In 30 Tagen um die Welt, 46. Tag

  .. von Gsiberg nach Pembroke Dock

Von Vorarlberg mit drei Stück 6-Tonnen-Gabelstaplern unterwegs nach Pembroke Dock*, Südwest-Wales. Waliser und Vorarlberger haben gemeinsam, dass außer ihnen selber kein Mensch ihre Sprache versteht. Mit dem Unterschied, dass man sich mit einem Waliser in einer lebenden Fremdsprache verständigen kann, z.B. auf Englisch. Das geht in Vorarlberg nicht. Mit den Vorarlbergern kann man sich zwar in einer lebenden Fremdsprache verständigen, z.B. auf Deutsch, aber nur in Schriftform. Sprechen tun sie es grundsätzlich nicht. Wenn man von einem Vorarlberger was wissen will, muss man sich die Antwort von ihm per SMS schicken lassen, auch wenn er direkt neben einem steht.
(Sagt mir z.B. der Disponent am Telefon: »In Zischdig häsch’ g’höri zitig z’Lutrach z’si bi d’Ih­fuhr­verzollig.« [oder so ähnlich.] – Sag ich, er solls auf Deutsch wiederholen, sagt er: »In Zischdig häsch’ g’höri zitig z’Lutrach z’si, bi d’Ihfuhrverzollig!« [oder so ähnlich.] – sag ich, er soll mir eine SMS schicken. Schreibt er: »Dienstag früh Lauterach Einfuhrverzollung«, und jetzt versteh ich was er meint.)
Die Abladeadresse ist eine Firmenhalle, noch im Rohbau. Laderampen sind noch nicht fertig, wie soll man die Gabelstapler vom Lkw abladen? Also ruft der zuständige Mann dort in seiner Firmenzentrale an, wie das Problem zu lösen sei. Ich versteh kein Wort davon, was da am Te­le­fon auf walisisch besprochen wird, aber der Mann erklärt mir anschließend amüsiert, was ihm die in der Zentrale gesagt hätten:
Wir sollten einfach warten, heute müsse eh ein Lkw aus Österreich mit einer Ladung Gabel­stapler eintreffen, und mit den neuen Gabelstaplern könne der Lkw sodann entladen werden: der Lkw aus Österreich, der bereits am Hof steht. Mit der Ladung Gabelstapler drauf. Münch­hausen, der sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf zieht – kein Wunder, dass der Mann über das Telefonat recht belustigt war.
(Schließlich rückte dann ein Autokran von einer Kranverleih-Firma an, der lud die Gabel­stap­ler ab.)

7 Kommentare

  1. Also, Deutschschweizer und Südbadener verstehen Vorarlberger, weil die nämlich alle alemannische Mundarten sprechen, und die können daneben meist auch Deutsch. Aber für Restösterreich ist das natürlich völlig aus der Welt, und man kann ja schlecht einen Schweizer Dolmetscher extra für die Verständigung mit Vorarlberger Disponenten anstellen ;)

    1. So einfach ist das auch wieder nicht: im Vorarlberger Dialektkontinuum bestehen zahl­rei­che regionale Unterdialekte die sich untereinander teils so erheblich un­ter­schei­den, dass sogar die Vorarlberger selber ihre Landsleute aus dem Nach­bar­dorf oder dem Nachbartal zuweilen nur schwer verstehen – obgleich ihr Ländle nicht größer ist als das Saar­land (Achtung, running gag).

      1. Ja, gut, das Phänomen gibt es in der Schweiz ja auch. Aber die SMS-Lösung umschifft das ja auch recht elegant und preiswert.

      2. Ansonsten könnte man Vorarlberg noch in gegenseitig unverständliche Mundarten pro Saarland umrechnen…

      3. Haben Sie gewusst dass Vorarlberg beinahe doppelt so groß ist wie Ostfriesland. Man müsste es nur bügeln.

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