Wissenswertes

10. Dezember – Wissenswertes von A bis Z: Platypisches

Heute vor 267 Jahren wurde der englische Naturforscher George Shaw (1751-1813) geboren, er führte die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen an Axolotl sowie Schnabeltier durch.

Als Shaw erstmals ein Exemplar eines Schnabeltiers in Form eines getrockneten Balgs zur Un­tersuchung und Erstbeschreibung vorgelegt bekam, hielt er diesen alsogleich für die kuriose Fäl­schung eines Scherzbolds, welcher ihn aus verschiedenen Teilen eines Bibers und einer Ente zusammengenäht hatte – zu einer Art antipodischem Raurackl, sozusagen.

Kollege KrassNick beschreibt das Schnabeltier, recht anschaulich, in einem Vierzeiler:

    Das Schnabeltier, das wissen wir,
    hat insgesamt der Flossen vier,
    davon auf jeder Seite zwie:
    dies dient, man ahnt’s, der Symmetrie.

Im Einleitungstext zu seinem Film Dogma bezeichnet Autor und Regisseur Kevin Smith das Schnabeltier als »lebenden Beweis dafür, dass Gott Humor haben muss«.
Auch diesen Sachverhalt hat Kollege KrassNick wiederum in erbauliche Reimverse gefasst:

    Als Gott das Schnabeltier erschuf
    da war er grad recht lustig druff
    und fragt’ es: Ente oder Biber –
    na, wie hätten wir’s denn lieber?
    Das Schnabeltier, darob verwirrt,
    wusst’ Antwort nicht sogleich zu geben,
    so ward’s vom lust’gen Gott kreiert
    als Mischkulanz – so ist das Leben.

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© mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

2. Dezember:  Warum Nashörner nicht fliegen können

Heute vor 70 Jahren wurde Prof. Dr. T.C. Boyle geboren, in seinem Roman “Wassermusik“ wird er­läu­tert, warum Nashörner nicht fliegen können:  weil die nämlich so riesige Haufen machen. Würde nun ein Nashorn im Fluge solch einen riesentrumm Haufen einem Menschen auf den Kopf fallen lassen, so würde der gewiss wenig Freude darüber haben. Darum hat es der gütige Herr­gott in seiner unendlichen Weisheit so eingerichtet, dass Nashörner nicht fliegen können. Das hört sich sehr plausibel an.

30. Oktober

Heute vor 161 Jahren wurde der französische Nervenarzt Georges Gilles de la Tourette (1857- 1904) geboren, er führte Studien über das später nach ihm benannte Syndrom durch: das un­willkürliche, zwanghafte Hervorstoßen zusammen­hangloser (häufig unflätiger) Laut­äuße­run­gen.
Der britische Neurologe Oliver Sacks schreibt in seinem Bestseller Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte, dass ihm das Tourette-Syndrom ehemals gänz­lich unbekannt war und er erst hinterher, nachdem er einen Fachartikel darüber gelesen hatte, verblüfft fest­stellte wie zahlreich daran Leidende sich in der Öffent­lich­keit tatsächlich beobachten lassen.
Mittlerweile gehören solche lauthals zusammenhanglose Äußerungen hervorstoßende Indi­vi­du­en in der Öffentlichkeit längst zum gewohnten Alltagsbild – wäre Herr Dr. Tourette heut­zu­tags noch am Leben, müsste er annehmen sein Syndrom habe sich zur Pandemie aus­ge­breitet. Dabei telefonieren die bloß alle mit Freisprech.

26. August

Heute ist angeblich der Tag des Toilettenpapiers, falls man dem Kalender glauben will:

» Dieser [..] dient dazu, jährlich an die alltägliche Nützlichkeit und Unentbehrlichkeit des Klopapiers zu erinnern. [..] Was das Schlimmste ist, das einem am 26. August passieren kann: den Tag des Toilettenpapiers ohne Klopapier zu feiern!«

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(Wie man den Tag des Toilettenpapiers mit Klopapier zu feiern hat, wird dort allerdings nicht erläutert.)

Sollte es übrigens irgendwo eine plausible Antwort auf die ungelöste Frage geben, warum der Anfang von Klopapierrollen stets so bombenfest verklebt ist als müsse er für die Ewigkeit halten, so ist diese jedenfalls bis dato noch nicht bekannt geworden.

