18. Oktober: »Männer, die auf Krädern grüßen«

Der ÖAMTC ist als Nachfolgeverein des Oesterreichischen Automobil-Club einer der ältesten und heute mit über zwei Millionen Mitglieder der siebentgrößte Auto­mobilclub der Welt.

Heute vor 64 Jahren, am 18. Oktober 1954, er­folgte die erstmalige Ausfahrt der ÖAMTC-Pan­nen­hilfefahrer, auf Mo­tor­rad-Bei­wa­gengespannen worin sie ihr Werkzeug mit sich führten. Auslösend für die Idee zur Gründung eines mo­to­ri­sier­ten Pan­nen­diens­tes war damals ein Fischhändler, der seine Ware im Bei­wagen eines alten Krads auslieferte und an einem heißen Sommertag, um Hilfe an­su­chend, zu Fuß zur Club­werk­statt kam. Sein Motorrad hatte unterwegs ge­streikt und der Fisch­transport drohte in der Hitze zu ver­der­ben. Also machte sich ein Clubmechaniker mit seinem Pri­vat­auto­mo­bil auf den Weg, und es gelang das liegengebliebene Mo­tor­rad des Fisch­händ­lers wieder flott­zu­machen.

Zu den allerersten Pannenhilfefahrern, die wegen ihres »fliegenden« Re­pa­ra­tur­diens­tes so­wie der gelben Lackierung ihrer Fahrzeuge bald »Gelbe Engel« genannt wurden, gehörte dazu­­mals auch mein Schwiegervater, der beim ÖAMTC eine Lehre zum Auto­mo­bil-Me­cha­ni­ker ge­macht hatte. Einmal führte ihn sein Beruf zu einem Gastspiel in der Film­branche.

Die ÖAMTC-Pannenfahrer patrouillier­ten anfangs auf fixen Routen auf den meist­be­fah­re­nen Bun­des­straßen hin & her (damals gab es in Österreich noch keine Autobahn) und hielten Aus­schau nach Automobilisten, die zufällig irgendwo mit einer Panne liegengeblieben waren. War kein solcher anzutreffen, stell­ten sie sich irgendwo entlang der Strecke in gut sichtbarer War­te­po­si­tion auf und warteten darauf, ob zufällig einer vorbeikam, der ihnen mit­teil­te dass er zu­fällig einen an­ge­troffen hätte, der irgendwo mit einer Panne liegengeblieben war.
Weiters hatten die Pannenfahrer die strikte Order, jeden, wiederhole: jeden vorüberfah­ren­den Autofahrer durch Salutieren zu grüßen, wie der Schwiegervater hier auf dem Foto de­mon­striert.
Freilich fuhren dazumals in einer Stunde grad soviel Autos vorüber wie heute in einer Minute. Man stelle sich vor, einer müsse heutzutags an einer Hauptverkehrsstraße jedem vor­bei­fah­ren­den Autofahrer salutieren – der täte wohl einen gehörigen Krampf im Arm kriegen ;)

Ab 1959 wurden die Beiwagen-Motorräder sukzessive außer Dienst gestellt und durch vier­räd­ri­ge Pannenhilfe-Fahrzeuge ersetzt: Steyr-Puch 500, die le­gen­dä­ren gelben »Renn­sem­meln«. (Mein Schwiegervater nannte sie »Regen­pe­le­ri­ne mit Rädern«.)

7 Kommentare

  1. Jessas, waren das doch hehre Zeiten,
    als die Engel noch mit Wagen-Seiten
    an der Strasse Ausschau hielten
    und nach Pannenopfern schielten…

  2. als ich das liebend Weib Mitte der 70er kennenlernte, begeisterte mich ihr blassbeiger 500er, diese handgemachte Kaisersemmel machte demütig durch ihre Macken wie minimale Bremswirkung – und die erst nach mehrmaligem Pumpen -, jährliches Entrosten der Handbremse fürs Pickerl und die absolut überlebensnotwendige, weit vorausschauende Fahrweise auf Autobahnen und Steigungen

