Autor: nömix

noemix.wordpress.com

Exxpressionistisches: Milchmädchenrechnung

»Menschen werden Journalist*innen, weil sie gerne Geschichten erzählen
– und Mathe hassen.«  (Scott Maier)*

Da hat der Tweet-Abschreibebeauftragte vom “eXXpress für Selberdenker“ wieder mal einen Tweet entdeckt und artig abgeschrieben:

Der ORF-Journalist Hannes Auer rechnet auf  Twitter vor:

»Österreichische Vollmilch kostet in Italien nur 0,89 Euro, in Österreich kostet die glei­che Milch 1,29 Euro. Das sind rund 45 Prozent mehr.«

Daraufhin extemporiert der “eXXpress“-Milchmädchenmathematiker:

Geht’s noch? Wenn die Milch in Österreich um 45 Prozent mehr kostet als in Italien, dann ist sie deswegen in Italien nicht um 45 Prozent billiger als in Österreich, stupido! Würde etwa die Milch in Österreich doppelt soviel kosten wie in Italien, das sind 100 Prozent mehr – so wäre die nach eXXpress-Mathematik in Italien also um 100 % billiger und kostet dort gar nix.
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(Rechnung für Selberrechner: Wenn die Milch in Italien mit 0,89 Euro um 40 Cent weniger kos­tet als in Österreich mit 1,29 Euro, dann ist sie dort um rund 31 % billiger.)

22. Juni

Heute ist übrigens der Welttag des VW-Käfers.
Früher erkannte man die lässigsten Typen immer daran, dass sie die längsten Autoradio-An­tennen hatten:


(v. l. n. r.: VW-Käfer, Papa und Tante Marianne, 1959)

Heutzutags nur mehr schwer vorstellbar, wie wir seinerzeit vor einem halben Jahr­hundert die ganze Familie, Eltern plus 4 (vier!) Schratzen plus Gepäck, Koffer, Luftma­tra­t­zen, Liege­­­stühle u.v.m. in einem VW-Käfer an die Adria in Urlaub fuhren: durch­wegs über Bundesstra­­ßen, Südautobahn gabs dazumals noch keine. Mit luftgekühlten 34 (vier­unddrei­­ßig!) PS und Vollgas im zweiten Gang über den Südalpen-Hauptkamm: das wa­ren aben­­teuerliche Reisen.

Neues vom Bildbetextungsbeauftragten: Bundeskanzler Scholzli

Wieso heißt der deutsche Bundeskanzler in Bildbetextungen eigentlich immer Olaf Scholzli? (Weil der so klein ist?) (Oder damit sich der Sprachverarbeitungs-Spezi von der taz mit sei­­ner Einnormung leichter tut?) – Ah nein, heißt gar nicht Scholzli, heißt ja Scholz (li.):


(von links nach rechts, klick für Detail:)
  • Olaf Scholz (li.): damit man den nicht mit dem Anderen im Bild verwechselt.
  • Olaf Scholz (li.): damit man den nicht mit dem Anderen im Bild verwechselt.
  • Olaf Scholz (li.): damit man die Beiden im Bild nicht verwechselt, die man sonst nur an ihren Krawatten unterscheiden könnte. Oder die Beiden.
  • Olaf Scholz (li.): Das Olaf-Scholz-Suchbildrätsel: Auf einer Seite des Bildes ist ein Olaf Scholz abgebildet, finde heraus auf welcher.
  • Olaf Scholz (li.): Meinten Sie Olaf Scholz (hi.)?
  • Olaf Scholz (li.): wegen der Masken täte man sonst nicht erkennen, wer von den Beiden Olaf Scholz ist.
  • Olaf Scholz (li.): wegen der Masken täte man sonst nicht erkennen, wer von den Beiden Olaf Scholz ist.
  • Olaf Scholz (li.): der mit dem Helm?
  • Olaf Scholz (li.): der mit der Maske, damit man den nicht mit dem Anderen ohne Maske verwechselt.
  • Olaf Scholz (li.)  (ganz li.): sonst täte man nicht erkennen, welcher von den Beiden links im Bild Olaf Scholz ist.

Unerklärliches: Ein neues Phänomen

Welcher vernünftige Sinn dahinterstecken sollte, einen altbekannten Begriff wie “Frauen­mord“, welcher allgemein geläufig und verständlich ist, neu­erdings durch ein neumodi­sches Fremdwort wie “Femizid“ zu ersetzen, ist uner­klärlich.

