Mischkulantes

1. Oktober – Internationaler Tag der älteren Generation

Über das Älterwerden – paar Zitate & reichlich Herumgemosere:

Wenn man über fünfzig ist und in der Früh aufwacht, und es tut einem nix weh – dann ist man gestorben, so besagt eine Volksweisheit.

»Natürlich ist Altwerden kein reines Vergnügen. Aber denken Sie mal an die einzige Alter­na­ti­ve.« sagte der kluge Robert Lembke, und natürlich hat er mit seinen Worten recht. Tröstlich sind sie indessen nicht. Kollege Wortmischer wiederum zitiert Cicero, welcher einst dia­gnos­tizierte: »Nicht das Alter ist das Problem, sondern unsere Einstellung dazu.« – was an dem Problem per se freilich auch nix ändert: altersbedingte Malaisen sind keine Ein­stel­lungs­sache, sondern schnöde Unabänderlichkeiten. »Altern ist eine Zu­mutung« brachte es der altersweise Loriot auf den Punkt.
Genug mit Zitaten herumgeworfen. Nein, warten Sie, eins noch:

»Ein Mann mit weißen Haaren ist wie ein Haus, auf dessen Dach Schnee liegt. Das be­weist aber noch lange nicht, dass im Herd kein Feuer brennt.«  (Maurice Chevalier)

(»Zitieren ist die Methode, Bildung mit etwas zu belegen, was man nicht gelesen hat.« tadelt Volker Dietzel zwar, was ich aber nicht unwidersprochen auf mir sitzen lassen mag – zu­wei­len pflege ich zu gegebenem Anlass etwa Goethes Götz zu zitieren, durchaus ohne damit Bildung be­le­gen zu wollen. Obwohl ich ihn gelesen habe.)

Zurück zum Thema: Monsieur Chevaliers schöner Vergleich mag wohl zutreffen, was aber wenn des Mannes Dach unter dem Schnee herausapert? (Wenn ihm also »der Kopf durch die Fri­sur wächst«, wie meine Tante Jetta es nannte.) (Kollege KrassNick erläuterte mir übrigens, wenn sich bei Männern mit fortschreitendem Lebens­alter die Kopfbehaarung lichtet, sei es kei­nes­wegs so dass die Haare ausfallen, wie irrtümlich angenommen. Vielmehr kehren diese le­dig­lich ihre Wuchs­richtung um und wachsen nach innen in den Kopf zurück, um später aus den Ohren und Nasen­löchern wieder herauszukommen.) Mitnichten von des Lebens grünem Lenz kündet die Aus­ape­rung der Ka­lotte, vielmehr von fortgeschrittener Sai­son, gefolgt am bittern Ende vom Winter unsers Missvergnügens. (Hoppla, schon wieder ein Zitat.)

Haupthaarschwund als Altersbegleitsymptom trifft den einen eher, den an­dern später, man­chen nie. Siehe z.B. die Brüder R.: der jüng­ste hat keine Haare mehr, der mitt­le­re nur mehr wenig, der älteste noch alle. (Lukas R., Kabarettist: »Wenn ich meinen jüngeren Brüdern was zu­fleiß tun will, schenk ich ihnen zum Geburtstag einen Kampl.«) [Kampl, österr.: Kamm]

Ich habe eben­falls zwei jüngere Brüder, und zufällig verhält sichs bei uns genauso. Ziemlich un­gerecht, möchte man meinen, aber was im Leben ist schon gerecht. Das Älterwerden je­den­falls nicht. Altern ist eine niederträchtige, obszöne Gemeinheit, die uns die Natur beschert.

Man ist so alt wie man sich fühlt, lautet eine weitere Binsenweisheit – aber jetzt frage ich Sie: was soll daran ein Trost sein? Mein Großonkel K. musste als Neunzigjähriger ins Altersheim, und auf die Frage wie er sich dort fühle beklagte er sich, dort von lauter alten Krachern um­ge­ben zu sein: obwohl die alle wesentlich jünger waren als er. Wie deprimierend. Nicht die Ein­stel­lung ist das Problem, wie uns Cicero weismachen will, sondern das Alter.

»Ja, lang leben will halt alles, aber alt werden will kein Mensch.« (Johann Nepomuk Nestroy) – Erkennen Sie das Dilemma?
(Leider hilft uns das Herumgemosere darüber auch nicht weiter. Genug he­rum­ge­mo­sert also für heute.)

(Beitrag zu Frau Quadratmeters Blogaktion: #älterwerden)

Grenzwertiges, ..

.. oder: Ein Bürgermeister, mal wieder.

