Amtsartiges

Zum Wohle der Staatsdiener

Haben Sie gewusst, dass im österreichischen Beamten-Dienstrechtsgesetz eine Zusatz­ver­ord­nung steht, welche den Beamten im Öffentlichen Dienst gestattet, während des Parteienverkehrs die unbekleideten Füße in einem Wasserschaffel unter dem Schreibtisch ab­zu­kühlen, sofern die Raumtemperatur in den Diensträumen 32° Celsius über­steigt und selbige für die Amtsbesucher nicht zu sehen sind.

6. Februar

Heute vor 120 Jahren, am 6. Februar 1898, wurde der Oesterreichische Automobil-Club ge­grün­det. Ein Gründungsmitglied war Siegfried Graf von Wimpffen, dem sechs Jahre zuvor als erstem Automobilisten im Kaiserreich – nach eingehender Prüfung durch eine eigens ein­­be­ru­fe­ne Kommission unter dem Vorsitz des Rektors der Wiener Technischen Hoch­schule – vom Referat für Spektakel (sic) der Wiener Polizei eine amtliche Be­triebs­ge­neh­mi­gung für sein mit Koks befeuertes Dampf-Automobil erteilt worden war. Ein kaiserlicher Erlass vom 15. Juli 1898 gestattete den Mitgliedern des OeAC die Zu- und Abfahrt zu ihren Wohnadressen in der Wiener Innenstadt unter der Voraussetzung, dass hierzu ein Pferd vor das Automobil ge­spannt wurde.

(Allgemeine Automobil≈Zeitung
Officielle Mittheilungen des Oesterreichischen Automobil≈Club, 1900)

Kehrwoche

Heute vor 29 Jahren, am 17. Dezember 1988, wurde die schwäbische Kehrwoche in Stuttgart, welchselbe alldort seit Zeiten der Entdeckung Amerikas im Stadtrecht fest­ge­schrie­ben stand, vermöge einer höchstamtlichen Ver­fü­gung des regierenden Oberbürgermeisters ab­ge­schafft.

»Damit die Stadt rein erhalten wird, soll jeder seinen Mist alle Wochen hinaus­führen, jeder seinen Winkel alle vierzehn Tage, doch nur bei Nacht, sauber ausräumen lassen und an der Straße nie einen anlegen. Wer kein eignes Sprechhaus [=Abort] hat, muß den Un­rath jede Nacht an den Bach tragen.«
.(aus dem Stuttgarter Stadtrecht von 1492)

1. Juli


Heute vor 90 Jahren trat in Österreich die Währungsumstellung von der Krone zum Schilling in Kraft. Am 1. Juli 1926 wurde von der Finanz­pro­ku­ratur die amtliche Bekanntmachung verlautbart:

