Autor: nömix

19. Oktober

»Woher kommen wir, wohin gehen wir, und warum liegt ständig was im Weg rum?«
(Jossele Mühlbacher)
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Heute ist angeblich der Evaluier-dein-Leben-Tag, falls man dem Kalender glauben will, und angeblich soll man den Tag nutzen um in sich zu gehen und zu reflektieren, wie das eigene Leben verläuft.

(Über die Sinnhaltigkeit der Floskel »in sich gehen« könnte man auch mal reflektieren: wie soll denn das über­haupt gehen, und was soll dabei herauskommen? Der Aztekengott Huitzilo­pochtli hat mal vorgemacht, was dabei herauskommt, indem er in sich ging: der Überlieferung nach kroch der eines Tages in seinen eigenen Hintern hinein und ver­schwand darin, und ward seither nimmer gesehen. Merke: Don’t try this at home!)

18. Oktober: »Männer, die auf Krädern grüßen«

Der ÖAMTC ist als Nachfolgeverein des Oesterreichischen Automobil-Club einer der ältesten und heute mit beinah zwei Millionen Mitgliedern der siebentgrößte Auto­mobilclub der Welt.

Heute vor 64 Jahren, am 18. Oktober 1954, er­folgte die erstmalige Ausfahrt der ÖAMTC-Pan­nen­hilfefahrer, auf Mo­tor­rad-Bei­wa­gengespannen worin sie ihr Werkzeug mit sich führten. Auslösend für die Idee zur Gründung eines mo­to­ri­sier­ten Pan­nen­diens­tes war damals ein Fischhändler, der seine Ware im Bei­wagen eines alten Krads auslieferte und an einem heißen Sommertag, um Hilfe an­su­chend, zu Fuß zur Club­werk­statt kam. Sein Motorrad hatte unterwegs ge­streikt und der Fisch­transport drohte in der Hitze zu ver­der­ben. Also machte sich ein Clubmechaniker mit seinem Pri­vat­auto­mo­bil auf den Weg, und es gelang das liegengebliebene Mo­tor­rad des Fisch­händ­lers wieder flott­zu­machen.

Zu den ersten Pannenhilfefahrern, die wegen ihres »fliegenden« Re­pa­ra­tur­diens­tes so­wie der gelben Lackierung ihrer Fahrzeuge bald »Gelbe Engel« genannt wurden, gehörte dazu­­mals auch mein Schwiegervater, der beim ÖAMTC eine Lehre zum Auto­mo­bil-Me­cha­ni­ker ge­macht hatte. Einmal führte ihn sein Beruf zu einem Gastspiel in der Film­branche.

Die ÖAMTC-Pannenfahrer patrouillier­ten anfangs auf fixen Routen auf den meist­be­fah­re­nen Bun­des­straßen hin & her (damals gab es in Österreich noch keine Autobahn) und hielten Aus­schau nach Automobilisten, die zufällig irgendwo mit einer Panne liegengeblieben waren. War kein solcher anzutreffen, stell­ten sie sich irgendwo entlang der Strecke in gut sichtbarer War­te­po­si­tion auf und warteten darauf, ob nicht zufällig einer vorbeikam, der ihnen mit­teil­te dass er zu­fällig einen an­ge­troffen hätte, der irgendwo mit einer Panne liegengeblieben war.
Weiters hatten die Pannenfahrer die strikte Order, jeden, wiederhole: jeden vorüberfah­ren­den Autofahrer durch Salutieren zu grüßen, wie der Schwiegervater hier auf dem Foto de­mon­striert.
Freilich fuhren dazumals in einer Stunde grad soviel Autos vorüber wie heute in einer Minute. Man stelle sich vor, einer müsse heutzutags an einer Hauptverkehrsstraße jedem vor­bei­fah­ren­den Autofahrer salutieren – der täte wohl einen gehörigen Krampf im Arm kriegen ;)

Ab 1959 wurden die Beiwagen-Motorräder sukzessive außer Dienst gestellt und durch vier­räd­ri­ge Pannenhilfe-Fahrzeuge ersetzt: Steyr-Puch 500, die le­gen­dä­ren gelben »Renn­sem­meln«. (Mein Schwiegervater nannte sie »Regen­pe­le­ri­ne mit Rädern«.)

