Kleeblattprinzipielles

Aus der Reihe: »Wörter, die die Welt nicht braucht«


Da hat sich also ein kreativer Kopf im Innenministerium das Phantasiewort “Kleeblatt­prin­zip“ ausgedacht, und sämtliche Nachrichtenmedien von Aachener bis Zürcher Zei­tung brin­gen diesen Sachverhalt der Leserschaft artig zur Kenntnis. Aber möchte man meinen, einer, auch nur ein einziger!, hätte nachrecherchiert was dieses Phan­tasiewort denn über­haupt be­deuten soll und weshalb die be­hördlichen Maßnah­men denn so bezeichnet wer­den, und tä­te es der Leserschaft verraten? Keiner. Kein einziger. Der Informa­ti­onsgewinn, welcher dem Rezi­­pi­en­ten aus der konzertierten Zurkenntnisbringung dieser ministerialen Phan­ta­sie­­wort-Kre­­­a­­ti­­on er­­sprießt, liegt somit im Bereich plus/minus Null.

Wenn die Intensivbetten in Deutschland knapp werden, sollen Patienten bun­desweit und nicht nur regional verteilt werden. So steht es in einem Konzept des Bun­des­in­nen­ministeri­ums. Darin ist von einem “Kleeblattprinzip“ die Rede. Deutschland wird dem­nach in fünf Großregionen aufgeteilt, die sich gegenseitig bei der Übernahme unterstüt­zen.  (BR24)

Fünf Großregionen, “Kleeblattprinzip“, demnach. Wieviele Blätter hat ein Kleeblatt im Prin­zip eigentlich?

14 Kommentare

  1. Ogott! Ich fürchtete gerade, Du wärst in der Schweiz und würdest die Schweizer Berichterstattung über Schweizer Zustände kritisieren (und mir, selber in der Schweiz, wäre das Kleeblatt-Prinzip entgangen, obwohl ich gierig alle News zur Schweizer Corona-Entwicklung verschlinge. Erst dann begriff ich: Ach, es geht um A bis Z und gemeint sind alle deutschsprachigen Zeitungen. Lustig, dass ein solcher Blätterwald in der Distanz zwischen Aarau und Zürich Platz hat, zwei Städte, zwischen denen eigentlich nur gerade eines oder zwei Autobahnkleeblätter Platz haben.

    1. Mein Fehler, sollte eigentlich heißen: Aachener Zeitung (habs jetzt ausgebessert.)
      Die NZZ kolportiert diesen Kleeblattprinzip-Quatsch nämlich auch.

  2. Region 1, 2 und 3 verfügen über geeignete Kliniken, mit etwas Glück auch Region 4 und bei Region 5 hat man halt Pech. So könnte es doch aussehen, das Kleeblatt-Prinzip.

  3. Ich muss die Journalisten mal in Schutz nehmen. Zumindest im Inforadio des rbb wurde erklärt, was es mit diesem Kleeblatt auf sich hat. Glücklich gewählt ist das Wort dennoch nicht. Klingt wie ein Glücksprinzip. Vielleicht habe ich ja Glück und stecke mich nicht an, obwohl ich mich nicht an die Hygieneregeln halte.

  4. Mal gegoogelt: Im Englischen gibts den Fachbegriff shamrock organization in der Pro­jekt­pla­nung und bedeutet wohl sowas wie Ressourcenmanagement, effi­ziente Auf­ga­ben­ver­tei­lung durch Outsourcing usw. Vielleicht ließ sich der Wörter-die-die-Welt-nicht-braucht-Aus­denkbeauftragte im Innenministerium bei seiner Phantasiewort-Kreation davon inspirieren.

  5. Ich denke mal, man lässt die Patienten ein Kleeblatt ziehen. Ist es vierblättrig, haben sie Glück und man behandelt sie nicht. Alle anderen lässt man draufgehen. Aber wie gesagt: ist eine reine Vermutung…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s