Apostrophisches

Turbolentes

Dass hirnrissige Metaphern in Zeitungsüberschriften vom Aussterben bedroht wären, steht nicht zu befürchten. Etwa der Dauerbrenner:

(oe24.at)
(Blick.ch)
(Die Presse)


Den Turbo. Zünden. Ob man mit einem brennenden Turbo schneller vorankommt? Scheint keine besonders zündende Idee zu sein.

(Frankfurter Allgemeine)


Woran das wohl liegen mag – Turbozündung ausgefallen?

(TAI.at)
(IAAG)

(manager magazin)


Turbo-Expansion. Ob sich der Turbo ausdehnt, wenn man ihn anzündet?

(news.de)


Einlegen, den Turbo. In Marinade? Kein Wunder, dass der nimmer zündet.
(Vielleicht zündet der besser, wenn sie den in Spiritus einlegen?)

(Westfälische Nachrichten)


Schneller Schwede verwechselt Turbo mit Tube.

(Bild.de)


Turbo-Gang: was immer den Bild-Wortschöpfungsspezis bei dem Begriff vorschweben mag, beim Scrabble ließen sich damit wohl keine Punkte schinden.

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Turbo Crash | Blitz, oder: Lavendel Holler | Zinnober?

Konjunktionelles

Dies schrieb Herr Schulmeister Mannke in einem Aufsatz in der Zeitschrift des Philologenver­ban­des Sachsen-Anhalt. (Zwar hört man in Ge­sprä­chen mit Polizei und Supermarktpersonal genau das Gegenteil: dass es eben nirgendwo zu sexuellen Be­läs­ti­gungen, schon gar nicht in Super­märk­ten, gekommen wäre – aber wer will schon der Polizei glauben, wenn’s Herrn Schul­meisters Be­kann­te besser wissen ..)

Wegen fehlerhafter Rechtschreibung in seinem Aufsatz muss Herr Oberlehrer Mannke übri­gens nach­sitzen und hundert­mal an die Tafel schreiben:

    »Ich darf die Konjunktion “dass“ im Objektsatz nicht falsch schreiben.«

Setzen, Herr Oberlehrer.

Euphemistisches


Ja, eh. Um das festzustellen brauchts nicht extra einen Jenaer Wissenschaftler. Kann mir also wer erklären, warum in der Berichterstattung über einen Betrug in großem Umfang allent­hal­ben – in den seriösen ebenso wie in den Krawall- & Vuvuzela-Medien – über »Mogelei« oder »Schummelei« ein­hergesäuselt wird? Euphemistisches Gesäusel anstelle Klartext, was steckt dahinter?
Wenn ein kleiner Gebrauchtwagenverkäufer beim Kilometerstand mogelt, so handelt sichs um Betrug – wenn aber ein Millardenkonzern in beispiellosem Umfang systematisch betrügt, um Mogelei? Da mangelts in den Medien entweder am landläufigen Rechtsverständnis oder am Vo­ka­bel­verständnis.

Nix Neues aus Kalau

Kalauer mit Namenwitzen gehören in den Kindergarten und nicht in die Zeitung, hat Kollege Trithemius hieramts mal bemerkt, aber in manchen Zeitungs­redaktionen hat sich das noch nicht herumgesprochen.


Dumme Namenwitze werden auch dadurch keineswegs origineller, ..


.. indem man sie alle dreiviertel Jahrzehnte aufs neue aufwärmt:


Nicht fehlen darf bei dieser Kindergartenkalauer-Nummer natürlich wieder einmal der SPIEGEL, wo offenkundig ein Kalauer-Aufwärmbeauftragter im Vorschulalter wirkt:


Doch falls wer meint, der kindische ë-Pünktchen-Kalauer müsse doch irgendwann mal sattsam genug abgenudelt sein, bis er sogar den Kindergarten-Kalaueristen vom SPIEGEL zu blöd wird, so täuscht sich der:


Wo ist die Pointë? Viël blöder gehts wohl nimmer.

Nix Neues aus Kalau

Wo lassen die beim SPIEGEL ONLINE eigentlich ihre Artikelüberschriften aushecken – im Kin­dergarten?
Da überschüttet die vereinigte Phalanx der Kalauer-Aushecker in konzertierter Aktion das Pub­li­kum jahrelang mit dümmlichen Namenswitzchen über Frau Vonn, so lang bis sich selbst der hinterletzte Einfaltsgimpel lieber totschlagen ließe als daran noch ir­gendwas witzig fin­den zu wollen:


Und dann kommt der SPIEGEL daher:


Als Anerkennungspreis gibts dafür wieder den KaKaDu der Woche (Abb. re.), für den »Kindergartenadäquatesten Kalauer-Dumpfsinn«.

