Wissenswertes

Forscher warnen

Kollege Trithemius schreibt hier über die, insbesondere in Pressetexten, »beliebte Floskel „X warnt“«: eine Warnung sei ja meistens eine Handlungsaufforderung an den Gewarnten, etwas zu unterlassen bzw. gegen etwas zu unternehmen. Bevorzugt in Pressetexten gewarnt wird, wie Kol­lege Thomas hier feststellt, von Forschern:


(Falls die Erde aber wider Erwarten doch zu Schaden kommt, soll sich keiner be­kla­gen er wäre von den Forschern nicht ge­warnt worden.)


Ob die Warnung etwas nützt?
(Möchte wetten, wenn in 10.000 Jahren die Eiszeit hereinbricht hat trotzdem wieder mal kei­ner rechtzeitig die Sommerreifen gewechselt. Obwohl die Forscher beizeiten gewarnt haben.)


Nicht dass sich die Menschheitsmassen nach dem Aussterben hinterher bei den Forschern be­schweren, sie wären vor der Gefahr nicht gewarnt worden.


Was immer man unter einem »Kometenrisiko« halt verstehen will.


Forscher verderben Überraschung durch Warnung.


Ja, Warnungen vor dem Weltuntergang kanns freilich nie genug geben.

Erstaunliches

Welche Lösung das wohl sein mag, die viele erstaunt? Die WELT verrät:


Nasa rundet auf, weil Pi unendlich viele Stellen hinterm Komma hat. Na, wenn das keine er­staun­liche Lösung ist. Seit olle Archi­me­des ist die außer den Nasa-Ma­the­ma­ti­kern bestimmt noch keinem eingefallen.
Wie lang denn diese »ganze Reihe von Stellen« hinter dem π-Komma ist, worauf die Nasa verzichtet, verrät der Nasa-(meinten Sie: NASA)-Spezialist von der WELT freilich nicht. Was vermutlich nicht viele erstaunt.

Am Ende des WELT-Artikels erfährt man indessen:


Der Vergleich erstaunt allerdings.
(Vielleicht handelt sichs um den kleinen Finger eines erwachsenen π-gmäen?)

Küchenetymologisches: Palatschinken

Kollege Shhhhh schreibt hier über aus dem Lateinischen herstammende Vo­ka­beln, welche als Lehnwörter Eingang in unsere Umgangssprache ge­fun­den haben, aber mittlerweile als genuin muttersprachlich empfunden werden.

Letzthin war hieramts über die ösitanischen Gattehosen (v. ung. Gatya = [lange Unter-]Hose) die Rede, einem Lehnwort aus dem Ungarischen wie es im Österreichischen zahlreiche gibt, was in der gemeinsamen Historie beider Nachbarländer als k. u. k. Doppelmonarchie be­grün­det ist. Um ein solches handelt es sich ebenfalls bei den Palatschinken, dem österreichischen Ter­mi­nus technicus für Eierpfannkuchen.

Der Ausdruck leitet sich vom lateinischen placenta = Kuchen her und gelangte aus dem glbd. Rumänischen plăcintă über das Ungarische palacsinta ins Wiene­rische, wo er übrigens seinen Singular phonetisch einbüßte: eine Palatschinke heißt »a Palatschinken«, und wer tatsächlich nur eine haben will, bestellt beim Kellner »eine halbe Portion Palatschinken«.

So kommt es, dass österreichische Kinder zuerst im Mutterleib von der Plazenta (= biolog. Fachbegriff für Mut­ter­kuchen) und später mit Mutters Pfannkuchen, vulgo Palatschinken, er­nährt werden, und beiderlei Termini von derselben lateinischen Vokabel abstammen.

