Apostrophisches

Deutschlandfunk: Wortwörtliches

Im Englischen unterscheidet sich die Wortstellung von Verb und Objekt in Nebensätzen vom Deutschen*, was sich in der Übersetzung bei unveränderter Wortstellung komisch anhört – kennen alle aus “Asterix bei den Briten“ [»Es ist Zeit, zu trinken eine Tasse Tee.« usw.] Im Jiddischen ist es ähnlich.

In einem Deutschlandfunk-Artikel über Hochstapler, die sich fälschlich als Juden ausgeben, wird der Berliner Rabbiner Dr. Walter Rothschild, gebürtiger Brite, wörtlich zitiert:

»Und es ist interessant, wie die Leute suchen einen bestimmten Opferstatus.«
»Wenn ich höre solche Sätze, dann gehen die Haare hoch auf meinem Nacken.«
»Keiner möchte zugeben, dass er wurde betrogen von jemandem.«

Die wortwörtliche Wiedergabe dieser Aus­sagen mag, um journalistischer Sorgfaltspflicht Ge­nüge zu leisten, gut gemeint sein – aber hier ist gut gemeint das Gegenteil von gut: inson­ders da Herr Rothschild eben Jude ist. Anstatt die Sätze lediglich in korrekte Wort­stellung zu set­zen [»Wenn ich solche Sätze höre; dass er von jemandem betrogen wurde« usw.] ohne deren Sinnge­halt da­durch zu verfälschen, werden sie wörtlich wiedergegeben, sodass sichs für den Leser anhört als wür­de Herr Rabbiner Rothschild jiddeln wie ein jiddi­scher Rabbi.
Und genau das tut Herr Dr. Rothschild eben nicht: er spricht, als gebürtiger Brite, so wie ein an­g­lophoner Muttersprachler eben Hochdeutsch spricht.
Die grammatikalisch fehlerhafte Wortstellung in den Aussagen eines nichtdeutschen Mutter­sprachlers in der Veröffentlichung gram­mati­kalisch richtigzustellen, hätte indes der jour­na­lis­ti­schen Sorg­falt keinen Zacken ab­ge­bro­chen.

Euphemistisches

Der STANDARD titelt über die Aussagen eines Herrn Abdelati Krimi, Kandidat auf der Wahl­liste der Grünen zur Wiener Landtags- und Gemeinderatswahl, in einer arabischsprachigen Sendung:


Und das sagt der Herr Kandidat der Wiener Grünen über das österreichische Eherecht:

»Bei Allah, [..] wir sind gegen die Gesetze dieses Landes,
weil diese Gesetze die Frau schützen und ihr Rechte geben.«

Eine solche Ungeheuerlichkeit als “kritische Aussage“ zu defi­nie­ren, ist wahr­haft ein denk­wür­di­ger Euphemismus.

30. September

Heute ist der Internationale Übersetzertag, nämlich am Todestag des Heiligen Hieronymus, Schutzpatron der Dolmetscher & Übersetzer.

Übersetzungen stechen mitunter durch grobe Unsinnigkeit hervor, inbesondere als Resultat hirnlosen Übersetzens von englischen Pressetexten: so werden dann etwa »billions« zu »Bil­lionen«, »alien life forms« zu »Aliens« und »50.000 troops« (= Soldaten) zu »50.000 Truppen«.

Klassische Beispiele für gravierend sinnentstellende Übersetzungsfehler finden sich indes bereits im Buch der Bücher, wo aus dem aramäischen Urtext etwa ein Seil (“gamta“) zu ei­nem Kamel (“gamla“) fehlübersetzt wurde, welches seither sprichwörtlich durchs Nadelöhr geht.

Selbst kleine Fehler können große biblische Wunder bewirken: wenn nämlich »er [Jesus] ging an den See« stattdessen als »ging auf dem See« [Mt 14,25] übersetzt wird.
(Kollege KrassNick reimt über besagtes Seewunder übrigens die launigen Verse:)

    Es rief die Menge: »Seht,
    ein Wunder!
    Über den See Genezareth
    schreitet der Herr, und geht
    nicht unter!«

    Über das Wasser schritt der Herr.
    (Doch allerdings verriet er der
    verblüfften Menge später:
    »Das Wasser war ja, bittesehr,
    eh nicht so tief: im Schnitt nicht mehr
    wie fuffzehn Zentimeter.«)
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    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

5. September – Blödsinniges

rasen (Verb, intransitiv) = sich ([wie] in großer Eile) sehr schnell fortbewegen; mit hoher Geschwindigkeit [irgendwohin] fahren  (DUDEN)

