Redensartiges

Kanzler Kurz verspricht:

Dass ein Kanzler Kurz unentwegt großspurig das Blaue vom Himmel zu versprechen pflegt, ist man sattsam gewöhnt. Über ei­nen aktuellen Mordfall sagt der grad:

Äh, wie bitte? Bisher dachte man, dass Täter von der Justiz in einem Gerichtsverfahren be­straft werden – wie will er denn sein Versprechen einhalten, »alles zu tun« um auf das Straf­maß Einfluss zu nehmen: will er das Gericht bei der Strafbemessung etwa seiner Bot­­mä­­ß­ig­­keit unterwerfen? Echt jetzt?

(Freilich braucht man, wie sattsam gewöhnt, einem Kanzler Kurz nicht alles glauben was der verspricht.)

Feststellung der Woche

»Es gibt nichts Schöneres als einem Fetznschedl beim Pappenhalten zuzuhören.«
(H. Qualtinger)

*)
(Hans Rauscher, im Standard)
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*) (“Pappn“ [eigentl.: “Pappm“] = österr. für “Maulwerk“)

Kindermund-Content: Enchanté!

Kollege Jules van der Ley schreibt hier über Grußformeln, da fällt mir die Episo­de aus der Kinderzeit ein:

Als Kinder grüßten meine Brüder und ich eine Zeitlang ständig mit “enchanté!“, die Mutter sah es als kindliche Marotte an, die wir irgendwo aufgeschnappt hatten.
Tatsächlich hielten wir es aber wirklich für einen Gruß: sie war mal aus gewesen und rief beim heimkommen angesichts der Unordnung, die wir unterdessen im Kinderzimmer ange­richtet hatten, “Wie’s da wieder ausschaut, he!“, was wir Kinder als Begrüßung interpretier­ten und phonetisch übernahmen – “auschauthe!“.
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Kindermund-Content:  ▶️ ▶️ ▶️

Diversitäres

    »Männer müssen vielfältig sein dürfen«
(Thomas Altgeld, Vorstandschef des Bundesforums Männer –
Interessenverband für Jungen, Männer und Väter e.V.)

Höchste Zeit, dass das mal so klar gesagt wurde: Dass Männer vielfältig sein dürfen müssen.
(Müssen Männer umgekehrt nimmer einfältig sein dür­fen? Oder sollen sie ein- oder mehrfältig sein dürfen, aber nicht müssen? – Höchste Zeit, mal da­rüber nach­zudenken. ..)

Fachlateinisches: zum Thema Corona-Krise

(KURIER)

Was das konkret zu bedeuten hat, versteh ich ehrlichgesagt nicht genau. Soll heißen: Regeln, die wer anderer aufgestellt hat, gefallen nicht jedem? Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen brauchts kein Psychologiestudium, würde ich meinen.
Die zweite Aussage kapier ich gar nicht – ist jemand im p.t. Publikum schlauer und möchte mir Aufklärung verschaffen?

Politiker-Dummschwatz: Angriff auf das Allerschärfste

Herr Bundeskanzler Kurz kommentierte einen antisemitischen Angriff mit der sinn­be­frei­ten Dumm­­schwatz-Parole:

*

Eine hohle Floskel, so bedeutungsschwer wie ein Furz im Kukuruz. Wozu will er den Angriff denn verurteilen, zu einem Bußgeld etwa oder zu einer Haftstrafe?
Was soll ein antisemitischer Angriff auf das Allerschärfste überhaupt sein, von wem wird das Aller­schärfste denn angegriffen? Ist das Aller­schärfste noch schärfer als das Schärfste, wel­ches eben­falls ein stän­diges An­griffsziel ist?
Sinnleerer Politiker-Dummschwatz, nix als heiße Luft.

Große Worte

»Das Öffnen der Schulen ist ein tiefes Anliegen, gerade auch aus diesen Gründen heraus, dass es nicht zu einem Humankapitalverlust großen Ausmaßes kommt.«
(Bildungsminister Heinz Faßmann, im Ö1-Morgenjournal*)


“Humankapitalverlust“ hört sich freilich eleganter an als “Volksverdummung“.

29. Jänner

Heute vor 140 Jahren kam der große Zyniker und Misanthrop W. C. Fields (1880-1946) zur Welt, er sagte das garstige Bonmot:

    »Wer Hunde und Kinder nicht ausstehen kann,
     kann kein grundsätzlich schlechter Mensch sein.«

Kollege Mario Bernold, grundsätzlich kein schlechter Mensch, doch eben­falls Zyniker, konstatiert zu diesem Thema:

    »Mit Hunden und Kindern ist es wie mit Fürzen:
    mögen kann man nur die eigenen.«

9. Dezember

Heute vor 118 Jahren kam Ödön von Horváth (1901-1938) zur Welt, seinen “Geschichten aus dem Wiener Wald“ stellte er als Motto den erhabenen Satz voran:

    »Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit.«

28. August

Heute vor 270 Jahren kam Johann Wolfgang Goethe zur Welt, ohne »von«. Das kriegte er erst später. Herrn von Goethes literarisches Werk ist sehr bekannt, am be­kann­te­sten ist das Götz-Zitat.

