolumnistin mit Japan in Verbindung brachten – oder: weil sie die mit den Comics in Ver­bindung brachten?

»Selbst Besichtigungstermine für WGs habe ich bekommen, nur weil ich Japanerin bin.«

Nur weil sie Japanerin ist. Und wer keine Japanerin ist, hätte keine Besichtigungstermine be­kommen? Reiflich rassistisch, diese WGs.

»Die Zimmer blieben mir dennoch verwehrt, da die Be­woh­ne­r:in­nen schnell feststellten, dass ich mit ihren heißgeliebten Comics nicht viel anfangen konnte.«

Ersetze Comics durch »heißgeliebtes Sushi«, und die Sache hört sich auch nicht wesent­lich über­zeugender an. WGs schreibt sie aber, Mehrzahl: also ist ihr die Sache mit den verwehr­ten Zim­mern angeblich mehrmals passiert, echt jetzt? Ein weiteres Klischee besagt indes, dass Japaner gemeinhin schlau wären – und wäre die Kolumnistin das auch gewesen anstatt da­ran vorbei zu leben, dann hätte sie halt beim nächsten WG-Besichtigungstermin den Be­woh­ne­r:innen nim­mer verraten dürfen, dass sie mit deren Comics nichts an­fangen kann.

»So sehr ich auch Spaß mit den Büchern hatte, hatten Shōjo Mangas eine unglückliche Nebenwirkung: Sie sind voller Geschlechterstereotype und Klischees.«

Definieren Sie den Begriff »unglückliche Nebenwirkung«.

»Die Stories haben fast alle dieselbe Handlung: Ein gewöhnliches Teenagermädchen ver­liebt sich in den einen Jungen aus der Klasse, der die Perfektion in Person ist.«

Voller Klischees, diese Stories. Ganz im Gegensatz zum realen Leben, wo sich gewöhnliche Mädchen niemals in den perfektesten Jungen aus der Klasse verlieben, sondern lieber in den Micker­ling oder den Klassendepp.

»Hätte mich übrigens als Kind damals auch nicht gestört.«

Als Kind. Weil die unglückliche Nebenwirkung sich erst im Teenageralter störend auswirkte, oder erst danach?

»Seit ich klein bin, bin ich mit dieser Vorstellung von Weiblichkeit aufgewachsen – Dis­­neys Prinzessinnen als giftiges Sahnehäubchen on top.«

»Giftiges« Sahnehäubchen? Wer bitte sagt denn heute noch »giftig« – noch dazu in der “taz“! Muss doch längst heißen: toxisch. (Und Dis­neys Prinzessinnen haben mit dem Thema Man­ga eigentlich überhaupt nix zu tun. Kann man streichen.)

»Und Frauen, die heute Teenies sind, werden sich in 15 Jahren genauso mit solchen Ide­alen rumschlagen müssen.«

In 15 Jahren also, wenn die heutigen Teenies späte Twens sind, entfaltet eine unglückli­che Nebenwirkung von Mangas ihre Wirkung und dann müssen die sich mit giftigen Idealen rum­­schla­gen. Wie die Kolumnistin das ausge­rechnet hat, verrät sie nicht.

»Die Adultversion von Frauen als Lustobjekt zeigt sich in pornografischen Mangas.«

Frauen als Lustobjekt, eine unglückliche Nebenwirkung von Pornos.

»Aufgrund vieler solcher Bücher, ob nun für Teenies oder Erwachsene, haben Mangas in kultivierten Kreisen Deutschlands eher einen schlechten Ruf.«

Moment – ganz oben schreibt sie doch dass sie in Deutschland ständig Menschen kennen­lernte, welche diese Co­mics so sehr oder gar heiß liebten: lauter Menschen aus eher unkul­ti­vierten Kreisen oder Bewohner:innen von Rassisten-WGs? Das verstehe nun, wer will. Muss aber nicht.

»Hinzu kommt, dass Comics ein Kinderimage haben:«

Abgesehen von den pornografischen Mangas, ist wohl anzunehmen.

»In Buchhandlungen gibt es stets Mangas, die einem Themen wie Steuererklärung, den Ersten Weltkrieg oder den Aktienmarkt verständlich wiedergeben.«

Themen, welche die Welt bewegen.

