Autor: nömix

noemix.wordpress.com

Exemplarisches

Falls Ihnen der Name Roman Polanski vorher nichts sagte: Ach, DER Polanski ist das. Der mit »Der Pianist«. Ja, dann ist natürlich klar, wer gemeint ist.

Falls Ihnen die beiden Namen vorher nichts sagten: Ach, DIE beiden sind das.

Der bekannte Filmstar nämlich, nicht irgendeiner.

Vor allem. In den sechs Jahrzehnten davor fristete er seinen Unterhalt vor allem als wenig bekanntes Pinup-Model.

Vom Beatles-Mitgründer nämlich. Nicht, dass Sie den etwa mit einem anderen John Lennon ver­wech­seln.

Der bekannte Komponist. Falls Ihnen der Name vorher nichts sagte.

Aufgeschnapptes

Aus der Reihe: “Unmutsbekundungen im Straßenverkehr

Gestern in Wien gehört wie ein Fußgänger älteren Jahrganges, als er die Straße über­que­ren will, einen Autolenker maßregelt weil der beim Einbiegen zu blinken verabsäumt:
    »Is da dei Reibmdeita eigaunga oda wos?!«
[Übers. f. Außerösische: »Funktioniert Ihr Blinker etwa nicht?«]

Abb.: Bis zum Baujahr 1960 waren auch VW-Käfer mit seitlich ausklappbarem Winker in der B-Säule als Fahrtrichtungs­an­zei­ger anstelle Blinkleuchten ausgestattet.
(»Reibmdeita« = mdal.: »Kur­vendeuter«)

6. März

Heute ist übrigens der Tag des Zahnarztes, falls man dem Kalender glauben will.

    »Der Zahnarzt ist ein armer Hund,
    er lebt ja von der Hand im Mund.«
    (Bayerisches Sprichwort)


Nomen est omen:


Haben Sie gewusst, dass der Zahnarzt auf österreichisch Pappenschlosser heißt.
[Pappen, mdal. = Mundwerk]

Alliteratives: “Schatten über den Schauen“

Der Ukraine-Krieg brach nicht »am zweiten Tag der Fashion-Week« aus, sondern im Februar 2014. Vor acht Jahren war das.
Und Russland marschierte nicht etwa »nach zwei Jahren Pandemie« von einem Tag auf den anderen in die Ukrai­ne ein, sondern bereits 2014. Vor acht Jahren.
(Daten- und faktenbasierte Betrachtungen über den Ausbruch von Pandemie und Ukraine-Krieg erwarte man sich nicht zwingend von der “Lifestyle, Mode & Kosmetik“-Redaktion.)

»Nach Corona fürchtet sich die Industrie nun vor den Einbußen, die den Sanktionen ge­gen Russland folgen werden.«
Soll vermutlich heißen: die Modeindustrie. Die Rüstungsindustrie z.B. wird sich wohl kaum fürchten müssen.

»Und so ließ sich die Branche all den Newstickern aus der Ukraine zum Trotz ablenken.«
Zum Trotz. Ließ sich die vom Fürchten ablenken, und vom Schatten.

»Zum Schluss betrat der Designer in einem Raumanzug das Set. So mancher Gast benei­dete ihn drum.«
Um den Raumanzug oder um das Betreten des Sets? Das verstehe, wer will. Muss aber nicht.

Überlebenstipps für “Bunte“-Leser

Nachdem letzthin der “Focus“ seinen Lesern bereits nutzreiche Verhaltensmaßregeln bei ei­nem Tor­­­na­do in Sicht darlegte, setzt die “Bunte“ noch eins drauf und verrät dir nunmehr:

»Bei einem nuklearen Angriff oder einem Atomkrieg würden Tausende sterben,« erfährst du da, »aber es gibt Möglichkeiten, einen Atomangriff unbeschadet zu überleben – du musst sie nur kennen.« Unbeschadet. Schau mer halt, welche Möglichkeiten die “Bunte“ dir zur Kenn­t­nis bringt:

