Linguistisches

Aus der »Liste der österreichischen Wörter, für die es im Schriftdeutschen kein gleichbedeutendes Synonym gibt«:

allerweil, sprich: ollaweu (Interjektion) = “Ach, wenn doch bloß“ *)

*) Nota bene: im Bedeutungsunterschied zu dem gleichlautenden allerweil (Adverb) = im­mer, ständig, dauernd.

Kollegin Etosha verweist in einem schönen Artikel auf den Conjunctivus Austriacus, unter Linguistikern auch als Ostmittelbairischer Möglichkeitsmodus bekannt.
Eine im Wienerischen endemische Varietät des genannten Conjunctivus Austriacus stellt der Optativus cupitivus Viennensis dar, nachfolgend ein Exempel unter zwei­facher Verwendung von “allerweil“ (als Interjektion sowie als Adverb), zugleich in zweierlei Bedeutung:

    »Ollaweu ’s warad ollaweu aso.«
    [»Ach, wenn es doch bloß immer so wäre.«]

Meine lieben Wiener Schwiegereltern waren einmal im Theater, in der zweiten Pause fragte Schwiegermama, ob es ihm eh noch gefalle? – Ja eh, gab Schwiegerpapa zu, aber:

    »Ollaweu de faungadn ins featigwean aramoi au.«
    [»Allerweil die täten auch mal mit dem Fertigwerden anfangen.«]

Schwiegermama draufhin zu Schwiegerpapa:

    »Ollaweu du sogast ned ollaweu “ollaweu“.«
    [»Ach, wenn du bloß nicht ständig “allerweil“ sagen würdest.«]

10 Kommentare

  1. mhmm, von dem verlinkten artikel hab ich heut sogar geträumt. lauter konjunktive natürlich …
    wobei ich schon sagen muss: herkunftsmäßig oberösterreich gekreuzt mit südsteiermark, sozialisiert in wien ergibt schon auch einen gewissen variantenreichtum …

  2. Also, eiz moane owa allerweil…
    (eiz wirds hint heicha wei vorn)
    (oberpfälzisch, dem wienerisch nicht unähnlich)

  3. @ hele
    Jo mei, das Ostmittelbairische (= östliches Donaubairisch, z.B. Wienerisch) ist halt quasi die Nachbarsprache vom oberpfälzischen Nord- & Westmittelbairi­schen. Freilich gibt es bei einzelnen Vokabeln regionale Unterschiede, Ihr erwähntes “eiz“ etwa heißt donau­abwärts “hiatzan“. Haben Sie gewusst, dass wir Öster­reicher seinerzeit einmal selber Bayern waren ;)

  4. Also am lustigsten finde ich es ja, dass ich mich im referenzierten Artikel selbst kommentierend vorgefunden habe.
    Das zeigt die gewaltige Kraft des Bloggens, welche selbst einfachstes Lob in Stein meißelt.

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