Filmosophisches

22. Juni

Heute vor 112 Jahren wurde Billy Wilder (1906-2002) geboren.
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Als Wilder 1957 für die Dreharbeiten zu »Liebe am Nachmittag« nach Frankreich reiste, trug ihm seine Frau auf, dort ein Bidet zu besorgen und bei seiner Rückkehr mitzubringen. Sie hatte einmal bei einem Hotelaufenthalt in Paris eins gesehen und wollte sowas auch in ihrem Bade­zimmer, aber in den USA ließ sich so ein Ding damals nicht auftreiben.
Wilder wandte ein, es könne schwierig werden, unbemerkt ein Bidet aus einem Pariser Hotel­badezimmer zu entwenden, er wolle es jedoch versuchen.
Leider gelang es Wilder in Frankreich nirgends, ein Bidet zu beschaffen, also schickte er sei­ner Frau ein Telegramm:

++ bidet nicht erhaeltlich ++ empfehle handstand unter dusche ++

8. Juni

Heute vor 100 Jahren wurde der Wiener Schauspieler, Kabarettist und Drehbuchautor Gunther Philipp (1918-2003) geboren. Viele Jahrzehnte lang kasperte er in seiner populären Para­de­rolle als Ohrenwachler & Knallcharge vom Dienst durch unzählige Klamaukfilme.
Nicht jeder weiß, dass Dr. med. Gunther Placheta (sein richtiger Name) neben seiner Kar­ri­e­re als Filmkasper einer der erfolgreichsten österreichischen Leistungs- und Motor­sportler, so­wie promovierter Facharzt für Neurologie und Psychiatrie war.

Gunther Philipp war beruflich eben­so wie privat
ein unermüdlicher Schmähreisser, er sagte z.B.:

»Mit Ohrenschmerzen geh ich zum Ohrtopäden,
mit Genickschmerzen zum Genickologen,
und wenn mir die Därm’ wehtun zum Därmatologen.«

6. Juni

Heute vor 85 Jahren, am 6. Juni 1933, wurde in Camden/New Jersey das erstes Auto­kino der Welt eröffnet. Als Projektionsfläche diente dazumals keine Leinwand, sondern eine hohe, geweißelte Ziegelmauer. Die Beschallung erfolgte über drei große Lautsprecher, sodass der Ton noch mehrere Kilometer entfernt zu hören war und die lautstarke Ver­an­stal­tung Pro­teste der Anwohner nach sich zog.
Der erste in einem Autokino vorgeführte Film hieß Wife Aware, der darüber hinaus für die Filmgeschichte keinerlei weitere Bedeutung besitzt und über dessen Inhalt heute nix mehr be­kannt ist, weshalb sich auch der Sinn des rätselhaften Filmtitels nimmer ergründen lässt.

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In Österreich gibt es ein einziges Autokino, seit 1967 in Groß-Enzersdorf bei Wien, welches aber mittlerweile geschlossen ist und ein Pendler-Parkplatz werden soll. Die Groß-En­zers­dor­fer Autokino-Leinwand hat ein Ausmaß von 35 x 15 m = 525 m², somit eine Fläche worauf ein Einfamilienhaus mit Garten Platz fände.
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Haben Sie gewusst, dass Kinobetreiber in Österreich für das Abhalten von »Veranstaltungen, welche geeignet sind, die Besucher zu ergötzen«, eine sogenannte Lustbarkeitsabgabe (vulgo Vergnügungssteuer) zu ent­rich­ten haben. Diese Steuer ist auch dann zu entrichten, wenn die Besucher den vorgeführten Film nicht ergötzlich finden.

