Autor: nömix

Folkloristisches

Falls Sie sich schon immer darüber gewundert haben, warum in Österreich (Austria – that country where Schwarzenegger and kangaroos are from) die Bäume im Wald nicht explodie­ren, er­klärts Ihnen Donald Trump: Weil wir Österreicher im Wald leben und immer artig den Waldboden kehren.


Original Austrian forest sweeper, performing a folkloristic »Forest Sweeping Polka«

Definieren Sie den Begriff  “Migrationshintergrund“

Vorgestern präsentierte ÖVP-Integrationsministerin Raab den aktuellen Integrationsbericht. Und heute “analysiert“ Österreichs auflagenstärkste Verschenk-Volksinformationspostille:

(Was man unter “ÖSTERREICH analysiert die Daten“ halt zu verstehen hat: ÖSTERREICH schreibt die präsentierten Daten ab, und präsentiert sie ebenfalls.)

Was steckt aber hinter den präsentierten Daten tatsächlich? Im sog. Wiener Integrations- u. Diversitätsmonitor wird als Person mit Migrationshintergrund definiert, wer

  • im Ausland geboren ist, oder
  • mindestens einen nicht in Österreich geborenen Elternteil hat.

Und das ist freilich absoluter Blödsinn. Hier die Analyse:

  • Ich selber bin Wiener, gebürtiger Niederösterreicher. Mein Vater wurde in Rei­­chen­berg / Deutschböhmen geboren: somit gelte ich per definitionem als Wiener mit Mig­ra­ti­onshintergrund.
  • Die Mutter meiner Tochter (Wienerin, aus Oberösterreich stammend) wurde während eines vorüber­gehenden Aufenthalts ihrer Eltern (beide gebürtige Oberösterreicher) in Kanada geboren: hat somit per definitionem Migrationshintergrund.
  • Somit hat absurderweise auch unsere Tochter, obwohl gebürtige Wie­nerin mit zwei Wiener Eltern, per definitionem: Migrationshintergrund.

Erkennen Sie die absolute Blödsinnigkeit dieser “Migrationshintergrund“-Definition? Gemäß aktuellem Integrationsbericht hätte also meine komplette Familie Migrationshintergrund, obwohl das in Wirklichkeit auf kein einziges Familienmitglied zutrifft. Welch ein absurder Blödsinn.

Vuvuzela-Journalistisches

Die Pressemeldung zu copy&pasten, der dänische U-Boot-Bauer Peter Madsen habe die Er­mordung der schwedischen Journalistin Kim Wall »in einem am Mittwoch ausgestrahlten Dokumentarfilm« am Telefon zugegeben, haben sämtliche deutschsprachigen Newsredakti­o­nen von Aargauer bis Zürcher Zeitung zuverlässig zustande gebracht.

Auf die naheliegende Idee, binnen zwei Minuten googeln herauszufinden um welchen »am Mittwoch aus­gestrahlten Dokumentarfilm« es sich dabei überhaupt handelt, bevor man die Meldung in die Welt hinaus vuvuzeliert*) und den Lesern damit mehr zu bieten als bloßen Co­py­&paste-Schmarrn, ist indessen wieder mal niemand draufgekom­men:
▶️ [Minute 01:18]
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*) (“Vuvuzela-Journalismus“: alle blasen die gleiche Nummer auf dem gleichen Loch)

Journaillesoziolektisches: »Kretschmann-Crash«

Der Fahrer eines Dienstwagens von Ministerpräsident Kretschmann verursachte einen Un­fall mit Sachschaden, indem er gegen eine Autobahn-Leitplanke prallte. In ein vor der Un­fall­stelle auf dem Standstreifen angehaltenes Begleitfahrzeug prallte infolge Aquaplaning ein weiteres Fahrzeug, in welchem ein Kleinkind verletzt wurde das später verstarb. ▶️
Warum über einen Auffahrunfall zwischen zwei Fahrzeugen, mit denen ein Kretsch­mann weder ge­fahren noch dringesessen ist noch überhaupt was damit zu tun hat, mit »Unfall von Kret­schmann / Unfall mit Kretschmann« oder »Kretschmann-Unfall« aufgemacht wird, ent­zieht sich dem landläufigen Allgemeinverständnis:
Oder, im Soziolekt der Knalljour­naille genannt »Kretschmann-Crash«:
Was soll das sein, ein »Kretschmann-Auto«? Kindergartenjargon oder Deppensoziolekt? Und wer ist Minister Kretschmann-Auto? Hat der neuerdings einen Doppelnamen?

