Außerösisches

Definieren Sie den Begriff  “Migrationshintergrund“

Vorgestern präsentierte ÖVP-Integrationsministerin Raab den aktuellen Integrationsbericht. Und heute “analysiert“ Österreichs auflagenstärkste Verschenk-Volksinformationspostille:

(Was man unter “ÖSTERREICH analysiert die Daten“ halt zu verstehen hat: ÖSTERREICH schreibt die präsentierten Daten ab, und präsentiert sie ebenfalls.)

Was steckt aber hinter den präsentierten Daten tatsächlich? Im sog. Wiener Integrations- u. Diversitätsmonitor wird als Person mit Migrationshintergrund definiert, wer

  • im Ausland geboren ist, oder
  • mindestens einen nicht in Österreich geborenen Elternteil hat.

Und das ist freilich absoluter Blödsinn. Hier die Analyse:

  • Ich selber bin Wiener, gebürtiger Niederösterreicher. Mein Vater wurde in Rei­­chen­berg / Deutschböhmen geboren: somit gelte ich per definitionem als Wiener mit Mig­ra­ti­onshintergrund.
  • Die Mutter meiner Tochter (Wienerin, aus Oberösterreich stammend) wurde während eines vorüber­gehenden Aufenthalts ihrer Eltern (beide gebürtige Oberösterreicher) in Kanada geboren: hat somit per definitionem Migrationshintergrund.
  • Somit hat absurderweise auch unsere Tochter, obwohl gebürtige Wie­nerin mit zwei Wiener Eltern, per definitionem: Migrationshintergrund.

Erkennen Sie die absolute Blödsinnigkeit dieser “Migrationshintergrund“-Definition? Gemäß aktuellem Integrationsbericht hätte also meine komplette Familie Migrationshintergrund, obwohl das in Wirklichkeit auf kein einziges Familienmitglied zutrifft. Welch ein absurder Blödsinn.

Rekordverdächtiges: Die Krimmler Wasserfälle

»Sechs Österreicher unter den ersten fünf«  (Dirk Stermann)

Die Krimmler Wasserfälle sind mit einer Fallhöhe von insgesamt 380 m in drei Stufen die höchsten Wasserfälle Österreichs, und mit einer Wassermenge von durchschnittlich 5,6 Ku­bikmeter pro Sekunde einer der größten Wasser­fälle Europas.
Wenn man indessen den Behauptungen Glauben schen­ken wollte, welche auf der Webseite der Krimmler Wasserfälle aufgestellt werden, dann wären die gar:

» Europas größte Wasserfälle.
Sie sind zudem die fünfthöchsten Wasserfälle der Welt.«

Wird dort marktschreierisch behauptet – ist aber völlig frei erfundener Blödsinn, denn:

  • Der größte Wasserfall Europas ist der Sarpefossen in Norwegen mit einer Wassermen­ge von durchschnittlich 577 Kubikmeter pro Se­kunde, d.i. durchschnittlich hundertmal so groß wie die Krimmler Wasserfälle. Der zweitgrößte ist der Rhein­fall bei Schaff­hau­sen / Schweiz mit durchschnittlich 400 Kubikmeter pro Se­kun­de, d.i. durchschnittlich siebzigmal so groß.
  • Der höchste Wasserfall Europas, zugleich der sechsthöchste der Welt ist der Vinnufal­let in Nor­we­gen mit einer Fallhöhe von insgesamt 865 m in vier Stufen, höchste Stufe mit 420 m höher als die Krimmler Wasserfälle insgesamt.