2. Jänner

Heute vor 73 Jahren wurde Peter Patzak geboren – Maler, Autor, Schauspieler und vielfach preis­gekrönter Filmregisseur, nebenbei einer der nobelsten, großherzigsten & liebens­wer­tes­ten Menschen die ich kenne.
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Mit der teils satirischen, teils grotesken Serie »Kottan ermittelt« schrieb er 1976-1983 (ge­mein­sam mit seinem kongenialen Partner und Freund, dem leider früh verstor­benen Autor Hel­mut Zenker) ein Stück österreichischer Fernsehgeschichte.
Ungeachtet des fulminanten Publikums- und Medieninteresses stießen Patzak und Zenker bei den Programmverantwortlichen des Österreichischen Staatsfunks auf anhaltenden Wider­stand, die Produktion der Kultserie fortzusetzen, und sahen sich laufend gezwungen, zu den Künigl­berg-Granden zu pilgern und um gnädige Weiter­führung ihres erfolgreichen Projektes zu sempern (wie der Wiener sagt). Weil der ORF-Generalintendant damals Gerd Bacher hieß, seufzte Peter Patzak einmal:

    »Lieber als zum Bacher sempern
     gingert ich ins Sacher pempern.«

(sempern ist im Wienerischen übrigens gleichbedeutend mit sudern :)

23. Dezember

Heute vor einhundertachtzehn Jahren wurde Humphrey Bogart (1899-1957) geboren. Weil er am Beginn seiner Filmkarriere ausschließlich in der Rolle als Bösewicht vom Dienst auftrat, gab die PR-Abteilung von Warner Bros. aus Publicity-Gründen sein Ge­burtsdatum indes mit 24. Dezember an: um zu suggerieren, dass jemand, der am Heiligen Abend zur Welt ge­kom­men ist, nicht grundsätzlich schlecht sein könne.
(Bogart war ein relativ kleiner Mann, und das erklärt warum die große Skandina­vierin Ingrid Bergman in Casablanca auf seinen geflügelten Satz: »Ich seh’ dir in die Augen, Klei­nes!« er­wi­derte: »Ach, dazu sind Sie also auf den Stuhl gestiegen.«)

21. November

Heute ist übrigens der Welttag des Fernsehens.
(Welchen Zweck ein Welttag des Fernsehens haben soll, muss man nicht unbedingt wissen. Weiß ja von den Ägyptischen Pyramiden auch keiner. Oder vom Papst. Oder von French Pe­di­küre usw.)
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Apropos Papst, haben Sie gewusst dass Papst Pius XII. Anno Domini 1954 wohlgefällig über das Fernsehen urteilte:

    »Das Fernsehen gibt der gesamten Familie die Möglichkeit einer an­stän­digen Un­ter­hal­tung, fern von den Gefahren schlechter Gesellschaft und zweideutiger Lokale.«

Roma locuta. Ob der fromme Mann das angesichts der heutigen Fern­seh­pro­gramme diverser Privatsendeanstalten auch sagen würde, ist fragwürdig.
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Weniger wohlgefällig beurteilte später Robert Lembke das Fernsehen:

    »Es gibt Fernsehprogramme, bei denen man seine eingeschlafenen Füße beneidet.«

Helmut Thoma sagte im Jahre 2008:

    »Es ist seit Gutenberg viel mehr Schwachsinn gedruckt worden, als das Fernsehen in den 60 Jahren seiner Existenz versenden konnte.«

Mittlerweile ist freilich fast ein Jahrzehnt vergangen, und was den dargebotenen Schwachsinn anbelangt, werden die Printmedien mit dem Fernsehen bald nimmer mithalten können.
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(Apropos Schwachsinn, um 1908 monierte Karl Kraus:

    »Der Schwachsinn, der früher nie daran gedacht hätte, aus seinem Privatleben her­vor­zutreten, hat eine Gelegenheit für die Unsterblichkeit entdeckt.«

Was der wohl erst sagen würde, wenn der heutzutags all die Reality- & Dschungel- & Dating- & Big Brother- &soweiter-Shows im Fernsehen sehen könnte.)
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Oma locuta: ein kategorisches Urteil über das Fernsehen fällte seinerzeit meine Oma selig, wie hieramts zu lesen steht.

