29. November

Heute vor 127 Jahren erblickte der seinerzeitige österreichische Bundeskanzler (1953-1961) Julius Raab das Licht St. Pöltens. Raabs Volkstümlichkeit und Bodenständigkeit war legendär: täglich zur Mittagszeit sah man ihn zum Greißler ums Eck spazieren, um eine Knackwurst zu erwerben, welche er anschließend an seinem Schreibtisch im Kanzleramt zu verzehren pflegte. (Eine sogenannte »Beamtenforelle«. Heißt so, weil sie dem traditionell miserabel besoldeten österr. Beamten als ver­gleichsweise preiswerter Ersatz für den teuren Fisch diente, welchen er sich von seinem kargen Salär selten leisten konnte. Unlautere Fleischer pflegten das Brät zur Herstellung ihrer Knackwürste über Gebühr mit billigem Getreidemehl zu strecken.) Als Erz-Schwarzer – die ÖVP stand in enger Allianz mit der katholischen Kirche, von Säkularität war dazumals noch keine Rede – darauf angesprochen, ob es nicht unstatthaft sei auch frei­tags am kirchlichen Fasttag eine Wurst zu essen, rechtfertigte sich Raab:

    »Knackwurst gilt nicht als Wurst, die gilt als Mehlspeis’.«

───────────────────────────
Historisches Fotodokument: Julius Raab verzehrt eine Knackwurst.

Luftnummer (III)

Von fliegenden Autos sowie Motorrädern liest man zuweilen mit Staunen. Die Online-Aus­ga­be von Österreichs meistgelesener Verschenk-Volksinformationspostille weiß gar von einem springenden Wagen zu berichten:

.
Weil dem staunenden Leser die Vorstellung eines über eine Autobahnunterführung springenden Wagens wo­mög­lich schwerfallen mag, verhilft der diensthabende Markierungspfeil-Be­auf­trag­te dem Leser-Vor­stel­lungs­ver­mö­­gen vermittels eines im Teaser applizierten roten Markierungspfeils (Abb. rechts) auf die Sprünge – siehe Vergrößerung:

24. November

Heute vor 159 Jahren veröffentlichte Charles Darwin (1809-1882) die Erstausgabe seines um­wälzenden Hauptwerks “Über die Entstehung der Arten“, worin er seine Evo­lu­tions­theorie dar­legte.
Darwins Evolutionslehre wird nicht von jedermann anerkannt, die Kreationisten lehnen sie rundweg ab. (Allerdings: wenn Gott die Menschen tatsächlich nach seinem Eben­bild er­schaf­fen hätte [1. Mose 1,27] – welcher Umkehrschluss folgert dann daraus: dass man sich Gott als Ebenbild der Menschen vorzustellen habe? Etwa so wie z.B. diese Typen in der Barbara Karlich Show?)
Der reimende Kollege krassNick hegt ebenfalls Einwände gegen Herrn Darwins Theorie, und fasst diese in einen gefälligen Fünfzeiler:

    Dass Mensch und Schimpanse Verwandte wären,
    gehört zu Herrn Darwins bekannten Lehren.
    Der Mops aber, dass ausgerechnet der
    mit dem Wolf verwandt wär’: das kann der Herr
    Darwin seiner Urstrumpftante erklären.
    ──────────────
    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig.

Symbolbild-Revue: Sittenstrolche, Perverse, Kinderschänder ..