LUFTNUMMER 1

Ein Bäcker backt täglich zehn Brote, obwohl seine Kunden täglich nur sieben kaufen. Da­rauf­hin backt er täglich elf Brote, aber seine Kunden kaufen täglich nur mehr sechs. Also prahlt der Bäcker vor seinen Kunden: »Als Bäcker bin ich die neue NUMMER 1, denn keiner backt täglich mehr unverkaufte Brote als ich!«

Erkennen Sie die Logik hinter dieser wundersamen Brotvermehrungs-Nummer?

Falls jemand vermeint, auf diese bizarre Auflagenvermehrungs-Luftnummer (siehe ►) von Österreichs viel gedruckter, aber wenig gelesener Verschenk-Tageszeitung ließe sich nicht eine noch bizarrere Nummer draufsetzen, so irrt sich der. Auf einer Doppelseite trompetet ÖSTERREICH aktuell drauflos:

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Und präsentiert »Die wahren Auflagenzahlen / Die ausgewiesenen Leserzahlen« in Wien:

So stellten sich die entsprechenden Auflagenzahlen (laut ÖAK - Österreichische Auflagenkontrolle) sowie Leserzahlen (laut MA - Media-Analyse) im Vorjahr dar, Abb. links:

»Der große Verlierer«, die Konkurrenz-Verschenkzeitung Heute, hat demnach heuer gegenüber dem Vorjahr um 7 Prozent weniger Leser, während die Auflage um 2,7 Prozent reduziert wurde.

»Die neue NUMMER 1« ÖSTERREICH hat hingegen um 9,5 Prozent weniger Leser als im Vor­jahr, die Auflage aber – entgegen jeglicher Logik, wie man vermeinen möchte – dennoch um 5,3 Prozent erhöht.

Damit ist die Zahl der Leser pro aufgelegtem Exemplar von 0,75 (= lediglich ein dreiviertel Leser) auf 0,65 geschrumpft, und folglich landet heuer statt einem Viertel wie im Vorjahr nun ein sattes Drittel der gedruckten Gesamtauflage ungelesen in der Tonne oder fliegt als vom Wind “verbreitete Auflage“ durch die Gegend.
Beim sog. »großen Verlierer« Heute ging die Zahl von 1,36 Lesern pro Heft indes nur geringfügig zurück und ist nunmehr doppelt so hoch wie jene der »neuen NUMMER 1«, ebenso wie auch die Gesamtleserzahl:

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(Was mit dieser bizarren »ÖSTERREICH gewinnt«-Mediadatenverdreherei überhaupt bezweckt werden soll, ist sowieso völlig rätselhaft: So blöd ist die umworbene Anzeigenkund­schaft freilich kaum, um diese durchsichtige Luftnummer nicht zu durchschauen und zwischen der Werberelevanz von kolpor­tier­ter Auf­lagenhöhe und faktischer Leserzahl/Reichweite zu unterscheiden zu wissen. Und die wenigen Leser, die man damit vielleicht beeindrucken will, werden deswegen ja nicht mehr.)

(Koch NUMMER 1: »Wenn die Gäste nicht aufessen wollen weil ihnen mein Essen nicht schmeckt, serviere ich ihnen eben größere Portionen.«)

Nach welcher Logik eine Gratiszeitung trotz Leser-Rück­gang – in krassem Widerspruch zur Au­flage-Entwicklung – »der große Gewinner« sein will, weiß wohl nur ÖSTERREICH allein.

Aufgetischtes

Unter Aufmachern wie »Schummelei in Homöopathie-Studie«, »Zweifel an Homöopathie-Studie« u. ä. berichten andere Medien über eine in “Scientific Reports“ erschienene, als unseriös aufgedeckte Studie zur angeblichen Wirksamkeit von Homöopathie, in welcher manipulierte und gefälschte Daten aufgetischt werden.