Femizid ist die vorsätzliche Tötung einer Frau durch einen Mann aufgrund ihres Ge­schlechts bzw. aufgrund von “Verstößen“ gegen die traditionellen sozialen und patriar­chalen Rollenvorstellungen, die Frauen zugeschrieben werden. Femizide sind per defini­­tio­nem “von Männern verübte misogyne [frauenfeindliche] Hasstötungen von Frau­en“. Die Definition geht auf die südafrikanische Soziologin und Autorin Diana Russell zu­rück, die den Begriff in die­ser Bedeutung erstmals öffentlich verwendete.

Heißt also: Jeder Femizid ist ein Frauenmord, aber nicht jeder Mord an einer Frau ist ein Fe­mizid. Umso unerklärlicher, weswegen dieser Fachbegriff nun allenthalben unreflektiert in­fla­tionäre Verwendung findet – ungeachtet seiner eigentlichen Be­deutung, aber weil der halt aktu­ell grad so toll in Mode ist. Zum Beispiel in Medienberichten wie diesen:

Ein neues Phänomen, das trifft wohl zu – nämlich auf die Berichterstattung darüber. Weil es sich bei dem kon­kreten Fall mitnichten um einen Femizid sondern of­fenkundig um was ganz anderes, einen sog. “erweiterten Suizid“ handelt: um einen 80-jährigen Mann, welcher seine 83-jährige pflegebedürftige Ehefrau jahrzehntelang betreute, nunmehr aber selber schwer erkrankte und aus Sorge, sie zukünftig nimmer pflegen zu können, ihrem und sei­nem Leben ein gemeinsames Ende setzte. Nichts könnte hier somit von einem “Femizid“, d. h. von ei­ner frau­en­feindlichen “Hasstötung“ weiter entfernt sein.
Tötungsfälle wie dieser sind kein neues Phänomen, solche gab es auch früher schon. Ein neues Phä­nomen ist hingegen, solche Fälle in der Medienberichterstattung unerklärlicher­­weise mit einem neuartigen Hashtag-Modewort zu etikettieren, obwohl das über­haupt nix damit zu tun ha­t.

Über depperte Lehrer:innen

Zum Glück ist die Geschichte ja glimpflich ausgegangen. Auffällt, dass in sämt­lichen Me­di­en­be­rich­ten darüber ausnahmslos von Lehrern die Rede ist, aber nirgendwo von Lehrer:innen – selbst im “Standard“ nicht, wo sie für gewöhnlich alles gendern, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Wäre also zu vermuten, dass es sich bei den 8 Lehrern tatsächlich ausschließ­lich um Männer handelt, die für diese depperte Aktion Verantwortung tragen. Ob in der Truppe ge­ringere Unvernunft geherrscht hätte, wären auch weibliche Lehrkräfte darunter gewesen, ist al­lerdings nicht zwangsläufig anzunehmen. Weil Lehrerinnen freilich mindestens eben­so dep­pert sein können wie ihre männlichen Kollegen: das ausdrücklich festzustellen, gebietet an dieser Stelle die Geschlech­tergerechtigkeit.
(»Ich habe nichts gegen Lehrer:innen. Einige meiner usw. ..« könnte ich hier anmerken, un­ge­logen: meine Mutter war eine, meine Schwester und meine Tochter sind Lehrerin­nen.)
Mein Bruder ist Lokführer und weiß über einen haarsträubenden Vorfall zu berichten: eine Schülergruppe unter Führung einer Lehrerin war aus seinem Zug ausgestiegen und stiefelte nun weiter vorne den Bahnsteig entlang während er wieder losfuhr. Die Lehrerin aber eilte vor­aus, um sich am Ende des Bahnsteigs wie ein Schü­ler­lot­se mit seitwärts aus­ge­streckten Armen mitten auf dem Gleis aufzupflanzen und die Kinder unmittelbar vor dem be­­reits los­­­fahrenden Zug im Gänsemarsch darüber zu lotsen. Weil sie mit dem Überqueren der Glei­se nicht solange war­ten wollte, bis der Zug vorüber war. Als würde ein heranrollender Eisen­­bahnzug einfach so vor ihrer Nase anhalten wie ein Auto an einem Schutzweg, um Fuß­gän­ger passieren zu lassen. Zum Glück blieben bei der Aktion alle am Leben.

