Grober Unsinn, Herr Direktor

Im Wettbewerb um den unsinnigsten Zeitungsartikel unter der Rubrik »Wissenschaft« liegt DER STANDARD ziemlich gut im Rennen:


Im Salzburg-Museum gibts einen Keltenhelm aus der Bronzezeit, welcher 1838 am Pass Lueg gefunden wurde. Der soll das historische Vorbild für den Helm der Comicfigur Asterix sein, und wers nicht glaubt, der möge die Abbildungen vergleichen und die angebliche Ähnlichkeit selber entdecken.
Dass der Fund vom Pass Lueg tatsächlich als Vorbild für den Helm des Asterix diente, gilt für Salzburg-Museumsdirektor Marx als erwiesen.

Dass man dem Herrn Museumsdirektor nicht alles aufs Wort glauben muss, hätte sich aller­dings durch eine Google-Bildsuche leicht herausfinden lassen. 1865 ließ Napoleon III. in Alise Saint-Reine ein Vercingetorix-Denkmal errichten, über das man erfährt:

» Seitlich neben der patriotischen Statue liege ein Helm, der eindeutig jenen vom Pass Lueg zeige, berichtet Museumschef Marx.«


Nette Legende, und dass Herr Marx auf den schönen Helm in seinem Museum zu Recht stolz sein darf, ist nachvollziehbar – in Wirklichkeit aber liegt seitlich neben der besagten Statue ein Helm, der eindeutig nicht jenen vom Pass Lueg zeigt, sondern ein völlig anderer.

Fazit: drei Helme, einer in Salzburg, einer im Asterix-Comics, einer in Frankreich, die völlig unterschiedlich ausschauen und alle drei überhaupt nix miteinander zu tun haben. Außer dass alle drei in einem Zeitungsartikel unter dem Titel »Spurensuche in Salzburg« Erwähnung fin­den, der die Frage aufwirft, wer hier eigentlich wonach gesucht haben will.

Tatsächlich gibt es in der bildenden Kunst eine nachweisliche Dar­stellung des Salzburger Helms vom Pass Lueg, in einem Ver­cin­ge­to­rix-Gemälde des Historienmalers Lionel Royer von 1899 auf dem Kopf eines knieenden Galliers. Nämliches Gemälde könnte wiederum dem Künstler Maurice Giot 1925 als Vorlage für sein Gauloises-Emblem hergehalten haben. Museums­di­rek­tor Marx aber verwechselt ganz offenkundig Royers Vercingetorix-Bild mit Napoleons Vercingetorix-Statue, sowie die Gauloises-Grafik von Giot mit den Asterix-Comics von Albert Uderzo. Und der Kollege Salzburg-Korrespondent vom STANDARD kolportiert den Asterix-Unsinn mirnixdirnix gedankenlos weiter, ohne sich die Illustration neben sei­nem Artikel überhaupt angeschaut oder gar darüber nachgedacht zu haben. Vom STANDARD erwartet man sich eigentlich was anderes als solche Unsinnigkeiten.
───────────────────────────
C. censeo: Man muss nicht alles glauben, was in der Zeitung steht.

4 Kommentare

  1. Daß der „Keltenfürst vom Glauberg“ eindeutig das historische Vorbild für die Mickymaus war ist ebenfalls einwandfrei erwiesen:

    Bild Wikipedia

  2. Ich nehme an, der Zeitungsmensch hat sich gedacht, es ist Sommer, und eigentlich ist es eh wurscht…

    Asterix´ Helm gleicht eher dem Montefortino-Typ , der ab ca. 400 v.Chr. im Gebrauch war, allerdings etruskisch-römischen Ursprungs, jedoch auch von den Kelten verwendet (das Knopferl oben tät darauf hinweisen).

    Flügerln gab´s schon auf chalkidischen und attischen Helmen, aber eher sehr selten anderswo als auf Prunkhelmen.

    Wie gesagt, es ist Sommer, der Wüstenwind macht matt, und eigentlich ist es eh wurscht.

    (Ich hätt Bilder eingefügt, aber leider weiss ich nicht, wie ich das bei Komentaren anstelle.)

  3. Ich bin schon sehr gespannt auf die Meldung, dass das Grab von Asterix in Salzburg entdeckt wurde. Das wär doch mal was! (Oder lebt er noch? In Salzburg?)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s