Aufgelesenes

Vuvuzela-Journalistisches

Die Pressemeldung zu copy&pasten, der dänische U-Boot-Bauer Peter Madsen habe die Er­mordung der schwedischen Journalistin Kim Wall »in einem am Mittwoch ausgestrahlten Dokumentarfilm« am Telefon zugegeben, haben sämtliche deutschsprachigen Newsredakti­o­nen von Aargauer bis Zürcher Zeitung zuverlässig zustande gebracht.

Auf die naheliegende Idee, binnen zwei Minuten googeln herauszufinden um welchen »am Mittwoch aus­gestrahlten Dokumentarfilm« es sich dabei überhaupt handelt, bevor man die Meldung in die Welt hinaus vuvuzeliert*) und den Lesern damit mehr zu bieten als bloßen Co­py­&paste-Schmarrn, ist indessen wieder mal niemand draufgekom­men:
▶️ [Minute 01:18]
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*) (“Vuvuzela-Journalismus“: alle blasen die gleiche Nummer auf dem gleichen Loch)

Journaillesoziolektisches: »Kretschmann-Crash«

Der Fahrer eines Dienstwagens von Ministerpräsident Kretschmann verursachte einen Un­fall mit Sachschaden, indem er gegen eine Autobahn-Leitplanke prallte. In ein vor der Un­fall­stelle auf dem Standstreifen angehaltenes Begleitfahrzeug prallte infolge Aquaplaning ein weiteres Fahrzeug, in welchem ein Kleinkind verletzt wurde das später verstarb. ▶️
Warum über einen Auffahrunfall zwischen zwei Fahrzeugen, mit denen ein Kretsch­mann weder ge­fahren noch dringesessen ist noch überhaupt was damit zu tun hat, mit »Unfall von Kret­schmann / Unfall mit Kretschmann« oder »Kretschmann-Unfall« aufgemacht wird, ent­zieht sich dem landläufigen Allgemeinverständnis:
Oder, im Soziolekt der Knalljour­naille genannt »Kretschmann-Crash«:
Was soll das sein, ein »Kretschmann-Auto«? Kindergartenjargon oder Deppensoziolekt? Und wer ist Minister Kretschmann-Auto? Hat der neuerdings einen Doppelnamen?

Clickbaiting der Woche: Unangebrachtes

 (KURIER.at)


Klingt spannend, nichtwahr? Bevor Sie aber hinter dem Clickbaiting-Link womöglich an ei­ner Paywall auflaufen und draufhin der Verzweiflung anheimfallen, weil Sie über Dianas un­­an­­ge­­­brach­te Angewohnheit nix erfahren, verraten wir die Antwort unten im Spoiler (3x an­kli­­cken) ohne dass Sie den kompletten Schmarrn-Artikel* lesen müssen:

                    Diana half manchmal beim Geschirrabwaschen.                  

[siehe auch: Die “Top Geheimnisse“ der Queen]

Sonderbericht (III): Algorithmisches

Zuweilen ruft der AdSense*)-Algorithmus, der bei der Platzierung von Werbeeinschal­tun­gen einen thematischen Bezug auf die Inhalte der Zielwebseiten generieren soll, beim Rezipien­ten Un­verständnis hervor. Zuweilen aber passt eine Werbeeinschaltung zum betreffenden Thema wie Arsch auf Eimer:


Da berichtet ein STANDARD-Artikel darüber, wie betrügerische Bitcoin-Werbung mit Pro­mi­nen­ten getrieben wird, und die via AdSense zugeschaltete betrügerische Clickbait-Wer­bung bewirbt, akkurat!, ei­ne “Sonderbericht“-Fake­seite, auf der betrügerische Bitcoin-Wer­bung mit Pro­­­­mi­nen­­­ten ge­­­trieben wird:

*) ad = Kurzform für engl. “advertisement“: Werbeanzeige, Inserat
(AdSense ist ein Google-Angebot. Kurioserweise verbietet Google in seinen Werberichtlinien Clickbait-Wer­bung seit Juli ausdrücklich – z.B. Clickbait-Werbung wie »Österreicher sind fas­sungslos / geschockt – Der Euro wird verschwinden / Das Land ist in Gefahr«.)
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“Sonderbericht“, siehe auch: »Metamorphotisches«

Sinnbefreites: Kolumnistisches

»Es ist wahrhaft kein Schmarrn zu blöd, als dass er in der Zeitung steht.«
(M. Krassnig)

Kollege Trithemius schrieb hier vor Wochen über einen Publizisten der es für berich­tens­wert erachtete, zwei Corona-Schutzmasken tragende Auto­in­sassen als »da­daistisches« Sze­na­rio empfunden zu haben. Über Sinn- oder Zweifelhaftigkeit dieser Maßnahme, ob die nun einer für dadaistisch oder sonstwas halten mag, ist unterdessen schon alles gesagt wor­den, wie man vermeinen möchte – aber noch immer nicht von allen, wie sich erweist.

