Redensartiges

Kategorisches: Über moralische Normen

»Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber moralisch kenn ich mich aus.«
(n. Otto Grünmandl*)

– dozieren Alice Schwarzer und weitere 27 Exeget*innen normativer moralischer Verbind­lichkeit in einem “Offenen Brief“ an Kanzler Scholz, in welchem sie ihn »davor warnen«, durch Waffenlieferungen an die Ukraine »Grenzlinien in den Geboten der politischen Ethik zu übertreten«.
»Moralisch verbindliche Normen sind universaler Natur.« – Was für unsinnige kategorische Behauptung. Welche moralischen Normen gel­ten denn univer­sell, und wer definiert denn überhaupt, welche Normen das wären und wel­che nicht: Frau Schwarzer & ihre 27 Gleichge­sinnten etwa? Oder wer?
In unterschiedlichen Weltgegenden, Kulturen, Gesellschaftsordnungen gelten bekanntlich oft unterschiedli­che moralisch verbindliche Normen: mitunter auch solche, die weder einer Frau Schwarzer noch der Mehrheit in unserem Kulturkreis gefallen mögen – und grad des­wegen eben NICHT uni­ver­saler Natur sind.

Alternativperspektivisches, ..

.. oder: “Konfliktmanagement & Deeskalationsberatung mit Frau Mag. Duzdar“

Muna Duzdar, ehemalige SPÖ-Staatssekretärin, erklärt im Puls24-Talk wie sich die Ukraine im Krieg gegen Russland unterstützen ließe – und zwar müsse man:

» [..] versuchen, jenseits einer Militärlogik auch andere Perspektiven zu entwickeln und Gesprächskanäle offen zu halten.«

Andere Perspektiven entwickeln. – Zur Unterstützung der Ukraine brauche es nämlich, wie Frau Duzdar erklärt:

»Moralische Unterstützung [..], aber keine militärische Unterstützung weil der militäri­sche Konflikt damit eskalieren würde.«

Konfliktunterstützung, moralische. Damit der “Konflikt“ in der Ukraine nicht “eskaliert“, der militärische.

(Manchmal möchte man vor dem Fernseher am liebsten laut schreien, wenn man solche Re­­dens­ar­ten zu hören kriegt.)

31. März

Heute vor 150 Jahren kam die russische Schriftstellerin Alexandra M. Kollontai (1872-1952) zur Welt.
Während eines literarischen Abends langweilte ein aufstrebender junger Dichter die Gesellschaft mit seinen hochtrabenden Ambitionen: »Mit meinem Schaffen,« so tat er dramatisch kund, »möchte ich etwas Großes, Reines vollbringen!« – Alexandra Kollontai riet ihm da­rauf­hin: »Waschen Sie einen Elefanten.«

Ein völlig verzerrtes Bild …

»Russlands spezielle Militäroperation in der Ukraine ist nicht gegen die Zivilbevölke­rung gerichtet. Sie verfolgt nicht das Ziel, das Territorium des Landes zu erobern, seine Staat­lichkeit zu zerstören oder den derzeitigen Präsidenten zu stürzen. Das sagen wir immer wieder. Die westlichen Medien zeichnen ein völlig verzerrtes Bild der aktuellen Ereig­nisse. Sie desinformieren ihre eigene Bevölkerung. Sie sind ein Propagandawerk­zeug in den Händen ihrer Politiker«, erklärte die Sprecherin des russischen Außenminis­teriums, Maria Sacharowa, am Donnerstag.  (TASS)

Bei den aktuellen Ereignissen gehts bloß um Entnazifizierung. Unverzerrt.

Eventuelles

Russland bombardiert die Ukraine.
Olaf Scholz evaluiert derweil eventuelle Sanktionen gegen Russland:

»Es ist nötig, bestimmte Strafmaßnahmen für den Fall zurückzuhalten, dass die Lage noch weiter eskaliert.«

Für den Fall. Dass die Lage noch weiter eskaliert, eventuell. Derweil Russland die Ukraine bombardiert.

»Man muss sich alles andere aufbehalten für eine Situation, wo das notwendig ist, auch noch andere Dinge zu tun.«

Andere Dinge. Was für eine Situation er meint, sagt Scholz nicht. “Die Lage“ mit der Bom­bar­dierung der Ukraine meint er wohl nicht, die müsste zuvor ja erst noch eventuell eskalieren, bevor die zu “einer Situation“ wird.

»Natürlich ist klar, dass wir jetzt in dieser Zeit über die schwierige Situation zu sprechen haben.«

Natürlich, ist klar. Eine Aussage, so bedeutungsschwer wie ein Furz im Kukuruz.

Soziozentrisches *)

»61,5 Millionen Geimpfte werden von tausend Demonstranten als Spalter bezeichnet.
Genau mein Humor.«  (Matthias Eberling)

Wenn rund 6.000 Menschen samt einem Kickl in Innsbruck das Volk sind, was sind dann ei­gentlich die 8,9 Millionen anderen, die grad woanders waren?
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*) (»Namentlich ein gewisser unterer Mittelstand des Geistes und der Seele ist dem Über­he­bungs­bedürfnis gegenüber völlig schamlos, sobald er im Schutz der Partei, Nation oder Sekte [..] auftritt und Wir statt Ich sagen darf.« – Robert Musil)

Kanzler Kurz verspricht:

Dass ein Kanzler Kurz unentwegt großspurig das Blaue vom Himmel zu versprechen pflegt, ist man sattsam gewöhnt. Über ei­nen aktuellen Mordfall sagt der grad:

Äh, wie bitte? Wen meint der mit »wir«? Bisher dachte man, dass Täter von der Justiz in ei­nem Gerichtsverfahren be­straft werden – wie will er denn sein Versprechen einhalten, »alles zu tun« um auf das Straf­maß Einfluss zu nehmen: will er das Gericht bei der Strafbemessung etwa seiner Bot­­mä­­ß­ig­­keit unterwerfen? Echt jetzt?

