29. April – Rapidité, rapidité!

Heute vor 123 Jahren, am 29. April 1899, gelang es dem belgischen Automobilkonstrukteur und Rennfahrer Camille Jenatzy (1868-1913), der aufgrund seines roten Bartes und sei­nes verwegenen Fahrstils “Le Diable rouge“ (= der “Rote Teufel“) genannt wurde *), erstmals mit ei­nem Landfahrzeug den Geschwindigkeitsweltrekord von mehr als 100 km/h zu erreichen. Hätten Sie gedacht, dass das seinerzeit schnellste Automobil der Welt einen Elektroantrieb hatte:


Camille Jenatzy im Rekordelektromobil La Jamais Contente, 1899

Jenatzys Eigenkonstruktion namens “La Jamais Contente“ (= “Die nie Zufriedene“) wog, obwohl aus einer Leichtmetalllegierung aus Aluminium, Magnesium und Wolfram angefertigt, beinahe eineinhalb Tonnen. Erkenntnisse über aerodynamisch günstigere Stromlinienformen wurden erst in den folgenden Jahrzehnten gewonnen, daher wurde die Karosserie vorne torpedoförmig spitz zulaufend anstatt tropfenförmig konstruiert. Das freiliegende Fahrwerk und inbesondere die herausragende Sitzposition des Fahrers bewirkten massiven Luftwiderstand, sonst wäre gewiss ein noch höheres Tempo möglich gewesen.
Drei Jahre später wurde der Geschwindigkeitsrekord für Landfahrzeuge von Léon Serpollet (dem übrigens wegen zu schnellen Fahrens seine Fahrerlaubnis entzogen worden war) mit mehr als 120 km/h übertroffen, mit seinem dampfbetriebenen (!) Automobil namens “Œuf de Pâques“ (= “Osterei“) – welches allerdings mit einem Ei wenig Ähnlichkeit aufwies:


Léon Serpollet im Rekorddampfmobil Œuf de Pâques, 1902

*) Beim einem Automobilrennen am 17. Juni 1904 in Homburg/Deutschland belegte Camille Jenatzy den zweiten Platz, wobei er allerdings großes Glück hatte, als ihn bei der Fahrt über einen Bahnübergang ein Zug nur um Zentimeter verfehlte. Am 8. Dezember 1913 aber kam Jenatzy als Spaziergänger bei einem Waldausflug ums Leben, als ihm sein Talent, Tiergeräu­sche nachzuahmen, zum Verhängnis wurde: ein Jäger (Alfred Madoux, Direktor des Journals “L’Etoile Belge“) verwechselte ihn darob mit einem Rehbock und erschoss ihn irrtümlich.  ▶️

7 Kommentare

  1. Man staune – c’est remarquable!
    Welch ein voiture – und auch so schnell!
    100 fuhr es – welch vitesse!
    Zu schnell für jede Politesse.

  2. Merk’ auf! Gehst du im Wald spazieren,
    tu keinen Rehbock imitieren
    und nicht als Jagdwild dich gerieren:
    Rasch führt solch eine Finte
    dich vor des Jägers Flinte.

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