Die “Bunte“ verrät:
  • »Auf gar keinen Fall darf man direkt in die Explosion sehen, da der Explosionsblitz so
    energiereich ist, dass die Netzhaut verbrennen kann und Erblindungsgefahr besteht.«
Immer gut wenn man darüber informiert ist, an welcher Stelle grad mit dem Stattfinden ei­ner Atombombenexplosion zu rechnen ist. Damit man nicht grad direkt dorthin sieht, wenn die statt­findet.
  • »Vor allem von Glasscheiben solltest du dich unbedingt fernhalten! Diese splittern bei der Explosion einer Atomwaffe und verwandeln sich in tödliche Glasscherben, die durch die Luft pfeifen.«
Immer gut wenn man darüber informiert ist, zu welchem Zeitpunkt eine Atomwaffenexplo­sion zu erwarten ist. Damit nicht grad eine Glasscheibe in der Nähe ist, wenn die stattfindet.
  • »Erfolgt der Atomangriff, während man sich im Freien befindet, soll man sich so gut wie möglich schützen und flach auf den Boden legen.«
Damit die tödlichen Glasscherben ungehindert über einen hinwegpfeifen können.
  • »Hat man die nukleare Detonation, die Druckwelle und die Feuersbrunst nach der Ex­plosion überlebt, ist die unmittelbare Gefahr für Leib und Leben noch nicht vorüber.«
Hat man’s nicht überlebt, kann man die folgenden Tipps hingegen vergessen:
  • »Um ein sicheres Versteck zu finden, solltest du beobachten, in welche Richtung der Wind den Atompilz weht. Weht ihn der Wind von dir weg, hast du Glück im Unglück:«
Glück im Unglück. Bekanntlich ein unerschöpfliches Thema.
  • »Die beste Fluchtrichtung ist deswegen vom Pilz weg.«
Die Idee, zum Pilz hin zu flüchten, wär’ mir sogar ohne den “Bunte“-Tipp nicht eingefallen.
  • »Das passende Versteck finden: Hast du ein sicheres Plätzchen gefunden, musst du dich darauf einrichten, einige Tage darin zu verbringen.«
  • »Stöcke, Steine oder Metallschrott kannst du zur Selbstverteidigung nutzen: Andere Über­lebende könnten dir dein Versteck neiden oder versuchen, deine Vorräte zu plün­dern.«
Hä? Welche Vorräte?
  • »Konserven, verpackte Nahrungsmittel, Getränke aus Flaschen oder Dosen sind nicht unmittelbar mit der Radioaktivität in Kontakt. Am besten ist, du sammelst auf dem Weg in dein Versteck alles, was du finden kannst!«
Jetzt verraten die mir das erst? Nachdem ich ein sicheres Plätzchen gefunden habe und mich darauf einrichten muss, einige Tage darin zu verbringen. Hätt’ ich das vorher er­fahren, hätt’ ich auf dem Weg in mein Versteck unterwegs einen Tante-Emma-Laden geplündert.
  • Nach einem Atomschlag beginnt das Leben auf dem Stand der Steinzeit neu. Mit ei­nem stabilen Messer, einer kleinen Säge, vielleicht ein paar Nägeln und Draht kann man zumindest einige Dinge fürs eigene Überleben basteln.
Um die Steinzeit unbeschadet zu überleben.

(Man darf gespannt sein, für welche diversen Katastrophenszenarien die ihre Überlebenstipps als nächstes zur Darbietung bringen, Asteroideneinschlag vielleicht oder sonstwas.)

Eventuelles

Russland bombardiert die Ukraine.
Olaf Scholz evaluiert derweil eventuelle Sanktionen gegen Russland:

»Es ist nötig, bestimmte Strafmaßnahmen für den Fall zurückzuhalten, dass die Lage noch weiter eskaliert.«

Für den Fall. Dass die Lage noch weiter eskaliert, eventuell. Derweil Russland die Ukraine bombardiert.

»Man muss sich alles andere aufbehalten für eine Situation, wo das notwendig ist, auch noch andere Dinge zu tun.«

Andere Dinge. Was für eine Situation er meint, sagt Scholz nicht. “Die Lage“ mit der Bom­bar­dierung der Ukraine meint er wohl nicht, die müsste zuvor ja erst noch eventuell eskalieren, bevor die zu “einer Situation“ wird.