Themenwoche Hundehaufen

Vorgestern las ich zwei aktuelle Blogeinträge, hier, und hier, welche sich mit Hunde­hau­fen be­fas­sen. Und gestern sah ich auf Clipfish zufällig den Film Birds of America, worin Hun­de­hau­fen eine symbolträchtige Bedeutung zukommt.
Erzwungen durch die sogenannte Anti-Hunds­trüm­merl-Petition einer Bürgerinitiative, wurde in Wien im Oktober 2006 mit der Kampagne »Nimm ein Sackerl für mein Gackerl« eine be­hörd­liche Offensive gegen die Hundehaufen gestartet. (Der reichlich einfältige Slogan wurde damals von einer Fachjury gekürt, ähnlich halboriginelle Alternativvorschläge wie »Nimm ein Schauferl für mein Hauferl« oder »Nimm ein Bürsterl für mein Würsterl« konnten sich nicht durchsetzen.) 30.000 Wiesenstecker-Schilder wurden in diverse Wiener Grün­flächen ge­steckt, wovon 17.000 binnen kurzer Zeit gestohlen wurden, um private Schrebergärten, Par­ty­keller usw. da­mit zu be­schmücken.
Aktionen zur Bekämpfung der Hundehaufenplage gab es in Wien schon früher. Anfangs der 90er-Jahre etwa betraute der damalige Bürgermeister Helmut Zilk (SPÖ) den Ge­mein­derat Franz Karl (ÖVP) offiziell mit dem Amt eines Wiener »Hundstrümmerl-Be­auf­tragten« (sic), welches dieser aber bald entnervt zurücklegte, ohne er­wäh­nenswerten Er­folg er­zielt zu haben.
1989 ließ Zilk das französische »Dogofant«-System testen, eine fahrbare Saug- und Kehr­ma­schi­ne, welche die Hundehaufen durch einen überdimensionalen Saugrüssel inhaliert und in einen Container befördert. Für den Einsatz in Wien erwies sich der koprophage Apparat in­des­sen als un­geeignet: die Haufen der Wiener Hunde, so hieß es, seien anscheinend von min­derer kom­pak­ter Kon­sis­tenz als die ihrer französischen Artgenossen, was möglicherweise auf unter­schied­liche Er­näh­rung zu­rückzuführen sei.
In Paris dagegen gehörten von 1982 bis 2004 die grünen Motocrottes zum alltäglichen Stra­ßen­bild: Geländemotorräder auf denen die Fahrer die crottes de chien wie mit einem Staub­sau­ger von den Trottoirs aufsaugten. Erst nach mehr als zwei Jahrzehnten wurde der Betrieb der Saugmotorräder wegen erwiesener Ineffizienz und Unwirtschaftlichkeit wieder eingestellt. (Mehr über die Pariser Motocrottes steht hier zu lesen.)
Zu einem Testbetrieb der Motocrottes kam es in Wien gar nicht erst, weil die Bediensteten der zuständigen Magistratsabteilung 48 den Einsatz von Motorrädern zum Kampf gegen Hunde­be­kotung der Gehsteige a priori verweigerten. Kleineren Hunden, welche sich an­schick­ten auf den Gehsteig zu koten, ließe sich durch Überfahren wohl artig der Garaus machen, so das Ar­gu­ment, bei größeren jedoch erhöhe sich die Sturz­ge­fahr exponentiell.
Haben Sie gewusst, dass es gemäß Wiener Reinhaltegesetz 75,– €uro Strafgeld kostet, einen Zi­ga­rettenstummel aus dem Autofenster zu werfen, einen Hundehaufen auf dem Gehsteig zu hin­ter­lassen dagegen nur 36,– €uro. Relativ preiswert, muss man zugeben.
In Paris ist die Strafe übrigens bissel teurer, dort kostets 183,– €uro.

Spezialeinsatzkräfte im Einsatz ..

.. oder: Irrtum ist ein bisschen hart gegriffen

Man hätte natürlich zum Beispiel auch anklopfen können. Oder an der Türklingel an­läuten. Aber wenn man die Ramme schon mal dabei hat – man will sie ja nicht um­sonst durchs Stie­gen­haus hinaufgeschleppt haben, nichtwahr.
(»Irrtum ist ein bisschen hart gegriffen« hört sich in dem Zusammenhang irgendwie herzig an, muss man zugeben.)

Vorbeugliches

In der Diözese Innsbruck möchte man sexuellem Missbrauch von Kindern vorbeugen, indem hinkünftig alle Geistlichen, die mit Kindern zu tun haben, eine verpflichtende Unter­lassungs­erklärung zu unterschreiben haben:

    »Ich unterlasse es im seelsorglichen Gespräch, mich dem Gesprächspartner
    verbal oder körperlich sexuell anzunähern.«

Warum ist man auf diese geniale Idee mit der schriftlichen Unterlassungserklärung eigentlich nicht auch anderswo längst draufgekommen, etwa am Verkehrsamt:

    »Ich unterlasse es im Straßenverkehr, andere Verkehrsteilnehmer mit dem
    Auto zu überfahren.«

Das, wenn jeder Autofahrer unterschreiben müsserte, wäre der Vorbeugung bestimmt ebenso dienlich, darf man annehmen.

Laut einer aktuellen Statistik

Haben Sie gewusst, dass es gemäß Österreichischem Eisenbahn-Bundesgesetz (BGBl I Nr. 25/2010) verboten ist, dass die Eisenbahn Verspätung hat.
Laut einer aktuellen ÖBB-Statistik haben übrigens 97 Prozent aller Züge in Österreich keine Ver­spätung.
(Wie die ÖBB-Statistiker das herausgefunden haben: Die Statistiker stellen sich an den Bahn­hof und warten auf die ersten drei Züge. Alle drei Züge haben Verspätung. Dann gehen sie heim und rechnen das Ergebnis hoch: 3 Züge sind 3 Prozent von 100. Somit ergibt sich: wenn 3 Prozent aller Züge Verspätung haben, dann haben 97 Prozent aller Züge keine Verspätung.)
War nicht schwer auszurechnen, oder.

