SPIEGEL: Da wir Sie nur ungern als Leser ver­lieren, möchten wir Sie fragen

Wenn es in einem Dorf, sagen wir, neunundneunzig Fastfood-Buden gibt, die alle das gleiche verkaufen, und ein Wirtshaus, wo man zwar noch was anständiges zum essen kriegt, aber die Gäste immer weniger werden – was macht der Wirt, um sein Geschäft im Rennen zu halten?
Wird er, weil die Leute eh allenthalben im Dorf das gleiche Fastfood vorgesetzt kriegen, seinen Gästen nun ebenfalls Fastfood vorsetzen – zum gleichen Preis, den sie vormals für eine an­stän­dige Mahlzeit bezahlten? Und glauben, auf die Weise seine Stammgäste halten zu können? Keine besonders schlaue Strategie, oder.
So machts der SPIEGEL aber, vormals Qualitätsmedium, im medialen Dorf.
Letztes Jahr hab ich nach 25 (sic) Jahren mein SPIEGEL-Abo gekündigt und draufhin vom Kundenservice ein Formschreiben gekriegt, »Da wir Sie nur ungern als Leser ver­lieren, möchten wir Sie fragen, aus welchem Grund Sie in Zukunft auf den SPIEGEL verzichten möchten.« – und denen, weil sichs gehört, dass man eine Antwort gibt wenn man höflich was gefragt wird, in einer Mail meinen Verzicht begründet, indem ich kurzerhand auf ein paar Einträge in meinem Blog verwies:
Unter anderm auf diesen Eintrag oder auf diesen, worin ich meinem Ärger über eine Wissen­schaftsredaktion Luft machte, die ihre Leser mit affigen Schülerzeitungs-Faxen papierlt. Oder über jene unerhört hanebüchene Story über eine Frachtmaschine, die nach miss­glück­ter Landung von der Piste abkam, welche nicht minder hanebü­chen angeteasert wurde:

(SPIEGEL 33/2010)

.
Eine Frage, die sich von selber mit Nein beantwortete, weil im Artikel von gar keinem Absturz die Rede war, sondern einem Landeunfall *) – der mit sonstwelchen “geheimen Militärgütern“ überdies in keinerlei Zusammenhang stand.
Haltlose Spekulationen vor ein Fragezeichen zu stellen (»XYirgendwer: Versteckt sie einen Babybauch?«) ist ein Spezifikum der Klatsch- & Krawallpresse und unlautere Ver­packungs­mo­ge­lei, wenn in Wirklichkeit gar nix dahintersteckt. Und so verhält sichs mit dem monierten SPIEGEL-Artikel: Wenn ich lesen möchte, wie irgendwelche läppischen Marginalien zu einer billigen Luftnummer aufgeblasen werden, brauch ich dafür kein teures SPIEGEL-Abo, sowas krieg ich anderswo geschenkt. Und in epischer Breite darüber in Kenntnis gesetzt zu werden, welches Muster der Hosenanzug von Herrn Kohls Ehegattin hat, ist mir weder das Geld noch die Zeit wert.
Indem man seiner Stammleserschaft den gleichen Schmarrn auftischt wie eine BILD oder BUNTE oder neunundneunzig andere Schmarrnblätter, wirds schwer gelingen, sie zu halten.
Aus diesem Grund haben Sie mich als Leser verloren, lieber Kundenservice, hoffe mit meiner Antwort gedient zu haben. Warum ich heute nochmal darauf komme? Weil nämlich auf SPIEGEL Online aktuell grad wieder ein Artikel unter dem Titel steht:

    »Flugunfall: Lufthansa-Frachtmaschine stürzte nach Pilotenfehlern ab [..]
    Im Frachtraum [..] befanden sich angeblich auch Waffen«

Sie dürfen raten, um welche “abgestürzte“ Frachtmaschine es sich wiederum handelt. Viel­leicht steht der nämliche Schmarrn am Montag genauso in der Print-Ausgabe, aber dort werd ichs nimmer lesen. Papierln kann ich mich selber.
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*) »Die Frachtmaschine [..] habe zunächst normal aufgesetzt. „Es folgten zwei weitere Bodenberührungen.“ Dann sei das Heck abgebrochen, und nach 2400 Metern sei das Flugzeug von der Landebahn geschlittert.« (SPIEGEL 33/ 2010)

32 Kommentare

  1. Absolut einzusehen. Das einzige, was am Spiegel noch wirklich gut ist, ist der Hohlspiegel, über den ich mich doch immer wieder sehr amüsiere.

