Kategorisches: Über moralische Normen

»Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber moralisch kenn ich mich aus.«
(n. Otto Grünmandl*)

– dozieren Alice Schwarzer und weitere 27 Exeget*innen normativer moralischer Verbind­lichkeit in einem “Offenen Brief“ an Kanzler Scholz, in welchem sie ihn »davor warnen«, durch Waffenlieferungen an die Ukraine »Grenzlinien in den Geboten der politischen Ethik zu übertreten«.
»Moralisch verbindliche Normen sind universaler Natur.« – Was für unsinnige kategorische Behauptung. Welche moralischen Normen gel­ten denn univer­sell, und wer definiert denn überhaupt, welche Normen das wären und wel­che nicht: Frau Schwarzer & ihre 27 Gleichge­sinnten etwa? Oder wer?
In unterschiedlichen Weltgegenden, Kulturen, Gesellschaftsordnungen gelten bekanntlich oft unterschiedli­che moralisch verbindliche Normen: mitunter auch solche, die weder einer Frau Schwarzer noch der Mehrheit in unserem Kulturkreis gefallen mögen – und grad des­wegen eben NICHT uni­ver­saler Natur sind.

10 Kommentare

  1. Frau Schwarzer velwechsert universal mit universell und Natur mit Ursprung. Dem geltenden „Gebot der politischen Ethik“ liegt vielleicht der Rausch der letzten Anti-Vietnam-Demo von vorgestern zugrunde – auch Ikonen sind nicht immun gegen Verkalkung, mit deren Hilfe sie ihre gesammelte Lebenserfahrung, für sie augenscheinlich passend, einmal mehr repetieren.

    1. Zu meinem Leidwesen sah ich mich eben in meiner Meinung über ‚Emma‘ bestätigt und erhöhe auf verblödet. Wer eine verwirrte Alice Schwarzer erleben möchte, welche sich selbst widerspricht und überaus leicht zu verunsichern ist, wenn sie sich abseits ihrer eingefahrenen Gedankenstränge bewegen müßte, könnte das hier. oder auf youtube … „Und dann wird Alice Schwarzer laut…“

  2. Sie verwechselt Moral mit Ethik, Begriffe, die häufig fälschlicherweise synonym benutzt wer­den. Ethik verhält sich zur Moral wie beispielsweise Literaturwissenschaft zur Literatur.
    Selbstverständlich gibt es universale ethische Grundsätze (unveräußerliche Menschenrechte usw.), völlig unabhängig davon, ob es Gesellschaften gibt, in denen sich keiner daran hält.

    1. Ja, aber bei den Taliban gelten eben andere moralische Normen für verbindlich als bei den Zeugen Jehovas, im Vatikan andere als im Kreml oder in Bullerbü oder in Frau Schwarzers Universum – und da will sie einen Kanzler Scholz über die »universale Natur moralisch verbindlicher Normen« belehren. Was für ein Schmarrn.

      1. In einigen afrikanischen Gesellschaften gehört es zur Tradition, jungen Mädchen mit einer Rasierklinge die Klitoris wegzuschneiden. Tja, so ist das halt bei denen? Nein, das ist universal falsch und ethisch universal verwerflich.
        Die universal gleichen Rechte gelten auch für die Bürger der Ukraine, deren Ansichten vielleicht andere sind als die der ukrainischen Regierung. Ob es sinnvoll oder nötig ist, daß Frau Schwarzer den Kanzler daran erinnert – keine Ahnung. Aber schaden kann’s nicht.

  3. Würde der Satz zutreffen, wäre er ein Allgemeinplatz, und er könnte ersatzlos weg. Das kann er jetzt auch, denn er steht in keinem Zusammenhang mit dem zuvor Gesagten. Den offenen Brief begrüße ich trotzdem, denn ich bin entsetzt über die Kriegsgeilheit unserer Medien.

    1. Die Kriegsgeilheit der Medien ist nicht weiter überraschend, die Fußballweltmeisterschaft liegt in ferner Zukunft. Erschreckend finde ich jedoch das Verhalten vieler Deutscher, welche jenem Land, das für ihre eigenen ideellen Werte in einen Kampf gezwungen wurde und diese -ebenfalls gezwungenermaßen- mitträgt, ausreichend Hilfe zur erfolgreichen Selbsthilfe verweigern möchten.

