Autor: nömix

Schweinisches

Haben Sie gewusst, dass Schweine keinen Haken schlagen können. Ein Schwein im Schweinsgalopp kann nur geradeaus rennen, aber um keine scharfe Kurve.


Werden Sie von einem Wildschwein angegriffen, dann stellen Sie sich direkt vor einen Baum hin und lassen das angreifende Wildschwein geradewegs auf sich zurennen. Im letzten Moment treten Sie einen Schritt zur Seite und sehen zu, wie das Wildschwein gegen den Baum semmelt und k.o. geht, weil es dem Baum nicht ausweichen kann.


Wie man sich den Unfallhergang konkret vorzustellen hat, lässt sich aus der Artikelüberschrift nicht erschließen.

Früher war mehr Lametta

»Erntehelfer gesucht« vernimmt man derzeit allenthalben.
Anfangs der 80er-Jahre fuhren mein Bruder und ich mit unseren Mädchen im Herbst nach Südtirol zur Apfelernte, um als Erntehelfer (Äpfelklauber) zu arbeiten. In zwei Monaten verdiente dort jeder von uns Millionen. Millionen! – Lire halt. So konnte man damals mit acht Wochen Arbeit zum Millionär werden.
Das geht heutzutags nimmer. Früher war mehr Lametta.

Wo warst du als das Licht ausging

  (DER STANDARD)


Am 9. November 1965 fiel im Nordosten der USA großräumig der Strom aus, es war der denk­würdige New York Blackout: mehrere Bundesstaaten der USA versanken in Dunkelheit, 30 Millionen Menschen saßen im Finstern. Kein Licht, kein Fernsehen. Neun Monate später ver­zeich­nete die Statistik im betroffenen Großraum einen signifi­kanten Anstieg der Ge­bur­ten­rate.
Gestern abend fand zum löblichen Zwecke der Rettung des Weltklimas wieder mal die Aktion »Licht aus« statt. Eh alle brav mitgemacht?
Ob sich mit einer Aktion »Licht aus« das Problem der fortschreitenden Überalterung in den In­dus­trie­ländern ebenfalls so einfach beheben lässt wie das mit dem Weltklima, ist indessen fragwürdig.

Knalljournaillistisches: Wetter.at-Irrsinn

Kollege Trithemius schreibt hier über journalistische Sorgfalt und den Fake der Konserven, welche dem Publikum aufgetischt werden.
Heute nachmittag stöberten in Wien einige paar Dutzend Schneeflankerl durch die Luft – was weitgehend unbemerkt blieb, weil sich wegen der Ausgangsbeschränkungen eh niemand draußen aufhielt. Was aber wird dem Publikum auf der oe24/Wetter.at-Seite aufgetischt, unterlegt mit dem Fake-Konservenbild der Saison:


Ein paar vereinzelte Schneeflankerl an einem Sonntagnachmittag in Wien, von denen kaum wer Notiz nahm. Oder, in der Diktion der Verschenkblatt-Knalljournaille:

20. März – Weltgeschichtentag

In der Rahmenhandlung zum “Decamerone“, Boccaccios Novellensammlung aus dem 14. Jahrhundert, vertreiben sich die Leute die Zeit des Ausgehverbotes während der Pest mit dem Erzählen von Geschichten.

Analoge Ausgehverbote bestehen auch heute am Welt­geschichtentag, welcher der Pflege der mündlichen Er­zählung gewidmet ist. Unterdessen gibts aber Web 2.0, so kann die Tradition des Geschichtenerzählens in den Zeiten von Corona online weitergepflogen werden.

Der Weltgeschichtentag 2020 steht unter dem Motto “Reisen“ – so vernehmet alsdenn die Geschichte, welche allhier zur Erzählung gelangt:

19. März

Heute vor 115 Jahren fand das erste Slalom­rennen der Schigeschichte statt, nämlich am Muckenkogel bei Lilienfeld, Niederösterreich. Veranstalter war Herr Mathias Zdarsky, Er­finder der sogenannten »Lilienfelder Skilauf-Technik« und damit des al­pi­nen Schilaufs.
Hätten Sie gewusst, dass der alpine Schisport im schönen Traisental, mitten im niederösterreichi­schen Most­viertel erfunden wurde?
Lilienfeld wurde im folgenden zu einem beliebten Win­ter­sport­gebiet, als Kinder fuhren wir im Winter sonn­tags mit den Eltern öfters zum Schifahren auf den Mu­cken­­kogel.

Soziolektisches: Ergreifendes

Meinten Sie: Autos ergreifen Radfahrer in Nordhausen?