    Leider stelle ich dasselbe mit der Tageszeitung „Der Standard“ fest. Dort gibt es immer häufiger Artikel, die nicht nur von grammatikalischen und mathematischen Fehlern strotzen, sondern auch mit zurückgenommenen Falschdarstellungen protzt. (Ich habe momentan nur Freitag und Samstag abonnemiert, weil ich die Schachspalte so mag, werde das Abo aber vermutlich auch sehr bald abbestellen.

    Und von twoday verabschiedete ich mich (hinsichtlich meines eigenen Blogs), weil ich heute in der Früh schon wieder einmal seiten von Spam-Einträgen vorfand und allein für das Verfassen dieses Kommentars erst einmal über eine Minute warten musste, bis das Kommentarfenster erschien. das ist einfach inakzeptabel.

  2. Was Sie am Spiegel bemängeln, lieber Kollege, hat mich schon Ende der 80 so genervt, dass ich die Lektüre aufgeben habe. Und wenn ich beim Friseur in einer aktuellen Ausgabe blättere, stelle ich fest, es ist noch schlimmer geworden. Da wird eine ganze Doppelseite verpulvert mit einer Vermutung und rundum 25 müßige Erwägungen. Da geht es mir wie beim Wetterberichtentertainment im TV. Zum Schluss frage ich mich oft, und wie wird jetzt das Wetter?

    Heute bietet mir GMX an: „7x Europas größtes Nachrichtenmagazin Der SPIEGEL für einmalige 19,90 Euro. Als extra Dankeschön erhalten Sie ein 3-teiliges Reisetaschenset, inklusive Trolley.
    Auch die Bild am Sonntag können Sie jetzt 8x zum absoluten Vorzugspreis lesen – und einen 4 GB USB-Stick gibt es gratis mit dazu!“

    Toll, dann kann ich Sonntags in der Dreckspress lesen, was montags ausführlicher im Spiegel steht, nicht minder verschmockt.

    Da lese ich doch lieber bei Ihnen und anderen lesenswerten Bloggern.

  3. Ich lese schon seit über zehn Jahren keinen Spiegel mehr. Allerdings ist der Hauptgrund die tendenziöse Berichterstattung. Die in jüngeren Jahren mitunter sogar in perfideste Kriegspropaganda abgleitet. Spiegel-Leser wissen nicht mehr, sie wissen was die herrschende Klasse sie wissen lassen will. Die Hofschranzen vom Spiegel kann ich nicht mehr ernstnehmen.

  4. Ja klar, was am Donnerstag auf SPON steht, steht am Montag dann genauso im SPIEGEL.

    SPIEGEL ONLINE lesen Sie auch nur noch, um darüber lästern zu können (ist ja auch kostenlos, und bringt dieselben Geschichten immer schon ein paar Tage früher).

    Und SPIEGEL, Bild, BUNTE und 99 andere Schmarrnblätter tischen ihrer Leserschaft alle „den gleichen Schmarrn“ auf (inhalts- und wortgleich sogar, vermute ich, weil alles aus der selben Schmutzpresse stammt).

    Man merkt, Sie sind ein richtig gründlicher Leser, stets gut und umfassend informiert (solange Sie nicht den SPIEGEL und andere Schmarrnblätter lesen müssen), medienkompetent, absolut auf der Höhe der Zeit, und immer mit dem Blick für das Wesentliche gesegnet.

    Völlig Unrecht haben Sie dagegen lediglich mit dem Adjektiv „abgestürzt“ – das ist zwar in der Tat etwas schief, und das stellt in einer Inhaltsangabe eine durch nichts wieder gut zu machende Todsünde dar – aber das wirklich Schlimme daran ist, dass Sie im Text „von selbst“ erfahren konnten, wie es wirklich war. Das geht ja nun gar nicht, dass man die Fehler aus der Inhaltsangabe im Text nicht mehr wiederholt! (Ich kenne renommierte Tageszeitungen, die machen das viel besser.)