Umso rätselhafter indessen, warum “Der Standard | Die Zeitung für Leser“ seinen Lesern besagten Bericht über die Aufdeckung einer gefälschten Homöopathie-Studie unter dem Aufmacher auftischt:

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(Zum Thema »Auswirkungen von Homöopathie« siehe dazu auch: »Homöopathie-Ärztin und 2 Ufologen sehen Nessie«, sowie »Homöopathisches«.)

Bumsti-Mathematik

Das österreichische Volksbegehren für ein Rauchverbot in Gastronomiebetrieben wurde von 881.569 (= 13,8 Prozent) der 6.378.210 Stimmberechtigten unterstützt. Mathematik-Bumsti Strache rechnet nun vor:

»Ich denke, die Mehrheit der Bevölkerung wünscht das so [= wünscht kein Rauchverbot]. Das Volksbegehren ist beachtlich, aber letztlich haben 85 Prozent es nicht unterstützt.«

Soll also heißen: weil 10 Prozent der österreichischen Gesamtbevölkerung per Volksbegehren für ein Rauchverbot stimmen, so ist daraus der logische Folgeschluss zu ziehen dass die übrigen 90 Prozent dagegen sind – ? Eine völlig absurde Hochrechnung nach Bumstischer Äpfel-minus-Bananen-Ma­the­ma­tik, wie sie uns auch Österreichs Volksinformationsorgan Nummer 1 vorrechnen will.

Déjà-vu: die nämliche Nummer mit der Bumsti-Mathematik brachte Österreichs auflagenstärkste Verschenk-Volksinformationspostille übrigens bereits im April 2010 zur Darbietung, betreffs einer damaligen IFES-Umfrage zum Rauchverbot:

    Wenn 10 Prozent der Befragten die Frage »Mögen Sie lieber Äpfel oder Bananen?« mit »mag lieber Äpfel« beantworten, dann ergibt sich aus der Umfrage das Resultat: »90 Prozent der Bevölkerung mögen keine Bananen.«

9. Oktober

»Ich bin von den Kritikern oft zerrissen worden, aber das Publikum hat mich immer
wieder zusammengeflickt.« (Jacques Tati)

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Heute vor 111 Jahren kam der grandiose Jacques Tatischeff (1907-1982) zur Welt, besser bekannt als Jacques Tati: wohl einer der genialsten und visionärsten Fil­me­macher der Filmgeschichte. Über sein Opus magnum Playtime (dt.: Tatis herrliche Zeiten) etwa urteilte François Truffaut: »Playtime ist mit nichts zu vergleichen, was bereits im Kino zu sehen war. Ein Film von einem anderen Planeten, wo man andere Filme dreht.«

Tatis Alter Ego Monsieur Hulot trat erst in seinem zweiten Langfilm auf, zuvor sah man ihn noch als François le facteur, den rasenden Postboten, in Jour de fête:

Jour de fête (dt.: Tatis Schützenfest) von 1947 sollte der erste französische Farbfilm nach dem Zweiten Weltkrieg werden, allerdings erwies sich das neuartige französische Farb­film­ver­fah­ren, mit dem Tati experimentierte, als kapitaler Fehlschlag: die Firma ging zugrunde bevor das Ko­pier­werk errichtet war, und das bereits belichtete Filmmaterial konnte nirgends mehr ent­wick­elt werden. Dem Misstrauen von Tatis Kameramann (J. Mercanton) gegen die neue Tech­nik ist zu verdanken, dass der komplette Film aus Sicherheitsgründen parallel dazu mit einer zwei­ten Kamera im her­kömm­li­chen Schwarzweißverfahren mitgedreht worden war, zum Glück.
Jour de fête kam erst 1949 in einer teilweise nachcolorierten Schwarzweißfassung in die Kinos: sämtliche farbigen Aspekte mussten in mühevoller Handarbeit Bild für Bild (24 Bilder pro Filmsekunde!) nachträglich angebracht werden.
(1987 begann Tatis Tochter mit der Entwicklung moderner Techniken, um das ursprüngliche farbige Originalmaterial zu rekonstruieren, ein ebenso langwieriger Prozess. Nach sieben­jäh­riger Arbeit erlebte Tatis Schützenfest in Farbe 1995 seine Weltpremiere, nun erstmals in der Form, die ihr Vater beinah ein halbes Jahrhundert zuvor im Sinn hatte.)

