Kalendarisches

20. März – Weltgeschichtentag

In der Rahmenhandlung zum “Decamerone“, Boccaccios Novellensammlung aus dem 14. Jahrhundert, vertreiben sich die Leute die Zeit des Ausgehverbotes während der Pest mit dem Erzählen von Geschichten.

Analoge Ausgehverbote bestehen auch heute am Welt­geschichtentag, welcher der Pflege der mündlichen Er­zählung gewidmet ist. Unterdessen gibts aber Web 2.0, so kann die Tradition des Geschichtenerzählens in den Zeiten von Corona online weitergepflogen werden.

Der Weltgeschichtentag 2020 steht unter dem Motto “Reisen“ – so vernehmet alsdenn die Geschichte, welche allhier zur Erzählung gelangt:

14. Februar – Tag des Riesenrads

Heute ist der Tag des Riesenrads, falls man dem Kalender glauben will.


Das Wiener Riesenrad im Prater, 1897 eröffnet, ist das älteste noch im Betrieb befindliche Riesenrad der Welt. Eine Fahrt kostete dazumals acht Gulden, das entsprach einem ganzen Wochensalär eines k. k. Beamten.
Obwohl das Gewicht der rotierenden Konstruktion beinah 250 Tonnen beträgt, erfolgt der Antrieb lediglich über zwei Elektromotoren mit einer Leistung von je 15 Kilowatt = 20 PS, wobei jeder der beiden Motoren auch allein das Rad bewegen könnte.
Eppur si muove!

9. Februar

Heute ist übrigens schon wieder Tag der Zahn­schmer­zen, falls man dem Kalender glauben will. (Nicht dass es wieder Beschwerden hagelt, ich hätt’s gewusst aber keinem verraten.)


Es feiere den Zahnschmerztag
ein jeder, wer ihn feiern mag.
(Am Zahnschmerztag ist freilich nicht
Zahnschmerz zu haben Bürgerpflicht:
so wie am Weltmilchtag ja auch
nicht Milch zu geben ist der Brauch.
Das wird vom Bürger nicht verlangt
am Zahnschmerztag, Gott sei’s gedankt.)

13. Jänner – Folkloristisches: Sankt-Knuts-Tag

In Schweden, Norwegen und Finnland dauert die Weihnachtszeit zwanzig Tage und endet erst am 13. Jänner, dem Sankt-Knuts-Tag. An diesem Tag werden traditionell die Weihnachtsbäume entsorgt, indem sie kur­zer­hand aus dem Fenster hinausgeworfen werden.

Zum Opfer dieser Tradition wurde einst der große französische Denker René Descartes:

Die Weihnachtsferien zum Jahreswechsel 1649/50 verbrachte Monsieur Descartes auf Ein­la­dung Königin Christines von Schweden, seiner langjährigen Brieffreundin, in Stockholm, wo­selbst er jeden Morgen um Schlag sechs Uhr früh am königlichen Früh­stückstisch anzutreten hatte. Welch barbarische Sitte, zu nachtschlafener Zeit zu frühstücken, parbleu!, befand Des­car­tes, diese Schweden müssen wohl einen an der Waffel haben. Nun weiß man aber, dass in Schweden noch andere extra­va­gante Brauchtümer grassieren, etwa morgens zu Sankt Knut die ab­ge­fei­er­ten Weih­nachts­bäume directement aus dem Fenster zu expedieren, all­fäl­li­gen Pas­san­ten auf die Köpfe. Und akkurat ein sol­cher landete unglücklicherweise auf Mon­sieurs Den­ker­haupt, als er am Sankt-Knuts-Tag 1650 früh­mor­gens grimmigen Ge­mü­tes durch den skandinavischen Winter stiefelte, zum Pflicht­déjeuner mit Ihro bettflüchtiger Majestät. Von den Folgen erholte er sich nimmer, knapp einen Monat später verstarb Des­car­tes in Stock­holm an den Aus­wir­kun­gen skan­di­na­vi­scher Weih­nachts­folklore.

25. Dezember

Heute vor 377 Jahren, am 25. Dezember 1642, kam Sir Isaac Newton zur Welt – nach dem seinerzeit in England geltenden Julianischen Kalender. Nach Gregorianischem Kalender entspricht das dem 4. Jänner 1643, wäre der damals schon gültig gewesen, hätte es Herrn Newtons Geburtstag also gar nicht gegeben. Muss man sich mal vorstellen: wäre Herr Newton nicht geboren worden, dann hätte womöglich nie einer die Schwerkraft erfunden  entdeckt.
Die würde uns bestimmt fehlen.

