Es gilt die Abhörvermutung

Wie alle übrigen EU-Mitgliedstaaten ist auch Österreich seit 2007 zur Umsetzung der EU-Richtlinie über die Vorratsdatenspeicherung verpflichtet – weil das bisher noch nicht passiert ist, ist mittlerweile ein Vertragsverletzungsverfahren am EU-Gerichts­hof anhängig. Morgen soll deswegen der überfällige Gesetzesbeschluss im Ministerrat vereinbart werden.
Schau mer mal, was Österreichs auflagenzweitstärkster Verschenk-Volksinformationspostille dazu als Aufmacher einfällt:


Na, da wird sie aber viel zu tun haben.

14 Kommentare

  1. Mein Arzt hört mich auch immer ab, ob ich gesund bin. Sind Handys in Österreich eine besonders gefährdete Gruppe? Ist die Dame etwa Bundesgesundheitsministerin?

  2. wer so einen schwachsinn von sich gibt gehört in keine zeitungs-redaktion sondern in eine geschlossene anstalt. sowas ist nicht mehr witzig sondern krank.

  3. Das ist nicht krank. Das ist Anpassung an das Publikum.

    Ich les das ja auch in der U-Bahn, nachdem das gratis überall herumkugelt.
    Und noch mehr faszinieren mich die Menschen rund um mich, die das studieren und auf einer Seite zwanzig Minuten verbringen. Mehr kann ich nicht kontrollieren, weil ich dann aussteigen muss.

  4. Es gibt eh nur zwei mutmaßliche Tatmotive dafür, warum die das eigene Leser­publikum mit einer dermaßen hirnsträubenden Ansage für blöd verkaufen – wer mag, darf sich eins aussuchen:

    1.) entweder geschieht sowas vorsätzlich aus Kalkül, um beim Publikum Stimmung gegen eine Justizministerin zu machen, mit der man bekannt­lichermaßen schon seit längerem auf Kriegsfuß steht –
    oder
    2.) die sind wirklich selber so blöd, dass die das erst meinen.

    Es gilt die Unschuldsvermutung.

  5. Also im Ernst: das mit der Justizministerin stimmt natürlich. Da muss man ja schon fast Mitleid haben, obwohl ich sie selber nicht mag. Ich mag niemanden, der in Seitenblicke auftaucht.
    Aber viel schlimmer ist es, dass es der Stil ist, den viele (und damit meine ich mehrere Millionen, selbst wenn Österreich auflagenmäßig nicht alle von denen erreicht) Österreicher benötigen. Der Stil ist es, der ihnen gefällt.
    Ich hab immer gedacht, dass die Journalisten blöd sind. Doch die schreiben nur das, was ankommt.
    Deswegen liebe ich Pornografie. Da weiß ich, was ich bekomme. Und sie wird so gemacht, wie ich oder andere sie „brauchen“. Also eine ziemlich „ehrliche“ Spielform. Da wird erst gar nicht vorgegeben, dass es sich um Realität handelt. Ähnlich wie bei Wrestling, da geht es ja genauso zu:)

  6. Ich möchte gerne, Herr Steppenhund, vorsichtig anmerken, daß die Vermutung, es handle sich um eine Anpassung an das Leserbedürfnis, sehr leicht zu entkräftigen ist. Bei einer monopolmäßig gratis in der U-Bahn verteilten Zeitung (jede/r – mich ausgeschlossen – liest sie, weil nichts anderes da ist) stehen lediglich die Eigeninteressen der Herausgeber im Mittelpunkt.

    Ich bezweifle, daß sich potentielle Leser beschweren würden, wenn gut recherchierter, fundierter, wichtiger, interessanter oder auch nur lebensbejahender Inhalt darin zu finden wäre. Wenn nur ein IKEA-Katalog in der U-Bahn aufliegen würde, würde er auch gelesen werden, studiert, mitunter.

    Die jeweils anderen sind nicht blöd und wollen dumme, deprimierende Geschichten lesen, sondern schlimmstenfalls wissen sie nicht, was sie tun oder daß es eine Auswahl gäbe (in dem Fall nämlich: nichts lesen und ein paar Mal tief durchatmen, bevor das Tagewerk seinen Lauf nimmt). Die Verantwortung für den Inhalt liegt bei den Herausgebern: wollen wir die Menschen aufbauen und moblisieren, sich einzubringen in die Gesellschaft, oder wollen wir sie verängstigen, damit sie leichter zu kontrollieren sind (von unseren Werbepartnern) und am Abend brav vor dem Fernseher sitzen bleiben, weil sie keine Kraft mehr für was anderes haben?

    Was bewegt Frau Dichand zu ihrer Entscheidung?

