Autor: nömix

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Exxpressionistisches

Da ist das Desinformations- & Fakenews-Verbreitungsmedium “eXXpress für Selberdenker“ ▶️ etwas ganz Großem auf der Spur:

Die Aktivisten der “Fridays for Future” nahmen es mit der deutschen Sprache nicht so ge­nau, erfährt man dort, und statt sechs “Worten“ sind wohl sechs Wörter gemeint, wenn man es mit der deutschen Sprache genau nimmt. Wel­che angeblich vier von den sechs Wör­tern falsch ge­schrie­ben sind, verrät der “eXXpress“ allerdings nicht – das müssen die Sel­ber­den­ker wohl selber herausfinden.

19. Jänner – Etymologisches

Heute ist übrigens der Welt-Quark-Tag, falls jemand interessiert. Welchen Sinn oder Nutzen der haben soll, konnte noch nicht herausgefunden werden.

Topfen ist die österreichische Bezeichnung für Quark, und hat daneben auch die Be­deu­tung: Unsinn, Schmarrn, Quatsch.
(Meine Cousine aus dem Rheinland amüsierte sich mal über diese Bezeichnung: »Topfen! Ihr Ösis habt wirklich komi­sche Wörter.« – Topfen, wahrlich ein “komisches“ Wort .. insonders im Ver­gleich zu »Quark« ; )

Kollege Jules van der Ley führt hier einen hübschen Exkurs über die etymologische Herlei­tung des rheinländischen Ausdrucks »Flötekies« für Quark.
Die Etymologie des Begriffes »Quark« steht indessen im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm beschrieben:

QUARK, quarg, m., aus niederd. mit qu für tw aus spätmittelhochd. twarc (zwarc), wahr­scheinlich aus dem slavischen entlehnt: poln. tvarog, böhm. tvaroh: Quarkkäse. *

Der Ausdruck Quark ist im Österreichischen ungebräuchlich, aus der nämlichen slawischen Wurzel leitet sich aber über tschech. tvarůžek (von tvaroh) der gute österreichische Quargel (ähnlich wie Harzer Käse) her, und hat ebenfalls die Nebenbedeutung: Unsinn, Schmarrn, Quatsch (auch als Verbum: quargeln, österr. = schwafeln, Unsinn daherreden.)

Bleichhäutige Menschen nennt man in Österreich »Topfenneger« (Quark­far­bi­ge) – darf man poli­tisch korrekterweise aber nimmer sagen.

13. Jänner – Folkloristisches: Sankt-Knuts-Tag

In Schweden, Norwegen und Finnland dauert die Weihnachtszeit zwanzig Tage und endet erst am 13. Jänner, dem Sankt-Knuts-Tag. An diesem Tag werden traditionell die Weihnachtsbäume entsorgt, indem sie kur­zer­hand aus dem Fenster hinausgeworfen werden.
Zum Opfer dieser Tradition wurde einst der große französische Denker René Descartes:
Die Weihnachtsferien zum Jahreswechsel 1649/50 verbrachte Monsieur Descartes auf Ein­la­­­dung Königin Christinas von Schweden, seiner langjährigen Brieffreundin, in Stockholm, wo­­selbst er jeden Morgen um Schlag sechs Uhr früh am königlichen Früh­stückstisch anzu­­treten hatte. Welch barbarische Sitte, zu nachtschlafener Zeit zu frühstücken, parbleu!, be­­fand Des­car­tes, diese Schweden müssen wahrhaft einen an der våffla haben. Nun weiß man aber, dass in Schweden noch andere extra­va­gante Brauchtümer grassieren, etwa morgens zu Sankt Knut die ab­ge­fei­er­ten Weih­nachts­bäume directement aus dem Fenster zu expedie­­ren, all­fäl­li­gen Pas­san­ten auf die Köpfe. Und akkurat ein sol­cher landete en passant auf Mon­­­sieurs Den­ker­haupt, als er am Sankt-Knuts-Tag Anno 1650 früh­mor­gens grimmigen Ge­mü­tes durch den skandinavischen Winter stiefelte, zum Pflicht­déjeuner mit Ihro bett­flüchtiger Ma­­jestät. Von den Folgen erholte er sich nimmer, knapp einen Monat später ver­starb Des­car­tes in Stock­holm an den Aus­wir­kun­gen skan­di­na­vi­scher Weih­nachts­folklore.