19. November: “Die Welt feiert“


Heute ist übrigens schon wieder Welttoilettentag.
(Nicht zu verwechseln mit dem Tag des Toilettenpapiers, oder dem Tag des deutschen Tankstellenklos.)
Welchen Nutzen soll der eigentlich haben? Schau mer mal:

» Der Welttoilettentag soll die Verantwortlichen in Politik
und Wirtschaft wachrütteln.«

Wachrütteln. Die Verantwortlichen. Ah, so ist das.

(Haben Sie schon gewusst, dass Papst Julius I. als Schutzpatron der Lat­ri­nen­reiniger gilt, oder was eine Geräuschprinzessin ist? Man lernt nie aus.)
(Wie eine »Russische Toilette« ausschaut, erfahren wir bei Kollege Herold.) Bloggen bildet.

25. Oktober

(Bayern 2)


Heute ist übrigens schon wieder World Pasta Day, vulgo Weltnudeltag.

    Verachtet mir die Nudel nicht!
    Denn höret, was Erfahrung spricht:
    wenn’s keine Nudeln gäb’, das wär’,
    kann man sich denken, ein Malheur.
    Denn zweifellos wär’s molto brutta,
    gäb’s keine Pasta zu der Schutta:
    weil ohne sie gelänge schlicht
    Soß’ um Gabel wickeln nicht.


 (Ernst Jandl: »Pasta Schutta«)

19. Oktober

»Woher kommen wir, wohin gehen wir, und warum liegt ständig was im Weg rum?«
(Jossele Mühlbacher)
.

Heute ist angeblich der Evaluier-dein-Leben-Tag, falls man dem Kalender glauben will, und angeblich soll man den Tag nutzen um in sich zu gehen und zu reflektieren, wie das eigene Leben verläuft.

(Über die Sinnhaltigkeit der Floskel »in sich gehen« könnte man auch mal reflektieren: wie soll denn das über­haupt gehen, und was soll dabei herauskommen? Der Aztekengott Huitzilo­pochtli hat mal vorgemacht, was dabei herauskommt, indem er in sich ging: der Überlieferung nach kroch der eines Tages in seinen eigenen Hintern hinein und ver­schwand darin, und ward seither nimmer gesehen. Merke: Don’t try this at home!)

10. Oktober – Welthundetag

Heute ist übrigens der Internationale Tag des Hundes. (Wie mag der wohl in China gefeiert werden?)

Kollege KrassNick reimt:

    Dass Mensch und Schimpanse Verwandte wären,
    gehört zu Herrn Darwins bekannten Lehren.
    Der Mops indessen, dass justament der
    mit dem Wolf verwandt wär’: das kann der Herr
    Darwin seiner Urstrumpftante erklären.


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(zum Thema Hund: siehe auch ►)

25. März

Heute vor 53 Jahren wurde Jeff Healey (1966-2008) geboren, der leider früh verstor­bene ka­na­di­sche Gitarrist, Trompeter & Sänger. Healey spielte die Gitarre auf unkon­ven­ti­o­nelle Weise, indem er sie wie eine Zither vor sich auf dem Schoß liegen hatte, oder zuweilen auch mit den Zähnen.
Hier mit einer originellen Vintage-Nummer, among friends:

19. März – Tag des Geflügels

    Die Stimmung steigt im Hühnerschlag,
    denn heut’ ist Weltgeflügeltag
    ein Tag, der ganz gewiss gefällt
    dem Federvieh auf dieser Welt.
    Drum lasst uns das Geflügel feiern
    ohne lang herumzueiern:
    wer heut’ entsprechend feiern will,
    brät einen Broiler auf dem Grill.

Allerlei Mischkulantes zum Tag des Geflügels:


Der geschlechtlichen Gleichstellung im Sprachgebrauch geschuldet, lässt man Gendering neu­er­dings auch dem Geflügel angedeihen, wie Kollegin Cappuccina entdeckte.

Über der Frage, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei ? mögen sich die Oologen die Eier­köpfe zerbrechen – die von Kollege Trithemius hieramts gestellte Gegenfrage, was wohl zu­letzt da sein wird, scheint indes geklärt: gewiss wird das Ei das Huhn überleben. Tau­send­jäh­rige Eier gibts bekanntlich, aber wer hätte jemals von einem tausendjährigen Huhn gehört?

