Außerösisches

29. April – Rapidité, rapidité!

Heute vor 123 Jahren, am 29. April 1899, gelang es dem belgischen Automobilkonstrukteur und Rennfahrer Camille Jenatzy (1868-1913), der aufgrund seines roten Bartes und sei­nes verwegenen Fahrstils “Le Diable rouge“ (= der “Rote Teufel“) genannt wurde *), erstmals mit ei­nem Landfahrzeug den Geschwindigkeitsweltrekord von mehr als 100 km/h zu erreichen. Hätten Sie gedacht, dass das seinerzeit schnellste Automobil der Welt einen Elektroantrieb hatte:


Camille Jenatzy im Rekordelektromobil La Jamais Contente, 1899

Jenatzys Eigenkonstruktion namens “La Jamais Contente“ (= “Die nie Zufriedene“) wog, obwohl aus einer Leichtmetalllegierung aus Aluminium, Magnesium und Wolfram angefertigt, beinahe eineinhalb Tonnen. Erkenntnisse über aerodynamisch günstigere Stromlinienformen wurden erst in den folgenden Jahrzehnten gewonnen, daher wurde die Karosserie vorne torpedoförmig spitz zulaufend anstatt tropfenförmig konstruiert. Das freiliegende Fahrwerk und inbesondere die herausragende Sitzposition des Fahrers bewirkten massiven Luftwiderstand, sonst wäre gewiss ein noch höheres Tempo möglich gewesen.
Drei Jahre später wurde der Geschwindigkeitsrekord für Landfahrzeuge von Léon Serpollet (dem übrigens wegen zu schnellen Fahrens seine Fahrerlaubnis entzogen worden war) mit mehr als 120 km/h übertroffen, mit seinem dampfbetriebenen (!) Automobil namens “Œuf de Pâques“ (= “Osterei“) – welches allerdings mit einem Ei wenig Ähnlichkeit aufwies:


Léon Serpollet im Rekorddampfmobil Œuf de Pâques, 1902

*) Beim einem Automobilrennen am 17. Juni 1904 in Homburg/Deutschland belegte Camille Jenatzy den zweiten Platz, wobei er allerdings großes Glück hatte, als ihn bei der Fahrt über einen Bahnübergang ein Zug nur um Zentimeter verfehlte. Am 8. Dezember 1913 aber kam Jenatzy als Spaziergänger bei einem Waldausflug ums Leben, als ihm sein Talent, Tiergeräu­sche nachzuahmen, zum Verhängnis wurde: ein Jäger (Alfred Madoux, Direktor des Journals “L’Etoile Belge“) verwechselte ihn darob mit einem Rehbock und erschoss ihn irrtümlich.  ▶️

Statistisches

Na schön, aber sollte so eine Statistik etwa ein Kaufargument sein, sich einen Tesla anstatt eines durchschnittli­chen Autos zu kaufen? Laut Statistik weisen Zastava Yugo-Fahrzeuge in den USA gegenüber dem durchschnittlichen Auto eine um 99,98 Prozent geringere Wahr­scheinlichkeit auf, gestohlen zu werden. Deswegen kauf ich mir trotzdem keinen.

Spitzfindiges: Glazialogisches & Geopolitisches

Das Online-Boulevardmedium “eXXpress  für Selberdenker“ gibt bekannt:

Dass die Antarktis mit der Arktis verwechselt wird, kommt bekanntlich öfters vor.
Was auch immer man unter einem Gletscher »vor der Küste« wohl verstehen will – besag­ter Thwaites-Gletscher befindet sich jedenfalls in der Westantarktis und ist ein Gletscher, aber kein Eisberg. Jedenfalls soweit sich das für Selberdenker beurteilen lässt.

Diverser Unsinn kommt freilich mitunter auch in Online-Qualitätsmedien vor, z.B.:

Dass Südgeorgien, wo sich der Nordenskjöld-Gletscher befindet, eine norwegische Insel wä­re, wurde bislang noch nicht bekannt. Sondern ist ein britisches Überseegebiet in der Ant­arktis, auf welches Argentinien Anspruch erhebt. Indessen befindet sich ein gleich­namiger Gletscher auf der norwegischen Insel Spitzbergen, aber die liegt wiederum in der Arktis.

