Autor: nömix

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17. Jänner

Heute ist übrigens der Internationale Tag der italienischen Küche, so stehts im Kalender.

Da fällt mir die reichlich rustikale Äußerung jener saloppen Person ein, die sich unlängst bei unserem bevorzugten Italiener am Nebentisch vernehmen ließ – ihr Begleiter hatte frit­tierte Calamari bestellt, und als die auf den Tisch kamen sah sich besagte Person veranlasst, laut­hals drauflos zu krähen:
    »Heast Oida, des schaut jo aus wia bochane Oaschlecha!«
    [»Das sieht ja aus wie gebackene Rektalöffnungen«]
Auch Kollege Lo berichtet von einer Schnurre, die sich bei seinem Lieblingsitaliener zutrug.

In Rimini aßen wir mal in einer Pizzeria, dort kriegte man »Pizza tedesca«, nämlich: »Pizza con wurstel e krauti« – kein Witz.

Die vermeintlich typisch italienischen Gnocchi sind indessen keine genuine Spe­zialität der italienischen Küche, vielmehr als Lehnwort von Nockerl aus dem bairischen Sprachraum über die Ostalpen dorthin eingewandert. (Für gewöhnlich kriegen Leute beim Italiener trotz­dem Gnocchi serviert, obwohl sie “Gnotschi“ be­stellt haben.)

Haben Sie gewusst, dass italienische Teigwaren Weichtierspuren enthalten können, und dass Spaghetti auf Bäumen wachsen.

Soziozentrisches *)

»61,5 Millionen Geimpfte werden von tausend Demonstranten als Spalter bezeichnet.
Genau mein Humor.«  (Matthias Eberling)

Wenn rund 6.000 Menschen samt einem Kickl in Innsbruck das Volk sind, was sind dann ei­gentlich die 8,9 Millionen anderen, die grad woanders waren?
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*) (»Namentlich ein gewisser unterer Mittelstand des Geistes und der Seele ist dem Über­he­bungs­bedürfnis gegenüber völlig schamlos, sobald er im Schutz der Partei, Nation oder Sekte [..] auftritt und Wir statt Ich sagen darf.« – Robert Musil)

13. Jänner – Folkloristisches: Sankt-Knuts-Tag

In Schweden, Norwegen und Finnland dauert die Weihnachtszeit zwanzig Tage und endet erst am 13. Jänner, dem Sankt-Knuts-Tag. An diesem Tag werden traditionell die Weihnachtsbäume entsorgt, indem sie kur­zer­hand aus dem Fenster hinausgeworfen werden.
Zum Opfer dieser Tradition wurde einst der große französische Denker René Descartes:
Die Weihnachtsferien zum Jahreswechsel 1649/50 verbrachte Monsieur Descartes auf Ein­la­­­dung Königin Christinas von Schweden, seiner langjährigen Brieffreundin, in Stockholm, wo­­selbst er jeden Morgen um Schlag sechs Uhr früh am königlichen Früh­stückstisch anzu­­treten hatte. Welch barbarische Sitte, zu nachtschlafener Zeit zu frühstücken, parbleu!, be­­fand Des­car­tes, diese Schweden müssen wahrhaft einen an der våffla haben. Nun weiß man aber, dass in Schweden noch andere extra­va­gante Brauchtümer grassieren, etwa morgens zu Sankt Knut die ab­ge­fei­er­ten Weih­nachts­bäume directement aus dem Fenster zu expedie­­ren, all­fäl­li­gen Pas­san­ten auf die Köpfe. Und akkurat ein sol­cher landete en passant auf Mon­­­sieurs Den­ker­haupt, als er am Sankt-Knuts-Tag Anno 1650 früh­mor­gens grimmigen Ge­mü­tes durch den skandinavischen Winter stiefelte, zum Pflicht­déjeuner mit Ihro bett­flüchtiger Ma­­jestät. Von den Folgen erholte er sich nimmer, knapp einen Monat später ver­starb Des­car­tes in Stock­holm an den Aus­wir­kun­gen skan­di­na­vi­scher Weih­nachts­folklore.

