Außerösisches

Ein Pariser Polizist als Motor-Zweiradfahrer.

…….»Die Pariser Polizisten scheinen sich in guten financiellen Verhältnissen zu be­fin­den. Man muß wenigstens darauf schließen, wenn man liest, daß der Pariser Sous-Brigadier N.a.v.e.t.a.t  sich auf eigene Kosten ein Motor-Zweirad und eine erst­classige Stopuhr an­ge­schafft hat, um auf Automobil-Wildlinge erfolgreich Jagd machen zu können. Für das Motor-Zweirad hat er 800 Francs ausgelegt. Sein Chef, Herr Descares, hinwieder scheint ein nobler Charakter zu sein. Er vergütet dem Sous-Brigadier monatlich, sage und schrei­be, zehn Francs – Benzin . . . Navetat hat übrigens kürzlich einen guten Fang gemacht. Bei der Porte-Maillot sah er einen Motor-Zweiradfahrer à grande allure da­her­sausen. Er verfolgte ihn, es entspann sich ein scharfes Match, und beim Arc de Triomphe landete Navetat als Sieger. Es stellte sich heraus, daß der wegen Schnellfahrens Attrapirte das Motor-Zweirad einem Fabrikanten in Rouen gestohlen hatte. Daß der Polizist dem Diebe im Tempo von „sechzig die Stunde“ nachgejagt war, thut nichts zur Sache. Denn er war objectiv genug, gegen sich nicht eine „Contravention pour excès de vitesse“ zu erheben. Das beigegebene Bild wurde uns von „Motoring Illustrated“ freundlichst zur Verfügung gestellt.«
.(Allgemeine Automobil≈Zeitung.
Officielle Mittheilungen des Oesterreichischen Automobil≈Club, 1902)
    Es fing der flotte Flic im Nu
    den flüchtenden Trafic-Filou.
    (Im Bilde hält er artig still,
    weil es der Photograph so will.)

30. Juli

Heute vor 71 Jahren kam in Thal bei Graz der kleine Arnold Schwarzenegger zur Welt, mitt­lerweile ist ein großer Mann aus ihm geworden.
Ein Freund von mir war mal in den USA, bekanntlich wird unser Austria dort drüben ständig mit Australien verwechselt. Herrn Schwarzenegger aber, den gebürtigen Österreicher, kennen freilich alle. Als mein Freund Auskunft gab wo er herkommt, da sagten die Amis:

    »Oh, from Austria – that country where Schwarzenegger and kangaroos are from!«

12. Juni – Die Überschallfliege: Eine Zeitungsente von 1937

Im Jahre 1927 erschien im Journal der New Yorker Ento­mo­lo­gi­schen Gesellschaft ein Artikel des Insek­ten­forschers C. Townsend, worin dieser behauptete, bei der Reh-Rachendassel (Cephe­ne­myia pratti, eine parasitäre Fliegenart) in New Mexico eine Flug­­ge­­schwindigkeit von mehr als 800 Meilen pro Stunde (d.i. Über­­schall­­ge­­schwin­dig­keit) beobachtet zu haben – eine Zahl, die ganz offenkundig aus einem Beobachtungs- oder Be­rech­nungs­feh­ler resultierte und natürlich auch jedem gesunden Laienverstand zuwiderlaufen musste.

Dennoch wärmte die renommierte New York Times zehn Jahre später, am 12. Juni 1937, die Geschichte von der Über­schall­­fliege unter der Schlag­zeile »the fastest creature that lives« neuerlich auf, worauf diese durch die Weltpresse zu schwirren begann.

Der Physiker sowie Chemie-Nobelpreisträger Irving Lang­muir konnte in einem 1938 im TIME-Magazin ver­öffent­lich­ten Ar­ti­kel nachweisen, dass

  • der zum Erreichen dieser Geschwindigkeit erforderliche Energieaufwand es für die Fliege nötig machen würde, pro Sekunde (sic!) mehr als das Eineinhalbfache ihres Körpergewichts an Nahrung aufzunehmen;
  • der Flug der Fliege einen vernehmbaren Überschallknall erzeugen würde;
  • eine Fliege im Überschallflug mit freiem Auge gar nicht sichtbar wäre;
  • der Zusammenprall einer solchen Fliege mit dem Körper eines Säugetiers das gleiche Resultat hervorrufen würde wie der Einschlag einer Gewehrkugel.