Neues aus Kalau

Ein Kalauer in welchem weder (Wort-)Witz noch (Hinter-)Sinn steckt, ist kein Kalauer sondern dummes Gerede. Und wird auch nicht origineller, je öfter er wiederholt wird. Was daran originell sein soll, zu jeder x-beliebigen Meldung, die irgendwas mit Schwei­nen oder (Schweine-)fleisch zu tun hat, reflexartig mit der Redewendung »Schwein ge­habt« drauf­los zu kalauern, konnte noch nicht herausgefunden werden.

Versextes

Im Soziolekt der Knalljournaille gehört die Vokabel »versexen« (Verb, transitiv) zum Grund­wortschatz. Was auch immer das Wort bedeuten soll. Könnte sein, dass irgend­ein Sinn darin steckt. Könnte sein, muss aber nicht.

Kennst di aus?

»Das Nichts nichtet.« (Martin Heidegger)
»Das Aus aust.« (Anonymus)

Zu den gern gebrauchten Dummwörtern im Journalistensprech zählt u.a. »das Aus; Subst. n.«. Mit dem mutwilligen Gebrauch des Aus geht häufig auch das Aus der Verständlichkeit einher:

Gericht stoppt. Aus für Kraftwerke ? – Mitnichten: das Gericht stoppt keine Kraftwerke, sondern verhindert vielmehr den Stopp mittels Verfügung, was das Aus des Aus zur Folge hat.
Die denkwürdige ORF-Sprachkreation »Gericht stoppt Aus« gilt somit als aussichtsreicher Kan­di­dat für die Verleihung des DoDeWo*)-Anerkennungspreises, ..

.. ex aequo mit den Hervorbringungen »Vorstoß für Aus« ..


.. und »Abschaffung vor dem Aus«:

(SPIEGEL)


.. sowie »Aus vorgelegt«:

STERREICH)

(Bild.de)

(Noch eine Minute bis zum Aus? Oder: Drohendes Aus für Last-Minute?)

(FOCUS)

(Gibt es ein Leben nach dem Aus?)

(Kleine Zeitung)

(“Lagerh-“ steht vor “aus“. Stünde “Lagerhaus“ vor “aus“, stünde “Lagerhausaus“ da.)

(Wiener Zeitung)
STERREICH)
(Heute)
(taz) (oe24.at)
(SPIEGEL)
(Der Ausbruch?)
(Kronen Zeitung)(oe24.at)
(Vienna.at) (LT1) (FOCUS) (Die Presse)
(oe24.at)
(DerStandard)
(Mitteldeutsche Zeitung) (.. meinten Sie: Denkmal für Aus?)
(oe24.at)
(Klum-Papa trauert/trauert nicht über Klum-Aus.)


Kennst di aus? – Wer dahinterkommen möchte, was der Quatsch bedeuten soll, muss notwendigerweise den dahintersteckenden Link anklicken: damit werden Klickzahlen generiert. Und das beantwortet zuletzt die Frage:

(NEWS.at)


Den DoDeWo*)-Sonderpreis gewinnt wiederum Österreichs Verschenk-Volks­in­for­ma­tions­or­gan “Nummer 1“ für das Deppensoziolekt-Konstrukt »Rauch-Aus« anstelle »Rauchverbot«:



STERREICH)

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*) Der DoDeWo*-Preis für herausragendes Dolm-Deutsch der Woche ist eine weitere Kategorie neben dem DaDa* (= Dümmster anzunehmen­der Deppen­apostroph), dem BiBi* (= Blödsinnigster irregulärer Binde­strich), dem DeDe* (= Dümmstes erdenkliches Deppen-Denglisch) und dem KaKaDu* (= Kinder­gar­ten­ad­äqua­tes­ter Kalauer-Dumpfsinn). Nominierungen für weitere Kandidaten werden hier­amts gern entgegengenommen. Dafür gibts einen schönen Pokal, Abb. rechts:

Metaphorisches

Wie lange einer an seinem Redaktionsschreibtisch sitzen und seine Phantasie über eine mög­lichst blumige Schlagzeile strapazieren muss, bevor sie eine solche Orchidee zum er­blühen bringt, ist nicht überliefert:

(FOCUS)

Neues als Kalau

Witze mit Namen gehören in den Kindergarten und nicht in die Zeitung, monierte Kollege Trithemius in einem Kommentar, aber in manchen Zeitungsredaktionen hat sich das noch nicht herumgesprochen.