9. Oktober

»Ich bin von den Kritikern oft zerrissen worden, aber das Publikum hat mich immer
wieder zusammengeflickt.« (Jacques Tati)

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Heute vor 110 Jahren kam der grandiose Jacques Tatischeff (1907-1982) zur Welt, besser bekannt als Jacques Tati: wohl einer der genialsten und visionärsten Fil­me­macher der Filmgeschichte. Über sein Opus magnum Playtime (dt.: Tatis herrliche Zeiten) etwa urteilte François Truffaut: »Playtime ist mit nichts zu vergleichen, was bereits im Kino zu sehen war. Ein Film von einem anderen Planeten, wo man andere Filme dreht.«
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Tatis Alter Ego Monsieur Hulot trat erst in seinem zweiten Spielfilm auf. Zuvor sah man Tati noch als François le facteur, den rasenden Postboten, in Jour de fête:

Jour de fête (dt.: Tatis Schützenfest) von 1947 sollte der erste französische Farbfilm nach dem Zweiten Weltkrieg werden, allerdings erwies sich das neuartige französische Farb­film­ver­fah­ren, mit dem Tati experimentierte, als tragischer Flop: die Firma ging zugrunde bevor das Ko­pier­werk errichtet war, und das bereits belichtete Filmmaterial konnte nirgends mehr ent­wick­elt werden. Dem Misstrauen von Tatis Kameramann (J. Mercanton) gegen die neue Tech­nik ist zu verdanken, dass der komplette Film aus Sicherheitsgründen parallel dazu mit einer zwei­ten Kamera im her­kömm­li­chen Schwarzweißverfahren mitgedreht worden war, was sich als Glück erwies.
Jour de fête kam erst 1949 in einer teilweise nachcolorierten Schwarzweißfassung in die Kinos: sämtliche farbigen Aspekte mussten in mühevoller Handarbeit Bild für Bild (24 Bilder pro Filmsekunde!) nachträglich angebracht werden.
(1987 begann Tatis Tochter mit der Entwicklung moderner Techniken, um das ursprüngliche farbige Originalmaterial zu rekonstruieren, ein ebenso langwieriger Prozess. Nach sieben­jäh­riger Arbeit erlebte Tatis Schützenfest in Farbe 1995 seine Weltpremiere, nun erstmals in der Form, die ihr Vater beinah ein halbes Jahrhundert zuvor im Sinn hatte.)
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(Vor etlichen Jahren sahen wir Jour de fête wieder bei der Tati-Retrospektive im Wiener Gar­ten­baukino, und beim Schlussabspann standen die Zuschauer auf und app­lau­dier­ten, wie im Theater. Es war geradezu bewegend – etwas von der früheren Magie des Großen Kinos war zu spüren, damals vor der Popcorn&Cola-kübelweise-Ära.)

13. August

Heute vor 118 Jahren wurde Sir Alfred Hitchcock (1899-1980) geboren. Hätten Sie gewusst, dass Hitchcock seine beiden allerersten Filme in Germany drehte, nämlich in den Bavaria-Filmstudios in Geiselgasteig/Grünwald, sowie in Tirol.
Sein zweiter Film nannte sich »The Mountain Eagle« (1926), eine bizarre Geierwally-Schmon­zette, die in einem Bergdorf  namens Stanton in den Kentucky Hills spielt. Die Außen­auf­nah­men fanden in den Tiroler Alpen statt, mit einheimischen Komparsen. Kentucky-Hill­billys, die sich auf tirolerisch unterhalten, hätten sich bestimmt reizvoll angehört, schade dass es damals noch keinen Tonfilm gab – der kam erst zwei Jahre später. Hitchcock fand übrigens nie he­raus, dass sein Tiroler Drehort in Wirklichkeit gar nicht Stanton hieß, sondern St. Anton.


