In 30 Tagen um die Welt, 38. Tag

  ..  von Odessa nach Purkersdorf

Was importieren die Bayern aus Ägypten? Ratet mal. Das gleiche was die Österreicher in die Ukraine exportieren. So läuft das mit der Globalisierung. Letzte Woche, zum Beispiel:
Eine Ladung Erdäpfel kommt aus Ägypten per Schiff übers Mittelmeer nach Ancona an der Adria, dort krieg ich sie auf den Lkw umgeladen. Mit 25 Tonnen ägyptischer Erdäpfel gehts über den Brenner zum Großmarkt München. Klar wachsen auch in Deutschland genug Erd­äpfel, aber in Ägypten sind sie billiger.
Tags darauf im Innviertel/Oberösterreich: eine Ladung für Odessa, Ukraine. Nämlich 25 Tonnen Erdäpfel. Mit den Innviertler Erdäpfeln gehts ans Schwarze Meer – bizarr, nichtwahr. Klar wachsen auch in der Ukraine genug Erdäpfel, aber in Österreich sind sie billiger.
(Retourladung in Galaţi, Rumänien: eine Ladung Eichenrundholz nach Purkersdorf im Wie­nerwald. Klar wachsen auch im Wienerwald genug Eichen, aber so läuft das halt.)
Warum die ägyptischen Erdäpfel nicht in Odessa an Land gehen, die Innviertler Erdäpfel nicht einfach nach Bayern rüber geworfen und die Eichen nicht gleich im Wienerwald vor der Haustür gefällt werden, hat alles seine Logik. Und Logistik.

Rumänien: der kleine Gigerer (Pfeil) muss die Stämme aus dem Wald ziehen, dann werden sie nach Österreich geschafft. Was für die Lkw-Verladung zu lang ist, wird abgeschnitten.

9 Kommentare

  1. na geh, is wirklich wahr, dass sie abgeschnitten werden, was über die ladefläche des lkw hinausragt?
    die stämme werden doch auf das försterische maß geschnitten, oder? außerdem tät keiner an hinnigen splint kaufen, den könnens ruhig abschneiden vom stamm.

  2. demnächst wird sowieso alles per flieger transportiert. das ist ja soooo billig!
    möglicherweiser werden die stämme dann aber noch mehr abgeschnitten…

  3. Jetzt frage ich mich bloss, wieso die Erdäpfel (bei uns heissen sie übrigens Härdöpfel und kommen aus der Migros – aus der Region für die Region, jawohl (jedenfalls meistens)) im Innviertel teurer sind als in Odessa. Die kapitalistische Erfahrungwürde eigentlich das Gegenteil nahelegen

  4. Nein, in der Ukraine sind die Erdäpfel teurer als bei uns. Dort war letztes Jahr eine schlechte Ernte wegen Trockenheit, daher hohe Nachfrage. In Österreich war die Ernte super, daher Überangebot = niederer Handelspreis. Wenn er seine Erdäpfel nach Osteuropa verkauft, macht er – trotz Transportkosten – immer noch das bessere Geschäft, jedenfalls hats mir der Bauer im Innviertel so erklärt.

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