»Le­se­r:in­nen können dadurch die Inhalte nicht nur schneller verschlingen, sondern ha­ben auch oft Spaß beim Wissen-Ansammeln. Das ist bei einer Steuererklärung keine Selbstverständlichkeit, sondern eine große Kunst.«

»Wissen-Ansammeln«. Schwammerl-Suchen.
Nicht eindeutig zu verstehen: Was ist die große Kunst bei der Steuererklärung, das Wissen ansammeln oder Spaß zu haben? Die große Kunst in kultivierten Kreisen: an Steuer­er­klä­rungs-Mangas mehr Spaß zu haben als an pornografischen.

13. November – Aviatisches

Heute vor 115 Jahren, am 13. November 1907, hob Monsieur Paul Cornu mit seinem »flie­gen­­den Fahrrad«, angetrieben von einem V8-Zylindermotor, zum ersten bemann­ten Hub­schrau­­ber­flug der Luftfahrtgeschichte ab. Der Erstflug erreichte eine Höhe von 30 Zentimeter, die Flug­dauer betrug 20 Sekunden. Leider erwies sich sein Hubschrauber als nicht steuerbar, wo­raufhin Mon­sieur Cornu die Flugversuche bald wieder einstellte.

Semmerlnknöderln

Stets lesenswert sind Robert Sedlaczeks Sprachglossen in der Wiener Zeitung, mitunter ge­ra­ten dort freilich auch mal Kraut und Knödel durcheinander – in einer Glosse unter dem Titel »Fehlt da nicht etwas?« zum Beispiel:

*

» Der Wiener liebt die Verkleinerung. Wir essen Schwammerln in Rahmsauce, Knöderln mit Kraut, [..] Formal handelt es sich um Verkleinerungsendungen.«

Das Diminutivsuffix -erl liebt aber nicht bloß der Wiener, das ist im mittelbairischen Sprach­raum all­ge­mein gebräuchlich: Schwammerln essen die Bayern genauso wie die Steirer.¹)

»Allerdings ist dieser Genuss neuerdings beeinträchtigt. Immer öfter wird auf das Mehr­zahl-n verzichtet.«

Allerdings geht auch der Wiener nicht erst seit neuerdings keine Schwammerln su­chen, son­dern geht schon allerweil Schwammerl suchen oder schwammerlsuchen. (In der Kro­nen­zei­tung gar mit Binde-Strich.)
Auf das Mehrzahl-n in Knöderln wird hingegen immer öfter eh nicht verzichtet, inson­ders im Internet. (Außer in der Suppe – denn »Leberknöderlnsuppe kann man nicht sagen!«, frei nach Karl Valentin.)

Gemäß Österreichischem Wörterbuch, dem für Österreich gültigen amtlichen Regelwerk der deutschen Sprache, ist die Diminutiv-Endung -erl in der Pluralform auch mit ange­fügtem Mehrzahl-n korrekt, welches dort in Klammer angeführt wird: das Schwammerl, Mehr­zahl die Schwammerl(n).²)

In der Zeitschrift “Österreich. Geschichte. Literatur. Geographie“ kritisiert nun, wie Sedlac­zek be­richtet, der anerkannte Orthographie-Experte Hermann Möcker:

»Man steht im Laden und mustert die Regale. Auf einem Glasgefäß steht Gurkerl (!), es sind aber lauter Gurkerln drin. [..] Warum wird dem Gurkerl das Pluralkennzeichen ver­weigert?«

Soweit tät’s noch kommen: dass der Wiener im Laden womöglich dem Irrglau­ben anheim­fällt, in dem Gurkerlglas am Regal wäre nur eins drin, weil dem das Mehrzahl-n verweigert wird.
Beim nächsten Regal mokiert sich Orthographie-Experte Möcker wiederum:

»Einige Meter weiter werden Krautfleckerl und Schinkenfleckerl angeboten, als ob man jeweils nur ein Fleckerl essen dürfe.«

Na geh – tät’ denn der Wiener, wenn er hört dass es zum Essen Krautfleckerl (Eiernockerl, et al.) gibt, sich gar beklagen: Was, nur eins?