 Abb.: Hitchcock (2. v. re.) bei Filmaufnahmen in den Tiroler Alpen, Winter 1926

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»Rope« (dt.: »Cocktail für eine Leiche«) war Hitchcocks erster Film den er auch selbst produ­zierte, und für die Dreharbeiten reiste er mit seinem Filmteam in die USA. Im Einreise­for­mu­lar gab er als Berufsbezeichnung »Produzent« an.
»Und was produzieren Sie?« wollte der Zollbeamte wissen.
Hitchcock antwortete: »Gänsehaut, Sir.«

26. Juli

Sandra Bullock hat heute Geburtstag.
In einem weiteren Sequel von Speed werde sie garantiert nimmer auftreten, erklärte sie mal in einem Interview kategorisch, wer sie jemals dazu bewegen wolle der müsse sie schon vor­her killen und, Zitat: »ausgestopft als kalte starre Leiche vor die Kamera hinstellen!«
Mit Horst Tappert haben sie das in über zweihundert Derrick-Folgen gemacht.

21. Juni

Heute vor 112 Jahren wurde Jean-Paul Sartre (1905-1980) geboren.
Luis Buñuel regte Sartre einmal an, ein Film-Drehbuch für ihn zu schreiben. Ein Drehbuch hat gewöhnlich um die 100 bis 150 Seiten, aber kaum drei Monate später lieferte Sartre 800 (!) eng beschriebene Seiten ab. Buñuel schüttelte den Kopf:
»Das ist kein Drehbuch. Das kann man unmöglich so verfilmen.«
Aber Sartre entgegnete:
»Natürlich ist das noch kein Drehbuch. Es ist ja erst das Treatment*).«
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*) (Treatment = Inhaltsübersicht, Kurzfassung).

8. Mai

Heute vor 77 Jahren wurde Peter Benchley (1940-2006) geboren, Autor des Bestsellers Jaws (Der weiße Hai ).
Benchley lieferte auch die erste Drehbuchfassung für die Film-Adaption, sein Script erwies sich jedoch als dermaßen schlecht, dass Regisseur Steven Spielberg später sagte:

    »Als ich das Drehbuch zum erstenmal las, drückte ich bis zum Schluss die Daumen für den Hai.«

28. Februar – Wer das liest, muss sterben.

Heute vor 123 Jahren wurde Ben Hecht (1894-1964) geboren, einer der bedeutendsten Dreh­buch­autoren der Filmgeschichte.
Ben Hecht schickte einem Produzenten einmal ein Drehbuch, nach einem halben Jahr hatte der es noch immer nicht gelesen. Also schickte er ihm das gleiche Drehbuch noch mal, aber mit einem neuem Titel auf dem Umschlagblatt:

    »Wer dieses Drehbuch liest, muss sterben!«

Zwei Tage später rief ihn der Produzent an: natürlich hatte der es sofort gelesen.
Die Macht des Titels. Testen Sie selbst – es darf nur EIN Titel angeklickt werden, für welchen würden Sie sich entscheiden:

(Wer das gelesen hat, muss sterben.)

20. September

Sophia Loren feiert heute Geburtstag, in unverblasster Grandezza. 1959 spielte sie unter der Regie von Casablanca-Regisseur Michael Curtiz die Titelrolle in dem Kos­tüm­schinken Prin­zes­sin Olympia. Neben Sophia Loren und Maurice Chevalier spielt darin ein Oldtimer Laurin & Klément Modell 1909 eine tragende Rolle, und der Chauffeur dieses Oldtimers war mein Schwiegervater.