Obwohl Langmuirs Berechnungen, basierend auf den Daten aus Townsends ursprüng­lichem Forschungsbericht, eine tatsächliche Fluggeschwindigkeit der beobachteten Dasselfliege von etwa 25 Meilen pro Stunde (40 km/h) ergaben, erschien in der New York Times keine Rich­tig­stel­lung der Überschallgeschichte, und so wurde sie noch einige Jahre danach in der inter­na­ti­o­na­len Presse kolportiert.
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(Zeitungsausschnitt: aus Wiener Bilder – Illustriertes Familienblatt, 1939).

13. November – Aviatisches

Heute vor 110 Jahren, am 13. November 1907, hob Monsieur Paul Cornu mit seinem »flie­gen­den Fahrrad«, angetrieben von einem V8-Zylindermotor, zum ersten bemann­ten Hub­schrau­ber­flug der Luftfahrtgeschichte ab. Der Erstflug erreichte eine Höhe von 30 Zentimeter, die Flug­dauer betrug 20 Sekunden. Leider erwies sich sein Hubschrauber als nicht steuerbar, wo­raufhin Mon­sieur Cornu die Flugversuche bald wieder einstellte.

12. November – Ornithologisches

Heute vor 121 Jahren wurde der berühmte Ornithologe Dr. Sálim Ali (1896-1987) geboren, der »Vogelmann von Indien«. Er suchte nach einem ganz bestimmten Vogel:
Der Godavari-Rennvogel [Hemerodromus bitorquatus], im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh endemisch, galt seit 1900 als ausgestorben. Anfang 1932 startete Dr. Ali seine ambi­tio­nierte Suche mit dem Ziel, den legendären Vogel wiederzuentdecken: ein Unter­nehmen, das ihn für den Rest seines langen Forscherlebens in Anspruch nehmen sollte. Über ein halbes Jahrhundert, 54 Jahre lang bis kurz vor seinem Tod, pirschte er unentwegt durchs indische Unterholz, tagaus & tagein, vom Tagesanbruch bis zum Sonnenuntergang. Ohne Erfolg.
Erst im Jahr 1986, mittlerweile 90-jährig, erfuhr er zufällig bei einer Plauderei mit einhei­mi­schen Vogelfängern, dass der Godavari-Vogel gar nicht so selten war wie er die ganze Zeit über ge­glaubt hatte: nach Einbruch der Dunkelheit liefen die scharenweise im Wald herum. Bereits in der darauffolgenden Nacht gelang es, im Schein einer Taschenlampe ein Exemplar einzu­fan­gen. Somit gelangte Herr Dr. Ali zu zwei grund­legenden ornithologischen Erkennt­nissen, näm­lich dass der Godavari-Rennvogel 1.) keineswegs ausgestorben, und 2.) grund­sätzlich nacht­ak­tiv ist.
(KURIER, 03.02.1987)

23. September

Heute vor 74 Jahren wurde Señor Julio Iglesias de la Cueva geboren, in Madrid. Er begann eine vielversprechende Karriere als Profifußballer bei Real Madrid. Leider musste er nach einem Verkehrsunfall seine Fußballerkarriere abbrechen und begann stattdessen zu singen:

10. September

Heute vor 76 Jahren wurde der große Evolutionsbiologe und Humanist Stephen Jay Gould (1941-2002) geboren, der in seinem umfangreichen, unerhört klugen Werk u.a. darlegte, dass es zwischen Christentum und Evolutionslehre nicht notwendigerweise einen Wider­spruch ge­ben müsse. Gould war ein Verfechter der holistischen Betrachtungsweise in der Wissen­schaft, was er an­hand des Elefantenbeispiels illustrierte:
Man führe drei Blinde nebeneinander zu einem Elefanten und trage ihnen auf, das Tier zu be­schreiben. Der erste ertastet den Schwanz und sagt: ein Elefant ist wie ein Seil. Der in der Mitte sagt: ein Elefant ist wie eine Wand. Und der dritte, der den Rüssel ertastet, sagt: ein Ele­fant ist wie eine Schlange. Freilich hat ein jeder der drei mit seiner Einzelbetrachtung recht, aber einen Elefanten hat keiner insgesamt zutreffend beschrieben. Erst aus der Summe der Be­trach­tungen wird ein ganzes Bild daraus.
Dass gegensätzliche Betrachtungsweisen durchaus gleichberechtigten Bestand haben dürfen, zeigt Gould an einem weiteren Exempel: fragt man einen (weißen) Europäer, wie ein Zebra aus­schaut, so beschreibt er es für gewöhnlich als ein weißes Tier mit schwarzen Streifen. Ein (schwarzer) Afrikaner dagegen beschreibt dasselbe Zebra als ein schwarzes Tier mit weißen Strei­fen. Lediglich eine Frage des unterschiedlichen Betrachtungswinkels.

Umwerfend originelles

Das Krokodil im Badesee, der Killer-Hai im Mittelmeer, die Invasion der Monster-Ratten: olle Sommerlochtier-Kamellen kennt man zur Genüge. Die brandheiße Sommerloch­tier-Story der Sai­son steht hingegen exklusiv in Österreichs auflagenstärkster Ver­schenk­pos­tille, hal­ten Sie sich fest – eine umwerfend heißere Story haben Sie garantiert noch nie ge­le­sen:

»Ärztin und 2 Ufologen fotografieren in Schottland Ungeheuer«
(Wie wird man eigentlich Ufologe?)

Warnungszeichen

Warnungszeichen für Automobilisten.
Der Kartellausschuß der reichsdeutschen Auto­mo­bil-Clubs gab, wie wir an anderer Stelle [..] be­rich­ten, bezüglich der Warnungs­ta­feln einstimmig seine Stellungnahme dahin zum Aus­druck, daß die vier internationalen War­nungs­tafeln durch ein Zeichen für alle Ge­fah­ren­punkte ersetzt wer­den sollen, darunter auch ein sol­ches, das einen Totenkopf und zwei ge­kreuzte Men­schen­kno­chen zeigte. Solche To­ten­kopf-Warnungszeichen findet man übrigens auch hie und da in Tirol.

2. Sonntag im August: Tag der Melone

In Turkmenistan ist heute übrigens der Tag der Melone.
(Nicht dass es wieder Beschwerden hagelt, ich hätt’s gewusst aber niemand ver­raten.)

Dass Turkmenische Melonen im Laufe von Jahrhunderten mehrere Goldmedaillen bei den in­ter­nationalen Wettbewerben gewonnen haben, ist angeblich sehr bekannt. Melonenanbau gilt in Turkmenistan als Nationalkunst. Der Name einer turk­me­nischen Melonen-Königin lau­tet: Ak Gurbeksaftig.
(Kann man sich merken, muss man aber nicht.)

1. August

Heute ist der Schweizer Nationalfeiertag.
Die Schweiz ist ein exotisches, fremdartiges Land mit exotischen, fremdartigen Bewohnern. Exotisch und fremdartig ist auch die Sprache.
(Haben Sie gewusst, dass in der Schweiz alle Ortsnamen mit Z anfangen: z´Aarau, z´Bääre, z´Chur, z´Davos, usw. .. z´Züri.)