Wenn ein Autofahrer mit seinem Auto gegen einen Baum fährt, käme wohl keiner auf die Idee, darüber zu berichten:

    »Baum von Auto erfasst«

Wenn der Autofahrer jedoch einen Fußgänger überfährt, dann wird der Fußgänger in Medienberichten grundsätzlich von keinem Autofahrer überfahren, sondern »von Auto erfasst«:


»Fahrzeuge, die Personen erfassen« – ergreifende Exempel einer unsinnigen Dumm­schwatz-Flos­­kel im Journalisten-Soziolekt.

8. März – Internationaler Frauentag

    Welch’ Tage wir wohl feiern täten,
    wenn wir keine Frauen hätten?
    Der Weltputzfrauentag, der wäre
    ohne Frauen nur Schimäre.
    Auch Muttertag gäb’ es wohl keinen
    ohne Frauen, will ich meinen.
    Der Valentinstag wäre für
    die Katz’, gäb’s Frauen nicht allhier
    zu schenken ihnen ein Bukett.
    Nein, ohne Frauen wär’s nicht nett.
    Drum lasst den Frauentag uns feiern,
    ohne lang herumzueiern.

Plusquamperfektes

Was ist mit den Kollegen beim STANDARD los, haben die neuerdings die deutsche Sprache verlernt:


Keiner war in Wien auf irgendwen losgefahren – gemeint ist wohl der Mann, der auf Menschen losgefahren ist.


Falsch, der erste war der nie gewesen. Der war der erste. Oder: ist der erste gewesen. Wird der übrigens auch immer gewesen sein.


Der Sattelauflieger war abgestellt und verriegelt. Was sollen die unsinnigen Plus­quam­per­fekte darstellen – unsinnige Manierismen? Oder bloßen Unsinn.

Schwurbelschwätzer waren Motorjournalisten schon immer gern gewesen.
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(Wenn der Kollege Steppenhund sowas liest,
kriegt ers wieder mit dem Blutdruck  ; )

14. Februar – Tag des Riesenrads

Heute ist der Tag des Riesenrads, falls man dem Kalender glauben will.


Das Wiener Riesenrad im Prater, 1897 eröffnet, ist das älteste noch im Betrieb befindliche Riesenrad der Welt. Eine Fahrt kostete dazumals acht Gulden, das entsprach einem ganzen Wochensalär eines k. k. Beamten.
Obwohl das Gewicht der rotierenden Konstruktion beinah 250 Tonnen beträgt, erfolgt der Antrieb lediglich über zwei Elektromotoren mit einer Leistung von je 15 Kilowatt = 20 PS, wobei jeder der beiden Motoren auch allein das Rad bewegen könnte.
Eppur si muove!

9. Februar

Heute ist übrigens schon wieder Tag der Zahn­schmer­zen, falls man dem Kalender glauben will. (Nicht dass es wieder Beschwerden hagelt, ich hätt’s gewusst aber keinem verraten.)


Es feiere den Zahnschmerztag
ein jeder, wer ihn feiern mag.
(Am Zahnschmerztag ist freilich nicht
Zahnschmerz zu haben Bürgerpflicht:
so wie am Weltmilchtag ja auch
nicht Milch zu geben ist der Brauch.
Das wird vom Bürger nicht verlangt
am Zahnschmerztag, Gott sei’s gedankt.)

5. Februar – Flatulentes

Kollege Lo weist darauf hin, dass heute angeblich der »Tag der Flatulenz« ist.
Wie man den auf empfehlenswerte Weise feiern möge, wird uns auf Deutschlandfunk Nova, »dem jungem Infoprogramm von Deutschlandradio«, zur Kenntnis gebracht:


Grundsätzlich. (»Zu Risiken und Nebenwirkungen dieser ärztlichen Empfehlung fragen Sie lieber nicht Ihren Sitznachbarn.«)
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Flatulentes: siehe auch ►

4. Februar – Pech für Polansky

Heute ist angeblich der Danke-einem-Briefträger-Tag, falls man dem Kalender glauben will.