5. September – Blödsinniges

rasen (Verb, intransitiv) = sich ([wie] in großer Eile) sehr schnell fortbewegen; mit hoher Geschwindigkeit [irgendwohin] fahren  (DUDEN)

Heute vor 50 Jahren verunglückte der Rennfahrer Jochen Rindt beim Training in Monza töd­lich. Schau mer mal, was dem Motorsport-Journalisten im SPIEGEL dazu einfällt:

Wie bitte, er »raste sich zu Tode«? – Was soll der Blödsinn? Rindt verunglückte, weil die vor­dere Bremswelle an seinem Auto brach, und es war bei keinem Rennen, sondern bei ei­ner Trainingsfahrt. Warum steht also dieser Blödsinn da, er habe »sich beim Rennen zu Tode ge­rast«? Denken die beim SPIEGEL eigentlich zuvor drüber nach, bevor die solchen Blödsinn hin­schreiben?

Clickbaiting der Woche: Unangebrachtes

 (KURIER.at)


Klingt spannend, nichtwahr? Bevor Sie aber hinter dem Clickbaiting-Link womöglich an ei­ner Paywall auflaufen und draufhin der Verzweiflung anheimfallen, weil Sie über Dianas un­­an­­ge­­­brach­te Angewohnheit nix erfahren, verraten wir die Antwort unten im Spoiler (3x an­kli­­cken) ohne dass Sie den kompletten Schmarrn-Artikel* lesen müssen:

                    Diana half manchmal beim Geschirrabwaschen.                  

[siehe auch: Die “Top Geheimnisse“ der Queen]

Pandemisches: Die globale Verkururuzierung

Zu unseren Kinderzeiten, als der Kukuruz in Österreich noch Kukuruz hieß und “Mais“ der Plural von Maus war, da wohnten wir in Neuleng­bach neben einem Ku­kuruzacker. Der Kukuruz wurde vom Bauern als Schwei­ne­futter angebaut, und uns wäre nie eingefallen dass der auch von Menschen geges­sen wird: Ku­ku­ruz, damit wurden Schweine­ und Hühner gefüttert.

Erst als Erwachsener machte ich die Entdeckung, dass Kukuruzkörner in unzer­klei­ner­ter Form auch dem menschli­chen Ver­zehr zugeführt werden, als Maissa­lat aus der Dose etwa, oder als Höhe­punkt der Ge­schmacks­ver­­ir­rung sogar auf der Pizza. Wem’s halt schmeckt – suum cuique.

Unterdessen aber ist Mais bereits in allen möglichen Lebensmitteln ent­halten, wo man ihn gar nicht erwarten sollte, als Maiskörner, Maismehl, Maispulver, Maisstärke, Maisöl und was sonst noch alles.

In österreichischen Fahrschulen wird unterrichtet: “Umweltbewusstes Au­tofahren: tanken Sie alternative Kraftstoffe!“, sog. Biosprit. Der wird u. a. eben­falls aus Mais her­ge­stellt, und welt­weit werden für die Plantagen ganze Landstriche pla­niert und in Südame­ri­ka, Indonesi­en usw. die Regenwälder flächendeckend brandgerodet und die Um­­welt vernichtet, damit sich die Verkukuruzierung pandemisch über die Welt ausbreiten und von ihr Besitz er­grei­­fen kann.

Warum mir das alles grad einfällt: weil ich nämlich unlängst beim Billa einen “Gemüsesalat Altwiener Art“ kaufe und dann feststellen muss, dass da Maiskörner drin sind! Maiskörner, die man in Altwien Kukuruz genannt und als Schweinefutter verfüttert hätte.
Und gestern esse ich mit meiner Frau beim Chinesen, und finde in der “Chinesischen Gemü­sesuppe“: Maiskörner, kein Witz. Obwohl es mir wie ein schlechter vorkam.