Wie sich das mit den Behauptungen auf der Krimmler Webseite in Einklang bringen lassen soll, muss freilich ein ungelöstes Rätsel bleiben:

Einige der höchsten Wasserfälle Europas, kleine Auswahl:

  • Mattenbachfälle, höchster Wasserfall der Schweiz: Fallhöhe ca. 840 m
  • Ramnefjellsfossen, Norwegen: Fallhöhe 818 m in vier Stufen, höchste Stufe 405 m
  • Mürrenbachfall, Schweiz: Fallhöhe 750 m in fünf Stufen, höchste Stufe 417 m
  • Mardalsfossen, Norwegen: Fallhöhe 655 m (nicht 505 m, wie oben angeführt)
  • Cascate di Stroppia, höchster Wasserfall Italiens: Fallhöhe ca. 500 m
  • Röthbachfall, höchster Wasserfall Deutschlands: Fallhöhe ca. 470 m in drei Stufen
  • Gavarnie-Fälle, höchster Wasserfall Frankreichs: Fallhöhe 422 m in zwei Stufen

Jetzt sind wir immer noch in Europa und noch immer nicht in Krimml bei 380 m ange­langt. Wo sich die als »fünfthöchste Wasserfälle der Welt« da jetzt noch unterbrin­gen las­­sen, bleibt un­geklärt.

(Was mag den Krimmler Alpenverein-Spezis dabei eingefallen sein, diesen frei erfundenen Blöd­sinn auf ihrer Webseite und Infobroschüre zu behaupten, der sich für jedermann mit ein paar Klicks im Internet *) als frei erfundener Blödsinn entlarven lässt?)
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*) (Quellen:  ▶️ ▶️ ▶️ )

Experten (III)

Ab heute gilt in Deutschland ein neuer Bußgeldkatalog mit höheren Strafen für Autoraser und andere Verkehrsgefährder: dabei gehe es darum, den Verkehr insbesondere für Kinder, Fußgänger und Radfahrer sicherer zu machen, erklärt Verkehrsminister Scheuer. Darüber »hagelt es jetzt deftige Kritik«, wie BILD behauptet.

Woher über höhere Strafen für Verkehrsgefährder, um schwächere Verkehrsteilnehmer besser vor diesen zu schützen, überhaupt Kritik lautwerden sollte, lässt sich ja schon schwerlich nachvollziehen – von woher überall mag die Kritik jetzt gar »hageln«?
BILD listet auf:

  • Der FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic findet höhere Bußgelder “praxisfern und überzogen“.
  • Der Verein Mobil in Deutschland nennt die Novelle eine “Führerschein-Ver­nich­tungs­ma­schine“.

Und, weiter? Nix weiter, das wars schon: Ende der Aufzählung. Das versteht man bei BILD unter »hageln«: ein obskurer Verein gegen Tempolimits*, und ein FDP-Verkehrsexperte. (Studierter Politikwissen- & Volkswirtschaftler – was den konkret als »Verkehrsexperten« qualifiziert, steht wiederum auf einem anderen Blatt.)

  • »Fakt ist: Trotz der seit Jahrzehnten sinkenden Zahl der Verkehrstoten werden immer höhere Bußgelder erhoben« –

– weiß BILD weiters zu berichten, was offenbar die »hagelnde« Kritik an den höheren Buß­geldern rechtfertigen soll. Welch widersinnige Behauptung! Nicht trotz der sinkenden Zahl der Verkehrstoten werden immer höhere Bußgelder erhoben, sondern wegen der immer höheren Bußgelder sinkt die Zahl der Verkehrstoten!

Herr, lass Hirn vom Himmel hageln! sagt eine Redensart, aber das gäbe wohl eine ziemliche Sauerei auf den Straßen.

Clickbaiting der Woche

Wer vermeint, diese abgedroschene Clickbaiting*)-Nummer über den Welt­un­tergang durch Asteroiden-Einschlag müsse irgendwann so restlos abgedroschen sein dass sich das Leser-Klickvieh nimmer damit anfüttern ließe, der kennt das Click­baiting-Portal “futurezone.de“ nicht:


Vor welcher Katastrophe oder welchem schrecklichen Ereignis die Forscher angeblich warnen, darüber steht im angeklickten Artikel freilich nichts zu lesen – dafür erfährt man:


Du musst dir also nur wenig Sorgen machen. Falls du dir vor dem Anklicken welche gemacht hast. (Auch nicht um die Tausenden bedrohten Leben, die nicht bedroht sind.)
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*) (»Leute unter Vorspiegelung von Journalismus mit grob irreführenden Schlagzeilen und Auslassungen auf die Seite locken« – Stefan Niggemeier*)

24. November – Ein aviatischer Vélocipèdeur

Heute vor 107 Jahren, am 24. November 1912, fand in Paris unter dem Titel “Concours de l’Aviette“ ein von der Firma Peugeot Frères veranstalteter Wettbewerb für fliegende Fahr­­rä­der statt, welche ausschließlich durch menschliche Muskelkraft angetrieben sein sollten. Es gab keinen Gewinner.