Knalljournaillistisches

Wenn ein 18-jähriger Pkw-Fahrer einen Verkehrsunfall verursacht wobei sein Beifahrer ge­­tötet wird, weil er eine Stoptafel missachtet und in die Kreuzung einfährt ohne den Quer­ver­kehr zu beachten, sodass es zum Zusammenstoß mit einem vorschriftsmä­ßig einherfah­ren­den Lkw kommt – dann titelt die Verschenkzeitungs-Knalljour­naille darüber:

Dass der Lkw-Fahrer an dem Unfall völlig schuldlos war und chancenlos, ihn zu verhindern, erfährt man aus der Verschenkzeitung nicht. Was die Verschenkzeitungsjournaille indes­sen nicht versäumt, ihrer Leser­schaft mitzuteilen: dass er Serbe ist. Was zwar für den Unfallher­gang vollkommen irrelevant ist, bei den inländischen Pkw-Fahrern unter den Verschenkzei­tungslesern aber gewiss für Stimmung sorgt.

1. Jänner

(Wienerwald-Bote, 1. Jänner 1916)
         »Wieder versinkt ein Jahr in das Reich der Geschichte, ein neues zieht herauf und so mancher fragt sich mit Bangem, was dieses neue Jahr bringen wird. Die Zukunft ist un­se­ren Blicken verhüllt. Oft genug möchte man dazu sagen Gott sei Dank!«

Inszeniertes: Ex-Kanzler Kurz wird von seinem eigenen Pressefotografen erkannt

Ex-Kanzler Kurz wird beim Familienspaziergang in Schönbrunn »er­kannt und fotografiert«, erfährt man aus der “Kronen Zeitung“:

Von wem er da »er­kannt und fotografiert« wird, verrät das blässliche Kürzel “Bild: zVg“ (“zur Verfügung gestellt“) als Quellenangabe für Bilder, die der Redaktion von den abgebildeten Per­sonen selbst ange­dient wurden: von seinem eigenen Presse­fotografen also, den er bei der inszenierten Spaziergangs-Nummer extra dabeihatte.
Die Fortsetzung der Selbstinszenierung, obwohl er seiner Ämter längst enthoben ist. Dieser auf­ge­bla­sene Fatzke, dieser politische Schmierentheaterdarsteller.

„Zigeunerliebe“.

(Alpenländische Rundschau, 24. Dezember 1927)
Der Kampf um des Nächsten Hausfrau.
      Aus Edlitz wird uns gemeldet: Der Zigeuner Johann K a r o l y hat bis vor kurzem mit der verheirateten Zigeunerin Paula H o r v a t h im gemeinsamen Haushalt gelebt. Paula Horvath löste aber das Verhältnis um zu ihrem rechtmäßigen Gatten zurückzukehren. Nun hat Karoly an der Horvath einen Mordversuch unternommen, weil sie nicht mehr zu ihm zurückkehren wollte. Der zu Hilfe eilende Gatte der Horvath wurde von Karoly mit einer Hacke lebensgefährlich verletzt. Horvath wurde ins Güssinger Spital geschafft und Karoly dem Bezirksgerichte eingeliefert.

Amtslateinisches

Erneuerte Verordnung des Nürnberger Rates vom 20. Dezember 1787 mit Verweis auf die erstmalige Verordnung vom 27. Dezember 1758, über das Verbot von Böl­ler­lärm und Feuer­werk zur Neu­jahrszeit sowie danach:

Demnach vorig verwichene Jahr hero, wider besseres Versehen und Vertrauen, einige ungehorsame, unter hiesiger Stadt, Burgern und Inwohnern, um die heil. Neu-Jahrs-Zeit, sich freventlich unterstanden, mit beschwerlich- und gefährlichen Schießen und Plat­­­­schen, die wolgemeinte Oberherrliche ernstliche Verbothe und Verruffungen zu über­­­­schreiten, ohngeachtet nicht allein gewiese Strafen auf die Verbrechere gesetzet, son­­­­dern auch theils dererselben damit würklich und exemplarisch beleget worden.
    Als hat Ein Hochlöblicher Rath dieser Stadt, Unsere Hochgebietende Herren, für hoch-nothwendig befunden, solche Verboth, wodurch anders nichts, als gute Burgerliche Dis­­ciplin, ingleichen die Verhütung Feuers- und anderer Gefahr, so daraus verursachet wer­­den können, neben dem schuldigen Respect und Gehorsam gegen die Obrigkeit gesuchet wird, bey dieser instehenden Neu-Jahrs-Zeit anhero zu wiederholen. Gebieten derowe­­gen und befehlen hiemit nochmalen ernstlich, allen Ihren Burgern und Inwohnern die­­ser Stadt, als auch zu Wöhrd und Gostenhof, nicht weniger in denen Gärten an der Stadt, bemeldtes Schießens, Platschens, unnöthigen Raquet- Schwärmer- und Feuerwerfens, auch andern dergleichen Unfugs, sowol in bevorstehender heil. Neu-Jahrs-Zeit, als fol­­genden und andern Tagen, sich in der Stadt und denen Gärten, gänzlich zu enthalten, bey einer nahmhaften Geld-Poen, auch empfindlicher Leibes-Strafe, die, nach Befindung der Umstände, an denen Verbrechern, auf welche, nebst denen Knechten, auch Patrouil­len ausgeschickt werden sollen, würklich vollzogen werden, und denen andern zum Ab­­scheu und Exempel dienen sollen. Wie man sich dann auch im Ablaugnungs-Fall an die Hauß-Patronen wegen ihrer Zinnßleuthe, und an die Hauß-Väter wegen ihrer Kinder und Gesinde deshalb halten wird. Wornach sich ein jeder zu verhalten, und vor Strafe und Schaden zu hüten wissen wird.