    „Das“ Kundenservice wird aufgeatmet haben, als es gemerkt hat, dass es am SPIEGEL nicht mehr auszusetzen gibt als das.

    Als Satire auf das allseits beliebte „SPIEGEL“-Bashing finde ich ihren Text jedenfalls sehr gelungen.

  5. lieber nömix,

    ihre kritik in allen ehren, jedoch finde ich ihre immer wiederkehrende pauschalisierung der schülerzeitung mehr als fragwürdig.

  6. Es ist schon ein Elend mit dem SPIEGEL. Ich hatte ihn von 1988-1993 gelesen – dann wusste man irgendwann, woran man war. Die Berichterstattung zum Jugoslawienkrieg war eine Katastrophe. Einzelne Artikel lese ich zuweilen heute noch; zumeist ohne großen Erkenntnisgewinn. Der Wettbewerb mit dem „Focus“ hat dazu geführt, dass der SPIEGEL sich dem Niveau des Eindringlings angepasst hat. Was bleibt, ist fast nur noch bräsige Arroganz des Besserwissenden. Der SPIEGEL lebt von seiner Patina. Schade.

  7. @ Beobachter
    Jegliche Kritik unreflektiert als “Bashing“ oder “lästern“ abzukanzeln, finde ich jeden­falls nicht sehr gelungen. Der SPIEGEL wollte es immerhin von mir wissen, warum ich mit seinem Angebot unzufrieden bin, also kriegt ers auch gesagt. Wenn dem Koch die Antwort nicht passt, dann darf er den Gast nicht fragen, warums ihm nicht geschmeckt hat. Leserkritik abzuschmettern, indem man ihm mangelnde “Medienkompetenz“ at­tes­tiert, ist natürlich unsinnig: Keiner muss selber Koch sein, um beurteilen zu können ob eine Suppe schmeckt oder nicht.

  8. Da scheinen sich viele gefunden zu haben.

    Ich war ebenfalls Spiegel Leser seit Ende der 80’er. Obwohl ich mich immer öfters übder Inhalte ärgerte, bis Ende 2009 durchgehalten. Dann wurde es auch mir zu blöd.

    Letztlich waren für mich neben der im Artikel beschriebenen Trivialisierung, auch die, schon mit Hass zu bezeichnende, Berichterstattung über die Linke und die inkonsequenz vieler Artikel. Da wurde in einem Jahr, Müllverbrennungsanlagen als völlig überdimensionierte Bauten angeprangert, waren sie zwei Jahre später schon an der Belastungsgrenze. Überhaupt, die Wissenschaft. Oft wurde da tendentiös berichtet, wo ich von einem Nachrichtenmagazin, Neutralität und verschiedene Meinungen erwarte. z.b.

    Aber auch politische Artikel lassen sich im Spiegel nicht mehr ertragen. Nicht weil sie eine bestimmte Meinung vermitteln, sondern weil sie keine Linie mehr haben. Einerseits werden Dinge angeprangert, in der nächsten Ausgabe, dann wieder ein regierungsfreundlicher Merkel Artikel, in dem das gegenteil steht.

    So habe ich dann auch nach über 20 Jahren Spiegel kaufen aufgegeben.

    (übrigens ist dieser „schwimmende“ Fisch auf deiner Seite lästig beim eingeben. Es lenkt beim tippen der Kommentare ab und läßt sich nicht mal mit [ESC] stoppen)

  9. Mir scheint, der SPIEGEL ist ähnlich inkonsistent wie die Kritik an ihm: Mal ist er zu tendenziös, dann wieder zu meinungsoffen (aufeinanderfolgende Artikel unterschiedlicher Tendenz wären in einem kommunikationswissenschaftlichen Diskurs ein zeichen für innere Pressefreiheit – und damit nicht das Schlechteste, was man einem Medium nachsagen kann).

