Versifiziertes

14. Juli

Heute vor 140 Jahren erblickte der Klapphornvers das Licht der Öffentlichkeit.
Damals sandte ein Amateurpoet seine durchaus ernst gemeinten selbstverfassten Verse an das Münchner Wochenjournal Fliegende Blätter, die aber so un­gewollt grotesk daherkamen, dass sie eben deswegen ver­öf­fent­licht wurden – was eine Flut von spöttischen Nachdichtungen aus­lös­te und eine eigen­stän­di­ge Form von Nonsenslyrik etablierte:

    »Zwei Knaben gingen durch das Korn,
    der andere blies das Klappenhorn,
    er konnt’ es zwar nicht ordentlich blasen,
    doch blies er’s wenigstens einigermaßen.«
    .

25. Juni – Die schlesische Nachtigall

Heute vor 190 Jahren kam in Opatów im Osten Preußens die deutsche Dichterin Friederike Kempner (1828-1904) zur Welt, »die schlesische Nach­tigall« vulgo »der schlesische Schwan«. Fräulein Kempners umfangreiches schriftstellerisches Œuvre blieb von der Literaturkritik weit­­gehend unbeachtet – bleibende Berühmtheit erlangte sie indessen als Lyrikerin: nämlich als Groß­meis­terin der unfreiwilligen Komik, deren abenteuerliche Missgriffe bei Wort­schöp­fun­gen, Me­ta­phern und Reimen (etwa: »Amerika, Du Land der Träume, Wie schön sind Deine Ko­kos­bäu­me«) bald zahllose Parodien hervorriefen, sogenannte Pseudo-Kempneriana, welche die ver­meintliche Verfasserin am Ende berühmter machten als die tatsächlich von ihr selbst ver­fass­ten Ori­gi­nalverse, wie z.B. dieser:

    Willst gelangen Du zum Ziele,
    Wohlverdienten Preis gewinnen,
    Muß der Schweiß herunter rinnen
    Von der Decke bis zur Diele!

(Scheint, als habe die schlesische Nachtigall sich zu obi­gen Versen durch ihren Dich­ter­kol­le­gen Schiller inspirieren lassen, denn:

    So steht’s im Liede von der Glocke:
    »Soll das Werk den Meister loben,
    Rinnen muß der Schweiß von oben
    Von der Stirne bis zur Socke!«)

Dass Fräulein Kempners lyrische Hervorbringungen darum so häufige Neuauflagen er­fuh­ren, weil ihre Verwandten versuchten alle erreichbaren Exemplare aufzukaufen, um das Ge­läch­ter darüber einzudämmen, ist ein unbelegtes Gerücht. Belegt ist hingegen, dass der Schrift­steller Alfred Kerr seinen Familiennamen Kempner deshalb än­der­te, weil seine Tante Friederike »die schlech­te­sten je auf diesem Planeten bekanntgewordenen Verse« ge­schrie­ben habe.
(Quelle: Wikipedia)
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(vgl.: Klapphornvers)

15. Februar

Heute vor 454 Jahren erblickte in Pisa der große Universalgelehrte Galileo Galilei das Licht der Welt, eppur si muove.
Noch’n Gedicht, von Kollege KrassNick:

Die Leute fragten einst in Pisa
Herrn Galilei, was denn dieser
über’s Universum und
den ganzen Rest so alles kund
tun könne? Aber dieser rief
bloß: »Leute, euer Turm steht schief.«

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© mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

10. Februar – Alliteratives: Lyrik vs. Logik

»Wenn ich gegen eins was habe, sind’s Fehler, nur dem Reim zulabe!«
(Winfried Kraft) (vermutlich Pseudonym v. Robert Gernhardt)

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Heute vor 120 Jahren wurde Bertolt Brecht (1898-1956) geboren, und zwar in Augsburg. (Die rote Socke, tat­sächlich war der ein waschechter Schwabe, was sagt man dazu. Brecht selber mochte seine Ge­burts­stadt allerdings nicht, er sagte: »Das beste an Augsburg ist der Zug nach Mün­chen.« Er blieb nicht lang in Augsburg, wie man weiß.)
In dem Lied »Der Tod im Wald« lässt Brecht den grimmigen Poeten Baal alliterieren:

    »Und ein Mann | starb im Wald, | wo Sturm und Strom ihn umbrausten ..«

    (Anm.: »Selber schuld, | wär’ er halt | bei so ’n Sauwetter nicht draußten ..«
    ließe sich dazu extemporieren ;)

Gegen Stabreime gibts im Prinzip nichts einzuwenden, es sei denn, Lyrik dräut Logik dreist zu verdrängen. Dichterkollege KrassNick lässt nun einen fiktiven Leser beim Autor der be­tref­fen­den Zeile, Herrn Brecht also, um nähere Erläuterung nachsuchen, und kleidet dessen An­frage hinwiederum in gefälligen Versreim – er schreibt:

    Hier ätzt der Leser: »Sie, Herr Brecht,
    als Stabreim klingt der ja nicht schlecht,
    Ihr Vers vom Sturm und Strom im Wald.
    Nur fragt an dieser Stelle halt
    der Leser sich: Wo, bitte sehr,
    kommt denn im Wald der Strom daher?«
    Herr Brecht, der denkt nicht lange nach
    und antwortet dem Leser: »Ach,
    der Strom? Der kommt auf alle Fälle
    aus Batterien von Duracelle!«
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    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig.

Auch in seinem Gedicht »Die Vögel warten im Winter vor dem Fenster« lässt Brecht die Logik ver­missen, indem er vorn auf Korn reimt und, was er in einer Lyrikkritik üb­ri­gens sel­ber mo­nier­te, »damit seinen Wirklichkeitsbezug ne­giert«:

    »Ich bin die Amsel.
    Kinder, ich bin am Ende.
    Und ich war es, die den ganzen Sommer lang
    Früh im Dämmergrau in Nachbars Garten sang.
    Bitte um eine kleine Spende.
    Amsel, komm nach vorn.
    Amsel, hier ist dein Korn.«

Darüber ließe sich wiederum extemporieren:

    Was soll ich, fragt die Amsel nun,
    denn mit dem Korn? Ich bin kein Huhn!
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    (Es fragt der Leser hier zu Recht:
    »Meinten Sie wirklich Korn, Herr Brecht?«
    Weil Amseln, wie man weiß, indessen
    nicht Körner, sondern Würmer fressen.)

Sexistisches

Ein angeblich sexistisches Gedicht soll nach dem Willen von Kritikern von einer Hochschul­wand entfernt werden:

Alleen und Blumen
Blumen und Frauen
Alleen und Frauen
Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer

Kritiker Reich-Ranicki: »Es ist ein ekelhaftes Gedicht. [..] Ich sehe keine Reime. Gut, Reime müs­sen nicht sein.« – Ach, der meint gar nicht das Hochschulwand-Gedicht, der meint ein anderes.
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Die Kritik an dem Alleen-und-Blumen-Gedicht stammt indessen vom Allgemeinen Stu­die­ren­­den­aus­schuss der betreffenden Hochschule, und geht so:
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»Ein Mann, der auf die Straßen schaut und Blumen und Frauen bewundert. Dieses Gedicht re­produziert nicht nur eine klassische patriarchale Kunsttradition, [..] es erinnert zudem un­an­ge­nehm an sexuelle Belästigung, der Frauen alltäglich ausgesetzt sind.«
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Darauf muss man erstmal kommen. Schau mer mal, ob sich die nämliche Kritik auch auf so manch andere dichterische Hervorbringung münzen lässt, z.B. auf:

    »Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, / Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?«

»Ein alter Sack, der auf der Straße ein fremdes Fräulein anbaggert. Diese Szene re­pro­du­ziert nicht nur eine klassische patriarchale Kunsttradition, es erinnert zudem [und­so­wei­ter blabla ..]«
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Sexistisches Machwerk sowas, sollte unverzüglich aus dem deutschen Literaturkanon ent­fernt wer­den und sein Urheber der Ächtung anheimfallen.