Vor Jahrzehnten schrieb ich gelegentlich Texte für eine Münchner Presseagentur, “Wahre Ge­schich­ten“, “Der wahre Kriminalfall“, “Tatsachen-Bericht der Woche“ undsoweiter, die er­schie­nen in diversen Illustrierten wie Quick, Praline, Neue Revue & dergleichen und hatten allesamt gemeinsam, dass sie natürlich völlig frei erfunden waren. Die Texte wurden von den Redaktionen weitgehend unredigiert übernommen, die Namen der Protagonisten jedoch grund­sätzlich verändert. Also nahm man einen x-beliebigen Namen, Sepp Maier oder Hans Moser oder den des Nachbarn, und den ersetzten die zuverlässig durch irgendwelche Harry Frank oder Frank Harris oder Frank Steffen oder Stefan Frank und für die Ganoven Ede Kowalski oder Kalle Kaminski oder ähn­li­ches. Das machten die prinzipiell.
Einmal schrieb ich einen Text über einen kriminellen Briefträger, und weil ein Freund von mir damals Briefträger war und Horst Polansky hieß, verwendete ich seinen Namen. Erstens, weil Alliterationen (“Pech für Polansky“) im Titel immer gut ankommen, und zweitens weil ich davon ausgehen konnte, dass der Name von der Redaktion eh ausgetauscht würde (etwa “Kein Glück für Kowalski“ oder sonstwas).
Wurde er aber nicht. Dieses einemal nicht. Vielleicht meinten sie, besserer Phantasie­name als “Horst Polansky“ für einen kriminellen Briefträger ließe sich nimmer erfinden, und ließen ihn unverändert so stehen.
Nun lag diese Sorte Illustrierte damals zufällig als Lesezirkel im Pausenraum der Postbediensteten auf, so sprach sich die Geschichte von Polanskys krimineller Tat unter seinen Kollegen herum. Zumal es, jedenfalls in Österreich, nur einen Menschen dieses Namens gab – meinen Freund den echten Briefträger. Als er nun montags zum Dienst kam, waren seine Kollegen ernsthaft erschüttert: “Horst ?! Wir haben gelesen, dass du verhaftet bist! Bist du auf Bewährung entlassen?“ Wahre Geschichte, ausnahmsweise nicht erfunden.
Als er über die Sache erzählte, sagte mein Freund Horst: “Unglaublich. Ein Kollege von mir hat eine Linke gedreht und steht in der Zeitung. Der Arsch heißt genauso wie ich.“
Hab ihm nicht gesagt, wer die Geschichte geschrieben hat.

Kindermund-Content

Kollege Trithemius berichtet hier über eine Klosettmuschel für Kinder, das erinnerte mich an die Geschichte:

Mit meinen zwei kleinen Neffen im Kino, zuvor wird noch Pipi gegangen, vorsorglich. Am Ki­no­klo ist eine Pissoirmuschel tiefer aufgehängt als die übrigen, der Kleinere stellt sich vors tiefergelegte Pissoir:
»Hehe,« spöttelt sein größerer Bruder, »der Kleine geht aufs Kinder-Pipi.«
»Glaubst du nur,« erwidert der Kleine. »Das ist für Leute mit besonders Langem.«

Kurioses: Kryptisches

Einen steten Quell der Verwunderung & Erheiterung für den ahnungslosen Laien stellen die scheinbar kryptischen Mitteilungen auf der kuriosen polizei-meldungen.de-Webseite dar – man möchte meinen, in der Polizei-Pressestelle wäre die Eingabemaske am Bildschirm verrutscht oder verschoben, sodass die eingegebenen Textfragmente auf der Web­seite willkürlich durcheinandergewürfelt erscheinen:


Die Wahrheit ist mutmaßlich eine andere: in Wirklichkeit handelt es sich bei den wunderlichen Texten um chiffrierte Geheimdepeschen, welche nicht an die Öffentlichkeit adressiert sind, sondern sich nur von kryptologischen Spezialisten mithilfe einer geheimen Fleißner-Schablone entschlüsseln lassen.

Konzertantes: Copy, & passt

Dass der Alkoholgehalt im Atem in Milligramm pro Liter Atemluft gemessen wird, der Alkoholgehalt im Blut hingegen in Promille pro Kilogramm Blut, hat jeder im Fahrschulunterricht gelernt, wers nicht verpennt hat. Sobald jedoch von einer Presseagentur (dpa) eine Unsinnsmeldung wie folgt abgesetzt wird, –


– flugs wird der Unsinn in sämtlichen Redaktionen von sämtlichen diensthabenden Presse­meldungs-Ab­schrei­be­be­auf­trag­ten unredigiert abgeschrieben und unisono in die Welt hi­nauskolportiert, in artiger Abschreibekonzertanz von Aargauer bis Süddeutscher Zeitung.

Copy, & passt: die altbekannte Melodie, man kennt sie ja.

»Das Schlimmste ist, dass alle voneinander abschreiben. Niemand macht sich mehr die Mühe zu überprüfen, ob überhaupt zutreffend ist, was be­haup­tet wird.« (Michael Götschenberg)
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Mehr alkoholische Unsinnsmeldungen siehe:  [►]  [►]