Hippothetisches

In Spanien gibts angeblich eine weithin gebräuchliche Redensart: »Das Leben ist kein Pferde­rennen.« – und angeblich weiß dort keiner, der sie gebraucht, zu erklären was damit gemeint sein soll. Das mag einem freilich spanisch vorkommen. Eine hieramts kol­por­tier­te Lebensweisheit wiederum besagt:

    Aus einem Leberkäs kann man kein Rennpferd machen.
    Umgekehrt schon.

Kollegin Quer zitiert eine Gedichtstrophe von Joseph von Eichendorff (1788-1857):

    »Ein wildes Ross ist’s Leben,
    Die Hufe Funken geben,
    Wer’s ehrlich wagt, bezwingt es,
    Und wo es tritt, da klingt es!«

Herrn von Eichendorffs Postulat wollen wir allerdings nicht unwidersprochen lassen, wie im fol­gen­den dargelegt:

    Wer meint, das Leben galoppiert
    stets wie ein wildes Ross, der irrt.
    Oft ist das Leben aber längst
    kein feuriger Araberhengst,
    sondern schleppt mühsam hin sich wie
    ein lahmer Gaul ohne Esprit:
    die Sporen gibt dem Ross des Lebens
    in diesem Fall man bloß vergebens.
    Zur Bestform schafft manch Klepper es
    post mortem erst: als Leberkäs.

19 Kommentare

  1. Jedes Pferderennen hat ein Ziel, zahlendes Publikum, findet nahezu ausschließlich auf grasgrünem Geläuf statt, zieht oftmals magisch reiches Volk an und ist nur von Minutendauer. Vielleicht fängt hier der Wurm den Spatzen. :)

  2. Mir persönlich geht es mit diesem seltsamen Pralinen-Sager in diesem Film mit Tom Hanks so, daß ich nicht wirklich kapiere, was er mir eigentlich sagen will. Aber vielleicht ist der einfach nur schlecht übersetzt. Oder es liegt daran, daß ich weder Pralinen noch den Film mag.

  3. @ dieJulia
    In der O-Fassung heißt es genauso: »Life is a box of chocolates. You never know what you’re gonna get.« Nougat oder Eierlikör – was in der Praline drin ist, weiß man immer erst hinterher.

  4. Jaaaaa, soweit hab ich das ja eh verstanden, aber als Metapher find ich’s einfach saftlos. Plump. Da taugt mir das mit dem Pferderennen noch eher. Weil die Aussage an sich stimmt nämlich. Das Leben ist kein Pferderennen. Das Leben ist auch kein Kühlschrank und kein Fliegengitter.

    Das Leben ist das Leben. Punkt. ;)

  5. Nachtrag: Außerdem müßte es heißen „das Leben ist wie ein Griff in die Pralinenschachtel – du weißt nie, was du kriegst“. Und selbst der Vergleich hinkt, weil die Pralinen ja eh auf der Schachtel abgebildet sind, und wenn ich die mit der – Hausnummer – Goldverpackung nehme, weiß ich, daß da eine Nuß drin ist. Aber wie gesagt, ich mag die Dinger nicht.

    Ich bin einfach eine notorische Klugscheißerin manchmal. Tschuldigung. ;)

  6. Vielleicht ist damit gemeint, dass man im Leben nicht hoch zu Ross sitzt und auch nicht rasch vorankommt, als hätte man ein Rennpferd unterm Hintern.

  7. Oft gleicht statt einem tollen Rosse
    das Leben einer ollen Zosse:
    nicht in die Hufe kommt’s und nicht vom Fleck,
    nicht zieht’s des Lebens Karren aus dem Dreck.

  8. Hi, hi, ja das Leben! –
    Hier sagen wir: „Das Leben ist kein Ponyhof.“
    In diesem Sinne danke für die Erwähnung meines Eichendorff-Eintrags.
    Herzlichen Gruss in die neue, hoffentlich nicht zu ungestüme Woche,
    Brigitte von Quer

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