14. April – Mozart war kein Ösi

Heute vor 200 Jahren, am 14. April 1816, trat der Vertrag von München in Kraft, wo­nach die Österreicher das Herzogtum Salzburg von den Bayern zurückkriegten, welche es davor von den Franzosen gekriegt hatten, welche es davor den Österreichern weg­ge­nom­men hatten.

»Deutsche wollen unseren Mozart stehlen!«
»Unser Musik-Genie ist laut ZDF-Fernsehen kein Österreicher!«


.. krähte die Kronen Zeitung dereinst auf der Titelseite drauflos, und ereiferte sich über derartig »schwer­wiegenden Fauxpas« und »zweifelhaftes Geschichtsverständnis«. – »Mozart ist na­­tür­lich Österreicher, völlig klar.« dozierte daraufhin Chefhistoriker Guido Knopp.

Das stimmt freilich nicht: »unser« Mozart ist kein Österreicher und nie einer gewesen. Mozart war Salzburger. Das Fürsterzbistum Salzburg, dessen Untertan er zeitlebens blieb, war da­zu­mals ein eigen­stän­diger souveräner Staat. Erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts, nach Mozarts Ab­leben al­so, fiel Salz­burg an Österreich, danach an Frankreich, danach an Bayern usw., siehe oben.

(Umgekehrt käme ja auch keiner auf die Idee, Mozart wäre Bayer, weil Salzburg nach seinen Lebzeiten mal zu Bayern gehörte. Oder Marco Polo wäre Österreicher, weil Venedig in spä­te­ren Zeiten mal zu Österreich gehörte.)

14 Kommentare

  1. Genauso könnte man aber auch sagen, dass der Wiener Stephansdom nicht zu Wien gehört. Denn er wurde von den Passauern erbaut und stand in seiner Erbauungszeit außerhalb der Wiener Stadtmauern:)

  2. Den Mozart geben wir nicht her!
    Genausowenig wie den Rilke, den Brahms, den Canetti, das Schnitzel und die Palatschinken.
    Das wär ja grad so als tät man sagen, Kaiserin Sisi käme aus Bayern.

  3. Wunderschön! Dirigieren ist ein Tanzen und fordert den ganzen Menschen!

    Dieser Junge hat wohl was mit Klein-Mozart gemeinsam … Wenn man bedenkt, dass andere Kinder in dem Alter Hoppe, hoppe, Reiter singen, unglaublich!

  4. Oder umgekehrt: zu Mozarts Zeiten gehörte das Innviertel einst zu Bayern – gemäß der obigen Logik müsste der gebürtige Braunauer Adolf H. ja ein Bayer sein, kein Ösi. (Den Österreicher Maximilian Schell täten sie dafür beim FOCUS zum »deutschen« Schau­spieler machen oder den Österreicher Haneke bei der Bild-Zei­tung zu »ihrem«, aber »unsern« Adolf möchten die bestimmt nicht geschenkt kriegen.)

  5. Na hoffentlich lesen die Salzburger nicht, dass ich mich hieramts mal despektierlich über ihren zweiten Säulenheiligen ausgelassen habe – damit macht man sich dort bestimmt nicht viele Freunde, fürchte ich ;)

  6. NEIN! NEIN! und nochmals NEIN!

    Der Mozart ist ein Österreicher. Den lass ich mir nicht von den Deutschen wegnehmen. – Wir nehmen ihnen ja auch nicht den Hitler weg … ;)

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