Luftnummer (I)

Was sie dem Schweizer Gratiszeitungskollegen ins Müesli getan haben, bevor er diese bizarre Luft­num­mer ausheckte, ist nicht überliefert, aber rezeptfrei wars ganz bestimmt nicht:

100 Meter, das ist so lang wie ein Fußballfeld – so weit sollte ein Töff (=Motorrad) durch die Luft geflogen sein?
Man muss kein Fachmann sein um sich ausrechnen zu können, wie absurd die Vorstellung ist, ein Motorrad würde nach der Kollision mit einem stehenden Auto abheben und genausoweit durch die Luft fliegen wie Motorrad-Stuntman Robbie Maddison bei seinem 100-Meter-Welt­rekordsprung.
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Wers dennoch ausrechnen will: um erst rund 100 Meter weiter entfernt auf dem Boden auf­zu­prallen, müsste ein Objekt mit einer Geschwindigkeit von 31 m/s (=110 km/h) ungebremst im 45°-Winkel von diesem abheben und am Scheitelpunkt der ballis­ti­schen Flug­pa­ra­bel eine Gip­fel­höhe von mehr als 25 Meter über­schrei­ten – d.h. wenn dort ein Haus im Weg steht, würde das Motorrad im fünften Stock beim Fenster rein­fliegen. Was für aberwitzige Vorstellung:

Ampelmännchen

Der lebende Leuchtturm.
Die Newyorker Polizei bedient sich seit kurzem einer Art Sig­nal­apparate, die die den Verkehr regelnden Schutzleute an der Brust tragen. Es sind drei elektrische Blinklichter in ver­schie­de­nen Farben, die der Polizist je nach Ermessen ein- und aus­schalten kann, um den Lenkern seine Disposition optisch kundzutun. Tagsüber ist er nach wie vor auf seiner Hände Arbeit angewiesen.

14. April – Mozart war kein Ösi

Heute vor 200 Jahren, am 14. April 1816, trat der Vertrag von München in Kraft, wo­nach die Österreicher das Herzogtum Salzburg von den Bayern zurückkriegten, welche es davor von den Franzosen gekriegt hatten, welche es davor den Österreichern weg­ge­nom­men hatten.

»Deutsche wollen unseren Mozart stehlen!«
»Unser Musik-Genie ist laut ZDF-Fernsehen kein Österreicher!«

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krähte die Kronen Zeitung einstens auf der Titelseite drauflos, und ereiferte sich über derartig »schwer­wiegenden Fauxpas« und »zweifelhaftes Geschichtsverständnis«. – »Mozart ist na­tür­lich Österreicher, völlig klar.« dozierte daraufhin Chefhistoriker Guido Knopp.
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Das stimmt freilich nicht: »unser« Mozart ist kein Österreicher und nie einer gewesen. Mozart war Salzburger. Das Fürsterzbistum Salzburg, dessen Untertan er zeitlebens blieb, war da­zu­mals ein eigen­stän­diger souveräner Staat. Erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts, nach Mozarts Ab­leben al­so, fiel Salz­burg an Österreich, danach an Frankreich, danach an Bayern usw., s. o.
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(Umgekehrt käme ja auch keiner auf die Idee, Mozart wäre Bayer, weil Salzburg nach seinen Lebzeiten mal zu Bayern gehörte. Oder Marco Polo wäre Österreicher, weil Venedig in spä­te­ren Zeiten mal zu Österreich gehörte.)

Motocyclistisches

Motocyclistische Ghymkana≈Spiele.
In England blüht noch der Motorradsport und Ghymkanaspiele sind sehr beliebt. Unser Bild zeigt das Kartoffelrennen. Die Kartoffel befinden sich in dem Gefäß, aus dem sie der Motocyclist mit dem Löffel herausfischen muß.
.(Allgemeine Automobil-Zeitung, 1912)
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Heuer akuter Schneemangel in den Wintersportgebieten

» Der Schweizer Sportsmann R. C. Lee hat Skisport-Versuche unternommen, die eine neue Art des Wüstenverkehrs eröffnen [..] Während der Fußgänger in der Wüste bereits nach we­ni­gen Minuten Schmerzen in den Beinen verspürt und bei jedem Schritt bis über die Knö­chel im Sande versinkt, gleitet der Ski sanft und ohne jedes Hindernis über die Sand­fläche dahin.«
.(Allgemeine Automobil-Zeitung, 1932)
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Unicyclistisches