Neues vom Zug-Erklärungsbeauftragten

Stets wenn sichs in einer Pressemeldung um irgendwas mit einem Zug handelt, tritt zuver­lässig auf der Zugerklärungs-Fachexperte von Österreichs auflagenzweitstärkstem Gratis-Volks­bil­dungs­perio­dikum, um den Rest der Welt an seinen Fachkenntnissen teilhaben und exklusiven Informationsgewinn schöpfen zu lassen:


von links nach rechts (klick für Detail):

  • ÖSTERREICH-Fachexperte erklärt dem Rest der Welt die Seil-Zugbremse
  • ÖSTERREICH-Fachexperte erklärt dem Rest der Welt vermittels Hinweispfeil, an wel­cher Stelle des Zuges sich die Lok befindet
  • ÖSTERREICH-Schlagzeilenrätsel – errate den Sinn:
    »Zug rast: 300 Autos kaputt« – oder »Zug rast 300: Autos kaputt«?
  • ÖSTERREICH-Exklusivfoto: »Legendärer Nazi-Zug« *)
  • ÖSTERREICH-Fachexperte verrät: Hitler versteckte das gestohlene Gold entlang der Bahnstrecke

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*) (Der ÖSTERREICHische “Nazi-Zug“ ist mit gelber Tarnfarbe getarnt, damit er nicht mit dem “Nazi-Zug“ aus der Kronen Zeitung verwechselt wird, der gerade hinter einem polnischen Feuerwehrmann von diesem unbemerkt einen Keller durchquert.)

Copy, & passt.

Das ist freilich grober Unsinn.
Gemeint ist mit dem »Meteor-Krater im Canon Diabolo« offenkundig der sogenannte Meteor Crater im  in der Nähe des Canyon Diablo in  im US-Bundesstaat Arizona, wel­cher selbst­ver­ständlich kein »Meteor-Krater« sondern ein Meteoritenkrater ist. Woher jemand auf den Einfall kommt, der wäre der größte der Welt, ist unerklärlich.
Man möchte kaum glauben wie es gelingt, soviel geballten Unsinn in einem einzigen Satz unterzubringen. Bei den SPIEGEL-Meteoritenspezialisten muss das aber nicht überraschen.

Umso bemerkenswerter ist allerdings, wie es ein Leiter des Ressorts “Wissen“ der SZ Jahre später fertigbringt einen dermaßen un­sinnigen Satz wortwörtlich abzuschreiben & weiterzukolportieren, ohne dass sich Feder, Ver­nunft oder gar journalistisches Sorgfaltsverständnis dagegen sträuben:

Copy, & passt.

    »Es ist wahrhaft kein Schmarrn zu blöd
    als dass ihn nicht wer abschreiben tät’.«
    (n. Martin Krassnig)

Wissenswertes von A bis Z

Der Fachsimpel [Idiotes specificus] ist ein redseliger Kauz aus der Spezies der Sachgimpel. Artspezifische Merkmale: neigt dazu, über je weniger desto mehr zu wissen. Hat mitunter einen großen Schnabel. Macht gern viel Federlesens. Er ist nicht vom Aussterben bedroht.
»A dialecticis libera nos, Domine.«
(Cusanus, De docta ignorantia)

2. März

Heute vor 60 Jahren wurde in Des Plaines/Illinois das erste McDonald’s Restaurant*) eröffnet – ein denkwürdiger Fortschritt in der Entwicklungsgeschichte des organi­schen Stoffwechsels. Erstmals gelang es, dem menschlichen Verdauungssystem ein Produkt zuzuführen, an wel­chem zwischen Nahrungsaufnahme & Ausscheidungs­prozess keinerlei Qualitätseinbuße fest­zu­stellen ist.

Lösung des Tages, ..

.. oder: Die Entdeckung der Schwerkraft


Das kommt dabei heraus, wenn man die Erdanziehungskraft mit dem Erdmagnetismus ver­wechselt. Die Erdanziehungskraft (Schwerkraft) haben freilich die alten Griechen längst »ent­deckt«, aber mit magnetischer Wirkung hat die rein garnix zu tun.