Ein Bürgermeister im niederösterreichischen Mostviertel rammte alkoholisiert mit sei­nem Au­­to ein geparktes Fahr­zeug, ..
    ».. betonte aber, dass sein Blutalkoholwert “grenzwertig“ gewesen sei, er also die
    0,8-Promille-Grenze lediglich geringfügig überschritten habe.«  (NÖN.at)
Wie bitte? 0,8 Promille wären “grenzwertig“? Die 0,8-Promille-Grenze gilt in Österreich seit 1998 nim­mer, seit damals gelten 0,5 Promille als Blutalkohol-Grenzwert. Seit 1998! Viel­leicht spricht sich das mal bis zu dem Herrn Mostviertler Bürgermeister herum.

Saisonales: Über das Motorradfahren im Winter

Nun hats bei uns gestern, akkurat wiederum am 3. Dezember, nachtsüber erstmals in der heurigen Sai­son tüchtig geschneit:

Jetzt schau mer halt zu, dass unsere alten Ladies bis morgen wieder herausapern, und an­schließend wird eventuell auch beizeiten deren pflegliche Einwinterung in Er­wä­gung zu zie­hen sein. Das Fahren ist bei den fürderhin* zu erwartenden Witterungsbe­din­gun­gen eh kein reines Vergnügen mehr, wie auch der geschätzte Kollege NeonWilderness bereits treff­lich feststellte.

Über das Motorradfahren im Winter:

    Dem Fahrer auf dem Motorrade
    dringt die Winterluft, die kalte,
    unbarmherzig ohne Gnade
    tief in jede Körperfalte,
    jede Ritze, jede Pore.
    Eisig pfeift der Wind im Ohre,
    steifgefroren sind die klammen
    Zeh’n und Finger, und zusammen-
    schrumpfen tut im Winter das
    Zipflein bis aufs Mindestmaß.
    Drum füllt der Fahrer mit Verstand
    zuletzt den Tank voll bis zum Rand,
    und nimmt die Batterie wie immer
    zur Winterszeit mit auf sein Zimmer,
    und tut nun, was er tuen muss:
    er geht (wer schlau ist, ahnt es schon)
    die nächsten Monate zu Fuß.
    Aus ist die Motorradsaison.

Riesenglück der Woche

Riesenglück bei Raserfahrt
Der Fahrer eines 245 PS starken Golf 7 GTI fährt auf einer Autobahn und beschleunigt seinen Pkw in Richtung Höchstgeschwindigkeit. Als er Tempo 240 erreicht hat, zieht plötzlich ein grauer Škoda Rapid Spaceback auf die linke Spur rüber – [..] vielleicht ist er auch einfach unachtsam und wechselt unabsichtlich die Spur. Der Fahrer versucht noch, mit der Lichthupe auf sich aufmerksam zu machen, ..
.. dann semmelt er gegen den grauen Škoda und lallt: »Ey-Altamaaaaaahhn!«.
(Vielleicht lallt er auf arabisch? Wer weiß.)
Der Blödmann. Zu versuchen, “mit der Lichthupe auf sich aufmerksam zu machen“ wenn ein anderer unachtsam und unabsichtlich die Spur wechselt, ist wohl ziemlich das Bescheu­­­ert­ste was einem in der Situation einfallen kann. Als würde Blödmann Nummer 1 beim un­achtsamen und unabsichtlichen Spurwechseln grad nix anderes zu tun haben als im Rück­­spie­gel Nachschau zu halten, ob nicht ein Blödmann Nummer 2 grad mit der Lichthupe “auf sich aufmerksam macht“.
Warum es laut Artikelüberschrift ein “Riesenglück“ sein soll, wenn zwei Blödmänner auf ei­­ner Autobahn zusammensemmeln, bleibt ungeklärt.

Sozialromantisches: “Bürgerpower“


(“Mass“nahmen? Rechtschreibfehler oder beabsichtigter Kalauer, weil sich die Maßnahmen auf die “breite Masse“ beziehen? Bürgerpower statt “Masskenpflicht“?)

»Das Coronavirus ist letztlich nur durch überzeugtes Mitmachen der Bürger zu stoppen, durch mehr Bürgerpower.«
    – postuliert der STANDARD-Kommentator, denn:
»Es fehlt nach wie vor an breiter, für alle leicht verständlicher Aufklärung, wie man sich vernünftig verhält, [..] Aufgabe der Politik wäre es, dies in positiver Form zu fördern, nicht nur zu drohen, zu warnen.«

“Eigenverantwortung, vernünftiges Verhalten, überzeugtes Mit­machen der Bürger“ anstelle Ver­ord­nun­gen und Strafandrohungen als probates Rezept zum Stoppen des Coronavirus – na, wenn das kein ori­­gi­­neller Einfall ist. Dass der bisher noch niemand eingefallen ist!