Im Wettstreit um die Hervorbringung der sinnbefreitesten Kolumne zum mittlerweile weid­lich abgenudelten Thema Corona-Schutzmasken legt sich aktuell der KURIER-Kolum­nist ein­drucksvoll ins Zeug:


Nach einigen Ausführungen über alberne Auto-Moden in den 60er- und 70er-Jahren kommt er auf den Punkt, indem er diagnostiziert: dass Autofahrer, die eine Co­ro­na-Maske aufhaben während sie allein im Auto sitzen, »vom Denken befreit« sind.
Das also ist die ganze Essenz dieser läppischen, sinnbefreiten Kolumne: eine abfällige Be­ur­teilung autofahrender Coronamasken-Träger, denen Denkbefreitheit unterstellt wird.

Menschen tun aus irrationalen Ängsten irrationale Dinge: die einen setzen aus irrationaler Angst vor Ansteckung im Au­to Masken auf, andere springen aus irrationaler Angst vor Mäu­sen auf Stühle. Solche Menschen deswegen pauschal als denk­befreit ab­zu­qua­lifizieren, ist herablassend, unangemessen und dumm.

Was das Maskentragen im Auto, ob nun angstbegründet oder »denkbefreit« oder nicht, über­haupt mit den auf­ge­­zählten jahrzehntealten Auto-Moden zu tun haben soll, erschließt sich in der Ko­lumne üb­ri­gens nicht.

Schweinisches

Haben Sie gewusst, dass Schweine keine Haken schlagen können. Ein Schwein im Schweins­galopp kann nur geradeaus rennen, aber nicht scharf abbiegen.


Werden Sie von einem Wildschwein angegriffen, dann stellen Sie sich direkt vor einen Baum hin und lassen das angreifende Wildschwein geradewegs auf sich zurennen. Im letzten Moment treten Sie einen Schritt zur Seite und sehen zu, wie das Wildschwein gegen den Baum semmelt und k.o. geht, weil es vor dem Baum nicht scharf abbiegen kann.


Wie man sich den Unfallhergang konkret vorzustellen hat, lässt sich aus der Artikel­über­schrift nicht erschließen.

Konzertantes: Copy, & passt

Dass der Alkoholgehalt im Atem in Milligramm pro Liter Atemluft gemessen wird, der Alko­holgehalt im Blut hingegen in Promille pro Kilogramm Blut, hat jeder mal im Fahrschul­un­ter­richt gelernt, wers nicht verpennt hat. Sobald jedoch von einer Presseagentur (dpa) eine Unsinnsmeldung wie folgt abgesetzt wird, –


– flugs wird der Unsinn in sämtlichen Redaktionen von sämtlichen diensthabenden Presse­meldungs-Ab­schrei­be­be­auf­trag­ten unredigiert abgeschrieben und unisono in die Welt hi­naus­kolportiert, in artiger Abschreibekonzertanz von Aargauer Zeitung bis zur ZEIT.

Copy, & passt: die altbekannte Melodie, man kennt sie ja.

»Das Schlimme ist, dass alle voneinander abschreiben. Niemand macht sich mehr die Mühe zu überprüfen, ob überhaupt zutreffend ist, was be­haup­tet wird.« (Michael Götschenberg)
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Mehr alkoholische Unsinnsmeldungen siehe:  ▶️   ▶️

Sonderbericht (II): Metamorphotisches


Erfahren Sie in div. “Gesundheitsportal“-Sonderberichten »nur bewährte!« und »nur bestä­tig­­te!« Informationen über die »bahnbrechenden Behandlungen« eines österreichischen Pro­­­­­fes­sors Bruno Hauer (alias Professor Tobias Wimmer), eines deutschen Professors Bruno Hauer (alias Professor Erik Wagner), eines Schweizer Professors Bruno Hauer, und div. wei­te­­rer Professoren aus div. weiteren Ländern [*] [*] [*] [*] (alle Experten für Mo­le­ku­lar­bio­lo­gie):

Ihre »Pionierleistungen in der Diätetik« führten zur Metamorphose einer Frau Miriam San­der aus Graz, welche zu Frau Miriam Sander aus Hamburg metamorphosierte sowie zu Frau Emma Gerber aus Lausanne (alle 37 Jahre), welche alle drei nach einem Facelifting und ei­ner Zahnkorrektur eine Karriere als Stockphoto-Model einschlugen.