Perversitäten gibts bekanntlich in verschiedenen Ausprägungen. Allen Leser|innen, die womöglich keine genaue Vorstellung darüber haben, wo grob unanständiges Benehmen beginnt oder wo sexuelle »Belästigung« aufhört, verschafft der diensthabende Symbolbildbeauftragte Aufklärung:

von links nach rechts (klick für Detail):

  • Symbolbild »Sittenstrolch in Rheinbahn«
  • Symbolbild »Perverser auf einer Rolltreppe«
  • Symbolbild »Drei Perverse«
  • Symbolbild »Asylwerber onaniert im Schwimmbad«
  • Symbolbild »Grob unanständiges Benehmen«


  • Symbolbild »Sexuelle Belästigung«
  • Symbolbild »Unheimlicher Sex-Täter«
  • Symbolbild »68-jährige Rentnerin«
  • »Perverser greift an« (Gruß vom Bildmontage-Bastelbeauftragten)
  • »Vater packt aus« (Gruß vom Bilddetail-Einkringelungsbeauftragten)

Wer in der Schule kein Griechisch gelernt hat und darum mit dem Begriff Pädophilie vielleicht nichts anzufangen weiß, wird vom Symbolbildbeauftragten aufgeklärt:


  • »Pädophiler Jugendlicher«
  • »Pädophiler Fußballtrainer«
  • Symbolbild »Der Mann sitzt in U-Haft«
  • »Härtere Strafen: Kinderschänder ab in die Kabinen«
  • »Verfahren gegen Pater nach Exorzismus mit Plüschtieren«

19. November

Heute ist übrigens schon wieder Welttoilettentag.
(Nicht zu verwechseln mit dem Tag des Toilettenpapiers, oder dem Tag des deutschen Tankstellenklos.)
Wofür soll der eigentlich gut sein? Schau mer mal:

» Der Welttoilettentag soll die Verantwortlichen in Politik
.und Wirtschaft wachrütteln.«

Wachrütteln. Die Verantwortlichen. Ah, so ist das.

(Haben Sie schon gewusst, dass Papst Julius I. als Schutzpatron der Latrinenreiniger gilt, oder was eine Geräuschprinzessin ist? Man lernt nie aus.)
(Wie eine »Russische Toilette« ausschaut, erfahren wir bei Kollege Herold.) Bloggen bildet.

18. November – Kategorisches

Heute vor 112 Jahren wurde der Wiener Theater- und Fernsehschauspieler Guido Wieland (1906-1993) geboren.

Meine Oma selig weigerte sich zeitlebens, so neumodernes Zeugs wie einen Fernseher beim Namen zu nennen. Radio hören hieß für sie Radio hören, und fernsehen hieß Radio schauen.

Kollege Trithemius berichtet hier über seine Frau Großmutter und deren Radio, und dass die Menschen im Werbefernsehen stets attraktiver erscheinen als in der Wirklichkeit.

Meiner Oma aber bereitete das Fernsehen eine überaus enttäuschende Erfahrung. Sie war eine glühende Verehrerin von Guido Wieland gewesen, dessen schöne klangvolle Stimme sie lediglich aus ihrem Radio kannte und die ihr so gut gefiel, dass sie sich den dazugehörigen Sprecher als den denkbar attraktivsten Mann vorstellte: wer so wunderschön sprach, der musste in ihrer Vorstellung auch ein wunderschöner Mann sein.
Als sie ihn aber dann zum erstenmal im Fernsehen sah (in einer Werbesendung für Tief­kühl­spi­nat, noch dazu), da war Guido Wieland ein relativ kleiner älterer Herr mit Brille und wenig Haaren, und meine Oma von seinem Aussehen maßlos enttäuscht – und somit das Idealbild, welches sie sich in ihrer Phantasie bis dahin von ihm ausgemalt hatte, ein für allemal ruiniert. Die Schuld für ihre bittere Enttäuschung schrieb sie dem Fernsehen zu, und fällte ihr kate­go­risches Urteil:

    »Es Radioschaun hod ka Guat’s ned.«
    (»Das Fernsehen hat nichts Gutes.«)

17. November

Gordon Lightfoot feiert heute seinen 80. Geburtstag, na sowas. In den Neun­zehn­hun­dert­acht­ziger-Jahren war er auf dem besten Weg, sich ins Nirvana zu saufen, hab gar nicht gewusst dass der noch am Leben ist. Alkohol konserviert anscheinend tatsächlich. (Lightfoot ist übrigens kein Künstlername, der heißt wirklich so.)

