Außerösisches

7. Juli

Heute vor 67 Jahren wurde Fredl Fesl geboren, der “bayrische Melankomiker“.

Seine Karriere begann damit, dass er in den Münchner Kleinkunstbühnen durch das Mit­brin­gen seiner Gitarre keinen Eintritt bezahlen musste, indem er sich als der auf­tretende Mu­si­ker ausgab. Als der eigentliche Künstler eines Abends fehlte, wurde Fesl vom Publikum auf die Bühne genötigt und musste wirklich selber auftreten.

Fredl Fesls Wortspielereien kommen in schönster valentinesker Tradition daher:

    »As Pferdl hoaßt Pferdl, wei’s auf da Erd steht.
    Wei tats in da Luft  fliagn, na hoaßats jo Pfluftl

Alkoholisches


Das ist natürlich grober Unsinn, kaum jemand erwacht mit (einem Blutalkoholspiegel von) 6,44 Promille »Alkohol im Körper« jemals wieder aus dem Koma, schon gar nicht würde wer damit zur Arbeit wollen. Was immer man bei der Thüringer Allgemeinen unter einem »Alkometer« verstehen will (gemeint ist offenkundig ein Alkomat) – tatsächlich misst solch ein Gerät den Alkoholgehalt in der Atemluft, und nicht im Körper (d. i. im Blutkreislauf). Dass ein Schluck aus der Flasche unmittelbar vor einer Alkomat-Messung zu astronomischen Messwerten in der Atemluft führen kann, ist nichts ungewöhnliches. Wie sich im konkreten Fall ja auch erwies, bewirkte bereits eine Mundspülung eine Reduktion des Messresultates um beinah ein dreiviertel Promille – was freilich keineswegs bedeutet dass die Frau daraufhin plötzlich nur mehr 5,72 »Promille Alkohol im Körper« gehabt hätte, sondern a priori wesentlich weniger.
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Ceterum censeo:.Man muss nicht alles glauben, was in der Zeitung steht.

23. September

Heute vor 70 Jahren wurde Señor Julio Iglesias de la Cueva geboren, in Madrid. Er begann eine vielversprechende Karriere als Profifußballer bei Real Madrid. Leider musste er nach einem Verkehrsunfall seine Fußballerkarriere abbrechen und begann stattdessen zu singen:

Sommerhitze-Koller in der Verschenkblatt-Redaktion?

»Zwei Hauptfragen müssen in einer Schlagzeile beantwortet werden,
nämlich Wer? und Was?.«  (Wolf Schneider, Die Überschrift)
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Dass manche Kollegen von Österreichs auflagenstärkstem Verschenkblatt offenkundig dem Sommerhitze-Koller anheimgefallen sind, wurde hieramts schon öfters vermutet. Schau mer mal, was die heute wieder ausgebrütet haben:


»Wer? und Was?« fragt Wolf Schneider – die Frage »Wo?« erwähnt er freilich nicht. Worum gehts überhaupt: in Syrien sollen Croissants in gekrümmter Halbmondform verboten werden, weil dadurch ein islamisches Religionssymbol verunglimpft werde. So weit, so unsensationell. Eine Meldung, die im Rest der Welt nicht mehr Wind ent­fachen sollte als ein Schas im Kukuruz, wie man eigentlich erwarten dürfte:

    »Breaking News: Croissants in Syrien ab heute nimmer krumm,
    sondern gerade!«


Nicht grad der sensationellste Seite-1-Aufmacher der Saison, aber es wären nicht die üblichen Verschenkblatt-Verdächtigen, wenn die es nicht zuwege brächten, selbst den unbedeutendsten Pups im Sommerloch zu einer riesen Luftnummer aufzublasen. Man kennt das ja.

(Warum syrische Croissants in Syrien überdies keine syrischen Croissants, sondern »Kipferln aus Öster­reich« vulgo »Österreich-Kipferl« vulgo »unsere Kipferln« sein sollten, erfährt man in dem Artikel nicht – das bleibt wohl das Geheimnis der Heute-Hitzekollaberanten.)

22. Juli

Heute vor 65 Jahren erblickte Herr Otto Waalkes das Licht Ostfrieslands, woselbst er an­schließend aufwuchs und ein populärer Komiker wurde.
Garstige Leute unterstellen den Ostfriesen, alles was die dort aus dem Meer fischen und nicht sicher sind, ob man’s essen kann, das würden sie großziehen.

Enthüllt

Präsentation in Teheran*: Iran enthüllt Fluggerät zur Teilnahme am Red Bull Flugtag

Das iranische Teilnehmermodell ist in Leichtbauweise aus Plaste und PU-Hartschaum konstruiert. Als Fahrwerk dienen die Räder eines ausgemusterten Krankenhausbettes, welche robust und zuverlässig sind. Der Lande­scheinwerfer lässt sich energiesparend mit einer Ta­schen­lampenbatterie betreiben. Die Cockpit-Instrumente stammen u.a. aus einem ge­brauch­ten Moskwitsch, welcher sich preisgünstig erwerben ließ.
Damit es bei Schlechtwetter am Red Bull Flugtag nicht in das Cockpit hineinregnet und der Pilot schon vor dem Start nass wird, lässt sich dieses mit einer Plexiglas-Haube abdecken.