16. Juli

Heute ist übrigens der internationale Tag des frischen Spinats.
(Von wem und wozu der erfunden wurde, oder in welcher Weise man den gebührlich zu feiern hätte, ist nicht überliefert.)
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Haben Sie gewusst, dass der Spinat auch einen Plural be­sitzt: die Spinate. Wozu dieser Plural nützen soll, ist freilich ebenfalls unbekannt.

Österreichische Polizisten wurden früher wegen ihrer spinatgrünen Uniformen despektierlich »Spinatwachter« (Wachter =Wachmann) ge­nannt. Die Spinatwachtel hat hingegen nix damit zu tun, sondern leitet sich von dem Adjektiv spinnert her.

Dass Spinat einen exzeptionell hohen Eisengehalt habe und man sich deshalb nach Spinat­ver­zehr bei Blitzschlaggefahr nicht im Freien aufhalten sollte, ist ein falsches Gerücht und beruht auf einem Kommafehler.

    (Hier folgt ein Rat, drum hört gut her:
    noch schmackhafter schmeckt der Spinat,
    soferne man vor dem Verzehr
    ihn durch ein Steak ersetzen tat.)

(Zum Thema Spinat fällt mir grad die Geschichte mit meiner Oma und Guido Wieland als Spi­nat-Testimonial wieder ein.)

27. Mai

Heute vor 87 Jahren, am 27. Mai 1931, startete der Schweizer Wissenschaftler, Experi­men­tal­physiker, Gelehrte und Erfinder Prof. Auguste Piccard mit seinem Assistenten in Augs­burg zu einer Ballonfahrt in die untere Stratosphäre, wobei sie die Rekordhöhe von 15.785 Metern erreichten. Die Notlandung ihres Stratosphärenballons erfolgte am selben Tag auf dem Gurg­ler Ferner, einem Alpengletscher oberhalb der Tiroler Berg­siedlung Obergurgl, in über 2.300 Meter Seehöhe.

(in Obergurgl drehte übrigens fünf Jahre davor Alfred Hitchcock die Außenauf­nah­men für seinen zweiten Film The Mountain Eagle – nicht in St. Anton, wie an dieser Stelle fälschlich kol­portiert.)

Prof. Piccard gab das Vorbild für die Figur des Professor Bienlein in Hergés Comic-Reihe Tim und Struppi.

Was die Menschheit schon lange geahnt hatte:

20. Jänner – Wissenswertes über Pinguine

Heute ist übrigens der Ehrentag der Pinguine: »Es handelt sich dabei um einen Tag, an dem das Wissen über Pinguine erweitert werden soll.«
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Was Sie über Pinguine vielleicht noch nicht gewusst haben:
Der Name Pinguin leitet sich von dem walisischen Ausdruck pen gwyn ab, und das be­deu­tet: »weißer Kopf«. Bemerkenswert daran ist, dass Pinguine niemals weiße Köpfe haben.

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Man muss nicht alles glauben, was uns die Pinguin-Experten von Österreichs auflagenstärk­stem Verschenk-Volksbildungsorgan weismachen wollen:

12. Jänner

Heute vor 139 Jahren wurde Ray Harroun geboren, der Erfinder des Rückspiegels am Auto­mo­bil. Seine revolutionäre Erfindung ersetzte den zuvor notwendigerweise mitge­führten Bei­fahrer (= Schmiermaxe), welchem unterwegs die Aufgabe oblag, den Automobilisten über das Verkehrsgeschehen hinter ihm in Kenntnis zu setzen.


»Ein Auto ohne Autofahrer ist immer noch ein Auto,
 aber ein Autofahrer ohne Auto ist nur ein Mensch.«
(nach Stanisław Jerzy Lec)

16. Oktober – Trophologisches

Heute ist Welternährungstag, vulgo Tag des Brotes.
Wissenwertes zum Thema Brot & Ernährung:

  • Brot ist sehr nahrhaft, denn es enthält viele Broteine.
    (Karl Valentin*)
  • Cola schadet der schlanken Linie, denn es enthält viele Colahydrate.
    (Cappuccina*)
  • Obst hält fit, denn es enthält viele Fitamine.
    (Onkel Ernstl*)
  • Vollkornprodukte belasten die Verdauung, denn sie sind reich an Belaststoffen.
    (Ernst Offshore*)
  • Ein Schibboleth ist nix zum Essen, ausgenommen Chäschüechli.
    (K. Lauer*)

1. September

Heute vor 122 Jahren wurde in Freiburg im Breisgau Herr Oberingenieur Engelbert Zaschka (1895-1955) geboren, der Erfinder des Faltautos.
Das Zaschka-Faltauto sollte eine Lösung für das in den 1920er-Jahren aufkommende Park­platz­problem in den Verkehrsballungsräumen darstellen, indem es sich nach Ge­brauch zu­sammen­klappen und platzsparend in der Wohnung abstellen ließ. Zur De­mon­stration der Praxistauglichkeit der Erfindung erklomm Herr Zaschka persönlich im Jahre 1928 mit einem in drei Teile zerlegten Exemplar seines Faltautos die oberste Plattform des Berliner Funk­turms.