»Natürlich ist klar, dass wir jetzt in dieser Zeit über die schwierige Situation zu sprechen haben.«

Natürlich, ist klar. Eine Aussage, so bedeutungsschwer wie ein Furz im Kukuruz.

Kolumnistisches: Mythisches

»Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte liest, es müsse sich
dabei doch auch was denken lassen.«  (Johann Wolfgang von Goethe)

Dass die Kolumnistik insonders in der “taz“ mitunter herausragende Blüten befremdlicher Besinnungsaufsatz-Prosa zu treiben pflegt, ist nichts neues. Vollends unergründlich ist indes­sen, was der “Unisex“-Ko­lumnist der Leserschaft in diesem Text darzulegen im Sinne führt:

»Nach 16 Jahren Merkel wäre „Kanzler“ aus seinem Wortschatz verschunden«, steht da (und soll natürlich »verschwunden« heißen, aber: geschenkt) – das erklärt er so:
  • »Nun liegt es zweifellos am ewigen Währen der Kanzlerin, dass Kanzler aus meinem Wortschatz verschwunden ist.«
Dennoch erfährt das Wort Kanzler, welches aus seinem Wortschatz verschwunden ist, des­sen ungeachtet im weiteren Text noch häufig Erwähnung:
  • »Ich bin zwar nicht sechzehn und habe schon Kanzler erlebt. Aber Kanzler Schröder ist mittlerweile heillos überschrieben von Altkanzler Schröder (besser noch: Fossilkanzler Schröder). Vor Kanzler Kurz indes haben sich diverse Spitznamen geschoben. Helmut Kohl wiederum war mein erster Kanzler und deswegen hat mein Hirn nur Bundes­kanzlerkohl abgespeichert.«
Welche »diverse« Spitznamen (außer Böhmermanns Babykanzler) sich vor Kanzler Kurz ge­schoben hätten, verrät er nicht, ebensowenig warum er nach 16 Jahren Merkel einen (und zwar nur den einen) österreichi­schen Kanzler ebenfalls zu seinen Kanzler-Erlebnissen zählt. Von denen hätte der allein im vergangenen Jahr schon drei erleben können.
  • »Womöglich geht es Ihnen anders, wenn Sie mehr Kanzler erlebt haben. Aber meine Sprachverarbeitung weigert sich noch zu akzeptieren, dass so ein dahergelaufener Olaf das Kanzlerinnenamt so einfach ausfüllen können soll. Höchstens zur Vertretung.«

Meine Sprachverarbeitung weigert sich einen Sinn darin zu erblicken, was der Kolumnist hier zum Ausdruck bringen will. Irgendwas mit Ironie, oder wie? Will sich nicht erschließen.
  • »Aber meiner Sprachverarbeitung sind Überzeugungen egal.«
Seiner Sprachverarbeitung. Aber warum steht dann im Titel »Über Sprachverarbei­tungen«, Plural? Um wessen Sprachverarbeitungen gehts denn da eigentlich, außer um sei­ne eigene, Singu­lar? Bleibt ein Rätsel.
  • »Das ist, wie Mythen gemacht werden. Assoziieren und vergessen [..]
    Der Mythos wird „zweite Natur“, sagt Roland Barthes und ekelt sich davor. Aber Mythen sind keine Ausnahme, sondern formen, was wir wissen.«
Das hört sich freilich unerhört geistreich an, aber weswegen sich Barthes denn ekelt oder was dessen mythischer Ekel überhaupt mit der Kanzler-Sprachverarbeitungsnummer zu tun haben soll, das erläu­tert der Kolumnist im weiteren nimmer, stattdessen resümiert er:
  • »Wie viele Kanzler, bis Kanzler mir wieder normal erscheint? Vielleicht bloß der eine. Vielleicht bin ich schon in zwei bis drei Wochen wieder eingenormt.«
Bis seine Sprachverarbeitung den Kanzlerinnenmythos-Zinnober halt verarbeitet hat.
  • »Aber nun hab ich Angst, den Teil von mir zu verlieren, für den ein Kanzlerinnenamt mal das Nor­malste der Welt war.«
Was für ein Zinnober. Keine Ahnung, was der mit seiner Kolumne mitzuteilen beabsichtigt.

