Sozialkonstruktives

(SPIEGEL-Kolumne von Samira El Ouassil)

Die Erkenntnis, dass mein Geschlecht (m.) ein soziales Konstrukt ist, ist mir allerdings neu.
(Soll heißen, meine Y-Gonosomen wurden mir weiland an­so­zi­a­li­siert, indem mir die Mut­ter blaue statt rosa Baby­klei­dung anzog?)

8 Kommentare

  1. Ja, ja …. und dass Du mit einer tieferen Stimme sprichst als die meisten Frauen (davon gehe ich jetzt mal einfach aus), liegt auch nur daran, dass die Erwachsenen schon das Baby im Kinderwagen mit tieferer Stimme ansprechen, wenn es ein Junge ist. Auch so ein Quatsch! – Wobei, …. Das mit der Stimme nicht total aus der schwingenden Luft gegriffen ist. Wie man spricht (und jetzt meine ich nicht die Sprache), hat tatsächlich viel mit Nachahmung zu tun. In den Anfängen des Tonfilms durften Schauspieler nicht mit zu tiefer Stimme sprechen. Das machte technisch Probleme. Sie mussten sich so eine Art Falsett antrainieren. Die Folge – da Schauspieler ja auch Vorbilder sind oder als solche genommen werden: Die Männer sprachen damals höher als heute. Aber ansonsten: Ich habe Enkelbuben und Enkelmädchen und der Unterschied ist evident und kann keinesfalls nur eine Folge der „Sozialisierung“ sein.

    1. Gewiss meint Frau El Ouassil*) (deren kluge Kolumnen* im allgemeinen durchaus lesens­wert sind) mit ihrem Postulat das grammatische Geschlecht: sie nennts im Text ja auch »das richtige Pronomen«. Aber die Formulierung »Gender und Geschlecht« wären soziale Kon­strukte, ist natürlich Blödsinn. So wie es in dem monierten Satz dasteht, muss der/die Leser/in freilich annehmen das biologische Geschlecht wäre gemeint.
      *) (müsste sie korrekt gegendert nicht Frau La Ouassil heißen? ; )

      1. Ich verweigere mich dem Gendern ja üblicherweise. Es verhunzt den Text. Selten wirft man mir das vor. Man entschuldigt es vielleicht mit meinem Alter. Wäre ich ein Mann dagegen, würde man mir wohl die Leviten lesen. – Elke Heidenreich (ich meine, die war es) hat mal gesagt: „Liebe Hörerinnen und Hörer an den Radiogeräten und -gerätinnen, …“ Und niemand hat es gemerkt.

  2. Also, wenn man in Platos Höhle sitzt (oder war es Sokrates’ Fass?), ist alles ein Konstrukt, sogar das Soziale selbst. Insofern alles in Ordnung beim Spiegel.

  3. Man glaubt fürwahr, man liest nicht recht:
    Kommt denn ein Junge auf die Welt
    mit einem Schwänzlein, das nicht zählt
    als Kennzeichen für sein Geschlecht?
    Hätt’ Frau El Ouassil nicht gelogen,
    wird dieses ihm erst anerzogen
    als soziale Konstruktion?!
    Jetzt mal im Ernst: wer glaubt das schon?

    1. Ein Irrglaube war es wohl nur:
      mein Schwänzlein gab mir die Natur,
      so glaubt’ ich Einfaltstropf bisher.
      Indes hab’ ich mich wohl geirrt:
      mein Pullermännlein ward vielmehr
      sozial mir erst ankonstruiert!

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