Das kam so: die Besitzerin des Oldtimers, eine über achtzigjährige Dame, hatte ihn seinerzeit von ihrem Herrn Vater geerbt und jahrzehntelang in einer Wiener Garage eingemottet, als er 1959 von der Requisitenabteilung von Carlo Pontis (Sophia Lorens Ehemann) Film­pro­duk­tionsfirma aufgestöbert und für die Dreharbeiten angemietet wurde. Kein Mensch hatte eine Ahnung, wie das alte Stück in Betrieb zu setzen war, die Filmleute wandten sich an den ÖAMTC (österr. Pendant zum ADAC) um Rat. Und mein Schwiegervater, damals junger Pannendienstfahrer beim Automobil-Club, wurde für die Sache abkommandiert, er besorgte sich aus Archiven technische Unterlagen und begann an dem verstaubten Erbstück in der Garage herumzuschrauben: nach einer Woche sprang er an und lief wie am Schnürchen. Er wurde auf einem Lkw in die Cinecittá-Filmstudios verfrachtet, mein Schwiegervater kriegte einen Ver­trag von der Pro­duk­tions­firma und ein Flugticket nach Bella Roma.
Bei den Dreharbeiten fuhr er den Laurin & Klément souverän, Regisseur Curtiz war zufrie­den und klopfte ihm auf die Schulter. In den Drehpausen saß er neben den großen Filmstars. Sophia Loren sei sehr nett gewesen und habe ihm natürlich gefallen, erzählt er, geflirtet habe er aber nicht mit ihr: »Ich bin ja nicht deppert, und fang mir was mit der Frau vom Chef an.«

16. August

Heute vor 62 Jahren wurde Blockbuster-Regisseur James Cameron geboren, in einem Kaff namens Kapuskasing in Ontario/Kanada.
(Einmal sah ich sein Opus magnum Titanic im Fernsehen. Anlässlich des Dialogsatzes –

    »Das Herz einer Frau ist ein tiefer Ozean voller Geheimnisse.«

– fiel mir vor lauter Flachsinn eine Zahnplombe raus, Vierer links oben. Ob ich Herrn Ca­me­ron für die Zahnarztkosten verklagen kann?)

30. Mai

Heute vor 120 Jahren wurde der große Regisseur Howard Hawks (1896-1977) geboren.
Howard Hawks führte Regie bei der Verfilmung von The Big Sleep (mit H. Bogart & L. Bacall) – nach einem Drehbuch von William Faulkner, basierend auf dem Roman von Raymond Chandler. In einer Szene sollte ein Auto mit einer Leiche darin aus einem Fluss gefischt wer­den. Der Produzent Jack L. Warner wollte wissen, welchen Sinn der kostspielige Take für den weiteren Verlauf  der Handlung haben sollte.
Hawks wusste darauf keine Antwort und fragte bei Chandler nach, der ebenfalls keine Er­klä­rung hatte.
Also riefen sie Faulkner an, aber der kläffte ins Telefon:
»Der Produzent hat keine Ahnung, worum es in dem Film geht, der Regisseur nicht und der Ro­man­autor auch nicht – woher zum Kuckuck soll es ausgerechnet der Dreh­buchautor wissen ??!«

WHO will »rauchfreie Filme«

Jetzt will die WHO alle Filmszenen, in denen die Darsteller beim Zigarettenrauchen zu sehen sind, aus den Kinos verbannen, weil diese die heranwachsenden Zuseher zur ge­sund­heits­be­einträchtigenden Nachahmung animieren könnten.
Über die Verbannung aller Filmszenen, in denen die Darsteller z.B. Auto­fah­ren wie die Voll­deppen, welche die heranwachsenden Zuseher ebenfalls zur ge­sund­heits­be­ein­träch­ti­gen­den Nach­ahmung animieren könnten, wurde bislang noch nichts be­kannt.
Undsoweiter ..

7. April

Heute vor 76 Jahren wurde der große Francis Ford Coppola geboren.
Als seine Tochter Sofia Coppola für ihr Drehbuch zu Lost in Translation den Oscar erhielt, wurde ihr berühmter Vater gefragt, wie viel er wohl zu dem Erfolg seiner Tochter mit bei­ge­tra­gen habe.
»Mit beigetragen?« entgegnete darauf Papa Coppola, »ohne mich hätte es diesen Erfolg nie ge­ge­ben!«
Erstaunte Frage: »Ja, stammt das Drehbuch denn von Ihnen?«
Coppola: »Nein, aber die Autorin.«

14. September

Heute vor 60 Jahren, am Abend des 14. September 1954, schalteten zwei New Yorker Tech­niker in einem U-Bahn-Schacht in Manhattan, 52. Straße /Ecke Lexington, ein Ventilator-Gebläse ein. Es wurde ein filmhistorischer Moment.