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(Wenn der Kollege wvs sowas liest, schlagt sichs wieder auf seinen Blutdruck ;)

Faszinierendes

Das Faszinierendste an dieser »FOCUS Online stellt Ihnen die faszinierendsten Fakten über Sonstwas vor«-Klickfängerei ist ja, was für sinnleerer Dummschwatz dem erwar­tungs­vollen Leser dort zuverlässig aufgetischt wird, nachdem er in die Klickfalle ge­tappt ist. Sowas wie das z.B.:

Oder sowas:


Ah ja. Vom Mittelpunkt der Sonne bis hin zur Oberfläche sind es knapp 700.000 Kilo­meter, wäre also eine Reisegeschwindigkeit von ca. 4 Kilometer pro Jahr, grob gerech­net. Aber ver­mut­lich ist der Dummschwatz eh nicht so gemeint, wie er da zu lesen steht, sondern gemeint ist die Oberfläche unseres Planetensystems. Was auch immer man sich unter der »Ober­fläche unseres Planetensystems« vorstellen soll. Gemeint ist vermutlich der Außenrand des Pla­ne­ten­sys­tems, welcher ungefähr 5 bis 7 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt ist – was einer Reisegeschwindigkeit von etwa 100 Kilometer pro Tag entsprechen würde, d.i. in etwa Schrittempo.
Hier fragt sich der Leser, ob sich die bei FOCUS Wissen ihren Dummschwatz eigentlich selber ausdenken oder ob der von einem Blindtextgenerator stammt.

Tipp der Woche

Deutschlands führendes Ratgeber-Magazin empfiehlt für Autofahrer:

»Wie behält man die Ruhe am Lenkrad? Fünf Tipps zum entspannten Fahren:«


Eh klar – nach dem Motto: »Bei Stress: Hände weg vom Steuer«.
(Fragt sich halt, wer derweil lenkt während der Fahrer sich dem entspannten Fahren hingibt, indem er in die Hände hineinatmet ..)

Neues vom Grundrechnungsbeauftragten


Der Grundrechnungsbeauftragte der meistgelesenen Schweizer Tageszeitung rechnets den Lesern vor:


(Zwischenfrage: wieviele Stunden dauert ein Tag in der Schweiz eigentlich?)
Welcher Informationsgewinn den Lesern aus diesem Rechenexempel ersprießen soll, lässt sich ohnehin nicht erraten, denn:

  • Dass jeder Schweizer Autofahrer im letzten Jahr 2,5 Jahre im Stau ge­standen wäre, wird wohl kaum zu vermuten sein.
  • Sollten dagegen alle Schweizer Autofahrer zusammen im letzten Jahr insge­samt 26’000 Stunden im Stau gestanden sein, so wäre das durchschnittlich für jeden einzelnen weniger als eine halbe Minute.

Was der Grundrechnungsbeauftragte den Lesern mit dieser Nonsens-Nummer vorzu­rech­nen sich bemüht, bleibt wohl sein Geheimnis.

Inflationäres

»Höret, was Erfahrung spricht: Hier ist’s so wie anderswo.
Nichts Genaues weiß man nicht, dieses aber ebenso.«
(Otto Grünmandl)
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    Europäische Zentralbank
    EZB sieht keine Inflationsgefahr   (04.02.2010)

Europäische Zentralbank
Trichet warnt vor erneuter Inflationsgefahr   (24.01.2011)

Sinkende Inflationsrate   (12.01.2012)

Keine Spur von Inflationsgefahr in Deutschland   (12.12.2012)

Preise.
Teure Nahrungsmittel heizen Inflation in Deutschland an  (10.07.2013)

Niedrige Inflation: Wirtschaft zittert vor fallenden Preisen
(07.11.2013)

Deutlicher Anstieg
Steigende Inflationsrate blamiert EZB-Chef   (29.11.2013)

    Die niedrige Inflationsrate alarmiert die EZB.   (05.02.2014)

Deutsche Inflation erneut auf dem Rückzug –
EZB: keine Deflationsgefahr   (13.02.2014)