Definieren Sie den Begriff »1:1 dasselbe«

Der Türkischen Kulturgemeinde in Öster­reich fällt grad nix gescheiteres ein, als sich über ein LEGO-Spielzeugmodell zu er­ei­fern, welches angeblich »1:1 dasselbe Dach« der Hagia Sophia darstellen soll.
Man muss freilich nicht annehmen, das »1:1-Modell« (sic) einer Moschee passe in eine Spielzeugschachtel, abgesehen da­von disqualifiziert sich der Schmarrn an­ge­sichts der Abbildungen sowieso von sel­ber.

Was sich diese türkischen Trolle dabei denken, mutwillig einen solchen absurden Schmarrn aus­zu­hecken, ist unbegreiflich.
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(Bildquelle: Türkische Kulturgemeinde Öster­reich).

Abschaffen

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Das ist freilich eine mords schlaue Idee. Um zu vermeiden, dass ständig Fußgänger auf dem Zebrastreifen überfahren werden, braucherte man bloß die Zebrastreifen ab­zuschaffen. Wa­rum ist das bis jetzt noch keinem eingefallen.

Wann kommt endlich wer auf die Idee, auch die Verkehrsampeln abzuschaffen. Dann gibts keine Verkehrsunfälle mehr, weil einer bei Rot über die Ampel gefahren ist.
(Undsoweiter. Bestimmt ließen sich noch weitere konstruktive Vorschläge zur Ver­besserung der Verkehrssicherheit ausdenken.)

Mars: Kein Leben entdeckt

Gerüchte über einen angeblichen Fund organischer Moleküle und dass es Leben auf dem Mars gegeben habe, können nicht bestätigt werden, teilte ein NASA-Sprecher mit – wie aus einem Artikel in der Online-Ausgabe von “Österreichs bestem Nachrichten­magazin“*) zu erfahren ist. In welchem Zusammenhang mit dem ent­sprechenden Artikel allerdings der zugehörige Aufmacher steht, konnte noch nicht herausgefunden werden:

NASA-Wissenschaftler verdutzt

»Höret, was Erfahrung spricht: Glaubt niemals, dümmer geht es nicht!
Erfahrung lehrt: ein Stückchen dümmer geht es allemal noch immer.«
(Martin Krassnig)
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Stets wenn man vermeint, der absolute Hirnrissigkeits-Rekord in einem Zeitungstext müsse irgendwann erreicht sein und sich nimmer übertreffen lassen, kommt Österreichs auflagen­zweit­stärkste Ver­schenk­zeitung daher und beweist das Gegenteil.

UFO-Alarm: Angriffe aus dem All

»Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Satelliten-Schrottteil auf österreichischem Gebiet landet, sei zwar sehr gering, sollte es aber dennoch zu einem Sachschaden am versicherten Eigenheim bzw. dem Wohnungsinhalt kommen, wären die finanziellen Folgen im Rahmen der privaten Eigenheim- oder Haushaltsversicherung gedeckt« –


– erfährt man aus einer Presseinformation der Allianz-Versicherung. Nicht unbedingt die auf­rüttelndste Seite-1-Meldung des Tages, aber schau mer halt, was den Einfaltsdimpfeln von Öster­reichs auflagenstärkster Verschenkpostille dazu einfällt:

Ein bayrischer Marineinfanterist

»Der bayrische Soldat J. Keiler hat Wasserschuhe erfunden, mit denen er auf dem Klein­hesseloher See in München in feldmarschmäßiger Ausrüstung Gehversuche anstellte, die außerordentlich günstige Resultate zeitigten.«
.(aus: Wiener Bilder – Illustrirtes Familienblatt, 1912)
(Dank an Kollegen gulogulo für den Hinweis)
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Der automobile Rollschuh.

» Das Rollschuhlaufen in modernisierter Form wieder zu beleben, hat ein Pariser Kon­strukteur, M. Constantini, unternommen. Es ist der Erfinder selbst, der dem Photo­gra­phen im Bois de Boulogne zu einer Aufnahme Modell gestanden ist. Jeder der Roll­schuhe hat einen kleinen, schräg gestellten Motor mit Rippenkühlung von angeblich 1½ HP. Ein Gürtel, den der Fahrer um den Leib trägt, dient dazu, die Zünd-Akkumulatoren zu trans­portieren. Vorne am Gürtel befindet sich ein Kontaktunterbrecher, mittelst dessen man den Strom aus- und einschalten kann, je nach Wunsch. Beide Rollschuhe haben un­gefähr die gleiche Schnelligkeit, sollte aber einer schneller laufen als der andere, so hat der Fahrer, wie M. Constantini sagt, das Differential – im Bauch. Er hebt nur den schneller laufenden Fuß und setzt ihn etwas zurück, wodurch das Wesen des Aus­gleichs­getriebes erzielt wird. Der kleine, hinter jedem Rollschuh angebrachte Ben­zin­behälter faßt Brenn­stoff für 75 km Distanz – vorausgesetzt, daß man so weit kommt.«
.(Allgemeine Automobil-Zeitung, 1906)

Eine Schutzvorrichtung an Automobilen.

