Autor: nömix

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1. Oktober – Vegetarisches

Heute ist übrigens Weltvegetariertag.
Anlassdichter Kollege KrassNick reimt über die Vegetarier:

    Warum die Vegetarier
    die pflanzliche Ernährung
    bevorzugen, hat eine sehr
    einleuchtende Erklärung:
    Tiere muss man vor dem Verzehr
    erst fangen. Sind die schneller,
    kriegt man sie allerdings nur schwer
    als Mahlzeit auf den Teller.
    Es lässt sich an pflanzliche Nahrung
    viel einfacher gelangen:
    Weil diese, so zeigt die Erfahrung,
    lässt sich viel leichter fangen.
© mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

30. September – Hieronymustag

Heute ist der Internationale Übersetzertag*, nämlich am Todestag des Heiligen Hieronymus, Schutzpatron der Dolmetscher & Übersetzer.

Übersetzungen stechen mitunter durch grobe Unsinnigkeit hervor, inbesondere als Resultat hirnlosen Übersetzens von englischen Pressetexten: so werden dann etwa »billions« zu »Bil­lionen«, »alien life forms« zu »Aliens« und »50.000 troops« (= Soldaten) zu »50.000 Truppen«.

Oder die unausrottbare uralte Wiedergänger-Nummer mit dem »vice president«, ..

.. der kein »Vizepräsident« sondern Abteilungsleiter ist, und darum nicht »Vizechef« sondern Chef der Beschaffungsabteilung.

Klassische Beispiele für gravierend sinnentstellende Übersetzungsfehler finden sich unter­des­sen be­reits im Buch der Bücher, wo aus dem aramäischen Urtext etwa ein Seil (“gamta“) zu ei­nem Kamel (“gamla“) fehlübersetzt wurde, welches seither sprichwörtlich durchs Nadel­öhr geht.

Selbst kleine Fehler können große biblische Wunder bewirken: etwa dann, wenn »er [Jesus] ging an den See« stattdessen als »ging auf dem See« [Mt 14,25] übersetzt wird.
(Kollege KrassNick reimt über besagtes Seewunder übrigens die launigen Verse:)

    Es rief die Menge: »Seht,
    ein Wunder!
    Über den See Genezareth
    schreitet der Herr, und geht
    nicht unter!«
    Über das Wasser schritt der Herr.
    (Doch allerdings verriet er der
    verblüfften Menge später:
    »Das Wasser war ja, bittesehr,
    eh nicht so tief: im Schnitt nicht mehr
    wie fuffzehn Zentimeter.«)
    ───────────────────────────────────────────
    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

Exxpressionistisches: Desinformatives

Das Desinformationsmedium “eXXpress für Selberdenker – Medium, des­sen objektive, wahr­heits­ge­treue und kritische Be­­richt­er­stat­tung der Information der Öffent­lichkeit dienen soll.“ des­in­formiert die Öffentlichkeit:

In Wahrheit hingegen verloren Mitte-Rechts-Partei (Forza Italia) mehr als ein Drittel, und Rechts­populis­ten (Lega) beinahe die Hälfte ihrer Wählerstimmen, die M5S-Po­pu­lis­ten sogar mehr als die Hälfte. Mit Giorgia Meloni den klaren Sieg in Italien holten sich viel­mehr die Ul­trarech­ten (Fratelli d’Italia), und die sind garantiert keine “Mitte-Rechten“, son­dern Neo­fa­schisten: Rechtsradikale. Giorgia Melo­ni, die in Rom triumphierte, ist eine Rechtsextreme – weiter weg von der Mitte geht gar nimmer.

Weil man aber weiß, dass Desinformation der Öffentlichkeit grundsätzlich der Blattlinie des “eXXpress“ ▶️ ent­spricht, muss der “Klarer Sieg für Mitte-Rechts“-Blödsinn freilich niemand ver­­wun­dern.

