Aufgelesenes

Sinnbefreites: Kolumnistisches

»Es ist wahrhaft kein Schmarrn zu blöd, als dass er in der Zeitung steht.«
(M. Krassnig)

Kollege Trithemius schrieb hier vor Wochen über einen Publizisten der es für berich­tens­wert erachtete, zwei Corona-Schutzmasken tragende Auto­in­sassen als »da­daistisches« Sze­na­rio empfunden zu haben. Über Sinn- oder Zweifelhaftigkeit dieser Maßnahme, ob die nun einer für dadaistisch oder sonstwas halten mag, ist unterdessen schon alles gesagt wor­den, wie man vermeinen möchte – aber noch immer nicht von allen, wie sich erweist.

Im Wettstreit um die Hervorbringung der sinnbefreitesten Kolumne zum mittlerweile weid­lich abgenudelten Thema Corona-Schutzmasken legt sich aktuell der KURIER-Kolum­nist ein­drucksvoll ins Zeug:


Nach einigen Ausführungen über alberne Auto-Moden in den 60er- und 70er-Jahren kommt er auf den Punkt, indem er diagnostiziert: dass Autofahrer, die eine Co­ro­na-Maske aufhaben während sie allein im Auto sitzen, »vom Denken befreit« sind.
Das also ist die ganze Essenz dieser läppischen, sinnbefreiten Kolumne: eine abfällige Be­ur­teilung autofahrender Coronamasken-Träger, denen Denkbefreitheit unterstellt wird.

Menschen tun aus irrationalen Ängsten irrationale Dinge: die einen setzen aus irrationaler Angst vor Ansteckung im Au­to Masken auf, andere springen aus irrationaler Angst vor Mäu­sen auf Stühle. Solche Menschen deswegen pauschal als denk­befreit ab­zu­qua­lifizieren, ist herablassend, unangemessen und dumm.

Was das Maskentragen im Auto, ob nun angstbegründet oder »denkbefreit« oder nicht, über­haupt mit den auf­ge­­zählten jahrzehntealten Auto-Moden zu tun haben soll, erschließt sich in der Ko­lumne üb­ri­gens nicht.

Schweinisches

Haben Sie gewusst, dass Schweine keine Haken schlagen können. Ein Schwein im Schweins­galopp kann nur geradeaus rennen, aber nicht scharf abbiegen.


Werden Sie von einem Wildschwein angegriffen, dann stellen Sie sich direkt vor einen Baum hin und lassen das angreifende Wildschwein geradewegs auf sich zurennen. Im letzten Moment treten Sie einen Schritt zur Seite und sehen zu, wie das Wildschwein gegen den Baum semmelt und k.o. geht, weil es vor dem Baum nicht scharf abbiegen kann.


Wie man sich den Unfallhergang konkret vorzustellen hat, lässt sich aus der Artikel­über­schrift nicht erschließen.

Konzertantes: Copy, & passt

Dass der Alkoholgehalt im Atem in Milligramm pro Liter Atemluft gemessen wird, der Alkoholgehalt im Blut hingegen in Promille pro Kilogramm Blut, hat jeder im Fahrschulunterricht gelernt, wers nicht verpennt hat. Sobald jedoch von einer Presseagentur (dpa) eine Unsinnsmeldung wie folgt abgesetzt wird, –


– flugs wird der Unsinn in sämtlichen Redaktionen von sämtlichen diensthabenden Presse­meldungs-Ab­schrei­be­be­auf­trag­ten unredigiert abgeschrieben und unisono in die Welt hi­nauskolportiert, in artiger Abschreibekonzertanz von Aargauer bis Süddeutscher Zeitung.

Copy, & passt: die altbekannte Melodie, man kennt sie ja.

»Das Schlimmste ist, dass alle voneinander abschreiben. Niemand macht sich mehr die Mühe zu überprüfen, ob überhaupt zutreffend ist, was be­haup­tet wird.« (Michael Götschenberg)
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Mehr alkoholische Unsinnsmeldungen siehe:  [►]  [►]

Sonderbericht: Metamorphotisches


Erfahren Sie in div. “Gesundheitsportal“-Sonderberichten »nur bewährte!« und »nur bestätigte!« Informationen über die »bahnbrechenden Behandlungen« eines österreichischen Pro­­fessors Erik Wagner, eines deutschen Professors Bruno Hauer (alias Professor Maciejczyk), eines Schweizer Professors Bruno Hauer, und div. weiterer Professoren aus div. weiteren Ländern [*] [*] [*] [*] (alle Experten für Molekularbiologie):


Ihre »Pionierleistungen in der Diätetik« führten zur Metamorphose einer Frau Miriam Sander aus Graz, welche zu Frau Miriam Sander aus Hamburg metamorphosierte sowie zu Frau Emma Gerber aus Lausanne (alle 37 Jahre), welche alle drei nach einem Facelifting und einer Zahnkorrektur eine Karriere als Stockphoto-Model einschlugen.

(Nur konsequent, dass auch die Leserkommentare zu den verschiedenen Artikeln einer Me­ta­mor­phose unterliegen ; )
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(zum Thema “Sonderbericht“ siehe auch: »Der Schmu des Manitu«)

Die “news.de“-Weltuntergangs-Revue: Diese Woche kein Weltuntergang!

