Filmosophisches

8. Juni

Heute vor 100 Jahren wurde der Wiener Schauspieler, Kabarettist und Drehbuchautor Gunther Philipp (1918-2003) geboren. Viele Jahrzehnte lang kasperte er in seiner populären Para­de­rolle als Ohrenwachler & Knallcharge vom Dienst durch unzählige Klamaukfilme.
Nicht jeder weiß, dass Dr. med. Gunther Placheta (sein richtiger Name) neben seiner Kar­ri­e­re als Filmkasper einer der erfolgreichsten österreichischen Leistungs- und Motor­sportler, so­wie promovierter Facharzt für Neurologie und Psychiatrie war.

Gunther Philipp war beruflich eben­so wie privat
ein unermüdlicher Schmähreisser, er sagte z.B.:

»Mit Ohrenschmerzen geh ich zum Ohrtopäden,
mit Genickschmerzen zum Genickologen,
und wenn mir die Därm’ wehtun zum Därmatologen.«

6. Juni

Heute vor 85 Jahren, am 6. Juni 1933, wurde in Camden/New Jersey das erstes Auto­kino der Welt eröffnet. Als Projektionsfläche diente dazumals keine Leinwand, sondern eine hohe, geweißelte Ziegelmauer. Die Beschallung erfolgte über drei große Lautsprecher, sodass der Ton noch mehrere Kilometer entfernt zu hören war und die lautstarke Ver­an­stal­tung Pro­teste der Anwohner nach sich zog.
Der erste in einem Autokino vorgeführte Film hieß Wife Aware, der darüber hinaus für die Filmgeschichte keinerlei weitere Bedeutung besitzt und über dessen Inhalt heute nix mehr be­kannt ist, weshalb sich auch der Sinn des rätselhaften Filmtitels nimmer ergründen lässt.

In Österreich gibt es ein einziges Autokino, seit 1967 in Groß-Enzersdorf bei Wien, welches aber mittlerweile geschlossen ist und ein Pendler-Parkplatz werden soll. Die Groß-En­zers­dor­fer Autokino-Leinwand hat ein Ausmaß von 35 x 15 m = 525 m², somit eine Fläche worauf ein Einfamilienhaus mit Garten Platz fände.
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Haben Sie gewusst, dass Kinobetreiber in Österreich für das Abhalten von »Veranstaltungen, welche geeignet sind, die Besucher zu ergötzen«, eine sogenannte Lustbarkeitsabgabe (vulgo Vergnügungssteuer) zu ent­rich­ten haben. Diese Steuer ist auch dann zu entrichten, wenn die Besucher den vorgeführten Film nicht ergötzlich finden.

2. Jänner

Heute vor 73 Jahren wurde Peter Patzak geboren – Maler, Autor, Schauspieler und vielfach preis­gekrönter Filmregisseur, nebenbei einer der nobelsten, großherzigsten & liebens­wer­tes­ten Menschen die ich kenne.
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Mit der teils satirischen, teils grotesken Serie »Kottan ermittelt« schrieb er 1976-1983 (ge­mein­sam mit seinem kongenialen Partner und Freund, dem leider früh verstor­benen Autor Hel­mut Zenker) ein Stück österreichischer Fernsehgeschichte.
Ungeachtet des fulminanten Publikums- und Medieninteresses stießen Patzak und Zenker bei den Programmverantwortlichen des Österreichischen Staatsfunks auf anhaltenden Wider­stand, die Produktion der Kultserie fortzusetzen, und sahen sich laufend gezwungen, zu den Künigl­berg-Granden zu pilgern und um gnädige Weiter­führung ihres erfolgreichen Projektes zu sempern (wie der Wiener sagt). Weil der ORF-Generalintendant damals Gerd Bacher hieß, seufzte Peter Patzak einmal:

    »Lieber als zum Bacher sempern
     gingert ich ins Sacher pempern.«

(sempern ist im Wienerischen übrigens gleichbedeutend mit sudern :)

23. Dezember

Heute vor einhundertachtzehn Jahren wurde Humphrey Bogart (1899-1957) geboren. Weil er am Beginn seiner Filmkarriere ausschließlich in der Rolle als Bösewicht vom Dienst auftrat, gab die PR-Abteilung von Warner Bros. aus Publicity-Gründen sein Ge­burtsdatum indes mit 24. Dezember an: um zu suggerieren, dass jemand, der am Heiligen Abend zur Welt ge­kom­men ist, nicht grundsätzlich schlecht sein könne.
(Bogart war ein relativ kleiner Mann, und das erklärt warum die große Skandina­vierin Ingrid Bergman in Casablanca auf seinen geflügelten Satz: »Ich seh’ dir in die Augen, Klei­nes!« er­wi­derte: »Ach, dazu sind Sie also auf den Stuhl gestiegen.«)

21. November

Heute ist übrigens der Welttag des Fernsehens.
(Welchen Zweck ein Welttag des Fernsehens haben soll, muss man nicht unbedingt wissen. Weiß ja von den Ägyptischen Pyramiden auch keiner. Oder vom Papst. Oder von French Pe­di­küre usw.)
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Apropos Papst, haben Sie gewusst dass Papst Pius XII. Anno Domini 1954 wohlgefällig über das Fernsehen urteilte:

    »Das Fernsehen gibt der gesamten Familie die Möglichkeit einer an­stän­digen Un­ter­hal­tung, fern von den Gefahren schlechter Gesellschaft und zweideutiger Lokale.«

Roma locuta. Ob der fromme Mann das angesichts der heutigen Fern­seh­pro­gramme diverser Privatsendeanstalten auch sagen würde, ist fragwürdig.
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Weniger wohlgefällig beurteilte später Robert Lembke das Fernsehen:

    »Es gibt Fernsehprogramme, bei denen man seine eingeschlafenen Füße beneidet.«

Helmut Thoma sagte im Jahre 2008:

    »Es ist seit Gutenberg viel mehr Schwachsinn gedruckt worden, als das Fernsehen in den 60 Jahren seiner Existenz versenden konnte.«

Mittlerweile ist freilich fast ein Jahrzehnt vergangen, und was den dargebotenen Schwachsinn anbelangt, werden die Printmedien mit dem Fernsehen bald nimmer mithalten können.
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(Apropos Schwachsinn, um 1908 monierte Karl Kraus:

    »Der Schwachsinn, der früher nie daran gedacht hätte, aus seinem Privatleben her­vor­zutreten, hat eine Gelegenheit für die Unsterblichkeit entdeckt.«

Was der wohl erst sagen würde, wenn der heutzutags all die Reality- & Dschungel- & Dating- & Big Brother- &soweiter-Shows im Fernsehen sehen könnte.)
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Oma locuta: ein kategorisches Urteil über das Fernsehen fällte seinerzeit meine Oma selig, wie hieramts zu lesen steht.