Feuilletonistisches

»Eine Welle der Humorlosigkeit sieht Konrad Adam über das Land schwappen und klagt in der NZZ, dass politisch korrekt gedrillte Sprachbeamte den Witz verbieten wollen.« *)

So steht’s in der Überschrift zu einem Artikel im Feuilleton der “Neuen Zürcher Zeitung“.
Der Artikel ist durchaus interessant und kurzweilig zu lesen, aber was der Feuilletonist mit seiner Behauptung in der Überschrift und darunter in der Textstelle –

– eigentlich meint, geht daraus nicht hervor. Witzverbot, Lachverbot – worum geht’s da? Ver­steh ich nicht. Oder gibt’s in der Schweiz grad aktuelle Diskussionen um dieses Thema? Goo­geln macht darüber nicht schlauer. Worauf bezieht sich diese Aussage?

Ob vielleicht jemand unter den p.t. Schweizer LeserInnen hierüber Aufklärung ver­schaffen kann?

8 Kommentare

  1. Nein, leider kann ich nicht weiterhelfen.
    Mir ist nichts von einer Kontroverse oder Anti-Witz-Kampagne bekannt.
    Ein Hoch also auf die Witzkultur meinerseits!

    „Hast du was zu trinken?“
    „Wasser.“
    „Was härteres?“
    „Eis?“

  2. Als Schweizerin weiß ich, dass die Schweizer an sich nicht zu den Allerlustigsten gehören. In der Schweiz wird nämlich gearbeitet, nicht gelacht. Das Witzverbot ist ja eine Antwort auf die vielen Empfindlichkeiten der queer- (das darf man ja eigentlich auch nicht mehr sagen) Gruppen, nehme ich an.

  3. Auf Google findet sich aber der Suchtreffer:
    „Deutsche Spiessbürger: Der gute Witz ist gefährdet – NZZ“
    und lautet auch so im Seitentitel und der Internetadresse des verlinkten NZZ-Artikels:
    „nzz.ch/feuilleton/deutsche-spiessbuerger-der-gute-witz-ist-gefaehrdet-…“
    Stand also ur­sprüng­lich so in der Original-Überschriftzeile und bezieht sich also gar nicht auf die Schweiz (?)

    1. Danke für den Nachweis, das macht die Sache nicht weniger rätselhaft.
      (Tatsächlich ist der Feuilletonist selber Deutscher & ehemaliger Politiker der AfD – fragt sich also, wen der mit “unseren [..] Sprachbeamten“ überhaupt meint? Vielleicht eh gar keine Schweizer?)

  4. Ich hab gehört, dass der Schweizer über einen Witz dreimal lachen kann. Wenn man ihn ihm erzählt, wenn man ihn ihm erklärt hat und wenn er ihn verstanden hat. *duckmichundweg*

  5. Nachdem diese im Kommentar erwähnte Partei so fleißig aus der Schweiz gefördert wird, könnten Zusammenhänge bestehen. Insbesondere im Haß auf Minderheiten und frechgewordene Rockträgerinnen (also nicht unbedingt eine Minderheit) könnte es Übereinstimmungen geben.
    Das doofe ist: ich würde auch lieber frei von der Leber weg reden, Witze machen, und weiß auch, dass die Sprachpolizei lauert. Eigentlich sollte sich sogar – aber ich habe noch keine Methode gefunden, einen Satz dann noch flüssig erscheinen zu lassen – gendern. Was immer das eigentlich ist.
    Schon Reinhard Mey erkannte das Problem in seiner „Annabelle.“ Der Progessive verkneift sich das Lachen und „schreitet ernst einher.“ Allerdings hatte das Lied auch Auswirkungen auf die Qualität seiner Lieder, sie wurden seither nicht besser, ich finde immer noch, dass seine frühen bereits die Spitze seiner Produkte darstellen.
    Das Problem bleibt: der Witz ist ja gar nicht verboten worden! Der gemeine, jemanden Beschädigende wird in den entsprechenden Kreisen weiter kursieren, an jedem Stammtisch. Der hinterlistige, der den eigentlichen Täter entlarvt – wird von beiden Seiten nicht verstanden. Und zwar nicht aus Dummheit, sondern aus Böswilligkeit!
    Wie entkommt man dem? Nun, vielleicht… einfach weiter lachen und den Shitstorm aushalten (äh, ja, so politisch wollte ich gar nicht werden. Frau B. aus D. könnte hier noch was lernen und vielleicht auch, wenn auch etwas Anderes, der Herr L. Oder gar der Herr aus Hamburg, der gar nicht zu lachen scheint!). Es heißt normalerweise Shitstorm. Also mehr als Scheiße kann da ja nicht… Waschen, fertig.
    Anders jene, die sich beklagen: wenn sie einen Witz nicht mögen kommen unter Umständen gleich Brandstifter und Mörder vorbei. Das ist nicht sehr lustig. Aber jeder lacht über etwas anderes.

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