Empörendes: Innenpolitisch Motiviertes

Von 1995 bis 1998 blockierte Deutschland unter Innenminister Kanther die Auf­nahme Öster­reichs in den Schengenraum mit der Begründung, diese würde einen unaufhalt­samen Zu­strom von Asylbewerbern zur Folge haben, da Österreich nicht imstande sei seine Grenzen zu Osteuropa und dem Balkanraum ausreichend zu kontrollieren. Bayerns Innen­minister Beckstein wollte den Beitritt Österreichs gar bis zum Jahr 2000 verhindern, weil die bayeri­schen Grenzpolizisten an der österreichischen Grenze dann nichts mehr zu tun hätten und darob der Melancholie anheimfielen.
Nun blockierte Österreich unter Innenminister Karner den Beitritt Bulgariens und Rumäni­ens in den grenzkontrollfreien Schengenraum mit der nämlichen Begründung, die Südost­grenze der EU sei nicht hinreichend gegen irreguläre Migrationsströme gesichert.

Seiner Empörung darüber Ausdruck verlieh der deutsche EU-Parlamentsabgeordnete Oetjen und erstellte die Diagnose:
»Österreichs Haltung ist schäbig und hat ausschließlich innenpolitische Motive.«

Innenpolitische Motive! Wie hat der Mann das bloß herausgefunden, und was findet der als nächstes heraus – dass der Papst katholisch ist? Was für Motive sollte Österreichs Veto gegen eine Schengenraum-Erweiterung denn sonst haben, wenn nicht in­nen­po­li­ti­sche – etwa außerirdische?
Jene (»schäbige«) Haltung Österreichs  der regierenden In­nen­po­li­tiker Österreichs*) be­grün­­det sich halt in der Befürchtung, die durch ungezügelte Migration hervorgerufenen in­nen­po­li­ti­schen Probleme würden sich ohne ihr Schengen-Veto noch weiter verschärfen – eine Prob­­le­­ma­tik, welche übrigens bei weitem nicht überall in allen Schengenstaaten vergleichbar dra­ma­tisch zu Buche schlägt, falls es jemand interessiert:

*) (Knapp die Hälfte der österreichischen Bevölkerung ist überdies gegen das Veto.)

Amtslateinisches

Erneuerte Verordnung des Nürnberger Rates vom 20. Dezember 1787 mit Verweis auf die erstmalige Verordnung vom 27. Dezember 1758, über das Verbot von Böl­ler­lärm und Feuer­werk zur Neu­jahrszeit sowie danach:

Demnach vorig verwichene Jahr hero, wider besseres Versehen und Vertrauen, einige ungehorsame, unter hiesiger Stadt, Burgern und Inwohnern, um die heil. Neu-Jahrs-Zeit, sich freventlich unterstanden, mit beschwerlich- und gefährlichen Schießen und Plat­­­­schen, die wolgemeinte Oberherrliche ernstliche Verbothe und Verruffungen zu über­­­­schreiten, ohngeachtet nicht allein gewiese Strafen auf die Verbrechere gesetzet, son­­­­dern auch theils dererselben damit würklich und exemplarisch beleget worden.
    Als hat Ein Hochlöblicher Rath dieser Stadt, Unsere Hochgebietende Herren, für hoch-nothwendig befunden, solche Verboth, wodurch anders nichts, als gute Burgerliche Dis­­ciplin, ingleichen die Verhütung Feuers- und anderer Gefahr, so daraus verursachet wer­­den können, neben dem schuldigen Respect und Gehorsam gegen die Obrigkeit gesuchet wird, bey dieser instehenden Neu-Jahrs-Zeit anhero zu wiederholen. Gebieten derowe­­gen und befehlen hiemit nochmalen ernstlich, allen Ihren Burgern und Inwohnern die­­ser Stadt, als auch zu Wöhrd und Gostenhof, nicht weniger in denen Gärten an der Stadt, bemeldtes Schießens, Platschens, unnöthigen Raquet- Schwärmer- und Feuerwerfens, auch andern dergleichen Unfugs, sowol in bevorstehender heil. Neu-Jahrs-Zeit, als fol­­genden und andern Tagen, sich in der Stadt und denen Gärten, gänzlich zu enthalten, bey einer nahmhaften Geld-Poen, auch empfindlicher Leibes-Strafe, die, nach Befindung der Umstände, an denen Verbrechern, auf welche, nebst denen Knechten, auch Patrouil­len ausgeschickt werden sollen, würklich vollzogen werden, und denen andern zum Ab­­scheu und Exempel dienen sollen. Wie man sich dann auch im Ablaugnungs-Fall an die Hauß-Patronen wegen ihrer Zinnßleuthe, und an die Hauß-Väter wegen ihrer Kinder und Gesinde deshalb halten wird. Wornach sich ein jeder zu verhalten, und vor Strafe und Schaden zu hüten wissen wird.

