Kolumnistisches: Horoskopisches

Da gibt der “taz“-Kolumnist wieder mal ein eindrucksvolles Stück Unsinnsprosa zum Besten:

Aus Anerkennung »zu« – Präposition grammatikalisch unstimmig, aber: geschenkt. Wollen ja keine Grammatik-Noten verteilen.

» „Cherax wagenknechtae“ hat relativ zur Körpermasse große Zangen. Erinnert politisch schon irgendwie an Wagenknecht.«

Nämlich inwiefern? Große Zangen, relativ zur Körpermasse – erinnert »schon irgendwie« an Wagenknecht, politisch: soll was genau bedeuten? Irgendeine Insiderpoin­te, die ver­­ste­hen mag wer will, aber nicht muss? Schmeck’s.

»Der Entdecker erklärte [..], dass ihn die Linken-Politikerin darin inspiriere, „entschlos­sen für eine bessere und fairere Zukunft zu kämpfen“. Deswegen habe er sich für den Namen entschieden. Es existieren schon sonderbare Lebewesen auf dieser Erde.«

Wer von den bei­den soll mit der Feststellung über sonderbare existierende Lebe­wesen denn gemeint sein – der Entdecker oder die Linken-Politikerin? Oder etwa beide? Schmeck’s.

»Der Wäh­le­r*in­nen­schwund der Linken grenzt an ein Naturwunder.«

Definieren Sie den Begriff  »Naturwunder«.

»Dabei ist die Linke an vielen Stellen schon sehr wagenknechtae.«

An vielen Stellen, schon sehr. Geschenkt.

»Es ist also kein Zufall, dass nun ein Krebs nach ihr benannt wurde. Ich habe nachge­schaut: Das Sternzeichen von Sahra Wagenknecht ist der Krebs!«

Da steckt also die Pointe der Kolumne: Wagenknecht, Sternzeichen Krebs, Rufzeichen! Kein Zufall. Hat er nachgeschaut, der Kolum­nist, und endlich wieder mal ein »Ich« in seinem Ko­lum­nen­text untergebracht, man hat es schon vermisst.

»Deswegen folgt nun ein Blick ins Horoskop wagenknechtae: Deine Zangen hast du über­strapaziert.«

Deswegen. Ein Blick ins Horoskop – Krebs, Zangen über­strapaziert. Pointe angekommen?

»Gehe deinen Weg, denn der Krebs lässt sich eh nie auf seinem Weg beirren.«

Wie der “taz“-Sterndeuter zu dieser Behauptung kommt, ist unergründlich: denn genau diese Ei­genschaft wird weder dem echten Krebs noch dem Sternzeichen irgendwo zugeschrieben. Ich habe nachgeschaut. Hat der sich vermutlich selber frei ausgedacht.
Krebsgang: sinnbildliches Wort, um einen Rückschritt oder ein Zurückschreiten zu beschrei­­ben: weil der Krebs nämlich auf seinem Weg häufig rückwärts geht, um zurückzu­weichen. Somit tut er genau das Gegenteil davon, was der Kolumnist mit seiner Schlusspointe behauptet. Geht die zuletzt also auch noch nach hinten los, im Krebsgalopp.
Was für ein sinnloses Stück unsinniges Geschwafel.

4 Kommentare

  1. »Der Entdecker erklärte [..], dass ihn die Linken-Politikerin darin inspiriere, „entschlos­sen für eine bessere und fairere Zukunft zu kämpfen“

    DARIN inspiriere? Ebenfalls unstimmige Präposition, meint wohl: DAZU inspiriere, oder?

  2. Wobei die typische Strandkrabbe ja gern seitwärts davon, nun, krebstänzelt. Seitliche Ausfallschritte sind von zahlreichen Politikern bekannt, von Frau W. weitaus weniger als von manchen Standeskollegen.
    Das einzige, was an dem zugrundeliegenden Sachverhalt fragwürdig ist: Wieso manche Entdecker ihre Viecherl oder was immer sie fanden ausgerechnet nach Politikern benennen wollen. Da können doch die Tiere nichts dafür! Virginia bekankt sich wahrscheinlich heut noch (ich meine das Land selbst, nicht unbedingt seine Einwohner). Bismarck, ebenfalls in den USA gelegen, wird auch nicht durchweg glücklich mit seinem Namen gewesen sein, die haben dort ja eher wenig Heringe. Manches hält auch nicht so recht auf Dauer, siehe diverse Städte auf -grad. Und der arme Hitlerkäfer! – Es gibt doch so viele andere, auch unverfänglichere Möglichkeiten!

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