Soll heißen:

    »Böllerlärm und Feuerwerfen ist für jedermann ganzjährig bei Strafe verboten.
    Eltern haften für ihre Kinder.«

17. Dezember: Aviatisches

In den USA wird heute der Wright Brothers Day gefeiert. Mit diesem Ehrentag soll an den historischen Flug der Brüder Orville & Wilbur Wright am 17. Dezember 1903 in Kitty Hawk, North Carolina erinnert werden.

(Im Gegensatz zu dem in den USA und im übrigen Großteil der Welt tradierten Narrativ wa­ren es freilich mitnichten die Brüder Wright, welche den ersten bemannten Motorflug der Luftfahrtgeschichte absolvierten, sondern der Österreicher Wilhelm Kreß zwei Jahre davor in Tullnerbach, Niederösterreich.)

Jurisdiktionelles

Unsinn. Niemand wird von einem österreichischen Gericht in eine Einrichtung »für soge­nannte« geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Sondern in eine Einrichtung für geistig abnorme Rechtsbrecher, weil die so genannt wird. Egal, ob die Bezeichnung dem SPIEGEL gefällt oder nicht.

(Ein im SPIEGEL so genanntes Landgericht gibt’s in Wien übrigens seit dem Mittelalter keins mehr, dafür aber ein Landesgericht.)

14. Dezember – Affentag

Heute ist übrigens der Welttag der Affen, engl. International Monkey Day.
Kollege Sven Giese erläutert auf seinem “Kalender der kuriosen Feiertage“ die Ziele und In­tention, worum es dabei geht:

»Der Monkey Day soll eine jährliche Feier der Affen sein – sozusagen ein Festival der Pri­maten, bei dem auch der Mensch die Gelegenheit hat, sich wie seine biologisch nächsten Verwandten zu verhalten.«

(Freilich braucht für so manchen nicht extra Affentag zu sein, um sich selber zu einem sol­chen zu machen – wie sich etwa hier nachlesen lässt, oder hier.)
(Oder hier: Wie man sich selber zum Affen macht.)

»Was ein Mann schöner ist wie ein Aff’, ist ein Luxus.« sagt Friedrich Torbergs Tante Jo­lesch bekanntlich. Über eine Frau würde sowas natürlich niemand sagen, die Gleichstellung der Ge­schlechter muss ja irgendwo auch Grenzen haben.

Kolumnistisches: Repetitives

»Journalisten erzählen oft genug auch Blödsinn.« (Julian Reichelt)

Ein Blödsinn wird nicht weniger blöd, je öfter er wiederholt wird. Fleischhauer, wieder mal:

Diese blödsinnige Nummer mit den verschluckten Büromaterial-Kleinteilen, welche aus sta­tistischer Sicht tödlicher wären als ein Terroranschlag, findet der offen­bar so origi­nell dass er sie zum wiederholten Male zur Darbietung bringt. Man darf gespannt sein, in welcher Va­­riation er den Blödsinn wohl nächstesmal repetiert: vielleicht mit Heftklammern, oder mit Pinn­wandnadeln.

10. Dezember – Wissenswertes von A bis Z: Platypisches

Heute vor 270 Jahren wurde der englische Naturforscher George Shaw (1751-1813) geboren, er führte die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen an Axolotl sowie Schnabeltier durch.

Als Shaw erstmals ein Exemplar eines Schnabeltiers in Form eines getrockneten Balgs zur Un­tersuchung und Erstbeschreibung vorgelegt bekam, hielt er diesen für die kuriose Fäl­schung eines Scherzbolds, welcher ihn aus verschiedenen Teilen eines Bibers und einer Ente zusammengenäht hatte – zu einer Art antipodischem Raurackl, sozusagen.

