Apotheotisches

Wenn einer, der es binnen vierjähriger Amtszeit als Lügenkanzler 2.0 zuwege brachte, mit skrupellosen in­triganten Machenschaften, Korruption und Klüngelpolitik sein Land auf das Niveau einer Bana­nen­republik zugrunde zu regieren – wenn so einer zu sei­nem er­zwun­ge­­nen Abtritt von einer älteren Parteikollegin solch eine Huldigungsnachrede hin­ter­­her­­ge­lob­hudelt kriegt:

»Beeindruckend und ehrlich, das muss ihm erst jemand nachmachen, eine beeindru­ckende zehnjäh­rige politische Karriere, eine enorme Leistung, in diesen zehn Jahren sehr viel zustande gebracht, hohes Ansehen genossen, sehr offen und fair, sehr reif und nicht egomanisch, sehr jung, sehr fähig, sehr kompetent, undsoweiter blabla ..«  (ORF)

.. dann muss man sich ernsthaft fragen, was mit der Frau los ist: Von wem spricht die bitte? Hat sie vergessen ihre Medikamente einzunehmen? Oder hat sie die letzten vier Jahre in ei­nem Schrank gelebt?
Glatt schlecht werden könnt’ einem von dem Lobhudelgesülze beim Zuhören. Zum Speiben.

12 Kommentare

  1. Die Medaille hat natürlich doch wieder zwei Seiten. Man könnte das in Bezug auf Herrn Kurz so zusammenfassen: Gut regieren konnte er schlecht. Aber schlecht regieren konnte er gut.

    1. Aber zum Glück hat er jetzt nicht mehr die nötigen 100% Lust auf Politik. Wahrscheinlich weil die anderen alle so fies zu ihm waren, da mag er nicht mehr mitspielen. Ein Segen für Österreich, solange die Lücke nicht wieder von so einem Schlangenölverkäufer gefüllt wird.

  2. Wegen seines Babys hört er auf, und sein Kumpel tut es ihm gleich. Ich bin erstaunt, mit welcher Dreistigkeit die in die Kameras hineinlügen, wo sie doch wissen, daß ausnahmslos jeder weiß, daß das nicht stimmt. Naivität oder ein Zeichen moralischer Verwahrlosung?

    1. Als ».. nicht integer; perfide; moralisch verludert; verlogen, von der privaten Lebens­füh­rung bis zur Inszenierung des Kanzleramts« charakterisiert sein ehemaliger Berater ei­nen Kurz und dessen »Clique von Typen«. Und dann säuselt der in seiner Abtrittsrede mit drei­ster Unverfrorenheit daher, Originalzitat:

        »Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen meinem Land gedient.«

      Sagt ausgerechnet einer, der ohne jegliche Rücksichtnahme auf das Fortkommen sei­nes Lan­des ausschließlich persönliche Interessen und Vorteilsgewinne anstrebte. Und dann kriegt so einer von seiner Parteikollegin zum Abschied noch solches unfassbare Lobgehu­del in den Ar*** geblasen, wie oben dargestellt. Man möchte wahrhaft kotzen, wenn man sich das anhört.
      »Sebastian Kurz: Kleingeist mit großem Ego« bringt es die Süddeutsche auf den Punkt: »Politik wurde unter ihm zum Selbstzweck und zur Selbstbedienung.«

  3. Bewunderung wurde schon vielen Politikern zuteil, gerade auch österreichischen. Darunter, fraglos, echte, leidenschaftliche Bewunderung, Verblendung genannt.
    Doch neige ich hier zu einer Unterstellung: haben wir es nicht eher mit Neusprech zu tun? Mit orwellesker Karikatur der Bedeutungsinhalte? Man bedenke: wir leben in dem Zeitalter, in dem Gutmensch ein Schimpfwort ist. Böser Mensch folgerichtig ein Lob.

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