Bumsti twittert

»Höret, was Erfahrung spricht: Glaubt niemals, dümmer geht es nicht!
Erfahrung lehrt: ein Stückchen dümmer geht es allerweil noch immer.«
(M. Krassnig)

Bumsti Strache “leert drei Bierden Großen“:


Vermutlich meint der ja “jemanden etwas lehren“ (Verb transitiv, mit Akkusativobjekt). Aber welchen Großen meint der da konkret – etwa seinen Ex-Spezi Kurz, den Großen?
(Da kann sich der Große gleich einmal gehörig zum Fürchten anfangen!)

Rekordverdächtiges: Die Krimmler Wasserfälle

»Sechs Österreicher unter den ersten fünf«  (Dirk Stermann)

Die Krimmler Wasserfälle sind mit einer Fallhöhe von insgesamt 380 m in drei Stufen die höchsten Wasserfälle Österreichs, und mit einer Wassermenge von durchschnittlich 5,6 Ku­bikmeter pro Sekunde einer der größten Wasser­fälle Europas.
Wenn man indessen den Behauptungen Glauben schen­ken wollte, welche auf der Webseite der Krimmler Wasserfälle aufgestellt werden, dann wären die gar:

» Europas größte Wasserfälle.
Sie sind zudem die fünfthöchsten Wasserfälle der Welt.«

Wird dort marktschreierisch behauptet – ist aber völlig frei erfundener Blödsinn, denn:

  • Der größte Wasserfall Europas ist der Sarpefossen in Norwegen mit einer Wassermen­ge von durchschnittlich 577 Kubikmeter pro Se­kunde, d.i. durchschnittlich hundertmal so groß wie die Krimmler Wasserfälle. Der zweitgrößte ist der Rhein­fall bei Schaff­hau­sen / Schweiz mit durchschnittlich 400 Kubikmeter pro Se­kun­de, d.i. durchschnittlich siebzigmal so groß.
  • Der höchste Wasserfall Europas, zugleich der sechsthöchste der Welt ist der Vinnufal­let in Nor­we­gen mit einer Fallhöhe von insgesamt 865 m in vier Stufen, höchste Stufe mit 420 m höher als die Krimmler Wasserfälle insgesamt.

Wie sich das mit den Behauptungen auf der Krimmler Webseite in Einklang bringen lassen soll, muss freilich ein ungelöstes Rätsel bleiben:

Einige der höchsten Wasserfälle Europas, kleine Auswahl:

  • Mattenbachfälle, höchster Wasserfall der Schweiz: Fallhöhe ca. 840 m
  • Ramnefjellsfossen, Norwegen: Fallhöhe 818 m in vier Stufen, höchste Stufe 405 m
  • Mürrenbachfall, Schweiz: Fallhöhe 750 m in fünf Stufen, höchste Stufe 417 m
  • Mardalsfossen, Norwegen: Fallhöhe 655 m (nicht 505 m, wie oben angeführt)
  • Cascate di Stroppia, höchster Wasserfall Italiens: Fallhöhe ca. 500 m
  • Röthbachfall, höchster Wasserfall Deutschlands: Fallhöhe ca. 470 m in drei Stufen
  • Gavarnie-Fälle, höchster Wasserfall Frankreichs: Fallhöhe 422 m in zwei Stufen

Jetzt sind wir immer noch in Europa und noch immer nicht in Krimml bei 380 m ange­langt. Wo sich die als »fünfthöchste Wasserfälle der Welt« da jetzt noch unterbrin­gen las­­sen, bleibt un­geklärt.

(Was mag den Krimmler Alpenverein-Spezis dabei eingefallen sein, diesen frei erfundenen Blöd­sinn auf ihrer Webseite und Infobroschüre zu behaupten, der sich für jedermann mit ein paar Klicks im Internet *) als frei erfundener Blödsinn entlarven lässt?)
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*) (Quellen:  ▶️ ▶️ ▶️ )

Kabarettistisches: Monty Bumsti’s Flying Circus

Politisches Kabarett könne man heutzutage in Österreich gar nimmer machen, weil es von der Realsatire praktisch täglich überholt werde, stellte Josef Hader einmal fest.

