Redensartiges

28. Oktober

Heute vor 125 Jahren kam der Wiener Kabarettist Karl Farkas (1893–1971) zur Welt. Farkas hatte eine riesige Nase. Solch ein riesen Pfrnak im Gesicht sei äußerst praktisch, erklärte er, »weil man auch unter der Dusche rauchen kann.«

Von Karl Farkas (nicht Karl Kraus, wie meist irrtümlich zugeschrieben) stammt unter anderm auch das Bonmot: »Österreicher und Deutsche unterscheiden sich durch ihre gemeinsame Sprache.«

Mit seinem kongenialen Doppelconférence-Partner Ernst Waldbrunn (1907–1977) als “Der G’scheite und der Blöde“:

    Farkas: »Vorm Schlafengehen trink ich keinen Kaffee.
    Wenn ich einen Kaffee trink, kann ich nicht schlafen.«
    Waldbrunn: »Bei mir ist das umgekehrt: wenn ich schlaf’,
    kann ich keinen Kaffee trinken.«

4. Oktober

Heute vor 126 Jahren erblickte Luis »Der Berg ruft!« Trenker (1892-1990) das Licht des Gröd­nertales, der unverwitterliche Tausendsassa & Alpin-Hallodri.

Derweil die Herkunft der Redensart »Hier siehts ja aus wie bei Hempels unterm Sofa« als schlüssig geklärt gilt, harrt die Etymologie der gleichbedeutenden Redensart »Da schauts ja aus wie bei Luis Trenker im Rucksack« bislang einer Erklärung.

9. Dezember

Heute vor 116 Jahren kam Ödön von Horváth (1901-1938) zur Welt, seinen Geschichten aus dem Wiener Wald stellte er als Motto den erhabenen Satz voran:

    »Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit.«

Wikipedia schießt einen Bock & FOCUS Online »klärt auf«

Wenn die Clickbaiting-Marktschreier von FOCUS Online (»Deutschlands modernes Nach­rich­ten­­ma­gazin für Fakten- und Qualitätsjournalismus«, laut Eigendarstellung) notorisch ir­gend­welche Binsenweisheiten aus Wikipedia abschreiben und ohne Quellenangabe ihrem Leser-Klick­vieh an­die­nen, tun sie das freilich nicht un­ter der Devise »FOCUS Online schreibt ir­gend­was ir­gend­wo ab«, son­dern unter »FOCUS Online klärt auf«. Kennt man ja. Z.B.:

.
FOCUS Online klärt also auf schreibt also aus Wikipedia ab, woher die Redewendung an­geb­lich kommen soll:

    »Vermutlich geht die Redensart auf eine Sitte aus dem späten Mittelalter zurück: Bei Sportwettkämpfen, wie dem Augsburger Schießfest, wurde dem Ver­lie­rer als Trost­preis ein Schwein geschenkt. Wer das Schwein bekam, erhielt etwas, ohne es eigent­lich verdient zu haben.«

Wo immer der Wikipedia-Autor diesen offenkundigen Unsinn aufgeschnappt haben mag, gibt er nicht preis*) – jedenfalls findet sich für das angebliche Augsburger Trost­preis­schwein nir­gend­wo ein historischer Beleg. Im Gegenteil führt er ebendiese Her­lei­tungs­theorie selber ad ab­sur­dum, indem er aus Sebastian Brants 1494 veröffentlichtem Narrenschiff als ver­meint­li­che Be­leg­stelle anführt:

    »Wer schießen will und fält des rein Der dreit die suw im ermel heim«

Wie sollte sich denn eine beim Schießfest gewonnene Sau »im Ärmel heimtragen« lassen? Die Erklärung ist, dass der Verlierer eben kein Schwein als Preis heimtrug, sondern vielmehr mit lee­ren Händen heimging. Tat­sächlich hat die zitierte Redensart von der »Sau im Ärmel« ge­nau die gegensätzliche Be­deu­tung, wie u.a ebenfalls in Brants Narrenschiff an an­de­rer Stelle nach­zu­lesen ist, sowie bei Wander, Dt. Sprichwörter-Lexikon:

    Die Sau schreit im Aermel. – Brant, Nsch., 75.
    Er wird Schimpf und Schaden davon haben. Von denen, die nach etwas streben, das zu erreichen sie nicht fähig sind. »Das einer denn ist so ein geck vnd weiss, das er nichts gwinnet gar vnd dennoch dahin ziehen dar [..] Die suw wirt jm in ermel schreien
    .
    Eine Sau davon tragen/gewinnen. – Murner, Vom luth. Narren; Lehmann, 697, 3.
    Eine arge Niederlage erleiden, eine Schlappe erhalten, Schaden davontragen. »Wir sol­tens haben bass besunnen, wir han ein grobe suw gewunnen.« – »Ir habt nit vil der eer erjagen, als ir die suw habt dannen tragen

