Ösitanisches

Bumstis Wunschkonzert

»Wie hätt’ mas denn gern? Sie wünschen, wir spielen!«  (Der Standard)

    Ob Oligarchin oder Scheich,
    wer für uns spendet, ist uns gleich!
    Die Mittel heiligen den Zweck:
    spendiert wer einen Spendenscheck,
    spiel’n für den Spender wir, zackzack!,
    sein Wunschprogramm ganz nach Geschmack.
    Es gilt für uns’re Politik:
    Wer zahlt, für den spielt die Musik!

27. Juni – Rituelles

Heute vor 31 Jahren, am 27. Juni 1989, durchtrennten der österreichische Außenminister Alois Mock und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn symbolisch den Eisernen Vorhang, indem sie gemeinsam den Grenzzaun zerschnitten:

──────────────────────────
Kuriose Rituale, siehe auch:  ▶️  ▶️  ▶️  ▶️  ▶️

7. Juni – Epigonales

Heute vor 75 Jahren wurde Altkanzler (v/o “Lügenkanzler“) Wolfgang Schüssel geboren.

»Es zeigt sich, dass Sebastian Kurz und Altkanzler Wolfgang Schüssel
ein ähnliches Politikverständnis haben.«  (Die Presse, 22.11.2016)

Déjà-vu: augenfällig ähnlich ist freilich die Ungeniertheit, mit welcher beide sich aus po­li­ti­schem Machtkalkül zur Zweck-Mesallianz mit derselben blauen Rechtsüberholer- & Spitz­bu­ben­truppe verklüngelten. Indessen unterscheidet die beiden, dass der Jungkanzler nicht so kurz ist wie der Altkanzler, sondern bloß so heißt.


Es zeigt sich aber auch, dass der Jungkanzler und der Altkanzler eine ähnliche Neigung zu dreister Unehrlichkeit haben: forschen Schrittes tritt Lügenkanzler Schüssels Epigone in dessen Fußstapfen, und nicht errötend folgt er dessen Spuren.

Corona-Ausgangsbeschränkungen aufgehoben

Grad vernommen, in einem Wiener Schanigarten:
Illustre Runde beim Umtrunk, Neuankömmling (Typ: Weana Bücha) gesellt sich hinzu und wird lauthals begrüßt:
»Seawass Oida! Wia woas in da Karantähn?«
Neuankömmling: »Wia in Staa. Owa mea Feansehn.«
──────────────────────
(Übers. f. Außerösische: »Wie war’s in der Quarantäne?«
»Wie in Stein [Haftanstalt in Krems/NÖ*]. Aber mehr Fernsehen.«)

Gastronomisches: Tweet vom Bundeskanzler

Ab heute dürfen in Österreich die Gastronomiebetriebe wieder aufsperren, zu diesem Anlass ruft Bundeskanzler Kurz die Untertanen via Twitter auf:


Gut, dass er das mit den österreichischen Wirtshäusern rechtzeitig getwittert hat – sonst täten die Öster­reicher heute womöglich alle ins Ausland ins Wirtshaus fahren.

Selbstkritisches

Das ÖSTERREICHische Bumsti-Strache-Beweihräucherungsorgan oe24 bietet Bumsti Strache das angemessene Podium, um öffentlich über die unerhörte politische Sauerei zu resümie­ren, die er dazumal auf Ibiza zur Darbietung brachte:


Worin besteht nun Bumstis Selbstkritik in dieser Deutlichkeit – was waren seine Fehler? An­ders als der Vorspanntext erwarten lässt, kritisiert er lediglich einen einzigen eigenen Fehler: Dass er sich bei der Sauerei hat erwischen lassen!

Es wäre wahrhaft angemessen, dem Mann das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Wohl der Republik umzuhängen: weil er mit seiner Ibiza-Nummer dafür sorgte, dass die Re­gierungsverantwortung in der aktuellen Krisensituation nimmer von solchen Figuren wie ihm und einem Hofer, einem Kickl und Konsorten getragen wird. Die Vorstellung, in Krisen­zeiten wie diesen säßen statt Leuten wie Nehammer oder Kogler ein Kickl oder Bumsti auf deren Posten als politische Entscheidungsträger, lässt einen erschaudern. Österreich sollte Bum­sti Strache zu Dank verpflichtet sein.

