Küchenetymologisches: Palatschinken

Kollege Shhhhh schreibt hier über aus dem Lateinischen herstammende Vo­ka­beln, welche als Lehnwörter Eingang in unsere Umgangssprache ge­fun­den haben, aber mittlerweile als genuin muttersprachlich empfunden werden.

Letzthin war hieramts über die ösitanischen Gattehosen (v. ung. Gatya = [lange Unter-]Hose) die Rede, einem Lehnwort aus dem Ungarischen wie es im Österreichischen zahlreiche gibt, was in der gemeinsamen Historie beider Nachbarländer als k. u. k. Doppelmonarchie be­grün­det ist. Um ein solches handelt es sich ebenfalls bei den Palatschinken, dem österreichischen Ter­mi­nus technicus für Eierpfannkuchen.

Der Ausdruck leitet sich vom lateinischen placenta = Kuchen her und gelangte aus dem glbd. Rumänischen plăcintă über das Ungarische palacsinta ins Wiene­rische, wo er übrigens seinen Singular phonetisch einbüßte: eine Palatschinke heißt »a Palatschinken«, und wer tatsächlich nur eine haben will, bestellt beim Kellner »eine halbe Portion Palatschinken«.

So kommt es, dass österreichische Kinder zuerst im Mutterleib von der Plazenta (= biolog. Fachbegriff für Mut­ter­kuchen) und später mit Mutters Pfannkuchen, vulgo Palatschinken, er­nährt werden, und beiderlei Termini von derselben lateinischen Vokabel abstammen.

8 Kommentare

  1. (Aus Palatschinken werden überdies Frittaten [österr.: »Fridatten«] hergestellt, ein Lehnwort nach der italieni­schen Frittata, welche aber ganz was anderes als Palatschinken ist. Die ver­meint­lich typisch italienischen Gnocchi wiederum sind als Lehnwort von Nockerl über die alt­öster­rei­chi­sche Kü­che ins südliche Nach­bar­land eingewandert.)

  2. Bitt’schön, jetz‘ hätt ma gern noch wos über die Soizbuaga Nockal erfahren! Die ich übrigens sehr schätze. Hab einmal – das muss im Pleistozän gewesen sein – satte vier Stunden gewartet, bis dem Koch seine Nockerl im x-ten Anlauf ned zusammeng’fallen sind. Das Warten hat sich aber gelohnt.

    (Im äußersten Notfall hätt ich damals womöglich a Poazion Palatschinken g’nommen.)

  3. Wissen Sie, dass ich keinen einzigen Österreicher kenne, der jemals Salzburger Nockerl gegessen hätte. Anscheinend mögen das nur Touristen & Außerösische.

  4. also werter Herr Nömix, ich habe – mit zarten 18 Sternenstäubchen-Lenzen – ein paar Tage mit den Wegbegleiterinnen in der Mozartschen-Fidelnden-Hauptstadt verbracht und eben jene dort verspeißt! Ich glaub den Zucker hab ich nach 30ig Jahren immer noch ned ganz abgebaut ;))))

    aber ich bin ja auch eine Sternreisende ;)))

  5. hhhmm ein weiter Sprung von da Unter-Gatte zu da Palatschinken ;)))

    umgekehrt dann nimma so – wenn die eine mal verspeisst ist, kommts der andren ziemlich nahe ;)))

  6. Das bittschön, ist nicht wahr! Ich bin zwar im Steirerland aufgewachsen, habe aber ab dem 10. Lebensjahr meine Zelte im Salzburgischen aufschlagen dürfen/müssen, und meine Salzburger Großmutter hat für mich Salzburger Nockerl gemacht. In einer Backhaube. Das erste elektrische Heizinstrument in Großmutters Küche, denn normalerweise wurde am Holzherd gekocht, E-Herd hatte sie keinen, daher auch kein Backrohr konstanter Temperatur, was den Salzburger Nockerln nicht zugute gekommen wäre. Daher in der Backhaube. Manchmal, zugegeben, sehr selten, bestell ich mir die Salzburger Nockerl in der Salzburger Gastronomie. Allerdings könnt ich auf die Dreingabe der Preiselbeeren locker verzichten, die gabs bei Großmuttern nämlich nicht!

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