»Eine Sau gewinnen, die Sau davontragen« bedeutete zur damaligen Zeit somit das exakte Ge­gen­teil zu »Schwein haben«. Nachweislich war es im späten Mittelalter bei Schieß­festen in­dessen Sitte, dass der schlechteste Schütze mitnichten ein (wertvolles) Schwein, son­dern zum Spott einen (nutzlosen) Ziegenbock als Preis erhielt, und daher kommt die Re­de­wen­dung »Einen Bock schießen« = danebenhauen, das Ziel ver­feh­len, das Nachsehen haben. In der Wiki­pedia/»FOCUS Online schreibt ab«-Herleitungstheorie vom (Augsburger) Schieß­fest wer­­den also Bock und Schwein aus zwei völlig unterschiedlichen Redewendungen mit­ein­an­der ver­tauscht.
──────────────────────.
*) DUDEN Herkunftswörterbuch et al. spekulieren zwar ebenfalls (indem augen­schein­lich ei­ner vom andern unreflektiert abschreibt):

    »Die Wendung ‘Schwein haben’ „Glück haben“ (im 19. Jhdt. studentensprachlich) geht wohl auf den alten Schützenbrauch zurück, dem schlechtesten Schützen eine Sau als Trostpreis zu geben.«

Wesentlich naheliegender hingegen stammt die Redewendung »Schwein gehabt« vom Kar­ten­spiel her: seit dem Mittelalter wurde das Ass »Sau« (Eichelsau, Schellensau etc.) ge­nannt, und wer die höchste Karte, also die Sau hatte, hatte Glück und gewann das Spiel. Daher der Stu­den­tenausdruck »Sau oder Schwein haben«. [nach: Meyers Gr. Konversations-Lexikon; et al.]
──────────────────────.
(Update: der monierte Wikipedia-Eintrag wurde mittlerweile ge­än­dert, offensichtlich hat Kol­le­ge Kuli hieramts mitgelesen ;)

Hippothetisches

In Spanien gibts angeblich eine weithin gebräuchliche Redensart: »Das Leben ist kein Pferde­rennen.« – und angeblich weiß dort keiner, der sie gebraucht, zu erklären was damit gemeint sein soll. Das mag einem freilich spanisch vorkommen. Eine hieramts kol­por­tier­te Lebensweisheit wiederum besagt:

    Aus einem Leberkäs kann man kein Rennpferd machen.
    Umgekehrt schon.

Kollegin Quer zitiert eine Gedichtstrophe von Joseph von Eichendorff (1788-1857):

    »Ein wildes Ross ist’s Leben,
    Die Hufe Funken geben,
    Wer’s ehrlich wagt, bezwingt es,
    Und wo es tritt, da klingt es!«

Herrn von Eichendorffs Postulat wollen wir allerdings nicht unwidersprochen lassen, wie im fol­gen­den dargelegt:

    Wer meint, das Leben galoppiert
    stets wie ein wildes Ross, der irrt.
    Oft ist das Leben aber längst
    kein feuriger Araberhengst,
    sondern schleppt mühsam hin sich wie
    ein lahmer Gaul ohne Esprit:
    die Sporen gibt dem Ross des Lebens
    in diesem Fall man bloß vergebens.
    Zur Bestform schafft manch Klepper es
    post mortem erst: als Leberkäs.

Schwurbelschwatz der Woche

»Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher.«
(Voltaire)

.
Dass die SPÖ die Bezirksvertretungswahl in Wien Leopoldstadt gegen die Grünen ver­lo­ren hat, kam unerwartet. Bezirksvorsteher Karlheinz Hora (SPÖ) weiß die Wahl­nie­der­lage seiner Partei indessen zu erklären:

    »Die Grünen haben mit ihrem Spruch, dass es bei dieser Wahl um den zweiten Platz geht, die bessere Mobilisierungskraft gehabt. Dabei habe ich immer ge­warnt, dass es auch um Platz eins geht.«

10. September

Heute vor zehn Jahren war es, am 10. September 2006, als Papst Benedikt XVI. beim Frei­luft­gottesdienst auf dem Gelände der Neuen Messe München vor 250.000 Zuhörern die denk­wür­dige Diagnose erstellte:

    »Es herrscht zu viel Vernunft in der Welt.«

Und die Menschheit dazu aufrief, sich in ihrem Handeln weniger von Vernunft, dafür stärker von religiösen Werten leiten zu lassen.
Wie sich erweist, haben sich offenbar viele Leute in der weiten Welt seinen Aufruf zu Herzen genommen und ihre Vernunft an die Garderobe gehängt, um ihm artig Folge zu leisten. Das wird den frommen Mann bestimmt sehr freuen.
.
───────────────────
»Die religiöse Manie gilt als die vorherrschende Form von Geisteskrankheit.«
bemerkte Henry Coswell, im Jahr 1839. Daran hat sich seither nix geändert.