(Vor etlichen Jahren sahen wir Jour de fête wieder bei der Tati-Retrospektive im Wiener Gar­ten­baukino, und beim Schlussabspann standen die Zuschauer auf und app­lau­dier­ten, wie im Theater. Es war geradezu bewegend – etwas von der früheren Magie des Großen Kinos war zu spüren, damals vor der Popcorn&Cola-kübelweise-Ära.)

8. Oktober

Heute vor 90 Jahren kam der große österreichische Stänkerer Helmut Qualtinger (1928-1986) zur Welt. Die unersprießliche Allianz zwischen Beschränktheit und Mit­teilungseifer mancher Zeitgenossen kommentierte er mit dem schönen Satz:

    »Es gibt nix Schenas auf da Wöd
    ois wieran Fetznschedl zuahean wauna grod sei Pappm hoit.«

Kollege KrassNick hat Herrn Quasis Aperçu zu einem hübschen Vierzeiler gereimt:

    Herr Qualtinger pflegt’ zu erklären:
    »Nichts Schöneres gibt’s auf der Welt
    als einem Schwachkopf zuzuhören
    wenn er gerad’ sein Maulwerk hält.«
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    © mit freundl. Genehmigung M.Krassnig.

Qualtinger war exzessiver Trinker. Als er einmal in seinem Stammcafé Alt Wien wie gewöhnlich »a Viertel!« bestellte, fragte ein neuer Ober, der ihn noch nicht kannte: »Weiß oder rot?« – und Qualtinger fragte zurück: »Seit wann gibts an roten Schligowitz?«
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(Legendär: Qualtingers Auftritt als “Eskimodichter Kobuk“).

5. Oktober

Heute am 1. Freitag im Okober ist der internationale Tag des Lächelns, erfunden wurde der 1999 von Harvey Ball, dem Erfinder des Grinse-Smileys.

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Sollte sich der Leser solcherlei trief (sic)sinniger Tagesparolen tatsächlich angehalten sehen, tagsüber 400 Mal grundlos grienend wie ein Schwachsinniger herumzulaufen, bloß weil irgendein Heini den zum Tag des Lächelns ausgerufen hat? Diverse dumpfsinnige Devisen und Un-Sinnsprüchlein gibts freilich zuhauf, z. B.:

– Kein wahres Wunder freilich, wenn Sie der unerbeten Beschenkte draufhin zur Rede stellt: »Was gibts da dumm zum grinsen?« Oder:

– Und wenn derjenige zwar kein Lächeln, aber etwa eine Lungenkrankheit hat und grad seinen Tag des Hechelns oder Tag des Röchelns, dann will der deins garantiert nicht geschenkt kriegen.

    »Im scheinbar // grundlosen Lächeln // offenbart sich // die Natur der Seele.«
    .(Hans Kruppa)

Was auch immer das bedeuten soll.
(Was sich im scheinbar grundlosen Verteilen paarweiser Schrägstriche zwischen den Wör­tern offenbaren soll, erschließt sich dem Rezipienten dieser Kalenderweisheit nicht.)

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(Auch Kollege gnaddrig gnaddert hier über “bräsige Gutgemeintheiten“ zum heutigen Ta­ges­motto.)

5. Oktober

Heute ist übrigens Weltlehrertag.

Meine Schwester ist Volksschullehrerin, ein Kollege von ihr heißt mit Familiennamen Ehrlich und ist Religionslehrer. Weil der in seinem Nischenfach weniger Unter­richts­stun­den zu halten hat als die übrigen Kollegen, kursiert in der Schule über ihn der Spruch:

    »Ehrlich lehrt am wen’gsten.«

4. Oktober

Heute vor 126 Jahren erblickte Luis »Der Berg ruft!« Trenker (1892-1990) das Licht des Gröd­nertales, der unverwitterliche Tausendsassa & Alpin-Hallodri.

Derweil die Herkunft der Redensart »Hier siehts ja aus wie bei Hempels unterm Sofa« als schlüssig geklärt gilt, harrt die Etymologie der gleichbedeutenden Redensart »Da schauts ja aus wie bei Luis Trenker im Rucksack« bislang einer Erklärung.

