Aufgelesenes

4. Juni

Heute vor 136 Jahren wurde in München Karl Valentin geboren.

Es sei schon erstaunlich, sagte Karl Valentin, »dass jeden Tag genau soviel passiert wie in die Zeitung hineinpasst«. Erstaunlich aber auch, was jeden Tag alles nicht passiert und trotzdem in eine Zeitung hineinpasst. Aus Österreichs auflagenzweitstärkster Verschenk-Volks­in­for­ma­ti­ons­postille er­fährt man etwa, dass am 17. November 2010 in der Hosnedlgasse in Wien Do­nau­stadt ein Auto nicht ge­stoh­len wurde.

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Sack Reis in China nicht umgefallen.

Die »alternativen Fakten« für Österreichs Medien

»Was ist eine Zeitung? In erster Linie die Popularisierung des Arschwisches.«
(Jules Goncourt)

Österreichs auflagenzweitstärkste Verschenkzeitung präsentiert:

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Die darunter präsentierte Balkengrafik stellt die verbreitete Auflage laut ÖAK (Österreichische Auf­la­gen­kon­t­rolle) der beiden auflagenstärksten österreichischen Verschenkzeitungen sowie der auf­la­gen­stärk­sten überregionalen Kauf-Ta­ges­zei­tun­gen dar:

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Freilich lässt sich aus der Höhe der Auflagenzahl keinerlei Schluss über Leserzahl oder Reich­weite eines Printmediums ziehen. Dem Herausgeber steht es frei, die Druckauflage seiner Ver­schenkzei­tung je­der­zeit nach Belieben zu erhöhen. Tatsächliche Leserzahl und Reichweite werden hingegen durch die Media-Analyse (MA) erhoben, und deren Resultate stellt die al­ter­na­tive Bal­ken­grafik in der zwei Tage früher erschienenen auflagenstärkeren Kon­kur­renz-Ver­schenk­zei­tung dar:

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Auflagen- wie Leserzahl der auflagenzweitstärksten Verschenkzeitung sind also nahezu gleich hoch – das ergibt: österreichweit gerade mal EINEN Leser pro aufgelegtem Exemplar. (Für das nur unwesentlich auflagenstärkere Kon­kurrenzblatt indessen mehr als eineinhalb Leser.)
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Als »alternativ« erweisen sich die Fakten über Auflagenhöhe und Leserzahlen insbesondere in Wien, wo bei­de Ver­schenk­zeitungen angeblich, wie kolportiert, »bereits Kopf an Kopf sind«:

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Wenn man die laut ÖAK und MA ermittelten Fakten für wahr halten darf, ist die ver­brei­te­te Auf­la­ge von Öster­reichs auf­lagenzweitstärkster Ver­schenk­zei­tung in Wien also um ein ganzes Drittel höher als die Ge­samt­leserzahl – das ergibt: pro auf­gelegtem Exemplar le­dig­lich einen DREIVIERTEL Leser. Ein Viertel der gesamten Verschenkzeitungs-Auf­lage will demnach kei­ner geschenkt kriegen, das landet ungelesen als Papiermüll in der Tonne, oder fliegt als vom Wind »ver­brei­te­te Auf­lage« in der Gegend herum.
Das x-beliebige Erhöhen der Druckauflage durch den Herausgeber führt mitnichten zu hö­he­ren Leserzahlen, sondern stattdessen zu immer höheren Bergen an ungelesenem Pa­pier­müll: zur nutzlosen tonnenweisen Produktion buntbedruckten »Arschwisches« (Goncourt).
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(Welchen Nutzen die dreiste Prahlerei über irrelevante »Kopf an Kopf«-Auflagensteigerungen überhaupt bezwecken soll, weiß wohl nur der Herausgeber allein. So blöd ist die umworbene Anzeigenkund­schaft freilich kaum, um nicht zwischen der Werberelevanz von kolpor­tier­ter Auf­lagenhöhe und faktischer Leserzahl/Reichweite zu unterscheiden zu wissen.)
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Update: Wenn man Österreichs auflagenzweitstärkster Verschenkzeitung glauben will, dann hat sie ihre auflagenstärkere Verschenk-Konkurrenz mittlerweile angeblich »überholt«:

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Die Fakten stellen sich indes im Konkurrenzblatt Nummer 1 wiederum al­ter­na­tiv dar:

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An der (im Gegensatz zur willkürlich manipulierbaren verbreiteten Auflage) tatsächlichen Le­ser­zahl von 0,75 = lediglich ein dreiviertel Leser pro aufgelegtem Exem­plar hat sich so­mit für die nunmehrige, laut eigener Behauptung, Wiener Verschenkzeitung Num­mer 1 über­haupt nix geändert.
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Bemerkenswerterweise präsentiert auch die Verschenkkonkurrenz Nummer 1 drei Tage später wiederum alternative, von den zuvor selber (in der Balkengrafik oben) kolportierten Auf­lage- und Leser­zah­len abweichende Fakten:

C. censeo: Man muss nicht alles glauben, was in der Zeitung steht.

Luftnummer (II)

Wer bisher vielleicht nicht glauben wollte, dass Kärntner Autos beinah so hoch fliegen kön­nen wie Schweizer Motorräder [siehe: Luftnummer (I)], wird nun von diversen österreichischen Tagesmedien eines besseren belehrt:

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Welche Substanzen man diesen redaktionellen Einfaltsdimpfeln morgens ins Müesli ge­streut hat, damit die solche Luftnummern »laut Augenzeugen/laut Polizei« kol­por­tie­ren, ist nicht überliefert. Wer den Blödsinn aber glauben will, ein Auto könne tat­säch­lich – durch einen Auf­prall nach mehrmaligem Über­schlag – rund »20 Meter in die Höhe/Luft ge­schleu­dert/ka­ta­pul­tiert« werden, der muss auch glau­ben wol­len, dass es infolge auf dem Dach eines rund vierstöckigen Hauses lan­den würde, falls dort eins in der Flugbahn steht:

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Ceterum censeo: Man muss nicht alles glauben, was in der Zeitung steht.

Alle Jahre wieder ..

.. wird vom Bundeskriminalamt eine aktuelle Kriminalstatistik ver­öffent­­licht, und alle Jahre wieder tischt Österreichs auflagenzweitstärkste Verschenk-Dreckspos­tille zu­ver­lässig die im­mer­gleichen Lügenmärchen dazu auf – wie auch heuer:

STERREICH)

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Auf den gleichen Haufen scheißt dem gleichen Loch bläst heuer ebenfalls Österreichs auf­­la­­gen­­stärk­ste Verschenkdreckspostille, und titelt mit dem Aufmacher:

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Und so schaut die Kriminalstatistik für 2016 aus, wie vom Bundeskriminalamt veröffentlicht:

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Im Vergleich mit den Kriminalstatistiken der vergangenen paar Jahre ist also keinerlei sig­ni­fi­kan­ter Unterschied zu erkennen: kennt man eine, kennt man alle. Dasselbe gilt freilich auch für Öster­reichs beide auflagenstärksten Verschenkdreckspostillen.

Countdown zum Weltuntergang

»Höret, was Erfahrung spricht: Hier ist’s so wie anderswo.
Nichts Genaues weiß man nicht, dieses aber ebenso.«
(Otto Grünmandl)

Der Weltuntergang im ÖSTERREICH.at-Liveticker:.
(nicht zu verwechseln mit dem ÖSTERREICH.at-»Auslöschung der Erde«-Liveticker)

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(ÖSTERREICH-Abo-Service empfielt daher noch rechtzeitig:

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Weil nach dem Weltuntergang Ende 2016 kriegen Sie beides womöglich nirgends mehr zum kaufen, oder gar völlig GRATIS ge­schenkt.)

 

Update:
(31.01.2017)
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Nicht, dass sich nach dem Weltuntergang wieder wer beschwert, es wär ihm nicht rechtzeitig vertickert worden. Denn merke:

(ÖSTERREICH-Alleinstellungsmerkmal, laut Eigendarstellung)

Drolliges

Das Lokalnachrichtenportal MeinKrefeld.de bietet einen drolligen Artikel über einen Feuer­wehr­einsatz dar, übertitelt mit:

Welche Bedeutung den scheinbar willkürlich im Text applizierten Temporaladverbien bereits & kurz darauf im Bezug auf diesen innewohnt, lässt sich nicht ohneweiters erkennen –

– ebensowenig wie die der willkürlich eingestreuten Beistriche:

Auf drollige Weise die Phantasie des Lesers regt indessen der Textabschnitt an:
(MeinKrefeld.de)
Bleibt zu hoffen, dass sich die kleinen Kameraden auf ihrer Erkundungsmission im Fahr­zeug­­­ nicht verlaufen haben.

Abseitiges aus der Chefredaktion

Im Wettstreit um die abseitigste Berichterstattung zum Berliner Terroranschlag tut sich der Krone.at-Chefredakteur höchstpersönlich eindrucksvoll hervor:

Als ob dieses vollends irrelevante Geschwätz über PS oder Kilo auch nur das mindeste zur Er­hel­lung der The­ma­tik bei­trü­ge. Abseitig.
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Der »Todes-Lkw« von Berlin hat überdies »nach den Fotos zu schließen« mitnichten 580, son­dern 450 PS: was sich anhand der Auf­schrift an der Kühlermaske für je­der­mann (außer dem Krone.at-Chefschwätzer) er­ken­nen lässt.

Gagaistisches

Immer wenn man vermeint, der absolute Hirnverbranntheitsrekord in Zeitungsüberschriften müsse irgendwann erreicht sein und sich nimmer übertreffen lassen, kommt zuverlässig einer daher und beweist das Gegenteil:

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(Was man sich unter einem »Sattelschlepper« bzw. »Lasterwagen« vorzustellen hat, wird aus der Illustration nicht ersichtlich.)