Copy & Paste

»Hinter jedem STANDARD-Artikel steckt hoher technischer und finanzieller Aufwand.« ..
.. steht hinter jedem STANDARD-Artikel, direkt darunter. Schau mer mal was hinter einem STANDARD-Artikel über den Steyr-Puch Pinzgauer steckt, unter dem das ebenfalls steht:

(links: DerStandard.at | rechts: Wikipedia)

Da copy&pastet einer nonchalant einen Wikipedia-Artikel und dreht ihn den Lesern ohne Quellenangabe als STANDARD-Artikel an. Besonders hohen technischen und finanziellen Aufwand brauchts da allerdings nicht dafür, möchte man meinen.

Blasenkolumnistisches: Über »den Verkehr«

Nicht immer, wenn ein “taz“-Kolumnist sich berufen fühlt, der Welt außerhalb seiner Bla­sen­welt die Welt zu erklären, versteht man dort draußen was der damit überhaupt meint. Schreibt da einer über »den Verkehr«:

».. revolutionieren wird den Verkehr nur das Lastenrad. Lastenräder sind die Zukunft.«

Nur das Lastenrad, »den Ver­kehr« – echt jetzt? Welche verkehrswissenschaftliche Expertise den “taz“-Ko­lum­nis­ten zu dieser Prognose über die Zukunft des Verkehrs qualifiziert, er­­läutert der ein­gangs seiner Kolumne: erst hatte der näm­lich einen VW-Bulli, den er durch ein Lastenrad ersetzte, wo­mit er nun seine Kinder durch Ber­lin fährt »und Turbo macht, wenn Sie (“Sie“? – gemeint sind wohl “sie“, also die Kinder) sa­gen: Papa, mach’ mal Turbo.«
Daraufhin fragt er Sie (also Sie, die Leser:innen):

»Merken Sie schon, wie sich Ihr Puls beschleunigt? Dann sind Sie nicht allein:«
Weshalb sich just an dieser Stelle der Kolumne Ihr Puls beschleunigen sollte, ist rätselhaft:

»Zuletzt klang das in der Berliner Zeitung so: Guck mal, der Papa mit den zwei Kindern da, der grinst so arrogant!«
Womöglich verbirgt sich des Rätsels Lösung ja in dem verlinkten Artikel in der Berliner Zei­tung – nachdem der aber hinter einer Bezahlschranke steckt, sind Sie nicht allein, wenn Sie eben­falls kein Abo ha­ben und es daher nie erfahren werden.

»Denn ich wage die These, dass das Lastenrad den Verkehr revolutionieren wird. 9-Euro-Ticket, schön und gut, aber eine individualisierte Gesellschaft braucht individuelle Verkehrsmittel.«
Hier verlinkt er aus unerfindlichem Motiv auf eine andere von ihm verfasste “taz“-Kolumne »Billig mit dem Zug nach Sylt«, ohne dass sich darin ein Zusammenhang mit seiner gewagten These er­kennen lässt: Soll heißen, das Lastenrad wird den Zugverkehr nach Sylt revolutio­nie­ren? Das verstehe, wer will. Muss aber nicht.

»48 Prozent, also fast die Hälfte der Arbeitnehmer pendelt zur Arbeit weniger als zehn Kilometer. Undenkbar, dass all diese Menschen auf ein Fahrrad ohne Motor, Bus und Bahn umsteigen. [..] Auf so einer Strecke ist das Lastenrad schneller als das Auto und der Bus:«
Wenn es also undenkbar ist, dass all diese Berufspendler auf ein Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, wieso sollte es deswegen denkbarer sein, dass die stattdessen alle auf Lastenräder umsteigen? Das ist doch ein Witz.

Die Gütertransportleistung im Straßenverkehr beträgt in Deutschland jährlich rund 500 Mill­i­arden Tonnenkilometer. Ebenfalls undenkbar, dass all dieser Güterverkehr auf so einer Strecke sich durch das Lastenrad re­volutionieren ließe. Aber welchen Verkehr meint der denn in seiner Kolum­ne über die Verkehrswende pauschal mit »dem Verkehr«, dessen Zu­kunft Lastenräder wären?