Die Aviette von Raymond.
Links: Das fliegende Fahrrad, danebenstehend der Erfinder Henry Raymond. –
Rechts: Die Raymond≈Aviette auf der Fahrt, aber noch nicht im Fluge.
(Allgemeine Automobil≈Zeitung &
Allgemeine Flugmaschinen≈Zeitung, 1912)

(S.g. Leser,
leider endet unsere Bildstrecke über das fliegende Fahrrad nach dem zweiten Bilde, weil dem Photo­graphen der Film ausgegangen ist.
Die Redaction
)

10. September

Heute vor 78 Jahren wurde der große Evolutionsbiologe und Humanist Stephen Jay Gould (1941-2002) geboren, der in seinem umfangreichen, unerhört klugen Werk u. a. darlegte, dass es zwischen Christentum und Evolutionslehre nicht notwendigerweise einen Wider­spruch ge­ben müsse. Gould war ein Verfechter der holistischen Betrachtungsweise in der Wissen­schaft, was er an­hand des Elefantenbeispiels illustrierte:

Man führe drei Blinde nebeneinander an einen Elefanten heran und trage ihnen auf, das Tier zu be­schreiben. Der erste ertastet den Schwanz und sagt: ein Elefant ist wie ein Strick. Der in der Mitte sagt: ein Elefant ist wie eine Wand. Und der dritte, der den Rüssel ertastet, sagt: ein Ele­fant ist wie eine Schlange. Freilich hat ein jeder der drei mit seiner Einzelbetrachtung nicht unrecht, aber einen Elefanten hat keiner insgesamt zutreffend beschrieben. Erst aus der Summe der Be­trach­tungen wird ein ganzes Bild daraus.

Dass gegensätzliche Betrachtungsweisen durchaus gleichberechtigten Bestand haben dürfen, zeigt Gould an einem weiteren Exempel: fragt man einen (weißen) Europäer, wie ein Zebra aus­schaut, so beschreibt es der für gewöhnlich als ein weißes Tier mit schwarzen Streifen. Ein (schwarzer) Afrikaner dagegen beschreibt dasselbe Zebra als ein schwarzes Tier mit weißen Strei­fen. Lediglich eine Frage des unterschiedlichen Betrachtungswinkels.

Pandemisches: Die globale Verkururuzierung

Zu unseren Kinderzeiten, als der Kukuruz in Österreich noch Kukuruz hieß und “Mais“ der Plural von Maus war, da wohnten wir in Neuleng­bach neben einem Ku­kuruzacker. Der Kukuruz wurde vom Bauern als Schwei­ne­futter angebaut, und uns wäre nie eingefallen dass der auch von Menschen geges­sen wird: Ku­ku­ruz, damit wurden Schweine­ und Hühner gefüttert.

Erst als Erwachsener machte ich die Entdeckung, dass Kukuruzkörner in unzer­klei­ner­ter Form auch dem menschli­chen Ver­zehr zugeführt werden, als Maissa­lat aus der Dose etwa, oder als Höhe­punkt der Ge­schmacks­ver­­ir­rung sogar auf der Pizza. Wem’s halt schmeckt – suum cuique.

Unterdessen aber ist Mais bereits in allen möglichen Lebensmitteln ent­halten, wo man ihn gar nicht erwarten sollte, als Maiskörner, Maismehl, Maispulver, Maisstärke, Maisöl und was sonst noch alles.

