An den Galgen mit den Trust-Banditen! *)

         »Es gibt eine öffentliche Ungerechtigkeit, die, von Einzelnen verübt, sich in ihren Wirkungen in der Vergewaltigung von hunderttausenden Einzel-Existenzen auflöst und darum von der breiten Masse des Volkes nicht nur als ein schweres Unrecht, sondern auch als eine bewußte und beabsichtigte Verhöhnung der Moral empfunden wird. Die Staats­gewalt verlangt unausgesetzt von jedem einzelnen Staatsbürger Unterordnung unter ihre Forderungen, Verzichtleistung auf die Bethätigung des persönlichen Rechtes, wenn dieser einzelne Staatsbürger nicht zufällig ein – Milliardär ist. Hat er sich jedoch in den Besitz un­ge­zählter Reichthümer zu setzen verstanden, dann verschwindet die Staatsgewalt mit ihren Forderungen und wird plötzlich zu seiner gehorsamen Dienerin, um die Wünsche dieses Einzelnen der Gesammtheit gegenüber durchzusetzen.«
.(Wiener Sonn≈ und Montags≈Zeitung, 15. Oktober 1902)
.

*) (Trust-Banditen = Konzern-Banditen)

10 Kommentare

  1. Komisch, ich glaube, ich habe heute morgen als Frühstückszeitung eine Ausgabe von 1902 gelesen. Muss dem dringend mal nachgehen. Ob der Zeitungsausträger … ?

  2. Und im Jahre 2.1.2.0 wird man, soferne die Welt in ihrer Gesamtheit so noch steht, folgende Überschrift lesen können:
    „Es gibt eine öffentliche Ungerechtigkeit, die, von Einzelnen verübt……..“
    Geld regiert die Welt ;-(

  3. mich verwundert sehr, dass schon anfang des 20. jahrhunderts diese linken schmieranten ein podium für ihre hetztiraden in der presse fanden. diese veröffentlichte sudelei ist in der tat kein ruhmesblatt für den österreichischen journalismus.
    pfui spinne …
    ;-)

  4. Endlich findet einmal jemand klare Worte. Danke Herr Jeanee!
    Das linkslinke Gesudle gegen die Leistungsträger muss nach über hundert Jahren einmal ein Ende haben! ;-)

  5. Off topic, Preisrätsel für Fraktur-Kundige:
    Beim Übertragen des Zeitungstextes war ich mir nicht gewiss, ob das Verb im ersten Satz “auflöst“ oder “auslöst“ heißen soll, weil kleines f und kleines s sich im Faksimile nicht unterscheiden und auch aus dem Satzzusammenhang nicht ganz eindeutig erschließen lassen. In einem Forum erhielt ich draufhin die (naheliegende!) Antwort auf die Frage – wer das Rätsel ebenfalls “auflöst“, gewinnt eine lobende Erwähnung (in Frakturschrift).

  6. Lösungsversuch: Es ist ein „f“. Wäre es ein „s“, hätte es die andere Schreibweise wie in „unausgesetzt“ (Zeile 7). Erklären würde ich mir das dadurch, daß „auslösen“ ein zusammengesetztes Wort ist. Das End-s (heißt das so) der Vorsilbe „aus“ wird dabei nicht zu einem Binnen-s mit der entsprechenden Schreibweise.

  7. Das ist richtig, am Silben- oder Wortende steht grundsätzlich ein rundes s, kein langes. Sie haben gewonnen, nämlich eine

    danke fürs Mitmachen ;)

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