    Ich habe schon vor 25 Jahren von Lehrern gehört, der SPIEGEL sei eine Bild-Zeitung für Intellektuelle. Man kann das für gut oder schlecht halten, richtig oder falsch, jeder kann sich seine eigene Meinung dazu bilden. Aber dass der Vorwurf (oder die Erkenntnis) neu sein soll, halte ich für einen Witz.

    Ich frage mich deshalb, ob sich wirklich der SPIEGEL so sehr (in dieser Kategorie vom Guten zum Schlechten) verändert hat – oder nicht vielmehr seine Leser (und sich immer wieder verändern), ob es also gewissermaßen einen natürlichen, typischen SPIEGEL-Zyklus gibt, von der Begeisterung, über die Gewöhnung, bis zur Enttäuschung und zum Bashing. (Ich vermute mal, eine Entwicklung, die manchem aus dem Privatleben nicht ganz fremd ist.)

    Auch die Jugend ist ja nicht mehr das, was sie früher mal war – und das sagen die Älteren schon seit 5000 Jahren.

  10. Wer kanzelt hier jegliche Kritik als „Bashing“ ab (und das Wort „lästern“ kann ich in meinem Beitrag gar nicht finden)? Und wo habe ich verlangt, dass Sie selbst „Koch“ sein müssten???
    Ich habe mich auf Ihren Beitrag bezogen, und wenn ich von „Bashing“ sprach, habe ich „Bashing“ gemeint (und nicht „jegliche Kritik“).
    Wenn Sie mit – relativen – Petitessen einen Generalangriff begründen, ist das Ihre Sache. Ich habe jedenfalls schon weit fundiertere Leserkritik am SPIEGEL gelesen. (Am Focus oder Stern merkwürdigerweise viel seltener – scheinen einfach nicht so schlecht zu sein, diese Blätter.) So, wie Sie austeilen, sollten Sie selbst jedenfalls nicht so empfindlich sein. (Oder einfach die Kommentarfunktion hier für all diejenigen sperren, die nicht Ihrer Meinung sind.) Wenn Sie meinen Beitrag nicht gelungen fanden, finde ich das zwar schade, aber micht stört das nicht.

  11. Nein, im Ernst und zur Güte:
    Dass Sie hier kritische Kommentar zulassen, und sogar ohne vorherige Prüfung, ehrt Sie natürlich! Dankeschön!

  12. Als “relative Petitesse“ kann ich den oben referenzierten Artikel allerdings keines­wegs empfinden, jedenfalls nicht in der Print-Ausgabe eines SPIEGEL, von der ich mir vormals zuverlässig seriöse Berichterstattung erwarten durfte. Ich habe nicht den SPIEGEL als Schmarrnblatt tituliert, sondern mich drüber beschwert, dass einem dort neuerdings Vergleichbares aufgetischt wird WIE in diversen Schmarrnblättern. Billige Luftnummern über “mysteriöse Details“ oder Home­stories über Hosenanzüge, die man sich in einem seriösen Qualitätsmedium nicht zu erwarten hat, und die ich eben als Affront gegenüber der zahlenden Stamm­leserschaft betrachte.

  13. Nee, ich bin da nicht bei Ihnen. Der erwähnte Artikel mag etwas übergeigt gewesen sein, so what? Dass er irgendwo etwas Falsches enthält, entnehme ich Ihren Blogeintrag nicht.
    Dabei ist das ist ja nun wirklich noch Ihr härtester Punkt, weil er sich auf einen (!) ganzen (!) Artikel bezieht – darauf dann aber eine Generalabrechnung mit einem Medium zu stützen, von dem Sie in den letzten 25 Jahren mehr als 100 000 Artikel bezogen haben dürften (und fast alle gelesen, wie ich hoffe), finde ich dann doch etwas mager, man könnte auch sagen: übergeigt, oder, mit Ihren Worten: eine billige Luftnummer.
    Von jemandem mit Ihrem Erfahrungsschatz hätte ich eigentlich etwas mehr erwartet. Wenn Ihnen in all den 25 Jahren nichts Schlimmeres aufgefallen ist als das, kann ich nur sagen: à la bonheur, SPIEGEL.