(Freilich braucht man, wie sattsam gewöhnt, einem Kanzler Kurz nicht alles glauben was der verspricht.)

Feststellung der Woche

»Es gibt nichts Schöneres als einem Fetznschedl beim Pappenhalten zuzuhören.«
(H. Qualtinger)

*)
(Hans Rauscher, im Standard)
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*) (“Pappn“ [eigentl.: “Pappm“] = österr. für “Maulwerk“)

Kindermund-Content: Enchanté!

Kollege Jules van der Ley schreibt hier über Grußformeln, da fällt mir die Episo­de aus der Kinderzeit ein:

Als Kinder grüßten meine Brüder und ich eine Zeitlang ständig mit “enchanté!“, die Mutter sah es als kindliche Marotte an, die wir irgendwo aufgeschnappt hatten.
Tatsächlich hielten wir es aber wirklich für einen Gruß: sie war mal aus gewesen und rief beim heimkommen angesichts der Unordnung, die wir unterdessen im Kinderzimmer ange­richtet hatten, “Wie’s da wieder ausschaut, he!“, was wir Kinder als Begrüßung interpretier­ten und phonetisch übernahmen – “auschauthe!“.
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Kindermund-Content:  ▶️ ▶️ ▶️

Diversitäres

    »Männer müssen vielfältig sein dürfen«
(Thomas Altgeld, Vorstandschef des Bundesforums Männer –
Interessenverband für Jungen, Männer und Väter e.V.)

Höchste Zeit, dass das mal so klar gesagt wurde: Dass Männer vielfältig sein dürfen müssen.
(Müssen Männer umgekehrt nimmer einfältig sein dür­fen? Oder sollen sie ein- oder mehrfältig sein dürfen, aber nicht müssen? – Höchste Zeit, mal da­rüber nach­zudenken. ..)

Fachlateinisches: zum Thema Corona-Krise

(KURIER)

Was das konkret zu bedeuten hat, versteh ich ehrlichgesagt nicht genau. Soll heißen: Regeln, die wer anderer aufgestellt hat, gefallen nicht jedem? Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen brauchts kein Psychologiestudium, würde ich meinen.
Die zweite Aussage kapier ich gar nicht – ist jemand im p.t. Publikum schlauer und möchte mir Aufklärung verschaffen?

Politiker-Dummschwatz: Angriff auf das Allerschärfste

Herr Bundeskanzler Kurz kommentierte einen antisemitischen Angriff mit der sinn­be­frei­ten Dumm­­schwatz-Parole:

*

Eine hohle Floskel, so bedeutungsschwer wie ein Furz im Kukuruz. Wozu will er den Angriff denn verurteilen, zu einem Bußgeld etwa oder zu einer Haftstrafe?
Was soll ein antisemitischer Angriff auf das Allerschärfste überhaupt sein, von wem wird das Aller­schärfste denn angegriffen? Ist das Aller­schärfste noch schärfer als das Schärfste, wel­ches eben­falls ein stän­diges An­griffsziel ist?
Sinnleerer Politiker-Dummschwatz, nix als heiße Luft.

Große Worte

»Das Öffnen der Schulen ist ein tiefes Anliegen, gerade auch aus diesen Gründen heraus, dass es nicht zu einem Humankapitalverlust großen Ausmaßes kommt.«
(Bildungsminister Heinz Faßmann, im Ö1-Morgenjournal*)


“Humankapitalverlust“ hört sich freilich eleganter an als “Volksverdummung“.

29. Jänner

Heute vor 140 Jahren kam der große Zyniker und Misanthrop W. C. Fields (1880-1946) zur Welt, er sagte das garstige Bonmot:

    »Wer Hunde und Kinder nicht ausstehen kann,
     kann kein grundsätzlich schlechter Mensch sein.«

Kollege Mario Bernold, grundsätzlich kein schlechter Mensch, doch eben­falls Zyniker, konstatiert zu diesem Thema:

    »Mit Hunden und Kindern ist es wie mit Fürzen:
    mögen kann man nur die eigenen.«

9. Dezember

Heute vor 118 Jahren kam Ödön von Horváth (1901-1938) zur Welt, seinen “Geschichten aus dem Wiener Wald“ stellte er als Motto den erhabenen Satz voran:

    »Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit.«

28. August

Heute vor 270 Jahren kam Johann Wolfgang Goethe zur Welt, ohne »von«. Das kriegte er erst später. Herrn von Goethes literarisches Werk ist sehr bekannt, am be­kann­te­sten ist das Götz-Zitat.

Goethe, der sexistische alte Sack: weniger bekannt ist Goethe als Verfasser “humoristischer Vergewaltigungslyrik“ – höchste Zeit, dass das endlich mal bekannt gemacht wird.