12. Dezember

Heute vor 100 Jahren wurde der populäre Wiener Volksschauspieler Fritz Muliar geboren. Legendär ist seine erbitterte Fehde mit dem seinerzeitigen Burgtheaterdirektor Claus Peymann: um eine »Schangse« hatte der nämlich gefleht, der Piefke, »geben Sie mir eine Schangse!« – und wenn in Wien einer »Schangse« sagt, hat er schon ausgeschissen, eh klar. Herr Muliar kannte daher kein Er­bar­men, er beschied ihm:

    »Herr Peymann, schaun S’:
    mir sag’n net Schangse, sondern Schaus.
    Drum ham S’ bei uns ka Tschans net, also:
    schleich’n S’ Ihna z’haus!« *)

Keine Chance für Piefke Peymann. Wenn einer schon »Claus« mit »C« heißt statt Klaus, wie sichs in Wien gehört ..
────────────────────────────
*) »schleichen«, österr.: siehe*

2. September

Heute vor 125 Jahren erblickte im galizischen Brody (heute Ukraine) der große öster­rei­chi­sche Schriftsteller Joseph Roth (1894-1939) das Licht der k. & k. Donau­mo­nar­chie.

Roth war in gleichem Maße glühender Monarchist und exzessiver Alkoholiker. 1939 traf er im Exil in Paris mit Otto von Habsburg zusammen, dem Sohn des letzten Kaisers von Österreich & Königs von Ungarn. Kaisersohn Otto war darüber besorgt, dass der halt­lose Alkoholkonsum den großen Dichter über kurz oder lang zu Tode bringen würde, deshalb ließ er ihn vor sich antreten und sprach ein Machtwort: in scharfem Ton befahl er Roth, augenblicklich mit dem Trinken aufzuhören.
Roth schlug die Hacken zusammen und rief: »Jawoll, Majestät!« – und rührte fortan keinen Tropfen Alkohol mehr an.
Kurz darauf starb er. Todesursache war der abrupte Alkoholentzug.

27. August – Linguistisches

Aus der Reihe: “Ösitanisch für Außerösische“

Gerhard Berger vulgo “Hättiwari“ hat heute Geburtstag, der »personifizierte Kon­junk­tivus Aus­triacus«, wie ihn Kollegin Thera trefflich tituliert.

Der populäre KURIER-“Kopfstücke“-Kolumnist Herbert Hufnagl (1945-2005) war es seinerzeit, der Berger den Beinamen Hättiwari [= “Hätte ich, dann wäre ich“] und der Redensart damit eine neue Dimension als eigenständiges Substantiv verlieh, welches bald darauf als Ösi­zis­mus auch Aufnahme in den Duden fand.

Österreich – Schweiz  7 : 5

Heute vor 65 Jahren, am 26. Juni 1954, fand die sogenannte »Hitzeschlacht von Lausanne« statt, nämlich das Viertelfinalspiel Österreich–Schweiz, welches als WM-End­run­denspiel mit den meisten Toren in die Fußballgeschichte einging.
Im Stadion Olympique in Lausanne hatte es 40°C im Schatten, und der öster­rei­chi­sche Tor­mann Kurt Schmied erlitt bereits in der ersten Viertelstunde einen Hitzekollaps und taumelte ori­en­tie­rungs­los vor seinem Tor hin und her, worauf die Schweizer binnen zehn Minuten drei Tore schossen. Da die Regel damals nicht erlaubte den Torhüter auszuwechseln, musste der Mann­schaftsmasseur hinter dem österreichischen Tor Aufstellung nehmen um den weg­ge­tre­te­nen Schmied während des restlichen Spiels durch Zurufe zu di­ri­gie­ren. Dennoch gelang es den Öster­reichern, binnen weiterer zehn Minuten fünf Gegentore zu schießen, sodass sie nach einem Anschlusstreffer der Schweizer zur Halbzeit mit 5 : 4 führten. Auch in der zweiten Spiel­hälfte blieben die Österreicher trotz ihres faktisch abwesenden Schlussmannes do­mi­nant, und so endete das Spiel mit einem 7 : 5-Sieg und dem bis heute be­ste­henden Rekord von zwölf Toren. Tormann Schmied konnte sich nach dem Spiel an nichts mehr erinnern, Öster­reich er­reich­te bei der WM 1954 den dritten Platz.
Heutzutage pflegt Österreich für gewöhnlich nimmer so hoch zu gewinnen.