Genug der Spitzfindigkeiten, für heute.

Nachgelesenes

Redaktor Hubert Mooser polemisierte in der rechtspopulis­tischen Schweizer “Weltwoche“:

Drei Wochen vorher hätte er allerdings z.B. aus dem “Standard“ erfahren können:

»Die naheliegendste Erklärung ist, dass in Afrika nur ein geringer Teil der Infektionen überhaupt gemeldet wird. Nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird hier nur eine von sieben Ansteckungen tatsächlich den Behörden bekannt, auch die Zahl der Opfer soll in Wahrheit wesentlich höher liegen. In Südafrika weisen die über dem historischen Durchschnitt liegenden „Zusatztoten“ darauf hin, dass drei­mal mehr Menschen an dem Virus sterben, als der Statistik zu entnehmen ist. Dermaßen korrigiert, liegen die afrikanischen Zahlen bereits über dem globalen Mittel.« *)
Die naheliegendste Erklärung auf die Frage des Weltwoche-Redaktors wäre dann halt, dass man in Afrika die Leichen eben nicht zu Bergen zu stapeln, sondern zu beerdi­gen pflegt wie anderswo auch.
────────────────────────
*) (Überdies ist die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung jünger als 17 Jahre, in die­ser Al­ters­­gruppe führt eine Covid-Infektion a priori vergleichsweise seltener zum Tod.)
(Mutmaßlich stecken sich in Afrika auch weniger Leute bei der Après-Ski-Saufgaudi an oder auf Querdenker-Demos.)

13. November – Aviatisches

Heute vor 114 Jahren, am 13. November 1907, hob Monsieur Paul Cornu mit seinem »flie­gen­den Fahrrad«, angetrieben von einem V8-Zylindermotor, zum ersten bemann­ten Hub­schrau­ber­flug der Luftfahrtgeschichte ab. Der Erstflug erreichte eine Höhe von 30 Zentimeter, die Flug­dauer betrug 20 Sekunden. Leider erwies sich sein Hubschrauber als nicht steuerbar, wo­raufhin Mon­sieur Cornu die Flugversuche bald wieder einstellte.

12. November – Ornithologisches

Heute vor 125 Jahren wurde der berühmte Ornithologe Dr. Sálim Ali (1896-1987) geboren, der »Vogelmann von Indien«. Er suchte nach einem ganz bestimmten Vogel:

Der Godavari-Rennvogel [Rhinoptilus bitorquatus], im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh endemisch, galt seit 1900 als ausgestorben. Anfang 1932 startete Dr. Ali seine ambi­tio­nierte Suche mit dem Ziel, den legendären Vogel wiederzuentdecken: ein Unter­nehmen, das ihn für den Rest seines langen Forscherlebens in Anspruch nehmen sollte. Über ein halbes Jahrhundert, 54 Jahre lang bis kurz vor seinem Tod, pirschte er unentwegt durchs indische Unterholz, tagaus & tagein, vom Tagesanbruch bis zum Sonnenuntergang. Ohne Erfolg.
Erst im Jahr 1986, mittlerweile 90-jährig, erfuhr er zufällig bei einer Plauderei mit einhei­mi­schen Vogelfängern, dass der Godavari-Vogel gar nicht so selten war wie er die ganze Zeit über ge­glaubt hatte: nach Einbruch der Dunkelheit liefen die scharenweise im Wald herum. Bereits in der darauffolgenden Nacht gelang es, im Schein einer Taschenlampe ein Exemplar einzu­fan­gen. Somit gelangte Herr Dr. Ali zu zwei grund­legenden ornithologischen Erkennt­nissen, näm­lich dass der Godavari-Rennvogel 1.) keineswegs ausgestorben, und 2.) grund­sätzlich nacht­ak­tiv ist.