.. war sein bekanntester Hit, Anfang Siebziger. Hört man zuweilen noch, als Instru­men­tal­version degradiert zu Kaufhaus-Hin­ter­grund­musik oder auf  Tankstellen-Klos.

Was für eine Schnulze – fast peinlich zugeben zu müssen, dass man als junger Spund mal sämtliche Gordon Lightfoot-Platten im Regal hatte. Hab mir seinerzeit sogar extra einen Gold­fisch zugelegt um ihn »If You Could Read My Mind« zu nennen: weil ich fand der Song­titel wär ein so origineller Name für einen Goldfisch, dass es unbedingt einen geben müsse der so heißt.

13. November – Aviatisches

Heute vor 111 Jahren, am 13. November 1907, hob Monsieur Paul Cornu mit seinem »flie­gen­den Fahrrad«, angetrieben von einem V8-Zylindermotor, zum ersten bemann­ten Hub­schrau­ber­flug der Luftfahrtgeschichte ab. Der Erstflug erreichte eine Höhe von 30 Zentimeter, die Flug­dauer betrug 20 Sekunden. Leider erwies sich sein Hubschrauber als nicht steuerbar, wo­raufhin Mon­sieur Cornu die Flugversuche bald wieder einstellte.

12. November – Ornithologisches

Heute vor 122 Jahren wurde der berühmte Ornithologe Dr. Sálim Ali (1896-1987) geboren, der »Vogelmann von Indien«. Er suchte nach einem ganz bestimmten Vogel:
Der Godavari-Rennvogel [Hemerodromus bitorquatus], im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh endemisch, galt seit 1900 als ausgestorben. Anfang 1932 startete Dr. Ali seine ambi­tio­nierte Suche mit dem Ziel, den legendären Vogel wiederzuentdecken: ein Unter­nehmen, das ihn für den Rest seines langen Forscherlebens in Anspruch nehmen sollte. Über ein halbes Jahrhundert, 54 Jahre lang bis kurz vor seinem Tod, pirschte er unentwegt durchs indische Unterholz, tagaus & tagein, vom Tagesanbruch bis zum Sonnenuntergang. Ohne Erfolg.
Erst im Jahr 1986, mittlerweile 90-jährig, erfuhr er zufällig bei einer Plauderei mit einhei­mi­schen Vogelfängern, dass der Godavari-Vogel gar nicht so selten war wie er die ganze Zeit über ge­glaubt hatte: nach Einbruch der Dunkelheit liefen die scharenweise im Wald herum. Bereits in der darauffolgenden Nacht gelang es, im Schein einer Taschenlampe ein Exemplar einzu­fan­gen. Somit gelangte Herr Dr. Ali zu zwei grund­legenden ornithologischen Erkennt­nissen, näm­lich dass der Godavari-Rennvogel 1.) keineswegs ausgestorben, und 2.) grund­sätzlich nacht­ak­tiv ist.

(KURIER, 03.02.1987)

8. November


Heute ist übrigens schon wieder Weltputzfrauentag, vulgo Tag der Lurchfee.
(Nicht dass es wieder Beschwerden hagelt, ich hätt’s ge­wusst aber keinem verraten.)

Kennen Sie die Redensart:
»Ein Staubsauger und eine Putzfrau sind im Haus­halt nützlicher als ein Staubsauger und ein Papst.«

.