(Lausanne 1954: Schweizer links, Österreicher v. rechts: Hanappi, Stojaspal, A. Körner, Koller, Wagner, Probst, Bar­schandt, R. Körner, Happel, Schmied, Ocwirk.)

21. Mai

(Allgemeine Automobil-Zeitung, 1899)


Heute vor 120 Jahren, am 21. Mai 1899, wurde die erste Motor­sport­ver­an­stal­tung in Öster­reich ausgetragen, das Exelbergrennen in Neuwaldegg im Wienerwald. Ver­an­stalter war der Oesterreichische Automobil-Club gemeinsam mit dem “Neuen Wiener Tag­blatt“. Es sei diese Veranstaltung, so stand damals zu lesen, ..

» [..] eine demonstrative Mani­festation des Automobilismus, wobei die Geschwindigkeiten der Automobile mittlerweile so groß geworden sind, sodaß man sich mit einem Ent­­ge­genkommenden gar nicht mehr unter­halten kann.«


Sieger in der Kategorie A (Schnellfahren) wurde der Franzose Louis Gasté, vermutlich weil er die windschnittigsten Stiefel anhatte:


(Die Exelbergstraße am Wiener Stadtrand ist bis heute unter Sonntags-Hobby­renn­fahrern als Renn­strecke beliebt, und deswegen als sog. “Organspender-Strecke“ berüchtigt.)

Ins Blaue gereimt (III)

»Es reimt sich nur auf Diarrhö der Wortdurchfall der FPÖ.«
(Trithemius, 01.09.2013)
.
    »Es ist uns gelungen, dass alle über uns reden.« (Herbert Kickl*)
    »Hurra, es reimt sich wieder« (HC Strache*)


Dem Kanzler gehe es nur um Macht, beklagt sich Kampfreim-Künstler Kickl auf seiner Face­book-Seite*) – ganz im Gegensatz zu ihm selber, freilich. Welchen Reim möge er sich darauf wohl machen? (Achtung, Satire.)

2. Mai

Heute vor 684 Jahren, am 2. Mai Anno Domini 1335, kam Kärnten zu Österreich.

Weil die Bayern aus historischer Tradition auf die Österreicher stinkert waren, über­legte sich Kaiser Ludwig der Bayer, was er ihnen zufleiß tun könne und schenkte ihnen Kärnten. Der damalige österreichische Herzog Otto der Lustige fand das nicht so lustig, aber was soll man machen: wenn man vom Kaiser was geschenkt kriegt, kann man nicht einfach dankend ab­lehnen.
Seither müssen sich die Österreicher mit den Kärntnern abfretten, und umgekehrt. Aber mög­licherweise eh nimmer lang, bekanntlich gibts in Kärnten ja massive Auto­no­mie­be­stre­bungen.

8. April

Heute vor 118 Jahren, am 8. April 1901, fand in Wien das erste inoffizielle Länderspiel der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft statt, gegen die Schweiz. Da einige Spieler noch zur Schule gingen und Schülern dazumals, auch wenn sie schon 17 oder 18 Jahre alt waren, das Fußballspielen in Vereinen verboten war, traten diese unter Pseudonymen an und trugen aufgeklebte falsche Bärte, um nicht erkannt zu werden. Als Goalgetter tat sich »der G’stutze« Johann Studnicka hervor, der später zu einer der herausragendsten Per­sön­lichkeiten der öster­rei­chi­schen Fußballge­schichte wurde.

(Das Schweizer Nationalteam kam nicht, wie spöttische Zeitgenossen kolportierten, auf ihrem Mannschafts-Velo nach Wien angereist, sondern per Eisenbahn.)
Österreich gewann das sogenannte Ur-Länderspiel gegen die Schweiz mit 4 : 0.


Die österreichische Nationalmannschaft von 1901, einige Spieler mit aufgeklebten Bärten. Die Trikotfarben weiß/schwarz wurden für Auswärtsspiele bis heute beibehalten.

9. März

Heute vor 160 Jahren wurde Peter Altenberg (1859-1919) geboren, legendäres Parade­ex­em­p­lar des typischen Wiener Kaffeehausliteraten und Schnorrers.