Neues vom kraftfahrzeugtechnischen Ratgebe-Spezialisten

Wer in der Fahrschule nicht aufgepasst hat was beim Aufleuchten der Kontrollleuchten im Auto zu tun ist und danach googelt, findet auf der AutoScout24-Ratgeberseite die Ant­wort:

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Schau mer mal, was »wir« etwa im Falle des Aufleuchtens der Bremskontrollleuchte für fach­män­nische Ratschläge darzubieten haben:

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Man muss selber kein kraftfahrzeugtechnischer Fachmann sein, um die Unsinnigkeit dieser so­ge­nannten »Autoratgeber«-Ratschläge zu erkennen ..

Wissenswertes von A bis Z

Der Axolotl ist ein mexikanischer Grottenmolch und wurde von den Azteken als heiliges Tier verehrt, von daher erklärt sich der Begriff: »Molch der frommen Den­kungsart«.

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Der Name Axolotl stammt aus der Aztekensprache und bedeutet übersetzt: »Tier, das noch däm­licher aussieht als es heißt«.

15. April  – Der Grundrechnungsbeauftragte rechnet vor:

Heute vor 105 Jahren ging die Titanic unter, wobei über 1.500 Menschen star­ben. Was Öster­reichs auflagenzweitstärkstes Verschenk-Volks­in­for­ma­ti­ons­organ Wis­sens­wer­tes darüber mit­zu­tei­len weiß:

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Dass der Untergang der Titanic das größte Schiffsunglück aller Zeiten gewesen wäre, wie wir aus ÖSTERREICH erfahren, war im Rest der Welt bis­her noch nicht bekannt.

Dass über 1.500 Menschen mehr als 300 sind, hat der ÖSTERREICH-Grund­rech­nungs­be­auf­trag­te sehr schön ausgerechnet.

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Dass das Unglück im arktischen Meer geschehen wäre anstatt im Atlantik, war ebenfalls bis­her nicht bekannt. Wiederum stellt sich heraus:

.(ÖSTERREICH-Alleinstellungsmerkmal, laut Eigendarstellung)

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Beeindruckend, wie es dem Verschenkblatt-Schreiberling gelingt, soviel frei erfundenen Un­sinn in einem ein­zi­gen Ab­satz hervorzubringen – das erreicht schon beinahe Qua­li­täts­jour­na­lis­mus-Ni­veau.

Sinnentleertes

Ob der Kollege SPIEGEL-Wirtschaftsredakteur eigentlich selber weiß, was er mit dieser Non­sens­mitteilung mitzuteilen beabsichtigt, ist nicht überliefert:

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Bedeutet wohl sinngemäß soviel wie: Nachts ist die Bahn schneller als draußen.

Mathematik für Spezialisten

»Menschen werden JournalistInnen, weil sie gerne
Geschichten erzählen– und Mathe hassen.«  (Scott Maier)

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Wenn einer der größte Mensch der Welt ist und ein anderer nur halb so groß, ist der andere also der zweit­größte Mensch der Welt? Jedenfalls, wenns der ORF-Bruch­rech­nungs­spezialist ausrechnet:

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Die Cestius-Pyramide in Rom: die viertgrößte Pyramide der Welt? Das war bisher noch nicht bekannt. Bekannt ist hingegen, dass sie ein Viertel so hoch ist wie die größte Pyramide der Welt, die Cheops-Pyramide. Ob der ORF-Bruchrechnungsspe­zi sein Rechenexempel: »Viertel so hoch = viertgrößte« im Kopf ausgerechnet hat oder dazu einen Taschenrechner be­müh­te, ist nicht überliefert.