Ach so, da handelt sichs gar nicht um »den Verkehr« im allgemeinen, was man sich im Rest der Außenwelt darunter vorstellen möge: sondern bloß um seinen innerstädti­schen Kin­der­trans­port-Verkehr innerhalb seiner »Papa macht Turbo«-Blasenwelt, welchen er nun mit ei­­nem Las­tenrad anstelle eines VW-Bulli durchführt. Die revolutionäre Ver­kehrs­­wende im Pri­­vat­leben eines Kolumnisten, nicht zu verwechseln mit der Allgemeinheit.

»Das Lastenrad hat nur einen Nachteil: Es kann die deutsche Automobilindustrie nicht retten.«
Nur den einen, eh klar. Sonst keinen. Was man als “taz“-Verkehrszukunftsexperte halt so zu prognostizieren weiß.

Aperçu

Zufällig fiel mir letzte Woche der Satz ein: »Für freilaufende Hühner übernehmen wir keine Bodenhaftung«. Leider ergab sich bisher noch keine Gelegenheit, ihn an passen­der Stelle zwang­los in ein Gespräch einzustreuen.
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(Kennen Sie den: läuft ein Huhn über die Straße und wird von einem Auto plattgefahren. Trägt der Autofahrer das plattgefahrene Huhn zum Bauern und fragt, ob es ihm ge­hört? Sagt der Bauer: “Naa. So flache ham mir net.“)

Kolumnistisches: Holler vs. Holler

Zuverlässig Befremdnis bei der Lektüre ruft der Holunder hervor, welchen der “Unisex“-Ko­lum­nist in der “taz“ alldort zur Darbietung zu bringen pflegt – aktuell unter der Überschrift:

Obwohl er gleich darunter im ersten Satz erklärt, ..

»Kritiker_innen behaupten, die Reform des Transsexuellengesetzes spiele soziales und biologisches Geschlecht gegeneinander aus. Das stimmt nicht.«
.. dass es in der Kolumne eben nicht um soziales vs. soziales, son­dern um soziales vs. bio­lo­gi­sches Geschlecht gehen soll. Fängt der Holler also bereits in der Überschrift an, schau mer was für Blüten der im weiteren Text noch treibt:

»Unser biologisches Geschlecht ist wichtig für einige medizinische Belange, darunter Fortpflanzung, und sonst für nicht viel.«
Wer zuvor noch nicht gewusst hat, was Fortpflanzung ist, erfährt es hier: ein medizinischer Belang nämlich, unter einigen. “taz“-Kolumnen lesen macht schlauer.

»Biologisches Geschlecht („sex“) hat seine Bedeutung de facto verloren.«
Macht aber nix: war de facto eh nur für einige medizi­nische Belange von Belang, wie oben zu erfahren ist, darunter Fort­pflanzung, und sonst für nicht viel.

»Sein angeblich massiver Einfluss auf Fähigkeiten und Neigungen, an den wir früher glaubten, ist widerlegt.«
Zum Beispiel sein angeblich massiver Einfluss darauf, dass Männer als Klavierpacker und Frauen als Sopransängerin befähigter wären als umgekehrt, wie wir früher glaubten. Be­vor das widerlegt wurde.

»Seltenst checken wir im Alltag jemandes biologisches Geschlecht. Wir ziehen höchstens Rückschlüsse darauf.«
Häufigst ziehen wir im Alltag allerdings zutreffende Rückschlüsse auf Klavierpackers oder Sopranistins biologisches Ge­schlecht. Lässt sich checken.

»Was uns eigentlich umtreibt, vom Ankleiden am Morgen bis zu den politischen Debat­ten am Abend, ist das soziale Geschlecht: gender
Was uns halt für gewöhnlich so umzutreiben pflegt, wenn der Tag lang ist und uns grad kei­­ne sonstigen Umtriebe dazwischenkommen. – Soviel Holler in einem einzigen Ab­satz zu ver­­zapfen, muss einem erstmal gelingen.

»Niemand interessiert das sex
Niemand treibt das sex um, im Gegensatz zu dem gender, das uns von morgens bis abends umtreibt. Deswegen heißt die Kolumnen-Über­schrift auch »Sex vs. Gender« – ah nein, heißt ja anders.

»Nicht trans Menschen haben Geschlecht kaputtgemacht. Es war von Anfang an ver­korkst.«
Verkorkst, so wie der Satz davor: den verstehe, wer will. Muss aber nicht.