11. Mai

Heute vor zehn Jahren, in den frühen Morgenstunden des 11. Mai 2003, wurde aus dem Wiener Kunsthisto­ri­schen Museum die weltberühmte Saliera gestohlen, eine Re­nais­sance-Miniatur von unermesslichem Wert. Der spek­ta­ku­läre Fall machte dazumals Schlagzeilen in der inter­na­tio­na­len Presse: ein Auftragsdiebstahl der organisierten Kunst­heh­ler-Mafia wurde dahinter ver­mutet, und keiner rechnete damit, dass das wertvolle Stück jemals wieder auftauchen würde.
Unerwarteterweise tauchte die Saliera fast drei Jahre später dennoch wieder auf, und das kam sehr ungelegen. Ich hatte unterdessen ein Drehbuch für eine TV-Komödie verfasst, worin der Diebstahl der Saliera als spontane Hallodri-Aktion eines einzelnen Gelegenheitstäters dar­ge­stellt wird, und am Freitag zuvor war ich mit Produzent und Regisseur am ORF gewesen, wo die Produktion vereinbart wurde. Nach dem Wochen­ende sollten wir wieder kommen, dann wären die Verträge zur Unterschrift fertig. Anschließend saßen wir in der ORF-Kantine beim Bier und scherzten darüber, dass es jetzt, wo wir den Deal in der Tasche hatten, schon extra blöd hergehen müsse, wenn die Saliera übers Wochenende womöglich wieder auftauchen sollte. Naja, was soll ich euch erzählen – am Sonntagabend ruft mich der Regisseur an: der Saliera-Dieb hat sich gestellt, grad im Radio gehört – und ich: jaja, guter Schmäh. Wars aber keiner.
Dummerweise hatte sich die Geschichte, wie sich herausstellte, in Wirklichkeit genau­so zu­ge­tragen wie in meiner fiktiven Story, keine Rede von internationaler Kunst-Mafia: nämlich als spon­ta­ner Jux eines übermütigen Einzeltäters, der sich gar nicht recht im klaren darüber war, was er mit seiner kostbaren Beute anfangen sollte. Damit lag das geplante Filmprojekt auf Eis, weil die Film­story nun gegenüber den realen Begebenheiten zu frappierende Parallelen aufwies und dadurch wömoglich die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten betroffen waren. Die recht­lichen Fragen sind nach wie vor nicht ausver­handelt, aber vielleicht wird eines Tages doch noch ein Film daraus, wer weiß.

6. Dezember

Wenn einer am Sankt-Nikolaustag Geburtstag hat und mit Vornamen Nikolaus Wulstan heißt, hat er den bestimmt nicht zufällig abgekriegt – wer heißt schon zufällig “Wulstan“.
Der vierfache Oscar-Preisträger Nicholas Park (53) ist der Schöpfer der ulkigen Plastilin-Helden “Wallace & Gromit“, “Chicken Run“ und vieler weiterer.
Mitte der 80er-Jahre tat sich Park mit zwei Partnern zusammen, welche in einer Hinter­hof­werk­statt in Bristol eine Trickfilm-Produktionsfirma betrieben, namens Aardman Animation Studios. Wo sie das aufwendige Stop-Motion-Verfahren*) mit animierten Knetfiguren zur Perfektion entwickelten.
Die Aardman-Animationsfilme stecken voll Phantasie & Witz, Alles begann mit Adam:

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*) Die sog. Claymation-Animationstechnik (engl. clay = Knet-, Modelliermasse, im Gegensatz zur Computeranimation) ist sehr aufwendig, pro Filmsekunde müssen bis zu 25 auf­ein­an­der­folgende Einzelbilder abfotografiert werden, wobei die Figuren für jede einzelne Aufnahme ummodelliert werden. Für etwa drei Sekunden Film braucht es dabei oft einen ganzen Dreh­tag. (Making-Of, Video)