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(Wenn der Kollege Steppenhund das liest,
kriegt ers wieder mit dem Blutdruck ;)

Cerebralflatulentes

Falls du vermeinst, bei dieser hirnrissigen buzz.at-Click­bai­tingveranstaltung auf oe24.at, dem Online-Ableger von Österreichs auflagenzweitstärkster Verschenk-Volks­auf­klä­rungs­postille, müsse der Hirnrissigkeitsrekord mal erreicht sein und sich nimmer toppen lassen, so irrst du:

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SCHOCK. Um welchen unglaublichen, aber wahren! SCHOCK es sich dabei handelt, erfährst du erst, wenn du den Clickbaiting-Link angeklickt hast:

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Scheinbar. Schönste Nebensache. (Welche die schönste Hauptsache auf der Welt ist, wird dir dort leider nicht verraten.) Verraten wird dir hingegen:

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Welche Praktik mag das sein? Bondage, Strangulation, Asphyxie mit Frischhaltefolie? Sex mit Industrie­staub­sau­gern? Zoo­phi­lie mit Carnivoren, die größer sind als du selbst? Die Zigarette danach (Brandgefahr, Lungenkrebs) ? – Das er­rätst du bestimmt nicht. buzz.at verrät es dir:

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Was durch das Cerebrum des buzz.at-Schreiberlings blies, als ihm dieser Va­gi­nal ­Ce­re­bral­fla­tus entfuhr, darfst du selbst erraten.

Forscher warnen

Kollege Trithemius schreibt hier über die, insbesondere in Pressetexten, »beliebte Floskel „X warnt“«: eine Warnung sei ja meistens eine Handlungsaufforderung an den Gewarnten, etwas zu unterlassen bzw. gegen etwas zu unternehmen. Bevorzugt in Pressetexten gewarnt wird, wie Kol­lege Thomas hier feststellt, von Forschern:

(Falls die Erde aber wider Erwarten doch zu Schaden kommt, soll sich keiner be­kla­gen er wäre von den Forschern nicht ge­warnt worden.)

Ob die Warnung etwas nützt?
(Möchte wetten, wenn in 10.000 Jahren die Eiszeit hereinbricht hat trotzdem wieder mal kei­ner rechtzeitig die Sommerreifen gewechselt. Obwohl die Forscher beizeiten gewarnt haben.)
n-tv
Nicht dass sich die Menschheitsmassen nach dem Aussterben hinterher bei den Forschern be­schweren, sie wären vor der Gefahr nicht gewarnt worden.
KOPP ONLINE
Was immer man unter einem »Kometenrisiko« halt verstehen will.

Forscher verderben Überraschung durch Warnung.

Ja, Warnungen vor dem Weltuntergang kanns freillich nie genug geben.

Erstaunliches

Welche Lösung das wohl sein mag, die viele erstaunt? Die WELT verrät:

Nasa rundet auf, weil Pi unendlich viele Stellen hinterm Komma hat. Na, wenn das keine er­staun­liche Lösung ist. Seit olle Archi­me­des ist die außer den Nasa-Ma­the­ma­ti­kern bestimmt noch nicht vielen eingefallen.
Wie lang denn diese »ganze Reihe von Stellen« hinter dem π-Komma ist, worauf die Nasa verzichtet, verrät der Nasa-(meinten Sie: NASA)-Spezialist von der WELT freilich nicht. Was vermutlich nicht viele erstaunt.
Am Ende des WELT-Artikels erfährt man indessen:

Der Vergleich erstaunt allerdings. Vielleicht handelt sichs um den Finger eines kleinwüchsi­gen πgmäen?
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(aufgelesen von Kollege Thomas).

Lepidopterologisches

Kollege Trithemius schreibt hier über den sogenannten Schmetterlingseffekt*), und wie dieser zuweilen den Lauf der Welt verändern kann.

Die von dem amerikanischen Mathematiker & Meteorologen E. N. Lorenz angestellte Über­le­gung »Kann der Flü­gel­schlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas aus­lö­sen?«, dass also ein per se unbedeutendes Initialereignis am Ende zu unabsehbaren glo­ba­len Aus­wir­kun­gen führen könne, bezog sich ursprünglich auf meteorologische Phänomene – der Schmet­ter­lings­effekt indessen wirkte sich seit jeher maßgeblich auf den Lauf der Welt­ge­schich­te aus, noch be­vor er unter diesem Namen zum Begriff wurde.

Wäre z.B. ein Apfel in einem Garten in Woolsthorpe-by-Colsterworth nicht zu einer be­stimm­ten Stunde vom Baum gefallen, so wären womöglich weder Katzenklappe noch Schwer­kraft je­mals er­fun­den worden.
Oder wäre Mutter Kolumbus zu bestimmter Stunde unpässlich gewesen und hätte Vater Ko­lum­bus ab­ge­wiesen, als diesem nach Zeugung eines Stammhalters der Sinn stand, so hätte wo­möglich bis heute noch keiner Amerika entdeckt.

