Aufgelesenes

Knalljournaillistisches

Wenn ein 18-jähriger Pkw-Fahrer einen Verkehrsunfall verursacht wobei sein Beifahrer ge­­tötet wird, weil er eine Stoptafel missachtet und in die Kreuzung einfährt ohne den Quer­ver­kehr zu beachten, sodass es zum Zusammenstoß mit einem vorschriftsmä­ßig einherfah­ren­den Lkw kommt – dann titelt die Verschenkzeitungs-Knalljour­naille darüber:

Dass der Lkw-Fahrer an dem Unfall völlig schuldlos war und chancenlos, ihn zu verhindern, erfährt man aus der Verschenkzeitung nicht. Was die Verschenkzeitungsjournaille indes­sen nicht versäumt, ihrer Leser­schaft mitzuteilen: dass er Serbe ist. Was zwar für den Unfallher­gang vollkommen irrelevant ist, bei den inländischen Pkw-Fahrern unter den Verschenkzei­tungslesern aber gewiss für Stimmung sorgt.

„Zigeunerliebe“.

(Alpenländische Rundschau, 24. Dezember 1927)
Der Kampf um des Nächsten Hausfrau.
      Aus Edlitz wird uns gemeldet: Der Zigeuner Johann K a r o l y hat bis vor kurzem mit der verheirateten Zigeunerin Paula H o r v a t h im gemeinsamen Haushalt gelebt. Paula Horvath löste aber das Verhältnis um zu ihrem rechtmäßigen Gatten zurückzukehren. Nun hat Karoly an der Horvath einen Mordversuch unternommen, weil sie nicht mehr zu ihm zurückkehren wollte. Der zu Hilfe eilende Gatte der Horvath wurde von Karoly mit einer Hacke lebensgefährlich verletzt. Horvath wurde ins Güssinger Spital geschafft und Karoly dem Bezirksgerichte eingeliefert.

Kolumnistisches: Repetitives

»Journalisten erzählen oft genug auch Blödsinn.« (Julian Reichelt)

Ein Blödsinn wird nicht weniger blöd, je öfter er wiederholt wird. Fleischhauer, wieder mal:

Diese blödsinnige Nummer mit den verschluckten Büromaterial-Kleinteilen, welche aus sta­tistischer Sicht tödlicher wären als ein Terroranschlag, findet der offen­bar so origi­nell dass er sie zum wiederholten Male zur Darbietung bringt. Man darf gespannt sein, in welcher Va­­riation er den Blödsinn wohl nächstesmal repetiert: vielleicht mit Heftklammern, oder mit Pinn­wandnadeln.

Exxpressionistisches

Über das Sockenpuppen-Claqueu­ri­at auf “eXXpress für Sel­berdenker“, dem informel­len ÖVP-Zentralorgan sowie Sebastian-Kurz-Beweih­räu­che­rungs­medium, wel­ches die Kommentarbe­reiche dort mitunter im Zweiminutentakt mit Zu­stim­mungs­be­kun­dungen vollspammt, war hieramts schon mal die Rede.

Da kritisiert der Chefredakteur in einem Artikel »die detaillierte Beschreibung des Zustands der Wohnung einer Tatverdächtigen« durch die Staatsanwaltschaft: weil das niemanden et­was angeht, wie es in der Wohnung ausschaut. Um gleich darunter im Text die detaillierte Be­schreibung des Zustands der Wohnung der Tatverdächtigen durch die Staatsanwaltschaft, die niemanden etwas angeht, im Detail zu veröffentli­chen: damit auch alle eXXpress-Leser, die es nichts angeht, dort lesen können was niemanden etwas angeht.

»Wer würde Wäscheständer mit aufgehängter Wäsche herumstehen lassen, wenn man weiß, dass die Staatsanwaltschaft zu einer Hausdurchsuchung auftaucht?«

Manch Leserkommentar hinwiederum wirft die Frage auf, was sich solch ein Selberdenker wohl selber dabei denken mag, wenn er ihn der Weltöffentlichkeit zur Kenntnis bringt:

Verkehrssicherheitsgefährdendes

Das News-Portal inRLP.de »bietet den Nutzer*innen einen direkten Zugang zu [..] hilfrei­chen Alltagstipps, auf die niemand mehr verzichten möchte«, laut Eigendarstellung.