Statistisches

Na schön, aber sollte so eine Statistik etwa ein Kaufargument sein, sich einen Tesla anstatt eines durchschnittli­chen Autos zu kaufen? Laut Statistik weisen Zastava Yugo-Fahrzeuge in den USA gegenüber dem durchschnittlichen Auto eine um 99,98 Prozent geringere Wahr­scheinlichkeit auf, gestohlen zu werden. Deswegen kauf ich mir trotzdem keinen.

Landesbeauftragter startet Initiative


» “Vielfältige Lebensweisen gehören heute selbstverständlich auch zur Weinwelt, sind aber aktuell noch wenig sichtbar. Mit der neuen Initiative ‘QueerWein Rheinland-Pfalz’ möchte ich diese Vielfalt in Rheinland-Pfalz sichtbarer machen. Ich lade alle lesbischen, schwulen, bisexuellen, transidenten, intergeschlechtlichen und nichtbinären Winzerin­nen und Winzer aus Rheinland-Pfalz ein, mir gute Weine vorzuschlagen. [..] Wein ist ein guter Botschafter für Rheinland-Pfalz, die Weingüter und die Vielfalt“, erläuterte David Profit, Staatssekretär und Landesbeauftragter für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechtsidentität, die Zielsetzung seiner Initiative.«
“Wein ist ein guter Botschafter für [..] die Weingüter“, erläuterte Herr Profit “die Zielsetzung seiner Initiative“, und weil sich das vom Bier logischerweise nicht behaupten lässt, sind alle lesbi­schen, schwulen usw. Bierbraue­rinnen und Bier­brauer in Rheinland-Pfalz leider nicht einge­laden, ihm gute Biere vor­zu­schlagen – obwohl das denen womöglich als diskriminie­rend er­scheinen mag. Indessen gehören vielfältige Lebensweisen heute selbstverständlich auch zur Bierwelt: viel­leicht startet ja ein Gleichgeschlechtliche-Le­bensweisen-Lan­des­be­­auf­­tragter in Bayern mal eine vergleichbare Initiative ‘QueerBier’, wer weiß.
Über die ge­sellschaftspolitische Relevanz einer Initiative zur Sichtbar­machung der sexuellen Orientierungen sowie geschlechtlichen Selbstverständnisse rheinland-pfälzischer Win­­ze­rin­­nen und Winzer liegen derzeit noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.
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(aufgelesen auf tuxproject.de)

10. Februar – Alliteratives: Lyrik vs. Logik

»Wenn ich gegen eins was habe, sind’s Fehler, nur dem Reim zulabe!«
(Winfried Kraft) (vermutlich Pseudonym v. Robert Gernhardt)

Heute vor 124 Jahren wurde Bertolt Brecht (1898-1956) geboren, und zwar in Augsburg. (Die rote Socke, tat­sächlich war der ein waschechter Schwabe, was sagt man dazu. Brecht selber mochte seine Ge­burts­stadt allerdings nicht, er sagte: »Das beste an Augsburg ist der Zug nach Mün­chen.« Er blieb nicht lang in Augsburg, wie man weiß.)
In dem Lied »Der Tod im Wald« lässt Brecht den grimmigen Poeten Baal alliterieren:

    »Und ein Mann | starb im Wald, | wo Sturm und Strom ihn umbrausten ..«
    (Anm.: »Selber schuld, | wär’ er halt | bei so ’n Sauwetter nicht draußten ..«
    ließe sich dazu extemporieren ; )

Gegen Stabreime gibts im Prinzip nichts einzuwenden, es sei denn, Lyrik dräut Logik dreist zu verdrängen. Dichterkollege KrassNick lässt nun einen fiktiven Leser beim Autor der be­­tref­fen­den Zeile, Herrn Brecht also, um nähere Erläuterung nachsuchen, und kleidet dessen An­frage hinwiederum in gefälligen Versreim – er schreibt:

    Hier ätzt der Leser: »Sie, Herr Brecht,
    als Stabreim klingt der ja nicht schlecht,
    Ihr Vers vom Sturm und Strom im Wald.
    Nur fragt an dieser Stelle halt
    der Leser sich: Wo, bitte sehr,
    kommt denn im Wald der Strom daher?«
    Herr Brecht, der denkt nicht lange nach
    und antwortet dem Leser: »Ach,
    der Strom? Der kommt auf alle Fälle
    aus Batterien von Duracelle!«
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    © mit freundl. Genehmigung M. Krassnig