»Da eine klare Unterscheidung zwischen Singular und Plural sinnvoll ist, plädiert Mö­cker dafür, dass das “Österreichische Wörterbuch“ in Hinkunft alle Wörter auf -erl im Plural mit -erln anführen möge, ohne Klammer«

Sinnvoll, eh klar – damit in Hinkunft der Wiener beim Billa nicht ratlos mit seinem Wörter­buch vor einem Regal voller Packerln mit Fleckerln steht und am Ende glaubt, da ist jeweils nur eins drin.
Zurück zu Kraut und Knödeln, durcheinander:

»Verwirrung stiften vermutlich jene Wörter, die wie Verkleinerungsformen aussehen, aber keine sind. “Der Löffel“ und “das Kabel“ haben keine Pluralendung, weil hier der Pluralartikel zur Unterscheidung ausreicht: “die Löffel“, “die Kabel“.«

Grad die zwei Beispiele, die Sedlaczek hier anführt, sind aber ungeeignet im Kontext mit dem immer öfteren Verzicht auf das Mehr­zahl-n. Weil nämlich der Wiener grad denen – ob­wohl es sich um keine Verkleinerungsformen handelt und auch gemäß Österr. Wörterbuch nicht korrekt ist – umgangssprachlich noch extra eines anhängt: wenn in Wien etwa der Un­mut aufwallt, dann »gehn einem die Kabeln auf« (= schwellen einem die Adern), oder es kriegt wer »eins hinter die Löffeln«.

» [Möcker] weiß sich hier einer Meinung mit Jakob Ebner, dem führenden Lexi­ko­gra­phen Österreichs.«

Möckers Haltung sei ihm sympathisch, so Sedlaczek, aber er wisse auch wie man in der Re­daktion des Österr. Wörterbuchs über diese Sache denkt:

» “Das Endungs-n nach -erl schwindet immer mehr, [..] Da das Österreichische Wörter­buch auch an den Schulen verwendet wird, sind wir für sanfte Regeln: Schüler, die auf das -n verzichten, sollen nicht pönalisiert werden.“ So argumentiert Christiane Pabst, die Hauptverantwortliche für das “Österreichische Wörterbuch“.«

Wie jetzt? Wenn gemäß Österr. Wörterbuch eh beide Endungsformen korrekt sind, wieso sollte dann überhaupt jemand pönalisiert werden, wer auf eine davon wahlweise verzichtet oder nicht? Vergurkerlte Argumentation. Ein anerkannter Orthographie-Experte sowie ein füh­render Lexi­kograph wissen sich einer Meinung und plädieren dafür, im Wörterbuch für Öster­rei­­chisches Deutsch in Hinkunft eine Klammer wegzulassen – deswegen würde aber auch in Hin­­kunft ja keinem österreichischen Schüler eine Pönale drohen, der in einem Auf­satz dennoch “Gurkerl“ statt “Gurkerln“ schreibt, solang das auch der Duden zulässt.

»Pabst sagt, wenn eine Regel von vielen nicht mehr eingehalten wird, ist sie obsolet.«

Papa locuta – Causa finita? (Achtung, Namenwitz) – Verkehrsregeln wird sie damit ja wohl kei­ne meinen, darf man annehmen.

»Möcker sagt: Wenn eine Regel vernünftig ist, soll sie bleiben.«

Was Verkehrsregeln betrifft, darf man dem ohneweiters zustimmen. Anzunehmen, dass sich beide Aussagen auf Orthographieregeln beziehen.
────────────────────────────────
¹) Überdies ist Schwammerl keine “Dialektbezeichnung“, wie auf Wikipedia unrichtig dar­ge­stellt, sondern Österreichisches Schriftdeutsch.
²) Im Duden wird das Mehrzahl-n in eckige Klammern gesetzt – Plural: die Schwammerl[n]
Wiktionary führt beide Formen an – Plural 1: Schwammerl, Plural 2: Schwammerln

Kolumnistisches: Horoskopisches

Da gibt der “taz“-Kolumnist wieder mal ein eindrucksvolles Stück Unsinnsprosa zum Besten:

Aus Anerkennung »zu« – Präposition grammatikalisch unstimmig, aber: geschenkt. Wollen ja keine Grammatik-Noten verteilen.

» „Cherax wagenknechtae“ hat relativ zur Körpermasse große Zangen. Erinnert politisch schon irgendwie an Wagenknecht.«

Nämlich inwiefern? Große Zangen, relativ zur Körpermasse – erinnert »schon irgendwie« an Wagenknecht, politisch: soll was genau bedeuten? Irgendeine Insiderpoin­te, die ver­­ste­hen mag wer will, aber nicht muss? Schmeck’s.