Paul Simon erzählte, seinen Songtitel »Mother and Child Reunion« einst auf der Speisekarte eines Cajun-Restaurants in den Südstaaten gelesen zu haben, als Bezeichnung für eine kreoli­sche Mahlzeit: Huhn mit Ei.

Henry Ford war es seinerzeit, der Marketing mit Geflügel verglich: »Enten legen ihre Eier in aller Stille, Hühner gackern darüber wie verrückt. Was ist die Folge? Alle essen Hühnereier.«

Was immer das sein mag, was das Feder­vieh im TOBIS-Intro unten rausfallen lässt, nachdem es gekräht (!) hat – ein Ei kanns ja wohl keins sein:


Zum aktuellen Anlass nicht fehlen darf wie immer das obligate Symbol­bild, Abb. links: »Mit einem Messer trennt eine Frau in Bangladesch ihren Ver­ge­wal­ti­ger von dessen bestem Stück: einem weißen Huhn.«

1. März – Welttag des Kompliments

»Ein Kompliment ist eine freundliche Wahrheit mit etwas Make-up.«
(Hannelore Schroth)

Heute ist übrigens der Welttag des Kompliments (nicht zu verwechseln mit dem Tag der Kom­pli­men­te am 24. Jänner), laut Wikipedia eingeführt als »Tag, an dem besonders viele Kom­pli­mente gemacht werden sollen« – was freilich Unsinn ist: sparen tut man ja auch nicht nur am Weltspartag. Auch mit Komplimenten sollte man sparen, jedoch nicht geizen. Ein Kompliment zu machen aber sollte Kür sein und nicht etwa Pflicht, nur weils grad im Ka­len­der steht.
Bei Kollegin Modeste klagt einer, er habe »zu viele schlechte Erfahrungen mit Kompli­menten aus heiterm Himmel heraus« gemacht. Dabei gibt es ein einfaches Rezept, wie man ein Kompliment machen kann ohne sich der peinlichen Situation auszusetzen, dass es als un­er­wünscht ankommt, ich verrate es Ihnen: leiten Sie stets mit der unver­fänglichen Frage ein »Hören Sie gern Komplimente?« – ich kann Ihnen versichern, dass die Mehrzahl aller Angesprochenen daraufhin antworten wird »Welches denn?« Dann machen Sie Ihr Kom­pli­ment. Ein geringerer Teil wird Ihnen erwidern »Nein,« – um gleich daran mit der Gegenfrage anzuknüpfen »Welches wäre es denn gewesen?« Dann verraten Sie es. Und lediglich eine Minderheit wird Ihnen dezidiert mit einem abschlägigen »Nein.« antworten. Auch recht, wer Ihr Kompliment nicht hören will, kriegts halt nicht zu hören. Es ist ganz einfach.

17. Februar


Fräulein Paris “Das Fleisch ist willig, aber der Geist ist schwach“ Hilton hat heute Ge­burts­tag, die blöde Amsel.

Kennen Sie den: Paris Hilton darf sich zum Geburtstag von einer Fee was wünschen, sie darf zwei Wünsche stellen.
»Ich wünsch mir eine Kreditkarte, mit der ich alles kaufen kann was es gibt.«
Schwupps! geht ihr Wunsch in Erfüllung und sie kriegt eine Kreditkarte, mit der sie alles kaufen kann, was es gibt.
»Und dein zweiter Wunsch?« fragt die Fee.
Paris Hilton: »Da wünsch ich mir gleich noch eine zweite!«
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(Haben Sie gewusst dass Blondinenwitze angeblich strafbar sind, falls man Österreichs auflagenstärkstem Volksinformationsorgan glauben möchte.)

24. Jänner – Komplimentäres

Heute ist übrigens der Tag der Komplimente, falls man dem Kalender glauben will, nicht zu verwechseln mit dem Welttag des Kompliments am 1. März. Welchen Nutzen ein zweiter Tag der Komplimente haben soll, lässt sich nicht erraten, aber das weiß ja z.B. vom dritten Nationalratspräsidenten auch keiner.
Komplimente sind grundsätzlich was nettes, freilich aber korreliert die Akzeptanz seitens des Adressaten mit der zielgruppenadäquaten Formulierung:

    »Heast Oide, du schaust voi fett aus!«

– hörte ich mal einen Teenager anerkennend zu einem Mädel sagen, was die Angespro­che­ne offenkundig als schmeichelhaft empfand.
Wenn ich das gleiche zu meiner Frau sage, würde sie das vermutlich nicht so reizend finden.