26. Mai – Christi Himmelfahrt

Anlassdichter Kollege KrassNick hat hierzu wiederum ein erbauliches Kalendersprüchlein gereimt, zum Ausschneiden und Sammeln:

    – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
      Es wunderten sich die Apostel: »Ja, leck!
      Grad war er no da, jetzt isser fei weg!«
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    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

24. Mai: Tag der Parke

Heute ist der Europäische Tag der Parke, und was daran originell sein soll, den nicht Tag der Parks zu nennen sondern Tag der »Parke«, lässt sich nicht erkennen.

Der Elferschmäh mit den »meisten« Nationalparks: Wenn einer zwei Zehner im Börsel hat, und alle anderen einen Fünfziger – hat der eine dann »das meiste Geld«? Jedenfalls nach Nieder­österreichischer Mathematik:

Wussten Sie dass…
… ganz Österreich insgesamt sechs Nationalparks hat, von denen zwei in Niederöster­reich liegen? Das sind wahrhaftig »die meisten«. Wer’s glaubt.

Nämlich die beiden im Verhältnis zur Landesfläche mit Abstand winzigsten National­parks. Tat­sächlich hat das flächenmäßig größte von neun Bundesländern einen Anteil von lediglich 3½ Prozent, das ist ein Achtundzwanzigstel, an der Nationalparkfläche in ganz Österreich:

Fazit: Wussten Sie dass…
… Niederösterreich tatsächlich am wenigsten Nationalparkanteil in ganz Österreich hat. Im Gegensatz zu der Information  tolldreisten Elferschmäh-Luftnummer über »die meisten Na­ti­o­nal­parke« in der mit Steuerzahlergeld finanzierten Anzeigenkampagne.

Kolumnistisches: Wie man eine Pointe versemmelt

Vor Jahren war ich mal Gagschreiber für eine ATV-Comedyshow, was mitunter frustrierend war, weil es dem Show-Moderator stets gelang, die gescripteten Pointen zuverläs­­sig zu ver­semmeln. Aus Alfred Polgars Bonmot »Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.« machte der etwa: »Die Lage ist nicht ernst, sondern hoffnungslos.«, oder aus »Die Faust aufs Aug sagt mehr als tausend Worte« etwa: »Die Faust aufs Aug ist der langen Rede kurzer Sinn« – womit die Pointe nimmer witzig oder nimmer verständlich war.
(Was aber eh keine Rolle spielte, weil das Studiopublikum dennoch artig über seine Re­den lachte, obwohl es nix davon verstand: das wurde nämlich über eine Agentur in der be­nach­bar­ten Slo­wakei für ein Ta­schengeld als Schwenkfutter rekrutiert und per Shuttle-Bus an­ge­karrt, wäh­rend der Sendung an den jeweils passenden Stellen vom Aufnahme-Assi mit­tels Hin­weis­ta­feln zu »SMIECH!« [Lachen], »POTLESK!« [Applaus] usw. angehalten, anschlie­ßend in der Kan­tine ab­gefüttert und wieder zurück nach Bratislava expediert.)
Warum mir das einfällt: weil da nämlich auch grad einer eine Pointe garstig versemmelt, so­dass es beim Lesen glatt wehtut, in einer Kolumne über sexuelle Umtriebig­keit diver­ser CSU-Politiker als Exponenten einer »Partei der Schnacksler«:

»Die Schwarzen schnackseln halt gern.« sagte die zitierte Fürstin freilich im Wortlaut – und zwar ohne mit den »Schwarzen« die CSU zu meinen: und wäre die aber in ebendem Wort­­laut auch so zitiert worden, dann wäre die Pointe nicht versemmelt worden.

Blasensoziolektisches: »Die Welt in unserem Kopf«

Auf der WECF-Webseite werden in einem Artikel unter dem Titel »Sprache verstehen« aller­­lei spezielle Fach­ter­mi­ni-Konstrukte zur Entwicklung einer »gendergerechten Sprache« auf­­gelistet, deren konkreter Nutzen für die Entwicklung einer gen­dergerechten Sprache sich in­dessen nicht ohneweiters erken­nen lässt:

» Frau* steht für alle Menschen, die sich als Frau bezeichnen [..]. Das Pendant dazu ist Mann*.«

Na gut, das kann man sich merken, das geht leicht. – Aber da wird’s mit der sprachlichen Gen­dergerechtigkeit schon schwieriger:

»Wenn wir also nicht anfangen von Frauen* zu sprechen, wird die Welt in unserem Kopf überwiegend aus Männern bestehen.«

Wie soll man denn von Frauen* sprechen, bitteschön? Von »Frauen mit Sternchen«? (»Grüß Gott, Frau mit Sternchen Nachbarin. Meine Frau mit Sternchen lässt Sie grüßen.«)
Und gilt denn umgekehrt auch, vive versa: Wenn wir nicht anfangen von Männern* zu spre­chen, wird die Welt in unserem Kopf (»in unserem«? In wessen Kopf ei­gent­lich? Haben wir nur einen gemeinsam?) über­wiegend aus Frauen bestehen?