Altenberg verbrachte den größten Teil seines Lebens im Kaffeehaus, und wenn er einmal nicht im Kaffee­haus war, so hieß es, dann sei er grad auf dem Weg dorthin. Auf seiner Visitenkarte gab er als Adresse das Café Cen­tral an, auch seine Post ließ er sich dort hinschicken.
Schon sein Lehrer nannte den späteren Meister der lite­­ra­ri­schen Skizze & fragmentarischen Kurzprosa ein »Genie ohne Fähigkeiten« – wie überliefert, sei er bei der Matura deswegen durchgefallen, weil er als Aufsatz über das Thema »Der Einfluss der Neuen Welt (Amerika) auf die Alte« nur ein einziges Wort hingeschrieben hatte: »Kartoffeln.«
Altenberg trat zeitlebens als vorgeblich mittelloser Schnor­rer auf, der sich von Kollegen und Gönnern finanziell aushalten ließ. (Um seine Mittellosigkeit zu illustrieren, lief er grundsätzlich in Holzsandalen ohne Socken herum, selbst wenn er als Theaterkriti­ker Vor­stellungen besuchte.) Einmal schrieb er an seinen Bruder ein Telegramm: »Bitte schicke mir 100 Kronen, habe mein ganzes Geld zur Sparkassa getragen und starre nun dem Hungertod entgegen.« Oder, als er seinen Freund Karl Kraus einmal um 10 Kronen an­schnorrte, dieser aber bedauerte nicht so­viel da­bei­zu­haben, da bot ihm Altenberg an: »Ich leih’ dirs inzwischen, damit du mirs schnorren kannst.«

Als nach Altenbergs Tod sein Testament bekannt wurde, stellte sich zum nicht gerin­gen Erstaunen heraus, dass der angeblich zeitlebens Mittellose auf diese Weise ein durchaus statt­liches Vermögen von über 100.000 Kronen auf der Sparkassa angehäuft hatte. Dieses hinterließ er zur Gänze wohltätigen Einrichtungen.

5. Februar

Heute vor 90 Jahren erblickte in Neufeld an der Leitha Fred Sinowatz (1929-2008) das Licht des Burgenlandes, ex oriente lux.
Der Name Sinowatz stammt aus dem slawischen und bedeutet übersetzt “komische Nase ko­mi­scher Name“. Weil er in der Schule deswegen immer als “Fredi Nasowitz“ verspottet wurde, rächte er sich indem er Unterrichtsminister wurde. Weil er als Unterrichtsminister ständig als “Unterschichtsminister“ verspottet wurde, wurde er Vizekanzler. Dass er als Vize­kanzler als “Witzekanzler“ verspottet wurde, kam nicht unerwartet. Als Bundes­kanzler wurde er als “Fred Sinnlosschwatz“ verspottet. Dabei sagte er viele gescheite Sachen, sein bekanntester Aus­spruch ist:

    »Es ist alles sehr kompliziert.«

Fred Sinowatz ging in die Geschichte ein als der einzige Bundeskanzler der Zweiten Republik, der noch komischer aussah als Wolfgang Schüssel.

7. Dezember

Hermann Maier vulgo Herminator hat heute Geburtstag.

Nach seinem spektakulären Sturz in Nagano 1998 erklärte er vor der internationalen Presse, zur Behandlung von Prellungen bewähre sich vortrefflich Mankei-Schmalz (alpen­län­disch für Murmeltier-Fett) als probates Hausmittel.
Der Dolmetscher übersetzte das als monkey grease, und die daraufhin kolportierte Presse­mel­dung rief weltweit Empörung unter Tierschützern hervor:

    »In Österreich werden zu pharmazeutischen Zwecken Affen gekocht.«

29. November

Heute vor 127 Jahren erblickte der seinerzeitige österreichische Bundeskanzler (1953-1961) Julius Raab das Licht St. Pöltens. Raabs Volkstümlichkeit und Bodenständigkeit war legendär: mitunter sah man ihn zur Mittagszeit zum Greißler ums Eck spazieren um eine Knackwurst zu erwerben, welche er anschließend an seinem Schreibtisch im Kanzleramt zu verzehren pflegte. (Eine sogenannte »Beamtenforelle«. Heißt so, weil sie dem traditionell miserabel besoldeten österr. Beamten als ver­gleichsweise preiswerter Ersatz für den teuren Fisch diente, welchen er sich von seinem kargen Salär selten leisten konnte. Unlautere Fleischer pflegten das Brät zur Herstellung ihrer Knackwürste über Gebühr mit billigem Getreidemehl zu strecken.) Als Erz-Schwarzer – die ÖVP stand in enger Allianz mit der katholischen Kirche, von Säkularität war dazumals noch keine Rede – darauf angesprochen, ob es nicht unstatthaft sei auch frei­tags am kirchlichen Fasttag eine Wurst zu essen, rechtfertigte sich Raab:

    »Knackwurst gilt nicht als Wurst, die gilt als Mehlspeis’.«

───────────────────────────
Historisches Fotodokument: Julius Raab verzehrt eine Knackwurst.