EZB sieht weit und breit keine Inflationsgefahr   (06.03.2014)

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Bundesbank sieht keine Deflationsrisiken   (13.03.2014)

Angst vor Deflation übertrieben
Die Inflation wird steigen – und die EZB nur zusehen  (22.04.2014)

EZB kämpft gegen Deflation   (08.05.2014)
    Deutsche Inflation sinkt überraschend auf
    niedrigsten Stand seit 2010
      (02.06.2014)
.(alle aus: FOCUS MONEY)

Die Wahrheit über Salz

FOCUS Online (»Deutschlands modernes Nach­rich­ten­­ma­gazin für Fakten- und Qualitätsjour­nalismus«, laut Eigendarstellung) verrät unter der Rubrik “Wissen“ Beeindruckendes:

Das ist allerdings beeindruckend – beeindruckender Unsinn nämlich.
Zu meinen, Salz (Natriumchlorid) bestehe aus den »Elementen Natrium und Chlorid«, ist ver­gleichbar unsinnig wie zu meinen, Leberkäs bestehe aus den Elementen Leber und Käs.
Kein Wunder, dass Sie den Fakt noch nicht kannten.

Wasser ist nicht gleich Wasser. Destilliertes Wasser durchläuft einen Reinigungspro­zess, in dem fast alle Elemente herausgefiltert werden bis auf  Wasserstoff und Oxid.« – hört sich üb­ri­gens vergleichbar beeindruckend an wie der »FOCUS Online stellt Ihnen die be­ein­druck­end­sten Fakten vor«-Unsinn. Und ist übrigens vergleichbar unsinnig.)

Laut einer aktuellen Studie

So stehts in der aktuellen PIAAC-Studie der OECD:

Rund 17 Prozent der erwachsenen Österreicher (d. i. rund eine Million) haben eine niedrige Lesekompetenz: rund 4 Prozent können keine oder nur einzelne Informationen in kurzen Texten identifizieren; rund 13 Prozent haben Prob­leme, komplexere Texte zu verstehen.


Und so stehts im aktuellen profil, unter dem Titel »Analphabetismus: Eine Million kann kaum lesen und schreiben«:

Es gibt in Österreich rund eine Million erwachsener Menschen, die gar nicht oder kaum fähig sind, kurze Texte zu lesen. Das hat eine OECD-Studie kürz­lich zutage gebracht.


Über die Lesekompetenz von Journalisten, Informationen in aktuellen Studien richtig zu identifizieren, liegt derzeit noch keine aktuelle Studie vor.

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(Wehe, wenn der Kollege Steppenhund das liest ;)

Sensationelles

ÖSTERREICHs auflagenzweitstärkste Verschenkzeitung kolportiert:

STERREICH)


Das ist natürlich blanker Unsinn: würde das so zutreffen wie es da steht, müsste der kom­plette Mars von einer 23 Kilometer dicken Schicht aus (gefrorenem) Wasser be­deckt sein, wie sich leicht ausrechnen lässt. Natürlich enthält keineswegs »der Mars« einen Wasseranteil von rund zwei Prozent, wie uns der Artikeltext weismachen will, sondern ledig­lich eine ein­zel­ne untersuchte Bodenprobe an seiner Oberfläche.

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(Wenn der Kollege Thomas sowas liest,
schlagt sichs wieder auf seinen Blutdruck ;)

Demnach

Am Freitag passierte auf einem französischen Bahnhof ein verheerender Unfall, indem mehrere Waggons eines Intercity entgleisten und auf dem Bahnsteig umstürzten. Wer sich unter mehreren entgleisten und auf einem Bahnsteig umgestürzten Waggons wo­möglich nix konkretes vorstellen kann, der kriegts im SPIEGEL erklärt:

» Der Intercity oder zumindest Teile von ihm befanden sich demnach nach dem Unfall nicht mehr auf dem eigentlichen Gleis.«