28. September

Heute vor 75 Jahren wurde Herbert “Ich-sage-es-in-aller-Klarheit“ Haupt geboren, einer der schrägsten Käuze in Lügen­kanzler Schüssels legendärem Witzfigurenkabinett.
Herr Haupt kasperte unter anderem als Witzekanzler & FrauenministerIn durch die öster­rei­chische Bundespolitik, wofür er zweimal das Große Goldene Ehrenzeichen der Republik um­ge­hängt kriegte. Für seine Verdienste um die Pflege der sinnentleerten Satzver­schach­te­lung wurde in zahllosen österreichischen Ortschaften eine Straße nach ihm be­nannt.

27. September

Die reizende Sierra Hull hat heute Geburtstag, ehemaliges “Wunderkind“ und heute mehrfach preis­ge­krönte Virtuosin auf der Amerikanischen Mandoline.

Die achtsaitige Mandoline, ursprünglich von italienischen Immigranten mit­gebracht, wurde als Gibson F5-Modell mit flachem statt gewölbtem Boden zum Standardinstrument in der ameri­ka­ni­schen Country- und Blue­grass-Musik. Ein klassisches Bluegrass-Ensemble setzt sich traditionell zusammen aus: Fiddle, Mandoline, Gitarre, Banjo, Kontrabass, und meist auch Dobro (Steel Guitar): ▶️

Sam Bush, einer der bedeutendsten Mandolinisten der Welt, sagt über Sierra Hull: »She’s ki­cking the good old boys in the ass in the world of mandolin. Bluegrass, it ain’t just for boys anymore.«* – Und singen kann sie übrigens auch, hörenswert:  ▶️ ▶️

KaKaDu der Woche: Poriginelles

Wen lassen die bei “ZackZack – postideologisches Medium für kritische und in­vestigative Bericht­erstattung über Politik, Medien und die wirtschaftliche Elite des Lan­des“ eigentlich die Überschriften-Kalauer aushecken, einen Elfjährigen? Und welche Leserschicht wollen die mit derlei kindischen Kaspereien eigent­lich als Zielgruppe ansprechen, Elfjährige oder Zurückgebliebene?
Dafür gibt’s auch diesmal wieder den KaKaDu der Woche (Abb. links), für den “Kin­der­gartenadäqua­testen Kalauer-Dumpfsinn“.

Wahlversprechungen: Herr Brunner »beendet ein Chaos« und rettet die Welt

(Heute.at)

Michael Brunner, Kandidat der Coronaleugner-Partei MFG zur österreichischen Bundes­prä­sidentschaftswahl, erklärte im ORF-Interview*, welch allerlei Vorhaben er nach seiner Wahl zum Bun­des­präsidenten alsogleich in die Tat umzusetzen gedenke:

  • Als erste Amtshandlung wolle er zuvörderst »sofort die gesamte Bun­des­re­gie­rung ent­lassen, um ein Chaos zu beenden.«
  • Ja eh, war ja wohl klar. (Wer danach weiterregieren soll, verrät er nicht – um das herauszu­finden, müsste man ihn halt erstmal wählen: dann würde man’s schon sehen.)

  • Daraufhin wolle er »nach Russland reisen und dann in die Ukraine, an­schließend zu den “indirekten Kriegsparteien – nämlich EU und USA“, und den Frieden her­stellen.«
  • Herr Brunner beabsichtigt den Frieden herzustellen, da schau her. Na wenn das ein Politiker im Wahlkampf verspricht, wird man das wohl glauben müssen.

  • Alsdann werde er »die Teuerung beenden und die Energiekrise stoppen.«
  • Hat der wahrhaftig so versprochen, kein Witz. Kann man nicht erfinden.
    Jetzt brauchen die Österreicher den Spezi nur noch zum Bundespräsidenten zu wäh­len, und alles wird gut: die Welt darf hoffen.

    Exemplarisches: Bumsti-Logik

    Bumsti Straches Ehefrau lässt sich wegen “schwerster Eheverfehlungen“ von ihm scheiden. Schuld an der Scheidung wäre aber nicht er, sondern sie, wie er erklärt – weil: “SIE lässt sich ja scheiden!“ *

    Exemplarischer Fall von Bumsti-Logik. Fährt einer mit dem Auto gegen die Wand, ist nicht der Fahrer schuld dass es hin ist, sondern das Auto – weil: DAS ist ja hin!