13. Dezember – Das Paulus-Projekt

Heute vor 80 Jahren wurde der große Lyriker, Schriftsteller, Zeichner und Humorist Robert Gernhardt (1937-2006) geboren.
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Über eine seiner populärsten Versdichtungen, die vielfach kolportierten Paulus-Briefe, sagte er in einem SPIEGELInterview 1994:

»In meiner Jugend hörte ich Zweizeiler wie “Paulus schrieb an die Korinther: Was nicht davor ist, ist dahinter.“ 30 Jahre später dichtete ich “Paulus schrieb an die Apatschen: Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen“ oder “Paulus schrieb den Irokesen: Euch schreib ich nichts, lernt erst mal lesen“ [oder “Paulus schrieb an die Komantschen: Erst kommt die Taufe, dann das Plantschen“]. Weitere 15 Jahre später ließ ein deutscher Studienrat seine Klasse in diesem Sinne weiterdichten, wobei die ebenso schönen wie zeitgemäßen Zeilen entstanden: “Paulus schrieb an die Navajo: Man ißt Oblate nicht mit Majo.“«

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Mittlerweile folgten auf Gernhardts Paulus-Verse zahllose Weiterdichtungen [vgl. dazu Klapp­horn­vers, oder Pseudo-Kempneriana], unter dem Pseudonym Winfried Kraft etwa reimte ver­mut­lich Robert Gernhardt selbst:

    Paulus schrieb an die Apostel:
    “Ich taufe alle Frauen Chrostel!“
    Doch Petrus schrieb in der Epistel:
    “Das heißt nicht Chrostel, sondern Christel.
    Und wenn ich gegen eins was habe,
    Sind’s Fehler, nur dem Reim zulabe!“

2006 rief die Redaktion von EXOT. Zeitschrift für komische Literatur ihre Leser zu einem »Paulus-Projekt zum höheren Ruhme des Robert Gernhardt« auf und versammelte auf diese Weise rund 2000 neue Paulusbriefe welche auf der Webseite veröffentlicht wurden, mit der Einstellung der Zeitschrift im Dezember 2015 aber leider verloren gingen und nur mehr ver­einzelt wiederzufinden sind (etwa hier, oder hier), z.B.:

    Paulus schrieb an die Ägypter: Keine Partys in der Krypta!
    Paulus schrieb auch an die Finnen: Ab fünf Grad minus – Taufe drinnen!

Weitere Paulusbriefe reimten überdies auch Kollegen krassNICK et al., siehe Ak­ten­ver­merke:

31. März

Heute vor 421 Jahren kam der große Denker René Descartes (1596–1650) zur Welt, »cogito, ergo sum« undsoweiter. Kennt man.
Küchenphilosoph Kollege KrassNick reimt über Herrn Descartes Postulat folgende Verse:

    Es stammt von Herrn René Descartes
    die altbekannte Redensart:
    »cogito, ergo sum« (was wohl
    »ich denk’, drum bin ich« heißen soll.)
    Hier taucht die Frage auf: warum
    dann auch ein Depp, welcher zu dumm
    zum Denken ist, es fertigbringt
    dass dem trotzdem zu sein gelingt?
    __________
    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig .

Salomonisches


Salomon der Weise spricht:
»Mensch denkt, Gott lenkt«*) – doch stimmt dies nicht,
am Bilde oben sieht man’s gut:
es ist nicht Gott, der lenken tut,
sondern der Mensch am Vordersitz.
Der heißt nicht Gott, sondern heißt Schmitz.

*) (Sprüche 16, 9)

2. November: Allerseelen

Anlassdichter Kollege KrassNick hat hiezu ein erbauliches Kalendersprüchlein gereimt,
zum Ausschneiden und Sammeln:

    – –    – – – – – – – – – – – – – – – – – –

      Wenn euch zu Allerseelen
      Depressionen quälen:
      Lasset den Mut nicht sinksten!
      Bald kommt eh wieder Pfingsten.

    – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

3. Juni

Heute ist übrigens der Europäische Tag des Fahrrades.
(Haben Sie gewusst, dass Fahrrad auf lateinisch Perpeduum mobile heißt.)


»Gott gibt«, wie Herr von Goethe spricht,
»die Nüsse, doch er knackt sie nicht.«
Gott gibt Pedale, aber treten
muss der Mensch, da hilft kein beten.

23. Oktober

Busenwunder Dolly Buster hat heute Geburtstag.
Die Gute kann sogar schreiben: vier Bücher hat sie bereits runtergetippt, alle eigenhändig an­geblich.
(Man fragt sich ja, wie die eigentlich auf die Tastatur sehen kann ..)