»Der Entdecker erklärte [..], dass ihn die Linken-Politikerin darin inspiriere, „entschlos­sen für eine bessere und fairere Zukunft zu kämpfen“. Deswegen habe er sich für den Namen entschieden. Es existieren schon sonderbare Lebewesen auf dieser Erde.«

Wer von den bei­den soll mit der Feststellung über sonderbare existierende Lebe­wesen denn gemeint sein – der Entdecker oder die Linken-Politikerin? Oder etwa beide? Schmeck’s.

»Der Wäh­le­r*in­nen­schwund der Linken grenzt an ein Naturwunder.«

Definieren Sie den Begriff  »Naturwunder«.

»Dabei ist die Linke an vielen Stellen schon sehr wagenknechtae.«

An vielen Stellen, schon sehr. Geschenkt.

»Es ist also kein Zufall, dass nun ein Krebs nach ihr benannt wurde. Ich habe nachge­schaut: Das Sternzeichen von Sahra Wagenknecht ist der Krebs!«

Da steckt also die Pointe der Kolumne: Wagenknecht, Sternzeichen Krebs, Rufzeichen! Kein Zufall. Hat er nachgeschaut, der Kolum­nist, und endlich wieder mal ein »Ich« in seinem Ko­lum­nen­text untergebracht, man hat es schon vermisst.

»Deswegen folgt nun ein Blick ins Horoskop wagenknechtae: Deine Zangen hast du über­strapaziert.«

Deswegen. Ein Blick ins Horoskop – Krebs, Zangen über­strapaziert. Pointe angekommen?

»Gehe deinen Weg, denn der Krebs lässt sich eh nie auf seinem Weg beirren.«

Wie der “taz“-Sterndeuter zu dieser Behauptung kommt, ist unergründlich: denn genau diese Ei­genschaft wird weder dem echten Krebs noch dem Sternzeichen irgendwo zugeschrieben. Ich habe nachgeschaut. Hat der sich vermutlich selber frei ausgedacht.
Krebsgang: sinnbildliches Wort, um einen Rückschritt oder ein Zurückschreiten zu beschrei­­ben: weil der Krebs nämlich auf seinem Weg häufig rückwärts geht, um zurückzu­weichen. Somit tut er genau das Gegenteil davon, was der Kolumnist mit seiner Schlusspointe behauptet. Geht die zuletzt also auch noch nach hinten los, im Krebsgalopp.
Was für ein sinnloses Stück unsinniges Geschwafel.

Die Kirche im Dorf lassen

Klimaaktivisten verursachten auf der Berliner Stadtautobahn einen Ver­kehrsstau, wodurch Einsatzfahrzeuge der Rettungskräfte auf der Zufahrt zu einer Unfall­stelle behindert wurden.

Feststellung, erstens: Die Radfahrerin war mitnichten »verunglückt« oder »unter einen Be­ton­mischer geraten«, sondern vielmehr von einem Be­tonmischer überfahren worden.
Und zweitens, bissel differenziertere Darstellung der Faktenlage: So dumm wie unsinnig man die Aktion der Stauverursacher auch finden mag, aber wollen wir die Kirche dennoch im Dorf lassen: die Rettungskräfte wurden nicht durch die Klimaaktivisten blockiert, welche den Stau herbeiführten – sondern stattdes­sen durch die Auto­fah­rer, welche im Stau auf der Autobahn verkehrswidrig die Rettungs­gasse zur Durchfahrt für Einsatz­fahr­zeu­ge blockier­ten.

3. November

Heute ist übrigens schon wieder Hausfrauentag.
Hinter jedem großen Dichtersmann steht eine Hausfrau, wie sich ahnen lässt, denn:

Hätte Goethe Suppen schmalzen,
Klöße salzen,
Schiller Pfannen waschen müssen,
Heine nähn, was er verrissen,
Stuben scheuern, Wanzen morden,
Ach die Herren,
Alle wären
Keine großen Dichter worden.
────────────────────────────────
Emerenz Meier (1874-1928), bayer. Volksdichterin

Hätte wer die Gretchenfrag’
Herrn Goethe einst gestellt: »Nun sag’,
wie hast du’s mit der Hauswirtschaft?«,
so wäre wohl unzweifelhaft
Herrn Goethes Antwort die gewesen,
welche steht allhie zu lesen:
»Kochen, spülen, waschen, nähen?
Fenster putzen, Rasen mähen?
Einkäufe nachhause schleppen,
kehrtags fegen Flur und Treppen? –
Ich tu’ doch nicht, was ich nicht muss!
Wozu hab’ ich Frau Vulpius?«