    20. September

    Sophia Loren feiert heute Geburtstag, in unverblasster Grandezza. 1959 spielte sie unter der Regie von Casablanca-Regisseur Michael Curtiz die Titelrolle in dem Kos­tüm­schinken “Prin­zes­sin Olympia“. Neben Sophia Loren und Maurice Chevalier spielt darin ein Oldtimer Laurin & Klément Modell 1909 eine tragende Rolle, und der Chauffeur dieses Oldtimers war mein Schwiegervater.

    Das kam so: die Besitzerin des Oldtimers, eine über achtzigjährige Dame, hatte ihn seinerzeit von ihrem Herrn Vater geerbt und jahrzehntelang in einer Wiener Garage eingemottet, als er 1959 von der Requisitenabteilung von Carlo Pontis (Sophia Lorens Ehemann) Film­pro­duk­tionsfirma aufgestöbert und für die Dreharbeiten angemietet wurde. Kein Mensch hatte eine Ahnung, wie das alte Stück in Betrieb zu setzen war, die Filmleute wandten sich an den ÖAMTC (österr. Pendant zum ADAC) um Rat. Und mein Schwiegervater, damals junger Pannendienstfahrer beim Automobil-Club, wurde für den Auftrag abkommandiert, er besorgte sich aus Archiven technische Unterlagen und begann an dem verstaubten Erbstück in der Garage herumzuschrauben: nach einer Weile sprang er an und lief wie am Schnürchen. Er wurde auf einem Lkw zu den Dreharbeiten nach Italien verfrachtet, mein Schwiegervater kriegte einen Ver­trag von der Pro­duk­tions­firma und ein Flugticket nach Rom.
    Bei den Dreharbeiten fuhr er den Laurin & Klément souverän, Regisseur Curtiz war zufrie­den und klopfte ihm auf die Schulter. Sophia Loren sei sehr nett gewesen und habe ihm natürlich gefallen, erzählt er, geflirtet habe er aber nicht mit ihr: »Ich bin ja nicht deppert, und fang mir was mit der Frau vom Chef an.«

    17. September – Tag des Bades

    Der offizielle Tag des Bades* findet jedes Jahr am dritten Samstag im September statt.
    Der private Tag des Bades* fand einst traditioneller­weise ebenfalls am Samstag statt, frei­lich nicht nur einmal jedes Jahr, sondern mehrmals.

    Abb.: Städtisches Amalien-Bad Wien X.,in “Wiener Bilder – Illustriertes Familienblatt“ (1927)
    Weiland gab es in Wien, nebst mehrerer städtischer “Wannen-, Dampf- und Hallenschwimm­bäder“, in allen Stadtbezir­ken jeweils eine öffentliche Badeanstalt: sog. Städtische Volks­brau­sebäder (“Tröpferlbäder“), allwo dem gemeinen Volk Gelegenheit gebo­ten war, sich gegen ge­rin­ges Entgelt eine warme Du­sche angedeihen zu lassen. Mittler­weile bestehen nur noch fünf solcher Volksbrausean­­­stal­­­ten, sämtliche üb­rigen wurden im Lauf der Zeiten aufge­­las­sen und fielen der Gen­t­ri­fi­zie­rung anheim.
    Am Wiener West- sowie Südbahnhof wurden die Duschbäder vor dem Umbau von den dorti­gen Bahnhofsfriseuren betrieben: die Duschkabinen befanden sich im hinte­ren Be­­­reich de­ren Eta­b­lissements, und um dahin zu gelangen hatte man unter Ge­leit des Friseurs zu­erst seinen Frisiersalon zu durchqueren, vorbei an der Reihe der Kundinnen, wel­che dort un­ter Trockenhauben saßen und von ihren Illustrierten aufblickten, um die am­bulanten Dusch­­­gän­ger einem Augenschein zu unterziehen.