  7. Frau Dichand bewegt vor allem ihr eigenes Antlitz – daher ist dieses auch in jeder dritten Ausgabe der kostenlosen Zeitung im Society-Teil geschickt in Fotos von diversen Events untergebracht. Zielgruppe Nr. 1 also: die Herausgeberin selbst. Dabei ist das Lesen einer Gratiszeitung in der Limousine mit Chauffeur besonders extravagant.

  8. @ Schnee, volle Zustimmung.
    (kleine Berichtigung nur, der Abhör-Blödsinn steht in Herrn Fellners Verschenkblatt. Frau Dichand gibt das Konkurrenzblatt heraus – für das natürlich das gleiche zutrifft: Promoting (politischer & wirtschaftlicher) Eigen- oder Werbepartnerinteressen, incl. Wahrheitsverdrehung bis zu gezielter Lesertäuschung (Extremfall z.B. hier: die Veröffentlichung ver­fälschter Statistikdaten zugunsten Raucherlobby)

  9. ad Schnee

    Fellner, Dichand und (wer auch immer Krone) addressieren mit der Krone mehr als 3 Millionen Österreicher. Man kann argumentieren, dass die anderen 5 Millionen gescheiter sind. Doch bezweifle ich das, wenn ich die Wahlergebnisse ansehe.
    Wenn ich als Kaufmann etwas verkaufe, so muss ich es nicht ganz Österreich verkaufen. Offen gestanden reicht es mir, wenn ich 20 Hauptkunden habe (von 1000 Unternehmen), doch auf die muss ich mich einstellen können.
    Prinzipiell stimme ich Ihrer Analyse der Interessenslage aber durchaus zu, was den „verängstigen“ und „kontrollieren“-Anteil angeht.

  10. Um meinen eigenen „Es ist nicht alles verloren, aktive Veränderung der Gesellschaft ist möglich, es gibt was mitzuarbeiten“-Funken am Leben zu erhalten (was zugegebenermaßen nicht ganz so einfach ist) gehe ich davon aus, daß diese Millionen, auf deren Geisteszustand die Wahlergebnisse immer wieder hinweisen, fundamental verängstigte Menschen sind – und zu recht.

    Sie nehmen sich als ganz und gar abhängig von äußeren Umständen wahr (z.B. wenn der Strom nicht aus der Steckdose, das Wasser nicht aus dem Hahn, das Geld nicht von der Bank und das Essen nicht aus dem Supermarkt kommt, sinkt die Überlebensfähigkeit schnell zum Nullpunkt), ohne Mitbestimmung, sie sind dauer-bedroht und klammern sich an jeden Strohhalm („Endlich in Sicherheit!“) und schauen dorthin, wo einer am lautesten schreit (Strache, „Heute“, Krone etc.). Wir können, meiner Meinung nach, diese Ängste nur bezwingen, wenn wir uns wieder als Mitgestaltende in diesem System wahrnehmen können.

    Und das IST möglich. Viele Menschen arbeiten daran, überall auf der Welt werden Schritte in diese Richtung unternommen. Unsere Medien schweigen es tot. Stattdessen machen sie uns mit der 100. Geschichte vom in der Waschmaschine zu Tode geschleuderten Baby, dem 1000. grausigen Fund, dem 10.000 Horror-Crash fertig. Danke, Frau Dichand, danke Herr Fellner, danke H.C. Euer Weitblick ist wirklich beeindruckend kurz.
    (Ja, auch die drei haben in echt nur Angst und möchten geliebt werden. Wieso die mühsamen und so folgenreiche Umwege? Keine Ahnung).

  11. Natürlich haben die „drei“ etwas zu verlieren. Die Frau Dichand schätze ich als intelligent ein, nicht unbeding als moralisch, Fellner scheint es nur um Quoten zu gehen, Über HCH möchte ich mich nicht äußern. Der verwendet halt die Angst der Anderen. Mit den drei Millionen habe ich Mitleid, nicht mit den „drei“.

    Aber in Wirklichkeit geht es uns verdammt gut. Nicht nur den gut Verdienenden und den Arbeit Habenden. Selbst die Ärmsten müssen nicht verhungern. Und um das Leben bangen müssen wir auch nicht. Und sich dessen einmal bewusst werden, ist angesichts unserer Medien fast unmöglich.-

    Aber ich schätze die Haltung „es ist noch nicht alles verloren“ sehr. Ohne die Menschen, die so denken, wären wir wirklich verloren.

  12. …und wenn die elektronische PKW-Maut kommt, schreibt Herr Fellner dann in der Schlagzeile:

    „Verkehrsminister will in allen Autos mitfahren“

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