3. November

Heute vor 100 Jahren, am 3. November 1918, wurde vor dem historischen Hinter­grund der rus­sischen Oktoberrevolution die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) gegründet und ist so­mit eine der ältesten kommunistischen Parteien der Welt.
Erste Aktion der frischgebackenen ösitanischen Towarischtschi war es damals, sich unterein­an­der sogleich einmal heillos zu zerstreiten, wie sich das für eine ordentliche Partei gehört. Wes­halb ihre zweite Aktion unmittelbar nach Parteigründung, nämlich ein äußerst un­pro­fes­si­onell orga­ni­sier­ter (und überdies von den Sowjets nicht autorisierter) Putschver­such, na­tür­lich scheitern musste und binnen Stunden niedergeschlagen werden konnte.
Im politischen Geschehen spielt die KPÖ heute keine Rolle mehr, ihr Wäh­ler­stim­menanteil liegt im ho­mö­o­pa­thi­schen Bereich. (Ihre Parteipa­role lau­tet sin­ni­ger­weise: »Mit uns nicht!«.)

(Fällt mir eine Schnurre aus meiner Heimatgemeinde ein: in Neulengbach kriegten die Kom­mu­nisten seit Jahrzehnten zuverlässig bei jeder Wahl eine einzige Stimme. Einer, Kummerl* ge­nannt, stand unter Verdacht, jener einzige KPÖ-Wähler zu sein, was der aber beharrlich ab­leug­nete und nie zugeben wollte. Einmal, um es herauszufinden, wettete der Neulengbacher Bahn­hofs­wirt mit Kummerl um hundert Schilling, dass die Kommu­nisten bei der nächsten Wahl zwei Stimmen statt nur einer kriegen, und Kummerl wettete dagegen. Also machte der Bahn­hofs­wirt sein Kreuzerl am nächsten Wahltag für die Kommunisten, damit die eine zweite Stimme kriegen – aber als die Sprengel­ergebnisse später in der Zeitung standen, hatten die wie­derum nur eine gekriegt: wie gewöhnlich. Kummerl kassierte seinen gewonnenen Hun­der­ter, und musste sich vom Bahnhofswirt anhören: »Du Verräter, für einen Hunderter verratest du deine Partei, du Judas.« – Kummerl indessen entgegnete: »Wieso denn? Hätten wir nicht gewettet, dann hätten die trotzdem nicht mehr Stimmen gekriegt als sonst, aber ich um einen Hun­der­ter weniger.« Dass er derjenige war, der sein Kreuzerl jahrzehntelang stets, nur dieses ein­zi­ge­mal nicht für die Kommunisten gemacht hat, hat er freilich weiterhin abge­stritten.)
──────────────────────────────────
* (Kummerl = österr. für Kommunist)

1. November

Heute vor eintausendundzweiundzwanzig Jahren, am 1. November Anno Domini 996, fand die Bezeichnung “Ostarrîchi“ für Österreich erstmals urkundliche Erwähnung.

Die Bezeichnung leitet sich von altgerm. *austar- über althochdt. *ôstar- her, und das bedeutet »Land im Osten, wo die Sonne aufgeht« *). Ex oriente lux.
(Andere Quellen behaupten indessen, Ostarrîchi stamme von ital. osteria ab, das be­deutet »Land, reich an Wirtshäusern«.)

Eineinhalb Jahrhunderte später, im Privilegium Minus von 1156, wurde Österreich erstmals als “Austria“ bezeichnet, und seit damals wird Österreich ständig mit Australien ver­wechselt.
──────────────────────
*) (Mittlerweile geht die Sonne nimmer in Österreich auf, weil die seinerzeit in Kärnten vom Himmel gefallen ist, wie in den Urkunden erwähnt ist. Deswegen ist es dort auch wärmer.)