Soll heißen:

    »Böllerlärm und Feuerwerfen ist für jedermann ganzjährig bei Strafe verboten.
    Eltern haften für ihre Kinder.«

15. Dezember

Heute vor 94 Jahren kam Friedrich Stowasser (1928-2000) zur Welt, später bekannt unter sei­nem Künst­­lernamen Friedensreich Hundertwasser als radikaler Gegner der geraden Linie in der Baugestaltung.

Hundertwassers Grußworte zur Einweihung der von ihm künstlerisch gestalteten öffentli­chen WC-Anlage in Kawakawa/Neuseeland am 10. Dezember 1999 lauteten:
    »Es ist nur eine Toilette, aber das zeigt, dass auch kleine Dinge Schönheit ins Leben
    bringen können.«
Was immer das bedeuten soll.

13. Dezember – Hippothetisches

Mit der Resolution S.Res.452/2004 des US-amerikanischen Senats wurde der 13. Dezember zum offiziellen Nationaltag des Pferdes erklärt.

Zum Tag des Pferdes, paar Texte aus dem Archiv:
  • Allerlei zum Thema Pferd steht etwa hieramts zu lesen.
  • Erinnern Sie sich an die Nummer mit dem Pferdefleisch in der Lasagne? Darüber wurde dazumals hieramts gar artig gereimt.
  • Das mechanische Pferd ließ keine Rossäpfel fallen, wie man hieramts erfährt.
  • Über Pferdefleischhauer vulgo Pepihacker lese man hieramts.
  • 13. Dezember – Das Paulus-Projekt

    Heute vor 85 Jahren wurde der große Lyriker, Schriftsteller, Zeichner und Humorist Robert Gernhardt (1937-2006) geboren.

    Über eine seiner populärsten Versdichtungen, die vielfach kolportierten “Paulus-Briefe“, sagte er in einem SPIEGEL-Interview 1994:

    »In meiner Jugend hörte ich Zweizeiler wie “Paulus schrieb an die Korinther: Was nicht davor ist, ist dahinter.“ 30 Jahre später dichtete ich “Paulus schrieb an die Apatschen: Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen“ oder “Paulus schrieb den Irokesen: Euch schreib ich nichts, lernt erst mal lesen“. Weitere 15 Jahre später ließ ein deutscher Studienrat seine Klasse in diesem Sinne weiterdichten, wobei die ebenso schönen wie zeitgemäßen Zeilen entstanden: “Paulus schrieb an die Navajo: Man ißt Oblate nicht mit Majo.“« *)

    Unterdessen folgten auf Gernhardts Paulus-Verse zahllose Weiterdichtungen [vgl. dazu auch Klapp­horn­­vers, oder Pseudo-Kempneriana], unter dem Pseudonym “Winfried Kraft“ etwa reimte ver­mut­lich Robert Gernhardt selbst:
      Paulus schrieb an die Apostel:
      “Ich taufe alle Frauen Chrostel!“
      Doch Petrus schrieb in der Epistel:
      “Das heißt nicht Chrostel, sondern Christel.
      Und wenn ich gegen eins was habe,
      Sind’s Fehler, nur dem Reim zulabe!“

    2006 rief die Redaktion von “EXOT. Zeitschrift für komische Literatur“ ihre Leserschaft zu einem »Paulus-Projekt zum höheren Ruhme des Robert Gernhardt« auf und versammelte auf diese Weise rund 2000 neue Paulusbriefe welche auf der Webseite veröffentlicht wurden, mit der Einstellung der Zeitschrift im Dezember 2015 aber leider verloren gingen und nur mehr ver­einzelt wiederzufinden sind (etwa hier, oder hier).

    Weitere Paulusbriefe reimten überdies KollegInnen krassNICK et al., siehe Kommentare:

    Zertifiziertes: Neusteirisch-Speaking

    »Es ist kein Blödsinn je zu blöd, als dass er nicht wem einfallen tät.«
    (M. Krassnig)
    Presseaussendung Landtag Steiermark:

    *

    »Die zertifizierten Gender-Expertinnen und -Experten werden in ihrer Funkti­on als “Gen­der-Agents“ in ihren Bereichen der Lan­despolitik und dem politischen Tätigkeitsbe­reich Gleichstellung und Gender-Main­strea­ming weiter vorantreiben [..]«

    “Gender-Agents“ – geht’s vielleicht noch eine Nummer blödsinniger? “Gleichstellungsbeauf­tragte“ tun’s wohl nimmer, als “Gender-Agents“ sollen die stattdessen nun firmieren. Wer lässt sich im steiri­schen Landtag denn so einen Blödsinn einfallen und wird anschließend nicht daran gehindert, den auch noch per Presseaussendung zu verlautbaren? Das ist doch ein Witz.