Tatsächlich ist es beeindruckend, wie es einem Bumsti Strache gelingt, in seinem politischen Endlos-Nummernkabarett beständig neue, immer schrägere Luftnummern aus dem Hut zu zau­bern. Ak­tuell etwa das illustre Kandidatenensemble, welches er als Besetzung für seine Liste Bumsti zur be­vor­ste­henden Wie­ner Land­tags- & Gemeinderatswahl zusammengecastet hat – da tre­ten in den Rollen “geistige Höhenflieger“ u.a. auf:

  • ein Verschwörungs-Doktor, der als Hobbypilot vielfach Chemtrails in Form von »Ver­än­de­run­­gen im Wettergeschehen sowie unerwarteten Sichteinschränkungen wahr­ge­nom­­men« ha­ben will;
  • eine (update: vormalige) AUA-Flugbegleiterin, die enthusiasmiert für die Abschaffung des Finanzju­dentums und der Illuminaten demonstrierte;

(Illuminaten? Hab gedacht, die wären schon im 18. Jahrhundert abgeschafft worden. Scheint wohl bissel desilluminiert zu sein, die Dame.)

Was bei Bumstis Luftfahrtpersonal dort oben in der Höhenluft zu eingeschränkter Wahr­neh­­mung führte, darüber lässt sich nur spekulieren – am Ende waren’s gar Überfliegerin Sten­zels »Gigabytes, die in den Kosmos verstrahlen« ..

Sozialromantisches: “Bürgerpower“


(“Mass“nahmen? Rechtschreibfehler oder beabsichtigter Kalauer, weil sich die Maßnahmen auf die “breite Masse“ beziehen? Bürgerpower statt “Masskenpflicht“?)

»Das Coronavirus ist letztlich nur durch überzeugtes Mitmachen der Bürger zu stoppen, durch mehr Bürgerpower.«
    – postuliert der STANDARD-Kommentator, denn:
»Es fehlt nach wie vor an breiter, für alle leicht verständlicher Aufklärung, wie man sich vernünftig verhält, [..] Aufgabe der Politik wäre es, dies in positiver Form zu fördern, nicht nur zu drohen, zu warnen.«

“Eigenverantwortung, vernünftiges Verhalten, überzeugtes Mit­machen der Bürger“ anstelle Ver­ord­nun­gen und Strafandrohungen als probates Rezept zum Stoppen des Coronavirus – na, wenn das kein ori­­gi­­neller Einfall ist. Dass der bisher noch niemand eingefallen ist!

Würde das im STANDARD-Kommentar entworfene utopische “Bürgerpower“-Modell in der Wirklichkeit funk­tionieren, z.B. im Straßenverkehr: dann würden alle “durch überzeugtes Mitmachen“ brav die Verkehrsregeln einhalten, ohne Vorschriften, Verbote, Kon­trollen, Stra­fen. Wer’s glaubt ..

(Ob sich die sog. “Schwarmintelligenz“ tatsächlich mit “Schwarmvernunft“ gleichsetzen lässt oder es sich nicht vielmehr um eine sozialromantische Phantomvorstellung handelt – da­rü­ber scheiden sich bekanntlich die Geister.)
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(Symbolbild “Bürgerpower: Überzeugtes Mitmachen“)

Literaturkritisches: »Wir erwarten Ihre Pistolen«

»Wenn einer, der mit Mühe „Schmerz“ | Gereimt hat zu ’nem Vers auf „Herz“
Schon meint, daß er ein Dichter wär | So irrt sich der.«  (M. Krassnig)