3. Oktober

Heute vor 117 Jahren, am 3. Oktober 1901, gelang dem österrei­chischen Luft­fahrt­pionier Wilhelm Kreß der erste erfolgreiche Motor­flug­versuch der Welt.
(Stimmt tatsächlich, die Brüder Wright hoben erst zwei Jahre später ab, 1903.)
(Stimmt nicht ganz: gelungen ja, erfolgreich leider weniger ..)

Bemerkenswerterweise führte unser Herr Ösi-Binnenpilot den allerersten bemannten Motor­flug der Luftfahrtgeschichte mit einem Wasserflugzeug durch, nämlich am Wienerwaldsee (damals genannt: Tullnerbachbassin), einem künstlich an­ge­stauten Wasserreservoir nahe der Wiener Stadtgrenze.
Allerdings erwies sich die Wasser­fläche als ungenügend weitläufig zum Befliegen – was zur Folge hatte, dass Herr Kreß am Ende des Wasserfluges mit seinem Flug­apparat äußerst eindrucksvoll gegen die Stauseemauer semmelte.
Unglücklicherweise stellte sich bei diesem Anlass heraus dass sein Schwimmflugzeug nicht schwimmtüchtig war, und es versank unverzüglich.

1. Oktober – Vegetarisches

Heute ist übrigens Welt-Vegetariertag.
Anlassdichter Kollege KrassNick reimt über die Vegetarier:

    Warum die Vegetarier
    die pflanzliche Ernährung
    bevorzugen, hat eine sehr
    einleuchtende Erklärung:
    Tiere muss man vor dem Verzehr
    erst fangen. Sind die schneller,
    kriegt man sie allerdings nur schwer
    als Mahlzeit auf den Teller.
    Es lässt sich an pflanzliche Nahrung
    viel einfacher gelangen:
    weil diese, so zeigt die Erfahrung,
    lässt sich viel leichter fangen.

    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

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(@ Vegetarisches: Julius Raab & die vegetarische Beamtenforelle)

30. September

Heute ist der Internationale Übersetzertag, nämlich am Todestag des Heiligen Hieronymus, Schutzpatron der Dolmetscher & Übersetzer.

Übersetzungen stechen mitunter durch grobe Unsinnigkeit hervor, inbesondere als Resultat hirnlosen Übersetzens von englischen Pressetexten: so werden dann etwa »billions« zu »Billionen«, »alien life forms« zu »Aliens« und »50.000 troops« (= Soldaten) zu »50.000 Truppen«.

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Klassische Beispiele für gravierend sinnentstellende Übersetzungsfehler finden sich indes bereits im Buch der Bücher, wo aus dem aramäischen Urtext etwa ein Seil (“gamta“) zu einem Kamel (“gamla“) fehlübersetzt wurde, welches seither sprichwörtlich durchs Nadelöhr geht.

(Selbst kleine Fehler können große biblische Wunder bewirken: wenn nämlich »er [Jesus] ging an den See« stattdessen als »ging auf dem See« übersetzt wird. Kollege KrassNick reimt über besagtes Seewunder [Mt 14,25] übrigens die launigen Verse:

    Es rief die Menge: »Seht,
    ein Wunder!
    Über den See Genezareth
    schreitet der Herr, und geht
    nicht unter!«

    Über das Wasser schritt der Herr.
    Doch allerdings verriet er der
    verblüfften Menge später:
    »Das Wasser war ja, bittesehr,
    eh nicht so tief: im Schnitt nicht mehr
    wie fuffzehn Zentimeter.«)

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© mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

27. September

Heute vor 87 Jahren kam in Niederfladnitz im niederösterreichischen Waldviertel ein Herr Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl-Petz zur Welt, und dass einer mit so einem Namen kein be­rühmter Schlagerstar wurde, verwundert kaum.
Unter anderem Namen aber wurde Herr Nidl-Petz zum ersten Schallplattenmillionär der deutschen Musikgeschichte, 1984 bekam er für seine löblichen Verdienste um die Verbreitung des deutschen Liedgutes in aller Welt das Bundesverdienstkreuz I. Klasse der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Chronische Kalauer-Diarrhoe

»Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte liest,
es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.«
(Johann Wolfgang von Goethe)

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Dass die notorische Kalauer-Manie beim SPIEGEL zuweilen herausragende Dumpfsinnigkeiten gebiert, ist bekanntlich nix neues. Etwa solcherlei sinnleere Hervorbringungen:

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Soll wohl ein bemühtes Wortspiel zu »Mamma Mia« darstellen. Aber: Papa heißt Papst und ist maskulin – was soll der Blödsinn also bedeuten, »Oh Meine Papst«? Ein Kalauer ohne Sinn ist kein unsinniger Kalauer, sondern schlicht sinnlos.

20. September

Sophia Loren feiert heute Geburtstag, in unverblasster Grandezza. 1959 spielte sie unter der Regie von Casablanca-Regisseur Michael Curtiz die Titelrolle in dem Kos­tüm­schinken Prin­zes­sin Olympia. Neben Sophia Loren und Maurice Chevalier spielt darin ein Oldtimer Laurin & Klément Modell 1909 eine tragende Rolle, und der Chauffeur dieses Oldtimers war mein Schwiegervater.

Das kam so: die Besitzerin des Oldtimers, eine über achtzigjährige Dame, hatte ihn seinerzeit von ihrem Herrn Vater geerbt und jahrzehntelang in einer Wiener Garage eingemottet, als er 1959 von der Requisitenabteilung von Carlo Pontis (Sophia Lorens Ehemann) Film­pro­duk­tionsfirma aufgestöbert und für die Dreharbeiten angemietet wurde. Kein Mensch hatte eine Ahnung, wie das alte Stück in Betrieb zu setzen war, die Filmleute wandten sich an den ÖAMTC (österr. Pendant zum ADAC) um Rat. Und mein Schwiegervater, damals junger Pannendienstfahrer beim Automobil-Club, wurde für die Sache abkommandiert, er besorgte sich aus Archiven technische Unterlagen und begann an dem verstaubten Erbstück in der Garage herumzuschrauben: nach einer Woche sprang er an und lief wie am Schnürchen. Er wurde auf einem Lkw in die Cinecittá-Filmstudios verfrachtet, mein Schwiegervater kriegte einen Ver­trag von der Pro­duk­tions­firma und ein Flugticket nach Bella Roma.
Bei den Dreharbeiten fuhr er den Laurin & Klément souverän, Regisseur Curtiz war zufrie­den und klopfte ihm auf die Schulter. In den Drehpausen saß er neben den großen Filmstars. Sophia Loren sei sehr nett gewesen und habe ihm natürlich gefallen, erzählt er, geflirtet habe er aber nicht mit ihr: »Ich bin ja nicht deppert, und fang mir was mit der Frau vom Chef an.«

19. September

Heute vor 96 Jahren kam der Langstreckenläufer Emil Zátopek (1922-2000) zur Welt, die legendäre “tschechische Lokomotive“. Sein Markenzeichen war die ständig heraus­hängende Zunge während des Laufens.

    »Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.« sagte er.

Als Kinder hatten wir zwei Schildkröten mit Marathon-Wandertrieb, und die nannten wir “Zátopek“, und “Nurmi“. Um zu verhindern, dass sie sich auf Nimmerwiedersehn auf Wan­der­schaft in die weite Welt begaben, banden wir sie morgens an einem Hinterbein mit einem langen Zwirnsfaden an einem Pflock an, den wir ins Gras steckten. Bis zum Abend hatten sie stets unermüdlich präzise abgezirkelte Kreise ins Gras gespurt – für Nicht­ein­ge­weihte ein mysteriöses Phänomen auf unserem Rasen.

18. September

Heute ist in den USA übrigens der National Cheeseburger Day. Kann man wissen, muss man aber nicht.

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“Who’s on First?“ ..

