15. Mai

Heute vor 63 Jahren, am 15. Mai 1955, wurde im Wiener Schloss Belvedere von den vier alli­ier­ten Besatzungsmächten USA, Sowjetunion, Frankreich und Großbritannien sowie der öster­reichischen Bundesregierung – vertreten durch Bundeskanzler Julius Raab & Außen­mi­nister Leopold Figl – der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet und damit die Souverä­ni­tät Österreichs als eigenständige Nation wiederhergestellt. Die Russen, als durchaus trink­feste Spezies bekannt, wurden zu diesem historischen Anlass von den nicht minder trink­festen Öster­rei­chern unter den Tisch getschechert und in den Vertragsklauseln über den­selben ge­zo­gen, man kennt die Geschichte:


Figl: »Und jetzt, Raab – jetzt noch d’ Reblaus, dann sans waach!«
.(Karikatur v. Hanns Erich Köhler im Simplicissimus, 1955)

.
Damit wurde Österreich der einzige europäische Verliererstaat, der nach Kriegsende auf ver­trag­lichem Wege frei von allen Besatzungsmächten wurde. Das Schicksal einer Aufspaltung in Ost- und Westzonen wie etwa DDR oder Berlin blieb Österreich und Wien erspart, und Figl konnte seinen legendären Satz ausrufen:

(Zeitungsmeldung, 16-05-1955)

(Tatsächlich rief er »Öfterreich ift frei!« – nicht »Österreich«, wie oben fälschlich kolportiert. Figl hatte einen Sprachfehler. Aber man verstand, was er meinte.)
Die Teilung Wiens in vier Besatzungssektoren der Alliierten nach dem Viermächte-Status en­de­te somit, und die pittoresken Vier im Jeep gehörten der Vergangenheit an.

9 Kommentare

  1. Ich hege ja die Vermutung, dass Figl keinen Sprachfehler hatte, sondern einfach das kleine Fraktur-f vom kleinen Fraktur-s nicht unterscheiden konnte und sich einfach verlas. Passiert mir gelegentlich auch, wenn ich mich über Texte in Frakturschrift her machen. Schau’n ja wirklich fast gleich aus, oder nicht?

  2. Der spätere Bundeskanzler Josef Klaus schrieb in seinem Buch „Macht und Ohnmacht in Österreich“ wörtlich über die zwei berüchtigten Staatsvertrags-Tschecheranten:

    „Raab und Figl machten Politik beim Weinglas und durch das Weinglas“.

  3. liebe ösis, glaubt mir, dass euch die gesamte ostone (meine person unbedingt eingeschlossen) um diesen vertrag beneidet hat.

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