In österreichischen Fahrschulen wird unterrichtet: “Umweltbewusstes Au­tofahren: tanken Sie alternative Kraftstoffe!“, sog. Biosprit. Der wird u. a. eben­falls aus Mais her­ge­stellt, und welt­weit werden für die Plantagen ganze Landstriche pla­niert und in Südame­ri­ka, Indonesi­en usw. die Regenwälder flächendeckend brandgerodet und die Um­­welt vernichtet, damit sich die Verkukuruzierung pandemisch über die Welt ausbreiten und von ihr Besitz er­grei­­fen kann.

Warum mir das alles grad einfällt: weil ich nämlich unlängst beim Billa einen “Gemüsesalat Altwiener Art“ kaufe und dann feststellen muss, dass da Maiskörner drin sind! Maiskörner, die man in Altwien Kukuruz genannt und als Schweinefutter verfüttert hätte.
Und gestern esse ich mit meiner Frau beim Chinesen, und finde in der “Chinesischen Gemü­sesuppe“: Maiskörner, kein Witz. Obwohl es mir wie ein schlechter vorkam.

Das mechanische Pferd

Heute vor 115 Jahren, am 21. August 1904, erhielt der Düsseldorfer Maschinenkonstrukteur Emil Jagenberg ein Kai­serliches Patent auf die »Verbindung eines Motorwagens mit einem auf diesen mittels Dreh­kranzes sich stützenden Lastwagen« und gilt somit als Erfinder des Sattelkraftfahrzeuges:

  • Vorteil: Das mechanische Pferd lässt keine Roßäpfel fallen.
  • Nachteil: Aus einem mechanischen Pferd lässt sich kein Leberkäs herstellen.

26. Juli

Heute vor 266 Jahren, am 26. Juli anno 1753, kam in Sankt Petersburg Herr Georg Wilhelm Richmann ums Leben, und hätte es den Darwin Award zu seiner Zeit schon gegeben, wäre er gewiss dafür nominiert worden.

Herr Richmann befasste sich mit Studien über die Auswirkungen von Blitzen, zwecks welchem Behufe er auf seinem Haus einen Blitzableiter installieren ließ. Weil nun ein Stu­ben­gelehrter nicht gern ins Freie geht, schon gar nicht bei einem Gewitter, erdete er den Blitzableiter direkt an seinem Schreibtisch – um die Auswirkungen der Blitze behaglich in seiner Studier­stu­be be­ob­achten zu können. Die Auswirkungen des ersten & zugleich letzten Blitzeinschlages in seinen Schreibtisch, zu dessen Beobachter er an dem­selbigen sitzend wurde, überlebte Herr Stu­di­en­rat Richmann nicht.
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(siehe auch: von einem, der vom Blitz nicht getroffen wurde)

2. Juli  – Experten behaupten

Heute ist übrigens der offizielle Welt-UFO-Tag. (Nicht dass es wieder Beschwerden hagelt, ich hätt’s gewusst aber niemand verraten.)


Parties, während deren alle zusammen den Himmel beobachten, darf man sich gewiss unge­mein kurzweilig vorstellen.

»Es ist wahrhaft kein Schmarrn zu blöd,
dass er nicht in der Zeitung steht.«
(Martin Krassnig)

(Heute)

(Wie wird man eigentlich “UFO-Experte“?)

Ein Pariser Polizist als Motor-Zweiradfahrer.