    .. oder:  Warum ich bei McDonald’s noch nie in den Plafond geballert habe *)

Gelegentlich kauf ich bei McDonald’s zwei Cheeseburger, das tu ich aber immer nur dann, wenn ich meine Uzi grad nicht mithabe. Grund ist dieser Running Gag mit der traditionellen Doppelconference, welche die Angestellten dort mit den Kunden ständig ab­ziehen, weil sie’s offenbar nicht leid werden, das mords witzig zu finden, oder weil die Kundenverarschung bei denen halt zur Unternehmensfolklore gehört, was weiß ich. Erinnert mich immer an diesen Abbott & Costello-Sketch “Who’s on First?“ – na, jeder der schon mal bei McDonald’s war, kennt die Nummer eh:

    “Zwei Cheeseburger zum mitnehmen, bitte.“
    “Zum Trinken?“
    “Zum mitnehmen. Zwei Cheeseburger.“
    “Zum Trinken?“
    “Nein, zum essen.“
    “Zwei Cheeseburger zum mitnehmen. Und zum Trinken?“
    “Zum mitnehmen und essen.“
    “Und zum Trinken?“ undsoweiter ..

Hier kommt der Moment, wo Michael Douglas im Burger-Laden in “Falling Down“ die Uzi aus seiner Reisetasche hervorholt und eine Salve in den Plafond ballert. Nicht dass ich das in dem Moment nicht auch gern tun würde, aber vernünftigerweise geh ich ja für gewöhnlich un­be­waffnet zum Cheeseburgerkaufen und lass die Uzi vorsätzlich da­heim im Schrank, wie oben erwähnt.

.© Illustration mit freundl. Genehmigung Lisa Neun

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*) (Beitrag in: “Mindestenshaltbar“/2006)

16. September

»Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist.«
(Friedrich Torberg, Die Tante Jolesch)

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Heute vor 110 Jahren wurde der große Friedrich Torberg (1908-1979) geboren. Wenn man allenthalben in der Zeitung liest, wie die Leute landauf landab unentwegt vom Glück verfolgt werden, so erinnert das an seine Tante Jolesch:
Als sich einer bei einem Unglück den Arm gebrochen hatte, sagte sie: »Noch ein Glück, der Arm hätte ab sein können«. Als einer bei einem Unglück einen Arm verlor, sagte sie: »Noch ein Glück, er hätte tot sein können.« Und als einer bei einem Unglück ums Leben kam, da sagte sie: »Noch ein Glück, hat er nicht lang leiden müssen.«

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Was daran konkret ein Riesenglück sein soll, statt gegen einen Laterne(n)mast gegen einen Alle(e)baum zu prallen, konnte freilich noch nicht herausgefunden werden.

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Glück ist bekanntlich relativ.

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Glück im Unglück, dass der Betonmauer nix passiert ist.

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Glück im Unglück, dass der junge Biker offenbar so klein war, um unter der Leitplanke stehen zu können ohne sich daran den Kopf anzuschlagen.

12. September

»Ich kann nur raten, den Gegner ernst zu nehmen,
auch wenn der Torwart eine Pudelmütze trägt.«
(Josef Hickersberger, 2003)

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Heute vor 28 Jahren fand in Landskrona/Schweden das denkwürdige Fußball-Länderspiel zur EM-Qua­li­fi­ka­tion zwischen den Färöer-Schafsinseln und Österreich statt, welches mit dem Er­geb­nis 1 : 0 für die Färöer endete – entgegen der zuvor von Stürmer Toni Polster auf­ge­stell­ten Pro­gnose eines zu erwartenden 10 : 0-Sieges für Österreich. Draufhin trat der öster­rei­chi­sche Nationaltrainer Josef Hi­ckers­berger zurück und verschwand in der Ver­sen­kung, aus der er indessen 15 Jahre später wie­derum hervortauchte: nämlich als – trara! – neuer öster­rei­chi­scher Nationaltrainer *).
Schuld an dem blamablen Resultat war die weiße Pudelmütze des färöischen Torwarts, wel­che die österreichischen Spitzenstürmer gemäß deren übereinstimmender Aussage so massiv irri­tier­te, dass es ihnen nicht gelang ein Tor zu schießen.
Jene legendäre weiße Pudelmütze des Torwarts der schafsinsulanischen Amateurmannschaft, Jens Martin Knudsen (im Zivilberuf Gabelstaplerfahrer in einer Fischfabrik), hatte des­sen Mut­ter gestrickt und wird seither im Nationalmuseum in Runavik als Staatsreliquie auf­be­wahrt. Pudel­müt­zen­träger Knudsen wird noch heute auf den Färöern als Nationalheld ver­ehrt.
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*) (In seiner zweiten Ägide als österreichischer Teamchef beschwerte sich Hickersberger vor dem Länderspiel Trinidad & Tobago gegen Österreich: »Das ist ja unfair: zwei gegen einen.«)