Warum Männer in Filmen keine Justin-Bieber-Frisuren haben

»Dieser Jogi Löw wäre eigentlich ein recht fescher Mann,« sagte meine Frau unlängst beim Fernsehen, »würde der nicht mit dieser affigen 80er-Jahre-Frisur herumlaufen.«
Da hat sie freilich recht, Männer mit anachronistischen Frisurmoden aus früheren Jahr­zehn­ten, die dazumals durchaus trendig ausschauten, wirken auf den zeitge­nössischen Be­trach­ter heutzutags eher befremdlich.
Im Film gibt es eine Reihe symbolischer Standardattribute zur Charakterisierung von Figuren, z.B.: einer mit Tätowierungen war früher mal im Knast, der mit dem Volvo ist der solide Fa­mi­lienvater, und der mit der bescheuerten Frisur ist der Freak oder Depp. Deswegen dürfen Filmdarsteller keine Trendfrisuren tragen. Die Haare von hinter den Ohren nach vorn über die Augen zu frisieren oder den Haarschippel himmelwärts wie Tim aus Tim & Struppi mag gegenwärtig modisch topaktuell sein, aber in fünf oder zehn Jahren würde einer mit dieser Haarmode den Filmzuseher irritieren und die Frage aufwerfen: wieso sieht der aus wie ein zurückgebliebener Blödmann? Ein George Clooney mit einer Frisur wie Justin Bieber oder Jogi Löw würde im Film nicht sexy wirken. Das wissen die Leute von der Maske, und achten drauf.
(aus dem Anlass wieder mal in der Fotolade gestöbert und ein Hochzeitsfoto entdeckt, von 1980 – naja, urteilen Sie selbst: würden Sie heutzutags einen Mann heiraten, der mit so einem Haarschnitt daherkommt? ;)

Versuch

.. weiß Österreichs auflagenstärkstes Verschenkblatt zu vermelden.
Nicht auszuschließen, dass ihm der Versuch gelingt – insbesondere wenn man in Be­tracht zieht, dass Schauspieler Sean Penn (50) sich schon seit über zwanzig Jahren »als Regisseur versucht« und etliche seiner Regieversuche bei diversen Filmfestspielen von Venedig, Cannes, Berlin usw. als bester Film nominiert waren.

Lustig: Robert De Niro (67) versucht sich jetzt auch als Schauspieler.

Laut einer aktuellen Studie

Nachdem in einer früheren Studie bereits herausgefunden wurde, dass sich die Darstellung in Liebesfilmen mitunter erheblich von der Realität im wirklichen Leben unterscheidet, über­rascht eine neue Studie nun mit der Erkenntnis:

»Die Berufswelt in TV-Serien hat mit der Realität wenig gemein.«

Die Untersuchung gelangt zu dem Ergebnis, dass Ärzte oder Anwälte in Fernsehserien über­pro­portional häufiger eine Rolle spielen als anderweitig Erwerbstätige. Und dieses ver­zerrte Bild der Berufswelt wirke sich nachhaltig auf die Berufswünsche Jugend­licher aus: weil sie im Fernsehen ständig lauter Ärzte sehen, wollen alle Doktor werden und keiner mehr Lok­führer oder Astronaut.
Nicht auszuschließen dass eines Tages eine weitere Studie enthüllt, dass in TV-Krimis sig­ni­fi­kant häufiger Kommissare zu sehen sind als im wirklichen Leben.

Merkwürdig

Sah vorgestern auf arte »Alle lieben Julia« (»Being Julia«) mit Anette Bening. Hab den Film vor Jahren zufällig in der englischen Originalversion gesehen und damals ziemlich witzig gefunden, obwohl mein Englisch gar nicht gut ist und ich kaum die Hälfte verstanden hab. War aber diesmal enttäuscht, der ganze Witz und Esprit von Dialog und Ausdruck sind in der deutschen Synchronfassung verloren gegangen. Besonders überraschte mich aber, dass auch Mrs. Bening in der Originalfassung wesentlich jünger und hübscher ausschaute. Merkwürdig.