» Walter Nilsson, ein bekannter Ingenieur aus Los Angeles, hat das Einrad-Motorrad so weit ver­vollkommnet, daß es jetzt eine gewohnte Erscheinung im amerika­nischen Ver­kehrs­leben zu werden verspricht. Das Rad ist so gut ausbalanciert, daß man mit Sicher­heit auch größere Geschwindigkeiten fahren kann. Mr. Nilsson will damit 100 englische Meilen, das sind bei 160 Kilometer, in der Stunde erreichen.«
.(Allgemeine Automobil-Zeitung, 1935)
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Unlängst beim Chinesen

Kennen Sie den: Tritt ein Chinese auf und ruft »Übelaschung, Übelaschung!« Alle schaun ihn erwartungsvoll an, und der Chinese macht: »RRRrrrrr!!«

(Dass man in div. österr. Verschenkzeitungsredaktionen den Unterschied zwischen Chinesen & Japanern nicht kennt, steht wiederum auf einem anderen Blatt.)

Unlängst waren wir mit den Kindern beim Chinesen essen, zur Rechnung gibts für die Er­wach­senen das obligate Stamperl Pflaumenwein, und das chinesische Fräulein fragt: »Pflau­men­wein fü’ Gloße, und Schreckel fü’ Kleine?« – aber wir verstehen sie nicht. »Schreckel,« sagt sie nochmal, »Schreckel. Fü’ Kleine.« – keiner versteht’s. Und sie wieder­holt: »Schreckel. SchRRreckel! Rutschel fü’ Kleine, Rollipop.«

Wahre Geschichte, nicht gelogen: ich hab noch nie wen ein R so vollendet aussprechen gehört wie das chinesische Fräulein.
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(Schlecker = österr. für Lutscher, Lollipop).

4. September

Heute vor 66 Jahren wurde in Berlin-Charlottenburg erstmals eine gar abscheuliche Greueltat aktenkundig*, die seitdem zahllose Nachahmungstäter fand: das grausame Ersäufen einer guten deutschen Wurst in gezuckerter Tomatensoße.

Eine unerhört garstige kulinarische Freveltat – man möchte meinen, die arme un­schuldige Wurst um Erbarmen flehen zu hören.

13. April

Heute vor 87 Jahren gelang drei wagemutigen Herren der erste Transatlantikflug in Ost-West-Richtung. Das ursprüngliche Ziel New York wurde wegen Kompassabwei­chun­gen zwar weit verfehlt, bei der Landung auf einem zugefrorenen Tümpel auf einer unbewohnten Insel vor der kanadischen Küste brach das Eis und das Flugzeug kippte kopfüber, wurde zum Glück aber nur leicht beschädigt.


Die drei Ozeanflieger.
Von links nach rechts:  Ehrenfried Günther Freiherr v. Hünefeld, Hermann Köhl und Major James C. Fitzmaurice, die als erste den Ozean von Ost nach West bezwangen.

Der erste Non-Stop-Flug Europa–Amerika.
……….»Am 12. April um 5 Uhr 38 Minuten früh ist das Junkers-Flugzeug „Bremen“ von Baldonnel in Irland mit Hauptmann Köhl, Freiherrn von Hünefeld und dem Oberbe­fehls­haber der irischen Luftstreitkräfte, Fitzmaurice, zu seinem Ozeanflug gestartet und nach einem fast ununterbrochen währenden Kampf gegen Sturm, Nebel, Regen und Schnee­ge­stö­ber Freitag, den 13. April um 9 Uhr 30 Minuten vormittags Ortszeit (zirka 14 Uhr mit­teleuropäische Zeit) auf Greenly Island bei Neufundland ge­landet. Da über diesen he­ro­i­schen Flug in allen Tageszeitungen ausführlich be­richtet wurde, dürfen wir bei un­se­ren Lesern alles Tatsächliche als bekannt voraussetzen.«
.(Allgemeine Automobil- & Flugmaschinen-Zeitung, 1928)
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Mikrobielles