  3. Ja, das waren noch Zeiten ;) Als man noch bei jeder Tank­stelle Ersatz-Keilriemen kriegte und ab­ge­rissene selber auswechseln konnte, sofern man Gabelschlüssel oder Rohrzange dabei­hatte. Wir lernten übrigens in der Fahrschule noch den Uralt-Schmäh, dass man im Pannen­fall eines Keilriemenrisses der Beifahrerin die Ny­lon­strumpfhose ausziehen und behelfswei­se als Er­satz verwenden kann, kein Witz. (Haben Sie gewusst, dass der Tacho im 500er-Puch bis Bj. 1968 spiegel­ver­kehrt = gegen den Uhrzeigersinn anzeigte:)

    1. Der Tacho, latürnich. Ans Baujahr kann ich mich nicht erinnern, muß aber nach der Durchrostung des Bodens vor 1960 gewesen sein. Die Türen mußte ich zubinden, da sie bei leicht holpriger Straße, die praktisch überall vorhanden war, zu selbstöffnenden wurden: was im Hinblick darauf, daß sie an der B-Säule angeschlagen waren, unangenehm war und bis zum Verlust selbiger führen konnte. Das Fezzndach kam der Benutzbarkeit des Wägelchens, um zB auf einen Kaffee nach Salzburg zu düsen, sehr entgegen.
      Das Ding mit der Strumpfhose mußte ich auch einmal ausprobieren. Leider hatte die Beifahrerin keine an und die Unterhose alleine war zu kurz, selbst als ich sie mit meiner zusammenknüpfte. Seitdem hatte ich im Sommer immer einen Keilriemen dabei, wenn ich mit einem Käfig unterwegs war. Das war aber eher nur dann der Fall, wenn ich gerade in eine Bürgerstochter verliebt war.
      Toll, der Bericht über die Gelben Engel. Die Beiwagenmaschinen waren übrigens Puch 250 SG(S) mit knapp unter oder über 20 PS, je nachdem mit einem oder 2 Versagern. Sie wurden auch, mit anderem Aufbau, beim Apotheken-„Eildienst“ eingesetzt. Als die Engel auf die ersten Kombis umsteigen durften (es waren auch Puch 700 im Einsatz), waren sie sicher froh, nicht mehr um jeden Schraubenzieher nach innen kriechen zu müssen.
      Daß sie suchen/patrouillieren mußten, um ev. Liegengebliebene zu finden bzw die Stille Post gang und gäbe war, weil es nichtmal ordentliche Telefonverbindungen gab geschweige denn Wegwischer, dürfte ein ziemlicher Aha-Effekt für Kids sein – sofern sie sich dafür interessieren.

      1. Richtig – die ‚Herba‘ war es mit dem Eildienst … ;-)
        Es ist zwar ein Fiat 500 (Emblem), der einen Paralleltwin-Motor hatte anstelle des Boxers, aber die Karosserie war gleich. Nach der Haltbarkeit des Bleches könnten die Italiener diese auch für den Puch 500 hergestellt haben…

  4. originell der Tacho, net woar? Meine italophile Frau fuhr als cand.a rer.soc.oec. nacheinander Fiat 1100, Alfa Giulia und eben den Fiat Ableger von Steyr-Puch, sie war absolut versiert im Pannenbeheben, weil z.B. der 1100 bei jedem Regenguss zwecks Zündverteilertrockenlegung einen Zwangsstopp verursachte, diese üble Kiste verbrauchte zum 88 Oktan Sprit auch noch zusätzlich 2 l Öl auf 100 km, sodass der Tankwart jedes Mal über das „Itakermoped“ lästerte……und ja, der Strumpfhosenschmäh blieb ihr erspart, dafür rettete sie einst ein mutiger Busfahrer mit seinem Feuerlöscher, als der andere „Schmäh“, nämlich mit einer alten Decke den Vollbrand zu löschen, eher brandschleunigend wirkte……..unser erstes gemeinsames Auto war dann einer der frühen Golf GTis im Lande, eine echte Rennsemmel mit 110 PS bei einem Kampfgewicht von knapp einer Tonne, gut genug für Wien – Saloniki in knappen 10 Stunden, aber auf irren Autoputabschnitten mit Ochsengespannen und brüchigen Landstraßen

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