31. Oktober

Heute vor 390 Jahren kam der holländische Barockmaler Jan Vermeer van Delft zur Welt.
Vermeer hatte ein Dutzend Kinder, welche eins hässlicher als das andere waren. Als Er­klä­rung, wie es ein Mann zuwege bringe, so unerhört schöne Bilder und zugleich dermaßen häss­liche Kinder zu fabrizieren, soll er gesagt haben:
»Die Bilder mache ich tagsüber bei gutem Licht, die Kinder nachts im Finstern.«

Antibáthisches

Unter dem Begriff “Báthos“ versteht die Literaturwissenschaft das rhetorische Stilmittel der Ge­gen­überstellung eines höheren Wertes mit einem niedrigeren, welches zur gewollten oder ungewollten Komik eines Textes beiträgt, z. B. sowas.
Koinzidenz oder Korrelation wiederum bezeichnen das zeitliche und/oder räumliche Zusam­men­fal­len von Ereignissen oder Umständen, ohne dass es sich dabei notwendigerweise um Kausalität han­deln muss, z. B. sowas.
Einen literaturwissenschaftlichen Begriff “Antibáthos“ für den umgekehrten Fall der Gegen­überstel­lung koinzidenter, jedoch nicht kausaler Ereignisse oder Umstände durch Voran­rei­hung un­er­hebli­cher vor bedeutsamen gibt es hingegen nicht – aber das schaut z. B. so aus:

»Autofahrer heißt Heinz und überfährt Fußgänger auf  Schutzweg.«

28. Oktober

Heute ist übrigens der Internationale Tag der Mitfahrgelegenheit, falls jemand nicht ge­wusst hat. (Nicht dass es wieder Beschwerden hagelt, ich hätt’s gewusst aber niemand verraten.)

Autostoppen war früher mal gang & gäbe, heutzutags sieht man Autostopper nur mehr sel­ten. Vor etlichen Jahrzehnten aber trampte ich mal mit meinem Mädel per Auto­stopp von Wien/Spinnerin am Kreuz bis nach Piräus/Griechenland und wir waren binnen zwei Ta­gen dort, nicht gelogen. Unterwegs lud uns ein freundlicher Lkw-Fahrer so­gar bei­de zu einem Imbiss ein, und von Spielfeld zur jugoslawischen Grenze ließ uns ein Landwirt auf seinem Traktor mitfahren. Dort nahmen uns zwei jointrauchende Deutsche in einem Mercedes mit, die in achsbrecherischem Tempo über den Autoput* bretterten als gäb’s kein Morgen mehr, und so kamen wir in einem Flutsch bis an die Ägäis.
Wiederum Jahrzehnte später war ich selber als Lkw-Fernfahrer unterwegs*, als mich auf ei­­ner ungari­schen Autobahntankstelle eine junge Autostopperin ansprach ob sie mitfahren dürfe. Erzählt sie mir in holprigem Englisch, dass sie aus Rumänien komme und nach Antwerpen trampen wolle wo ihr Freund, Küchengehilfe auf einem Kreuzfahrtschiff, dem­nächst für einige Tage anlanden würde und sie sich dort treffen wollten. Musste wahrhaft ei­ne große Liebe sein, dass sie dafür extra die lange Reise unternahm. Zu­fällig kam ich eben­falls grad aus Rumänien – aber, jetzt kommts: nämlich auf einer Tour via Oostende nach England. Heißt: so konnte sie in einem Stück bis Brüssel mit mir mitfahren, von wo es nach Ant­werpen nur mehr ein Katzensprung war zum Treffen mit ihrem Seefah­rerfreund. Bissel Glück muss man beim Autostoppen freilich haben.

Etymologisches

Kollege Jules van der Ley schreibt hier über ein Gewässer namens “Wurm“, dessen Na­mens­gebung auf die Kelten zurückgehe und “warm“ bedeute – wofür es keine Belege gibt.

In Niederösterreich gibts etwa eine Ortschaft Würmla, mundartl. “Wirmla“ ausgesprochen. Laut Wikipedia setze sich ..