4. November – Rapidité, rapidité!

Heute vor 150 Jahren wurde der belgische Automobilkonstrukteur und Rennfahrer Camille Jenatzy (1868-1913) geboren, dem es 1899 erstmals gelang, mit einem Landfahrzeug den Geschwindigkeitsweltrekord von mehr als 100 km/h zu erreichen. Hätten Sie gedacht, dass das seinerzeit schnellste Automobil der Welt einen Elektroantrieb hatte:


Camille Jenatzy im Rekordelektromobil La Jamais Contente, 1899

.
Jenatzkys Eigenkonstruktion namens “La Jamais Contente“ (= “Die nie Zufriedene“) wog, obwohl aus einer Leichtmetalllegierung aus Aluminium, Magnesium und Wolfram angefertigt, beinahe eineinhalb Tonnen. Erkenntnisse über aerodynamisch günstigere Stromlinienformen wurden erst in den folgenden Jahrzehnten gewonnen, daher wurde die Karosserie vorne torpedoförmig spitz zulaufend anstatt tropfenförmig konstruiert. Das freiliegende Fahrwerk und inbesondere die herausragende Sitzposition des Fahrers bewirkten massiven Luftwiderstand, sonst wäre gewiss ein noch höheres Tempo möglich gewesen.

Drei Jahre später wurde der Geschwindigkeitsrekord für Landfahrzeuge von Léon Serpollet (dem übrigens früher wegen zu schnellen Fahrens seine Fahrerlaubnis entzogen worden war) mit mehr als 120 km/h übertroffen, mit seinem dampfbetriebenen (!) Automobil namens “Œuf de Pâques“ (= “Osterei“) – welches allerdings mit einem Ei wenig Ähnlichkeit aufwies:


Léon Serpollet im Rekorddampfmobil Œuf de Pâques, 1902

3. November

Heute vor 100 Jahren, am 3. November 1918, wurde vor dem historischen Hinter­grund der rus­sischen Oktoberrevolution die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) gegründet und ist so­mit eine der ältesten kommunistischen Parteien der Welt.
Erste Aktion der frischgebackenen ösitanischen Towarischtschi war es damals, sich unterein­an­der sogleich einmal heillos zu zerstreiten, wie sich das für eine ordentliche Partei gehört. Wes­halb ihre zweite Aktion unmittelbar nach Parteigründung, nämlich ein äußerst un­pro­fes­si­onell orga­ni­sier­ter (und überdies von den Sowjets nicht autorisierter) Putschver­such, na­tür­lich scheitern musste und binnen Stunden niedergeschlagen werden konnte.
Im politischen Geschehen spielt die KPÖ heute keine Rolle mehr, ihr Wäh­ler­stim­menanteil liegt im ho­mö­o­pa­thi­schen Bereich. (Ihre Parteipa­role lau­tet sin­ni­ger­weise: »Mit uns nicht!«.)

(Fällt mir eine Schnurre aus meiner Heimatgemeinde ein: in Neulengbach kriegten die Kom­mu­nisten seit Jahrzehnten zuverlässig bei jeder Wahl eine einzige Stimme. Einer, Kummerl* ge­nannt, stand unter Verdacht, jener einzige KPÖ-Wähler zu sein, was der aber beharrlich ab­leug­nete und nie zugeben wollte. Einmal, um es herauszufinden, wettete der Neulengbacher Bahn­hofs­wirt mit Kummerl um hundert Schilling, dass die Kommu­nisten bei der nächsten Wahl zwei Stimmen statt nur einer kriegen, und Kummerl wettete dagegen. Also machte der Bahn­hofs­wirt sein Kreuzerl am nächsten Wahltag für die Kommunisten, damit die eine zweite Stimme kriegen – aber als die Sprengel­ergebnisse später in der Zeitung standen, hatten die wie­derum nur eine gekriegt: wie gewöhnlich. Kummerl kassierte seinen gewonnenen Hun­der­ter, und musste sich vom Bahnhofswirt anhören: »Du Verräter, für einen Hunderter verratest du deine Partei, du Judas.« – Kummerl indessen entgegnete: »Wieso denn? Hätten wir nicht gewettet, dann hätten die trotzdem nicht mehr Stimmen gekriegt als sonst, aber ich um einen Hun­der­ter weniger.« Dass er derjenige war, der sein Kreuzerl jahrzehntelang stets, nur dieses ein­zi­ge­mal nicht für die Kommunisten gemacht hat, hat er freilich weiterhin abge­stritten.)
─────────────────────────────────
* (Kummerl = österr. für Kommunist).