    Exxpressionistisches: Prozentrechnen für Selberdenker

    Das Desinformations- & Fakenews-Verbreitungsmedium “eXXpress für Selberdenker“ ▶️ ver­­­mel­det über die Covid-19-Impfung:

    » Beim deutschen Paul-Ehrlich-Institut gingen 323.684 Einzelfallmeldungen über den Ver­dacht einer Nebenwirkung oder einer Impfkomplikation ein.«

    (323.684 Einzelfallmeldungen bei 182.717.880 = über 182 Millionen Imp­fungen.)

    » 120 Fälle waren eindeutig
    In einem Prozent der berichteten Verdachtsfallmeldungen wurde ein tödlicher Verlauf [..] mitgeteilt. In 120 Fällen war die Sache ohne Zweifel klar. Einer von hundert Patien­ten, die eine Nebenwirkung meldeten, sind also verstorben!«

    120 Fälle von 323.684 Verdachtsfallmeldungen: das sind nicht »Ein Prozent«, sondern 0,037 Prozent oder 0,37 Promille.
    Was diesen Fakenews-Verbreitungstroll vom “eXXpress“ dazu umtreiben mag, da über »Ein Prozent, also einen von hundert!« an Impfschäden verstorbene Patienten zu fabulieren, darüber lässt sich le­dig­lich spekulieren.

    Komplimentäres

    Was soll das heißen? Was auch immer unter dem Begriff einschüchternde „Komplimente“ ver­standen sein will, kann es sich jedenfalls um nichts handeln, was man gemeinhin un­ter einem Kompliment zu verstehen hat.

    Vor Jahrzehnten war ich mal mit einem Mädchen in Spanien, und als ich dort irgendwo mal ein paar Schritte von ihrer Seite wich, da raunte ihr einer im Vorübergehen irgendwas zu und ging weiter. Sie sprach bissel Spanisch, aber als ich sie fragte was der zu ihr gesagt habe, er­klärte sie bloß kurz angebunden: »Ach nix, irgendso ein piropo-Quatsch halt.« Sie kannte das von früheren Spanienbesuchen.

    Ein Piropo*, ein sog. “Flüster-“ oder “Schmeichelkompliment“ ist eine in der spanischen und lateinamerikanischen Machismo-Kultur traditionell gepflogene Unsitte, fremden Frauen mit beiläufig zugeraunten galanten Komplimenten auf die Nerven zu ge­hen. Ein traditioneller Piropo sollte indes keine sexuelle An­züg­lich­keit oder gar Anstößigkeit darstellen.
    Damals wusste ich noch nicht, dass derlei Faxen von den betroffenen Frauen freilich als un­ange­nehme Belästigung empfunden werden, und bildete mir im Gegenteil noch was dar­auf ein, eine so attraktive Begleiterin zu haben dass ihr wildfremde spanische Män­ner im Vor­­über­gehen Kompli­mente machten – und meinte sie müsse sowas doch ebenfalls als schmei­chel­haft empfinden statt als lästig, ich Depp. Mittlerweile, in Zeiten allenthalben geführter Be­läs­ti­gungs­de­bat­ten, weiß ichs besser.

    Mit den originären spanischen Piropos aber, was auch immer man von denen halten mag, können die nunmehr in Spanien unter Strafe gestellten sog. „einschüchternden Komplimente“ jeden­falls nix zu tun haben.

    Waidmännisches: Camouflage unterm Hinterteil

    Hubertus-Fieldsports® Jagdausrüstung empfiehlt zur komfortablen Ansitzjagd das Mjoelner Schaumstoff-Sitzkissen (Prym1-Camo) um satte 17,43 €uro:

    • »Dank der Gürtelschlaufen lässt sich das Kissen am Gürtel befestigen,«
    Damit es nicht verloren geht, während man draufsitzt.

    • »Das Material ist lautlos und bietet einen hohen Sitzkomfort.«
    Lautlos. Im Gegensatz zu einem Furzkissen.

