Apostrophisches

30. September

Heute ist der Internationale Übersetzertag, nämlich am Todestag des Heiligen Hieronymus, Schutzpatron der Dolmetscher & Übersetzer.

Übersetzungen stechen mitunter durch grobe Unsinnigkeit hervor, inbesondere als Resultat hirnlosen Übersetzens von englischen Pressetexten: so werden dann etwa »billions« zu »Billionen«, »alien life forms« zu »Aliens« und »50.000 troops« (= Soldaten) zu »50.000 Truppen«.

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Klassische Beispiele für gravierend sinnentstellende Übersetzungsfehler finden sich indes bereits im Buch der Bücher, wo aus dem aramäischen Urtext etwa ein Seil (“gamta“) zu einem Kamel (“gamla“) fehlübersetzt wurde, welches seither sprichwörtlich durchs Nadelöhr geht.

(Selbst kleine Fehler können große biblische Wunder bewirken: wenn nämlich »er [Jesus] ging an den See« stattdessen als »ging auf dem See« übersetzt wird. Kollege KrassNick reimt über besagtes Seewunder [Mt 14,25] übrigens die launigen Verse:

    Es rief die Menge: »Seht,
    ein Wunder!
    Über den See Genezareth
    schreitet der Herr, und geht
    nicht unter!«

    Über das Wasser schritt der Herr.
    (Doch allerdings verriet er der
    verblüfften Menge später:
    »Das Wasser war ja, bittesehr,
    eh nicht so tief: im Schnitt nicht mehr
    wie fuffzehn Zentimeter.«)

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© mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

Chronische Kalauer-Diarrhoe

»Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte liest,
es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.«
(Johann Wolfgang von Goethe)

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Dass die notorische Kalauer-Manie beim SPIEGEL zuweilen herausragende Dumpfsinnigkeiten gebiert, ist bekanntlich nix neues. Etwa solcherlei sinnleere Hervorbringungen:

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Soll wohl ein bemühtes Wortspiel zu »Mamma Mia« darstellen. Aber: Papa heißt Papst und ist maskulin – was soll der Blödsinn also bedeuten, »Oh Meine Papst«? Ein Kalauer ohne Sinn ist kein unsinniger Kalauer, sondern schlicht sinnlos.

8. September – Tag der deutschen Sprache

Jedes Jahr am 2. Samstag im September feiert der VDS (Verein Deutsche Sprache e.V.) den Tag der deutschen Sprache, und nach dem Willen des Vereins soll dieser Tag ..

» .. ein Sprachbewusstsein schaffen, das [..] insbesondere die Sucht, überflüssige englische Ausdrücke zu benutzen, eindämmt oder verhindert. «

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Jährlich verleiht besagter VDS einer Person oder Institution, welche durch besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache aufgefallen ist, den Titel »Sprachpanscher des Jahres«, und dass etwa die Institutionen SPIEGEL für die Dumm­deng­lisch-Kreation »Fast-Horror-Crash« oder DUDEN für das Aushecken der überflüssigen grammatikalischen Missgeburt »Crash; Plural: Crashs« bei den bisherigen Titelverleihungen leer ausgingen, ist freilich eine crash grässliche Ungerechtigkeit.

Knalljournaillistisches

Zuweilen fragt man sich ernsthaft, ob dieser Knalljournaille von Österreichs auf­la­gen­zweit­stärkster Verschenkdreckspostille tatsächlich wer ins Gehirn geschissen hat. Bei einem Bun­des­heer-Übungsmarsch in Horn starb ein Rekrut an Überhitzung, und den Bericht darüber übertiteln die mit:

(Update) Neues aus Kalau: Po-riginelles


Wenns ans Kalauern über weibliche Kehrseiten geht, gibts für die Knalljournaille freilich kein Halten mehr:












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Nicht immer lässt sich nachvollziehen, was dem Kalauer-Aushecker beim Aushecken man­cher Kalauer durch den Kopf gegangen sein mag – vermutlich die Zugluft (klick für Detail):

Wo ist die Po-inte? Ein Kehrseiten-Kalauer ohne erkennbaren Hinter(n)sinn (Achtung, Ka­lau­er) ist kein misslungener Kalauer, sondern schlicht blödsinniges Geschwätz.
Doch stets wenn man vermeint, der absolute Blödsinnigkeits-Tiefpunkt müsse irgend­wann er­reicht sein und sich nimmer tieferlegen lassen, kommt zuverlässig Österreichs auf­la­gen­zweit­stärk­ste Verschenk-Knallpostille daher:

STERREICH)


Was sie diesem knalljournaillistischen Einfaltsdimpfel ins Müesli gestreut haben be­vor er die­ses Elaborat hervorbrachte, ist nicht überliefert, aber was rezeptfreies wars vermutlich nicht.

Pressesprecherisches

»Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört,
es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.«
(Johann Wolfgang von Goethe)

«Die Zahl der Schweizer Autoren wächst jährlich im zweistelligen Bereich»,
sagt Thorsten Simon, Pressesprecher von Books on Demand BOD.

Der Autorenzuwachs steigt somit im Bereich der Jahreszahlen.
Oder so ähnlich.

Korrelatives

Eine Korrelation beschreibt eine Wechselbeziehung zwischen Merkmalen [..] oder Zu­stän­den. Zwischen Merkmalen [..] oder Zuständen braucht keine kausale Beziehung zu be­stehen.
(Wikipedia)

In einem zweiten Punkt soll der Kreisausschuss tätig werden: Es geht um ein Verbot der sogenannten „Stand-Up-Boards“. In ihnen sehen Wasserwachts-Vertreter ein Sicherheits­risiko – wegen der sogenannten Finnen, den Stabilisatoren, die an der Unterseite ange­bracht sind und die optisch an eine Haifischflosse erinnern.