31. März

Heute vor 144 Jahren wurde die russische Schriftstellerin Alexandra M. Kollontai (1872-1952) geboren.
Auf einem literarischen Abend langweilte ein aufstrebender junger Dichter die Gesellschaft mit seinen hochtrabenden Ambitionen: »Mit meinem Schaffen,« so tat er dramatisch kund, »möchte ich etwas Großes, Reines vollbringen!« – Alexandra Kollontai riet ihm da­rauf­hin: »Waschen Sie einen Elefanten.«

29. Jänner

Heute vor 136 Jahren kam der große Zyniker und Misanthrop W.C. Fields (1880-1946) zur Welt, er sagte das garstige Bonmot:

    »Wer Hunde und Kinder nicht ausstehen kann,
     kann kein grundsätzlich schlechter Mensch sein.«

Mein geschätzter Kollege Mario Bernold, grundsätzlich kein schlechter Mensch, doch eben­falls Zyniker, konstatiert zu diesem Thema:

    »Mit Hunden und Kindern ist es wie mit Fürzen:
     lieben kann man nur die eigenen.«

Schwurbelschwatz der Woche

»Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.« (Helmut Schmidt)

» Audi hat den Trend zum geistigen, kulturellen und spirituellen Mehrwert der Marke er­kannt – dies zeigt sich z.B. auch in der Kooperation mit den Weimarer Visionen im For­mat Audi Inspiration: [..] Die Kooperation mit den Weimarer Visionen ermöglichte es Audi, das Inspi­ra­tions-, Gedanken- und Visionsfeld mit zu besetzen, in dem Neues entsteht.«

(aufgelesen von Kollege aargks)

28. April

Heute vor 141 Jahren wurde der virtuose österreichische Wort- & Schriftsteller Karl Kraus (1874-1936) geboren.

    »Der Schwachsinn, der früher nie daran gedacht hätte, aus seinem Privatleben her­vor­zutreten, hat eine Gelegenheit für die Unsterblichkeit entdeckt.«

monierte er in der Fackel, um 1908 – ein ganzes Jahrhundert vor (!) Web 2.0.

14. März

Heute vor 71 Jahren, am 14. März 1944, fand am New Yorker Broadway die englisch­sprachige Uraufführung von Franz Werfels Drama Jacobowsky und der Oberst statt, welches der öster­reichische Bestsellerautor in der Emigration verfasst hatte. Nach der Premiere wurde er von sei­nem Landsmann Billy Wilder gefragt, wie das Stück denn beim Publikum angekommen sei?, und Werfel gab zur Antwort:
»Alea iacta est.«
Wilder fragte, was zum Kuckuck das bedeuten solle, und Werfel erklärte:
»Der Werfel hat gefallen.«

Aperçu

Zufällig fiel mir letzte Woche der Satz ein: »Wer auf dem Mond lebt, sieht die Erde nie unter­gehen«. Leider ergab sich bisher noch keine Gelegenheit, ihn an passender Stelle zwang­los in ein Gespräch einzustreuen.

10. September

Heute vor 75 oder 80 Jahren wurde Maître Karl Lagerfeld geboren, er sagte den un­er­hört ge­scheiten Satz:

    »Früher war’s einfacher, da gab’s noch nicht so viel Vergangenheit.«

Da hat er gewiss recht.
(Gleichzeitig war’s früher aber auch schwieriger, da gab’s noch mehr Zukunft.)

Schwurbelschwatz der Woche

»Worte, Worte, nichts als Worte.« (W. Shakespeare)

    Projektleiterin: »Beim Wiener Lesetest 2013 ist es so, dass die Buben in den unteren Kom­pe­tenz­stufen mehr vertreten sind und die Mädchen in den oberen Kompetenz­stufen stärker ver­treten sind.«
    ORF-Reporter: »Was heißt das übersetzt?«
    Projektleiterin: »Das heißt, dass die Mädchen in der dritten Stufe mehr sind, also dass sie einfach besser sind als die Buben.«

Angriff aufs Schärfste

»Australien verurteilt diesen sinnlosen Angriff aufs Schärfste.«
(Premierministerin Julia Gillard)
»Ich wünsche allen Verletzten rasche Genesung.«
(UN-Generalsekretär Ban Ki-moon)
»Wir wünschen den vielen Verletzten baldige Genesung.«
(Außenminister Guido Westerwelle)

.
Vielen Verletzten wurden Beine oder Arme abgerissen – was denken sich diese Kondo­lenz-Laberanten, wenn sie vor laufender Kamera solches sinnlose Gefloskel vom Blatt runterleiern. Und was denken sich die Leute, die es ihnen so aufs Blatt geschrieben haben. Am liebsten möchte man es denen zusammengeknüllt in den Hintern stopfen.