Würde das im STANDARD-Kommentar entworfene utopische “Bürgerpower“-Modell in der Wirklichkeit funk­tionieren, z.B. im Straßenverkehr: dann würden alle “durch überzeugtes Mitmachen“ brav die Verkehrsregeln einhalten, ohne Vorschriften, Verbote, Kon­trollen, Stra­fen. Wer’s glaubt ..

(Ob sich die sog. “Schwarmintelligenz“ tatsächlich mit “Schwarmvernunft“ gleichsetzen lässt oder es sich nicht vielmehr um eine sozialromantische Phantomvorstellung handelt – da­rü­ber scheiden sich bekanntlich die Geister.)
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(Symbolbild “Bürgerpower: Überzeugtes Mitmachen“)

Literaturkritisches: »Wir erwarten Ihre Pistolen«

»Wenn einer, der mit Mühe „Schmerz“ | Gereimt hat zu ’nem Vers auf „Herz“
Schon meint, daß er ein Dichter wär | So irrt sich der.«  (M. Krassnig)

In der Neulengbacher Literaturzeitschrift “WIR LEBEN – Monatsschrift zur Pflege schön­geistiger und künst­le­ri­­scher Bestrebungen“ (erschienen 1910-1911) wurden seinerzeit die literarischen und lyrischen Her­­vor­bringungen publiziert, welche von dichterisch ambitionier­ten Le­sern an die Redaktion eingesandt wurden. Dass manche Einsendungen er­man­gels künst­le­­ri­­­scher bzw. schöngeistiger Qualität nicht zur Veröf­fent­lichung ge­lang­­­ten, muss nicht über­raschen – umso lesens­werter wa­ren unterdessen die häufig sarkastischen, mitunter polemischen Be­­grün­­dun­gen für die Ablehnung dieser Texte, wel­che in der Rubrik “Briefkasten der Re­­dak­­tion“ als Ant­­wor­ten an die betreffenden Einsender abgedruckt wur­den:

        » Herrn P. K.  Wir glauben Ihnen ohne weiters, daß Sie die 8 Mark bezahlt haben, die nötig sind, um auf jede Visitkarte, jedes Briefpapier, jeden Umschlag und vor allem auf jede ir­gendwie beschriebene Seite x-mal in Riesenlettern stampiglieren zu können: „Mitglied des Allgemeinen Schriftstellervereines und des lyrischen Kartells“. Wir kön­nen Ihnen aber nach Genuß Ihrer Einsendung absolut nicht glauben, daß Sie ein Schrift­steller sind oder jemals werden können.«
        » Frl. H. M.  Kommen Sie in 16 Jahren wieder. Wir bezweifeln zwar, daß Sie bei doppeltem Alter bessere Gedichte machen können werden, da in Ihrer Einsendung auch nicht der leiseste Funken von Talent zu entdecken ist; aber ein Ausnahmsfall wä­re ja im­merhin möglich.«
        » Herrn J. H. B.  Sie dichten:
                Mein Kind, laß alles fahren,
                Nur laß die Liebe nicht . . .
Wir meinen aber, es wäre umgekehrt praktischer, wenigstens für die Umgebung . . . . «

        » Herrn M. O. i. B.  Sie senden uns eine grauenvolle „Moritat“ und verlangen eine extra Anerkennung dafür, daß Sie, obwohl mit den Redaktionsmitgliedern persönlich bekannt, uns bisher noch keinen Beitrag geschickt haben. Wir werden Ihnen aber einen Orden stiften, wenn Sie dies auch in Zukunft friedlich so weiter halten wollen.«
        » Herrn Supplenten K. in W.  Wir möchten Ihnen raten, diese „Jugendsünden“ auch fernerhin im Pult zu lassen, bis – Sie einen Namen haben, zu dem ja schon Anzeichen vorhanden sind. D a n n nimmt Ihnen jedes große Blatt jeden Schmarrn und zehntausend entzückte Leser müssen dran glauben.«