»Nach dem Muster der Fangnetze, die man in verschiedenen Städten vorne an den elektrischen Strassenbahnwagen sieht, hat M. Stephan David (Paris) eine Schutzvorrichtung konstruiert, die denselben Dienst bei Automobilen leisten soll. Das Sicherheitsnetz, das an einem Serpollet≈Wagen angebracht wurde, hat eine Länge von 1 m 10 cm, und eine Breite von 70 cm und steht 50 cm vom Boden ab. Die Versuche, die man in Vincennes mit einer Puppe machte, fielen sehr ver­sprechend aus. Das Automobil fuhr im Tempo von 20, 30 und 35 km pro Stunde heran und nahm die Puppe regelmässig mitten ins Netz auf. Sodann liess sich der Erfinder selbst im Tempo von 10 km überfahren. Auch er kam, ohne irgendwie Schaden zu nehmen, regelrecht in das Netz zu sitzen. M. David will übrigens diese Schutzvorrichtung noch in verschiedenen Punkten verbessern und ihr nament­lich eine grössere Breite geben. Unser Bild ist dem Pariser Blatt „L’Automobile“ entnommen.«
.(Allgemeine Automobil≈Zeitung.
Officielle Mittheilungen des Oesterreichischen Automobil≈Club, 1905)
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Ansitz

Wenn auf einer ansonsten unbewohnten Insel für die zahlreichen Vogelbeobachter, die sich dort öfters aufhalten, eine Toilette errichtet wird, ist das freilich eine Nach­richt welche die Welt bewegt, und die Schlagzeile darüber könnte etwa so ausfallen:


Oder etwa so:


Um Vögel zu beobachten, wie praktisch. Dann müssen die nimmer extra von ihrem Beobachtungsposten aufstehen, wenn sie mal müssen. (Wäre es für Fischer, hätten die Schotten im EXPRESS das Klo vermutlich gebaut, »um Fische zu angeln«.)

Weißer Fleck

Auf Vidoeaufnahmen eines NASA-Teleskops von Sonneneruptionen zeigt sich ein weißer Fleck, welcher in einer Pressemeldung von Experten des United States Naval Research Laboratory als simpler fotografischer Licht­effekt durch das Nachleuchten des Merkurs erklärt wird.
Ziemlich einleuchtend. Für jene Leser, die sich unter einem fotografischen Lichteffekt viel­leicht nix konkretes vorstellen können, wird in Österreichs auf­la­gen­zweit­stärk­s­tem Ver­schenk­blatt nochmal genau erklärt worum es sich bei »dem Ding« handelt.

Arschgespann *)

»In der praktischen Verwendung bei der spanischen Polizei sitzen in dem Beiwagen zwei mit Gewehren bewaffnete Polizisten Rücken an Rücken, so daß sie die Straße nach beiden Rich­tungen hin bestreichen können: wovon sie, wie wir hoffen wollen, recht wenig Ge­brauch machen mögen.«
.(Allgemeine Automobil-Zeitung , 1934)

*) (Fachausdruck gefunden bei Kollege Trithemius)

Ein Verschönerungswagen für Damen.

»Ein Londoner Verschönerungssalon für Damen hat einen Verschönerungsdienst ins Leben gerufen, der durch entsprechend eingerichtete Automobile besorgt wird. Die Ver­schö­ne­rungs­spezialistinnen sind gleichzeitig auch Autolenkerinnen und können auf dem Lande überall dorthin kommen, wo ihre Verschönerungskunst gewünscht wird. Unser Bild zeigt die Be­ar­bei­tung eines Bubikopfes auf der Landstraße.«
.(Allgemeine Automobil-Zeitung, 1927)

(für Kollegin Anja-Pia ;)

Aliens

Wenn ein Astrobiologe mikroskopische bakterienähnliche Spuren in einem Meteoriten und damit einen Hinweis auf außerirdisches Leben (Originaltext: »evidence of alien life«) entdeckt zu haben meint, dann kanns nicht lang dauern bis der erste über einen »Beweis für Aliens?« draufloskräht & die Aliens mal wieder zur Invasion im Medien­wald antreten. Auf Spiegel.de etwa wird die Meldung einer skeptischen Betrachtung unterzogen, unter dem Titel:

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Nochmal, zum mitschreiben, an all die Schlaumeister in den Redaktionen dieser Welt: alien [Adjektiv; engl.] heißt übersetzt nicht Alien, sondern außerirdisch. Unterschied erkannt? Aliens gibts im Kino, und in der Bild-Zeitung.