Jetzt haben die von der ADAC-Webseite »Geisterfahrer: Tipps für den Ernstfall« abgeschrie­ben und bieten sie in ihrer Ratgeber-Rubrik den Nutzer*innen dar:

Allerdings ist denen beim Abschreiben der ADAC-Tipps für den Ernstfall ein gra­vie­ren­der Fehler unterlaufen, welcher, würden die Nutzer*innen den im Ernstfall tatsächlich befol­gen, zu haarsträubender Verkehrssicherheitsgefährdung mit unabsehbaren Folgen füh­ren wür­de. Wer ihn zuerst entdeckt, darf ihn verraten.
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# Geisterfahrer: ► 

Alkoholisches

Dass der Alkoholgehalt im Atem in Milligramm pro Liter Atemluft gemessen wird, der Alko­­holgehalt im Blut hingegen in Promille pro Liter Blut, hat jeder mal im Fahrschul­un­­ter­richt gelernt, wers nicht verpennt hat*. So wie die Kollegen beim SPIEGEL offenbar:

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Kaum anzunehmen, dass das ein Polizeisprecher wirklich so sagte – man muss nicht alles glau­ben, nur weil’s so im SPIEGEL steht:

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Mal nachgerechnet, wenn das so zutreffen würde wie es im SPIEGEL steht: 4 Promille Alkohol im Atem wären also 4 Milliliter pro Liter Atem­luft – d. h. wenn die 64-Jährige zehnmal hintereinander tief Luft holt und in ein 4cl-Schnapsglas hineinhaucht, wäre das von dem aus­geatmeten Alkohol schon wieder voll und die könnte sich gleich nochmal einen Doppelten reinpfeifen, ohne nachzuschenken.
Muss man sich mal bildlich vorstellen.

jetzt mal echt:

“jetzt“ ist ein Onlinemagazin der Süddeutschen Zeitung, das sich »als Spiegelbild der
Jugendkultur und authentische Stimme der Jugend« an 18- bis 30-Jährige richtet. *)

… richtet sich eine Artikelüberschrift auf jetzt.de als “Mädchenfrage“ an 18- bis 30-Jährige, und un­ter der Zwischenüberschrift teilt denen die authentische Stimme der Jugend sodann “Die Jungsant­wort“ mit:

Wollen wir uns das jetzt mal bildlich vorstellen: wie die Übung mit dem Kote­let­ten­stut­zen und den liegenden Brüsten auf der Schulter denn gelingen möge. Mal echt jetzt.

Kolumnistisches: Verzichtbares

»Journalismus ist nicht, wenn man seine eigenen Befindlichkeiten
für Nachrichten hält. Für sowas gibt es die Mutti und Tagebücher.«
(Wolf Lotter)

»Der Verzicht auf Alkohol provoziert Trinkende und zieht nervige Fragen nach sich.« –

– behauptet der “taz“-Kolumnist und bringt seiner Leserschaft zur Kenntnis:

»Wenn man in Deutschland höflich ein alkoholisches Getränk ablehnt, gibt es drei Fra­gen, die üblicherweise aufkommen: Bist du schwanger? Bist du krank? Bist du Islamist?«

Wer »man in Deutschland« denn konkret sein soll, dessen höfliche Ablehnung übli­cherweise jene drei nervigen Fra­gen aufkommen lässt, ver­rät der “taz“-Kolumnist allerdings nicht.
Sich selber kann er mit »man« ja nicht meinen – kaum anzunehmen, dass er üblicher­weise gefragt wird ob er schwanger sei wenn er ein alkoholisches Getränk ablehnt. Wenn »man« hinge­gen weiblich ist, würde üblicherweise wohl kaum jemand danach fragen ob man Islamist sei – son­dern allenfalls: ob Islamistin. Wen oder was, bitte­schön, meint der al­so in seiner Pauschalbehauptung mit dem Generalpronomen »man«?
Wenn man in Deutschland ein alkoholi­sches Getränk ablehnt, käme üblicherweise die Frage auf: Bist du krank? – Wo in Deutsch­land will der Kolum­nist denn derlei Beobachtung übli­cherweise gemacht ha­ben, sodass er zu solcher Behaup­tung gelangt? Keine Ahnung, in wel­­chen Kreisen der zu verkehren pflegt. In den Kreisen, in denen ich verkehre, wird man übli­cherweise gefragt was man stattdessen lieber trinken möchte, wenn man ein alkoholisches Getränk ablehnt.

