Experten (III)

Ab heute gilt in Deutschland ein neuer Bußgeldkatalog mit höheren Strafen für Autoraser und andere Verkehrsgefährder: dabei gehe es darum, den Verkehr insbesondere für Kinder, Fußgänger und Radfahrer sicherer zu machen, erklärt Verkehrsminister Scheuer. Darüber »hagelt es jetzt deftige Kritik«, wie BILD behauptet.

Woher über höhere Strafen für Verkehrsgefährder, um schwächere Verkehrsteilnehmer besser vor diesen zu schützen, überhaupt Kritik lautwerden sollte, lässt sich ja schon schwerlich nachvollziehen – von woher überall mag die Kritik jetzt gar »hageln«?
BILD listet auf:

  • Der FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic findet höhere Bußgelder “praxisfern und überzogen“.
  • Der Verein Mobil in Deutschland nennt die Novelle eine “Führerschein-Ver­nich­tungs­ma­schine“.

Und, weiter? Nix weiter, das wars schon: Ende der Aufzählung. Das versteht man bei BILD unter »hageln«: ein obskurer Verein gegen Tempolimits*, und ein FDP-Verkehrsexperte. (Studierter Politikwissen- & Volkswirtschaftler – was den konkret als »Verkehrsexperten« qualifiziert, steht wiederum auf einem anderen Blatt.)

  • »Fakt ist: Trotz der seit Jahrzehnten sinkenden Zahl der Verkehrstoten werden immer höhere Bußgelder erhoben« –

– weiß BILD weiters zu berichten, was offenbar die »hagelnde« Kritik an den höheren Buß­geldern rechtfertigen soll. Welch widersinnige Behauptung! Nicht trotz der sinkenden Zahl der Verkehrstoten werden immer höhere Bußgelder erhoben, sondern wegen der immer höheren Bußgelder sinkt die Zahl der Verkehrstoten!

Herr, lass Hirn vom Himmel hageln! sagt eine Redensart, aber das gäbe wohl eine ziemliche Sauerei auf den Straßen.

4 Kommentare

  1. Ohne sich immer „am Ausland“ orientieren zu wollen könnte man trotzdem anmerken, dass rasen, drängeln, falschparken und überhaupt andere im Straßenverkehr gefährden in Deutschland immer noch vergleichsweise billig ist. Die sollen bloß nicht zu laut jammern, sondern sich die skandinavischen Bußgeldkataloge anschauen oder auch den der Schweiz. Und ob die hübschen neuen Vorgaben auch durchgesetzt werden, ist fraglich. Bisher konnte man ja auch relativ beruhigt auf Fahrradstreifen, Fußwegen und an Ecken parken, Fahrradfahrer knapp überholen usw.

    Deutschland ist immer noch Auto-Darf-Alles-Land…

  2. Ich, Autofahrerin und darum Expertin in Sachen Bußgelder, kommentiere die neuerlichen Erhöhungen so: Wer sich an die Verkehrsregeln hält, darf seinen Führerschein behalten. So schlecht kann die Regelung also nicht sein ;-)
    (Meiner Tochter habe ich allerdings schon geraten, auf ein Fahrrad zu sparen ;-) )

  3. Und dabei fiel mir auf, als bekennender Immermalwiederradler (oder Schönwetterradler), dass auf jeden Fall die Bußgelder für Fahrradfahrer erhöht werden! (z.B. für das unerlaubte Befahren von Gehwegen, was ich stellenweise immer mal an unserem Steilhang mache, in dessen Kurve es ein Hobby der Golf GTI und 3-er BMW ist, sportlich am beinahe stehenden Fahrradfahrer vorbeizudüsen, das heißt bekanntlich: jeder cm ist einer zuviel). Warum Gehweg? Nun, die schmale (kein Mittelstreifen, viel zu schmal) und unübersichtliche Straße, 18% nebenbei, ist gleichzeitig offizieller Radweg und somit eine üble Zumutung. 40 ist erlaubt, hihi. Ach ja, über die Bundesstraße könnte man auch noch – für Lebensmüde…

    Aber meine Sicherheit steigt natürlich, wenn ich ein höheres Bußgeld zahlen muß. Da, wo nur Grünzeug – also bekanntlich eh zu betonierendes Bäh – steht, werden sogar Fahrradwege gebaut. Mit Haltegebot an Einmündungen! Käme ja nicht in Frage, wie die Autos an der schönen Hauptstraße, an denen dieser Weg entlangführt, Vorfahrt vor diesen zu haben! Nein, es bleibt, anders vielleicht als in größeren Städten, beim Autoland.

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