Der halbe Präsident

Paul Watzlawick erzählt in Anleitung zum Unglücklichsein die Geschichte von der Mutter, die ihrem Sohn zwei Kra­wat­ten schenkt. Als er sie das nächstemal besucht, trägt er eine davon, aber die Mutter sagt gekränkt: »Ach, die andere gefällt dir wohl nicht.«
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Weil nur die Hälfte der Österreicher Van der Bellen gewählt hat, macht Österreichs bedeutendstes Volksinformationsorgan mit dem saudummen Titel auf: »Der halbe Präsident« und konstatiert, die andere Hälfte lehne ihn als Präsident ab.
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Das ist die gleiche Art saudummer »Äpfel vs. Birnen«-Arithme­tik, wie sie uns von Österreichs auf­la­genstärkster Ver­­schenk­po­s­tille vorgerechnet wird: wenn sich 50 Prozent der Öster­reicher auf die Frage, ob sie lieber Äpfel oder Birnen mögen, für Äpfel entscheiden, daraus das Resultat zu kon­struieren, die Hälfte der Österreicher »lehnt Birnen ab«.

4 Kommentare

  1. Also ich bin regelmäßiger Konsument der Kronenzeitung! Ich bekenne mich offen dazu. Es gibt da folgende Schwerpunkte, auf die ich mein Augenmerk richte:
    Das heitere Bezirksgericht (das lese ich, seit ich 10 Jahre alt bin und mein Großvater sehr zum Unwillen meines Vaters die Kronenzeitung anlässlich seiner Besuche mitbrachte.)
    Dann löse ich die zwei Sudokus (mit Zeitkontrolle – wenn das leichtere unter 4 Minuten zu lösen ist, habe ich eine gute Tagesverfassung.)
    Dazu kommen die zwei Kreuzworträtsel (Mittlerweile kenne ich den Sprachschatz der Verfasser schon recht gut, vor allem dann, wenn sie nach dem kleinsten Nebenfluss des Arizonas fragen.)
    Dann mache ich das Bilderrätsel und allenfalls lese ich noch den Telemax.

    Für mich müsste die Kronenzeitung nur 3 Seiten haben.

    Alles andere kann ich aus jahrzehntelanger Erfahrung als Mist bezeichnen. Und insoferne ist folgender Schluss möglich: die Reichweite der Kronenzeitung soll ungefähr 3 Millionen Leser umfassen. Das ist die Hälfte der Wahlberechtigten, von denen allerdings nur ca. 75% gültig gewählt haben. D.h. auf Hofer entfallen gerundet 37%. Das sind in meinen Augen die Nazi-Sympathisanten. Sie mögen nicht alle Nazis sein, doch sie sind dumm und genügend ungebildet, um nicht zu sehen, wie der Nationalsozialismus entstanden ist. Wo sollten sie das auch gelernt haben? Am Stammtisch im Wirtshaus. Das Argument Haiders mit der ordentlichen Beschäftigungspolitik ist auch heute noch gültig. Ist es natürlich für Österreich nicht mehr und für Deutschland nur allenthalben. Nicht einmal für Amerika geht die Rechnung noch auf: wir produzieren für das Militär und holen anschließend die Rückzahlung durch außenpolitische Aktionen.
    Der Titel ist schon ok: für einen Großteil der Österreicher, die tatsächlich saudumm sein, ist ein saudummer Titel genau das Richtige.

  2. Auffällt, dass die Kronenzeitung in Tirol und Vorarlberg (mehrheitlich VdB-Wähler) mit einem anderen als dem saudummen Titel und ohne schwarzbemalte Gesichtshälfte er­schien – nicht aber in Wien, obwohl VdB dort mit über 63% die höchste Stim­men­mehr­heit hatte. Also müsste die Kronenzeitung auf der Wiener Ausgabe ja eigentlich titeln: »Der fast Zweidrittel-Präsident«.

  3. Schade, dass immer nur Äpfel und Birnen zum Vergleich angeboten werden. Was ist denn mit den Kirschen, Zwetschgen, Aprikosen, Beeren…

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