(KURIER, 03.02.1987)

10. September

Heute vor 80 Jahren wurde der große Evolutionsbiologe und Humanist Stephen Jay Gould (1941-2002) geboren, der in seinem umfangreichen, unerhört klugen Werk u. a. darlegte, dass es zwischen Christentum und Evolutionslehre nicht notwendigerweise einen Wider­spruch ge­ben müsse. Gould war ein Verfechter der holistischen Betrachtungsweise in der Wissen­schaft, was er an­hand des Elefantenbeispiels illustrierte:

Man führe drei Blinde nebeneinander an einen Elefanten heran und trage ihnen auf, das Tier zu be­schreiben. Der erste ertastet den Schwanz und sagt: ein Elefant ist wie ein Strick. Der in der Mitte sagt: ein Elefant ist wie eine Wand. Und der dritte, der den Rüssel ertastet, sagt: ein Ele­fant ist wie eine Schlange. Freilich hat ein jeder der drei mit seiner Einzelbetrachtung nicht unrecht, aber einen Elefanten hat keiner insgesamt zutreffend beschrieben. Erst aus der Summe der Be­trach­tungen wird ein ganzes Bild daraus.

Dass gegensätzliche Betrachtungsweisen durchaus gleichberechtigten Bestand haben dürfen, zeigt Gould an einem weiteren Exempel: fragt man einen (weißen) Europäer, wie ein Zebra aus­schaut, so beschreibt es der für gewöhnlich als ein weißes Tier mit schwarzen Streifen. Ein (schwarzer) Afrikaner dagegen beschreibt dasselbe Zebra als ein schwarzes Tier mit weißen Strei­fen. Lediglich eine Frage des unterschiedlichen Betrachtungswinkels.

1. September – Tag des Zebrastreifens

Heute ist in Deutschland übrigens der Tag des Zebrastreifens.
(Nicht dass es wieder Beschwerden hagelt, ich hätt’s gewusst aber niemand verraten.)

 (Blick.ch)

Das ist freilich eine mords schlaue Idee. Um zu vermeiden, dass ständig Fußgänger auf dem Zebrastreifen erfasst  überfahren werden, braucherte man bloß die Zebrastreifen ab­­­zu­­schaf­­­fen. Wa­­rum ist das bis jetzt noch keinem eingefallen.

Wann kommt endlich wer auf die Idee, auch die Verkehrsampeln abzuschaffen. Dann gibts keine Zusammenstöße mehr, weil einer bei Rot über die Ampel gefahren ist. (Undsoweiter. Bestimmt ließen sich noch weitere konstruktive Vorschläge zur Ver­besserung der Verkehrs­­sicherheit ausdenken.)

Das mechanische Pferd

Heute vor 117 Jahren, am 21. August 1904, erhielt der Düsseldorfer Maschinenkonstrukteur Emil Jagenberg ein Kai­serliches Patent auf die »Verbindung eines Motorwagens mit einem auf diesen mittels Dreh­kranzes sich stützenden Lastwagen« und gilt somit als Erfinder des Sattelkraftfahrzeuges:

  • Vorteil: Das mechanische Pferd lässt keine Roßäpfel fallen.
  • Nachteil: Aus einem mechanischen Pferd lässt sich kein Leberkäs herstellen.

#Laschetfragt

Politisches Kabarett, klagte Josef Hader, könne man heutzutags gar nimmer machen, weil es von der Realsatire ständig überholt werde.


Armin Laschet fragt Elon Musk: »What is the future of cars? Hydrogen or–?«
[»Was ist die Zukunft von Autos? Wasserstoff oder–?«]
Musk: »For me electric.«

(Die österreichische Satireseite “Tagespresse“ verklagt eine Figur wie A. Hanger am Han­dels­gericht wegen sittenwidrigen Wettbewerbs. Ob auch der deutsche “Postillon“ eine Figur wie La­schet ebenfalls verklagen will, ist noch nicht bekannt.)

2. Sonntag im August: Tag der Melone

In Turkmenistan ist heute übrigens der Tag der Melone.
(Nicht dass es wieder Beschwerden hagelt, ich hätt’s gewusst aber niemand ver­raten.)