    • »Durch das Prym1-Camo-Tarnmuster fügt es sich farblich ein und fällt nicht unnötig auf.«
    Tarnmuster. Damit es nicht unnötig auffällt, während man draufsitzt.
    (Sitzkissen mit Schlaufen gibts übrigens bei Möbelix schon um 3,99 €uro – leider halt nicht im Prym1-Camo-Tarn­mu­s­ter, aber dafür in waldgrün. Damit sichs farblich einfügt.)

    Exxpressionistisches

    »Es ist wahrhaft kein Schmarrn zu blöd, als dass er in der Zeitung steht.«
    (M. Krassnig)

    Das Desinformations- & Fakenews-Verbreitungsmedium “eXXpress für Selberdenker“ ▶️ ver­­meldet:

    Laut einer italienischen Zeitung* soll angeblich ein anonymer Nachbar hinter den geschlos­senen Fensterläden einer Villa in der Toskana, die angeb­lich dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj ge­hört, angeblich »Russisch gehört« haben.

    Laut Corriere della Sera* ergab eine Nachfrage bei der Immobilienagentur, welche die Vil­la vermietet, dass es sich bei den Mietern um keine Russen handelt.

    Exxpressionistisches: Gagaistisches

    Das informelle ÖVP-Zentralorgan sowie Desinformations- & Fakenews-Verbreitungsmedium “eXXpress für Selberdenker“ vermeldet:

    Winnetou-Verbot. Ohne Anführungszeichen.
    Man hat sich Frau ÖVP-Generalsekretärin Sachslehner als eine Art weiblich gelesenen Wie­dergänger eines Herrn ÖVP-Realsatirikers Hanger vorzustellen: auch bei ihr fragt man sich, sobald sie den Mund auftut, ob sie die als Kind womöglich zu heiß gebadet oder ihr heimlich irgendwas nicht rezeptfreies ins Müesli gestreut haben. Wie etwa bei dieser Wortmeldung:

    Von welchem “Verbieten“ redet die Frau da, was schwätzt sie da einher? Gagaistisch.
    Weder ein Kinderbuch noch ein Kinderfilm wurde von irgendwem verboten.

    27. August – Ösizistisches

    Gerhard Berger vulgo “Hättiwari“ hat heute Geburtstag: der personifizierte
    Kon­junk­tivus Aus­triacus, wie ihn Kollegin Thera trefflich titulierte.

    Der populäre KURIER-“Kopfstücke“-Kolumnist Herbert Hufnagl (1945-2005) war es weiland, der Berger den Beinamen Hättiwari [= “Hätte ich, dann wäre ich“] und der Redensart damit eine neue Dimension als eigenständiges Substantiv verlieh, welches daraufhin als Ösi­zis­mus gebührliche Aufnahme in den Duden fand.

    Über aussterbende Kulturtechniken, ..

    .. z.B.: Das Aufsperren von Schlössern mittels Schlüssel, sowie das Landkartenlesen & der Gebrauch des Verstandes

    Erzählt mir ein Kollege, der Freund seiner Tochter sei zwar ein netter Kerl, aber leider auch ein aus­ge­spro­che­ner Hirni. (Sol­chen Fall kenn ich freilich auch ;) Leiht sich der sein Auto aus und ruft von un­terwegs an: die Fern­be­dienung für die Zen­tral­ver­rie­ge­lung funktioniert nimmer, zu­sperren hat vorhin noch geklappt, doch jetzt macht die keinen Piep mehr, Autotür geht nimmer auf.
    Na dann sperr halt mit dem Schlüssel auf, du Hirsch, rät mein Kollege ihm am Telefon. – Ah ja, sagt der, und ruft danach nimmer an: hat er also das Auto­tür­auf­sperren mittels her­kömm­licher Auto­schlüs­sel-ins-Tür­schloss-stecken-Technik erfolgreich hin­ge­kriegt.