Nominelles

Kollege Trithemius stellt hier fest, dass Namen [..] so ungerecht verteilt sein können:

Zahlreiche Familiennamen leiten sich ja von einem hervorstechenden Attribut oder Charaktermerkmal her, welches zu Zeiten der Namensgebung einem Vorfahren/Urahnen anhaftete, der dazumals danach benannt wurde und den Namen an seine Nachkommen weitervererbte. So kommt es, dass heute viele Leute Klein*, Groß*, Kurz*, Lang*, Stark* undsoweiter heißen.

Bemerkenswert ist indessen, dass heutzutage hundertmal mehr Leute Schön* heißen als Hässlich*, und zweihundertmal soviele den Namen Klug* geerbt haben als Dumm* oder gar Blöd*. Hier erweist sich wohl, dass sich das Postulat »Schöne/kluge Menschen haben schöne/kluge Kinder« im Hinblick auf die verlängerte Generationenfolge nicht grundsätzlich verifizieren lässt.

(Weiters fällt auf, dass es dreimal mehr Leute gibt, welche Link* [= “unaufrichtig“] heißen, als solche namens Ehrlich* – ob sich das Generationenerbe hier etwa stringenter fortgesetzt hat als unter der Nachfahrenschaft der Schönen & Klugen?)

Dass all die Bauers, Müllers, Schmieds, die Grafs und Herzogs usw. so heißen, weil sie einen solchen irgendwo in ihrer Ahnenreihe als Vorfahr haben, scheint plausibel. Hier fragt man sich freilich zurecht, warum so viele Leute Pfaff* heißen oder Bischof*, oder gar Papst*?

(oder gar Teufel  – Das gibt zu denken ..)

2. November: Allerseelen

Anlassdichter Kollege KrassNick hat hiezu ein erbauliches Kalendersprüchlein gereimt,
zum Ausschneiden und Sammeln:

    – –    – – – – – – – – – – – – – – – – – –

      Wenn euch zu Allerseelen
      Herbstdepressionen quälen:
      Lasset den Mut nicht sinksten!
      Bald kommt eh wieder Pfingsten.

    – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

1. November

Heute vor eintausendundzweiundzwanzig Jahren, am 1. November Anno Domini 996, fand die Bezeichnung “Ostarrîchi“ für Österreich erstmals urkundliche Erwähnung.

Die Bezeichnung leitet sich von altgerm. *austar- über althochdt. *ôstar- her, und das bedeutet »Land im Osten, wo die Sonne aufgeht«*). Ex oriente lux.
(Andere Quellen behaupten indes, Ostarrîchi stamme von ital. osteria ab, das be­deutet »Land, reich an Wirtshäusern«.)

Eineinhalb Jahrhunderte später, im Privilegium Minus von 1156, wurde Österreich erstmals als “Austria“ bezeichnet, und seit damals wird Österreich ständig mit Australien ver­wechselt.
───────────────.
*) (Mittlerweile geht die Sonne nimmer in Österreich auf, weil die seinerzeit in Kärnten vom Himmel gefallen ist, wie in den Urkunden erwähnt ist. Deswegen ist es dort auch wärmer.)