Dass Turkmenische Melonen im Laufe von Jahrhunderten mehrere Goldmedaillen bei den in­ter­nationalen Wettbewerben gewonnen haben, ist angeblich sehr bekannt. Melonenanbau gilt in Turkmenistan als Nationalkunst. Der Name einer turk­me­nischen Melonen-Königin lau­tet “Ak gurbeksaftig“.
(Kann man sich merken, muss man aber nicht.)

1. August

Heute ist der Schweizer Nationalfeiertag.

»Die Schweiz ist ein exotisches Land, wo man trotzdem ohne Jetlag hinfliegen kann.«
 (Alfred Dorfer)

Auch die Sprache ist exotisch.

(Haben Sie gewusst, dass die Schweiz doppelt so groß ist wie die Niederlande?
Man müsste sie nur bügeln.)

Aquaplaning, oder: »Wildwasserfaahn mi’m Auto-ey!«

»Höret, was Erfahrung spricht: Glaubt niemals, blöder geht es nicht!
Noch nie war Blödheit je zu blöd, als dass es nicht noch blöder geht.«
(nach M. Krassnig*)

Aus der Reihe “Überholversuche von Blödmännern, die »Ey-Altaah!« lallen“:
Blödmann Nummer 2 versucht vorausschwimmendes Auto von Blödmann Nummer 1 zu über­holen: »Altaah! Verpiss dich-ey!« ..

Quizfrage: Was hat der Fahrzeuglenker im Video beim Überholversuch nicht beachtet?
  • Er hat verabsäumt, vor dem Überholen einen Schulterblick zu machen;
  • Er hat vergessen, beim Überholen den Blinker einzuschalten;
  • Er hat nicht versucht, mit der Lichthupe auf sich aufmerksam zu machen*)

Bizarre Nummer

Wieso man farbige Menschen politisch korrekterweise auf Deutsch nimmer als farbige Men­schen zu bezeichnen habe, sondern als “People of Color“ (engl. für: “farbige Menschen“), ent­zieht sich dem landläufigen Logikverständnis.
(Könnte ja sein, dass irgendeine Logik dahintersteckt.) (Könnte sein, muss aber nicht.)
Um “dem institutionellen Rassismus am Theater“ zu entkommen, fordern Theaterschaffende of Color am Schauspielhaus Düsseldorf zwecks “Entmischung“ ein eigenes Theater, welches People of Color vor­behalten sein soll.
Dass Theaterschaffende sich zuweilen als Hirnschüssler zu inszenieren belieben, weiß man nicht erst seit #allesdichtmachen. Aber dass eine Gruppe farbiger Theaterschaffender zum Ziele ethnischer Entmischung eine Apartheid auf Theaterbühnen fordert, ist wohl eine he­raus­ragend bizarre Nummer.

Photoshop Fake – Alpinistisches

Mount Everest: Indisches Paar fälscht Gipfelfoto
Ein indisches Bergsteigerpaar hat die Besteigung des Mount Everest gefälscht. Sie sind nicht die ersten Alpinisten, die es nur dank Photoshop ganz nach oben geschafft haben.

Bemerkenswert an der Geschichte ist ja nicht allein die Dreistigkeit, in­sonders auch der augenfällige Dilettantismus mit dem das “Gipfel­fo­to“ ge­faked wurde – mutmaßlich mit Bastelschere & Klebestick: ▶️

Beweiskräftige Gipfelfotos schauen in Wirklichkeit anders aus.

Aktionistisches: Konzertiertes

In der laut Eigendarstellung »mit einer verteilten Druckauflage von mindestens 100.000 je Ausgabe auflagenstärksten Wochenzeitung in Deutschland«*) ruft eine Sophia-Maria A. un­ter der Parole »Gemeinsam gegen den Staatsterror« zu konzertierter Aktion auf:

»Es geht nur gemeinsam. Ich verstehe, dass ihr euch als Einzelperson mit dem wild ge­wordenen Sicherheitsdienst im Supermarkt nicht anlegen wollt. Aber in einer konzer­tierten Aktion geht das sehr wohl.« *

Weshalb ausgerechnet der Sicherheitsdienst im Supermarkt als Exponent des Staatsterrors gelten und man sich mit dem in konzertiertem Aktionismus anlegen sollte, erschließt sich uns als Einzelperson nicht unmittelbar. (Welcher Strategie man sich beim »gemeinsamen An­legen« konkret zu bedienen hat, ebenfalls nicht. Konzertiertes Skandieren von Schmähru­fen gegen den Sicherheitsdienst, um ihn zu provozieren? Flashmob mit Formation der Ein­kaufswä­gen zu einer Wagenburg, um den Sicherheitsdienst einzukesseln?) (o.a. Vorschläge?)