    Kollege Trithemius schreibt hier über einen, welcher das vermeintliche Schwinden der Kul­tur­­tech­nik Hand­schrift beklagt, weil allenthalben nur mehr per Tastatur oder Touchscreen ge­schrie­ben wird. Mag sein. Als zu unserer Schulzeit die elektronischen Taschenrechner populär wurden, wurde über das drohende Aus­ster­ben der Kulturtechnik Kopfrechnen geklagt – mag ebenfalls sein. Ob man das nun für betrüblich halten will oder nicht: Fakt ist jedoch, dass das ge­deih­li­che Fort­kom­men der Mensch­heit da­durch kaum ernstlich beeinträchtigt oder gefähr­det würde. Es beklagt sich ja auch keiner, fortschrittliche Errungenschaften wie z.B. tele­fo­ni­scher Pizza­be­stell­service ver­drängten die alt­her­ge­brach­te Kulturtechnik, loszuziehen und sich seine Mahl­zeit selber zu jagen oder pflücken.

    Mit dem Aussterben anderer Kulturtechniken kann’s hingegen wohl problematisch werden: wenn etwa beim Auto meines Kollegen auch das Navi ausfiele, würde sein Tochterfreund wo­mög­lich nimmer heimfinden und bliebe samt Auto verschollen. Obwohl er nochmal anrufen und er­fah­ren könnte, dass im Handschuhfach eh ein Stadtplan liegt – aber damit leider nix an­zu­fan­gen wüsste: vielen ist die Kulturtechnik des Land­kar­ten­le­sens ja auf­grund per­ma­nen­ter Navi-Gän­ge­lung mittlerweile fremd geworden. (Manchen bekanntlich auch der Ge­brauch des un­ge­trüb­ten Verstandes, die semmeln sodann sehenden Auges schnurstracks in die Ra­batten, weil ihnen ihr Navi angeschafft hat: »Fahren Sie geradeaus durch den Kreisverkehr.«)

    (Fällt mir grad im Zusammenhang mit ferngesteu­er­ter vs. manueller Türverriegelung der Opel Diplomat ein, den ich mal besaß: der hatte elektrische Fensterheber, aber überdies dazu noch Fensterkurbeln, und das erschien mir doch recht apart. Wären die elektrischen Fen­sterheber also mal hin gewesen, hätten sich die Fenster dennoch auf die landläufige Methode händisch auf­kur­beln lassen. Oder der Silver Dawn von 1955, der als letzter Rolls Royce noch das tra­di­tio­nelle Loch vorn in der Stoß­stange hatte wo­durch er sich not­falls per Kurbel anwerfen ließ, sollte der elektrische Anlasser ausfallen.) (Im Reader’s Digest las ich darüber die Anek­do­te, wie einer einen Rolls Royce kaufen will und sich über das für den Kurbelstart vorhandene Loch mo­kiert: wozu ein zuverlässiges Auto das überhaupt nö­tig habe? Darauf belehrt ihn der Ver­käu­fer, wozu er überhaupt Brustwarzen benötige: näm­lich für den Fall, dass er mal ein Kind ge­bä­re und es stillen müsse. Und ebenso wahrscheinlich trete mal der Fall ein dass die Kurbel notwendig wäre, weil ein Rolls Royce nicht zu­ver­läs­sig an­springen würde.) Aber zurück zum Thema:

    War das mit der Ratlosigkeit, die manch einen im gewohnten Alltag heillos zu übermannen dräut, sobald gewohnte Alltagstechnik sich un­ver­sehens ihres Dienstes ent­schlägt, eigentlich schon immer so? Stand denn Alexander der Große ratlos vor dem Gor­di­schen Knoten wie der Ochs vorm Tor und Tochterfreund vor Auto­tür, weils damals keine Kno­ten­lö­sungs-App fürs Smartphone gab? Hätten die Wikin­ger denn Grön­land und die Fidschis die Osterinsel nicht ent­deckt, wenn ihr Navi aus­ge­fallen wäre? – Oder handelt sichs um eine zeit­ge­nös­sische Prob­le­ma­tik, welche akut her­vor­tritt: sollten nach­kom­men­den Generationen gar trübe Aus­sichten be­vorstehen, weil sich beim Ausfall di­ver­sen tech­ni­schen Schnickschnacks ohne diesen keiner mehr an­der­wei­tig zu be­hel­fen wüsste?