31. Oktober

Heute vor 386 Jahren kam der holländische Barockmaler Jan Vermeer van Delft zur Welt.
Vermeer hatte ein Dutzend Kinder, welche eins hässlicher als das andere waren. Als Er­klä­rung, wie es ein Mann zuwege bringe, so unerhört schöne Bilder und zugleich dermaßen häss­liche Kinder zu fabrizieren, soll er gesagt haben:
»Die Bilder mache ich tagsüber bei gutem Licht, die Kinder nachts im Finstern.«

30. Oktober

Heute vor 161 Jahren wurde der französische Nervenarzt Georges Gilles de la Tourette (1857- 1904) geboren, er führte Studien über das später nach ihm benannte Syndrom durch: das un­willkürliche, zwanghafte Hervorstoßen zusammen­hangloser (häufig unflätiger) Laut­äuße­run­gen.
Der britische Neurologe Oliver Sacks schreibt in seinem Bestseller Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte, dass ihm das Tourette-Syndrom ehemals gänz­lich unbekannt war und er erst hinterher, nachdem er einen Fachartikel darüber gelesen hatte, verblüfft fest­stellte wie zahlreich daran Leidende sich in der Öffent­lich­keit tatsächlich beobachten lassen.
Mittlerweile gehören solche lauthals zusammenhanglose Äußerungen hervorstoßende Indi­vi­du­en in der Öffentlichkeit längst zum gewohnten Alltagsbild – wäre Herr Dr. Tourette heut­zu­tags noch am Leben, müsste er annehmen sein Syndrom habe sich zur Pandemie aus­ge­breitet. Dabei telefonieren die bloß alle mit Freisprech.

28. Oktober

Heute vor 125 Jahren kam der Wiener Kabarettist Karl Farkas (1893–1971) zur Welt. Farkas hatte eine riesige Nase. Solch ein riesen Pfrnak im Gesicht sei äußerst praktisch, erklärte er, »weil man auch unter der Dusche rauchen kann.«

Von Karl Farkas (nicht Karl Kraus, wie meist irrtümlich zugeschrieben) stammt unter anderm auch das Bonmot: »Österreicher und Deutsche unterscheiden sich durch ihre gemeinsame Sprache.«

Mit seinem kongenialen Doppelconférence-Partner Ernst Waldbrunn (1907–1977) als “Der G’scheite und der Blöde“:

    Farkas: »Vorm Schlafengehen trink ich keinen Kaffee.
    Wenn ich einen Kaffee trink, kann ich nicht schlafen.«
    Waldbrunn: »Bei mir ist das umgekehrt: wenn ich schlaf’,
    kann ich keinen Kaffee trinken.«

25. Oktober

.
Heute ist übrigens der Weltnudeltag, vulgo Weltpastatag.

    Verachtet mir die Nudel nicht!
    Denn höret, was Erfahrung spricht:
    wenn’s keine Nudeln gäb’, das wär’,
    kann man sich denken, ein Malheur.
    Denn zweifellos wär’s molto brutta,
    gäb’s keine Pasta zu der Schutta:
    weil ohne sie gelänge schlicht
    Soß’ um Gabel wickeln nicht.

 .(Ernst Jandl: »Pasta Schutta«)

Österreich: Rekordland bei Morden

Haben Sie gewusst, dass Österreich das Land mit der niedrigsten Mordrate in ganz Europa ist? – Anbetrachts der hirnverbrannten Schlagzeilen möchte das wohl keiner vermuten:

.
Was in Wahrheit hinter diesen hirnverbrannten Schlagzeilen steckt: mitnichten liegt Österreich »bei Morden an Frauen« in der EU ganz vorn. Vielmehr ist lediglich der prozentuelle Anteil weiblicher gegenüber männlicher Mordopfer höher als im EU-Durchschnitt:

.
Ja und, weiter? – Nix weiter, das wars schon: in Österreich ist der Frauenanteil bei Mordfällen durchschnittlich höher als in anderen europäischen Ländern. Der Informationsgehalt dieser Meldung ist so weltbewegend wie ein Schas im Kukuruz. Tatsächlich aber ist Österreich das europäische Land mit den wenigsten Morden im Verhältnis zur Einwohnerzahl:

.
Erkennen Sie die Hirnverbranntheit der Schlagzeilen im Bezug auf den Inhalt der Meldung, die dahintersteckt?