In der Neulengbacher Literaturzeitschrift “WIR LEBEN – Monatsschrift zur Pflege schön­geistiger und künst­le­ri­­scher Bestrebungen“ (erschienen 1910-1911) wurden seinerzeit die literarischen und lyrischen Her­­vor­bringungen publiziert, welche von dichterisch ambitionier­ten Le­sern an die Redaktion eingesandt wurden. Dass manche Einsendungen er­man­gels künst­le­­ri­­­scher Qualität bzw. Schöngeistigkeit nicht zur Veröf­fentlichung ge­lang­­­ten, muss nicht über­raschen – umso lesens­werter wa­ren unterdessen die häufig sarkastischen, mitunter polemischen Be­­grün­dun­gen für die Ablehnung dieser Texte, wel­che in der Rubrik “Briefkasten der Re­­dak­­tion“ als Ant­­wor­ten an die betreffenden Einsender abgedruckt wur­den:

        » Herrn P. K.  Wir glauben Ihnen ohne weiters, daß Sie die 8 Mark bezahlt haben, die nötig sind, um auf jede Visitkarte, jedes Briefpapier, jeden Umschlag und vor allem auf jede ir­gendwie beschriebene Seite x-mal in Riesenlettern stampiglieren zu können: „Mitglied des Allgemeinen Schriftstellervereines und des lyrischen Kartells“. Wir kön­nen Ihnen aber nach Genuß Ihrer Einsendung absolut nicht glauben, daß Sie ein Schrift­steller sind oder jemals werden können.«
        » Frl. H. M.  Kommen Sie in 16 Jahren wieder. Wir bezweifeln zwar, daß Sie bei doppeltem Alter bessere Gedichte machen können werden, da in Ihrer Einsendung auch nicht der leiseste Funken von Talent zu entdecken ist; aber ein Ausnahmsfall wä­re ja im­merhin möglich.«
        » Herrn J. H. B.  Sie dichten:
                Mein Kind, laß alles fahren,
                Nur laß die Liebe nicht . . .
Wir meinen aber, es wäre umgekehrt praktischer, wenigstens für die Umgebung . . . . «

        » Herrn M. O. i. B.  Sie senden uns eine grauenvolle „Moritat“ und verlangen eine extra Anerkennung dafür, daß Sie, obwohl mit den Redaktionsmitgliedern persönlich bekannt, uns bisher noch keinen Beitrag geschickt haben. Wir werden Ihnen aber einen Orden stiften, wenn Sie dies auch in Zukunft friedlich so weiter halten wollen.«
        » Herrn Supplenten K. in W.  Wir möchten Ihnen raten, diese „Jugendsünden“ auch fernerhin im Pult zu lassen, bis – Sie einen Namen haben, zu dem ja schon Anzeichen vorhanden sind. D a n n nimmt Ihnen jedes große Blatt jeden Schmarrn und zehntausend entzückte Leser müssen dran glauben.«

        » Herrn F. K. in O.  Ihre „Erlebnisse“ mögen ja für Sie recht interessant gewesen sein, wir glauben aber nicht, daß irgend ein anderer Mensch daran Interesse finden kann trotz „der Modulation des inneren Gedankenganges und der originellen Form“. Unter letzterer meinen Sie gewiß die äußere Form des Manuskriptes, das, auf beiden Seiten beschrieben und diverse Spuren außerschriftstellerischer Tätigkeiten aufwei­send, wohl kaum zu irgend etwas taugt, seit „die Polizei den Selchern aufgetragen, ihre Ware in ein s a u b e r e s Papier zu schlagen“.«
        » Herrn E. R.  Sie sind der Typus dessen, was der Zeitungswitz so treffend mit dem Worte kennzeichnet: Redaktionswanze. Gott bewahre jeden in Gnaden davor, mit Ih­nen zu tun haben zu m ü s s e n. Wir erwarten aber in Ruhe Ihre Pistolen.«
        » Fräulein J. R. i. W.  Daß jemand solche Verse allen Ernstes einer Zeitung anbie­tet, ist zwar schon ein Witz. Aber die „Gedichte“ selbst sind so witzlos, daß man beim besten Willen darauf keine witzige Antwort finden kann. Ihnen die einzig richtige zu geben, da­zu fühlen wir uns nicht berufen.«