18. Oktober: »Männer, die auf Krädern grüßen«

Der ÖAMTC ist als Nachfolgeverein des Oesterreichischen Automobil-Club einer der ältesten und heute mit beinah zwei Millionen Mitgliedern der siebentgrößte Auto­mobilclub der Welt.

Heute vor 64 Jahren, am 18. Oktober 1954, er­folgte die erstmalige Ausfahrt der ÖAMTC-Pan­nen­hilfefahrer, auf Mo­tor­rad-Bei­wa­gengespannen worin sie ihr Werkzeug mit sich führten. Auslösend für die Idee zur Gründung eines mo­to­ri­sier­ten Pan­nen­diens­tes war damals ein Fischhändler, der seine Ware im Bei­wagen eines alten Krads auslieferte und an einem heißen Sommertag, um Hilfe an­su­chend, zu Fuß zur Club­werk­statt kam. Sein Motorrad hatte unterwegs ge­streikt und der Fisch­transport drohte in der Hitze zu ver­der­ben. Also machte sich ein Clubmechaniker mit seinem Pri­vat­auto­mo­bil auf den Weg, und es gelang das liegengebliebene Mo­tor­rad des Fisch­händ­lers wieder flott­zu­machen.

Zu den ersten Pannenhilfefahrern, die wegen ihres »fliegenden« Re­pa­ra­tur­diens­tes so­wie der gelben Lackierung ihrer Fahrzeuge bald »Gelbe Engel« genannt wurden, gehörte dazu­­mals auch mein Schwiegervater, der beim ÖAMTC eine Lehre zum Auto­mo­bil-Me­cha­ni­ker ge­macht hatte. Einmal führte ihn sein Beruf zu einem Gastspiel in der Film­branche.

Die ÖAMTC-Pannenfahrer patrouillier­ten anfangs auf fixen Routen auf den meist­be­fah­re­nen Bun­des­straßen hin & her (damals gab es in Österreich noch keine Autobahn) und hielten Aus­schau nach Automobilisten, die zufällig irgendwo mit einer Panne liegengeblieben waren. War kein solcher anzutreffen, stell­ten sie sich irgendwo entlang der Strecke in gut sichtbarer War­te­po­si­tion auf und warteten darauf, ob nicht zufällig einer vorbeikam, der ihnen mit­teil­te dass er zu­fällig einen an­ge­troffen hätte, der irgendwo mit einer Panne liegengeblieben war.
Weiters hatten die Pannenfahrer die strikte Order, jeden, wiederhole: jeden vorüberfah­ren­den Autofahrer durch Salutieren zu grüßen, wie der Schwiegervater hier auf dem Foto de­mon­striert.
Freilich fuhren dazumals in einer Stunde grad soviel Autos vorüber wie heute in einer Minute. Man stelle sich vor, einer müsse heutzutags an einer Hauptverkehrsstraße jedem vor­bei­fah­ren­den Autofahrer salutieren – der täte wohl einen gehörigen Krampf im Arm kriegen ;)

Ab 1959 wurden die Beiwagen-Motorräder sukzessive außer Dienst gestellt und durch vier­räd­ri­ge Pannenhilfe-Fahrzeuge ersetzt: Steyr-Puch 500, die le­gen­dä­ren gelben »Renn­sem­meln«. (Mein Schwiegervater nannte sie »Regen­pe­le­ri­ne mit Rädern«.)

8. Oktober

Heute vor 90 Jahren kam der große österreichische Stänkerer Helmut Qualtinger (1928-1986) zur Welt. Die unersprießliche Allianz zwischen Beschränktheit und Mit­teilungseifer mancher Zeitgenossen kommentierte er mit dem schönen Satz:

    »Es gibt nix Schenas auf da Wöd
     ois wieran Fetznschedl zuahean wauna grod sei Pappm hoit.«


Kollege KrassNick hat Herrn Quasis Aperçu zu einem hübschen Vierzeiler gereimt:

    Herr Qualtinger pflegt’ zu erklären:
    »Nichts Schöneres gibt’s auf der Welt
    als einem Schwachkopf zuzuhören
    wenn er gerad’ sein Maulwerk hält.«
    ────────────────────
    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig


Qualtinger war exzessiver Trinker. Als er einmal in seinem Stammcafé Alt Wien wie gewöhnlich »a Viertel!« bestellte, fragte ein neuer Ober, der ihn noch nicht kannte: »Weiß oder rot?« – und Qualtinger fragte zurück: »Seit wann gibts an roten Schligowitz?«
──────────────────────
(Legendär: Qualtingers Auftritt als “Eskimodichter Kobuk“)

3. Oktober

Heute vor 117 Jahren, am 3. Oktober 1901, gelang dem österrei­chischen Luft­fahrt­pionier Wilhelm Kreß der erste erfolgreiche Motor­flug­versuch der Welt.
(Stimmt tatsächlich, die Brüder Wright hoben erst zwei Jahre später ab, 1903.)
(Stimmt nicht ganz: gelungen ja, erfolgreich leider weniger ..)