    Nein, das gravierende Manko an krea­ti­ver Problemlösungskompetenz, woran so mancher Ex­po­nent der Spezies Homo sapiens (sapiens, lat.: »ver­nunft­be­gabt«) laboriert, ist kein mo­der­nes Phä­no­men, das gabs schon immer. Man kennt das von der Fliege und dem Fenster: ein Fens­ter­flü­gel ist zu, einer geöffnet. Was macht die Fliege? Wummert unablässig gegens Fens­ter­glas bis der Schä­del brummt, an­statt einfach beim offenen daneben ungehindert raus­zu­flie­gen. Das Flie­gen­hirn kapierts halt nicht: »Was mit Gewalt nicht geht, muss auch mit mehr Ge­walt noch lang nicht gehen«, und kennt nicht die Prob­lem­lö­sungs­alternative: »Was mit Gewalt nicht geht, geht vielleicht anders«. Wie die Autofahrer, die mit durchdrehenden Rä­dern im Schnee festsitzen und trotzdem beharrlich Vollgas geben obwohl das offensichtlich nix nützt: auf die nahe­lie­gen­de Idee »wenn mehr Gasgeben nix nützt, nützt vielleicht weniger« kommen die nicht. Und werden auch nicht klüger daraus, sondern fallen eher dem Schä­del­brummen oder der Trüb­sal anheim, als eine probatere Strategie in Erwägung zu ziehen.
    (Karl Kraus schrieb einst: »Es scheint der Menschennatur verhängt zu sein, durch Erfahrung dümmer und erst durch deren Wiederholung klüger zu werden, und besonders die In­tel­li­genz muss viel mitmachen, bevor sie zur Einsicht gelangt [..]« – Dahin gelangt indessen beileibe nicht jeder, und nicht unbedingt muss mangelnde Intelligenz die Ursache dafür sein. Nennen wirs stattdessen lieber: mangelnde Problemlösungskompetenz auf dem Gebiet der Kultur­tech­nik Autofahren.)

    Tja, worauf wollte ich bei dem ganzen Thema samt Abschweifungen eigentlich hinaus? Weiß nimmer. (Bissel he­rum­gemo­sert halt, wieder mal. Genug für heute.)
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    (Beitrag zu Kollege Dominiks *.txt-Projekt: »trüb«)

    Laut einer aktuellen Studie

    Geht wer für eine “aktuelle Studie“ in ein Pensionistenheim und befragt dort die Insassen: »Sind Sie Pensionist?« – antworten neun Befragte mit Ja, und der zehnte gibt keine Antwort. Steht draufhin der Aufmacher in der Zeitung:

    »Umfrage: Neun von zehn Österreichern sind Pensionisten«
    Nachdem man z.B. aus Österreichs meistgelesener Verschenkzeitung bereits erfahren durfte dass “laut einer aktuellen Studie“ 67 Prozent der Österreicher täglich Sex haben*, sowie von Österreichs bedeutendstem Volksinformati­ons­organ darüber informiert wurde dass jeder dritte österreichische Pensionist fremd zu ge­hen pflegt*, bringt Österreichs auflagenstärkste Verschenkzeitung nunmehr zur Kenntnis:

    Das Resultat einer Umfrage zum Thema Fremdgehen unter der Klientel einer Seitensprung­börse statistisch auf “die Österreicher“ umzulegen, ist methodisch mindestens fragwürdig. Hätte die stattdessen aber im Pensionistenheim stattgefunden, dann wäre als Resultat gar “Jeder Dritte geht fremd“ herausgekommen, siehe oben.