18. Oktober: »Männer, die auf Krädern grüßen«

Der ÖAMTC ist als Nachfolgeverein des Oesterreichischen Automobil-Club einer der ältesten und heute mit beinah zwei Millionen Mitgliedern der siebentgrößte Auto­mobilclub der Welt.

Heute vor 64 Jahren, am 18. Oktober 1954, er­folgte die erstmalige Ausfahrt der ÖAMTC-Pan­nen­hilfefahrer, auf Mo­tor­rad-Bei­wa­gengespannen worin sie ihr Werkzeug mit sich führten. Auslösend für die Idee zur Gründung eines mo­to­ri­sier­ten Pan­nen­diens­tes war damals ein Fischhändler, der seine Ware im Bei­wagen eines alten Krads auslieferte und an einem heißen Sommertag, um Hilfe an­su­chend, zu Fuß zur Club­werk­statt kam. Sein Motorrad hatte unterwegs ge­streikt und der Fisch­transport drohte in der Hitze zu ver­der­ben. Also machte sich ein Clubmechaniker mit seinem Pri­vat­auto­mo­bil auf den Weg, und es gelang das liegengebliebene Mo­tor­rad des Fisch­händ­lers wieder flott­zu­machen.

Zu den ersten Pannenhilfefahrern, die wegen ihres »fliegenden« Re­pa­ra­tur­diens­tes so­wie der gelben Lackierung ihrer Fahrzeuge bald »Gelbe Engel« genannt wurden, gehörte dazu­­mals auch mein Schwiegervater, der beim ÖAMTC eine Lehre zum Auto­mo­bil-Me­cha­ni­ker ge­macht hatte. Einmal führte ihn sein Beruf zu einem Gastspiel in der Film­branche.

Die ÖAMTC-Pannenfahrer patrouillier­ten anfangs auf fixen Routen auf den meist­be­fah­re­nen Bun­des­straßen hin & her (damals gab es in Österreich noch keine Autobahn) und hielten Aus­schau nach Automobilisten, die zufällig irgendwo mit einer Panne liegengeblieben waren. War kein solcher anzutreffen, stell­ten sie sich irgendwo entlang der Strecke in gut sichtbarer War­te­po­si­tion auf und warteten darauf, ob nicht zufällig einer vorbeikam, der ihnen mit­teil­te dass er zu­fällig einen an­ge­troffen hätte, der irgendwo mit einer Panne liegengeblieben war.
Weiters hatten die Pannenfahrer die strikte Order, jeden, wiederhole: jeden vorüberfah­ren­den Autofahrer durch Salutieren zu grüßen, wie der Schwiegervater hier auf dem Foto de­mon­striert.
Freilich fuhren dazumals in einer Stunde grad soviel Autos vorüber wie heute in einer Minute. Man stelle sich vor, einer müsse heutzutags an einer Hauptverkehrsstraße jedem vor­bei­fah­ren­den Autofahrer salutieren – der täte wohl einen gehörigen Krampf im Arm kriegen ;)

Ab 1959 wurden die Beiwagen-Motorräder sukzessive außer Dienst gestellt und durch vier­räd­ri­ge Pannenhilfe-Fahrzeuge ersetzt: Steyr-Puch 500, die le­gen­dä­ren gelben »Renn­sem­meln«. (Mein Schwiegervater nannte sie »Regen­pe­le­ri­ne mit Rädern«.)

LUFTNUMMER 1

Ein Bäcker backt täglich zehn Brote, obwohl seine Kunden täglich nur sieben kaufen. Da­rauf­hin backt er täglich elf Brote, aber seine Kunden kaufen täglich nur mehr sechs. Also prahlt der Bäcker vor seinen Kunden: »Als Bäcker bin ich die neue NUMMER 1, denn keiner backt täglich mehr unverkaufte Brote als ich!«

Erkennen Sie die Logik hinter dieser wundersamen Brotvermehrungs-Nummer?