.. »der erstmals 1075 als Wirmila urkundlich erwähnte Name aus den althochdeutschen Wör­tern “Wirm“ (Wurm) und “la“ (Lache, Bach) zusammen.«

Das ist Unsinn. Laut Deutschem Wörterbuch der Brüder Grimm existiert das Wort “wirm“ le­dig­lich im Altfriesischen mit der Bedeutung Wurm*, und sonst nirgendwo. Altfriesisch hat indessen im niederös­terreichischen Würmla noch nie wer gesprochen.
Vielmehr leitet sich der Name von dem althochdt. Wort “wirma“ / mittelhochdt. “wirme“ / alt­bai­risch “wirm“ (in etlichen anderen altdt. Sprachvarietäten ebenso “wyrm“, “würm“ u. ä.) her, und bedeutet Wärme*.
(Das althochdeutsche Wort für Lache heißt überdies nicht “la“, sondern richtig “lâhha“ bzw. “lâh“ und bezeichnet auch keinen Bach, bloß stehendes Gewässer, Tümpel, Sumpf.)
Der Ortsname Würmla bedeutet also nicht Wurmlacke oder Wurmbach, sondern stattdem: Warmlacke, warmer Tümpel.*)

Ein Beleg, dass ein heute “Wurm“ genanntes Gewässer zur Zeit der Kelten dereinst warm ge­wesen wäre, findet sich damit freilich keiner.
──────────────────────────
*) Tümpel in Moorgebieten haben meist eine sehr warme Wassertemperatur*. Auf (ehemals) sumpfiges Gelände und Feuchtgebiet weisen in der Umgegend von Würmla auch viele weite­re Orts- und Flurbezeichnungen hin, wie Obermoos, Mittermoos, Untermoos (Moos = Moor), Moosbierbaum, Mosletzberg, Laa a. d. Tulln usw.

26. Oktober

Warum der Österreichische Nationalfeiertag am 26. Oktober ist und nicht an einem anderen beliebigen Datum, ist ein bissel kompliziert. Als Nationalfeiertag, an dem die österreichische Nation sozusagen das Licht der Weltgeschichte erblickte, wäre eigentlich z.B. der 17. Septem­­ber naheliegender gewesen.

Bis 1967 hieß der Nationalfeiertag in Österreich “Tag der Fahne“, warum ist nicht bekannt. Warum er danach umbenannt wurde, ebenfalls nicht.

Zu Zeiten der Österreichisch-Ungarischen k. & k. Donaumonarchie war der Nationalfeiertag am 18. August, dem Geburtstag S.M. Kaiser Franz Joseph I.
In Bad Ischl im Salzkammergut feiern sie den heutzutags noch immer.

Gestikulatives: Richtungsweisendes

Kollege Jules van der Ley berichtet hier über einen, der am Telefon einem anderen durch Gestikulieren, mit ausgestrecktem Arm nach rechts und links deutend, einen Weg zu erklä­ren sich bemühte – obwohl der andere das gar nicht sehen kann.
Von meiner Frau aber würd’ ichs umgekehrt wünschenswert finden wenn die das auch täte, wenn sie nämlich im Auto neben mir sitzt und den Weg kennt, und navigiert wo ich hinfahren soll:
    “Da müssen wir dann abbiegen“, sagt sie.
    “Wo?“ frag ich, “Da jetzt?“
    “Nein, dort dann.“ sagt sie.
    “Dort rechts,“ frag ich, “oder dort links?“
    Sie sagt: “Ja, dort jetzt.“
    Ich: “Rechts oder links, wo soll ich abbiegen?“
    Sie: “Eh da.“
    Und ich: “Wo jetzt, da oder da? So sag mirs halt!“
    Und sie: “Na da! Hab ich eh gesagt.“
Ich habe hundert Gründe, meine Frau liebzuhaben – auch wenn sie beim Navigieren nicht grad hilfreich ist. Von seinem Navi würde sowas wohl keiner behaupten.

25. Oktober

Heute ist übrigens schon wieder World Pasta Day, vulgo Weltnudeltag.