8. November

Heute ist übrigens schon wieder Weltputzfrauentag, vulgo Tag der Lurchfee. (Nicht dass es wieder Beschwerden hagelt, ich hätt’s ge­wusst aber keinem verraten.)

Kennen Sie die Redensart:
»Ein Staubsauger und eine Putzfrau sind im Haus­halt nützlicher als ein Staubsauger und ein Papst.«

5. Dezember – Weltbodentag


Heute ist übrigens schon wieder Weltbodentag, und zu diesem Anlass wurde dazumals an­de­ren­amts *) von einigen reimlustigen KollegInnen eine Reihe launiger Verse verfasst, z.B.:

Der Boden der liegt bloß so rum,
und tut doch artig seine Pflicht.
Denn tät er’s nicht, dann wär’ das dumm:
wo man sonst steh’n sollt’, wüsst’ man nicht.
© mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

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*) (Betrüblicherweise ist auch Kollege Bubi40 – wie zahlreiche weitere geschätzte, ehe­dem um­trie­bi­ge AmtskollegInnen – mittlerweile verstummt bzw. nur mehr sporadisch in der Blo­go­sphäre zugange. Gelegentlich hieramts angebrachte Verlinkungen auf derlei stillgefallene oder -gelegte, indes nicht weniger lesenwerte Blogseiten mögen vielleicht wie wehmütige Re­mi­nis­zen­zen daherkommen. Aber das sind sie ja schließlich.)

31. Oktober

Heute vor 386 Jahren kam der holländische Barockmaler Jan Vermeer van Delft zur Welt.
Vermeer hatte ein Dutzend Kinder, welche eins hässlicher als das andere waren. Als Er­klä­rung, wie es ein Mann zuwege bringe, so unerhört schöne Bilder und zugleich dermaßen häss­liche Kinder zu fabrizieren, soll er gesagt haben:
»Die Bilder mache ich tagsüber bei gutem Licht, die Kinder nachts im Finstern.«

5. Oktober

Heute am 1. Freitag im Okober ist der internationale Tag des Lächelns, erfunden wurde der 1999 von Harvey Ball, dem Erfinder des Grinse-Smileys.


Sollte sich der Leser solcherlei trief (sic)sinniger Tagesparolen tatsächlich angehalten sehen, tagsüber 400 Mal grundlos grienend wie ein Schwachsinniger herumzulaufen, bloß weil einer den zum Tag des Lächelns ausgerufen hat? Der würde sich wohl zweifellos auffällig machen.
Diverse dumpfsinnige Devisen und Un-Sinnsprüchlein gibts freilich zuhauf, z. B.:

– Kein wahres Wunder freilich, wenn Sie der unerbeten Beschenkte draufhin zur Rede stellt: »Was gibts da dumm zum grinsen?« Oder:

– Und wenn derjenige zwar kein Lächeln, aber etwa eine Lungenkrankheit hat und grad seinen Tag des Hechelns oder Tag des Röchelns, dann will der deins garantiert nicht geschenkt kriegen.

    »Im scheinbar // grundlosen Lächeln // offenbart sich // die Natur der Seele.«
    (Hans Kruppa)

Was auch immer das bedeuten soll.
(Was sich im scheinbar grundlosen Verteilen paarweiser Schrägstriche zwischen den Wör­tern offenbaren soll, erschließt sich dem Rezipienten dieser Kalenderweisheit nicht.)

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(Auch Kollege gnaddrig gnaddert hier über “bräsige Gutgemeintheiten“ zum heutigen Ta­ges­motto.)

1. Oktober – Vegetarisches

Heute ist übrigens Welt-Vegetariertag.
Anlassdichter Kollege KrassNick reimt über die Vegetarier:

    Warum die Vegetarier
    die pflanzliche Ernährung
    bevorzugen, hat eine sehr
    einleuchtende Erklärung:

    Tiere muss man vor dem Verzehr
    erst fangen. Sind die schneller,
    kriegt man sie allerdings nur schwer
    als Mahlzeit auf den Teller.

    Es lässt sich an pflanzliche Nahrung
    viel einfacher gelangen:
    weil diese, so zeigt die Erfahrung,
    lässt sich viel leichter fangen.

    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig


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(@ Vegetarisches: Julius Raab & die vegetarische Beamtenforelle)