Schwurbelschwatz der Woche: Genderingmanieristisches

»Wortwiederholungen im Text sind zu vermeiden!« bleute uns Herr Oberlehrer dereinst im Deutschunterricht ein, wenn es einen Aufsatz zu schreiben galt: »Wer sich an diese Regel nicht hält, schreibt keine ordentlichen Texte und wird es mit Schreiben nicht weit bringen.«

(Der kleine Willi aber hatte im Unterricht nicht aufgepasst und hielt sich nicht an diese Re­gel, darum schrieb er keine ordentlichen Texte, z.B.:
    »Ein Pferd! Ein Pferd! Mein Königreich für ein Pferd!«
Wortwiederholungen im Text! Kein Wunder dass es der kleine Willi mit Schreiben nicht weit brachte.)

Beim SPIEGEL hält man sich bekanntlich unerbittlich daran und macht es artig vor –

*

– und darum heißt dort etwa ein Bundestrainer im Text kein zweites­mal hintereinander »Bundestrainer« sondern »Fußball-Lehrer«, und Öster­reich nicht »Österreich« sondern »die Al­penrepublik«, »der Alpenstaat«, oder originel­lerweise gar »der Bergstaat«.
(Klar gibts in Österreich auch Berge, ihr Heinis, möchte man ausrufen, es gibt auch Kirchen: ist Österreich deswegen »der Kirchenstaat«? In Deutschland gibts Inseln, ist Deutschland des­­wegen ein »Inselstaat«?)

Die Gendersternsinger*innen von “Pinkstinks – Magazin, Kampagnenbüro und Bildungsor­ganisation gegen Sexismus“ bringen es indessen zuwege, in einem Artikel über »Männer, die sexistisch über Frauen reden« Wortwiederholungen konsequent zu vermeiden, indem sie »Männer« bzw. »Frauen« alternierend durch die Begriffskonstrukte »maskuline Perso­nen«, »mas­kuline Menschen« bzw. »feminine Personen«, »feminine Men­schen« oder »weiblich ge­­lesene Menschen« ersetzen: genderingmanieristischer Schwur­bel­schwatz in schönster Blüte!

(Männlich gelesene Menschen werden dort hingegen nicht angeführt – bloßes Versehen, oder womöglich ein Fall von geschlechtsspezifischer Diskriminierung?)

12 Kommentare

  1. @„weiblich bzw. männlich gelesene Menschen“:
    Nicht zu verwechseln mit Transgender-Personen, die sind
    „weiblich bzw. männlich gewesene Menschen“

      1. Es beruhigt mich, dass auch Oberlehrer nicht unfehlbar sind. ;) Seit ich mit Elektroroller und Drohnen unterwegs bin, treffe ich unzählige Oberlehrer – vor allem „ehrenamtliche“.

  2. Warum denn nicht ein wenig Varianz im Ausdruck? Es kann ja auch von ein wenig Sprachsensibilität zeugen, wenn man/frau (pardon, darf man das hier eigentlich?) sich nicht ständig plump wiederholt. Und sollte man denn nicht unterscheiden zwischen Wortwiederholung als stilistischem Mittel und stilistischem Unvermögen? Im Wesentlichen heisst Manierismus doch wohl nichts anderes als die persönliche Handschrift eines Autors. Wollen wir die der Plumpheit der Alltagssprache unterwerfen?

    1. Ja, aber man/frau ;) kanns auch übertreiben: Frauen und Männer nicht als Frauen und Männer, sondern als »feminine/maskuline Menschen/Personen« zu be­zeich­nen halte ich doch eher für reichlich manieriertes Geschwurbel und kann auch nicht erkennen, in wel­cher Weise das einer (auf “Pinkstinks“ dort mit zweifellos löblicher In­ten­tion be­trie­be­nen) »Kampagne gegen Sexismus« förderlich sein soll?

  3. „weiblich gelesene Menschen“, allen Ernstes? Ich bin eine Anhängerin des Genderns, aber diese blödsinnigen Konstrukte dienen der Sache wirklich nicht …

    1. Auch die Organisation WECF listet unter dem Titel »Sprache verstehen« allerlei bizarre Konstrukte zum Nutzen einer »gendergerechten Sprache« auf, deren Nutzen für eine gen­dergerechte Sprache sich allerdings nur schwer erkennen lässt:

        »LGBTQI* steht für Lesben, Gay, Bisexuell, Trans, Qeer, Inter, * und schließt so­mit auch nicht heterosexuelle Cis-Männer mit ein. FLINT* steht für Frauen, Les­ben, In­ter, Non-Binary, Trans,* und ist der Versuch einen Ausdruck für eine Per­so­nen­gruppe zu finden, die nicht cis-männlich ist.«
      1. Irgendwo gehört auch noch ein A dazu für Asexuelle, aber aus wohl ziemlich einleuchtenden Gründen kann ich mir nicht merken, an welche der vielen äh …. hochspezialisierten Abkürzungen dieses A angehängt werden soll.
        Mich würde ja interessieren, was Menschen, die unter einen der Buchstaben fallen von der ganzen Sache halten …

      2. @„gendergerechte Sprache“, @„Genderstern*singerei“ – ebendort (WECF):

        Frau* steht für alle Menschen, die sich als Frau bezeichnen (usw.). Das Pendant dazu ist Mann*.“

        „Frau* plus Genderstern“: nicht zu verwechseln mit „Frau“. Das Pendant dazu ist „Mann“: nicht zu verwechseln mit „Mann* plus Genderstern“…

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