Neues aus Kalau

Ein schlechter Witz ist kein schlechter Witz, sondern gar keiner. Für einen Kalauer, den keiner versteht, gilt das ebenso.
Kalauer über Namen sind in Zeitungsüberschriften bekanntlich sehr beliebt, Kollege Gulogulo weist in einem Kommentar* auf ein besonders missratenes Exemplar hin:

(Salzburger Nachrichten)


(Erst aus dem Artikeltext erschließt sich, dass einer mit dem Vornamen Willi einem andern mit dem Vornamen Didi als ÖFB-Teamchef nachfolgen soll, und wer die Pointe im Zu­sammen­hang mit der Redensart »Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg« jetzt noch immer nicht kapiert hat, ist selber schuld.)

.. kalauert der KURIER in großen Lettern, und wenn der dort noch größer geschrieben stünde, würde den Kalauer deswegen auch niemand leichter verstehen. Irgendwas mit Wellenmetapher? Insider-Schmäh?

Über eine Figur namens Schüssel sind alle Witze schon gemacht, aber ein Verschenkblatt-Kalauer geht sich allerweil noch aus:

Die Vertschüssung einer Frau Marek hat mit einem Herrn Schüssel zwar überhaupt nix zu tun, aber weil der so gut war, kommt er am nächsten Tag gleich nochmal dran:

(Heute)


(farblich hervorgehoben, weil soviel Buchstaben in einem einzigen Wort das Lesever­ständ­nis der Stammleserschaft womöglich überfordern und die Pointe sonst nicht ankommt.)

(stern)


Eh klar. War ja unvermeidlich.

Kollege Trithemius schreibt in einem Kommentar, dass Namenwitze in den Kinder­garten gehören und nicht in die Zeitung. Manchmal ist der Unterschied zwischen einem Kin­der­garten und einer Zeitungsredaktion nicht leicht zu erkennen:

(FOCUS)

16 Kommentare

  1. Vielleicht gibt es für solche Namenswitze bereits eine Journalistendatenbank, ähnlich der eines Fussballkommentators, der bei Ballbesitz des betreffenden Spielers, sofort weiß, welche Unterhosenfarbe dieser am liebsten trägt. Und wenn nicht, dann lasse ich mir das Konzept gleich patentieren.

  2. Das stimmt so nicht, gegen pfiffige & gut gelungene Kalauer gibts hieramts keine Einwände – auch nicht gegen solche mit Namen. (Etwa der seinerzeitige österr. Bundeskanzler & Nonsensschwätzer Fred Sinowatz, der von einem namenlosen Witzbold treffend zu »Fred Sinnlosschwatz« verkalauert wurde.) Ernsthaft frag ich mich aber, was derartige Kindsköpfe, denen sowas wie »weggetschüsselt« einfällt, in einer Zeitungsredaktion verloren haben.

  3. na klar doch, herr nömix …
    man tut gut daran, mich nicht ganz ernst zu nehmen … ;-)))
    für einen schlechten reim opfere ich halt schon mal eine gute wahrheit … ;-)))

  4. … und ich dachte, sinnfreie Wortspielereien seien uns Blog-gern vorbehalten. Sind die Journaillen schlauer und machen Geld damit.. Applaus! (Nein, hier in Brandenburg wurde der Buchdruck noch nicht erfunden. Ergo gibt es auch keine Zeitblättchen. Wir arbeiten mit Hinkelbeinstein und Rune)

  5. „(Erst aus dem Artikeltext erschließt sich, dass einer mit dem Vornamen Willi einem andern mit dem Vornamen Didi als ÖFB-Teamchef nachfolgen soll, und wer die Pointe im Zusammenhang mit der Redensart »Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg« jetzt noch immer nicht kapiert hat, ist selber schuld.)“

    Der Sinn erschließt sich beim ersten Lesen der Schlagzeile. Wer glaubt, dies noch ernsthaft so erklären zu müssen, sitzt doch im selben Glashaus.

  6. Herr Ruttensteiner wird Nachfolger von Herrn Constantini, und was hat das jetzt konkret mit »Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg« zu tun? Ich kann weder Zusammenhang noch Sinn darin entdecken – vielleicht eine Insider-Pointe?

  7. Wie wäre es mit der Schlagzeile der Süddeutschen zum chinesischen „Hilfsangebot“ für die Euro-Zone? „Süß-saure Signale aus China“

    Das erinnert mich intensiv an Schlagzeilen der britischen Tabloids, die bei Artikeln über Deutschland gerne Wörter wie „Blitzkrieg“ benutzen.

  8. Doch, Herr Nömix, es gibt sehr wohl Einwände gegen Kalauer, zumal mit Namen. Weil Journalisten nämlich nicht ach-wie-lustig Sprachspielereien veranstalten sollen, sondern mit Schärfe und genauer Beobachtungsgabe Realität durchdringen. Der Herr Sinowatz trägt nun also einen Namen, der einen Kalauer nahelegt, man schreibt „Sinnlosschwatz“ (mein Amüsement hält sich in Grenzen, aber vielleicht ist das ja ein besonderer österreichischer Humor, den ich nicht teile? Man weiß es nicht). Indem man Sinowatz‘ Namen verballhornt, impliziert man, dass es an Sinowatz nichts weiter zu kritisieren gebe, auch nicht seine Nonsensschwätzerei (für die er im Gegensatz zu seinem Namen sehr wohl etwas kann) – welche Kritik würde man anbringen, wenn der Nonsensschwätzer nicht Sinowatz hieße, sondern Müller? Keine. Schad‘ drum.

    Eine der ersten journalistischen Regeln, die ich während meiner Ausbildung beigebracht bekam, lautete: no jokes with names. Eine wichtige Regel, wie ich finde.

  9. Da sind wir eh d’accord – ich meinte ja, dass gegen gut gelungene (sic) Kalauer grundsätzlich nichts einzuwenden sei (zumal in diesem Blog hier aus Tradition gekalauert wird, dass es eine Art hat.) Aber in einer Zeitung hat der Quatsch nix zu suchen. Ein Journalist sollte seine Arbeit tun, wie von Ihnen oben dargestellt und vom Leser erwartet, und das Schmähreißen den Kabarettisten überlassen. Die das als Profis meistens auch besser können, weil deren Berufsmaxime (im Gegensatz zu den zitierten Hobby-Humoristen in div. Zeitungsredaktionen) ist: jeder schlechte Witz ist schlechter als ein nichterzählter.

  10. Interessantes Detail zum Text:
    Es ist heute in _der_ Kalauerschmiede der deutschen Medienlandschaft verlinkt – dem bildblog :D

  11. also hier bei uns war tschüssel eine recht lang und recht gern täglich verwendete verabschiedungsformel. geriet in vergessenheit bis grade eben ^^

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