Über mediale Entgrenzungen

Hier lesen ja zuweilen zur Lyrik berufene KollegInnen mit, vielleicht interessierts wen:
Literaturbüro NRW hat per 7. Jänner 2012 einen “Ernst Jandl-Literaturwettbewerb“ aus­ge­schrieben, nachstehend die Teilnahmebedingungen:

» Gesucht wird nach Autorinnen und Autoren, die sich mit ihrer Lyrik auf den Spuren Ernst Jandls befinden bzw. aus dieser Spur zu einer eigenen Ausdrucks­weise gekommen sind. [..] Gedacht ist dabei im Sinne Jandls entweder an eine thematische Aus­ein­andersetzung mit “Zeit“ oder an eine strukturelle. Bei ersterem Zugang wird Zeit zum lyrischen Thema, beim zweiten, via Lyrik, zur erfahrbaren Dimension. Letzteres ist vor dem Hintergrund von Jandls Oeuvre in Form unter­schiedlicher medialer Ent­gren­zun­gen (einschließlich inter­textueller Verfahren) vorstellbar. Vorstellbar ist auch, beide Ge­stal­tungsprinzipien zu kom­bi­nie­ren.«

Teilnahmeberechtigt sind alle, die es schaffen dahinterzukommen
worum es in den Teilnahmebedingungen überhaupt geht.

24 Kommentare

  1. Kann mich mit dem lyrischen Thema „Zeit“ nicht thematisch auseinandersetzen, da ich leider zuwenig dafür habe.

  2. praemissen lauten: zeit ist geld;
    geld stinkt nicht; geld regiert die welt.
    das resultat daraus enthaelt:
    zeit stinkt nicht. wer zusammenzaehlt,
    erkennt: die welt als rest entfaellt.
    soviel sei hiermit festgestellt.

    gruss a.

  3. ich tät so gerne grenzenlos medial entgleisen, allein des schicken Oeuvres willen. Macht sich sicherlich gut – so ans Leibchen gepappt. Da ich Zeit indes für eine reine Illusion halte, müssen andere in Jandles Filzpantoletten steigen. Besser ist.s, die wären mir a) zu groß und b)trage ich ungern Männerlatschen.

  4. *zeit
    ist relativ
    wie ihr wißt
    herr einstein mußte das
    dem wurm
    nicht extra erklären
    der wurm wußte längst
    wie sich das
    mit den wurmlöchern
    verhält
    eins trug er selber
    die ganze *zeit
    mit sich herum
    ihr wißt
    an welchem
    seiner enden es sich
    befand

  5. Meiers Weib schreit
    Meier: schweig Weib schweig
    Meiers Weib schreit: Zeit
    Meier: eiei

    Meier zeigt Zeit
    Meier zeigt Kleid
    Meier geigt
    Meier: bleib bleib
    Meier speit

    Meiers Weib reist
    Meier: bleib Weib bleib
    Meiers Weib bleibt
    Meiers Weib (ver) zeiht
    Meier: eideidei

  6. Werter Trollpöt, im Sinne einer konstruktiven Kunstdiskussion möchte ich Sie energisch darauf hinweisen, dass die zitierte Lyrik dringend (DRINGEND !) des Hintergrundgeräusches einer quietschenden Lederjacke bedarf, um entsprechend zur Geltung zu kommen !

  7. »Von Zeit zu Zeit seh’ ich den Alten gern,«
    so sprach Herr Mephistopheles.
    Herr Faust sprach »Ich seh auch gern fern,
    am liebsten Tatort. So is des.«

    (mediale Entgrenzung)

  8. Ich kann es natürlich auch so schreiben:

    Vorbei
    ——–
    Fünf
    mal
    zehn
    hoch
    minus
    vier-
    und-
    vierzig.

    (c) Steppenhund

    Kommentar:
    wenn dieses Gedicht vorgelesen wird, sind viele Momente vorbei gegangen. Und eigentlich sind sie vergeudet worden:)

  9. Jandl hat die Zeit:
    Am Bandl.
    Zeit zerrt.
    Jandl schreit:
    Zeit, Zeit!
    Zeit:
    Nun ist’s soweit!

    Eine „Biobibliografie“ [Jandel’sche Verfremdung?] hab‘ ich bedauerlicherweise nicht, reicht – nach ihrer Erfahrung – eine „Biografie“?

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