Symbolbild (Abb. rechts):
»Der wild gewordene Sicherheitsdienst im Supermarkt«
───────────────────────────────────────────
*) (Kann man glauben, muss man aber nicht.)

Definieren Sie den Begriff  “Migrationshintergrund“

Vorgestern präsentierte ÖVP-Integrationsministerin Raab den aktuellen Integrationsbericht. Und heute “analysiert“ Österreichs auflagenstärkste Verschenk-Volksinformationspostille:

(Was man unter “ÖSTERREICH analysiert die Daten“ halt zu verstehen hat: ÖSTERREICH schreibt die präsentierten Daten ab, und präsentiert sie ebenfalls.)

Was steckt aber hinter den präsentierten Daten tatsächlich? Im sog. Wiener Integrations- u. Diversitätsmonitor wird als Person mit Migrationshintergrund definiert, wer

  • im Ausland geboren ist, oder
  • mindestens einen nicht in Österreich geborenen Elternteil hat.

Und das ist freilich absoluter Blödsinn. Hier die Analyse:

  • Ich selber bin Wiener, gebürtiger Niederösterreicher. Mein Vater wurde in Rei­­chen­berg / Deutschböhmen geboren: somit gelte ich per definitionem als Wiener mit Mig­ra­ti­onshintergrund.
  • Die Mutter meiner Tochter (Wienerin, aus Oberösterreich stammend) wurde während eines vorüber­gehenden Aufenthalts ihrer Eltern (beide gebürtige Oberösterreicher) in Kanada geboren: hat somit per definitionem Migrationshintergrund.
  • Somit hat absurderweise auch unsere Tochter, obwohl gebürtige Wie­nerin mit zwei Wiener Eltern, per definitionem: Migrationshintergrund.

Erkennen Sie die absolute Blödsinnigkeit dieser “Migrationshintergrund“-Definition? Gemäß aktuellem Integrationsbericht hätte also meine komplette Familie Migrationshintergrund, obwohl das in Wirklichkeit auf kein einziges Familienmitglied zutrifft. Welch ein absurder Blödsinn.

Rekordverdächtiges: Die Krimmler Wasserfälle

»Sechs Österreicher unter den ersten fünf«  (Dirk Stermann)

Die Krimmler Wasserfälle sind mit einer Fallhöhe von insgesamt 380 m in drei Stufen die höchsten Wasserfälle Österreichs, und mit einer Wassermenge von durchschnittlich 5,6 Ku­bikmeter pro Sekunde einer der größten Wasser­fälle Europas.
Wenn man indessen den Behauptungen Glauben schen­ken wollte, welche auf der Webseite der Krimmler Wasserfälle aufgestellt werden, dann wären die gar:

» Europas größte Wasserfälle.
Sie sind zudem die fünfthöchsten Wasserfälle der Welt.«

Wird dort großspurig behauptet – ist aber völlig frei erfundener Unsinn, denn:

  • Der größte Wasserfall Europas ist der Sarpefossen in Norwegen mit einer Wassermen­ge von durchschnittlich 577 Kubikmeter pro Se­kunde, d.i. durchschnittlich hundertmal so groß wie die Krimmler Wasserfälle. Der zweitgrößte ist der Rhein­fall bei Schaff­hau­sen / Schweiz mit durchschnittlich 400 Kubikmeter pro Se­kun­de, d.i. durchschnittlich siebzigmal so groß.
  • Der höchste Wasserfall Europas, zugleich der sechsthöchste der Welt, ist der Vinnufal­let in Nor­we­gen mit einer Fallhöhe von insgesamt 865 m in vier Stufen, höchste Stufe mit 420 m höher als die Krimmler Wasserfälle insgesamt.