Sommerzeit in Floridsdorf

Offizielle Umstellung auf Sommerzeit erfolgte in der Nacht auf Sonntag um 02:00 h.
ÖBB-Fahrgäste am Schnellbahnhof Wien-Floridsdorf waren deshalb verunsichert, weil dort die Bahnsteiguhren bereits vergangenen Freitag Nachmittag umgestellt wurden: offenkundig wollte der diensthabende Sommerzeitumstellungsbeauftragte sich dieser Obliegenheit noch vor seinem freien Wochenende entledigen.
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(mündl.  Mitteilung von  Kollegin Cappuccina)

Protokollarisches

» Der Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft hat in seiner Sitzung am 2. Juni 2009, Aktenzahl: 01892-2009, beschlossen:
Die Verkehrsfläche in Wien 22., zwischen Kahlergasse und Schlachthammergasse, wird in “Habe-die-Ehre-Gasse“ benannt. «
(Amtsblatt der Stadt Wien)

Wissen Sie noch?

Früher galt in Österreich am Wahlsonntag bis zur Schließung der Wahllokale in allen Gast­stätten Alkoholausschankverbot.
Dieses galt auch für Nichtwähler.
1982 wurde das Verbot gemeinsam mit der Wahlpflicht bei der Bundespräsidenten­wahl auf­ge­hoben.

Vom uneigentlichen Nießbrauch

Afternutznießung* heißt auf lateinisch übrigens Quasiususfructus, falls Sie mal wer danach fragt. (Nicht dass sich wer beschwert, ich hätt’s gewusst aber keinem verraten.)
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* (Hirni soit qui mal y pense – ein Dolm wer Blödes dabei denkt.)

Bürokratisches

Mein Cousin M. ist von Beruf  Schauspieler, er hatte sich beim Sport einen Vorderzahn aus­ge­schlagen, und weil ein fehlender Vorderzahn einen Schauspieler nicht gut aus­sehen lässt, ließ er sich den vom Zahnarzt unverzüglich richten. Als er daraufhin bei seiner Be­rufs­kran­ken­versicherung um Kostenerstattung einreichte, kriegte er von denen ein Retour­schreiben:
vor Übernahme der Kosten für den Zahnersatz durch die Berufskrankenversicherung sei der Nachweis zu erbringen, dass dieser vom Versicherten ausschließlich beruflich genutzt werde.

Spionage-Affäre: Borat vs. Brüno?

Mal ehrlich jetzt: hätten Sie gewusst, dass es in Österreich ein geheimes “Abwehramt“ gibt? – ich auch nicht.
Wären die jetzt nicht wegen heimlicher Konspiration mit dem kasachstanischen*) Ge­heim­dienst aufgeblattelt worden, hätte das womöglich nie einer herausgefunden. So geheim sind die.
Ob das Welt-Mächteverhältnis dadurch ins Wanken gerät? Hoffentlich nicht ..
*) (Kasachstan – ist das nicht das Land, wo Borat herkommt?)


Kasachstanisch-ösitanischer Geheimdienst-Skandal erschüttert die Welt.