Auch in seinem Gedicht »Die Vögel warten im Winter vor dem Fenster« lässt Brecht die Lo­gik ver­missen, indem er “vorn“ auf “Korn“ reimt und, was er in einer Lyrikkritik üb­ri­gens sel­ber mo­nier­te, »damit seinen Wirklichkeitsbezug ne­giert«:

    »Ich bin die Amsel.
    Kinder, ich bin am Ende.
    Und ich war es, die den ganzen Sommer lang
    Früh im Dämmergrau in Nachbars Garten sang.
    Bitte um eine kleine Spende.
    Amsel, komm nach vorn.
    Amsel, hier ist dein Korn.«

Darüber ließe sich wiederum extemporieren:

    Was soll ich, fragt die Amsel nun,
    denn mit dem “Korn“? Ich bin kein Huhn!
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    (Es fragt der Leser hier zu Recht:
    Meinten Sie wirklich “Korn“, Herr Brecht?
    Weil Amseln, wie man weiß, indessen
    nicht Körner, sondern Würmer fressen.)

Gendering: Automatisiertes

Allerdings ist auf dem Video zu sehen, dass es sich bei dem Autofahrer um eine Autofahrerin handelt. Gendering verabsäumt: das passiert wenn man Texte blindlings vom Übersetzungs­programm übernimmt, welches “driver“ (engl: “Fahrer*in“) aus dem Originaltext nicht auto­matisch gendert.
Macht aber nix, dafür wird anderswo wiederum eh über Genüge gegendert, dass es eine Art ist. Das passiert wenn man Texte blindlings vom Autokorrekturprogramm übernimmt, wel­ches Wörtern, die auf “-innen“ enden, automatisch ein Gendersternchen verpasst:

Freund*innen. Damit kein Verdacht entsteht, bei den Freundinnen in “Golden Girls“ hätte sichs wo­möglich um lauter Frauen gehandelt.

»Sehr geehrte Fahrgäste, ..

.. die fahrplanmäßige Weiterfahrt kann derzeit nicht fortgesetzt werden.«
Mein Bruder ist Lokführer auf der Mariazellerbahn. Der Ausblick bot sich ihm heute vor­mit­tags, als er an seinem Arbeitsplatz saß:

(Das Foto machte er aus seinem Führerstand, nachdem er den Zug nach erfolgreicher Not­bremsung einige Meter zurückgesetzt hatte. Man sieht die Stelle auf den Schienen, wo die Lok zum ste­hen kam.)
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▶️ Abb.: Mariazellerbahn im Mostviertel: im Hintergrund der Ötscher, mit 1.893 m der zweit­höchste Berg in Niederösterreich und nördlichster Hochgipfel der Alpen.

Exxpressionistisches: Fake News

»Nirgendwo steht, dass Journalismus und Journalisten das Tor zur Wahrheit, die
Pforte zu den Fakten bewachen sollen.«  (Ex-“Bild“-Chefredakteur J. Reichelt*)

Da unterstellt einer, laut Selbstdarstellung “Bild“-Redakteur sowie Schlauberger, auf Twitter dem ZDF arglistige Bildmanipulation – was daraufhin von anderen Usern und auch vom ZDF selbst als Unsinn erklärt wird, da es sich ganz offensichtlich bloß um einen unbeabsich­tigten Grafikfehler handelt.
Was einen vormaligen Chef vom Dienst des “Wochenblick“ (informelles FPÖ-Zentralorgan & Des­in­formationsprojekt am rechten Rand zur Verbreitung von Verschwörungstheorien und Angstmache) und nun­mehrigen Redakteur des “eXXpress“ (informelles ÖVP-Zentralorgan & Me­dium zur ob­jekti­ven, wahr­heits­getreuen und kritischen Information der Öffentlichkeit) in­dessen nicht da­von abhält, den längst widerlegten Unsinns-Tweet über angebliche Bildfäl­­schung wi­der besseres Wissen zu einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkverschwörungs-Luft­num­mer aufzublasen:

Wider besseres Wissen deswegen, weil nämlich Leserkommentare, welche auf die Widerle­gung der Fälschungsbehauptung hinweisen, unverzüglich wieder gelöscht werden und von der Bildfläche verschwinden. Im Unterschied zu dem Fake News-Artikel über eine gar nicht stattgefundene ZDF-Bildfäl­­schungsaffäre, der steht noch immer da.