  4. Schwieriges Thema… ich meine nicht die sprachlichen Schwierigkeiten, sondern die Meinungsverschiedenheiten, die dahinterstehen. Ich bin insofern mit Frau Schwarzer, als ich tiefes Misstrauen hege, wenn jemand wie Boris Johnson im Kriegsgebiet den strubbelhaarigen Churchill gibt. Und was die Amerikaner in der Ukraine genau wollen – ich weiss es nicht. Ist die „Freiheit“, die die Ukrainerinnen und Ukrainer verteidigen, ihren entsetzlichen Preis wert? Stimmt es, dass Putin ein panslawischer Imperialist ist? Ich wäre in dieser Frage gerne so sicher, wo ich stehe, wie in der Pandemie. Bin ich aber nicht.

    1. @ Jules van der Ley, @ frau frogg
      Mir geht’s ja nur um diesen dummen Satz, nicht um den Inhalt des Briefes oder die Mei­nung seiner Unterzeichner: indem eine Frau Schwarzer – welche sich in der Kachelmann-Causa als Lohnschreiberin für die Bild-Zeitung/Organ der Niedertracht* hergab, um dem Ge­bot der Unschuldsvermutung die Gültigkeit abzusprechen, oder die Selbstjus­tiz ei­ner misshandelten Frau goutierte, die ihrem Mann aus Rache den Penis ab­schnitt* – mo­ra­li­sche (etwa ihre?) Normen ex cathedra pauschal zu universalen Verbindlichkeiten erklärt.

    2. Sie haben natürlich recht. Einen Freiheitskrieg zu führen um diese zu behalten, kann kein Menschenleben wert sein. Allerdings gilt zu vermuten, daß Millionen Ukrainer im Gulag landen werden. Oder auf der Müllhalde, falls sie ihn nicht führen, siehe diverse Massengräber. Daher frage ich nicht, was ‚die Amerikaner‘ oder Briten von den Ukrainern ‚wollen‘, sondern glaube einfach nicht, daß Putin dem Land Gutes tun will, ich bin ja nicht blind (sehe mir sogar nach 30 Jahren erstmals wieder Nachrichtensendungen an, allerdings ausgewählte) oder einfältig…
      Bitte nicht die Glaubwürdigkeit Ihrer eigenen Naivität übertreiben: Putin will selbstverständlich bloß die Entnazifizierung der Ukraine erreichen und sie stabilisieren, indem er sie ‚entmilitarisiert‘ und dadurch auf die gleiche Abhängigkeitsebene mit Belarus bringt. Unterwerfen will er sie nicht. Danach wird er den bedrängten Russen in Transnistrien zu Hilfe eilen wie den ‚Separatisten‘ im Donbas, die seit 2014 zum Großteil aus russischen Truppenteilen bestehen (Scharfschützen vor allem) und die neu eingesetzte Regierung in Moldau wird gegen die Stationierung russischer Truppen kaum etwas einzuwenden haben, eine schlagkräftige eigene Armee besitzt sie selbst ja nicht. ‚Besetzt‘ ist die Republik Moldau dann ja nicht und kommt Zeit, kommt auch ein Referendum, bei dem man für ein eindeutiges Ergebnis im Vorhinein sorgt.
      Putin will sein Reich kaum gewaltsam erweitern. Die in der Ukraine auf Panzern zum Teil geführte Flagge der Sowjetunion bzw des Russischen Imperiums sind keinesfalls Indizien dafür und die Besetzung der Krim erfolgte vermutlich unter dem leicht nachvollziehbaren Gesichtspunkt, daß Sewastopol eben stets der Stützpunkt der sowjetischen Schwarzmeerflotte war, ein bißchen Hinterland braucht man natürlich und die Zeit war günstig, war dies doch vor der Maidan-Revolution (falls Sie deren Bedeutung kennen). Die Ukrainer hätten bestimmt zum Baden an die Küste kommen dürfen.

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