Goethe, der sexistische alte Sack: weniger bekannt ist Goethe als Verfasser “humoristischer Vergewaltigungslyrik“ – höchste Zeit, dass das endlich mal bekannt gemacht wird.

4. Mai

Heute vor 95 Jahren erblickte Otto Grünmandl (1924-2000) das Licht Tirols, der alpen­län­dische Großmeister des hintersinnigen Blödsinns:

    »Höret, was Erfahrung spricht: Hier ist’s so wie anderswo.
     Nichts Genaues weiß man nicht, dieses aber ebenso.«


Grünmandl & Theo Peer im »Alpenländischen Interview«.

28. April

Heute vor 145 Jahren wurde der brillante österreichische Wort- & Schriftsteller Karl Kraus (1874-1936) geboren.

    »Der Schwachsinn, der früher nie daran gedacht hätte, aus seinem Privatleben
     hervorzutreten, hat eine Gelegenheit für die Unsterblichkeit entdeckt.«


.. monierte er in der “Fackel“, um 1908 – ein ganzes Jahrhundert vor (!) Web 2.0.

22. April – Kantegorisches

»Wer ko, der ko; wer ned, is bled dro.« (Lisa Fitz)

Heute vor 295 Jahren kam Immanuel Kant in Königsberg zur Welt, wo er zeitlebens an derselben Adresse wohnte. Wie Kollege krassNICK schüttelreimt:

    »In Königsberg wohnte Herr Kant
    im Erdgeschoß gleich linkerhand.«
    »Man kann, weil man will, was man muss. « –


– soll Kant angeblich postuliert haben, eine Lebensmaxime von geradezu ergreifender Unsinnigkeit. Tatsächlich stammt diese unsinnige Kalenderspruch-Weisheit freilich nicht von Kant, sondern wird ihm fälschlich untergeschoben. Zutrifft vielmehr:

    »Man muss, was man muss, ob man will oder nicht.«

31. März

Heute vor 147 Jahren kam die russische Schriftstellerin Alexandra M. Kollontai (1872-1952) zur Welt.
Während eines literarischen Abends langweilte ein aufstrebender junger Dichter die Gesellschaft mit seinen hochtrabenden Ambitionen: »Mit meinem Schaffen,« so tat er dramatisch kund, »möchte ich etwas Großes, Reines vollbringen!« – Alexandra Kollontai riet ihm da­rauf­hin: »Waschen Sie einen Elefanten.«

18. März

Heute vor 78 Jahren wurde der österreichische Dramatiker Wolfgang Bauer (†2005) ge­bo­ren. Er sagte:

    »Ein Schriftsteller, dem nichts einfällt worüber er schreiben könnte, kann immer noch über einen Schriftsteller schreiben, dem nichts einfällt worüber er schreiben könnte.«

14. März

Heute vor 75 Jahren, am 14. März 1944, fand am New Yorker Broadway die englisch­sprachige Uraufführung von Franz Werfels Drama “Jacobowsky und der Oberst“ statt, welches der öster­reichische Bestsellerautor in der Emigration verfasst hatte. Nach der Premiere wurde er von sei­nem Landsmann Billy Wilder gefragt, wie das Stück denn beim Publikum angekommen sei?, und Werfel gab zur Antwort:
»Alea iacta est.«
Wilder fragte, was zum Kuckuck das bedeuten solle, und Werfel erklärte:
»Der Werfel hat gefallen.«

28. Oktober

Heute vor 125 Jahren kam der Wiener Kabarettist Karl Farkas (1893–1971) zur Welt. Farkas hatte eine riesige Nase. Solch ein riesen Pfrnak im Gesicht sei äußerst praktisch, erklärte er, »weil man auch unter der Dusche rauchen kann.«

Von Karl Farkas (nicht Karl Kraus, wie meist irrtümlich zugeschrieben) stammt unter anderm auch das Bonmot: »Österreicher und Deutsche unterscheiden sich durch ihre gemeinsame Sprache.«

Mit seinem kongenialen Doppelconférence-Partner Ernst Waldbrunn (1907–1977) als “Der G’scheite und der Blöde“:

    Farkas: »Vorm Schlafengehen trink ich keinen Kaffee.
    Wenn ich einen Kaffee trink, kann ich nicht schlafen.«
    Waldbrunn: »Bei mir ist das umgekehrt: wenn ich schlaf’,
    kann ich keinen Kaffee trinken.«

4. Oktober

Heute vor 125 Jahren erblickte Luis “Der Berg ruft!“ Trenker (1892-1990) das Licht des Gröd­nertales, der unverwitterliche Tausendsassa & Alpin-Hallodri.

Derweil die Herkunft der Redensart »Hier siehts ja aus wie bei Hempels unterm Sofa« als schlüssig geklärt gilt, harrt die Etymologie der gleichbedeutenden Redensart »Da schauts ja aus wie bei Luis Trenker im Rucksack« bislang einer Erklärung.