Kalendarisches

14. Oktober

Heute ist angeblich der Glücklich-trotz-Glatze-Tag, falls man dem Kalender glauben will.
All jenen zum tröstlichen Zuspruch, deren Kopf­be­haarung mit fortschreitendem Lebensalter sich zu lichten anhebt:

    Apert durchs Haupthaar die Kalotte,
    steht Dir bevor der zweite Lenz
    und hinter Dir liegt, Dank sei Gotte!,
    die mühsame Adoleszenz.

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(Kollege Lo: »Eine Glatze ist FKK auf höchster Ebene.«)

2. Oktober – Tag des grundlosen Grienens

Heute am 1. Freitag im Okober ist der internationale Tag des Lächelns, erfunden wurde der 1999 von Harvey Ball, dem Erfinder des Grinse-Smileys.


Sollte sich der Leser solcher einfältiger Tagesparolen tatsächlich angehalten sehen, tagsüber 400 Mal grundlos grienend wie ein Schwachsinniger herumzulaufen, bloß weil einer den zum Tag des Lächelns ausgerufen hat? Der würde sich wohl zweifellos auffällig machen.

Diverse dumpfsinnige Devisen und Un-Sinnsprüchlein gibts freilich zuhauf, z. B.:

»Schenken Sie ein Lächeln, es bewirkt wahre Wunder« *

– Kein wahres Wunder freilich, wenn Sie der unerbeten Beschenkte draufhin zur Rede stellt: »Was gibts da dumm zum grinsen?« Oder:

»Wenn du jemanden ohne Lächeln siehst, schenke ihm deins.« *

– Und wenn derjenige zwar kein Lächeln, aber etwa Atemnot hat und grad sei­nen Tag des He­chelns oder Tag des Röchelns, dann will der deins garantiert nicht geschenkt kriegen.

»Im scheinbar // grundlosen Lächeln // offenbart sich // die Natur der Seele.« *

– Was auch immer das bedeuten soll.
(Was sich im scheinbar grundlosen Verteilen paarweiser Schrägstriche zwischen den Wör­­tern offenbaren soll, erschließt sich dem Rezipienten dieser Kalenderweisheit nicht.)
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(Auch Kollege gnaddrig gnaddert hier über “bräsige Gutgemeintheiten“ zum heutigen Ta­ges­­motto.)

30. Juni

Heute ist übrigens der Internationale Inkontinenztag, falls man dem Kalender glauben darf. In welcher Weise man den angemessen zu feiern hat, wird dort allerdings nicht näher erläutert.

Haben Sie schon gewusst:

»Verlieren Sie nicht die Contenance«
heißt auf österreichisch: »Scheißn S’ Ihna ned au!«, das heißt auf deutsch:
»Verlieren Sie nicht die Kontinenz«.

20. März – Weltgeschichtentag

In der Rahmenhandlung zum “Decamerone“, Boccaccios Novellensammlung aus dem 14. Jahrhundert, vertreiben sich die Leute die Zeit des Ausgehverbotes während der Pest mit dem Erzählen von Geschichten.

Analoge Ausgehverbote bestehen auch heute am Welt­geschichtentag, welcher der Pflege der mündlichen Er­zählung gewidmet ist. Unterdessen gibts aber Web 2.0, so kann die Tradition des Geschichtenerzählens in den Zeiten von Corona online weitergepflogen werden.

Der Weltgeschichtentag 2020 steht unter dem Motto “Reisen“ – so vernehmet alsdenn die Geschichte, welche allhier zur Erzählung gelangt:

14. Februar – Tag des Riesenrads

Heute ist der Tag des Riesenrads, falls man dem Kalender glauben will.


Das Wiener Riesenrad im Prater, 1897 eröffnet, ist das älteste noch im Betrieb befindliche Riesenrad der Welt. Eine Fahrt kostete dazumals acht Gulden, das entsprach einem ganzen Wochensalär eines k. k. Beamten.
Obwohl das Gewicht der rotierenden Konstruktion beinah 250 Tonnen beträgt, erfolgt der Antrieb lediglich über zwei Elektromotoren mit einer Leistung von je 15 Kilowatt = 20 PS, wobei jeder der beiden Motoren auch allein das Rad bewegen könnte.
Eppur si muove!