Modern Times

Mittlerweile gibts ja Internetz undsoweiter, aber so lang ist das gar nicht her, da war so ein Faxgerät noch was modernes. Freund von mir, Postler in Neulengbach, hat mir vor Jahren mal diese Geschichte mit der Oma und dem Fax erzählt:
Da kommt also damals diese Oma aufs Neulengbacher Postamt und will einen Expressbrief aufgeben: ein Glückwunschbrief für ihren Enkel in Tirol, weil der heute Geburtstag hat. Leider ist sie damit bissel spät dran, weil sie’s vergessen hat: ob sich das ausginge, dass der Enkel den Brief heute noch kriegt? Nein, sagt mein Freund der Postler, heut geht das nimmer, aber er schaut im Verzeichnis nach ob die Verwandten in Tirol eventuell einen Faxanschluss haben, dann könnt’ man den Brief faxen und der Enkel kriegt ihn gleich. Tatsächlich: Faxnummer-Eintrag gibts. Die Oma nimmt also den Brief aus dem Kuvert, der Postler schickt ihn durchs Fax, die Oma ist happy. Und jetzt zieht sie aus dem Kuvert noch einen Hundert-Schilling-Schein hervor, beiliegend als Geburtstagsgeld, den soll er dem Enkel auch nach Tirol schicken. Freund Postler macht sich eine Gaudi und steckt den Hunderter ebenfalls ins Faxgerät, der rattert durch und auf der anderen Seite wieder raus, wie zu erwarten. Da schau her!, sagt er, der will das Geld nicht annehmen, er hat’s wieder retour geschickt. Ah geh! sagt die Oma und ist ganz gerührt, der Bub ist ja so bescheiden! Aber jetzt stecken Sie’s Geld gleich noch einmal rein und schicken S’ ihm ein zweitesmal, er darf’s ruhig behalten!

Amtsräte

Amtskollege Prof. Dr. MMag. FH H. schreibt über die Titel-Inflation in der ösitanischen Räte­republik. Für viele Berufsgruppen fehlen die branchenspezifischen Titulierungen leider noch, das sollte sich ändern. Wer macht mit? Ich fang an:

  • Titel für Müllabfuhr-Mitarbeiter:  Unrat
  • für Arbeitslose:  Hausrat
  • für Fahrlehrer:  Lenkrat
  • für Kfz-Mechaniker:  Motorrat
  • für Stellvertreter:  Reserverat
  • für Hosenverkäufer:  Moderat
  • für Schwachstromelektriker:  Akkurat
  • für Leibwächter:  Protektorat
  • für Dentisten:  Zahnrat
  • für Zahnärzte:  Borat
  • undsoweiter ..

Herr G. schreibt Verkehrsgeschichte, Teil II

Von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet, hat unser Herr verkehrsgeschicht­licher Großtäter eine neue Großtat ausgeheckt: »In ganz Europa gibt es kein offizielles Schild, das vor Geisterfahrern warnt,« und weil sonst eh grad keine dringenderen verkehrspolitischen Agenden anstehen, hat er deshalb einen Ideenwettbewerb für ein Gefahrenzeichen Achtung Geisterfahrer! ins Leben gerufen.

Das siegreich aus dem Wettbewerb hervorgegangene Schild legt dem Auto­fahrer bildlich dar, was bei der Begegnung mit einem Geis­ter­fah­rer zu tun ist:  fahren Sie auf der Autobahn prinzipiell ne­ben­ein­ander (wie es sowieso alle eh schon immer gern machen), und geben Sie so dem Geister­fahrer keine Chance, un­ge­scho­ren davon­­zu­­kom­men. Der­art werden Geisterfahrer zu­ver­lässig ein für allemal gestoppt.

»Ein einmaliger Schritt, ein eindrucksvoller Erfolg und wieder einmal eine verkehrs­po­li­ti­sche Pioniertat Österreichs. Ein Meilenstein in der europäischen Verkehrspolitik.«
.(Hubert Gorbach)

Meilenstein. Verkehrspolitische Pioniertat. Hat der wirklich so gesagt..

Kanzleipoetisches

Kollege Herold macht auf die inhärente Poesie der Kanzleisprache aufmerksam, zu Recht:

Afternutznießung, vulgo Quasiususfructus, welch poetische Vokabel – als wäre sie ge­ra­de­wegs einem lyrischen Sonett ent­sprun­gen. (etwaige pro­sa­ische Assoziationen beruhen mut­maß­ig­lich auf Bös­gläu­big­keit: Honi soit qui mal y pense!;)
Als poesievolle Kanzleitradition wird der Nießbrauch bei Fruchtgenuss ge­pflo­gen, was freilich keine Obstallergie ist, sondern Amtsdeutsch. Gesundheit.
(Niesen ist übrigens per Gesetz nicht verboten, jedenfalls nicht gemäß Nießrecht.)
(außer im Keith Jarret-Konzert.)
Wo ein Aftermieter daheim ist oder was ein Afterkoser so treibt, möge der kanzleipoetisch ver­sierte Leser selber erraten ;)