        » Herrn F. K. in O.  Ihre „Erlebnisse“ mögen ja für Sie recht interessant gewesen sein, wir glauben aber nicht, daß irgend ein anderer Mensch daran Interesse finden kann trotz „der Modulation des inneren Gedankenganges und der originellen Form“. Unter letzterer meinen Sie gewiß die äußere Form des Manuskriptes, das, auf beiden Seiten beschrieben und diverse Spuren außerschriftstellerischer Tätigkeiten aufwei­send, wohl kaum zu irgend etwas taugt, seit „die Polizei den Selchern aufgetragen, ihre Ware in ein s a u b e r e s Papier zu schlagen“.«
        » Herrn E. R.  Sie sind der Typus dessen, was der Zeitungswitz so treffend mit dem Worte kennzeichnet: Redaktionswanze. Gott bewahre jeden in Gnaden davor, mit Ih­nen zu tun haben zu m ü s s e n. Wir erwarten aber in Ruhe Ihre Pistolen.«
        » Fräulein J. R. i. W.  Daß jemand solche Verse allen Ernstes einer Zeitung anbie­tet, ist zwar schon ein Witz. Aber die „Gedichte“ selbst sind so witzlos, daß man beim besten Willen darauf keine witzige Antwort finden kann. Ihnen die einzig richtige zu geben, da­zu fühlen wir uns nicht berufen.«

        » Herrn R. D. in G.  Unmöglich ; ich darf derartige Rücksichten nicht nehmen. Das müssen Sie einsehen. Die Arbeiten sind nicht „vielleicht noch etwas unreif“, sondern hoffnungslos talentlos, das schreibt jeder mittelmäßige Bürgerschüler. Bitte mir nichts mehr einzusenden. Ihren Groll werde ich zu ertragen wissen.«
        » Herrn Lehramtskandidat G.  Sie senden uns mit Ihren Gedichten auch Ihr Bild für unser „Dichteralbum“ ein. Lieber Herr Lehrer, schauen Sie, das hätten Sie uns nicht antun sollen. Jetzt müssen wir Sie immerfort wehmütig anschauen und denken: Wie kann man ein so hübsches Gesicht haben, und so niederträchtig schlechte Gedichte ma­chen!«

16. Juli

Heute vor 75 Jahren wurde Jack Kornfield geboren, Verfasser zahlreicher Weltbestseller über bud­dhistische Lebenslehren zur spirituellen Erleuchtung, wie “Frag den Buddha und geh den Weg des Herzens“ u.v.a. Da stehen z.B. solcherlei bedeutungsschwere Glückskeks-Zettelweis­heiten drin:

»Lob und Tadel, Nutzen und Schaden, Lust und Leid kommen und gehen wie der Wind. Um glücklich zu sein, ruhe wie ein großer Baum mitten unter ihnen allen.«

Ein Lebenshilfe-Ratschlag von geradezu ergreifender Un­sin­nig­keit, etwa vergleich­bar mit der De­vi­se: »Wenn dir das Leben tote Pferde gibt, mach Leberkäs draus.« – Inwieweit dieser sinn­lose Glückskeks-Sinnspruch jemandem, welchem Tadel, Schaden oder Leid widerfährt, da­rüber zum Glück­lichsein verhelfen soll, er­schließt sich dem ver­nünf­ti­gen Ver­stand nicht:
    Brennt gar dein Haus und Hof mal ab,
    trägst Frau und Kinder du zu Grab’,
    verlierst du Arm oder auch Bein
    und tadelt dich dann obendrein
    noch wer, so kannst du glücklich sein:
    denn Leid und Schaden gehn geschwind
    am Arsch vorbei dir wie der Wind
    grad so als wäre nix gewesen,
    hast du Herrn Kornfields Buch gelesen.

Theatralisches: Nonkonformistisches

»Höret, was Erfahrung spricht: Glaubt niemals, dümmer geht es nicht!
Erfahrung lehrt: ein Stückchen dümmer geht es allemal noch immer.«
(M. Krassnig)

Stets wenn man vermeint, das dümmste Statement zur Causa Corona-Pandemie wäre bereits zum Besten gegeben und ließe sich durch kein dümmeres mehr untertreffen, kommt zu­ver­läs­sig einer daher und beweist das Gegenteil:


Herr Theaterregisseur Castorf hält es also für angebracht sich dem Pub­li­kum als Nonkonformist zu präsentieren, indem er sich als “republi­ka­ni­scher Widerständler“ inszeniert und ein exemplarisches Stück bürgerlichen Un­ge­hor­sams auf die Bretter stellt: Jung Frank lässt sich von Mutti nicht das Händewaschen anschaffen! Kol­lege Stefan Rose findet, »dass derart infantiles Verweigern von Hän­de­wa­schen ungefähr so mutig ist wie sich damit zu brüsten, ohne Zähneputzen ins Bett zu gehen oder seine Suppe nicht zu essen [..]«