13. Jänner – Folkloristisches: Sankt-Knuts-Tag

In Schweden, Norwegen und Finnland dauert die Weihnachtszeit zwanzig Tage und endet erst am 13. Jänner, dem Sankt-Knuts-Tag. An diesem Tag werden traditionell die Weihnachtsbäume entsorgt, indem sie kur­zer­hand aus dem Fenster hinausgeworfen werden.

Zum Opfer dieser Tradition wurde einst der große französische Denker René Descartes:

Die Weihnachtsferien zum Jahreswechsel 1649/50 verbrachte Monsieur Descartes auf Ein­la­dung Königin Christines von Schweden, seiner langjährigen Brieffreundin, in Stockholm, wo­selbst er jeden Morgen um Schlag sechs Uhr früh am königlichen Früh­stückstisch anzutreten hatte. Welch barbarische Sitte, zu nachtschlafener Zeit zu frühstücken, parbleu!, befand Des­car­tes, diese Schweden müssen wohl einen an der Waffel haben. Nun weiß man aber, dass in Schweden noch andere extra­va­gante Brauchtümer grassieren, etwa morgens zu Sankt Knut die ab­ge­fei­er­ten Weih­nachts­bäume directement aus dem Fenster zu expedieren, all­fäl­li­gen Pas­san­ten auf die Köpfe. Und akkurat ein sol­cher landete unglücklicherweise auf Mon­sieurs Den­ker­haupt, als er am Sankt-Knuts-Tag 1650 früh­mor­gens grimmigen Ge­mü­tes durch den skandinavischen Winter stiefelte, zum Pflicht­déjeuner mit Ihro bettflüchtiger Majestät. Von den Folgen erholte er sich nimmer, knapp einen Monat später verstarb Des­car­tes in Stock­holm an den Aus­wir­kun­gen skan­di­na­vi­scher Weih­nachts­folklore.

25. Dezember

Heute vor 377 Jahren, am 25. Dezember 1642, kam Sir Isaac Newton zur Welt – nach dem seinerzeit in England geltenden Julianischen Kalender. Nach Gregorianischem Kalender entspricht das dem 4. Jänner 1643, wäre der damals schon gültig gewesen, hätte es Herrn Newtons Geburtstag also gar nicht gegeben. Muss man sich mal vorstellen: wäre Herr Newton nicht geboren worden, dann hätte womöglich nie einer die Schwerkraft erfunden  entdeckt.
Die würde uns bestimmt fehlen.

19. November: “Die Welt feiert“


Heute ist übrigens schon wieder Welttoilettentag.
(Nicht zu verwechseln mit dem Tag des Toilettenpapiers, oder dem Tag des deutschen Tankstellenklos.)
Welchen Nutzen soll der eigentlich haben? Schau mer mal:

» Der Welttoilettentag soll die Verantwortlichen in Politik
und Wirtschaft wachrütteln.«

Wachrütteln. Die Verantwortlichen. Ah, so ist das.

(Haben Sie schon gewusst, dass Papst Julius I. als Schutzpatron der Lat­ri­nen­reiniger gilt, oder was eine Geräuschprinzessin ist? Man lernt nie aus.)
(Wie eine »Russische Toilette« ausschaut, erfahren wir bei Kollege Herold.) Bloggen bildet.

25. Oktober

(Bayern 2)


Heute ist übrigens schon wieder World Pasta Day, vulgo Weltnudeltag.

    Verachtet mir die Nudel nicht!
    Denn höret, was Erfahrung spricht:
    wenn’s keine Nudeln gäb’, das wär’,
    kann man sich denken, ein Malheur.
    Denn zweifellos wär’s molto brutta,
    gäb’s keine Pasta zu der Schutta:
    weil ohne sie gelänge schlicht
    Soß’ um Gabel wickeln nicht.


 (Ernst Jandl: »Pasta Schutta«)

19. Oktober

»Woher kommen wir, wohin gehen wir, und warum liegt ständig was im Weg rum?«
(Jossele Mühlbacher)
.