Spitzfindiges: Glazialogisches & Geopolitisches

Das Online-Boulevardmedium “eXXpress  für Selberdenker“ gibt bekannt:

Dass die Antarktis mit der Arktis verwechselt wird, kommt bekanntlich öfters vor.
Was auch immer man unter einem Gletscher »vor der Küste« wohl verstehen will – besag­ter Thwaites-Gletscher befindet sich jedenfalls in der Westantarktis und ist ein Gletscher, aber kein Eisberg. Jedenfalls soweit sich das für Selberdenker beurteilen lässt.

Diverser Unsinn kommt freilich mitunter auch in Online-Qualitätsmedien vor, z.B.:

Dass Südgeorgien, wo sich der Nordenskjöld-Gletscher befindet, eine norwegische Insel wä­re, wurde bislang noch nicht bekannt. Sondern ist ein britisches Überseegebiet in der Ant­arktis, auf welches Argentinien Anspruch erhebt. Indessen befindet sich ein gleich­namiger Gletscher auf der norwegischen Insel Spitzbergen, aber die liegt wiederum in der Arktis.

Genug der Spitzfindigkeiten, für heute.

Redigiertes: Unangefochtenes

Im österreichischen Online-Medium “eXXpress  für Selberdenker“ stand in einem Artikel un­ter dem Titel »Kostspielige Kurven: Die teuersten Mautstraßen Europas« zu lesen:

Um als Selberdenker darauf hinzuweisen, dass das Unsinn ist, schrieb ich dar­unter einen Kommen­tar: Der Eurotunnel ist keine Mautstraße. Die Reaktion erfolgte prompt, sozusagen “exx­press“, binnen Minuten erhielt der Artikel (warum auch immer) einen neuen Titel »Ran­king der allerteuersten Mautstraßen: Österreich auf Spitzenplatz«, und der Text wurde redi­giert – nun steht dort zu lesen:

Eines hinterher: Beim Eurotunnel handelt es sich nicht nur um keine Mautstraße im klassi­schen Sinne, sondern um überhaupt keine Straße. Unangefochten. Sondern um einen Eisen­bahntunnel unter dem Ärmelkanal, in welchem u. a. auch Autozüge verkehren.
Es kä­me ja auch niemand auf den Einfall, eine Autofähre über den Är­mel­kanal ebenfalls als »Maut­straße« zu bezeichnen. Weder in klassischem noch sonst einem Sinne.

27. Jänner

Heute verstarb Professor Karl Spiehs (†91), der legendäre österreichische Film­produzent.
Die Liste seiner Filmproduktionen ist schier endlos und großteils Klamauk, be­mer­kens­wert sind in­dessen die zahllosen bizarren Filmtitel, die meistens von Karl Spiehs selbst stammen. Regisseur Otto Retzer sagte einmal, man könne das Publikum einen ganzen Leseabend lang unterhalten indem man lediglich sämtliche Spiehs-Filmtitel der Reihe nach vorliest.
(Aus der Reihe “Filmtitel, bei denen man bedauert, dass sie einem nicht selber eingefallen sind“: »Ein Kaktus ist kein Lutschbonbon«*)

Semantisches: Eingeräumtes

    Die Antwort scheint “eindeutig zu sein“:
    Nur in der “WELT“ widerspricht einer:
    Sondern?
    (Man erkenne den Unterschied zwischen »gelogen« und »die Unwahrheit gesagt«.)

Genug der semantischen Spitzfindigkeiten – jetzt zum eigentlichen Thema, nämlich:

Der Papst hat also gelogen und nun muss er’s zugeben, und allenthalben liest man darüber in den Meldungen die Formulierung:

Räumt ein? Hier stellt sich die Frage, wohin er seine Falschaussage denn ein­­räumt: in eine Schublade etwa oder einen Schrank? Ins Nachtkastl, oder in seinen Ta­ber­nakel?
Man erkenne den semantischen Unterschied zwischen »gibt Lüge zu« und »räumt Falsch­aus­­sa­ge ein«.