Heute vor 50 Jahren verunglückte der Rennfahrer Jochen Rindt beim Training in Monza töd­lich. Schau mer mal, was dem Motorsport-Journalisten im SPIEGEL dazu einfällt:

Wie bitte, er »raste sich zu Tode«? – Was soll der Blödsinn? Rindt verunglückte, weil die vor­dere Bremswelle an seinem Auto brach, und es war bei keinem Rennen, sondern bei ei­ner Trainingsfahrt. Warum steht also dieser Blödsinn da, er habe »sich beim Rennen zu Tode ge­rast«? Denken die beim SPIEGEL eigentlich zuvor drüber nach, bevor die solchen Blödsinn hin­schreiben?

Bumsti twittert

»Höret, was Erfahrung spricht: Glaubt niemals, dümmer geht es nicht!
Erfahrung lehrt: ein Stückchen dümmer geht es allerweil noch immer.«
(M. Krassnig)

Bumsti Strache “leert drei Bierden Großen“:


Vermutlich meint der ja “jemanden etwas lehren“ (Verb transitiv, mit Akkusativobjekt). Aber welchen Großen meint der da konkret – etwa seinen Ex-Spezi Kurz, den Großen?
(Da kann sich der Große gleich einmal gehörig zum Fürchten anfangen!)

Eristisches: Rabulistisches

Kollege Trithemius schreibt hier über “eristische Kniffe“, auf Wikipedia lässt sich darüber erfahren:

Eristische Dialektik bezeichnet eine Unterdisziplin der Rhetorik und wird auch
als Rabulistik*) bezeichnet.


Arthur Schopenhauer verwendet den Begriff Eristik für Strategeme, welche nicht der Wahrheitsfindung dienen, sondern um in einem Disput per fas et nefas (lat.: “mit erlaubten und un­erlaubten Mitteln“) als derjenige zu erscheinen, der am Ende Recht behält.

Als Rabulist wird laut Duden jemand bezeichnet, der “in spitzfindiger [..] Weise argumentiert und dabei oft den wahren Sachverhalt verdreht“. Ein bekanntes Exempel rabulistischer Winkeladvokatistik:

    Anwalt zum Befragten: »Wann haben Sie damit aufgehört Ihre Frau zu verprügeln?«
    Befragter (empört): »Ich habe meine Frau noch nie verprügelt!«
    Anwalt: »Das war nicht die Frage. Die Frage war: Wann haben Sie damit aufgehört, sie zu verprügeln?«
    Befragter: »Ich habe nie damit aufgehört sie zu verprügeln, weil ich nie damit angefangen habe!«
    Anwalt: »Sie haben also nie damit aufgehört Ihre Frau zu verprügeln?«
    Befragter: »Nein! Ich habe nie damit angefangen!!«
    Anwalt (fürs Protokoll): »Befragter verneint, damit aufgehört zu haben seine Frau zu verprügeln.«
    Befragter: »Nein!! Ich verneine damit angefangen zu haben!!!«
    Anwalt: »Befragter verneint, damit angefangen zu haben mit dem Verprügeln seiner Frau aufzuhören.«
    .. undsoweiter.

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*) (Rabulistik = rhetorische Spitzfindigkeit, Wortklauberei)

Soziolektisches: Ergreifendes

Meinten Sie: Autos ergreifen Radfahrer in Nordhausen?

Wenn ein Autofahrer mit seinem Auto gegen einen Baum fährt, käme wohl keiner auf die Idee, darüber zu vermelden:

    »Baum von Auto erfasst«

Wenn der Autofahrer jedoch einen Fußgänger überfährt, dann wird der Fußgänger in Medienberichten grundsätzlich von keinem Autofahrer überfahren, sondern »von Auto erfasst«:


»Fahrzeuge, die Personen erfassen« – ergreifende Exempel einer unsinnigen Dumm­schwatz-Flos­­kel im Journalisten-Soziolekt.

Plusquamperfektes

Was ist mit den Kollegen beim STANDARD los, haben die neuerdings die deutsche Sprache verlernt:


Keiner war in Wien auf irgendwen losgefahren – gemeint ist wohl der Mann, der auf Menschen losgefahren ist.

(*)


Falsch, der erste war der nie gewesen. Der war der erste. Oder: ist der erste gewesen. Wird der übrigens auch immer gewesen sein.

(*)


Der Sattelauflieger war abgestellt und verriegelt. Was sollen die unsinnigen Plus­quam­per­fekte darstellen – unsinnige Manierismen? Oder bloßen Unsinn.