Schon mehrmals wurde hieramts die Frage erhoben, wen man bei FOCUS “Wissen“ eigentlich die Artikeltexte verfassen lässt: einen Elfjährigen? Welcher Kindskopf käme auf den Einfall, bei Krabben handle es sich um “mikrobielles Leben“ – seit wann wären Krabben denn Mik­ro­ben?
Tatsächlich ernähren sich die Tiefsee-Krabben von einer speziellen Bakterienart, und von mikrobiellen Lebensformen wie dieser reden die Nasa-Forscher, wenn sie deren Existenz auf anderen Himmels­körpern nicht für ausgeschlossen halten. Keine Rede über “Rückschlüsse“ auf  Krabbengewimmel auf erdfernen Eismonden.
(Was überdies von dieser dummen Kindertheater-Nummer mit den “Aliens“ zu halten ist, wurde hieramts schon mal dargelegt.)

Überraschendes

Was an den Zahlen überraschend sein soll, wird uns in Österreichs auflagenstärkstem Gratis-Volks­bil­dungs­or­gan nicht erläutert. Wo es sich doch um die kaum veränderten Zahlen handelt, welche seit 2010 heuer bereits zum drittenmal kolportiert werden.

Unverändert geblieben ist weiterhin die Unsinnigkeit dieser Zahlen: weil die Prämisse, welche der Definition des Terminus »Migrationshintergrund« im Wiener Integrations- und Di­ver­si­täts­monitoring* zugrundeliegt, völlig absurd ist. Die Absurdität einer Sta­tistik, in der Leute wie etwa meine Tochter und ich als »Wiener mit Migrationshinter­grund/mit ausländischen Wurzeln« gelistet werden, wurde schon mal vor 4 Jahren hieramts dargestellt.
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(Bekanntlich lässt sich so gut wie jede Statistik zu einer.Unstatistik entstellen, indem man die zugrundeliegenden Zahlen & Fakten willkürlich sinnentstellend interpretiert. Z.B.: man in­ter­pre­tiere eine einmal pro Jahr auftretende Schlafstö­rung als psychische Erkrankung, so ergibt sich daraus die Statistik: »40 Prozent der Europäer sind psychisch krank« [SPIEGEL])

Aeronautisches

Aus einem ORF.at-Artikel über die französischen Löschflugzeuge, die in Schweden zur Wald­brandbekämpfung eingesetzt werden sollen, erfährt man:

Das hat der ORF-Kollege zwar fast richtig vom Referenzartikel abgeschrieben ..

.. aber eben nur fast: selbst für aeronautische Laien ist es schwer vorstellbar, dass ein zwei­mo­toriges Propellerflugzeug (welches die Illustration zeigt) mit 6 Tonnen Nutzlast, d. i. 6.000 Liter aufgenommenes Löschwasser, sich bei solch geringer (Höchst-)Flugge­schwin­dig­keit über längere Zeit in der Luft halten ließe.

Bei den betreffenden Löschflugzeugen handelt es sich um Canadair CL-415, maximale Geschwindigkeit lt. Wikipedia: 376 km/h, Reisegeschwindigkeit: 287 km/h, und die haben nicht »eine Fluggeschwindigkeit von bis zu 130 km/h«, sondern können bis zu 130 km/h langsam fliegen – etwa bei der Löschwasseraufnahme oder dem zielgenauen Ablassen über der Brandstelle, sowie Start/Landung auf kurzer Strecke.

»The planes can fly at 130 kilometres an hour« bedeutet also mitnichten die Höchst-, sondern viel­mehr die Mindestfluggeschwindigkeit.
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(Dank an die Kollegen vom FlugzeugForum.de)

7. Juli

Heute vor 67 Jahren wurde Fredl Fesl geboren, der “bayrische Melankomiker“.