(Nur konsequent, dass auch die Leserkommentare zu den verschiedenen Artikeln einer Me­ta­mor­phose unterliegen ; )
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(zum Thema “Sonderbericht“ siehe auch: »Der Schmu des Manitu«)

Die “news.de“-Weltuntergangs-Revue: Diese Woche kein Weltuntergang!

(news.de, 22.09.2019)


Dass der Flachsinnstiefpunkt auf dem Clickbaiting-Portal “news.de“ irgendwann erreicht wäre und sich nimmer tieferlegen ließe, steht nicht zu befürchten. Dass man über den jeweils aktuell bevorstehenden Weltuntergang nicht zuverlässig informiert und den womöglich unbemerkt verpassen würde, ebenfalls nicht:

(18.09.2015)

(25.09.2015)

(15.10.2015)

(21.01.2016)

(15.05.2016)

(29.07.2016)

(22.08.2016)


In den Anden. (Nicht zu verwechseln mit dem Weltuntergang in den Alpen.)

(26.08.2016)


Beweis-Foto! “Tourist Guy“ Karl W.: »So erlebte ich den Weltuntergang«


(22.09.2016)


(Definieren Sie den Begriff  “nah“)

(08.12.2016)

(09.01.2017)

(11.01.2017)

(17.01.2017)

(26.01.2017)


(Nicht zu verwechseln mit Todesstern, der an der Sonne saugt.)

(01.02.2017)


(02.02.2017)


»Wann es soweit sein wird, erfahren Sie hier«:


(Wie es dem Mond gelingen will, auf die Erde zu krachen nachdem die Sonne vorher sämt­li­che Pla­ne­ten vernichtet hat, erfahren Sie hier allerdings nicht.)

(24.07.2017)


Asteroid, mal wieder: Kennt man einen, kennt man alle.

(01.08.2017)

(22.09.2017)


(Definieren Sie den Begriff  “now“)

(25.09.2017)

(27.12.2017)

(22.01.2018)

(22.02.2018)

(23.04.2018)


(Nicht zu verwechseln mit Planet X, der am 5. Oktober die Erde zerstörte, s.o.)

(03.05.2018)

(22.06.2018)


Welcher Physiker das prophezeit, verrät Ihnen news.de:

(26.09.2018)


Ah, der ist das. Ist allerdings bereits verstorben.

(02.10.2018)


“Todes-Komet“. (Nicht zu verwechseln mit Mega-Planet, der im September die Erde zerstörte, s.o.)

(28.01.2019)

(30.01.2019)


Undsoweiter. (Ob der Weltuntergang nächste Woche stattfindet oder wiederum abgesagt wurde, erfahren Sie zuverlässig aktuell auf  “news.de“, s.o.)

Gagaistisches

Im ZDF-Talk “maybrit illner“ zum Thema Fahrverbot und Tempolimit zieht der deutsche Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) unter dem Tenor »Wenn das nicht Gaga ist« die Messwerte der Luft-Schadstoffbelastung durch Autoabgase in Zweifel und behauptet unter anderem:

    »In Wien ist die zentrale Mess-Station in einer Fußgängerzone.«


In Wien gibt es siebzehn Luftgütemessstellen des Wiener Luftmessnetzes, darunter auch eine am Stephansplatz im Stadtzentrum. Ob man Herrn Scheuers Darstellung jener x-be­lie­bi­gen von insgesamt siebzehn Wiener Messstellen als »die zentrale Mess-Station in Wien« für mutwillige Faktenverzerrung halten will oder bloße Einfältigkeit, mag jeder selber beurteilen.
Wenn das nicht Gaga ist.


Luftgütemessstellen des Wiener Luftmessnetzes


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(siehe auch: BILDblog)