Okkultationelles, ..

.. oder: »Von der plötzlichen Dunkelheit über Deutschland«

»Am 20. März wird sich Europas Himmel verdunkeln. Diesmal ist die Sonnenfinster­nis aber mehr als ein reines Schauspiel der Natur, sie nimmt auch Millionen von Solarpane­len plötz­lich das Licht und wird so zum Härtetest für die europäischen Stromnetze. Ein Blackout ist möglich. [..]
Wenn gegen neun Uhr allerdings am Himmel die Lichter ausgehen, stürzt die Leis­tung im Stromnetz allerdings schlagartig in den Keller. [..]
Und wenn der Mond den Blick auf die Sonne drei Stunden später wieder freigibt, wie­derholt sich das gefährliche Spiel gleich noch einmal.«

Wie stellen die sich in der Presse-Wirtschaftsredaktion eigentlich eine Sonnenfinsternis vor: dass gegen neun Uhr »plötz­lich« am Himmel »die Lichter ausgehen« und zu Mittag (»plötzlich«?) wieder angehen? Dass der Mond, schwupps, Klappe zu! plötzlich den Blick auf die Sonne verdeckt und erst drei Sunden später, Klappe auf ! wieder frei­gibt? – Unsinnige Vor­­stellung. Auch dem astronomischen Laien sollte wohl klar sein, dass sich die in den zitierten Quellen*) kolportierten Begriffe »Blackout« oder »schlag­artig« auf den erwarteten Leis­tungs­­abfall im Stromnetz beziehen, aber doch auf keine dreistündige(!) Verdunkelung der »Lich­ter am Himmel«, über welche der Kollege vom Wirtschaftsressort so blumig wie offen­kun­dig sachverstandsfrei drauflos extemporiert.
(Warum werden solche Stegreifschwadronanzen eigentlich nimmer von kompetenten Leu­­ten vor Veröffentlichung gegengelesen, wie es früher mal der schöne Brauch war?)
──────────────────────────────────────────────
(Wehe, wenn der Kollege Steppenhund das liest ;)

12 Kommentare

  1. Zit.:
    „Von der plötzlichen Dunkelheit über Deutschland ist auch Österreich stark betroffen…“

    Sachichdoch: das ist der Nachteil der offenen Grenzen in Europa!

  2. Wird nicht jeden Abend, wenn plötzlich und unerwartet die Sonne untergeht, in Deutschland und dessen Anschlussgebieten bei Redakteuren ein geistiger Blackout ausgelöst? Und das ganz ohne Solarzellen!

  3. Ich glaube, dass da jemand den Journalisten bewusst verarscht hat und sich dabei gefragt hat, ob die Geschichte durchgeht.
    Aber ich habe noch etwas ganz anderes gehört:
    In der Sonne spielen sich ja andauernd Fusionsprozesse ab. Aber wir wollen ja keinen Atomstrom mehr. Daher überölegt Merkel, ob man die Sonne nicht überhaupt abschalten kann.
    Das wäre gar nicht so schlecht. Irgendwann haben die Leute dann Angst vor der Dunkelheit. Strom gibt es dann auch nicht mehr (siehe oben) und dann werden sie auf die Gedanken kommen, eine nach der anderen Atombombe zu zünden, damit es wenigstens ein bisschen hell wird.
    Ach, was mir da so alles einfällt…

  4. Die Geschichte in der Presse ist absoluter Humbug:

    1) Eine totale Sonnenfinsternis wird am 20. März auf „Europas Himmel“ ausschließlich auf den Färöer-Inseln und Spitzbergen stattfinden
    2) Über Mitteleuropa dagegen eine partielle Sonnenfinsternis mit einem maximalen Bedeckungsgrad zwischen 60 und 85 %, die Dauer je nach Beobachtungsstandort zwischen 2 bis 3 Minuten lang
    3) Die Gesamtdauer der Sonnenfinsternis ungefähr 70 Minuten aber nicht 3 Stunden – wie vom Reporter behauptet
    4) Der Mond läßt den Blick auf die Sonne während der gesamten Sonnenfinsternis teilweise frei
    5) Also ist die Behauptung „wenn der Mond den Blick auf die Sonne drei Stunden später wieder freigibt,“ absoluter Humbug – vom Reporter frei erfunden

    Der Verdunkelungs-Reporter könnte eine Karriere als Märchenonkel machen.

  5. Die spektakuläre Sonnenfinsternis über Mitteleuropa vor 15 Jahren: Unzählige Millionen Menschen haben damals (am 11. August 1999) das Naturschauspiel beobachtet und bis heute in Erinnerung wie sich sowas abspielt – nur der Herr „Presse“-Plauderredakteur anscheinend nicht, oder war der damals vielleicht noch zu jung um davon was mitzubekommen -?

    http://diepresse.com/home/kultur/medien/1567902/LGTMedienpreis-geht-an-PresseJournalist-Matthias-Auer

  6. Selten so einen Schwachsinn gelesen!
    Vergleichbar als wenn eine Windstille Tausenden von Windkraftanlagen „plötzlich den Wind nimmt“ und deshalb sofort die Leistung im Stromnetz „schlagartig in den Keller stürzen“ würde. Was für ein Schwachsinn!

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