  14. @Beobachter
    Interessante These. Demnach hätte sich der SPIEGEL-Leser irgendwann von ihm sozusagen „emanzipiert“. Eine Weile ging dann DIE ZEIT noch; jetzt kann man selektiv die Medien mischen (FAZ, SZ, taz, SPIEGEL, ZEIT… )

  15. P.S.
    Um es mal etwas anders herum zu sagen: Es mag ja sein, dass es in jedem SPIEGEL zehn Geschichten gibt, die Sie schlecht finden. Dann bleiben – jedenfalls bis zum Beweis des Gegenteils – immer noch 40 andere, wegen derer der SPIEGEL sein Geld wert ist. Und wenn Sie das anders sehen, brauchen Sie ihn ja wirklich nicht zu kaufen. Nur dieses (in Ihrem Fall auch noch relativ unfundierte) ‚auch nicht mehr das was er mal war‘ hat (wie ich unten ausgeführt habe) vermutlich mehr mit Ihnen (und den wie Sie Empfindenden) als mit dem Objekt Ihrer Kritik zu tun.
    Man müsste hier eigentlich ernsthaft über Inhalte sprechen und die mit dem Angebot anderer Medien vergleichen – und nicht von drei (meinetwegen kritikwürdigen) Artikeln hemdsärmelig auf das große Ganze schließen.

  16. Aber ich bin ja kein ambitionierter Medienwatchblogger oder sowas in der Art, du liebe Zeit. Das ist ja bloß ein gewöhnliches Weblog, wo man halt hin & wieder seine Befindlichkeiten ins Freie raushängt.

  17. Ich hatte mein Spiegel-Abo gekündigt, als Rot-Grün gewählt wurde. Obwohl ich die auch gewählt hatte, ging mir die Wahlkampagne des Spiegel auf die Nerven. Ich möchte informiert und nicht manipuliert werden. Der Spiegel fragte damals schon nach dem Grund, und ich gab an, dass mir die Qualität nicht mehr gut genug war und dass ich eine differenzierte Berichterstattung wünschte.
    Der Spiegel hatte mir geantwortet: tut uns leid, dass wir nicht Ihre Meinung wiedergeben, wir können es ja nicht jedem rechtmachen.

  18. Warum nicht? Könnte doch sein. Wäre das schlimm?
    Es muss ja nicht jedem so gehen.
    Wenn, dann würde ich aber a priori weder dem Leser einen Vorwurf machen, noch dem Blatt.
    Oder was würden Sie von folgendem Eintrag in einem Beziehungs-Blog halten:
    „Ich bin seit 25 Jahren mit der selben Frau verheiratet. (Na gut, ich ging schon auch mal fremd, kam aber immer wieder zurück.) Aber was sie neulich gekocht hat, furchtbar, erst versalzen, und dann auch noch angebrannt. Und im Bett geht auch nichts mehr – jedenfalls nicht mehr ohne medizinische Hilfe. Ich habe jetzt die Scheidung eingereicht. Ach, ich hätte es wissen müssen, meine Mutter hat mich schon damals vor ihr gewarnt …“
    ;-)
    Aber wo Sie SZ , taz und FAZ erwähnen: Wenn der gute nömix da ähnlich kritisch ist wie beim SPIEGEL, wird er die auch zu den 99 Schmarrnblättern zählen.

  19. Jupp, und da geht halt manchmal ein Wind (vor allem, wenn bildblog das Tor zur Hofeinfahrt aufgesperrt hat).
    Deshalb: Nichts für Ungut!

  20. Ich habe mein Spiegel aus eben diesen Gründen gekündigt und auch höflich die Frage beantwortet, warum ich das getan hätte. Aber dann wurde um micht gekämpft, und zwar so, dass ich mich als Leser richtig wichtig gefühlt habe:
    „ich habe erfahren, dass Sie Ihr SPIEGEL-Abonnement gekündigt haben. Dies bedauere ich sehr. Dennoch möchte ich um Sie kämpfen. Bis zum 30.06.2011 halte ich deshalb dieses exklusive Treuepaket für Sie bereit:
    den SPIEGEL frei Haus für EUR 3,80 statt EUR 4,00 pro Ausgabe (Studenten zahlen sogar nur EUR 2,95 statt EUR 4,00).
    ein Wunschgeschenk Ihrer Wahl: einen BestChoice-Gutschein im Wert von EUR 25,- oder einen Bergmann popcube!
    An diesem Paket können Sie sehen, wie wichtig Sie mir als Leser des SPIEGEL sind. Daher freue ich mich, wenn Ihnen das Treuepaket zusagt und ich Sie auch weiterhin zu unseren Lesern zählen darf. “

    Tja.