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(Zwischen der optischen Erinnerung an eine Haifischflosse und einem Sicherheitsrisiko an Alt­öttinger Badeseen braucht keine kausale Beziehung zu be­stehen.)

Shit happened:

Nicht immer lässt sich nachvollziehen, was einem Überschriften-Aushecker bei der Verwen­dung der in­fla­tio­nä­ren Einleitungsfloskel »Glück gehabt:« wohl durch den Kopf ge­gan­gen sein mag – vermutlich die Zugluft:

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Wie lang einer indes braucht, anstelle einer dummen Überschrift eine noch dümmere aus­zu­hecken, lässt sich hier feststellen: exakt neun Minuten. Denn, wie Kollege krass­NICK reimt:

    »Höret, was Erfahrung spricht: Glaubt niemals, dümmer geht es nicht!
    Erfahrung lehrt: ein Stückchen dümmer geht es allemal noch immer.«

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– Shit, happened!

Schwurbelschwatz der Woche

»Worte, Worte, nichts als Worte.«  (W. Shakespeare)

» Atmosphären sind Relationsdinge, die nicht allein, sondern nur als Qualität von Objekt­kon­stel­la­ti­onen und/oder Environments [..] auftreten können. Gerade hier wird die Zu­sam­men­ge­setztheit des Atmosphärischen, seine unmittelbar scheinende Ge­ge­ben­heit, ver­­bun­den mit dem Eindruck einer nicht auflösbaren Ganzheitlichkeit, ebenso sinnfällig wie die Kon­densation von Sinneseindrücken.«

[siehe: Fachgesimpel ]

Schwurbelschwatz der Woche

»Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte liest,
es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.«
(Johann Wolfgang v. Goethe)

» Customer Centricity (deutsch: Kundenorientierung) kann als Unique Selling Point be­grif­fen werden, wenn die Customer Journey und Experience einzigartig sind. [..] Customer Centricity kann auch am Point of Sale stattfinden und mit Loyality-Programs umgesetzt wer­den. Im E-Commerce arbeiten hier verschiedene Faktoren zusammen: Das User Cen­te­red Design, eine hohe Usability sowie das Inbound Marketing und ein Multi­channel-Ansatz beispielsweise.«

Turbolentes

Dass hirnrissige Metaphern in Zeitungsüberschriften vom Aussterben bedroht wären, steht nicht zu befürchten. Etwa der Dauerbrenner:

(oe24.at)
(Blick.ch)
(Die Presse)

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Den Turbo. Zünden. Ob man mit einem brennenden Turbo schneller vorankommt? Scheint keine besonders zündende Idee zu sein.

(Frankfurter Allgemeine)

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Woran das wohl liegen mag – Turbozündung ausgefallen?

(TAI.at)
(manager magazin)

Turbo-Expansion. Muss man nicht verstehen.

(news.de)

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Einlegen, den Turbo. In Marinade? Kein Wunder, dass der nimmer zündet.
(Vielleicht zündet der besser, wenn sie den in Spiritus einlegen?)

(Westfälische Nachrichten)

Schneller Schwede verwechselt Turbo mit Tube.

(Bild.de)

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Turbo-Gang – was immer den Bild-Kollegen bei dem Begriff vorschweben mag, beim Scrabble ließen sich damit wohl keine Punkte schinden.

Konjunktionelles

Dies schrieb Herr Schulmeister Mannke in einem Aufsatz in der Zeitschrift*) des Philologenver­ban­des Sachsen-Anhalt. (Zwar hört man in Ge­sprä­chen mit Polizei und Supermarktpersonal das Gegenteil: dass es nirgendwo zu sexuellen Be­läs­ti­gungen, schon gar nicht in Supermärkten, gekommen wäre – aber wer will schon der Polizei glauben, wenn’s eines Herrn Schul­meisters Bekannte besser wissen ..)
Wegen fehlerhafter Rechtschreibung in seinem Aufsatz muss Herr Oberlehrer Mannke übri­gens nach­sitzen und hundert­mal an die Tafel schreiben:

    »Ich darf die Konjunktion dass im Objektsatz nicht falsch schreiben.«

Setzen, Herr Oberlehrer.
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*) (Anm.: Die komplette Seite 2 mit dem betreffenden Leitartikel: Flüchtlingsdebatte wurde inzwischen aus dem Originaldokument auf der Philologenverbands-Webseite ersatz- & kom­men­tar­los gelöscht – vielleicht wegen der Rechtschreibfehler? ;) Weiterhin nachzulesen steht der Artikel indessen auf dieser Seite.)

Euphemistisches


Ja, eh. Um das festzustellen brauchts nicht extra einen Jenaer Wissenschaftler. Kann mir also wer erklären, warum in der Berichterstattung über einen Betrug in großem Umfang allent­hal­ben – in den seriösen ebenso wie in den Krawall- & Vuvuzela-Medien – über »Mogelei« oder »Schummelei« ein­hergesäuselt wird? Euphemistisches Gesäusel anstelle Klartext, was steckt dahinter?
Wenn ein kleiner Gebrauchtwagenverkäufer beim Kilometerstand mogelt, so handelt sichs um Betrug – wenn aber ein Millardenkonzern in beispiellosem Umfang systematisch betrügt, um Mogelei? Da mangelts in den Medien entweder am landläufigen Rechtsverständnis oder am Vo­ka­bel­verständnis.