Über depperte Lehrer:innen

Zum Glück ist die Geschichte ja glimpflich ausgegangen. Auffällt, dass in sämt­lichen Me­di­en­be­rich­ten darüber ausnahmslos von Lehrern die Rede ist, aber nirgendwo von Lehrer:innen – selbst im “Standard“ nicht, wo sie für gewöhnlich alles gendern, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Wäre also zu vermuten, dass es sich bei den 8 Lehrern tatsächlich ausschließ­lich um Männer handelt, die für diese depperte Aktion Verantwortung tragen. Ob in der Truppe ge­ringere Unvernunft geherrscht hätte, wären auch weibliche Lehrkräfte darunter gewesen, ist al­lerdings nicht zwangsläufig anzunehmen. Weil Lehrerinnen freilich mindestens eben­so dep­pert sein können wie ihre männlichen Kollegen: das ausdrücklich festzustellen, gebietet an dieser Stelle die Geschlech­tergerechtigkeit.
(»Ich habe nichts gegen Lehrer:innen. Einige meiner usw. ..« könnte ich hier anmerken, un­ge­logen: meine Mutter war eine, meine Schwester und meine Tochter sind Lehrerin­nen.)
Mein Bruder ist Lokführer und weiß über einen haarsträubenden Vorfall zu berichten: eine Schülergruppe unter Führung einer Lehrerin war aus seinem Zug ausgestiegen und stiefelte nun weiter vorne den Bahnsteig entlang während er wieder losfuhr. Die Lehrerin aber eilte vor­aus, um sich am Ende des Bahnsteigs wie ein Schü­ler­lot­se mit seitwärts aus­ge­streckten Armen mitten auf dem Gleis aufzupflanzen und die Kinder unmittelbar vor dem be­­reits los­­­fahrenden Zug im Gänsemarsch darüber zu lotsen. Weil sie mit dem Überqueren der Glei­se nicht solange war­ten wollte, bis der Zug vorüber war. Als würde ein heranrollender Eisen­­bahnzug einfach so vor ihrer Nase anhalten wie ein Auto an einem Schutzweg, um Fuß­gän­ger passieren zu lassen. Zum Glück blieben bei der Aktion alle am Leben.

12 Kommentare

  1. Aus der Arbeit mit Lehrerkräften für „Zeitung in der Schule“ kann ich bestätigen: Die meisten verhalten sich nicht so deppert wie ihre Schüler, sondern noch depperter.

  2. Göttinogöttin, bitte reiche mir doch jemand (m/w/d) das SalzstreuerX. 😄 Bin übrigens ein Fan von Hermes Phettbergs Idee, um der Gendergerechtigkeit willen ein Plural-y zu benutzen, also „Lehry und Schülery verirrten sich am Berg“

    1. Gute Idee, das könnte auch so manche amtsartige Mitteilung vereinfachen:
      *)
      »Führerscheinbesitzery«
      (Müsste gendergerecht ja eigentlich »Führer*innenschein« heißen. Oder, nach Phettberg: »Führeryschein« ; )

  3. Mag sein, derdiedas Lehrer (m/w/d) war dieses komische generische Maskottchen oder so… Oder aber, man fürchtete einen Proteststurm, wenn man die eine Quotenlehrerin für alle, die eben auch dabei war, extra erwähnen tät’. Und zum in Bergnot geraten braucht es ja auch nicht viel, um allerdings einen fahrenden Zug ohne gesonderte Ausbildung und Bahnhofsvorstandspfeifchen einfach anhalten zu wollen, schon.
    Mich würde eigentlich der Aufsatz interessieren, den die braven Schulkinder über ihr Erlebnis schreiben mußten!

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