Was für unsinnige Kolumne.
(Im übrigen Kolumnentext ist von »man« keine Rede mehr, dafür fängt dort beinah jeder zweite Satz mit »Ich« an – läppisches selbstbezogenes Blabla über ein her­beikonstruiertes The­ma, das in Wirklichkeit gar keins ist. Verzichtbares Geschwafel.)
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Kolumnistisches:  ▶️  ▶️  ▶️

Feuilletonistisches

»Eine Welle der Humorlosigkeit sieht Konrad Adam über das Land schwappen und klagt in der NZZ, dass politisch korrekt gedrillte Sprachbeamte den Witz verbieten wollen.« *)

So steht’s in der Überschrift zu einem Artikel im Feuilleton der “Neuen Zürcher Zeitung“.
Der Artikel ist durchaus interessant und kurzweilig zu lesen, aber was der Feuilletonist mit seiner Behauptung in der Überschrift und darunter in der Textstelle –

– eigentlich meint, geht daraus nicht hervor. Witzverbot, Lachverbot – worum geht’s da? Ver­steh ich nicht. Oder gibt’s in der Schweiz grad aktuelle Diskussionen um dieses Thema? Goo­geln macht darüber nicht schlauer. Worauf bezieht sich diese Aussage?

Ob vielleicht jemand unter den p.t. Schweizer LeserInnen hierüber Aufklärung ver­schaffen kann?

Experten (IV)

“Die ganze WOCHE“ ist die auflagenstärkste Wochenzeitschrift Österreichs mit wö­chent­­lich 280.000 verkauften Exemplaren und mehr als einer dreiviertel Million Leser, d. i. mehr als alle übrigen österrei­chi­schen Wo­chen- und Nach­­­richtenmagazine (News, Profil, Trend) zusammen.

Schau mer mal, was Österreichs auflagenstärkste Wochenzeitschrift ihrer Leserschaft in der vergangenen Ausgabe zur Kenntnis bringt:

Experten, wieder mal. Und was für Experten sind das diesmal konkret: Experten für Virolo­gie, Epidemiologie, für Inzidenzstatistik? Pandemie-Experten womöglich gar? Zuvorderst die Di­­rek­to­rin des De­partments für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Medizini­­schen Universität Inns­bruck/Tirol, mithin Expertin für pathogene Mikroorganis­­men, das sind Bak­te­rien, Pilze & Protozoen:

»Für mich gibt es keinen Beweis, dass das Tragen von FFP2-Masken im Alltag die ent­schei­den­de Maßnahme ist, um die Infektionszahlen zu senken.« –

– lässt die Expertin für Hygiene und Mikrobiologie die “Ganze WOCHE“-Le­ser also wissen, zu deren Kenntnisnahme. Schön, dass sie dafür Zeit gefunden hat.

Kolumnistisches: Befremdliches

»Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte liest,
es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.«
(Johann Wolfgang von Goethe)

Was der FR-Kolumnist in seiner Kolumne »Fußball in Zeiten der Pandemie: Den Irrsinn stop­pen« überhaupt zur Aussage bringen möchte, erschließt sich mir ehrlichgestanden nicht an­satzweise:

» Corona stoppt den Fußball nicht
So war es bis vor einem Jahr. Dann kam das Virus. [..] Da lauert die Chance, den Irrsinn zu stoppen.«

Muss man das verstehen? Mir wills nicht gelingen.
(Der Kolumnist, erfährt man, ist Autor und Theatermacher. Theatermacher, ah ja – wieder mal einer, der zum Thema Corona-Pandemie was beizutragen weiß.)

Glück im Unglück

Stößt ein Autofahrer mit einer Straßenbahn zusammen, steht in Großbuchstaben zu lesen:

Wer das Glück im Unglück hier nicht zu erkennen vermag und sich fragt, WAS da eigentlich »nochmal gut gegangen« sein soll, kennt Friedrich Torbergs “Tante Jolesch“ nicht:
    Stößt ein Autofahrer mit einer Straßenbahn zusammen, sagt Tante Jolesch:
    »Glück im Unglück, er hätte verletzt sein können.«
    Verletzt sich der Autofahrer bei dem Zusammenstoß, sagt sie:
    »Glück im Unglück, er hätte tot sein können.«
    Und kommt er bei dem Zusammenstoß ums Leben, da sagt sie:
    »Glück im Unglück, hat er nicht lang leiden müssen.«

Frage der Woche

WOMAN.at, »Das Frauen- & Lifestyle-Magazin Österreichs« fragt:

Antworten zur Auswahl:
  • Influencerinnen haben als Kinder nicht aufgepasst, als ihnen die Mutter erklärte wie man ein Tanktop richtig anzieht: bei einem Loch rein, bei drei Löchern raus.
  • Influencerinnen haben als Kinder aufgepasst, aber sich bei den drei Löchern mit dem Zählen vertan.
  • Influencerinnen ziehen sich im Dunkeln an.
  • Weiß nicht.
(Nächste Frage: Warum tragen Influencerinnen ihre Rollkragenpullover nicht SO?)