        » Herrn R. D. in G.  Unmöglich ; ich darf derartige Rücksichten nicht nehmen. Das müssen Sie einsehen. Die Arbeiten sind nicht „vielleicht noch etwas unreif“, sondern hoffnungslos talentlos, das schreibt jeder mittelmäßige Bürgerschüler. Bitte mir nichts mehr einzusenden. Ihren Groll werde ich zu ertragen wissen.«
        » Herrn Lehramtskandidat G.  Sie senden uns mit Ihren Gedichten auch Ihr Bild für unser „Dichteralbum“ ein. Lieber Herr Lehrer, schauen Sie, das hätten Sie uns nicht antun sollen. Jetzt müssen wir Sie immerfort wehmütig anschauen und denken: Wie kann man ein so hübsches Gesicht haben, und so niederträchtig schlechte Gedichte ma­chen!«

Bumsti: Mediales


Um den “Fake-News der Regierung und ihrer Medien“ entgegenzutreten, plante Bum­sti Stra­che laut WKStA (Wirtschafts- u. Korruptionsstaatsanwaltschaft) ein »NEUES Medium, in dem alles berichtet werden kann«. Das Projekt sei zwar »aufgeschoben, aber nicht aufgehoben« droht er:


Da wird sich Der Postillon warm anziehen müssen.
(Der Name “ZackZack“ für sein neues Medium ist leider schon vergeben.)
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Bumsti, siehe:  ▶️

Sonderbericht (III): Algorithmisches

Zuweilen ruft der AdSense*)-Algorithmus, der bei der Platzierung von Werbeeinschal­tun­gen einen thematischen Bezug auf die Inhalte der Zielwebseiten generieren soll, beim Rezipien­ten Un­verständnis hervor. Zuweilen aber passt eine Werbeeinschaltung zum betreffenden Thema wie Arsch auf Eimer:


Da berichtet ein STANDARD-Artikel darüber, wie betrügerische Bitcoin-Werbung mit Pro­mi­nen­ten getrieben wird, und die via AdSense zugeschaltete betrügerische Clickbait-Wer­bung bewirbt, akkurat!, ei­ne “Sonderbericht“-Fake­seite, auf der betrügerische Bitcoin-Wer­bung mit Pro­­­­mi­nen­­­ten ge­­­trieben wird:

*) ad = Kurzform für engl. “advertisement“: Werbeanzeige, Inserat
(AdSense ist ein Google-Angebot. Kurioserweise verbietet Google in seinen Werberichtlinien Clickbait-Wer­bung seit Juli ausdrücklich – z.B. Clickbait-Werbung wie »Österreicher sind fas­sungslos / geschockt – Der Euro wird verschwinden / Das Land ist in Gefahr«.)
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“Sonderbericht“, siehe auch: »Metamorphotisches«

30. Juni

Heute ist übrigens der Internationale Inkontinenztag, falls man dem Kalender glauben darf. In welcher Weise man den angemessen zu feiern hat, wird dort allerdings nicht näher erläutert.

Haben Sie schon gewusst:

»Verlieren Sie nicht die Contenance«
heißt auf österreichisch: »Scheißn S’ Ihna ned au!«, das heißt auf deutsch:
»Verlieren Sie nicht die Kontinenz«.

Bumstis Wunschkonzert

»Wie hätt’ mas denn gern? Sie wünschen, wir spielen!«  (Der Standard)

    Ob Oligarchin oder Scheich,
    wer für uns spendet, ist uns gleich!
    Die Mittel heiligen den Zweck:
    spendiert wer einen Spendenscheck,
    spiel’n für den Spender wir, zackzack!,
    sein Wunschprogramm ganz nach Geschmack.
    Es gilt für uns’re Politik:
    Wer zahlt, für den spielt die Musik!

