Dem Vernehmen nach

Es heißt ja, die Journalisten würden das Recherchieren immer mehr verlernen, aber was soll so ein Online-Redakteur denn machen, wenn am Sonntag eine Meldung rein­kommt und für eine Stellungnahme keiner erreichbar ist.
Aus einem Wiener Innenstadt-Hotel wurde eine Statue gestohlen, die Polizei veröffent­lichte Video-Bilder von dem Diebstahl.
Die Polizei habe den Namen des betreffenden Hotels nicht bekanntgegeben, erfährt man aus der Pressemeldung, ..

    »..  dem Vernehmen nach handelt es sich jedoch um das Hotel Sacher,
    das am Sonntag für eine Stellungnahme nicht erreichbar war.«
(APA-Pressemeldung)


Auf die Idee, “Hotel Sacher“ in der Google-Bildersuche einzugeben und so mit einem einzigen Mausklick herauszufinden dass es sich auf den Polizei-Videobildern tatsächlich darum handelt, ist unter der Copy&passt-Kollegenschaft keiner von selber draufgekommen.

9 Kommentare

  1. Die Bereitschaft Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen reduziert sich ständig – da ist der Redakteur keine Ausnahme. Möglicherweise ist es dazu noch ein ganz Junger, Unerfahrener, denn die setzt man am vermeintlich ‚ruhigeren‘ Wochenende gern ein …. und dann ausgerechnet sowas …!

    [Ein Lückenfüller bei oe24.at?
    Wo doch der Vorfall schon eine Weile zurückliegt]

  2. Die Vorsilbe ver- steht ja in vielerlei Hinsicht für die Zerstreuung oder allgemein den Gang ins Unbekannte oder Falsche wie bei „verirren“, „verhören“, „verlesen“ oder „versprechen“. Vielleicht sollte hier einfach die allseits bekannte Eigenschaft auf das Verb „vernehmen“ übertragen werden.

  3. Obwohl Newsdesk-Journalisten einen schlechten Ruf haben, gestehe ich hier ohne Schamröte: Ich habe zwei Jahre an einem Newsdesk gearbeitet, ziemlich hart sogar. Man muss sich seine Zeit an einem solchen Ort einzuteilen wissen, sonst wird man nie rechtzeitig fertig.

    Bei dieser Story haben offensichtlich sämtliche Redaktoren die Agenturmeldung tel quel übernommen. Das kann verschiedene Gründe haben:

    1) Am wahrscheinlichsten: Es gab relevantere Storys, für die der Redakteur/die Redakteurin bei knapp bemessenem Zeitbudget selber noch Internet-Recherchen oder Telefon-Recherchen anstellen musste.
    2) Auch sehr wahrscheinlich: Der Newsdesk war unterbelegt, ein Kollege krank und ein zweiter in den Ferien.

  4. @ frau frogg
    Sie haben natürlich recht, aber gerade die vorliegende »vom Hörensagen / dem Vernehmen nach«-Meldung hätte sich ohneweiters mit einem Klick verifizieren lassen, bei einem Recherche-Zeitaufwand von exakt 2 (zwei) Sekunden.

  5. @ nömix
    Reicht denn *heutzutage* die Aufmerksamkeitsspanne noch?
    Wie steht es mit der erforderlichen Transferleistung?

    [Ich hatte es schon verstanden & erkenne, daß ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt habe – schon ganz oben, im ersten Kommentar.]

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