Wer es ohne Anleitung nicht zuwege bringt ein Tanktop influencerinnenmäßig SO wie auf dem Foto anzuziehen, kriegt es schrittweise erklärt:

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(Wer nun an einem Tanktop erfolglos nach einem Ärmel sucht, den es zu durchschlüp­fen gilt, wird die Anleitung freilich wenig hilfreich finden.)

Paywall der Woche

Österreichs Exklusiv-Enthüllungsorgan Nummer 1 enthüllt exklusiv:

Was Maradonas letzte Worte waren, enthüllt sich allerdings erst hinter der Bezahlschran­ke nachdem Sie ein kostenpflichtiges oe24PLUS-Abo abgeschlossen haben:

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Wenn Sie jedoch kein kostenpflichtiges oe24PLUS-Abo abschließen möchten um Maradonas letz­te Worte zu lesen, lesen SIE HIER seine letzten Worte – unter dem Google-Suchbegriff: “Marado­nas letz­te Worte“. Ohne oe24PLUS, dafür kostenlos.

Wenn Sie jedoch auch nicht googeln möchten um Maradonas letz­te Worte ohne kosten­pflich­ti­ges oe24PLUS zu lesen, lesen SIE HIER seine letzten Worte [Spoiler unten, 3x anklicken]:

                        Maradona sagte: »Ich fühle mich schlecht.«                      

Riesenglück der Woche

Vorgestern fand in der Wiener Innenstadt ein islamistischer Terrorangriff statt. Ein Herr NR-Abgeordneter Schmidhofer hielt sich vorgestern nicht in der Wiener Innenstadt auf, son­dern wo­an­ders, worüber die “Kleine Zeitung“ gestern Bericht erstattete. Mutmaßlich ließen sich noch weitere Personen ausfindig machen, welche sich vor­gestern eben­falls nicht in der Wie­ner Innenstadt, sondern woanders aufhiel­ten, und mit der Berichterstattung darüber lie­ßen sich noch weitere Kleine Zeitungseiten füllen.

Breaking News

Aus der beliebten Reihe »Clickbait Suspense mit den Royals«:
(Auflösungen im Spoiler darunter: 3x anklicken)

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                                  Sie trägt eine Mund-Nasen-Schutzmaske.                              
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            Archie (1) muss um Erlaubnis fragen, wenn er heiraten möchte.           

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                                Prinz Harry hat einen Elefanten fotografiert.                          

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                             Sie geht zu Weihnachten nicht in die Kirche.                              

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                    Die Queen spricht mit Prinz George, wenn er sie besucht.                
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Clickbait Suspense: ▶️ ▶️ ▶️ ▶️

Journaillesoziolektisches: »Kretschmann-Crash«

Der Fahrer eines Dienstwagens von Ministerpräsident Kretschmann verursachte einen Un­fall mit Sachschaden, indem er gegen eine Autobahn-Leitplanke prallte. In ein vor der Un­fall­stelle auf dem Standstreifen angehaltenes Begleitfahrzeug prallte infolge Aquaplaning ein weiteres Fahrzeug, in welchem ein Kleinkind verletzt wurde das später verstarb. ▶️

Warum über einen Auffahrunfall zwischen zwei Fahrzeugen, mit denen ein Kretsch­mann weder ge­fahren noch dringesessen ist noch überhaupt was damit zu tun hat, mit »Unfall von Kret­schmann / Unfall mit Kretschmann« oder »Kretschmann-Unfall« aufgemacht wird, ent­zieht sich dem landläufigen Allgemeinverständnis:

Oder, im Soziolekt der Knalljour­naille genannt »Kretschmann-Crash«:

Was soll das sein, ein »Kretschmann-Auto«? Kindergartenjargon oder Deppensoziolekt?
Und wer ist Minister Kretschmann-Auto? Hat der neuerdings einen Doppelnamen?

Clickbaiting der Woche: Unangebrachtes

 (KURIER.at)


Klingt spannend, nichtwahr? Bevor Sie aber hinter dem Clickbaiting-Link womöglich an ei­ner Paywall auflaufen und draufhin der Verzweiflung anheimfallen, weil Sie über Dianas un­­an­­ge­­­brach­te Angewohnheit nix erfahren, verraten wir die Antwort unten im Spoiler (3x an­kli­­cken) ohne dass Sie den kompletten Schmarrn-Artikel* lesen müssen:

                    Diana half manchmal beim Geschirrabwaschen.                  

[siehe auch: Die “Top Geheimnisse“ der Queen]