In 30 Tagen um die Welt, 33. Tag

..  Deutschland, der Verkehr

»Der Deutsche fährt nicht wie andere Menschen. Er fährt, um recht zu haben. Rücksicht nehmen? um die entscheidende Spur nachgeben? auf­lockern? nett sein, weil das praktischer ist?… nichts davon. Mit einer Stur­heit, die geradezu von einem Kasernenhof importiert erscheint, fährt Wagen gegen Wagen, weil er das “Vorfahrtrecht“ hat – sie haben ja alle so recht! Denn Ordnung muss sein, und anders können sie sich Ordnung nicht vor­stellen – wo ich fahre, da fahre ich! – ums Verrecken bremst er nicht.
Es ist keine Ordnung. Es ist organisierte Rüpelei.«

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(Kurt  Tucholsky, “Der Verkehr“ 1929)

7 Kommentare

  1. Korrekt Das ist mir auch aufgefallen, als ich nach einigen Jahren nach Deutschland zurückkehrte. Die Leute fahren langsam, aber ein Jeder hat die Straßenverkehrsordnung auswendig gelernt. Gerne wird auch der Vordermann auf Regelverstöße aufmerksam gemacht. Ich kann es mir z.B. nicht abgewöhnen über rote Ampeln zu fahre, wenn nix los ist in der Nacht.

  2. Leider stimmt das heute immer noch. Manche bezeichnen das Auto als des Deutschen liebsten Kind. (der Vergleich der Geburtsstatistig mit den Zulassungszahlen scheint dies zu bestätigen) Andere bezeichnen es als ihre Freiheit. Einige handeln nach der Devise „Wer bremst verliert“.
    Für mich fängt dort die Gefahr für das Leben und die Gesundheit an, wenn ein Fahrer auf sein „Recht“ oder auf seine „Freiheit“ besteht.

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