Falls jemand vermeint, auf diese bizarre Auflagenvermehrungs-Luftnummer (siehe ►) von Österreichs viel gedruckter, aber wenig gelesener Verschenk-Tageszeitung ließe sich nicht eine noch bizarrere Nummer draufsetzen, so irrt sich der. Auf einer Doppelseite trompetet ÖSTERREICH aktuell drauflos:

.
Und präsentiert »Die wahren Auflagenzahlen / Die ausgewiesenen Leserzahlen« in Wien:

So stellten sich die entsprechenden Auflagenzahlen (laut ÖAK - Österreichische Auflagenkontrolle) sowie Leserzahlen (laut MA - Media-Analyse) im Vorjahr dar, Abb. links:

»Der große Verlierer«, die Konkurrenz-Verschenkzeitung Heute, hat demnach heuer gegenüber dem Vorjahr um 7 Prozent weniger Leser, während die Auflage um 2,7 Prozent reduziert wurde.

»Die neue NUMMER 1« ÖSTERREICH hat hingegen um 9,5 Prozent weniger Leser als im Vor­­jahr, die Auflage aber – entgegen jeglicher Logik, wie man vermeinen möchte – dennoch um 5,3 Prozent erhöht.

Damit ist die Zahl der Leser pro aufgelegtem Exemplar von 0,75 (= lediglich ein dreiviertel Leser) auf 0,65 geschrumpft, und folglich landet heuer statt einem Viertel wie im Vorjahr nun ein sattes Drittel der gedruckten Gesamtauflage ungelesen in der Tonne oder fliegt als vom Wind “verbreitete Auflage“ durch die Gegend.
Beim sog. »großen Verlierer« Heute ging die Zahl von 1,36 Lesern pro Heft indes nur geringfügig zurück und ist nunmehr doppelt so hoch wie jene der »neuen NUMMER 1«, ebenso wie auch die Gesamtleserzahl:

.
(Was mit dieser bizarren »ÖSTERREICH gewinnt«-Mediadatenverdreherei überhaupt bezweckt werden soll, ist sowieso völlig rätselhaft: So blöd ist die umworbene Anzeigenkund­schaft freilich kaum, um diese durchsichtige Luftnummer nicht zu durchschauen und zwischen der Werberelevanz von kolpor­tier­ter Auf­lagenhöhe und faktischer Leserzahl/Reichweite zu unterscheiden zu wissen. Und die wenigen Leser, die man damit vielleicht beeindrucken will, werden deswegen ja nicht mehr.)

(Koch NUMMER 1: »Wenn die Gäste nicht aufessen wollen weil ihnen mein Essen nicht schmeckt, serviere ich ihnen eben größere Portionen.«)

Nach welcher Logik eine Gratiszeitung trotz Leser-Rück­gang – in krassem Widerspruch zur Au­flage-Entwicklung – »der große Gewinner« sein will, weiß wohl nur ÖSTERREICH allein.

Aufgetischtes

Unter Aufmachern wie »Schummelei in Homöopathie-Studie«, »Zweifel an Homöopathie-Studie« u. ä. berichten andere Medien über eine in “Scientific Reports“ erschienene, als unseriös aufgedeckte Studie zur angeblichen Wirksamkeit von Homöopathie, in welcher manipulierte und gefälschte Daten aufgetischt werden.

Umso rätselhafter indessen, warum “Der Standard | Die Zeitung für Leser“ seinen Lesern besagten Bericht über die Aufdeckung einer gefälschten Homöopathie-Studie unter dem Aufmacher auftischt:

.
(Zum Thema »Auswirkungen von Homöopathie« siehe dazu auch: »Homöopathie-Ärztin und 2 Ufologen sehen Nessie«, sowie »Homöopathisches«.)