Auch über Frau Buster weiß der reimende Kollege KrassNick einen Vers, es ist ein Limerick:

    Es fuhr aus Verseh’n Dolly Buster
    auf einen stehenden Laster,
    ei perplex!, hinten drauf.
    Zwei Airbags gingen auf:
    plopp! plopp! macht’s. Ein echtes Desaster.
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    © mit freundl. Genehmigung M.Krassnig

Ins Blaue gereimt (I)

Die Wahlkampf-Verse der Blauen triefen zwar schier vor Originalität und Tiefsinn, die Metrik kommt freilich reichlich verhatscht daher – der Versfuß hinkt nicht bloß, der geht sozusagen am Rollator:

Bekanntlich tummeln sich hieramts der Reimkünstler gar etliche, vielleicht wollen wir dem blauen Herrn Endreimkünstler Kickl bissel unter die Arme greifen, z.B.:

    »Rot & Schwarz ist Stuss und Schitt
    wir Blauen machen Schluss damit«

Noch’n Gedicht

»Ich sehe keine Reime.«  (M. Reich-Ranicki)

Auf ’s neue schrieb mit letzter Tint’
der Dichter ein Gedicht.
Allein, die Reime darin find’t
der Leser wied’rum nicht.

Nun hat Herr Grass erneut ein Gedicht zur aktuellen Krisenlage verfasst und exklusiv in ÖSTERREICHs auflagenzweitstärkster Ver­schenkpostille veröffentlicht. (In der Süd­deutschen stehts übrigens ebenfalls abgedruckt, aber die haben es bestimmt aus besagter Ver­schenk­postille einfach abgeschrieben ohne vorher zu fragen.)

Reimen tut sichs diesmal wieder nicht, vielleicht könnte man dem Dichter bissel unter die Arme greifen. Hieramts tummeln sich bekanntlich der Reimkünstler gar etliche, wie wärs mit einer Aktion: »Leser helfen Herrn Grass beim Reimen«. Vielleicht wird ja noch ein or­dent­li­ches Gedicht daraus – bittesehr:

Aktion »Leser helfen Herrn Grass beim Reimen«
.
Dem Chaos nah, weil dem Markt nicht gerecht,
bist fern Deinem Wiegenland Du, aber echt.

Was mit der Seele gesucht, gefunden Dir galt,
wird abgetan nun, unterm Schrottwert halt.

Als Schuldner leidet ein Land, nackt an den Pranger gestellt,
Undank ist bekanntlich der Lohn der Welt.
(Var.:) Als Schuldner nackt an den Pranger gestellt,
leidet ein Land, das den Dank nicht erhält.

(fehlt noch)

Die mit der Waffen Gewalt das inselgesegnete Land
heimgesucht, trugen Hölderlin im Tornister zum
Barras-Gewand.

(fehlt)

Rechtloses Land, dem der Rechthaber Macht
den Gürtel enger schnallt, dass’ nur so kracht.

Schwarz trägt Antigone Dir zufleiß
und Trauer kleidet das Volk, ohne Scheiß.

Außer Landes jedoch tat bunkern
des Krösus Mischpoche die Klunkern.

Sauf endlich, sauf ! schreien der Kommissare Claqueure,
doch zornig verweigert Sokrates zu saufen die Plörre.

Die Götter, die am Olymp droben sitzen,
werden fluchen im Chor, doch das wird nix nützen.

Geistlos verkümmern wirst Du ohne das Land,
dessen Geist Dich, Europa, erfand. Allerhand!
(Var.:) “Geistlos verkümmern wirst Du ohne das Land“ –
Ein Satz, dessen Sinn leider niemand verstand.

17. Mai – Christi Himmelfahrt

Anlassdichter Kollege KrassNick hat hierzu wieder ein erbauliches Kalendersprüchlein gereimt, zum Ausschneiden und Sammeln*:

    – –    – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

      Es wunderten sich die Apostel: »Ja, leck!
      Grad war der no da,  jetzt isser fei weg!«

    – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

Was gesagt werden muss | Ein Gedicht

    Warum schweige ich, verschweige zu lange, | warum untersage ich mir, jenen Tatbestand | beim Namen zu nennen mit flinker Lippe, | warum sage ich jetzt erst, | gealtert und mit letzter Tinte, | was gesagt werden muß: | Daß auf das Wetter heutzutags kein Verlaß mehr ist, | ausgenommen auf  | das Aprilwetter.