Film & Wirklichkeit

»Es wird nach einem Happy End im Film gewöhnlich abgeblend’t.«
(Kurt Tucholsky)

Schottische Psychologen haben im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie mehrere dutzend in Hollywood produzierte Liebesfilme untersucht und kamen zu dem Befund:

Die Darstellung in Hollywood-Liebesfilmen unterscheidet sich mitunter erheblich von der Realität im wirklichen Leben.

Das überrascht allerdings. Wer hätte das gedacht.

The Same Procedure as Every Year ..

Laut Guiness Buch der Rekorde ist “Dinner For One“ die am öftesten wiederholte TV- Sen­dung der Welt.
Bemerkenswerterweise sind der Sketch sowie der unvergleichliche Freddie Frinton (1909-1968) in Groß­britannien kaum bekannt und wurde im britischen TV noch nie aufgeführt. Anfang der 60er-Jahre tingelte Frinton mit seiner damaligen Partnerin Mary Howe durch verschiedene Varietés in südenglischen Seebädern, wo ihn Peter Franken­feld zufällig sah und für seine Show unter Vertrag nahm. Frintons Live- Auftritt in der Peter Frankenfeld-Show 1963 (mit May Warden, der Mutter Mary Howes, als Ersatzpartnerin) war so erfolgreich, dass der NDR unmittelbar darauf jene TV-Studiofassung aufzeichnete die heute zu Recht als Klassiker gilt.
Der Witz an dem “Butler James“-Sketch und dem unübertrefflich “typisch britischen Humor“ liegt kurioserweise darin, dass er in Wahrheit eine Sternstunde deutscher öffentlich-recht­licher Fernsehunterhaltung darstellt.

(Im wirklichen Leben trank Freddie Frinton übrigens niemals Alkohol, sondern war strikter Anti-Alkoholiker.)

22. November

Terry Gilliam hat heute Geburtstag.
In seinem jüngsten Film, dem Fantasy-Spektakel Brothers Grimm treten auf:
die Brüder Grimm, Hänsel & Gretel, Rapunzel, Rotkäppchen & der Wolf, undsoweiter.
Herr Prof. Bernhard L., gestrenger Kurator der Kasseler Brüder-Grimm-Stiftung und aus­ge­wie­sener Fachmann, urteilt grimmig (Achtung, Wortspiel):

    »Mit dem wirklichen Leben hat dieser Film nicht das Geringste zu tun.«

Das überrascht freilich.
(Herrn Gilliam wird diese Kritik bestimmt kränken, womöglich besteht die Gefahr dass er sich als Wikinger verkleidet und losrennt, um Herrn Kurator L. ein totes Huhn auf den Kopf zu hauen.)

Déjà-vu?

Die letzten Wochen an chronischer Schreibblockade laboriert, garstige Sache. Zum Ver­rückt­werden. Seit gestern läufts auf einmal wieder, gleich mal 90 Seiten am Stück run­ter­ge­tippt:

   Was du heute kannst besorgen das verschiebe nicht auf morgen.
Was du heute kannst besorgen das verschiebe nicht auf morgen.
Was du heute kannst besorgen das verschiebe nicht auf morgen.
Was du heute kannst besorgen das verschiebe nicht auf morgen.
Was du heute kannst besorgen das verschiebe nicht auf morgen.
Was du heute kannst besorgen das verschiebe nicht auf morgen.
Was du heute kannst besorgen das verschiebe nicht auf morgen.
...
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Movie cliches

Aus Filmen wissen wir: wer’s in New York eilig hat, steigt in ein Taxi und bleibt nach paar Metern Fahrt im Verkehrsstau stecken. Er steigt unverzüglich wieder aus und läuft über die Autodächer weiter.
Anschließend läuft er durch den Central Park.
Warum er zuvor immer extra in das Taxi ein- und aussteigen muss, wissen wir nicht.