Heute ist angeblich der Evaluier-dein-Leben-Tag, falls man dem Kalender glauben will, und angeblich soll man den Tag nutzen um in sich zu gehen und zu reflektieren, wie das eigene Leben verläuft.

(Über die Sinnhaltigkeit der Floskel »in sich gehen« könnte man auch mal reflektieren: wie soll denn das über­haupt gehen, und was soll dabei herauskommen? Der Aztekengott Huitzilo­pochtli hat mal vorgemacht, was dabei herauskommt, indem er in sich ging: der Überlieferung nach kroch der eines Tages in seinen eigenen Hintern hinein und ver­schwand darin, und ward seither nimmer gesehen. Merke: Don’t try this at home!)

10. Oktober – Welthundetag

Heute ist übrigens der Internationale Tag des Hundes. (Wie mag der wohl in China gefeiert werden?)

Kollege KrassNick reimt:

    Dass Mensch und Schimpanse Verwandte wären,
    gehört zu Herrn Darwins bekannten Lehren.
    Der Mops indessen, dass justament der
    mit dem Wolf verwandt wär’: das kann der Herr
    Darwin seiner Urstrumpftante erklären.


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(zum Thema Hund: siehe auch ►)

21. Juli

Heute vor 120 Jahren wurde Ernest Hemingway (1899-1961) geboren. Seine Leidenschaft galt der Großwildjagd und der Hochseefischerei:

Foto, ca. 1937: Hemingway als Großwildjäger & Hochseefischer – entdecken Sie den Fehler?


Schrot(t)reife Frage. (Was ging dem Fragesteller durch den Kopf, als er selbige stellte?)

Von Ernest Hemingway stammt übrigens jenes Aperçu, welches Kollege KrassNick zu einem ge­fäl­li­gen Vierzeiler reimte:

    »Dass eine Rose besser riecht
    als Kohl, bedeutet deshalb nicht,
    dass aus der Rose folglich man
    die bess’re Suppe kochen kann.«

25. März

Heute vor 53 Jahren wurde Jeff Healey (1966-2008) geboren, der leider früh verstor­bene ka­na­di­sche Gitarrist, Trompeter & Sänger. Healey spielte die Gitarre auf unkon­ven­ti­o­nelle Weise, indem er sie wie eine Zither vor sich auf dem Schoß liegen hatte, oder zuweilen auch mit den Zähnen.
Hier mit einer originellen Vintage-Nummer, among friends:

19. März – Tag des Geflügels

    Die Stimmung steigt im Hühnerschlag,
    denn heut’ ist Weltgeflügeltag
    ein Tag, der ganz gewiss gefällt
    dem Federvieh auf dieser Welt.
    Drum lasst uns das Geflügel feiern
    ohne lang herumzueiern:
    wer heut’ entsprechend feiern will,
    brät einen Broiler auf dem Grill.

Allerlei Mischkulantes zum Tag des Geflügels:


Der geschlechtlichen Gleichstellung im Sprachgebrauch geschuldet, lässt man Gendering neu­er­dings auch dem Geflügel angedeihen, wie Kollegin Cappuccina entdeckte.

Über der Frage, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei ? mögen sich die Oologen die Eier­köpfe zerbrechen – die von Kollege Trithemius hieramts gestellte Gegenfrage, was wohl zu­letzt da sein wird, scheint indes geklärt: gewiss wird das Ei das Huhn überleben. Tau­send­jäh­rige Eier gibts bekanntlich, aber wer hätte jemals von einem tausendjährigen Huhn gehört?

Paul Simon erzählte, seinen Songtitel »Mother and Child Reunion« einst auf der Speisekarte eines Cajun-Restaurants in den Südstaaten gelesen zu haben, als Bezeichnung für eine kreoli­sche Mahlzeit: Huhn mit Ei.

