Idiomatisches

»Ein Bayer wird nie die für ihn völlig abstrakte Bezeichnung “Gott“ gebrauchen,
er sagt stets “Herrgott“.«  (Oskar Maria Graf)

Da produziert der ORF eine Reihe über diverse Schlösser und deren adelige Herrschaften in Österreich unter dem Titel “Herrschaftszeiten!“, welcher garnicht einmal unoriginell wäre – wenn er nicht unsinnig wäre: weil der bairische Ausdruck nämlich gar nicht so heißt (und auch mit “Zeiten“ gar nix zu tun hat), sondern “Herrschaftseiten!“ oder “Herrschaftzeiten!“.

Die etymologische Herleitung der Interjektion “Herrschaftseiten!“ (o. “Herrschaftzeiten!“) als ausdrückliche Un­muts­be­kundung ist ungewiss, möglicherweise aus einer Verglimpfung des gleich­falls gebräuchlichen mundartli­chen Fluchs “Herr­gottzefix“. Nicht unplausibel scheint auch eine phonetische Ver­schleifung (Enklise) der Redensart “Herr, schau auf d’ Seit’n!“, in der Be­deu­tung “Herr[gott], blicke [gnädig] hin­weg [über dieses Unge­mach]!“.

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