…….»Die Pariser Polizisten scheinen sich in guten financiellen Verhältnissen zu be­fin­den. Man muß wenigstens darauf schließen, wenn man liest, daß der Pariser Sous-Brigadier Navetat  sich auf eigene Kosten ein Motor-Zweirad und eine erst­classige Stopuhr an­ge­schafft hat, um auf Automobil-Wildlinge erfolgreich Jagd machen zu können. Für das Motor-Zweirad hat er 800 Francs ausgelegt. Sein Chef, Herr Descares, hinwieder scheint ein nobler Charakter zu sein. Er vergütet dem Sous-Brigadier monatlich, sage und schrei­be, zehn Francs – Benzin . . . Navetat hat übrigens kürzlich einen guten Fang gemacht. Bei der Porte-Maillot sah er einen Motor-Zweiradfahrer à grande allure da­her­sausen. Er verfolgte ihn, es entspann sich ein scharfes Match, und beim Arc de Triomphe landete Navetat als Sieger. Es stellte sich heraus, daß der wegen Schnellfahrens Attrapirte das Motor-Zweirad einem Fabrikanten in Rouen gestohlen hatte. Daß der Polizist dem Diebe im Tempo von „sechzig die Stunde“ nachgejagt war, thut nichts zur Sache. Denn er war objectiv genug, gegen sich nicht eine „Contravention pour excès de vitesse“ zu erheben. Das beigegebene Bild wurde uns von „Motoring Illustrated“ freundlichst zur Verfügung gestellt.«
(Allgemeine Automobil-Zeitung.
Officielle Mittheilungen des Oesterreichischen Automobil-Club, 1902)
    Es fing der flotte Flic im Nu
    den flüchtenden Trafic-Filou.
    (Im Bilde hält er artig still,
    weil es der Photograph so will.)

13. April

Heute vor 91 Jahren gelang drei wagemutigen Herren der erste Transatlantikflug in Ost-West-Richtung. Das ursprüngliche Ziel New York wurde wegen Kompassabwei­chun­gen zwar weit verfehlt, bei der Landung auf einem zugefrorenen Tümpel auf einer unbewohnten Insel vor der kanadischen Küste brach das Eis und das Flugzeug kippte kopfüber, wurde zum Glück aber nur leicht beschädigt.


Die drei Ozeanflieger.
Von links nach rechts:  Ehrenfried Günther Freiherr v. Hünefeld, Hermann Köhl und
Major James C. Fitzmaurice, die als erste den Ozean von Ost nach West bezwangen.

Der erste Non-Stop-Flug Europa–Amerika.
……….»Am 12. April um 5 Uhr 38 Minuten früh ist das Junkers-Flugzeug „Bremen“ von Baldonnel in Irland mit Hauptmann Köhl, Freiherrn von Hünefeld und dem Oberbe­fehls­haber der irischen Luftstreitkräfte, Fitzmaurice, zu seinem Ozeanflug gestartet und nach einem fast ununterbrochen währenden Kampf gegen Sturm, Nebel, Regen und Schnee­ge­stö­ber Freitag, den 13. April um 9 Uhr 30 Minuten vormittags Ortszeit (zirka 14 Uhr mit­teleuropäische Zeit) auf Greenly Island bei Neufundland ge­landet. Da über diesen he­ro­i­schen Flug in allen Tageszeitungen ausführlich be­richtet wurde, dürfen wir bei un­se­ren Lesern alles Tatsächliche als bekannt voraussetzen.«
(Allgemeine Automobil- & Flugmaschinen-Zeitung, 1928)

13. November – Aviatisches

Heute vor 111 Jahren, am 13. November 1907, hob Monsieur Paul Cornu mit seinem »flie­gen­den Fahrrad«, angetrieben von einem V8-Zylindermotor, zum ersten bemann­ten Hub­schrau­ber­flug der Luftfahrtgeschichte ab. Der Erstflug erreichte eine Höhe von 30 Zentimeter, die Flug­dauer betrug 20 Sekunden. Leider erwies sich sein Hubschrauber als nicht steuerbar, wo­raufhin Mon­sieur Cornu die Flugversuche bald wieder einstellte.