Nachgelesenes

Redaktor Hubert Mooser polemisierte in der rechtspopulis­tischen Schweizer “Weltwoche“:

Drei Wochen vorher hätte er allerdings z.B. aus dem “Standard“ erfahren können:

»Die naheliegendste Erklärung ist, dass in Afrika nur ein geringer Teil der Infektionen überhaupt gemeldet wird. Nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird hier nur eine von sieben Ansteckungen tatsächlich den Behörden bekannt, auch die Zahl der Opfer soll in Wahrheit wesentlich höher liegen. In Südafrika weisen die über dem historischen Durchschnitt liegenden „Zusatztoten“ darauf hin, dass drei­mal mehr Menschen an dem Virus sterben, als der Statistik zu entnehmen ist. Dermaßen korrigiert, liegen die afrikanischen Zahlen bereits über dem globalen Mittel.« *)
Die naheliegendste Erklärung auf die Frage des Weltwoche-Redaktors wäre dann halt, dass man in Afrika die Leichen eben nicht zu Bergen zu stapeln, sondern zu beerdi­gen pflegt wie anderswo auch.
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*) (Überdies ist die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung jünger als 17 Jahre, in die­ser Al­ters­­gruppe führt eine Covid-Infektion a priori vergleichsweise seltener zum Tod.)
(Mutmaßlich stecken sich in Afrika auch weniger Leute bei der Après-Ski-Saufgaudi an oder auf Querdenker-Demos.)

Aufmacher der Woche: Royal Clickbaiting

Aus der beliebten Reihe »Clickbait Suspense mit den Royals«
(Auflösungen im Spoiler darunter: 3x anklicken)

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                                   Schwäne sind mit Vogelgrippe infiziert.                                 

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                                           Jemand hat ein Baby gekriegt.                                         

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                      Ein Angestellter hat gekündigt, einer wird entlassen.                   

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                                  Meghan & Harry sitzen auf einer Bank.                                 

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                   Die Queen spricht mit Prinz George, wenn er sie besucht.                 
Clickbait Suspense: ▶️ ▶️ ▶️

18. Jänner: Welttag des Schneemanns

Als Datum für den Welttag des Schneemanns wurde der 18. Jänner gewählt, wobei die 8 sym­­bolisch für die Figur des Schneemanns und die 1 für seinen Stock oder Besen steht.
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In 30 Tagen um die Welt, 58. Tag

.. Cortonwood/Yorkshire: Der Schneemann und der Polizeichef

Am 6. März 1984 begann in Cortonwood in Yorkshire der einjährige bri­­tische Berg­ar­bei­ter­streik, der Miners’ oder Coal Strike von 1984/1985, in dessen Verlauf es wie­der­holt zu heftigen Aus­ein­an­der­setz­un­gen mit der Polizei kam.

Bruce Wilson, einer der strei­ken­den Berg­männer, notierte in seinen 2004 veröffentlichten Tage­buch­auf­zeich­nun­gen eine Episode aus dem bit­ter­kalten Februar 1985:
Nachts hatte es geschneit und einige Streikende hatten, um sich sich auf­zuwärmen, einen großen Schnee­mann gebaut und diesem einen erbeuteten Polizeihelm auf den Kopf gesetzt. Der Polizeichef, Chief Superintendent John Nesbit, wollte derlei despektierliche Obrig­keits­­ver­spot­tung nicht dulden, startete höchstpersönlich einen Streifenwagen Marke Range Ro­ver und fuhr mit Voll­gas auf den Schneemann zu, um ihn zu zerstören. Das Resultat war ein gehöriger Crash samt veri­tab­lem Blechschaden – nämlich am Strei­fen­wa­gen: die Bergleute hatten den Schneemann rund um einen massiven Betonpoller errichtet.
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(Die Episode findet auch Erwähnung in: B. Eckstein, “The History of the Snowman“/2007; so­­wie in dem Song: K. Tomlinson, “The Super and the Snowman“. Überdies scheint sie auch in Form einer Wandersage unterwegs zu sein: hier eine Variante mit Kindern statt Berg­leu­ten.)