10. September

Heute vor 77 Jahren wurde der große Evolutionsbiologe und Humanist Stephen Jay Gould (1941-2002) geboren, der in seinem umfangreichen, unerhört klugen Werk u. a. darlegte, dass es zwischen Christentum und Evolutionslehre nicht notwendigerweise einen Wider­spruch ge­ben müsse. Gould war ein Verfechter der holistischen Betrachtungsweise in der Wissen­schaft, was er an­hand des Elefantenbeispiels illustrierte:

Man führe drei Blinde nebeneinander an einen Elefanten heran und trage ihnen auf, das Tier zu be­schreiben. Der erste ertastet den Schwanz und sagt: ein Elefant ist wie ein Strick. Der in der Mitte sagt: ein Elefant ist wie eine Wand. Und der dritte, der den Rüssel ertastet, sagt: ein Ele­fant ist wie eine Schlange. Freilich hat ein jeder der drei mit seiner Einzelbetrachtung recht, aber einen Elefanten hat keiner insgesamt zutreffend beschrieben. Erst aus der Summe der Be­trach­tungen wird ein ganzes Bild daraus.

Dass gegensätzliche Betrachtungsweisen durchaus gleichberechtigten Bestand haben dürfen, zeigt Gould an einem weiteren Exempel: fragt man einen (weißen) Europäer, wie ein Zebra aus­schaut, so beschreibt der es für gewöhnlich als ein weißes Tier mit schwarzen Streifen. Ein (schwarzer) Afrikaner dagegen beschreibt dasselbe Zebra als ein schwarzes Tier mit weißen Strei­fen. Lediglich eine Frage des unterschiedlichen Betrachtungswinkels.

8. September – Tag der deutschen Sprache

Jedes Jahr am 2. Samstag im September feiert der VDS (Verein Deutsche Sprache e.V.) den Tag der deutschen Sprache, und nach dem Willen des Vereins soll dieser Tag ..

» .. ein Sprachbewusstsein schaffen, das [..] insbesondere die Sucht, überflüssige englische Ausdrücke zu benutzen, eindämmt oder verhindert. «

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Jährlich verleiht besagter VDS einer Person oder Institution, welche durch besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache aufgefallen ist, den Titel »Sprachpanscher des Jahres«, und dass etwa die Institutionen SPIEGEL für die Dumm­deng­lisch-Kreation »Fast-Horror-Crash« oder DUDEN für das Aushecken der überflüssigen grammatikalischen Missgeburt »Crash; Plural: Crashs« bei den bisherigen Titelverleihungen leer ausgingen, ist freilich eine crash grässliche Ungerechtigkeit.

7. September – olle Fregatten

Heute ist der Geburtstag von Queen Elizabeth, Königin von England. Die olle Fregatte.
(Der vierhundertfünfundachtzigste übrigens.
Gemeint ist natürlich Queen Elizabeth I, 1533–1603.)

Auch Queen Elizabeth 2 taugt längst nur mehr als Museumsstück, die olle Fregatte.
(Ihre Nachfolgerin ist Queen Mary 2. Gemeint sind natürlich Schiffe.)

4. September

Heute vor 69 Jahren wurde in Berlin-Charlottenburg erstmals eine gar abscheuliche Greueltat aktenkundig, die seitdem zahllose Nachahmungstäter fand: das grausame Ersäufen einer guten deutschen Wurst in gezuckerter Tomatensoße.

Eine barbarische kulinarische Freveltat – man möchte meinen, die arme un­schuldige Wurst um Erbarmen flehen zu hören.