12. November – Ornithologisches

Heute vor 122 Jahren wurde der berühmte Ornithologe Dr. Sálim Ali (1896-1987) geboren, der »Vogelmann von Indien«. Er suchte nach einem ganz bestimmten Vogel:
Der Godavari-Rennvogel [Hemerodromus bitorquatus], im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh endemisch, galt seit 1900 als ausgestorben. Anfang 1932 startete Dr. Ali seine ambi­tio­nierte Suche mit dem Ziel, den legendären Vogel wiederzuentdecken: ein Unter­nehmen, das ihn für den Rest seines langen Forscherlebens in Anspruch nehmen sollte. Über ein halbes Jahrhundert, 54 Jahre lang bis kurz vor seinem Tod, pirschte er unentwegt durchs indische Unterholz, tagaus & tagein, vom Tagesanbruch bis zum Sonnenuntergang. Ohne Erfolg.
Erst im Jahr 1986, mittlerweile 90-jährig, erfuhr er zufällig bei einer Plauderei mit einhei­mi­schen Vogelfängern, dass der Godavari-Vogel gar nicht so selten war wie er die ganze Zeit über ge­glaubt hatte: nach Einbruch der Dunkelheit liefen die scharenweise im Wald herum. Bereits in der darauffolgenden Nacht gelang es, im Schein einer Taschenlampe ein Exemplar einzu­fan­gen. Somit gelangte Herr Dr. Ali zu zwei grund­legenden ornithologischen Erkennt­nissen, näm­lich dass der Godavari-Rennvogel 1.) keineswegs ausgestorben, und 2.) grund­sätzlich nacht­ak­tiv ist.

(KURIER, 03.02.1987)

4. November – Rapidité, rapidité!

Heute vor 150 Jahren wurde der belgische Automobilkonstrukteur und Rennfahrer Camille Jenatzy (1868-1913) geboren, dem es 1899 erstmals gelang, mit einem Landfahrzeug den Geschwindigkeitsweltrekord von mehr als 100 km/h zu erreichen. Hätten Sie gedacht, dass das seinerzeit schnellste Automobil der Welt einen Elektroantrieb hatte:


Camille Jenatzy im Rekordelektromobil La Jamais Contente, 1899

.
Jenatzkys Eigenkonstruktion namens “La Jamais Contente“ (= “Die nie Zufriedene“) wog, obwohl aus einer Leichtmetalllegierung aus Aluminium, Magnesium und Wolfram angefertigt, beinahe eineinhalb Tonnen. Erkenntnisse über aerodynamisch günstigere Stromlinienformen wurden erst in den folgenden Jahrzehnten gewonnen, daher wurde die Karosserie vorne torpedoförmig spitz zulaufend anstatt tropfenförmig konstruiert. Das freiliegende Fahrwerk und inbesondere die herausragende Sitzposition des Fahrers bewirkten massiven Luftwiderstand, sonst wäre gewiss ein noch höheres Tempo möglich gewesen.

Drei Jahre später wurde der Geschwindigkeitsrekord für Landfahrzeuge von Léon Serpollet (dem übrigens früher wegen zu schnellen Fahrens seine Fahrerlaubnis entzogen worden war) mit mehr als 120 km/h übertroffen, mit seinem dampfbetriebenen (!) Automobil namens “Œuf de Pâques“ (= “Osterei“) – welches allerdings mit einem Ei wenig Ähnlichkeit aufwies:


Léon Serpollet im Rekorddampfmobil Œuf de Pâques, 1902

4. September

Heute vor 69 Jahren wurde in Berlin-Charlottenburg erstmals eine gar abscheuliche Greueltat aktenkundig, die seitdem zahllose Nachahmungstäter fand: das grausame Ersäufen einer guten deutschen Wurst in gezuckerter Tomatensoße.

Eine barbarische kulinarische Freveltat – man möchte meinen, die arme un­schuldige Wurst um Erbarmen flehen zu hören.

1. August

Heute ist der Schweizer Nationalfeiertag.

»Die Schweiz ist ein exotisches außereuropäisches Land, wo man trotzdem ohne Jetlag hinfliegen kann.«  (Alfred Dorfer)


Auch die Sprache ist exotisch.

(Haben Sie gewusst, dass die Schweiz doppelt so groß ist wie die Niederlande?
Man müsste sie nur bügeln.)