(news.de, 22.09.2019)


Dass der Flachsinnstiefpunkt auf dem Clickbaiting-Portal “news.de“ irgendwann erreicht wäre und sich nimmer tieferlegen ließe, steht nicht zu befürchten. Dass man über den jeweils aktuell bevorstehenden Weltuntergang nicht zuverlässig informiert und den womöglich unbemerkt verpassen würde, ebenfalls nicht:

(18.09.2015)

(25.09.2015)

(15.10.2015)

(21.01.2016)

(15.05.2016)

(29.07.2016)

(22.08.2016)


In den Anden. (Nicht zu verwechseln mit dem Weltuntergang in den Alpen.)

(26.08.2016)


Beweis-Foto! “Tourist Guy“ Karl W.: »So erlebte ich den Weltuntergang«


(22.09.2016)


(Definieren Sie den Begriff  “nah“)

(08.12.2016)

(09.01.2017)

(11.01.2017)

(17.01.2017)

(26.01.2017)


(Nicht zu verwechseln mit Todesstern, der an der Sonne saugt.)

(01.02.2017)


(02.02.2017)


»Wann es soweit sein wird, erfahren Sie hier«:


(Wie es dem Mond gelingen will, auf die Erde zu krachen nachdem die Sonne vorher sämt­li­che Pla­ne­ten vernichtet hat, erfahren Sie hier allerdings nicht.)

(24.07.2017)


Asteroid, mal wieder: Kennt man einen, kennt man alle.

(01.08.2017)

(22.09.2017)


(Definieren Sie den Begriff  “now“)

(25.09.2017)

(27.12.2017)

(22.01.2018)

(22.02.2018)

(23.04.2018)


(Nicht zu verwechseln mit Planet X, der am 5. Oktober die Erde zerstörte, s.o.)

(03.05.2018)

(22.06.2018)


Welcher Physiker das prophezeit, verrät Ihnen news.de:

(26.09.2018)


Ah, der ist das. Ist allerdings bereits verstorben.

(02.10.2018)


“Todes-Komet“. (Nicht zu verwechseln mit Mega-Planet, der im September die Erde zerstörte, s.o.)

(28.01.2019)

(30.01.2019)


Undsoweiter. (Ob der Weltuntergang nächste Woche stattfindet oder wiederum abgesagt wurde, erfahren Sie zuverlässig aktuell auf  “news.de“, s.o.)

Gagaistisches

Im ZDF-Talk “maybrit illner“ zum Thema Fahrverbot und Tempolimit zieht der deutsche Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) unter dem Tenor »Wenn das nicht Gaga ist« die Messwerte der Luft-Schadstoffbelastung durch Autoabgase in Zweifel und behauptet unter anderem:

    »In Wien ist die zentrale Mess-Station in einer Fußgängerzone.«


In Wien gibt es siebzehn Luftgütemessstellen des Wiener Luftmessnetzes, darunter auch eine am Stephansplatz im Stadtzentrum. Ob man Herrn Scheuers Darstellung jener x-be­lie­bi­gen von insgesamt siebzehn Wiener Messstellen als »die zentrale Mess-Station in Wien« für mutwillige Faktenverzerrung halten will oder bloße Einfältigkeit, mag jeder selber beurteilen.
Wenn das nicht Gaga ist.


Luftgütemessstellen des Wiener Luftmessnetzes


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(siehe auch: BILDblog)

Luftnummer (III)

Von fliegenden Autos sowie Motorrädern liest man zuweilen mit Staunen. Die Online-Aus­ga­be von Österreichs meistgelesener Verschenk-Volksinformationspostille weiß gar von einem springenden Wagen zu berichten:

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Weil dem staunenden Leser die Vorstellung eines über eine Autobahnunterführung springenden Wagens wo­mög­lich schwerfallen mag, verhilft der diensthabende Markierungspfeil-Be­auf­trag­te dem Leser-Vor­stel­lungs­ver­mö­­gen vermittels eines im Teaser applizierten roten Markierungspfeils (Abb. rechts) auf die Sprünge – siehe Vergrößerung:

Österreich: Rekordland bei Morden

Haben Sie gewusst, dass Österreich das Land mit der niedrigsten Mordrate in ganz Europa ist? – Anbetrachts der hirnverbrannten Schlagzeilen möchte das wohl niemand vermuten:


Was in Wahrheit hinter diesen hirnverbrannten Schlagzeilen steckt: mitnichten liegt Öster­reich »bei Morden an Frauen« in der EU ganz vorn. Vielmehr ist lediglich der prozentuelle Anteil weiblicher gegenüber männlicher Mordopfer höher als im EU-Durchschnitt:


Ja und, weiter? – Nix weiter, das wars schon: in Österreich unterscheidet sich der Frauenanteil bei Mordopfern prozentuell von dem anderer europäischer Länder. Der Informationsgehalt dieser Meldung ist so weltbewegend wie ein Schas im Kukuruz. Tatsächlich aber ist Österreich das europäische Land mit den wenigsten Morden im Verhältnis zur Einwohnerzahl:


Erkennen Sie die Hirnverbranntheit der Schlagzeilen im Bezug auf den Inhalt der Meldung, die dahintersteckt?

Heißt also: „nur“ 20 % Frauenquote bei Mordopfern.
Oder, wie der FOCUS dementsprechend aufmachen würde:

    » In Südafrika gibt es die wenigsten weiblichen Mordopfer -
    In Südafrika werden weniger Frauen umgebracht als in Österreich.«