    Idiomatisches

    »Ein Bayer wird nie die für ihn völlig abstrakte Bezeichnung “Gott“ gebrauchen,
    er sagt stets “Herrgott“.«  (Oskar Maria Graf)

    Da produziert der ORF eine Reihe über diverse Schlösser und deren adelige Herrschaften in Österreich unter dem Titel “Herrschaftszeiten!“, welcher garnicht einmal unoriginell wäre – wenn er nicht unsinnig wäre: weil der bairische Ausdruck nämlich gar nicht so heißt (und auch mit “Zeiten“ gar nix zu tun hat), sondern “Herrschaftseiten!“ oder “Herrschaftzeiten!“.

    Die etymologische Herleitung der Interjektion “Herrschaftseiten!“ (o. “Herrschaftzeiten!“) als ausdrückliche Un­muts­be­kundung ist ungewiss, möglicherweise aus einer Verglimpfung des gleich­falls gebräuchlichen mundartli­chen Fluchs “Herr­gottzefix“. Nicht unplausibel scheint auch eine phonetische Ver­schleifung (Enklise) der Redensart “Herr, schau auf d’ Seit’n!“, in der Be­deu­tung “Herr[gott], blicke [gnädig] hin­weg [über dieses Unge­mach]!“.

    Anempfohlenes: Befremdliches

    Nachdem der “Focus“ bereits nutzreiche Notfalltipps bei einem Tornado in Sicht zu emp­feh­len wusste, sowie drauf­hin die “Bunte“ ebensolche bei einer Nuklear-Explosion, ist nunmehr wiederum der “Focus“ an der Reihe:

    Obgleich »ein totaler Blackout in Deutschland auch inmitten der Energiekrise sehr unwahr­scheinlich ist«, anempfiehlt (sic) das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophen­hilfe (BBK) »eine eigene Packliste für den Notfall, die auf den Fall der Fälle vorbereitet«, wie der “Focus“ aktuell zur Kenntnis bringt.
    In dieser vom BBK anempfohlenen Liste mit »Essen und Trinken, das für eine Notfall­ver­sor­gung für 10 Tage als Vor­rat Zuhause zu haben« empfohlen wird, fallen insonders die glei­cher­maßen detaillierten wie befremdlichen Mengenangaben auf – z.B.:
    • Kirschen im Glas: 500 g
    • Birnen in Dosen: 179 g
    • Aprikosen in Dosen: 179 g
    • Mandarinen in Dosen: 250 g
    • Ananas in Dosen: 250 g
    • Rosinen: 143 g
    • Haselnusskerne: 143 g
    • Trockenpflaumen: 179 g
    • Frischobst (Apfel, Birne, Banane, Orange): 714 g
    • Zitronensaft: 0,14 l
    • .. u.a.m.
    Das reicht locker für 10 Tage lang täglich Obstsalat – mit so einer Einkaufsliste loszuziehen um die emp­foh­lenen Notfallvorräte jeweils den präzisen Mengenvorgaben entsprechend be­­schaf­fen zu wollen, dürfte sich freilich als eher unlockere Unternehmung erweisen.

    Ebenfalls als Ausstattung für 10-tägige Notfallversorgung wird empfohlen:
    • Kartoffeln, roh, geschält: 714 g
    Wie mit den bevorrateten 714 g rohen, geschälten Kartoffeln anschließend zu ver­fahren sei, falls innerhalb der folgenden 10 Tage kein Notfall eingetreten ist, wird dort nicht erläutert.
    • Eier: 8 Stück / ca. 379 g
    Man beachte die Gewichtsangabe. (Damit mans nicht mit Wachteleiern verwechselt.)

    Nicht in Gramm angegeben werden die empfohlenen Vorratsmengen hingegen bei:
    • Toilettenpapier (Rollen)
    • Zahnbürste, Zahnpasta (Stück)
    • Haushaltshandschuhe (Paar)
      (merke: Paar, nicht Stück)
    Keine konkrete Mengenempfehlung zur Notfallausstattung gibts dafür zuletzt bei:
    • Alkohol: nach Belieben
    Im Notfall auch für den Obstsalat geeignet, um Bowle daraus herzustellen.