»Theater besteht auch darin, dass man mit dem Tod umgeht und nicht mit der Verwaltung der Gegenwart«, und dass Menschen sterben, sei »der Lauf der Dinge, den wir akzeptieren müssen« legt Herr Theaterregisseur Castorf als dramaturgischen Hintergrund für sei­nen Wi­derstand gegen Hygienemaßregeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie dar, und sein eitles Geschwätz erhebt ihn auf die gleiche Geisteshöhe wie seine Schwester im Geiste M. C. Giuliani, vormals TV-Glücks­rad­fee, welche ebenfalls die Welt an ihrer tief­schür­fen­den Lebensweisheit teilhaben lässt indem sie verkündet: die ganzen Corona-Restriktionen wären zu nix nütze »weil wir sowieso alle mal sterben müssen.«

Was dumme und dümmere Statements zum Thema Corona-Pandemie anbelangt, trifft Karl Valentins Befund wohl zu: »Es ist schon alles gesagt worden, aber noch nicht von allen.«

27. April

Heute vor 200 Jahren kam der bedeutende englische Sozialphilosoph Herbert Spencer (1820- 1903) zur Welt.

Um 1860 begann Spencer mit seinem Lebenswerk: einer analytischen Betrachtung des ge­sam­ten (sic!) menschlichen Wissens. Leider wurde er damit zu Lebzeiten nimmer ganz fertig. Er postulierte als erster die grundlegende These des evolutionistischen Prinzips, welche sein radikaler Apologet Richard Dawkins (“Das egoistische Gen“) ein Jahrhundert später zum Dogma erklärte:

    »Ein Huhn ist lediglich das Zwischenergebnis der Bemühungen eines Eies,
    ein weiteres Ei in die Welt zu setzen.«

Statistisches


Ein Statistiker, ein Logiker und ein Analytiker fahren nach Sankt Corona*, sie sehen zwei Schafe: ein schwarzes und ein weißes.
Sagt der Statistiker: »In Sankt Corona gibt es 50 Prozent schwarze Schafe.«
Sagt der Logiker: »In Sankt Corona gibt es mindestens ein schwarzes Schaf.«
Sagt der Analytiker: »In Sankt Corona gibt es mindestens ein Schaf, das auf mindestens einer Seite schwarz ist.«


Eine infizierte Person unter 1.432, hochgerechnet auf 8,9 Millionen Österreicher? Was soll denn das für statistische Relevanz haben? Und wäre die betreffende Person zufällig nicht unter den 1.432 Getesteten gewesen, hätte die Hochrechnung folglich ergeben: in Österreich gibt es keinen einzigen Corona-Fall.

Naja – wenns so in der Zeitung steht, wirds wohl so stimmen. Aber:

»Die verfügbaren Zahlen enthalten zu wenige Informationen, sie bilden nur einen kleinen Teil der Realität ab [..]« erklärt Katharina Schüller, Gründerin des Münchner Unternehmens Stat-Up und Leiterin der Arbeitsgruppe “Statistical Literacy“ der Deutschen Statistischen Gesellschaft.

Fazit: Den gleichen Wert in Corona-Zeiten haben – neben Klopapier – wohl die statistischen Zahlen: beide sind für’n Arsch.
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Haben Sie gewusst: Wenn Sie Ihren linken Fuß ins Backrohr stecken und den rechten ins Gefrierfach, haben Sie es statistisch betrachtet angenehm warm im Fußbereich.

5. Februar – Flatulentes

Kollege Lo weist darauf hin, dass heute angeblich der »Tag der Flatulenz« ist.
Wie man den auf empfehlenswerte Weise feiern möge, wird uns auf Deutschlandfunk Nova, »dem jungem Infoprogramm von Deutschlandradio«, zur Kenntnis gebracht:


Grundsätzlich. (»Zu Risiken und Nebenwirkungen dieser ärztlichen Empfehlung fragen Sie lieber nicht Ihren Sitznachbarn.«)
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Flatulentes: siehe auch ►

Kindermund-Content

Kollege Trithemius berichtet hier über eine Klosettmuschel für Kinder, das erinnert mich an die Geschichte:

Mit meinen zwei kleinen Neffen im Kino, zuvor wird noch Pipi gegangen, vorsorglich. Am Ki­no­klo ist eine Pissoirmuschel tiefer aufgehängt als die übrigen, der Kleinere stellt sich vors tiefergelegte Pissoir:
»Hehe,« spöttelt sein größerer Bruder, »der Kleine geht aufs Kinder-Pipi.«
»Glaubst du nur,« erwidert der Kleine. »Das ist für Leute mit besonders Langem.«