(Bayern 2)

    Verachtet mir die Nudel nicht!
    Denn höret, was Erfahrung spricht:
    wenn’s keine Nudeln gäb’, das wär’
    zweifelsohne ein Malheur,
    denn zweifellos wär’s molto brutta,
    gäb’s keine Pasta zu der Schutta:
    weil ohne sie gelänge schlicht
    Soß’ um Gabel wickeln nicht.
    ────────────────────────────────
    Ernst Jandl, »Pasta Schutta«: 

Haben Sie gewusst, dass die Schupfnudeln gar nicht so heißen weil die etwa in der Pfanne ge­schupft werden wie Palatschinken. Auf Wikipedia erfährt man stattdem, dass “schupfen“ im Alemannischen regional auch die Bedeutung “rollen, wälzen“ hat – was im Bai­rischen wie­derum “wuzeln“ heißt. Da müssten die Schupfnudeln also Wuzelnudeln heißen.
Ein Nudeldrucker ist im Österreichischen nicht, was man sich anderswo vielleicht darunter vorstellen mag, sondern Bezeichnung für einen Pedanten, kleinlichen Menschen, Knauserer. Heißt so nach einem altertümlichen Küchengerät, dem Nudeldrucker (ähnlich einer Kartof­felpresse), welchem der zähe Nudelteig sich durch beharrliches Pressen (österr.: “drucken“ = drücken) nur mühsam in Form dünnfädiger Portionierung abgewinnen ließ. (Vergl. österr. gleichbed. “Zwirnscheißer“ = Umstandskrämer, mit Petitessen langwierig Herumnudler.)
Kärntner Nudeln sind keine Nudeln, sondern sowas wie Ravioli.

Kolumnistisches: Redensartiges

Dass diverse Darbietungen im Rahmen der “taz“-Kolumnistik beim Leser oft Befremden her­vorrufen, kennt man eh. Da gibt etwa der Kolumnist den Kritiker und übt Kritik, nämlich:

» „Keiner spricht über …“ wird sich oft empört bei Krisen, über die aber doch berichtet wird. Das macht gute Arbeit und wirklich Übersehenes unsichtbar.« ..

.. steht dort im Vorspann als Einleitung, worum es in dem Stück gehen soll – die mag ver­ste­hen wer will, muss aber nicht. Das Stück beginnt so:

»Eine bekannte deutsche Redensart lautet: „Aus den Augen, aus dem Sinn“.«

Nicht bekannt ist hingegen, wie der Kolumnist auf die Idee kommt, dies wäre eine be­kann­te »deutsche« Redensart – was jedenfalls Unsinn ist, vielmehr ist deren Äquivalent in zahlrei­chen Kultursprachen ebenso bekannt wie gebräuchlich:
    Out of sight, out of mind. (Englisch)
    Loin des yeux, loin du cœur. (Französisch)
    Ur syn, ur sinn. (Schwedisch)  (et al.)
Fängt der Unsinn also schon mit dem ersten Satz an. Dann glaubt der, seine Leserschaft auch noch belehren zu müssen was mit der bekannten Re­densart gemeint ist, ..

»Eine bekannte deutsche Redensart lautet: „Aus den Augen, aus dem Sinn“. Damit ist ge­meint, dass Abwesendes leicht vergessen wird.«

.. falls das jemand vorher nicht bekannt war. Weiter im Text:

»Oft wird auf  Sozialen Medien die Formulierung „keiner spricht über …“ bemüht. Auch im Zusammenhang mit Krisen, die dauerpräsent sind. Im Zusammenhang mit dem An­griffskrieg auf die Ukraine oder die aktuellen Proteste im Iran fiel schon der Satz: Nie­mand spricht darüber. Empört wurde gefragt: Warum sagt niemand etwas dazu?«

Echt jetzt – an dem Schmarrn hängt der seine Kolumne auf? Dass »auf  Sozialen Medien« oft unsinnige Sätze fallen, das hält der tatsächlich für so erheblich um eine ganze Kolumne un­ter der Überschrift »Kritik an Berichterstattung über Krisen« daraus zu drechseln?

»Im Kontext des Aufstands gegen das klerikalfaschistische Mullah-Regime im Iran und der Selbstverteidigung der Ukrai­ne­r*in­nen gegen Putins Angriffskrieg wird mit solchen Suggestivfragen die Arbeit von vielen Jour­na­lis­t*in­nen und Ak­ti­vis­t*in­nen unsichtbar gemacht, die eben dafür sorgen, dass ein breites Publikum hinschaut.«

»Im Kontext« der Iran-Proteste und des Ukraine-Kriegs werde mit dummen Fragen auf  So­zia­len Medien die Arbeit von Jour­na­lis­ten und Ak­ti­vis­ten »unsichtbar gemacht« – was fabu­­liert der da einher? Das ist doch absurd. Was für ein Schmarrn.