Wie sich das mit den Behauptungen auf der Krimmler Webseite in Einklang bringen lassen soll, muss freilich ein ungelöstes Rätsel bleiben:

Einige der höchsten Wasserfälle Europas, kleine Auswahl:

  • Mattenbachfälle, höchster Wasserfall der Schweiz: Fallhöhe ca. 840 m
  • Ramnefjellsfossen, Norwegen: Fallhöhe 818 m in vier Stufen, höchste Stufe 405 m
  • Mürrenbachfall, Schweiz: Fallhöhe 750 m in fünf Stufen, höchste Stufe 417 m
  • Mardalsfossen, Norwegen: Fallhöhe 655 m (nicht 505 m, wie oben angeführt)
  • Cascate di Stroppia, höchster Wasserfall Italiens: Fallhöhe ca. 500 m
  • Röthbachfall, höchster Wasserfall Deutschlands: Fallhöhe ca. 470 m in drei Stufen
  • Gavarnie-Fälle, höchster Wasserfall Frankreichs: Fallhöhe 422 m in zwei Stufen

Jetzt sind wir immer noch in Europa und noch immer nicht in Krimml bei 380 m ange­langt. Wo sich die als »fünfthöchste Wasserfälle der Welt« da jetzt noch unterbrin­gen las­­sen, bleibt un­geklärt.

(Was mag den Krimmler Alpenverein-Spezis dabei eingefallen sein, diesen frei erfundenen Unsinn auf ihrer Webseite und Infobroschüre zu behaupten, der sich für jedermann mit ein paar Klicks im Internet *) als frei erfundener Unsinn identifizieren lässt?)
─────────────────────
*) Quellen:  ▶️ ▶️ ▶️

Experten (III)

Ab heute gilt in Deutschland ein neuer Bußgeldkatalog mit höheren Strafen für Autoraser und andere Verkehrsgefährder: dabei gehe es darum, den Verkehr insbesondere für Kinder, Fußgänger und Radfahrer sicherer zu machen, erklärt Verkehrsminister Scheuer. Darüber »hagelt es jetzt deftige Kritik«, wie BILD behauptet.

Woher über höhere Strafen für Verkehrsgefährder, um schwächere Verkehrsteilnehmer besser vor diesen zu schützen, überhaupt Kritik lautwerden sollte, lässt sich ja schon schwerlich nachvollziehen – von woher überall mag die Kritik jetzt gar »hageln«?
BILD listet auf:

  • Der FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic findet höhere Bußgelder “praxisfern und überzogen“.
  • Der Verein Mobil in Deutschland nennt die Novelle eine “Führerschein-Ver­nich­tungs­ma­schine“.

Und, weiter? Nix weiter, das wars schon: Ende der Aufzählung. Das versteht man bei BILD unter »hageln«: ein obskurer Verein gegen Tempolimits*, und ein FDP-Verkehrsexperte. (Studierter Politikwissen- & Volkswirtschaftler – was den konkret als »Verkehrsexperten« qualifiziert, steht wiederum auf einem anderen Blatt.)

  • »Fakt ist: Trotz der seit Jahrzehnten sinkenden Zahl der Verkehrstoten werden immer höhere Bußgelder erhoben« –

– weiß BILD weiters zu berichten, was offenbar die »hagelnde« Kritik an den höheren Buß­geldern rechtfertigen soll. Welch widersinnige Behauptung! Nicht trotz der sinkenden Zahl der Verkehrstoten werden immer höhere Bußgelder erhoben, sondern wegen der immer höheren Bußgelder sinkt die Zahl der Verkehrstoten!

Herr, lass Hirn vom Himmel hageln! sagt eine Redensart, aber das gäbe wohl eine ziemliche Sauerei auf den Straßen.