  21. @Bertha
    “ Dennoch möchte ich um Sie kämpfen“— das ist ja herrlich-!:-)
    …und ist es dem edlen SPIEGEL-Ritter denn geglückt, Ihr treuloses Herz zurück zu erobern-?;-)

  22. Die These, viele Spiegelleser hätten sich vom Spiegel emanzipiert, scheint mir ziemlich plausibel zu sein. Bevor es das Internet gab, waren wir alle in der geistigen Vormundschaft der Printmedien bzw. Radio und Fernsehen. Wir mussten darauf vertrauen, dass uns diese Medien sachgemäß informieren. Wer aber schon einmal an einem Ereignis teilgenommen hat und dann gesehen, wie es in den Medien aufbereit wurde, sah sich schon immer enttäuscht, angesichts der Fehler und der jounalistischen Form der Aufbereitung. Das gleiche gilt für Artikel, die einen Bereich betreffen, in dem man sich selbst gut auskennt.
    Das Internet bietet zumindest potentiell die Möglichkeit, sich selbstständig zu informieren. Auch die Informationen aus dem Internet kommen aus zweiter Hand, aber man lernt rasch, die Verlässlichkeit der Quellen einzuschätzen. Ein einigermaßen mündiger Internetnutzer braucht jedenfalls keine Readaktion, die die Nachrichten für ihn filtert. Zudem sind die meisten Blogleser selbst Blogschreiber, traineren also täglich einen Kulturtechnik, wie sie es in diesem Ausmaß nie zuvor haben tun können, wenn sie nicht beruflich damit beschäftigt waren. Das alles schmälert die Bedeutung der alten Medien, so auch die des Spiegels oder die der großen überregionalen Zeitungen.
    Wenn man sich allein ansieht, welchen Aufwand die Printmedien treiben, um neue Abonnenten zu gewinnen. Daran erkennt man, dass auch die Redaktionen und vor allem die Verlagskaufleute wissen, was die Stunde geschlagen hat.

  23. Aus ähnlichen Gründen habe ich mein Abo vor einigen Jahren beendet.
    Ich erwarte von Journalismus, dass er mir Informationen liefert, die ich mir nicht schon allein aus Allgemeinwissen, sämtlichen anderen Zeitungen/Zeitschriften und dem Dorftratsch zusammentragen kann.
    Ich will Dinge in einen Kontext einsortiert bekommen, mit Analyse und meinetwegen auch Meinung überrascht und bereichert werden.

    Und was macht der Spiegel? Lässt mich mit einem schalen Gefühl zurück, sobald ich am kleinen „Hier-ist-der-Artikel-zuende-bitte-aufwachen!“-Quadrat ankomme. Frei nach dem Motto: Der Vorhang zu und alle Fragen offen.
    Die Analyseschärfe ist quasi nicht vorhanden, man fragt sich ständig, warum denn jetzt etwas so ist, wie es geschildert wurde und welche Auswirkungen außer den offensichtlichen es hat und wer profitiert.

    Ich habe bislang die Printausgabe des Spiegels keine 10 Minuten vermisst. Wenn ich Langeweile habe, lese ich die Onlineausgabe. Das reicht, um über das Gröbste so in Etwa im Bilde zu sein und zu wissen, was sich lohnen könnte, an anderer Stelle genauer nachzulesen.

  24. > So machts der SPIEGEL aber, vormals Qualitätsmedium

    oh, opa erzählt vom krieg!

    ich weiss nicht, wann der spiegel das letzte mal „qualitätsmedium“ war — soweit ich mich zurück erinnere, war er immer die BILD der gehobenen stände.

  25. Der Spiegel – die BILDzeitung des vermeintlich Intelektuellen. Gratulation zur Kündigung!

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