Henry Ford war es seinerzeit, der Marketing mit Geflügel verglich: »Enten legen ihre Eier in aller Stille, Hühner gackern darüber wie verrückt. Was ist die Folge? Alle essen Hühnereier.«

Was immer das sein mag, was das Feder­vieh im TOBIS-Intro unten rausfallen lässt, nachdem es gekräht (!) hat – ein Ei kanns ja wohl keins sein:


Zum aktuellen Anlass nicht fehlen darf wie immer das obligate Symbol­bild, Abb. links: »Mit einem Messer trennt eine Frau in Bangladesch ihren Ver­ge­wal­ti­ger von dessen bestem Stück: einem weißen Huhn.«

1. März – Welttag des Kompliments

»Ein Kompliment ist eine freundliche Wahrheit mit etwas Make-up.«
(Hannelore Schroth)

Heute ist übrigens der Welttag des Kompliments (nicht zu verwechseln mit dem Tag der Kom­pli­men­te am 24. Jänner), laut Wikipedia eingeführt als »Tag, an dem besonders viele Kom­pli­mente gemacht werden sollen« – was freilich Unsinn ist: sparen tut man ja auch nicht nur am Weltspartag. Auch mit Komplimenten sollte man sparen, jedoch nicht geizen. Ein Kompliment zu machen aber sollte Kür sein und nicht etwa Pflicht, nur weils grad im Ka­len­der steht.
Bei Kollegin Modeste klagt einer, er habe »zu viele schlechte Erfahrungen mit Kompli­menten aus heiterm Himmel heraus« gemacht. Dabei gibt es ein einfaches Rezept, wie man ein Kompliment machen kann ohne sich der peinlichen Situation auszusetzen, dass es als un­er­wünscht ankommt, ich verrate es Ihnen: leiten Sie stets mit der unver­fänglichen Frage ein »Hören Sie gern Komplimente?« – ich kann Ihnen versichern, dass die Mehrzahl aller Angesprochenen daraufhin antworten wird »Welches denn?« Dann machen Sie Ihr Kom­pli­ment. Ein geringerer Teil wird Ihnen erwidern »Nein,« – um gleich daran mit der Gegenfrage anzuknüpfen »Welches wäre es denn gewesen?« Dann verraten Sie es. Und lediglich eine Minderheit wird Ihnen dezidiert mit einem abschlägigen »Nein.« antworten. Auch recht, wer Ihr Kompliment nicht hören will, kriegts halt nicht zu hören. Es ist ganz einfach.

17. Februar


Fräulein Paris “Das Fleisch ist willig, aber der Geist ist schwach“ Hilton hat heute Ge­burts­tag, die blöde Amsel.

Kennen Sie den: Paris Hilton darf sich zum Geburtstag von einer Fee was wünschen, sie darf zwei Wünsche stellen.
»Ich wünsch mir eine Kreditkarte, mit der ich alles kaufen kann was es gibt.«
Schwupps! geht ihr Wunsch in Erfüllung und sie kriegt eine Kreditkarte, mit der sie alles kaufen kann, was es gibt.
»Und dein zweiter Wunsch?« fragt die Fee.
Paris Hilton: »Da wünsch ich mir gleich noch eine zweite!«
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(Haben Sie gewusst dass Blondinenwitze angeblich strafbar sind, falls man Österreichs auflagenstärkstem Volksinformationsorgan glauben möchte.)

24. Jänner – Komplimentäres

Heute ist übrigens der Tag der Komplimente, falls man dem Kalender glauben will, nicht zu verwechseln mit dem Welttag des Kompliments am 1. März. Welchen Nutzen ein zweiter Tag der Komplimente haben soll, lässt sich nicht erraten, aber das weiß ja z.B. vom dritten Nationalratspräsidenten auch keiner.
Komplimente sind grundsätzlich was nettes, freilich aber korreliert die Akzeptanz seitens des Adressaten mit der zielgruppenadäquaten Formulierung:

    »Heast Oide, du schaust voi fett aus!«

– hörte ich mal einen Teenager anerkennend zu einem Mädel sagen, was die Angespro­che­ne offenkundig als schmeichelhaft empfand.
Wenn ich das gleiche zu meiner Frau sage, würde sie das vermutlich nicht so reizend finden.