Kollege KrassNick beschreibt das Schnabeltier recht anschaulich in einem Vierzeiler:

    Das Schnabeltier, das wissen wir,
    hat insgesamt der Flossen vier,
    davon an jeder Seite zwie:
    dies dient, man ahnt’s, der Symmetrie.

Im Einleitungstext zu seinem Film “Dogma“ bezeichnet Autor und Regisseur Kevin Smith das Schnabeltier als »lebenden Beweis dafür, dass Gott Humor haben muss«.
Auch diesen Sachverhalt hat Kollege KrassNick wiederum in erbauliche Reimverse gefasst:

    Als Gott das Schnabeltier erschuf,
    da war er grad recht lustig druff
    und fragt’ es: Ente oder Biber –
    na, wie hätten wir’s denn lieber?
    Das Schnabeltier, darob verwirrt,
    wusst’ Antwort nicht sogleich zu geben,
    so ward’s vom lust’gen Gott kreiert
    als Mischkulanz – so ist das Leben.

© mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

Feministisches

Kollege Apokolokynthose verweist auf einen Artikel auf “Pinkstinks – Online-Magazin zu neuen Geschlechterrollen und feministischen Themen“:
    »12 feministische Geschenkideen zu Weihnachten« *)
Falls man/frau/divers sich unter »feministischen Geschenkideen« nichts konkretes vorzustel­len weiß, schau mer halt welche Vorschläge der Leser*innenschaft dort dargebracht werden, unter anderem z.B.:
  • Schokolade: In Island verschenkt man zu Weihnachten traditionell Bücher und Scho­ko­lade. Wie schön!
    (Welcher Informationsgewinn sich aus dieser Mitteilung schöpfen lässt, ist nicht klar, aber nun weiß man’s halt.)
  • Eine Kerze, die dem Weihnachtsbaum garantiert die Show stiehlt.
  • Das Feministinnen Orakel, das den Beschenkten sofort bei der wichtigen Frage weiter­hilft, was in dem großen Geschenk mit der riesigen Schleife und den kleinen Löchern im Deckel, das vorhin kurz miaut hat, drin ist.
  • Plastik-Badelatschen im Adiletten-Design.
  • Menstruationsunterwäsche für deine coole Tante, die das Thema Menstruation viel­leicht gar nicht mehr neu hinterfragt.
  • Ein PDF als Mail, von welchem die Beschenkten keinen Nutzen haben, das sie per Mail an andere verschicken können, die davon ebenfalls keinen Nutzen haben.
Nun könnte man/frau/divers durchaus darüber ins Grübeln geraten, wieso die präsentierten Geschenk­ideen denn »feministisch« wären? Könnte, muss aber nicht.

7. Dezember

Hermann Maier vulgo Herminator hat heute Geburtstag.

Nach seinem spektakulären Sturz in Nagano 1998 erklärte er vor der internationalen Presse, zur Behandlung von Prellungen bewähre sich vortrefflich Mankei-Schmalz (alpen­län­disch für Murmeltierfett) als probates Hausmittel.
Der Dolmetscher übersetzte das als monkey grease, und die daraufhin kolportierte Presse­mel­dung rief weltweit Empörung unter Tierschützern hervor:

    »In Österreich werden zu pharmazeutischen Zwecken Affen gekocht.«

Apotheotisches

Wenn einer, der es binnen vierjähriger Amtszeit als Lügenkanzler 2.0 zuwege brachte, mit skrupellosen in­triganten Machenschaften, Korruption und Klüngelpolitik sein Land auf das Niveau einer Bana­nen­republik zugrunde zu regieren – wenn so einer zu sei­nem er­zwun­ge­­nen Abtritt von einer älteren Parteikollegin solch eine Huldigungsnachrede hin­ter­­her­­ge­lob­hudelt kriegt:

»Beeindruckend und ehrlich, das muss ihm erst jemand nachmachen, eine beeindru­ckende zehnjäh­rige politische Karriere, eine enorme Leistung, in diesen zehn Jahren sehr viel zustande gebracht, hohes Ansehen genossen, sehr offen und fair, sehr reif und nicht egomanisch, sehr jung, sehr fähig, sehr kompetent, undsoweiter blabla ..«  ▶️ (ORF)

.. dann muss man sich ernsthaft fragen, was mit der Frau los ist: Von wem spricht die bitte? Hat sie vergessen ihre Medikamente einzunehmen? Oder hat sie die letzten vier Jahre in ei­nem Schrank gelebt?
Glatt schlecht werden könnt’ einem von dem Lobhudelgesülze beim Zuhören. Zum Speiben.