Clickbaiting der Woche

Wer vermeint, diese abgedroschene Clickbaiting*)-Nummer über den Welt­un­tergang durch Asteroiden-Einschlag müsse irgendwann so restlos abgedroschen sein dass sich das Leser-Klickvieh nimmer damit anfüttern ließe, der kennt das Click­baiting-Portal “futurezone.de“ nicht:

Vor welcher Katastrophe oder welchem schrecklichen Ereignis die Forscher angeblich warnen, darüber steht im angeklickten Artikel freilich nichts zu lesen – dafür erfährt man:

Du musst dir also nur wenig Sorgen machen. Falls du dir vor dem Anklicken welche gemacht hast. (Was wohl eher kaum zu vermuten war.)
─────────────────────────────────
*) (»Leute unter Vorspiegelung von Journalismus mit grob irreführenden Schlagzeilen und Auslassungen auf die Seite locken« – Stefan Niggemeier*)

Pandemisches: Die globale Verkururuzierung

Zu unseren Kinderzeiten, als der Kukuruz in Österreich noch Kukuruz hieß und “Mais“ der Plural von Maus war, da wohnten wir in Neuleng­bach neben einem Ku­kuruzacker. Der Kukuruz wurde vom Bauern als Schwei­ne­futter angebaut, und uns wäre nie eingefallen dass der auch von Menschen geges­sen wird: Ku­ku­ruz, damit wurden Schweine­ und Hühner gefüttert.

Erst als Erwachsener machte ich die Entdeckung, dass Kukuruzkörner in unzer­klei­ner­ter Form auch dem menschli­chen Ver­zehr zugeführt werden, als Maissa­lat aus der Dose etwa, oder als Höhe­punkt der Ge­schmacks­ver­­ir­rung sogar auf der Pizza. Wem’s halt schmeckt – suum cuique.

Unterdessen aber ist Mais bereits in allen möglichen Lebensmitteln ent­halten, wo man ihn gar nicht erwarten sollte, als Maiskörner, Maismehl, Maispulver, Maisstärke, Maisöl und was sonst noch alles.

In österreichischen Fahrschulen wird unterrichtet: “Umweltbewusstes Au­tofahren: tanken Sie alternative Kraftstoffe!“, sog. Biosprit. Der wird u. a. eben­falls aus Mais her­ge­stellt, und welt­weit werden für die Plantagen ganze Landstriche pla­niert und in Südame­ri­ka, Indonesi­en usw. die Regenwälder flächendeckend brandgerodet und die Um­­welt vernichtet, damit sich die Verkukuruzierung pandemisch über die Welt ausbreiten und von ihr Besitz er­grei­­fen kann.

Warum mir das alles grad einfällt: weil ich nämlich unlängst beim Billa einen “Gemüsesalat Altwiener Art“ kaufe und dann feststellen muss, dass da Maiskörner drin sind! Maiskörner, die man in Altwien Kukuruz genannt und als Schweinefutter verfüttert hätte.
Und gestern esse ich mit meiner Frau beim Chinesen, und finde in der “Chinesischen Gemü­sesuppe“: Maiskörner, kein Witz. Obwohl es mir wie ein schlechter vorkam.

26. Juli

Heute vor 266 Jahren, am 26. Juli anno 1753, kam in Sankt Petersburg Herr Georg Wilhelm Richmann ums Leben, und hätte es den Darwin Award zu seiner Zeit schon gegeben, wäre er gewiss dafür nominiert worden.

Herr Richmann befasste sich mit Studien über die Auswirkungen von Blitzen, zwecks welchem Behufe er auf seinem Haus einen Blitzableiter installieren ließ. Weil nun ein Stu­ben­gelehrter nicht gern ins Freie geht, schon gar nicht bei einem Gewitter, erdete er den Blitzableiter direkt an seinem Schreibtisch – um die Auswirkungen der Blitze behaglich in seiner Studier­stu­be be­ob­achten zu können. Die Auswirkungen des ersten & zugleich letzten Blitzeinschlages in seinen Schreibtisch, zu dessen Beobachter er an dem­selbigen sitzend wurde, überlebte Herr Stu­di­en­rat Richmann nicht.
──────────────────────
(siehe auch: von einem, der vom Blitz nicht getroffen wurde)