Über mediale Entgrenzungen

Hier lesen ja zuweilen zur Lyrik berufene KollegInnen mit, vielleicht interessierts wen:
Literaturbüro NRW hat per 7. Jänner 2012 einen “Ernst Jandl-Literaturwettbewerb“ aus­ge­schrieben, nachstehend die Teilnahmebedingungen:

»Gesucht wird nach Autorinnen und Autoren, die sich mit ihrer Lyrik auf den Spuren Ernst Jandls befinden bzw. aus dieser Spur zu einer eigenen Ausdrucks­weise gekommen sind. [..] Gedacht ist dabei im Sinne Jandls entweder an eine thematische Aus­ein­andersetzung mit “Zeit“ oder an eine strukturelle. Bei ersterem Zugang wird Zeit zum lyrischen Thema, beim zweiten, via Lyrik, zur erfahrbaren Dimension. Letzteres ist vor dem Hintergrund von Jandls Oeuvre in Form unter­schiedlicher medialer Ent­gren­zun­gen (einschließlich inter­textueller Verfahren) vorstellbar. Vorstellbar ist auch, beide Ge­stal­tungsprinzipien zu kom­bi­nie­ren.«

Teilnahmeberechtigt sind alle, die es schaffen dahinterzukommen
worum es in den Teilnahmebedingungen überhaupt geht.

Die Feinde des Motor≈Zweirades pflegen zu sagen


» Die Feinde des Motor≈Zweirades pflegen zu sagen: „Das Motor≈Zweirad besitzt alle die Un­an­nehmlichkeiten eines Automobils, vereint mit den Unannehmlichkeiten des Fahr­rades.“ Aber sie vergessen hinzuzufügen: Das Motor≈Zweirad bietet nebst allen An­nehm­lich­keiten des Auto­mobils auch alle Annehmlichkeiten eines Fahrrades.«
.(Allgemeine Automobil≈Zeitung
Officielle Mittheilungen des Oesterreichischen Automobil≈Club, 1901)

21. März

Heute ist der Welttag der Poesie – wie Sie ja sicherlich alle gewusst haben, nichtwahr. (Wers nicht gewusst hat, schreibts zur Strafe hundertmal an die Tafel.)
Zum feierlichen Anlass zwei herausragende Beispiele zeitgenössischer alpenländischer Lie­bes­poesie, eins von Kollege K.:

    »Ich liebe dich so sehr,
    das fiel’ mir viel zu schwer
    in Worten zu beschreiben.
    Drum lass ich’s bleiben.«

und eins von Kollege M.:

    »Du hast so schöne Beine,
    längst nicht so schön sind meine.«

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© mit freundl. Genehmigung d. Autoren.

Der erotische Prinz

Der dänische Prinz Henrik (71) hat einen höchstselbig verfassten Gedichtband ver­öffentlicht, unter dem Titel “Flüsternde Brise“. Ein Gedicht darin heißt “Der erotische Prinz“:

    »Ich will deine Pfirsichbrust küssen mit meinem gierigen Mund.
    Aber ich fürchte mich davor, dass die rissigen Lippen deine Lust töten.«

Hitverdächtig. Auf Dänisch reimt es sich sogar.
(bildhafte Vergleiche “sekundäre weibliche Geschlechtsmerkmale & diverses Obst“ kommen immer gut an.)
Noch eins, “Ode an meinen Dackel“:

    »Du bist mein eigener Sternenhund mit Pfoten als Flügel.«

(Wie man sich einen Dackel mit Flügelpfoten vom Aussehen her vorzustellen hat, bleibt dem geneigten Publikum überlassen – vermutlich so etwa wie einen Seehund?)
Laut Presseberichten begann besungener Sternendackel angelegentlich Herrchens elegischen Vortrages an der Tür zu kratzen und wollte nix wie schleunigst raus. Gattin Königin Margrethe (65) ertrug die Lustkiller-Lyrik ihres poetisch beflügelten eroti­schen Prinzen mit mehr Con­te­nance, und kratzte nicht.