12. Juni – Die Überschallfliege: Eine Zeitungsente von 1937

Im Jahre 1927 erschien im “Journal der New Yorker Ento­mo­lo­gi­schen Gesellschaft“ ein Artikel eines Insek­ten­forschers C. H. Townsend, worin dieser behauptete, bei der Reh-Rachendassel (Cephe­ne­myia pratti, eine parasitäre Fliegenart) in New Mexico eine Flug­­ge­­schwindigkeit von mehr als 800 Meilen pro Stunde (d. i. Über­­schall­­ge­­schwin­dig­keit) beobachtet zu haben – eine Zahl, die ganz offenkundig aus einem Beobachtungs- oder Be­rech­nungs­feh­ler resultierte und natürlich auch jedem ge­sun­den Laienverstand zuwiderlaufen musste.

Dennoch wärmte die renommierte “New York Times“ zehn Jahre später, am 12. Juni 1937, die Story von der Über­schall­­flie­ge unter dem Titel »the fastest creature that lives« neu­er­lich auf, worauf sie durch die Weltpresse zu schwirren begann.

Der Physiker sowie Chemie-Nobelpreisträger Irving Lang­muir konnte in einem 1938 im “TIME“-Magazin ver­öffent­lich­ten Ar­ti­kel nachweisen, dass:

  • der zum Erreichen dieser Geschwindigkeit erforderliche Energieaufwand es für die Fliege nötig machen würde, pro Sekunde mehr als das Eineinhalbfache ihres Kör­per­ge­wichts an Nahrung aufzunehmen;
  • der Flug der Fliege einen vernehmbaren Überschallknall erzeugen würde;
  • eine Fliege im Überschallflug mit freiem Auge gar nicht sichtbar wäre;
  • der Zusammenprall einer solchen Fliege mit dem Körper eines Säugetiers das gleiche Resultat hervorrufen würde wie der Einschlag einer Gewehrkugel.

Obwohl Langmuirs Berechnungen, basierend auf den Daten aus Townsends ursprüng­lichem Forschungsbericht, eine tatsächliche Fluggeschwindigkeit der beobachteten Dasselfliege von etwa 25 Meilen pro Stunde (40 km/h) ergaben, erschien in der “New York Times“ keine Rich­tig­stel­lung der Überschallgeschichte, und so wurde sie noch einige Jahre danach in der inter­na­ti­o­na­len Presse kolportiert.
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(Zeitungsausschnitt: aus “Wiener Bilder – Illustriertes Familienblatt“, 1939)

Umwerfend originelles

Das Krokodil im Badesee, der Killer-Hai im Mittelmeer, die Invasion der Monster-Ratten: olle Sommerlochtier-Kamellen kennt man zur Genüge. Die brandheiße Sommerloch­tier-Story der Sai­son steht unterdessen exklusiv in Österreichs auflagenstärkster Ver­schenk­pos­tille:


(Wie wird man eigentlich Ufologe?)
(Dass die genannte Medizinerin, welche in Begleitung zweier »befreundeter Ufoforscher« eine Nessie-Erscheinung beobachtet haben will, überdies »Fachärztin für Homöopathie« ist, muss nicht unbedingt überraschen ..)

30. Juli

Heute vor 70 Jahren kam in Thal bei Graz der kleine Arnold Schwarzenegger zur Welt, mitt­­lerweile ist ein großer Mann aus ihm geworden.
Ein Freund von mir war mal in den USA, bekanntlich wird unser Austria dort drüben stän­dig mit Australien verwechselt. Herrn Schwarzenegger aber, den gebürtigen Österreicher, kennen freilich alle. Als mein Freund Auskunft gab wo er herkommt, da sagten die Amis:

    »Oh, from Austria – that country where Schwarzenegger and kangaroos are from!«

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(Siehe auch:  »Arnie & das Weltklima«)

7. Juli

Heute vor 70 Jahren wurde Fredl Fesl geboren, der “bayrische Melankomiker“.

Seine Karriere begann damit, dass er in den Münchner Kleinkunstbühnen durch das Mit­­brin­gen seiner Gitarre keinen Eintritt bezahlen musste, indem er sich als auf­tretender Mu­si­ker ausgab. Als der eigentliche Künstler eines Abends fehlte, wurde Fesl vom Publikum auf die Bühne genötigt und musste wirklich selber auftreten.

