16. September

»Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist.«
(Friedrich Torberg, “Die Tante Jolesch“)
.

Heute vor 110 Jahren wurde der große Friedrich Torberg (1908-1979) geboren. Wenn man allenthalben in der Zeitung liest, wie die Leute landauf landab unentwegt vom Glück verfolgt werden, so erinnert das an seine Tante Jolesch:
Als sich einer bei einem Unglück den Arm gebrochen hatte, sagte sie: »Noch ein Glück, der Arm hätte ab sein können«. Als einer bei einem Unglück einen Arm verlor, sagte sie: »Noch ein Glück, er hätte tot sein können.« Und als einer bei einem Unglück ums Leben kam, da sagte sie: »Noch ein Glück, hat er nicht lang leiden müssen.«


Was daran konkret ein Riesenglück sein soll, statt gegen einen Laternenmast gegen einen Alleebaum zu prallen, konnte freilich noch nicht herausgefunden werden.

Glück ist bekanntlich relativ.

Glück im Unglück, dass der Betonmauer nix passiert ist.

Glück im Unglück, dass der junge Biker so klein war, um unter der
Leitplanke stehen zu können ohne sich daran den Kopf anzuschlagen.

9 Kommentare

  1. Was daran konkret ein Riesenglück sein soll, statt gegen einen Laternenmast gegen einen Alleebaum zu prallen, (…)

    Beim Baum besteht keine Gefahr eines elektrischen Schlages.

    Bei der Unfallaufnahme stellten die Polizisten fest, dass die 30-jährige alkoholisiert war.

    Klar ist das Glück im Unglück – nüchtern ist so ein Unfall kaum zu ertragen. Wenn man vorher ein paar Klare gezwitschert hat, geht das viel besser…

    1. Bei der Smartfahrerin mit dem Alleebaum kann ich mir vorstellen, dass der Laternenmast je nach Bauart nach dem Aufprall vielleicht die Lampe abgeworfen hätte, und die hätte dann ihrerseits den darunterstehenden Smart vollends geplättet oder wäre durch das Stoffdach der Fahrerin auf den Kopf gefallen. Ansonsten weiß ich auch nicht.

      Interessanter finde ich die Frage, wie man als alkoholisierte 30-Jährige auf der Verdener Landstraße einen Baum überfahren kann, mutmaßlich mit einem Pkw. Das kenne ich sonst nur im Zusammenhang mit Kampfpanzern.

      Immerhin sieht der Autor das als Glück vor dem Hintergrund eines erlittenen (oder begangenen?) Unglücks. Die Fahrzeuglenkerin im Bezirk Wels-Land hatte dagegen nur Glück, und zwar relativ großes, und die Smartfahrerin sogar Riesenglück, beide ohne jedes Unglück. Unfälle müssen toll sein, fast so glücklich wie ein Sechser im Lotto…

  2. Das genannte Glück gibt es nur im direkten Gegenüber von Unglück. Denn Glück hatten alle Verkehrsteilnehmer des Tages, die nicht in einen Unfall verwickelt waren. Über ihr Glück zu berichten, wäre aber ziemlich aufwendig und nix für die Medien, weils den Rezipienten langweilt. Eigentlich ist der Mensch kaum in der Lage Glück anders wahrzunehmen als Torbergs Tante Jolesch.
    Es wäre aber auch blöd, die Fülle der glücklichen Umstände, in denen wir uns gewohnheitsmäßig befinden, dauernd zu besingen.
    Ich kann ihnen von Hannover aus in quasi Echtzeit etwas von Glück schreiben, lieber Kollege, welch ein Glück!

  3. Ist doch klar: Glück im Unglück war, daß es nicht geregnet hat!
    So konnten die glücklichen Unfallopfer nach dem Unfall zu fuß nachhause gehen, ohne dabei naß zu werden…

  4. Immerhin hat die Smartfahrerin das Glück, in Schönefeld verunglückt zu sein. Viel bedrückender wäre es doch in Todtnau im Schwarzwald gewesen, oder in den Flecken Sorge oder Elend im Harz.

    Noch besser als Schönefeld wäre natürlich das schleswig-holsteinische Glücksburg gewesen, aber man kann wohl nicht alles haben – Riesenglück und Unfall müssen reichen.

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