»Was grammatikalisch korrekt ist, ist nicht ausschließlich Folge natürlicher Sprachent­wicklung.«

(»All Gender are Beautiful« steht übrigens als Parole auf der »Sprache verstehen«-Seite, aber soweit ich die Sprache verstehe ist das grammatikalisch nicht korrekt, weil es wohl entwe­der »All Genders are« oder »All Gender is« heißen sollte?)

»Tatsächlich ist uns als Sprecher*innen der deutschen Sprache oft nicht bewusst, wie diskriminierend und sexistisch diese ist.«

Was die WECF-Sprecher*innen nun zur natürlichen Sprachentwicklung beizu­tragen wissen, um die deutsche Sprache weniger diskriminierend und sexistisch, dafür gen­der­ge­­rechter zu entwickeln:

» FLINTA* steht für Frauen, Lesben, Inter, Non-Binary, Trans und agender* und ist der Versuch einen Ausdruck für eine Personengruppe zu finden, die nicht cis männlich ist. Neben FLINTA* sind auch die Begriffe FLTI* (Frauen, Lesben, Trans, Inter*) oder FLINT* gebräuchlich. Um Menschen mit zu berücksichtigen, die sich außerhalb einer Hetero-Normativität bewegen, gibt es außerdem den Begriff LGBTQI* (Lesben, Gay, Bisexuell, Trans, Qeer, Inter, *), der auch nicht heterosexuelle cis Männer mit einschließt. – TINA* steht für Trans, Inter, Non-Binary und agender* und ist somit als Bezeichnung für Men­­schen zu verstehen, die nicht cis geschlechtlich sind, bzw. in kein binäres Geschlechter­­system passen.«

Sämtliche aufgelisteten “gebräuchlichen“ Begriffe (definieren Sie den Begriff “gebräuchlich“) lassen sich somit unter dem Oberbegriff AANHM* (steht für: Alle, außer nicht homosexuelle Männer) zusammenfassen. Inwieweit dieser Zinnober mit all den blasensoziolektischen Ma­ju­s­kel-Be­­grif­­fskonstrukten zu einer gendergerechteren Welt in unserem Kopf führen soll, er­schließt sich frei­lich für Außenstehende nicht unbedingt.

Zwischentitel: Im Gewurbel des Geschwurbel

»Worte, Worte, nichts als Worte.«  (W. Shakespeare)

Zwischen schwangeren und gebärenden Menschen und den anderen könne man unterschei­den, so ist das also. Das ist z. B. bei einer Geburt im Kreißsaal gewiss hilfreich, wenn alle OP-Masken auf­haben: damit man zwischen der werdenden Mutter und den Schwestern und Ärzten unterscheiden kann und es zu keiner Verwechslung kommt.

Kategorisches: Über moralische Normen

»Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber moralisch kenn ich mich aus.«
(n. Otto Grünmandl*)

– dozieren Alice Schwarzer und weitere 27 Exeget*innen normativer moralischer Verbind­lichkeit in einem “Offenen Brief“ an Kanzler Scholz, in welchem sie ihn »davor warnen«, durch Waffenlieferungen an die Ukraine »Grenzlinien in den Geboten der politischen Ethik zu übertreten«.
»Moralisch verbindliche Normen sind universaler Natur.« – Was für unsinnige kategorische Behauptung. Welche moralischen Normen gel­ten denn univer­sell, und wer definiert denn überhaupt, welche Normen das wären und wel­che nicht: Frau Schwarzer & ihre 27 Gleichge­sinnten etwa? Oder wer?
In unterschiedlichen Weltgegenden, Kulturen, Gesellschaftsordnungen gelten bekanntlich oft unterschiedli­che moralisch verbindliche Normen: mitunter auch solche, die weder einer Frau Schwarzer noch der Mehrheit in unserem Kulturkreis gefallen mögen – und grad des­wegen eben NICHT uni­ver­saler Natur sind.