Fredl Fesls Wortzerklaubereien kommen in schönster valentinesker Tradition daher:

    »As Pferdl hoaßt Pferdl, wei’s auf da Erd steht.
    Wei tats in da Luft  fliagn, hoaßats fei Pfluftl*

1. September – Tag des Zebrastreifens

Heute ist in Deutschland übrigens der Tag des Zebrastreifens.
(Nicht dass es wieder Beschwerden hagelt, ich hätt’s gewusst aber niemand verraten.)


Das ist freilich eine mords schlaue Idee. Um zu vermeiden, dass ständig Fußgänger auf dem Zebrastreifen erfasst  überfahren werden, braucherte man bloß die Zebrastreifen ab­­­zu­­schaf­­fen. Wa­­rum ist das bis jetzt noch keinem eingefallen.

Wann kommt endlich wer auf die Idee, auch die Verkehrsampeln abzuschaffen. Dann gibts keine Verkehrsunfälle mehr, weil einer bei Rot über die Ampel gefahren ist. (Undsoweiter. Bestimmt ließen sich noch weitere konstruktive Vorschläge zur Ver­besserung der Verkehrs­sicherheit ausdenken.)

Warnungszeichen

Warnungszeichen für Automobilisten
Der Kartellausschuß der reichsdeutschen Auto­mo­bil-Clubs gab, wie wir an anderer Stelle [..] be­rich­ten, bezüglich der Warnungs­­ta­feln einstimmig seine Stellungnahme dahin zum Aus­druck, daß die vier internationalen War­nungs­tafeln durch ein Zeichen für alle Ge­fah­ren­punkte ersetzt wer­den sollen, darunter auch ein sol­ches, das einen Totenkopf und zwei ge­kreuzte Men­schen­kno­chen zeigte. Sol­che To­ten­kopf-Warnungszeichen findet man übrigens auch hie und da in Tirol.

2. Sonntag im August: Tag der Melone

In Turkmenistan ist heute übrigens der Tag der Melone.
(Nicht dass es wieder Beschwerden hagelt, ich hätt’s gewusst aber niemand ver­raten.)

Dass Turkmenische Melonen im Laufe von Jahrhunderten mehrere Goldmedaillen bei den in­ter­nationalen Wettbewerben gewonnen haben, ist angeblich sehr bekannt. Melonenanbau gilt in Turkmenistan als Nationalkunst. Der Name einer turk­me­nischen Melonen-Königin lau­tet “Ak Gurbeksaftig“.
(Kann man sich merken, muss man aber nicht.)

Luftnummer (I)

Was sie dem Schweizer Gratiszeitungskollegen ins Müesli getan haben, bevor er diese bizarre Luft­num­mer ausheckte, ist nicht überliefert, aber rezeptfrei wars ganz bestimmt nicht:


100 Meter, das ist so lang wie ein Fußballfeld – so weit sollte ein Töff (=Motorrad) durch die Luft geflogen sein?
Man muss kein Fachmann sein um sich ausrechnen zu können, wie absurd die Vorstellung ist, ein Motorrad würde nach der Kollision mit einem stehenden Auto abheben und genausoweit durch die Luft fliegen wie Motorrad-Stuntman Robbie Maddison bei seinem 100-Meter-Welt­rekordsprung.
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Wers dennoch ausrechnen will: um erst rund 100 Meter weiter entfernt auf dem Boden auf­zu­prallen, müsste ein Objekt mit einer Geschwindigkeit von 31 m/s (=110 km/h) ungebremst im 45°-Winkel von diesem abheben und am Scheitelpunkt der ballis­ti­schen Flug­pa­ra­bel eine Gip­fel­höhe von mehr als 25 Meter über­schrei­ten – d. h. wenn dort ein Haus im Weg steht, würde das Motorrad im fünften Stock beim Fenster rein­fliegen. Was für aberwitzige Vor­stellung:


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Luftnummer, siehe:  ▶️  ▶️