Schwurbelschwätzer waren Motorjournalisten schon immer gern gewesen.
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(Wenn der Kollege Steppenhund sowas liest,
kriegt ers wieder mit dem Blutdruck  ; )

Turbolentes

»Höret, was Erfahrung spricht: Glaubt niemals, dümmer geht es nicht!
Erfahrung lehrt: ein Stückchen dümmer geht es allemal noch immer.«
(Martin Krassnig)

Stets wenn man vermeint, der Dummheits-Rekord bei Zeitungsüberschriften wäre irgendwann erreicht und ließe sich nimmer übertreffen, kommt zuverlässig Österreichs auflagenstärkste Verschenkpostille daher und beweist das Gegenteil:


Den Turbo: zünden oder einlegen?, das ist hier die Frage.

Chronische Kalauer-Diarrhoe

»Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte liest,
es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.«
(Johann Wolfgang von Goethe)

Dass die notorische Kalauer-Manie beim SPIEGEL zuweilen herausragende Dumpf­sin­nig­kei­ten gebiert, ist bekanntlich nix neues. Etwa solcherlei sinnleere Hervorbringungen:


Soll wohl ein bemühtes Wortspiel zu »Mamma Mia« darstellen. Aber: Papa heißt Papst und ist maskulin – was soll der Blödsinn also bedeuten, »Oh Meine Papst«? Ein Kalauer ohne Sinn ist kein unsinniger Kalauer, sondern schlicht sinnlos.

8. September – Tag der deutschen Sprache

Jedes Jahr am 2. Samstag im September feiert der VDS (Verein Deutsche Sprache e.V.) den Tag der deutschen Sprache, und nach dem Willen des Vereins soll dieser Tag ..

» .. ein Sprachbewusstsein schaffen, das [..] insbesondere die Sucht, überflüssige englische Ausdrücke zu benutzen, eindämmt oder verhindert. «

.
Jährlich verleiht besagter VDS einer Person oder Institution, welche durch besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache aufgefallen ist, den Titel »Sprachpanscher des Jahres«, und dass etwa die Institutionen SPIEGEL für die Dumm­deng­lisch-Kreation »Fast-Horror-Crash« oder DUDEN für das Aushecken der überflüssigen grammatikalischen Missgeburt »Crash; Plural: Crashs« bei den bisherigen Titelverleihungen leer ausgingen, ist freilich eine crash grässliche Ungerechtigkeit.

Versteh: Püree

Diese halboriginelle Manier, unterschiedlichen Teaserzeilen gereimte Anfangswörter vor­an­zu­­stel­len, kennt man ja. Nach welchen Kriterien der Anfangsreimwörter-Auswahl­be­auf­trag­te von Österreichs auflagenstärkster Verschenkpostille seine Auswahl trifft, lässt sich allerdings nicht immer schlüssig nachvollziehen:

Knalljournaillistisches

Zuweilen fragt man sich ernsthaft, ob dieser Knalljournaille von Österreichs auf­la­gen­zweit­stärkster Verschenkdreckspostille tatsächlich wer ins Gehirn geschissen hat. Bei einem Bun­des­heer-Übungsmarsch in Horn starb ein Rekrut an Überhitzung, und den Bericht darüber übertiteln die mit:

Neues aus Kalau: Po-riginelles


Wenns ans Kalauern über weibliche Kehrseiten geht, gibts für die Knalljournaille freilich kein Halten mehr:




Nicht immer lässt sich nachvollziehen, was dem Kalauer-Aushecker beim Aushecken man­cher Kalauer durch den Kopf gegangen sein mag – vermutlich die Zugluft (klick für Detail):

Wo ist die Po-inte? Ein Kehrseiten-Kalauer ohne erkennbaren Hinter(n)sinn (Achtung, Ka­lau­er) ist kein misslungener Kalauer, sondern schlicht blödsinniges Geschwätz.
Doch stets wenn man vermeint, der absolute Blödsinnigkeits-Tiefpunkt müsse irgend­wann er­reicht sein und sich nimmer tieferlegen lassen, kommt zuverlässig Österreichs auf­la­gen­zweit­stärk­ste Verschenk-Knallpostille daher:

(ÖSTERREICH)


Was sie diesem knalljournaillistischen Einfaltsdimpfel ins Müesli gestreut haben be­vor er die­ses Elapo borat hervorbrachte, ist nicht überliefert, aber was rezeptfreies wars vermutlich nicht.