Seine Karriere begann damit, dass er in den Münchner Kleinkunstbühnen durch das Mit­brin­gen seiner Gitarre keinen Eintritt bezahlen musste, indem er sich als der auf­tretende Mu­si­ker ausgab. Als der eigentliche Künstler eines Abends fehlte, wurde Fesl vom Publikum auf die Bühne genötigt und musste wirklich selber auftreten.

Fredl Fesls Wortspielereien kommen in schönster valentinesker Tradition daher:

    »As Pferdl hoaßt Pferdl, wei’s auf da Erd steht.
    Wei tats in da Luft  fliagn, na hoaßats jo Pfluftl

Alkoholisches

Das ist natürlich grober Unsinn, kaum wer erwacht mit (einem Blutalkoholspiegel von) 6,44 Promille »Alkohol im Körper« jemals wieder aus dem Koma, schon gar nicht würde wer damit zur Arbeit wollen. Was immer man bei der Thüringer Allgemeinen unter einem »Alkometer« verstehen will (gemeint ist offenkundig ein Alkomat) – tatsächlich misst solch ein Gerät den Alkoholgehalt in der Atemluft, und nicht im Körper (d. i. im Blutkreislauf). Dass ein Schluck aus der Flasche unmittelbar vor einer Alkomat-Messung zu astronomischen Messwerten in der Atemluft führen kann, ist nichts ungewöhnliches. Wie sich im konkreten Fall ja auch erwies, bewirkte bereits eine Mundspülung eine Reduktion des Messresultates um beinah ein dreiviertel Promille – was freilich keineswegs bedeutet dass die Frau daraufhin plötzlich nur mehr 5,72 »Promille Alkohol im Körper« gehabt hätte, sondern a priori wesentlich weniger.
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Ceterum censeo:.Man muss nicht alles glauben, was in der Zeitung steht.

Sommerhitze-Koller in der Verschenkblatt-Redaktion?

»Zwei Hauptfragen müssen in einer Schlagzeile beantwortet werden,
nämlich Wer? und Was?.«  (Wolf Schneider, Die Überschrift)
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Dass manche Kollegen von Österreichs auflagenstärkstem Verschenkblatt offenkundig dem Sommerhitze-Koller anheimgefallen sind, wurde hieramts schon öfters vermutet. Schau mer mal, was die heute wieder ausgebrütet haben:

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»Wer? und Was?« fragt Wolf Schneider – die Frage »Wo?« erwähnt er freilich nicht. Worum gehts überhaupt: in Syrien sollen Croissants in gekrümmter Halbmondform verboten werden, weil dadurch ein islamisches Religionssymbol verunglimpft werde. So weit, so unsensationell. Eine Meldung, die im Rest der Welt nicht mehr Wind ent­fachen sollte als ein Schas im Kukuruz, wie man eigentlich erwarten dürfte:

    »Breaking News: Croissants in Syrien ab heute nimmer krumm,
    sondern gerade!«

Nicht grad der sensationellste Seite-1-Aufmacher der Saison, aber es wären nicht die üblichen Verschenkblatt-Verdächtigen, wenn die es nicht zuwege brächten, selbst den unbedeutendsten Pups im Sommerloch zu einer riesen Luftnummer aufzublasen. Man kennt das ja.

(Warum syrische Croissants in Syrien überdies keine syrischen Croissants, sondern »Kipferln aus Öster­reich« vulgo »Österreich-Kipferl« vulgo »unsere Kipferln« sein sollten, erfährt man aus dem Artikel nicht – das bleibt wohl das Geheimnis der Heute-Hitzekollaberanten.)

22. Juli

Heute vor 65 Jahren erblickte Herr Otto Waalkes das Licht Ostfrieslands, woselbst er an­schließend aufwuchs und ein populärer Komiker wurde.
Garstige Leute unterstellen den Ostfriesen, alles was die dort aus dem Meer fischen und nicht sicher sind, ob man’s essen kann, das würden sie großziehen.