Bemerkenswerterweise führte unser Herr Ösi-Binnenpilot den allerersten bemannten Motor­flug der Luftfahrtgeschichte mit einem Wasserflugzeug durch, nämlich am Wienerwaldsee (damals genannt: Tullnerbachbassin), einem künstlich an­ge­stauten Wasserreservoir nahe der Wiener Stadtgrenze.
Allerdings erwies sich die Wasser­fläche als ungenügend weitläufig zum Befliegen – was zur Folge hatte, dass Herr Kreß am Ende des Wasserfluges mit seinem Flug­apparat äußerst eindrucksvoll gegen die Stauseemauer semmelte.
Unglücklicherweise stellte sich bei diesem Anlass heraus dass sein Schwimmflugzeug nicht schwimmtüchtig war, und es versank unverzüglich.

12. September

»Ich kann nur raten, den Gegner ernst zu nehmen,
auch wenn der Torwart eine Pudelmütze trägt.«
(Josef Hickersberger, 2003)

.
Heute vor 28 Jahren fand in Landskrona/Schweden das denkwürdige Fußball-Länderspiel zur EM-Qua­li­fi­ka­tion zwischen den Färöer-Schafsinseln und Österreich statt, welches mit dem Er­geb­nis 1 : 0 für die Färöer endete – entgegen der zuvor von Stürmer Toni Polster auf­ge­stell­ten Pro­gnose eines zu erwartenden 10 : 0-Sieges für Österreich. Draufhin trat der öster­rei­chi­sche Nationaltrainer Josef Hi­ckers­berger zurück und verschwand in der Ver­sen­kung, aus der er indessen 15 Jahre später wie­derum hervortauchte: nämlich als – trara! – neuer öster­rei­chi­scher Nationaltrainer *).
Schuld an dem blamablen Resultat war die weiße Pudelmütze des färöischen Torwarts, wel­che die österreichischen Spitzenstürmer gemäß deren übereinstimmender Aussage so massiv irri­tier­te, dass es ihnen nicht gelang ein Tor zu schießen.
Jene legendäre weiße Pudelmütze des Torwarts der schafsinsulanischen Amateurmannschaft, Jens Martin Knudsen (im Zivilberuf Gabelstaplerfahrer in einer Fischfabrik), hatte des­sen Mut­ter gestrickt und wird seither im Nationalmuseum in Runavik als Staatsreliquie auf­be­wahrt. Pudel­müt­zen­träger Knudsen wird noch heute auf den Färöern als Nationalheld ver­ehrt.
─────────────────────────
*) (In seiner zweiten Ägide als österreichischer Teamchef beschwerte sich Hickersberger vor dem Länderspiel Trinidad & Tobago gegen Österreich: »Das ist ja unfair: zwei gegen einen.«)

22. August

Heute*) vor 169 Jahren, am 22. August 1849, kapitulierte Venedig und wurde von den Öster­reichern erobert.

Mit dem Abwurf von Brandbomben, welche an Wasserstoffballons schwebten, hatte die öster­reichische Artillerie den ersten Luftangriff der Kriegsgeschichte ausgeführt. Die Ballon­bomben wurden von einem vor der Lagune kreuzenden Raddampfer der k.u.k. Kriegsmarine gestar­tet und detonierten über Murano, verursachten jedoch keinen nen­nens­werten Sachschaden. Die psychologische Wirkung war indessen beträchtlich, weil die Venezianer ihre weltberühmten Glaswerkstätten auf Murano in Gefahr sahen, durch das österreichische Luftbombardement in Scherben zu enden, und deshalb die weiße Flagge hissten.

Heutzutage braucht sich vor Luftangriffen durch die österreichische Kriegsmarine keiner mehr zu fürchten.