27. Juni – Rituelles

Heute vor 31 Jahren, am 27. Juni 1989, durchtrennten der österreichische Außenminister Alois Mock und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn symbolisch den Eisernen Vorhang, indem sie gemeinsam den Grenzzaun zerschnitten:

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Kuriose Rituale, siehe auch:  ▶️  ▶️  ▶️  ▶️  ▶️

Reisehinweise


Die Reisebeschränkungen aufgrund der Corona-Krise wurden inzwischen großteils aufge­ho­ben, indes gilt es Reisehinweisen zu diversen Destinationen Beachtung zu schen­ken – z.B. Hinweisen für fußläufig Reisende:

    Wanderer, kommst du nach Spa:
    Gib bei Regen acht, denn da
    dringt dir Nässe ins Gewand,
    hast du keinen Schirm zur Hand!

    Hinweis: Auch in den Karpaten
    bleibt des Wand’rers Fuß nicht trocken,
    tut er ohne Schuh’ und Socken
    barfuß durch den Tiefschnee waten!

    (Im Winter soll man unterdessen
    auch im Westerwald in Hessen
    auf den Hinweis nicht vergessen:
    niemals gelben Schnee zu essen!)

25. Juni – Die schlesische Nachtigall

Heute vor 192 Jahren kam in Opatów im Osten Preußens die deutsche Dichterin Friederike Kempner (1828-1904) zur Welt, “die schlesische Nach­tigall“ vulgo “der schlesische Schwan“. Fräulein Kempners umfangreiches schriftstellerisches Œuvre blieb von der Literaturkritik weit­­gehend unbeachtet, bleibende Berühmtheit erlangte sie indessen als Lyrikerin: nämlich als Groß­meis­terin der unfreiwilligen Komik, deren abenteuerliche Missgriffe bei Wort­schöp­­fun­gen, Me­ta­phern und Reimen wie etwa –

    »Amerika, Du Land der Träume,
    Wie schön sind Deine Ko­kos­bäu­me«


– alsbald zahllose Parodien hervorriefen, sogenannte Pseudo-Kempneriana, welche die ver­­meintliche Verfasserin am Ende berühmter machten als die tatsächlich von ihr selbst ver­­fass­ten Ori­gi­nalverse, wie z.B. dieser:

    Willst gelangen Du zum Ziele,
    Wohlverdienten Preis gewinnen,
    Muß der Schweiß herunter rinnen
    Von der Decke bis zur Diele!


(Scheint, als habe die schlesische Nachtigall sich zu obi­gen Versen durch ihren Dich­ter­kol­le­­gen Schiller inspirieren lassen, denn:

    So steht’s im Liede von der Glocke:
    Soll das Werk den Meister loben,
    Rinnen muß der Schweiß von oben
    Von der Stirne bis zur Socke!)

Dass Fräulein Kempners lyrische Hervorbringungen darum so häufige Neuauflagen er­fuh­­ren, weil ihre Verwandten versuchten alle erreichbaren Exemplare aufzukaufen, um das Ge­spött darüber einzudämmen, ist ein unbelegtes Gerücht. Belegt ist hingegen, dass der Schrift­­steller Alfred Kerr seinen Familiennamen Kempner deshalb än­der­te, weil seine Tante Frie­­de­­rike »die schlech­te­sten je auf diesem Planeten bekanntgewordenen Verse« ge­schrie­ben habe. (Quelle: Wikipedia)
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(vgl.: Klapphornvers)

22. Juni

Heute vor 114 Jahren wurde Billy Wilder (1906-2002) geboren.

Als Wilder 1957 für die Dreharbeiten zu »Liebe am Nachmittag« nach Frankreich reiste, trug ihm seine Frau auf, dort ein Bidet zu besorgen und bei seiner Rückkehr mitzubringen. Sie hatte einmal bei einem Hotelaufenthalt in Paris eins gesehen und wollte sowas auch in ihrem Bade­zimmer, aber in den USA ließ sich so ein Ding damals nicht auftreiben.
Wilder wandte ein, es könne schwierig werden, unbemerkt ein Bidet aus einem Pariser Ho­tel­­badezimmer zu entwenden, er wolle es jedoch versuchen.
Leider gelang es Wilder in Frankreich nirgends, ein Bidet zu beschaffen, also schickte er sei­ner Frau ein Telegramm:

++ bidet nicht beschaffbar ++ empfehle kopfstand unter dusche ++