Billy Wilder, selber Journalist, hat einmal drei oberste Gebote aufgestellt, die für jeden Jour­na­listen gelten sollten:

  1. Du sollst den Leser nicht langweilen.
  2. Du sollst den Leser nicht langweilen.
  3. Du sollst den Leser nicht für dümmer halten als dich selbst.

Dem Leser einer Tageszeitung dumme Wortspiele dieser Fasson als Aufmacher auf der Titel­seite zu präsentieren und zu meinen, der müsse das womöglich ebenso witzig finden wie man selbst, ließe sich eingedenk Wilders Worte eigentlich als Beleidigung auffassen.

Sinnbefreites

Der Aktuelle-Studien-Spezi von “Österreichs größtem wöchentlichen Frauen-Magazin“, bekanntlich eine der mit Abstand sinnbefreitesten Hervorbringungen auf weiter pub­li­zis­ti­scher Flur, weiß wiederum weitgehend Sinnbefreites mitzuteilen:


(Es liegt die Vermutung nicht fern, dass sämtliche Texte vor der Veröffentlichung in besagter Publikation kategorisch einer Sinnbefreitheitskontrolle unterzogen werden.)

Gagaistisches

»Höret, was Erfahrung spricht: Glaubt niemals, dümmer geht es nicht!
Erfahrung lehrt: ein Stückchen dümmer geht es allemal noch immer.«
(Martin Krassnig)

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Wenn einer meint, ein Schlagzeilen-Schlager der Saison wie “Bibber-Winter“ ließe sich an Dummheit nimmer toppen, dann kennt der freilich Österreichs auflagenstärkstes Ver­schenk­blatt noch nicht:

Es gilt die Unsinnsvermutung

Man möchte ja meinen, dass irgendwann auch der letzte Depp kapiert haben sollte, wie sich das Adjektiv »mu­tmaß­lich« halbwegs sinnvoll im Zusammen­hang mit einer Un­schulds­vermutung gebrauchen lässt.
Bei Österreichs auflagenzweitstärkster Verschenk­zeitung hin­­ gegen tüftelt man allerweil noch darüber – heißt es nun korrekt: der Tatverdächtige, oder: der mut­maßliche Täter?
Schwere Entscheidung.

STERREICH)

Spitzfindiges

(ORF.at | APA)


Dass Netze für gewöhnlich Löcher haben, ist bekannt (Achtung, Kalauer). Ebenso, dass Haie an der Spitze der Nahrungskette stehen. Freilich stellen sich die trophischen Beziehungen in realen Ökosystemen selten streng linear als “Nahrungsketten“ dar, sondern meist deutlich komplexer – weswegen es terminologisch zutreffender ist, von “Nahrungsnetzen“ zu sprechen. Nur: was man sich unter der Spitze der Netze vorzu­stellen hat, muss wohl ein Rätsel bleiben.

Silikon

Ein Freudscher Versprecher (nach Sigmund Freud), auch Lapsus linguae genannt, ist eine sprachliche Fehlleistung, bei der angeblich ein eigentlicher Gedanke oder eine Intention des Sprechers unwillkürlich zu Tage tritt.  (Wikipedia)

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Da gibts diese Anekdote – Otto Schenk hat sie mal vorgelesen, leider weiß ich Quelle oder Ur­heber nimmer zu benennen – die geht ungefähr so:

    Ein Theaterkomparse hat einen Auftritt in einem Bühnenstück, wobei er einen ein­zi­gen Satz zu sprechen hat: »Der Schweizer schießt!«
    Vor seinem Auftritt schwitzt er in der Garderobe vor Nervosität, und sagt sich ständig selber seinen Text vor, um ihn sich zu merken: »Der Schweizer schießt. Der Schweizer schießt.«
    Seine Komparsenkollegen kaspern herum und sagens immer wieder falsch vor: »Der Schwyzer scheißt. Der Schwyzer scheißt.« – Der Komparse wird immer nervöser und schwitzt immer mehr, und repetiert unentwegt seinen Text: »Der Schweizer schießt. Der Schweizer schießt!«, um sich durch die Kollegen nicht aus dem Konzept bringen zu lassen – aber die soufflieren ihm unablässig: »Der Schwyzer scheißt. Der Schwyzer scheißt.«
    Jetzt ist sein Auftritt dran, und der Komparse, triefnass vor Schweiß, tritt auf die Bühne vor das Publikum und bringt lauthals seinen Satz zu Gehör:
    »Der Scheißer schwitzt!«

Welcher Gedanke den Spezis von der Bild-Zeitung beim Wort »Silicon Valley« unwill­kürlich ins Gehirn tritt, lässt sich unschwer erraten.

(Bild.de)