Herbstbildliches

 (Salzburger Nachrichten)

Herbstbild
(nach Friedrich Hebbel *)

»Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Blätter ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!« –
Doch ach!, des Dichters Wunsch bleibt unerhört,
von kurzer Dauer ist die Stille nur
und garstig wird sie alsobald gestört:

Stadtreinigungsschergen treten, oh Graus!,
gnadenlos auf mit lautem Getöse,
und machen der Stille grob den Garaus
mit motorisiertem Laubföhngebläse.


»Denn ein leiser Laubbläser… Das ergibt keinen Sinn. Dann könnte man das Laub ja genau so gut zusammenkehren und mit der Schippe aufsammeln.« (Mario Thurnes)
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(angeregt durch Kollege Trithemius)

7 Kommentare

    • Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
      mit Laubbläsern, um mit Gewalt den
      Hunde- und den Vogelschitt,
      Gekreuch, Gefleuch, Gewürm, Gebrüt,
      Kippen, Laub und Dreck vom Rasen
      feinverstaubt hinweg zu blasen
      in des Herbstes Luft hinein.
      (Es fragt der Mensch sich: muss das sein?)
    1. Der Laubbläser bläst nicht nur Laub
      vom Boden in die Luft: auch Staub,
      Insekten, Ameisen, Termiten,
      Spinnen, Läuse, Parasiten,
      Larven, Pilze, Pollen, Sporen
      bläst der Welt er um die Ohren.
      Beim Dreckaufwirbeln, wie ihr seht,
      besteht nun mal Diversität.

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