Das Attentat von Sarajevo auf den österreichischen Thronfolger, was als un­mit­tel­ba­rer Aus­lö­ser für den Ersten Weltkrieg gilt: wäre sein Fahrer dort nicht ver­sehent­lich falsch ab­ge­bogen und hätte darum nicht zufällig grad vor einem Straßencafé an­halten müssen, vor dem zu­fällig grad ebenjener Attentäter einen Kaffee trank, welcher sei­nen ur­sprüng­li­chen Attentatsplan in­zwischen verworfen hatte – dann hätte sich diesem nicht un­ver­hofft die Ge­le­gen­heit geboten, seine Tat doch noch zu verüben.
(Das »wrong turn«-Motiv findet auch oft als auslösendes Moment in Filmsujets Verwendung.)

Oder die unselige Historie jenes heruntergekommenen Postkartenmalers, der so gern aka­de­mi­scher Kunstmaler geworden wäre: hätte etwa das Professorenkollegium am ent­schei­den­den Tag nicht schlecht zu Mittag gegessen und wäre nicht darob ungnädig gestimmt ge­we­sen, so hätten sie den womöglich nicht bei der Aufnahmsprüfung durchrasseln, son­dern studieren und Maler werden lassen – um wievieles anders wäre die Welt­ge­schich­te ver­laufen. Allein ein Schmetterlingseffekt löste deren unheilvolle Wen­dung aus: dass einer nach vergeigter Prüfung Politiker wurde statt Kunstmaler, den heute keiner mehr kennen würde, hätte nicht dereinst ein Koch an einer Wiener Mensa einen schlechten Tag gehabt.

(Hätte es etwa zum ausschlaggebenden Impuls werden können, die weiteren Weltenläufte in eine andere Richtung zu lenken, wäre Einfaltsgimpel Bush damals an der Brezel erstickt?)
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*) nicht zu verwechseln mit dem Schneeballeffekt, welcher eine lineare oder exponentiell sich selbst verstärkende, somit tendenziell vorhersehbare Entwicklungsdynamik eines Systems be­schreibt. Der Schmetterlingseffekt hingegen bewirkt eine unsystema­ti­sche »chaotische«, ergo nicht pro­gnos­ti­zierbare Verlaufsrichtung der Folgeereignisse.
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(Was die Schmetterlinge im Bauch betrifft, welche Kollege Trithemius ebenfalls erwähnt, fällt uns dazu natürlich unvermeidlich Twitterliesl Petzners legendärer Tweet sowie Kollegen Ster- & Grisse­manns unvergessliche Replik darauf ein: »Wer hat ihm denn zuvor die Raupe in den Hintern gesteckt?«)

Küchenetymologisches: Palatschinken

Kollege Shhhhh schreibt hier über aus dem Lateinischen herstammende Vo­ka­beln, welche als Lehnwörter Eingang in unsere Umgangssprache ge­fun­den haben, aber mittlerweile als genuin muttersprachlich empfunden werden.

Letzthin war hieramts über die ösitanischen Gattehosen (v. ung. Gatya = [lange Unter-]Hose) die Rede, einem Lehnwort aus dem Ungarischen wie es im Österreichischen zahlreiche gibt, was in der gemeinsamen Historie beider Nachbarländer als k. u. k. Doppelmonarchie be­grün­det ist. Um ein solches handelt es sich ebenfalls bei den Palatschinken, dem österreichischen Ter­mi­nus technicus für Eierpfannkuchen.

Der Ausdruck leitet sich vom lateinischen placenta = Kuchen her und gelangte aus dem glbd. Rumänischen plăcintă über das Ungarische palacsinta ins Wiene­rische, wo er übrigens seinen Singular phonetisch einbüßte: eine Palatschinke heißt »a Palatschinken«, und wer tatsächlich nur eine haben will, bestellt beim Kellner »eine halbe Portion Palatschinken«.

So kommt es, dass österreichische Kinder zuerst im Mutterleib von der Plazenta (= biolog. Fachbegriff für Mut­ter­kuchen) und später mit Mutters Pfannkuchen, vulgo Palatschinken, er­nährt werden, und beiderlei Termini von derselben lateinischen Vokabel abstammen.