Redensartiges

10. September

Heute vor 75 oder 80 Jahren wurde Maître Karl Lagerfeld geboren, er sagte den un­er­hört ge­scheiten Satz:

    »Früher war’s einfacher, da gab’s noch nicht so viel Vergangenheit.«


Da hat er gewiss recht.
(Gleichzeitig war’s früher aber auch schwieriger, da gab’s noch mehr Zukunft.)

Schwurbelschwatz der Woche

»Worte, Worte, nichts als Worte.« (W. Shakespeare)

    Projektleiterin: »Beim Wiener Lesetest 2013 ist es so, dass die Buben in den unteren Kom­pe­tenz­stufen mehr vertreten sind und die Mädchen in den oberen Kompetenz­stufen stärker ver­treten sind.«
    ORF-Reporter: »Was heißt das übersetzt?«
    Projektleiterin: »Das heißt, dass die Mädchen in der dritten Stufe mehr sind, also dass sie einfach besser sind als die Buben.«

Angriff aufs Schärfste

»Australien verurteilt diesen sinnlosen Angriff aufs Schärfste.«
(Premierministerin Julia Gillard)
»Ich wünsche allen Verletzten rasche Genesung.«
(UN-Generalsekretär Ban Ki-moon)
»Wir wünschen den vielen Verletzten baldige Genesung.«
(Außenminister Guido Westerwelle)

.
Vielen Verletzten wurden Beine oder Arme abgerissen – was denken sich diese Kondo­lenz-Laberanten, wenn sie vor laufender Kamera solches sinnlose Gefloskel vom Blatt runterleiern. Und was denken sich die Typen, die es ihnen so aufs Blatt geschrieben haben. Am liebsten möchte man es denen zusammengeknüllt in den Hintern stopfen.

Schwurbelschwatz der Woche

»Worte, Worte, nichts als Worte.« (W. Shakespeare)
.
    »Europa muss ein innovativer Kontinent sein,
    Europa muss investieren in die Zukunft.«
    (Angela Merkel *).


Worte von geradezu ergreifender Sinnleere.

    »Deutschland hat als Nachbarn auch mittel- und osteuropäische Länder,
    die natürlich auch an die Europäische Union herangeführt werden sollen.«


Welche Länder meint Frau Merkel? Die Schweiz ist das einzige Nachbarland Deutsch­lands, das kein EU-Mitglied ist. (Ob sich die gerne an die EU heranführen lässt, darf freilich be­zweifelt werden.)
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*) (Pressestatements von Bundeskanzlerin Angela Merkel in London)

Bam Oida!

Nachdem die Opel-Werbefuzzis vor einigen Jahren mit dem neukreierten Markenimage die Käu­fer­generation 80plus als Zielgruppe ins Visier nahmen und die ihnen aber mittler­weile weg­stirbt, legen sie jetzt auf eine andere Zielgruppe an: die Krocha, Nachgeburten der Man­tafahrer.
Tiefergelegt, sozusagen.


Da die Krocha aber bekanntlich alle bei der Führerscheinprüfung durchfallen, erhebt sich die bange Frage: Gibt es für Opel noch Hoffnung auf Rettung?

Aperçu

Zufällig fiel mir unlängst der Satz ein: »Aus einer Gurke wird noch lang keine Banane, indem man sie gelb anstreicht«. Leider ergab sich bisher noch keine Gelegenheit, ihn an passender Stelle bedeutungsschwer in eine Unterhaltung einfließen zu lassen.

Schon Hamlet sagte

Sollte Ihnen auch mal einer mit dem Argument daherkommen,
“Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen lässt.“
dann fordern Sie den doch auf :  Na gut, dann nennen Sie mir drei davon.

Zitat

»Es wäre wünschenswert, wenn sich Politiker vor Amtsantritt einem Eignungsverfahren
 unterziehen würden.«   (Othmar Hill, Personalberater)


Haha, der war gut.

Stereotypisches

Kollege Klaus P. schreibt über schludrige Fragen in Form stereotyper Floskeln, mit denen diverse Dienstleister ihre Kunden anzumaulen pflegen. Noch paar Beispiele:

  • “Zusammen oder getrennt?“ – will die Bedienung jedesmal wissen, wenn man mit jemand essen geht. (“Wir sind seit zehn Jahren zusammen, eine Trennung wird derzeit nicht in Erwägung gezogen.“)
  • “Außerdem?“.– Das Ceterum [censeo] der Billa-Wurstfachverkäuferin.
    (auf die Antwort: “Alles.“ kriegt man für gewöhnlich aber nicht außerdem alles, sondern außerdem nix mehr.)
  • “Zum Trinken?“.– Der McDonald’s-Klassiker (es gilt die Unmutsverschuldung.)

Finalistisches

ORF-Kommentator gestern beim WM-Finale:

“Man kann jetzt schon sagen, dass es noch nie in einem Finalspiel so viele gelbe Karten gegeben hat. Zumindest nicht bei dieser WM.“


Derselbe letzthin beim Spiel USA–Slowenien:

“Jetzt sind die Amerikaner im Ballbesitz, und da sind sie natürlich im Vorteil, weil da haben ihn die Slowenen nicht.“


Radio-Werbespot in Ö3:

“Heute exklusiv in ÖSTERREICH: Das WM-Spiel Holland–Spanien – wer siegte und warum.“


Wenn es nicht heute »exklusiv in ÖSTERREICH« zu lesen stünde, würde womöglich niemals wer erfahren, wer und warum bei der WM gesiegt hat.

Metaphorisches

Frau Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek rät:

(NEWS)


Einlegen. Den Turbo. (in Marinade?)
(Macht nix, Politiker müssen nicht immer verstehen, worüber sie reden. Und Bundes­mi­nis­te­rin für Verkehr & Technik ist sie eh nicht.)

Wo er recht hat, hat er recht

Man muss ja mit Herrn HC Strache gewiss nicht grundsätzlich einer Meinung sein, aber wenn der sagt, es brauche nicht jeder

    “wegen einer dummen und durchaus als idiotisch zu
    bezeichnenden Meinung gleich eingesperrt werden“,

dann kann man dem ohneweiters zustimmen.
Da tät’s in unseren Gefängnissen ganz schön eng werden.